Geschichtliche und statistische Notizen über die Firma F. A. Brockhaus

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Titel: Geschichtliche und statistische Notizen über die Firma F. A. Brockhaus
Untertitel:
aus: Album der Sächsischen Industrie Band 2, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 2, Seite 43–53
Herausgeber: Louis Oeser
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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Album der Sächsischen Industrie Band 2 0097.jpg

F. A. Brockhaus in Leipzig.

[43]
Geschichtliche und statistische Notizen über die Firma F. A. Brockhaus.
(Mitgetheilt von Albert Rottner (Herbst 1857).


Der Gründer der nun über 50 Jahre bestehenden Firma F. A. Brockhaus: Friedrich Arnold Brockhaus, wurde am 4. Mai 1772 zu Dortmund geboren und errichtete im Jahre 1805 in Gemeinschaft mit dem Buchdrucker J. G. Rohloff unter der Firma Rohloff und Comp. in Amsterdam eine deutsche Buchhandlung, die er nach dem Austritt seines Compagnon unter der Firma Kunst- und Industrie-Comptoir fortführte und 1811 nach Altenburg verlegte. Im Jahre 1813 veränderte er letztere Firma in F. A. Brockhaus und siedelte 1817 nach Leipzig über, wo er 1818 auch eine Buchdruckerei errichtete. Inmitten seiner geschäftlichen Thätigkeit ereilte ihn der Tod am 20. August 1823 in einem Alter von 51 Jahren 3 Monaten.

Nach seinem Tode wurde das Geschäft zunächst von seinen beiden ältesten Söhnen Friedrich Brockhaus (geboren 23. September 1800 zu Dortmund) und Heinrich Brockhaus (geboren 4. Februar 1804 zu Amsterdam) sowie von Karl Ferdinand Bochmann (geboren 11. Februar 1788 zu Thurm, gestorben 12. Februar 1852 zu Leipzig), unter Beibehaltung der bisherigen Firma für die Erben fortgeführt, und am 20. August 1829 von den beiden Erstern für eigene Rechnung übernommen.

Diese Gemeinschaft dauerte zwanzig Jahre. Mit dem 31. December 1849 trat Friedrich Brockhaus aus dem Geschäft.

Am 1. Januar 1850 übernahm Heinrich Brockhaus sämmtliche unter der Firma F. A. Brockhaus vereinigte Geschäftszweige für eigene Rechnung. Der am 12. Februar 1852 erfolgte Tod von Karl Ferdinand Bochmann veranlaßte ihn, die von diesem bis dahin ausgeübte Procura (am 1. März) seinem ältesten Sohne Dr. Heinrich Eduard Brockhaus (geboren 7. August 1829 zu Leipzig) zu übertragen.

Am 1. Juli 1854 ward Letzterer von seinem Vater als Theilhaber in das Geschäft aufgenommen und die Procuraunterschrift ging auf Wilhelm Böttcher (geboren 18. August 1816 zu Hartha) und Albert Rottner (geboren 6. Januar 1814 zu Zeitz) gemeinschaftlich über.

I. Die Buchhandlung.

Die Buchhandlung, welche sich anfänglich ausschließlich dem Verlagsgeschäft widmete, verbreitete sich nach und nach auch auf die übrigen Zweige des Buchhandels und vereinigt in sich gegenwärtig das ganze Bereich buchhändlerischer Thätigkeit.

[44]
A. Die Verlagshandlung.

Die Verlagshandlung bildet noch immer den Stamm und nimmt den umfangreichsten Theil der Wirksamkeit des Geschäfts in Anspruch.

Der Verlagskatalog von F. A. Brockhaus weist bis Ende 1856 als Gesammtsumme der Verlagsartikel 1909 Werke in 4121 Bänden nach, deren Katalogpreis für ein Exemplar 10,491 Thlr. 12 Ngr. beträgt.

