BLKÖ:Vivenot, Rudolph Ritter von (Vater)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 51 (1885), ab Seite: 91. (Quelle)
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Vivenot, Rudolph Ritter von, Vater (Arzt und Musikdilettant, geb. in Wien 3. Juli 1807). Nach der „Oesterreichischen National-Encyklopädie“ von Gräffer und Czikann [Bd. V, S. 571] wäre in Rede Stehender bereits 1790 geboren; da sich aber sein Vater Dominik [siehe den Vorhergehenden] erst 1806; und zwar mit Josepha von Vogel vermälte, so dürfte unsere obige Angabe, daß der Sohn 1807 zur Welt gekommen, die richtige sein. Rudolph widmete sich der ärztlichen Laufbahn, beendete die medicinischen Studien an der Wiener Hochschule, erlangte an derselben die Doctorwürde daraus und betrat nun die Praxis, welche ihm durch den Ruf seines Vaters in den höheren Kreisen der Residenz gleichsam geebnet vorlag. Bald war er selbst einer der gesuchtesten und beliebtesten Aerzte. Der [92] schriftstellerischen Thätigkeit sich hinzugeben, blieb ihm bei seiner ausgebreiteten Praxis nur wenig Zeit, und so besitzen wir von ihm blos die Schrift: „Andeutungen über Gastein und dessen Anstalten zu Wildbad und Hofgastein. Für Aerzte und Curgäste“ (Wien 1839, Mörschner’s Witwe, gr. 8°.). Im denkwürdigen Jahre 1848, als die Wogen der Bewegung immer höher schlugen und politische Parteien sich zu bilden anfingen, trat auch Vivenot’s Name für einen Augenblick in den Vordergrund. Es war in den ersten Tagen des September, als die Parteien ihren politischen Ansichten durch Farben Ausdruck zu geben begannen. Zu dieser Zeit kamen zum ersten Male das Blutroth, Schwarz-roth-gold und Schwarzgelb an die Tagesordnung. Ueber diese interessante Episode der Wiener Revolution 1848 gibt das unten angeführte Werk von Freiherrn von Helfert erschöpfenden Aufschluß. Es galt, gegen die überwuchernden, von den radicalen Journalen und auswärtigen Emissären beeinflußten „Hetzer, Wühler, Terroristen und Republicaner“, wie sie in der Zeitschrift „Die Geißel“ Nr. 44 vom 12. September zusammengefaßt werden, damals die deutsche (schwarz-roth-goldene) Partei, eine patriotische österreichische Partei zu bilden. Dieser Riesenaufgabe in der allen möglichen Zielen, nur nicht jenen einer gesetzlichen Ordnung zusteuernden Bevölkerung Wiens unterzog sich Dr. Rudolph Vivenot in Gemeinschaft mit Julius von Zerboni de Sposetti. Beide zusammen gründeten in den ersten Tagen des September den „constitutionellen monarchischen Verein“, der als Abzeichen Bänder mit den Farben des österreichischen Kaiserhauses, Schwarz und Gold, annahm, woraus dann das Stichwort „Schwarz-gelb“ entstand, mit dem man später Jeden bezeichnete, der nicht mit der Revolution ging. Kaum war die Bildung des Vereines bekannt geworden, als sich auch schon Tausende und aber Tausende hinzudrängten, um Mitglieder desselben zu werden. Da traf es sich am 15. September, daß wie auf Verabredung auf den beliebtesten Mittelpunkten der inneren Stadt Alles in Schwarz-gold erschien: es lag in den Schaufenstern der Band- und Modewaarenhandlungen aus, elegante Herren trugen es im Knopfloch, Fiaker hatten es an ihrer Kleidung oder auf ihren Hüten. Unter anderen sah man aber auch einen riesigen Menschen, gleichsam zur Parodirung des Fahnen- und Cocardenstreites mit Bändern von allen Farben behängt, wie einen wandelnden Auslagkasten sich breit und ungeschlacht durch die gaffende Menge Platz machen. Allein es blieb nicht beim Anstarren. Einige Herren, die sich in der Herrengasse und auf dem Michaelerplatze mit den kaiserlichen Farben zeigten, empfingen einen Gänsemarsch, so daß sie, um die unbequeme Nachfolge los zu werden, entweder in die nächsten Häuser traten, oder aber ihre Bänder einsteckten. An anderen Orten gab es Püffe und Schläge, ein „schwarz-gelber“ Fiaker soll von drei „deutschen“ Fiakern durchgeprügelt worden sein. Auch dem vorerwähnten Riesen ward von allen Seiten so zugesetzt, daß er es zuletzt gerathen fand, sich aus dem Staube zu machen. Der Spectakel, der gegen 7 Uhr Abends begonnen, währte bis in die Nacht hinein und hatte am Vormittag des 16. noch allerhand Nachspiele. So gelangte durch den „constitutionellen monarchischen Verein“ der Gegensatz von Oesterreichisch und Deutsch, von Schwarzgold (Schwarz-gelb) und Schwarz-roth-gold [93] zum vollen Ausdruck, und durch die Taktik der revolutionären Partei, der einzigen, welche sich damals ihrer Ziele bewußt war und mit einer Consequenz, die einer besseren Sache würdig gewesen wäre, auf ihr letztes Ziel, ein allgemeines Chaos, um dann in Raub und Plünderung ihre Ernte zu halten, lossteuerte, wurden Schwarz-gold und Schwarz-roth-gold verdrängt und das Blutroth an ihre Stelle gesetzt. Während diese Unfüge auf den Straßen stattfanden, der Hader der Parteien schon die Nationalgarde zu zerreißen drohte und der Vivenot’sche Verein unter solchen Umständen schon den Todeskeim in sich trug, sah, wie Helfert bemerkt, die Regierung diesem tollen Treiben unthätig zu, weder Lust habend, noch Zeit findend, sich in diesen „Bandlkrieg“ zu mischen. Diese Helfert’sche Glosse trifft denn doch nicht zu, im Gegentheil, das Verhalten der Regierung war ein durchaus haltloses. Die „Wiener Zeitung“ erklärte im Abendblatte, daß das Schwarz-gelb bereits einen anderen Sinn erhalten, als es früher gehabt, doch trotzdem noch immer einen zweideutigen Sinn habe! Sie erklärte ferner, daß das Provociren, das eine kleine Partei für nothwendig erachte, um zu zeigen, daß sie existire, nicht nöthig sei!! Also die Regierung mischte sich in höchst kläglicher Weise in diesen „Bandlkrieg“, und sie würde besser gethan haben, wenn sie, wie Herr von Helfert irrthümlich voraussetzt, wirklich unthätig geblieben wäre. Dr. Vivenot, verstimmt über diese Wendung der Dinge, die vielleicht nicht würde eingetreten sein, wenn der Verein nicht erst im September, sondern schon im Mai oder Juni sich zu bilden begonnen hätte, legte die Leitung nieder. Der Verein aber, unter einer neuen Leitung, welche es an noch schlimmeren Ungeschicklichkeiten nicht fehlen ließ, löste sich unter den blutigen Wirren der Octobertage von selbst auf. Seit diesem verunglückten Versuch, in bewegter Zeit eine patriotisch-politische Partei zu bilden, beschränkte sich Dr. Vivenot nur noch auf seine ärztliche Praxis und sein humanistisches Wirken, nach welch letzterer Richtung seine Gründung des Erzherzogin Sophien-Spitals zu gedenken ist. Zuweilen, da er ein ausgezeichneter Musikdilettant ist, trat er mit einigen Compositionen vor das Publicum. Eine Uebersicht dieser letzteren, so weit sie dem Verfasser dieses Lexikons bekannt geworden, folgt. Die Gesammtzahl der im Druck erschienenen Nummern dürfte sich auf etwa 40 belaufen. Dr. Vivenot hat sich dreimal vermält, zuerst am 16. Mai 1832 mit Josephine geborenen Freiin von Metzburg; dann 1841 mit Antonie geborenen Berger von Bergenthal und zuletzt am 6. Februar 1850 mit Mathilde geborenen Swatosch. Letztere, ehe sie Vivenot’s Gattin wurde, entzückte als Opernsängerin unter dem Namen Mathilde Hellwig das Publicum des Wiener Hofoperntheaters, namentlich in heiteren Partien [Bd. VIII, S. 297, in den Quellen]. Ueber den Familienstand aus diesen drei Ehen vergleiche die angeschlossene Stammtafel. Dr. von Vivenot ist Director des Unterstützungsvereines für Witwen und Waisen des medicinischen Doctoren-Collegiums in Wien. Er ist seit dem Jahre 1866 Ritter des Ordens der eisernen Krone dritter Classe, außerdem aber von Brasilien, Belgien, Hessen-Darmstadt, Preußen, Sachsen und Schweden durch Orden ausgezeichnet.

