BLKÖ:Wildenstein, die Grafen und Freiherren, Genealogie

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 56 (1888), ab Seite: 146. (Quelle)
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Wildenstein (steirisches Adelsgeschlecht) in der Wikipedia
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I. Zur Genealogie der Freiherren und Grafen von Wildenstein. Wir finden dieses alte und berühmte Geschlecht ursprünglich in Bayern (Franken und Pfalz), dann in Kärnthen, in der Steiermark, wo es zu besonderer Macht und Größe gelangte, endlich in Schlesien. Aus Bayern scheint es nach Oesterreich, und zwar zunächst nach Kärnthen eingewandert zu sein, wo es im Jaunthale die Burg gleichen Namens erbaute, und schon 1156 erscheint Uveriand de Wildenstein als Zeuge in einer Schenkungsurkunde des Herzogs Bertolt von Maranien zu Gunsten des Cistercienserklosters Viktring bei Klagenfurt. Hauptmann Beckh-Widmanstеtter berichtet, wie sich die Wildenstein in Kärnthen ausbreiteten, und gedenkt auch ihrer Uebersiedlung nach Steiermark um das Jahr 1530. Die Söhne des Hans Wildenstein und der Anna Mordax: Andreas, Nicolaus und Primus, sind die ersten, welche festen Fuß fassen in Steiermark, und von Nicolaus ab läßt sich die Stammesfolge dieses Geschlechtes in Steiermark ununterbrochen verfolgen. Des Nicolaus Enkel Primus, Leonhard, Theodorich (Dietrich) und Christoph bildeten vier neue Zweige, von denen die der beiden Ersteren bald abstarben, auch jener Christophs der nach Deutschland gezogen war; der von Theodorich gestiftete aber blühte fort, gelangte zu Ansehen und Vermögen und spaltete sich mit des Stifters Urenkeln Franz Christoph und Johann Joseph in zwei Linien, die ältere oder Kalsdorfer und die jüngere oder Wildbacher Linie, welche aber beide in der ersten Hälfte des laufenden Jahrhunderts erloschen. Die Stammesfolge der einzelnen Generationen ist aus der angeschlossenen Stammtafel ersichtlich. Die Familie gelangte in Steiermark bald zu Macht; ob, wie Hauptmann Beckh-Widmanstetter in seiner unten citirten Monographie S. 6 bei Siegmund Wildenstein andeutet, durch dessen Pflegeführungen, geht uns nichts an, weil die Vermögensgebarung ein Act rein privatrechtlicher Natur und, so lange kein Angriff des Beschädigten erfolgt, weder anzuzweifeln noch anzugreifen ist und Vermuthungen des Gegentheils in historischen Arbeiten, die sich nur auf Thatsachen stützen dürfen, geradezu unstatthaft sind. Kurz, die Wildenstein erlangten mit der Zeit mächtigen Grundbesitz, hatten im Landtage Sitz und Stimme, erwarben sich in ihren einzelnen Sprossen durch Energie ihres Auftretens, durch Bildung und Kenntnisse und humanes Gebahren die Achtung nicht bloß ihrer Standesgenossen, sondern des Volkes überhaupt, dessen Söhne sie waren, und ihr Andenken lebt heute, da sie bald seit einem halben Jahrhundert erloschen sind, in erfreulicher Weise fort. Sie dienten dem Staate, zunächst dem Lande, dem sie als Großgrundherren angehörten, wir nennen nur beispielsweise Johann Franz, Johann Joseph, Johann Max Probus, Max Joseph, welche als steiermärkische Ausschußräthe und Landeshauptleute ebenso in Tagen des Friedens, wie in solchen der Gefahr mannhaft für das Land einstanden, wie dieses löblichen Vorgehens in den Lebensskizzen der Einzelnen ausdrückliche Erwähnung geschieht. Wenn [147] wir im Dienste der Kirche nur einzelnen Sprossen begegnen, so dem Triester Bischofe Heinrich und dem Regensburger Domherrn Schweikhard Sigismund, so erscheinen sie doch namentlich in früheren Zeiten unter den Vertheidigern des Vaterlandes, und zwar finden wir zwei George, welche gegen die Türken auszogen; einen Wolf Georg, der 1632 in der Schlacht bei Lützen tödtlich verwundet wurde; Hans Christoph, welcher mit heldenmäßiger Ausdauer die Veste Kochersberg gegen die Franzosen hält; den Johanniter Cajetan August, dessen Andenken durch die capitale Inschrift seines Grabsteins bewahrt wird. – Auch die Pflege der Wissenschaft fand in diesem Geschlechts eifrige Vertreter. So beschäftigte sich Graf Franz Joseph mit classischen Studien, und Graf Ernst Heinrich widmete sich, wie sein handschriftlicher Nachlaß im Gratzer Landschaftsarchiv bezeugt, historischen Forschungen, war aber dabei auch der Muse nicht abhold, die ihn ebenso zu eigenen Schöpfungen begeisterte, wie zur Verdeutschung französischer Autoren anregte, welche damals als Classiker galten. – Was nun die Frauen dieses Geschlechtes, sowohl die Töchter des Hauses als die Schwiegertöchter, welche in die Familie durch die Ehe gelangten, betrifft, so heirateten ebenso die Ersteren in die ansehnlichsten Familien Oesterreichs, wie Letztere solchen angehörten, und wir finden unter den mit den Wildenstein verwandten Geschlechtern die Namen Thurn, Welzer, Herberstein, Saurau, Gallenstein, Teuffenbach, Attems, Keutschach, Khuenburg, Steinpeiß, Trauttmansdorff, Gloyach, Zöllner , Wagensberg, Schrattenbach, Wurmbrand u. a. – Was die Würden und Aemter dieses Geschlechtes anbelangt, so fühlten und führten sich die Wildenstein, ehe sie durch Diplome Bestätigung ihres alten Adels erlangt und gesichert hatten, als Edle und Herren. Einige Zeit hatten sie von dem Schlosse Sonnegg (Sunegk) in Kärnthen den Namen angenommen und schrieben sich von Sunegk, aber mit Diplom ddo. Villach 26. Juli 1470 nahmen sie unter gleichzeitiger Aenderung der Farbe des Wappenschildes von Weiß in Roth den von Alters her überkommenen Namen Wildenstein an, den sie fortan behielten. Dann erlangte der innerösterreichische Hofkammerrath Johann Franz mit Diplom ddo. 13. März 1649 den Freiherrn-, mit einem anderen ddo. 18. März 1678 den Grafenstand mit dem Prädicate Freiherr auf Wildbach und Kalsdorf, Herr zu Schachenthurm und Lieboch; dem Landeshauptmann Johann Joseph und den Söhnen dessen älteren Bruders Franz Christoph verlieh aber der Kaiser, nach dem Erlöschen des Geschlechtes der Eggenberge, das Oberstkämmereramt in Steiermark. – Ueber den ausgedehnten Grundbesitz der Familie gibt Schmutz in der unten citirten Quelle ausführliche Nachricht. [Beckh-Widmanstetter (L.). Denkstein Siegmunds von Wildenstein im Schlosse Wildbach in Steiermark (Wien 1873, Hof- und Staatsdruckerei 8°., 13 S.). – Schmutz (Karl). Historisch-topographisches Lexikon von Steiermark (Gratz 1822, Kienreich, gr. 8°.) Bd. IV, S. 360. – Hellbach (Johann Christian von). Adelslexikon oder Handbuch über die historischen genealogischen Nachrichten vom hohen und niederen Adel, besonders in den deutschen Bundesstaaten u. s. w. (Ilmenau 1826, B. F. Voigt, 8°.) Bd. II, S. 744. – (Zedler’s) Universal-Lexikon 36. Bd. (1748), Sp. 824 bis 831. Mit ungemein reichhaltiger Literatur auf Sp. 830.]