Hiervon kommen auf

Ausgaben auf gewöhnlichem Papier 1590 Werke in 3302 Bänden 7060 Thlr. 25 Ngr.
Einzelausgaben aus Sammelwerken 273 Werke in 463 Bänden 407 Thlr. 3 Ngr.
Ausgaben auf besserm Papier, Pracht- und Miniaturausgaben 46 Werke in 356 Bdn. 3023 Thlr. 14 Ngr.
10491 Thlr. 12 Ngr.


Nach einzelnen Fächern vertheilen sich die beiden ersten Positionen folgendermaßen:

Artikel
Bibliographie 14
Encyklopädien 12
Allgemeine Literatur und Sprachwissenschaft 33
Zeitschriften 35
Theologie und Kirchengeschichte 78
Philosophie 51
Griechische und römische Philologie und Alterthumskunde 37
Orientalische Sprache und Literatur 30
Pädagogik 15
Wörterbücher, Grammatiken und Lehrbücher 55
Jugendschriften 16
Rechtswissenschaft 45
Staatswissenschaft 171
Geschichte 124
Memoiren und Biographien 101
Medicinische Wissenschaften 104
Naturwissenschaften 73
Geographie, Länder- und Völkerkunde 105
Mathematik 11
Militärwissenschaft 14
Technologie 9
Baukunst 7
Handelswissenschaft 10
Haus- und Landwirthschaft 18
Forst- und Jagdwissenschaft 10
Deutsche Nationalliteratur
a) Altdeutsche Literatur
7
b) Gesammelte Schriften
27
c) Romane, Novellen, Erzählungen
154
d) Gedichte
120
e) Dramatische Schriften
75
f) Biographisches und Kritisches
48
431
Ausländische schöne Literatur
a) Sammelwerke
2
b) Französische Literatur
44
c) Englische Literatur
47
d) Italienische Literatur
22
e) Spanische und portugiesische Literatur
20
f) Dänische Literatur
10
g) Schwedische Literatur
22
h) Slawische Literatur
17
184
Kunstliteratur 38
Vermischte Schriften 32
In Summa Artikel 1863

Die Anzahl der jährlich erscheinenden neuen Verlagsartikel und Fortsetzungen beträgt gegen 100 Werke (worunter 1 Zeitung und 4 Zeitschriften), ungerechnet die zahlreichen Accidenzen, Kataloge, Berichte etc. Im Jahre 1855 z. B. erschienen 112 Werke, zu denen 8,252,034 Bogen oder 1650 Ballen 4 Ries 1 Buch Papier verwendet wurden. Die Herstellung derselben nahm an Capital für Honorare an Autoren 31,519 Thlr. 25 Ngr., für Satz und Druck 50,770 Thlr. 10 Ngr. und für Papier 39,223 Thlr. 14½ Ngr. in Anspruch.

Die Verlagshandlung steht gegenwärtig mit ungefähr 900 Autoren in Verbindung und gibt für Postporto jährlich durchschnittlich 2000 Thaler aus. Für die Bekanntmachung ihres Verlags in öffentlichen Blättern wendet sie jährlich an 5000 Thaler auf. Für Buchbinderarbeiten werden jährlich durchschnittlich 11,000 Thaler ausgezahlt.

[45] Die Verlagshandlung steht mit über 1200 Sortimentshandlungen in Deutschland und im Auslande in Geschäftsverkehr, von denen gegen 700 laufende Rechnung in ihren Büchern haben.

Durch Vermittelung ihres eigenen unter der Firma F. A. Brockhaus’ Sortiment und Antiquarium (s. unten) geführten Sortimentsgeschäfts verbreiten sich ihre Absatzwege aber auf fast alle Länder der Erde.

Die Verlagshandlung beschickte die Industrieausstellungen in Leipzig, London, New-York, Paris und München mit ihren Verlagsartikeln und empfing überall Auszeichnungen und Medaillen.

B. Das Commissionsgeschäft.

Im Jahre 1827 ging das Commissionsgeschäft von H. E. Gräfe in Leipzig an die Firma F. A. Brockhaus über und bot derselben Veranlassung, hinfort auch diesem Geschäftszweige specielle Beachtung und Pflege zuzuwenden.

Im Laufe der Zeit hat sich dasselbe bedeutend erweitert, so daß es gegenwärtig die Commissionen für 48 auswärtige Buchhandlungen besorgt.