Uebersicht einiger Compositionen des Dr. Rudolph Ritter von Vivenot, Vater.Elegie[94] Von J. Fischel. Für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 4. – „Die Bergstimme“. „Die Wasserfahrt“. „Der Traurige“. Drei Lieder für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 5. – „Romanze: Farewell! By Lord Byron“. Für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 6. – „Das Abendroth“. Lied für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 7. – „Was willst du mehr?“ Gedicht von J. N. Vogl. Für 1 Singst., mit Begl. des Pianoforte und Horn (oder Violoncell). Op. 10. – „An meinen Vogel“. Gedicht von Rochelmann. Für 1 Singst., mit Begl. des Pianoforte und Violonc. Op. 12. – „Ich denk’ an dich“. Gedicht von Turteltaub. Für 1 Singst., mit Pianoforte, Horn oder Violoncello. Op. 14. – „Der Fischer“. „Nachtigall und Rose“. „Jägers Abendlied“. „Herzensfrühling“. Aus Saphir’s „Wilden Rosen“. Für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 15. – „Zwei Gedichte in der österreichischen Mundart“. Von Baron von Klesheim. Für Sopran und Tenor (Erinnerung ans Schwarzblatt’l, ’s Mailüfterl) Op. 16. – Souvenir de Winař“. Polka de Salon. In D. Op. 18. – „Schlummerlied“. Gedicht von L. Tieck (Ruhe, Süßliebchen, im Schatten). Für Sopran oder Tenor. Op. 24. – „Abschied“. Gedicht von Mosenthal. Für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 27. – „Romanze“. Aus dem Spanischen übersetzt. Für 1 Singst., mit Pianobegl. Op. 28. – „Abendläuten“. Gedicht von G. Fr. Blaul (Auf grünbemoostem Steine). Op. 30. – „Soldatenliebe“. Gedicht von W. Hauff (Steh’ ich in finst’rer Mitternacht). Op. 31. – „Parademarsch“. Für die Nationalgarde, in F. Op. 33. – „Zum Siegeskampf fürs Vaterland“. Defilirmarsch, in D. Op. 38. Ohne Opuszahl: „Dubliner Galopp“. Für Pianoforte. – „Edinburger Galopp“. – „Malvinen-Polka“. Für Pianoforte allein, und auch für Pianoforte und zwei Violinen.
Quellen. Helfert (Freiherr von). Die Wiener Journalistik im Jahre 1848 (Wien 1877, Manz, gr. 8°.) S. 179–187: „Schwarz-gelb und hochroth“. – Das Jahr 1848. Geschichte der Wiener Revolution (Wien 1872, R. von Waldheim, 4°.) Bd. II, von Moriz Smets, S. 523: „Die Bandmännerhetze“. – Majláth (Graf Johann). Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg, Friedrich Perthes, gr. 8°.) Bd. V, S. 426. – Sárkady (István). Hajnal. Arczképpekkel és életrajzokkal diszített Album“, d. i. Die Heimat. Bilder- und Biographienalbum (Wien 1867, Sommer, gr. 4°.) Bogen 13.
Porträt. 1) „Rudolph Edler von Vivenot sen. Nach dem Leben“ gezeichnet und lithographirt von Joseph Bauer (Wien, Peter Käser, kl. Fol., Kniestück mit Facsimile). – 2) Unterschrift: „JD. Dr. Vivenot Rudolph, Lovag. Marastoni 1867“ (lith.) Wien 1867, Reiffenstein und Rösch 1867 (gr. 4°.).