BLKÖ:Thürheim, Franz Ludwig Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 44 (1882), ab Seite: 288. (Quelle)
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Franz Ludwig von Thürheim in der Wikipedia
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Thürheim, Franz Ludwig Graf (k. k. Feldmarschall, geb. am 27. Juni 1710, gest. zu Wien am 10. Juni 1782), Sohn des Feldmarschalls Franz Sebastian Grafen von Thürheim aus dessen Ehe mit Maria Maximiliana Rebecca Gräfin von Salburg, trat nach seines Vaters Tode 1726, erst sechzehn Jahre alt, in das kaiserliche Heer. 1731 bereits Rittmeister im damaligen Zollern’schen Kürassier-Regimente, diente er später bei der Infanterie und that sich als Grenadierhauptmann in der Schlacht bei Parma am 29. Juni 1734 so hervor, daß er in der Relation unter den Ausgezeichneten namentlich erwähnt wird. Zum Oberstwachtmeister befördert, übernahm er das Commando der in Italien stationirten Abtheilungen seines Regiments (Franz Wenzel Wallis, jetzt Nr. 59). Nachdem er mit diesen (einem Bataillon und einer Grenadier-Compagnie) den Feldzug 1735 in Oberitalien mitgemacht hatte, rückte er im Juli 1736 zu seinem in Siebenbürgen stehenden Regimente ein, in welchem er bald darauf zum Oberstlieutenant aufstieg. [289] Als solcher wirkte er im Feldzuge 1737 gegen die Türken mit den unter seinem Commando kämpfenden zwei Bataillons und zwei Grenadier-Compagnien des Regiments bei der Einnahme von Nissa, sowie der Belagerung und Erstürmung von Uštza thätigst mit. In dem vom 2. Juni 1738 datirten Decret seiner Ernennung zum Obersten und Commandanten desselben Regiments wurden seine Verdienste in letzterem Kriege ausdrücklich erwähnt. Im Feldzuge 1738 kam er mit seinem Regimente zu dem im Lager bei Gradisca stehenden Lobkowitz’schen Corps, mit welchem er nach der Schlacht bei Kornia die Stellung am eisernen Thorpaß bezog. Hier sowie im Hatzeger Thale verblieb er auch im nächsten Feldzuge 1739. Bei Ausbruch des österreichischen Erbfolgekrieges mit seinem Regimente Siebenbürgen verlassend, rückte er am 22. Mai 1741 bei der Armee des Feldmarschalls Grafen Neipperg im Lager bei Neisse ein. Am 17. Mai 1742 focht er in der Schlacht bei Chotusitz, wo er am Kopfe schwer verwundet wurde, in Folge dessen er zeitlebens ein silbernes Hirnblättchen tragen mußte. Das Regiment, seit 1740 Leopold Daun-Infanterie, hatte sich unter Thürheim’s Führung in letzterer Schlacht glänzend hervorgethan, aber den empfindlichen Verlust von 24 Officieren und 422 Mann an Todten und Verwundeten erlitten. Schon im nächsten Feldzuge, im Treffen bei Simbach, zeichnete sich der Graf neuerdings durch seine zweckmäßigen Anstalten und das leuchtende Beispiel eigener Tapferkeit aus, so daß er viel zum günstigen Erfolge beitrug. Von dem Prinzen Karl von Lothringen und dem Feldmarschall Grafen Khevenhüller der Gnade der Königin besonders empfohlen, wurde er sogleich durch Beförderung zum Generalmajor belohnt. In dem bezüglichen Ernennungsdecrete heißt es wörtlich: „von ihme selbst von Jugend auf in den Italiani, Türkisch- und dermaligen Krieg geleisteten treu eifrigen Felddiensten, darin überkommenen schweren Blessuren, in allen Vorfallenheiten bezeigten Bravour und vernünftigen Conduite, besitzenden guten Kriegsexperienz und Geschicklichkeit nicht minder in dem ihm begleitenden ruhmwürdigen Eigenschaften u. s. w.