Die daselbst ein- und ausgehenden Güter eines Jahres betragen durchschnittlich an Gewicht 3600 Centner, wovon 1500 Centner auf die eingehenden und 2100 Centner auf die ausgehenden Güter zu rechnen sind.

C. Das Sortiment und Antiquarium.

Im März 1837 übernahm die Firma F. A. Brockhaus ein von Martin Bossange in Leipzig begründetes französisches Sortimentsgeschäft, das unter der Firma Avenarius und Friedlein bestand und von da ab die Firma Brockhaus und Avenarius annahm. Gleichzeitig errichtete sie in Paris eine deutsche Sortiments- und französische Commissionsbuchhandlung, welche von Eduard Ludwig Friedrich Avenarius (geboren 1. October 1809 zu Halberstadt) geleitet wurde, während Gustav Hartmann Friedlein (geboren 25. Juli 1812 zu Leipzig) in dem Leipziger Geschäft thätig war, aus welchem er am 31. December 1841 ausschied. Am 1. Juli 1844 ging das pariser Geschäft an Albert Frank über. Mit dem am 31. December 1849 erfolgten Austritt von Eduard Avenarius erlosch die Firma Brockhaus und Avenarius und das Geschäft wurde vom 1. Januar 1850 an mit der Firma F. A. Brockhaus vereinigt.

Die ausgebreiteten Verbindungen, welche der Handlung in fast allen Ländern der Erde zu Gebote standen, gaben Veranlassung, dem Sortimentsgeschäft überhaupt eine immer größere Beachtung zuzuwenden und dem schon längere Zeit gepflegten Antiquarbuchhandel eine weitere Ausdehnung zu geben. Sie vereinigte diese Geschäftszweige unterm 1. Januar 1856 unter der Firma F. A. Brockhaus’ Sortiment und Antiquarium.

Die Thätigkeit des Sortiment und Antiquarium ist in erster Reihe dem internationalen literarischen Verkehr gewidmet, um einerseits der deutschen Literatur nach dem Auslande hin neue Abzugskanäle zu eröffnen und die ältern ergiebiger zu machen, andererseits aber auch die Literaturen des Auslandes in Deutschland und denjenigen Ländern, die mit demselben in engerm literarischen Verkehr stehen, leichter zugänglich zu machen und ihnen dadurch eine weitere Verbreitung zu sichern.

Diese Bestrebungen und die Idee einer Concentration des internationalen literarischen Verkehrs wurden in der ersten Nummer des seit Januar 1856 von dem Sortiment und Antiquarium herausgegebenen Organs: „Allgemeine Bibliographie. Monatliches Verzeichniß der wichtigern neuen Erscheinungen der deutschen und ausländischen Literatur. Zusammengestellt von Paul Trömel“, mit folgenden Worten bezeichnet: „Von der Ueberzeugung ausgehend, daß mehr als eine Literatur fast einzig aus Mangel einer leichten und bequemen Bezugsweise ihrer Erscheinungen durch den Handel einem nicht gerechtfertigten Unbeachtetsein von Seiten der andern Literaturen anheimgefallen, hat die unterzeichnete Buchhandlung mit [46] allem Eifer danach gestrebt, ihre Verbindungen überall dahin auszudehnen, wo ihr das Bedürfniß eines geregelten Verkehrs am dringendsten schien, und sie von andern Seiten nichts geschehen sah, einen solchen zu organisiren. So hat sie sich nicht begnügt, der Verbreitung der Literaturen Frankreichs und Englands, die auch äußerlich Deutschland schon immer nahegerückt waren, ihre Thätigkeit zuzuwenden; sie hat es auch nicht dabei bewenden lassen, einen leichtern Bezug der so schwer zugänglichen italienischen und spanischen Literatur anzustreben; sondern sie hat selbst für Literaturen, die dem großen Literaturverkehr bisher ganz fern standen, wie beispielsweise die russische, finnische, neugriechische und andere sind, die Möglichkeit eines Eintritts in die allgemeine Literaturströmung herzustellen versucht.