[146a] [WS 1]
Stammtafel der Freiherren und Grafen von Wildenstein aus Wildbach und Kalsdorf.
Waramund.
Agathe von Thurn.

Pankraz.
Radegund Weltzer von Spiegelfeld.

Hans.
Anna Mordax.
Andreas
Barbara Weltzer von Feistritz und Spiegelfeld.
Nicolaus
Ursula von Oberburg.
Eine Tochter ledig †. Primus.
Helene von Herberstein.
Georg [5]
N. N.
Sigismund [10]
† 19. Juli 1570.
1) Elisabeth von Falmhaupt.
2) Helena von Spangstein.
3) Afra von Saurau.
4) Eva von Aichelberg.
Christoph.
Primus
Helene von Herberstein.

Georg
Barbara von Hoym.
Leonhard.
Euphemia
von Rattenberg.
Helene,
vm. Christoph
Gall von Gallenstein.
Martha
vm. 1) von Aigl.
2) Oswald von Prag.
Theodorich [11]
† 21. August 1594.
Sarah
von Teuffenbach-Mayerhofen
† um 1598.
Adam, Johanniter
† im heil. Lande.
Martha, †. Sophie, †. Christoph, † 1598.
1) Maria Auer von Polach.
2) Judith von Hohenkirchen.
Georg.
1) von Attems.
2) von Keutschach.
Adam.
Johanna Maria
von Malentin.
Barbara,
vm. Georg Siegmund
von Attems.
Sigismund
geb. 1575,
†.
Wilhelm