“. Als General machte Franz Ludwig die Feldzüge 1744 und 1745 am Rhein, in Böhmen und Bayern mit. Bei Gründung der Wiener-Neustädter Militär-Akademie 1752 wurde er Unter- oder Localdirector derselben unter der Oberdirection des Feldmarschalls Grafen Daun. Wie der Historiker Professor Adam Wolf in dem unten benannten Werke schreibt, hatte Thürheim die Sache so rasch angegriffen, daß die Akademie schon im Herbste 1752 eröffnet werden konnte. In Leitner’s „Geschichte der Wiener-Neustädter Akademie“ heißt es wörtlich: „Der einfache und gerade Thürheim, der wegen seiner kurzen und kernigen Sprache bekannt war, besaß bei vielem militärischen Geiste, den er der Jugend einzuflößen wußte, auch die Gabe, auf das Gemüth derselben zu wirken und sich ihre Liebe und ihr Vertrauen zu erwerben; er gab sich viel mit seinen Zöglingen ab, sorgte für ihre Bedürfnisse und wußte seinen Einwirkungen auf deren Bildung ohne Zwangsmittel Erfolg zu verschaffen“. Noch heute befindet sich in der Directionswohnung der Militär-Akademie zu Wiener-Neustadt sein Porträt, eine gleichfalls gemalte Copie desselben im Thürheim’schen Schlosse zu Weinberg. Seit 25. Juli 1752 Feldmarschall-Lieutenant, wurde [290] Graf Franz Ludwig bei Ausbruch des siebenjährigen Krieges auf seine wiederholte Bitte 1756 zur operirenden Armee eingetheilt. Im Februar 1757 wurde er Inhaber des heutigen 25. Infanterie-Regiments. Während der Schlacht von Prag am 6. Mai 1757 war er Commandant der Besatzungstruppen. Er handhabte mit Energie und Strenge die Ordnung in der böhmischen Hauptstadt und verhängte über einige der angesehensten Bürger, welche sich grobe Nachlässigkeiten und Renitenz hatten zu Schulden kommen lassen, sozusagen im Angesichte des vor den Thoren der Stadt stehenden Feindes, die damals schimpfliche Strafe, umgekehrt auf einem Esel durch die Hauptstraßen der Stadt zu reiten. Hier wurde ihm für die hervorragende Thätigkeit, mit welcher er sich der Pflege der Verwundeten unterzog, die Anerkennung der obersten Heeresleitung zutheil. Nach der Einnahme der Festung Schweidnitz im November des Jahres 1757 zum Commandanten derselben ernannt, vertheidigte er diesen Platz vier Monate auf das tapferste. Unter seinem Befehle standen 8000 Mann, aus allen Infanterie-Regimentern entnommen, und 200 Reiter. Den Winter über schmolz diese Besatzung auf 5000 Mann, und dennoch widerstand die Festung vom 15. December 1757 bis 15. April 1758. Zur Charakteristik des Festungscommandanten ist folgender Fall bezeichnend. Am 17. Jänner 1758 kam General-Lieutenant Fouqué an die Festung Schweidnitz angefahren, durch einen Parlamentär den Commandanten zur Ergebung auffordernd. Dieser aber ließ ihm sagen: „er solle um Johanni wieder anfragen kommen“. Da indeß Fouqué noch längere Zeit, als es in solchen Fällen gestattet ist, vor der Festung sich aufhielt, gab Thürheim Befehl, zwei Kanonenschüsse abzufeuern. Der eine war so glücklich angebracht, daß die Kutsche des preußischen Generals umgeworfen und dieser bemüssigt wurde, sich zu Fuß eiligst aus dem Festungsbereiche zu entfernen. Am 1. April 1758 wurden die Laufgräben bis auf 500 Schritte vor dem Galgenfort eröffnet. In der Nacht vom 15. zum 16. wurde dasselbe mit Sturm genommen. Erst nach angelegtem Hauptsturme ergab sich Feldmarschall-Lieutenant Graf Thürheim unter ehrenvollen Bedingungen. Die österreichische Garnison zog in der Stärke von 4924 Mann, darunter 1150 Kranke, am 18. April mit den Waffen aus dem Striegauer Thore ab. Thürheim selbst wurde als kriegsgefangen vom Könige Friedrich II. zurückbehalten, der sich für die lange Vertheidigung von Schweidnitz in nicht sehr königlicher, aber von ihm oft beliebter