„Und so glaubt sich die unterzeichnete Buchhandlung auch nicht scheuen zu dürfen, öffentlich einmal auszusprechen, was schon lange das Ziel ihres Strebens gewesen ist: sie möchte dem internationalen literarischen Verkehr, soweit er eben durch den Handel geschieht, ein Mittel- und Stützpunkt werden. Sie möchte Allen, die über den immerhin engen Kreis der eigenen Literatur hinaus auch den Erscheinungen der andern ausländischen Literaturen, sei es nun im streng begrenzten Bereiche einer Wissenschaft oder im Ganzen der Literatur selbst, folgen wollen, durch leichtere Vermittelung derselben in ihren Absichten förderlich sein; sie möchte namentlich aber auch den großen Bibliotheken, deren eigentlicher Beruf es ist, das Beste in sich zu vereinigen, was die Literaturen aller Zeiten und aller Länder hervorgebracht haben und noch hervorbringen, die äußere Möglichkeit geben, ihre Wünsche und Zwecke selbst nach Seiten hin zu erreichen, die ihnen bisher am unzugänglichsten waren. Die günstige Lage im Mittelpunkte des deutschen Buchhandels, die Ausdehnung ihrer Verbindungen in beinahe allen Ländern, die überhaupt eine Literatur besitzen, machen es ihr vielleicht vor vielen Andern möglich, sich eine so schwierige Aufgabe mit einiger Aussicht auf Erfolg stellen zu können. Die „Allgemeine Bibliographie“ aber, die sie hiermit in einem bescheidenen Anfange der literarischen Welt vorlegt, soll neben dem wissenschaftlichen Zwecke, den ihr Erscheinen an und für sich haben muß, hauptsächlich auch als vermittelndes Organ zwischen ihr und dem Publikum dienen. Sie soll aus den neuen Erscheinungen der verschiedenen Literaturen alles Dasjenige aufzeichnen, was ein mehr als flüchtiges oder lokales Interesse hat, also namentlich alle wissenschaftlichen Werke und Dasjenige aus der allgemeinen Literatur, was um irgendeines Bezugs willen eine allgemeinere Theilnahme beanspruchen darf. Damit soll dann aber auch immer zugleich gesagt sein, daß die angeführten Bücher in der unterzeichneten Buchhandlung entweder sofort vorräthig oder doch in verhältnißmäßig kurzer Zeit durch dieselbe zu beziehen sind. Die Literaturen, die sie dabei neben der deutschen besonders berücksichtigen will, sind zunächst die belgische, dänische, englische, finnische, französische, holländische, italienische, neugriechische, nordamerikanische, portugiesische, romanische, russische, schwedische, ungarische und die verschiedenen slawischen und orientalischen Literaturen u.s.w.“

Welche Anerkennung diese Idee in den weitesten Kreisen gefunden hat, beweist der außerordentliche Aufschwung und der rege Geschäftsverkehr, der sich in kurzer Zeit entwickelt hat. Die Verbindungen des Geschäfts erstrecken sich über alle Länder der civilisirten Welt. Sie werden mit Buchhändlern, gelehrten Körperschaften, Bibliotheken, einzelnen Gelehrten und Literaturfreunden unterhalten.

Das stehende Lager des Geschäfts von deutscher und ausländischer Literatur umfaßt über 25,000 Bände, bestehend in wissenschaftlichen Werken aller Art, Classikern, bessern Unterhaltungsschriften, Grammatiken und Wörterbüchern in allen Sprachen.

Eine andere Seite der Thätigkeit dieses Geschäftszweigs ist dem Antiquarbuchhandel zugewendet. Ein werthvolles Lager von über 30,000 Bänden umfaßt alle Zweige der Wissenschaft, zu deren Verbreitung in regelmäßigen Zwischenräumen allgemeine oder Fachkataloge ausgegeben werden.