geb. 1579,
†.
Adam
geb. 1582,
†.
Marie
Johanna
geb. 1584,
Stiftsdame
zu Gratz.
Sophie
Regina
† 1587.
Marie
Elisabeth
geb. 1588
vm. Cyriak
v. Waldenhofen.
Hanns
Christoph [6]
geb. 1589.
geb. 1589.
1) N. v. Neuenstein.
2) Clara Anna
Worms von
Schaffoltsheim.
Judith
geb. 1590,
†.
Wilhelm
geb. 1593,
† 1594.
Sophie
Marie
geb. 1595.
Schweikard
Sigismund,
Domherr
in Regensburg
† 28. Sept.
1672.
Barbara
vm. 1) Georg Freiherr von Saurau.
2) Christoph Freiherr von Rakenitz.
eine Tochter,
vm. Theodorich Pernstorfer.
Georg Siegmund
geb 12. Dec. 1581, † 13. Febr. 1615.
Margaretha von Steinpeis
† 23 Juni 1615.
u. noch 5 Kinder
jung †.
Johann Franz [8]
1649 Freiherr, 1678 Graf
† 18. October 1678.
1) Barbara Constantia Freiin Scheit,
verw. Ferdinand Freiherr von Khuenburg, † 1645.
2) Sidonia Magdalena Freiin Eibiswald,
verw. Freiin Mindorf, † 1665.
3) Maria Clara Freiin Gloyach, † 1669.
Johann Georg †. Judith Katharina,
Stiftsdame zu Gratz.
Amalie,
vm. von Elsenheim.
und noch 2 Töchter.
Aeltere oder Kalsdorfer Linie. Jüngere oder Wildbacher Linie.
Franz Christoph
geb. 1646, † 1676.
Theresia Freiin Mindorf
Cäcilia Renata
† 16. December 1708,
vm. Graf Trauttmansdorff.
Johann Joseph [9]
geb. 12. Februar 1668, nach Anderen schon 1662,
† 6. März 1747.
Maria Juliana Freiin von Zöllner,
verw. Michael Weikard Graf Vetter von der Lilie
† 28. September 1708.
Johann Christoph
† 17. Jänner 1742.
1) Maria Felicitas Gräfin Steinpeis.
2) Josepha Sidonia
Gräfin Schrottenbach,
St. K. O. D.
† 1739.
Anna Barbara,
St. K. O. D.,
vm. Ernst v. Gera.
Maria Cäcilia,
vm. Friedrich
Graf von Seeau.
Therese,
vm. Freiherr v. Gall.
2) Otto Heinrich
Graf Schrottenbach.
Franz August
geb. 1671, †1743,
Maria Theresia
von Tattenbach.
Johann Max Probus
geb. 10. November 1702,
† 14 März 1779.
1) Maria Barbara
Gräfin Trauttmansdorff.
2) Agnes Gräfin Nimpsch.
Maria Anna,
Ursulinerin.
Juliane
vm. Dismas Graf
Attems.
Max †. Franz Anton †. Charlotte,
Nonne.
Claudie,
Nonne.
Amalie,
Nonne.
Cajetan August [2]
Comthur des deutschen Ordens
geb. 1703, † 6. Jänner 1764.
Johann Joseph
geb. 1697, † 1731.
und noch 5 Kinder
Ernst Heinrich [S. 150]
geb. 10. Jänner 1708, † 25. Februar 1768.
M. Theresia Gräfin Thun-Valsassina
† 20. Juli 1765
und noch 4 Töchter
und 2 Söhne jung †.
Ferdinand Maria
geb. 8. December 1736, † 11. März 1801.
Maria Aloisia von Stubenberg.
Max Joseph Gottlieb
geb. 16. September 1728, † 6. Februar 1791.
Barbara Gräfin Trauttmansdorff.
und noch 11 Kinder.
Cajetan [S. 145]
geb. 27. Mai 1761, † 4. März 1824.
Agnes von Schärffenberg.
Julie
†. 1849,
vm. Ferdinand Graf Kottulinsky.
mehrere Töchter
Franz Joseph [4]
geb. 21. October 1774, † 19 Mai 1808.
Christine Gräfin Lengheim.
Ernst Ignaz, Benedictiner,
mit dem Klosternamen Siegmund
† 16 Mai 1814.
noch 3 Kinder

[1]


  1. *) Die in den Klammern [ ] befindlichen Zahlen weisen auf die kürzeren Biographien, welche sich auf S. 147–150 (Nr. 1–11) befinden, wenn aber ein S. voransteht, auf die Seite, auf welcher die ausführliche Lebensbeschreibung des Betreffenden steht.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. In der Vorlage ohne Seitenzahl.