Weise rächte. Denn über das Schicksal Thürheim’s theilte der Hofkriegsrath unterm 18. November 1761 dem Feldmarschall Grafen Daun mit: „daß sowohl Feldmarschall-Lieutenant Graf Thürheim als der Oberst seines Regiments Marquis Vitelleschi vom König Friedrich ohne Ursach und Grund als Arrestanten nach Magdeburg abgeführt worden sind, auch deren Frauen nicht bey sich haben und mit Niemand Umgang pflegen dürfen, daß aber Ihre Majestät die Kaiserin (Maria Theresia) als Repressalie die vier ältest gefangenen preußischen Generäle in die Festung Kufstein bringen ließ“. Mit einer späteren Note vom 22. December gibt aber der Hofkriegsrath dem Feldmarschall Grafen Daun bekannt: „daß Thürheim und Vitelleschi, der Festungshaft entlassen, in die Stadt Magdeburg überführt wurden, und aus Reciprocität der [291] preußische Generallieutenant Fink von Kufstein nach Innsbruck in dasselbe Verhältniß versetzt wurde, wie Graf Thürheim“. Mit Decret ddo. 23. April 1763 erfolgte Franz Ludwig Thürheim’s Ernennung zum Feldzeugmeister und zum Gouverneur der Festung Luxemburg. Mittels Decretes vom 18. März 1778 erreichte er gleich seinem Vater die höchste militärische Charge, die Würde eines kaiserlichen Feldmarschalls, unter Beibehalt seiner bereits 1774 erfolgten Anstellung als Capitän der Trabantenleibgarde. Außerdem bekleidete er die geheime Rathswürde und war Kämmerer unter Karl VI., Maria Theresia und Joseph II. 56 Jahre hatte er voll Ehren und Auszeichnung gedient, als ihn der Tod im 73. Lebensjahre ereilte. Seine 1741 mit Elisabeth von Bogotsnak geschlossene Ehe blieb kinderlos. Seine Gemalin starb als Witwe im Spätherbste 1787. Graf Franz Ludwig Thürheim besaß das alte Thürheim’sche Besitzthum Ritterlehngut Bibrachzell in Schwaben. Dieses nebst den gleichfalls daselbst gelegenen Reichsherrschaften Ober- und Nieder-Reichenbach erbte dann Karl Graf Thürheim von der in Bayern ansässigen Linie. Aber mit geringer Familienpietät verkaufte derselbe diesen mehr als drei Jahrhunderte, seit 1479, dem Thürheim’schen Geschlechte gehörigen Besitz bereits im Jahre 1786 an die Abtei Kaisersheim. Außer Bibrachzell besaß Feldmarschall Thürheim ein in der nächsten Nähe Wiens, bei Hietzing gelegenes kleineres Landgut, die sogenannte Feistritzmühle, welche er selbst gekauft und eingerichtet hatte. Diese erbte sein Neffe Norbert Joseph Graf Thürheim [S. 308], der als Oberlieutenant in des Marschalls Regiment diente. Nachdem aber jener bei der veteranischen. Höhle am 11. August 1788 vor dem Feinde geblieben war, wurde auch dies Besitzthum veräußert. Mit dem Tode des Feldmarschalls Franz Ludwig Grafen Thürheim erlosch die von Franz Leopold gestiftete Linie.

Geschichte des 25. Linien-Infanterie-Regiments Feldzeugmeister Freiherr von Mamula (Prag 1875, gr. 8°., Selbstverlag des Regiments) S. 204, 224, 246, 261 und 262. – Geschichte des 59. Infanterie-Regiments vom Hauptmann Anton Leiler (Salzburg 1856) S. 16. – Arneth (Alfred Ritter). Erste Regierungsjahre Maria Theresia’s, Bd. II, S. 218, Bd. IV, S. 92, Bd. V, S. 354. – Meynerts Geschichte Oesterreichs. Bd. VI, S. 68 und 69. – Hirtenfeld (J.). Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) Bd. I, S. 27. – Streffleur’s Oesterreichische militärische Zeitschrift, 1860, Bd. l, S. 268. – Loudon’s Leben von Wilhelm Janko (Wien 1869) S. 280. – Leitner von Leitnertreu (Ignaz von, Major). Geschichte der Wiener-Neustädter Militär-Akademie (Hermannstadt 1852) Theil I, S. 83 bis 84. – Adam Wolf. Aus dem Hofleben Maria Theresia’s, S. 193.