Eine besondere Aufmerksamkeit, sowohl in Bezug auf neue als auch auf ältere Literatur, widmet das Sortiment und Antiquarium dem Vertrieb der sprachwissenschaftlichen Literatur. Als Commissionshandlung der Deutschen morgenländischen Gesellschaft, der Asiatic Society, des Oriental Translation Fund und der East India Company in London stehen ihr die geeignetsten Mittel zu Gebote, nach dieser [47] Richtung mit Erfolg wirken zu können. Als Organ für den Vertrieb dieses Literaturzweigs gibt sie die „Bibliographie für Linguistik und orientalische Literatur“ heraus, welche neben dem genauen Verzeichniß der neuen Erscheinungen die Bekanntmachung ihres reichen Lagers älterer Werke linguistischer Literatur umfaßt.

D. Das Lagerhaus.

Jemehr sich alle einzelnen Branchen des Geschäfts in dem letzten Jahrzehnd ausbreiteten und zu ihrer größern Vollendung mehr und mehr Hülfszweige heranzogen, desto kostbarer mußten die Räumlichkeiten werden, welche seither zu diesem Zwecke in dem Gebäude des Grundstücks zu Gebote standen. Es mußte daher darauf Bedacht genommen werden, aus demselben Alles zu entfernen, was nicht unmittelbar dem lebhaften Geschäftsverkehr angehörte. Obgleich nun längst schon ein Theil der Lagervorräthe der Verlagshandlung außerhalb des Grundstücks untergebracht war, so befand sich in demselben doch noch fortwährend ein großer Theil, dessen Räumlichkeiten zu andern Zwecken nutzbringender verwendet werden konnten. Das Bedürfniß nach Raum trat immer dringender hervor, und so reifte der längst gehegte Plan, für sämmtliche Lagervorräthe ein eigenes Lagerhaus zu erbauen, der Verwirklichung entgegen. Ende des Jahres 1854 wurde in Reudnitz an der dresdener Chaussee unweit der Verbindungseisenbahn zwischen dem Dresdener und Bairischen Bahnhofe ein Areal von 6570 Quadratellen von der Handlung angekauft, zu welchem später noch weitere daran grenzende 14,213 Quadratellen erworben wurden, und an der nördlichen Grenze desselben im Jahre 1855 das neue Lagerhaus erbaut, welches im Frühjahr 1856 seiner Bestimmung übergeben wurde.

Das Lagerhaus besteht aus einem Eckgebäude, wovon der eine Flügel an der dresdener Chaussee und der andere an einer neuangelegten Straße gelegen ist. Beide Flügel, welche ein ununterbrochenes Ganzes bilden, haben eine Länge von 111 Ellen und eine Tiefe von 20 Ellen.

Das Gebäude umfaßt ein Souterrain, ein Parterre, eine erste und zweite Etage und einen hohen Bodenraum. Der Theil des Parterre westlich von der Einfahrt enthält ein Comptoir und die Hausmannswohnung. Alle übrigen Räumlichkeiten werden zur Aufbewahrung der Lagervorräthe benutzt. Der Plan, auf dem die Anlage und Ausführung des Baues beruht, besteht darin, daß zwischen jeder Fensterwand zwei Ballenreihen aufgestellt sind, welche mit ihren Fußenden aneinanderstoßen, und deren Vorder- oder Kopfseite dem Fenstergange, also dem Lichte zugekehrt sind. Die Lagerräume bestehen aus ununterbrochenen Sälen, die durch einen in der Mitte von Säulen getragenen Hauptgang in zwei Hälften getheilt werden. Da die Fenster nach vorn und hinten in gleicher Richtung stehen, so empfangen auch die dadurch gebildeten Gassen, welche nur durch den Hauptgang unterbrochen sind, von beiden Seiten das volle Tageslicht. Die Entfernung von den Fenstern bis zum Hauptgang beträgt 7 Ellen 9 Zoll, sodaß 8–9 Ballenstapel, jede von 10–12 Ballen nebeinander, aufgeführt werden. Jeder Complex, der einem Fenster angehört und aus zwei Ballenreihen besteht, enthält demnach je nach der Höhe der Etagen 180–216 Ballen.

Der östliche Theil des Parterre umfaßt einen großen Saal mit 42 Ballenreihen und kann 4536 Ballen in sich aufnehmen. Außer diesem befindet sich im westlichen Theile nach der Hofseite zu noch ein kleinerer Saal, der für 800 Ballen Raum bietet, jetzt aber zur Aufbewahrung von Stereotypplatten bestimmt ist. In der ersten Etage können 6912 Ballen und in der zweiten Etage 5760 Ballen aufgestellt werden. Der Dachboden, dessen Stempelwand 1 Elle 18 Zoll hoch ist, hat für 2000 Ballen Raum.

Sämmtliche Räume des Lagerhauses würden demnach, in allen Theilen benutzt, eine Anzahl von 20,000 Ballen in sich aufnehmen können, ohne daß dadurch die Uebersichtlichkeit und Ordnung beeinträchtigt würde. Gegenwärtig befinden sich gegen 10,000 Ballen darin, welche Zahl zeitweilig bei einem Nachschuß des „Conversations-Lexikon“ und des „Kleinern Brockhaus’schen Conversations-Lexikon“ um einige Tausend Ballen vermehrt wird. Die Vorräthe der broschirten Bücher bestehen aus 4520, die der rohen aus 2652 Ballen; die Vorräthe der „Allgemeinen Encyklopädie“ von Ersch und Gruber machen 1180 [48] Ballen aus. Gegenwärtig liegen von dem „Conversations-Lexikon“ 640 Ballen, von der „Gegenwart“ 160 Ballen und von dem „Kleinern Brockhaus’schen Conversations-Lexikon“ 60 Ballen, sowie ungefähr 1000 Ballen Verlagsartikel der Committenten im Lagerhause.

In der Aufstellung der Ballen ist die Ordnung befolgt, daß die rohen Lagervorräthe von den broschirten getrennt liegen. Sämmtliche Vorräthe sind in acht Sectionen und 110 Ballenreihen eingetheilt, wovon jede ihre Anzahl Ballenstapel und Ballen in fortlaufender Reihenfolge enthält. Jede Ballenreihe mündet an einer Säule, an welcher auf einer Tafel die betreffenden Angaben verzeichnet stehen. Die Ballen selbst sind von gleicher Höhe und haben eine übereinstimmende Verpackung von steingrauem Packpapier mit gedruckten Etiquetts auf gelbem Papier.

Das Personal der Buchhandlung von F. A. Brockhaus bestand am 13. Juli 1856 aus:

1 Kassirer welche gemeinschaftlich die Procuraunterschrift haben,
22 Comptoiristen,
3 Lehrlingen,
21 Markthelfern.

Zur Verpackung werden in einem Jahre ungefähr 100 Ballen Makulatur verbraucht, ferner für 1000 Thaler Seilerwaaren, 1000 Thaler Pappen, 600 Thaler Packtuch und 500 Thaler Kisten und andere Emballage.

II. Die technischen Geschäftszweige.
A. Die Buchdruckerei.

Als nach dem Frieden von 1815 das Geschäft immer bedeutender wurde und Friedrich Arnold Brockhaus dasselbe zu Ostern 1817 nach Leipzig verlegt hatte, verwirklichte er den schon längst gehegten Plan, eine eigene Druckerei zu besitzen, um einige damals beginnende wichtige Unternehmungen unter seiner eigenen Anordnung und Aufsicht gedruckt zu sehen. Da ihm, als nichtgelerntem Buchdrucker, die Führung seines Namens nicht gestattet war, so wurde die Officin unter der Firma Zweite Teubner’sche Buchdruckerei am 26. Januar 1818 mit drei hölzernen Pressen eröffnet. Am 21. October 1821 übernahm der älteste Sohn Friedrich Brockhaus, der die Buchdruckerei praktisch erlernt hatte, die Officin, welche nun schon mit zehn hölzernen Pressen arbeitete, und führte sie unter seinem Namen fort. Nach dem Tode des Vaters wurde die Druckerei aus dem sogenannten Place de repos, wo sie seit ihrer Gründung sich befand, in das von demselben angekaufte und zum Theil dazu neuerbaute Haus in der Querstraße verlegt, und nach dessen Letztem Willen mit der Buchhandlung unter der Firma F. A. Brockhaus für gemeinschaftliche Rechnung der Erben bis zum 20. August 1829 fortgeführt, von welchem Tage an beide Geschäfte in den alleinigen Besitz der beiden ältern Brüder Friedrich und Heinrich Brockhaus übergingen.

Die Officin hatte zu dieser Zeit schon bedeutend an Ausdehnung gewonnen. 1826 wurde die erste Druckmaschine aus der Werkstätte von König u. Bauer in Kloster Oberzell aufgestellt, der 1827 eine zweite und 1829 eine dritte folgte. Die erste eiserne Handpresse, eine sogenannte Cogger’sche, war schon 1821 angeschafft worden, sowie im Jahre 1825 eine starke Glättpresse mit Drehwerk; 1826 wurden dann noch zwei eiserne Handpressen, eine Hoffmann’sche und eine Columbiapresse aufgestellt, denen 1827–29 noch drei Hoffmann’sche und drei Columbiapressen folgten.

Die politischen Unruhen des Jahres 1830 und deren Folgen hemmten die fernere Entwickelung einige Zeit, aber schon 1834 wurde eine weitere Vermehrung der Arbeitskräfte nöthig. Eine Dampfmaschine von vier Pferdekraft zur Bewegung der Druckmaschinen aus der Fabrik von Dobbs u. Nellesen in Aachen wurde aufgestellt und eine hydraulische Glättpresse angeschafft. Außerdem wurden die Handpressen noch vermehrt durch zwei Kniehebel- und zwei Säulenpressen von Koch in München, durch eine große und [49] sechs kleinere Stanhopepressen von Dingler in Zweibrücken, sowie durch sechs Columbiapressen von Friedrich Vieweg und Sohn in Braunschweig.

Im Jahre 1833 war bereits eine Stereotypengießerei eingerichtet und 1836 wurde die Schriftgießerei von Theodor Walbaum in Weimar angekauft, welche indessen bis 1843 noch dort fortgeführt wurde (s. unten).

Obgleich sich die Buchdruckerei anfänglich nur mit Herstellung eigener Verlagsunternehmungen beschäftigte, so wurden ihre Leistungen und Dienste nach und nach auch von andern Geschäftsfreunden in Anspruch genommen und ihr Wirkungskreis erlangte dadurch eine solche Ausdehnung, daß die seither innegehabten Räume nicht mehr ausreichten. Es wurde daher im Jahre 1842 der lange vorbereitete Plan zur Ausführung gebracht, ein eigenes großes Gebäude zu erbauen, welches sämmtliche technische Zweige in sich aufnehmen und vereinigen sollte.

Das Hausgrundstück, welches aus einem Vordergebäude und zwei Seitengebäuden bestand und an das ein großes Gartenareal von 24000 Quadratellen grenzte, wurde nun von letzterm dadurch abgeschlossen, daß ein hinteres Quergebäude den Gebäudecomplex vereinigte und dadurch ein geschlossenes Viereck mit großem freiem Hofraum darbot. Das hiernach noch verbleibende Gartengrundstück, welches nach Osten an die Salomonstraße grenzt, besteht aus einem Areal von 20,488 Quadratellen.

Die Ausführung dieses Entschlusses war für die Entwickelung und Gestaltung der technischen Geschäftszweige von den segensreichsten Folgen und dieselben bieten nun eine seltene Vereinigung fast aller auf dem Gebiete der Typographie mitwirkenden Künste dar.

Die Anlage und Ausführung des Bauplans, welche hauptsächlich von Friedrich Brockhaus ausging und geleitet wurde, hat sich seitdem in der praktischen Anwendung auf das vollständigste bewährt.

Infolge dieses Neubaus konnten nunmehr alle der Firma angehörigen Geschäftsbranchen vereinigt und concentrirt werden und es fand eine neue Bestimmung der Localitäten statt.

Die seither von der Druckerei innegehabten Räume des Vorder- und nördlichen Seitengebäudes wurden von dieser verlassen. In die erstere wurden das Commissionsgeschäft und die Kasse verlegt, welche seither in der innern Stadt (Große Feuerkugel) geführt worden waren; die letztern dienten bis zur Erbauung des Lagerhauses hauptsächlich als Hauptlager der Verlagsartikel.

Die Schriftgießerei wurde 1843 von Weimar nach Leipzig gezogen und mit dem Hauptgeschäft vereinigt. Die schon 1834 eingerichtete Buchbinderwerkstatt ward erweitert und in die Geschäftsräume verlegt. Eine Mechanische Werkstätte und Tischlerei wurde eingerichtet.

Die Ausdehnung und Entfaltung der technischen Geschäftszweige nahm hinfort immer größere Dimensionen an. Die Handpressen wurden vermehrt und neue Druckmaschinen mußten angeschafft werden. Die Kraft der vorhandenen Dampfmaschine reichte nicht mehr aus und es wurde 1850 eine neue von vier Atmosphären (acht Pferdekraft) aus der Fabrik der König Friedrich-August-Hütte im Plauenschen Grunde bei Dresden aufgestellt.

Ein bedeutendes Unternehmen, der „Bilder-Atlas zum Conversations-Lexikon“ bot 1844 Veranlassung, eine Artistische Anstalt mit Zeichnern und Stahlstechern und eine Stahl- und Kupferdruckerei einzurichten, welche in neuester Zeit noch durch eine Kartographische Anstalt, Lithographie und Steindruckerei erweitert wurde (s. unter D. Die Geographisch-artistische Anstalt).

Ganz besondere Anstrengungen wurden aber in den letzten Jahren gemacht, um die Officin mit allen den Mitteln reich auszustatten, welche der rastlose Fortschritt der Gegenwart auf dem Gebiete der Kunst und Industrie und die gesteigerten Anforderungen an typographische Erzeugnisse in immer größerer Vollendung verlangen.

Das vorhandene Material wurde nach allen Seiten hin bereichert, neue Druckmaschinen wurden angeschafft, die Farbewerke der ältern durch die neuesten Constructionen verbessert, die Satinirmaschinen und Glättpressen vermehrt und eine zweite hydraulische Glättpresse mit der ersten vereinigt. Der Maschinensaal, welcher 11 Druckmaschinen und eine Satinirmaschine enthält, reichte nicht mehr aus und die Kraft der [50] Dampfmaschine wurde durch Anlage einer Transmission in den Druckersaal für Handpressen geleitet, um hier noch weitere drei Druckmaschinen und eine Satinirmaschine aufzustellen. Um den Transport des bedruckten und unbedruckten Papiers, der Schriftformen und sonstiger Gegenstände aus den großen Sälen in die obern Räume der Bücherstube und des Trockenbodens zu erleichtern, wurde von dem Maschinensaale aus ein Aufzug angelegt, der, durch Dampfkraft gehoben, diese Lasten durch sämmtliche Geschosse des Gebäudes bis auf den Trockenboden führt.

Die Galvanoplastische Anstalt wurde erweitert und vervollkommnet, die Kräfte für Gravir- und Stembelarbeiten wurden vermehrt und eine Xylographische Anstalt ward errichtet.

Zur Abrundung des ganzen Plans wurde noch die Einrichtung der Gasbeleuchtung beschlossen, deren Ausführung im Herbst 1857 geschah. Nach den angestellten Berechnungen werden die sämmtlichen Geschäftslocale der Firma im Ganzen durch 319 Flammen erleuchtet. Bei der gewöhnlichen Arbeitszeit werden diese Flammen in einem Jahre ungefähr 553 Stunden brennen und ein Quantum von 529167,87 Kubikfuß Gas verbrauchen. Der größere Theil davon kommt auf die ausgedehnten Locale der technischen Geschäftszweige, von denen die Buchdruckerei 180 Flammen (der große Setzersaal 62, der Druckersaal 24, der Maschinensaal 20 Flammen), die Schriftgießerei 28 und die Geographisch-artistische Anstalt 31 Flammen enthalten.

Das Material, mit welchem die Druckerei gegenwärtig arbeitet, besteht im Wesentlichen aus folgenden Gegenständen: 14 Druckmaschinen, durch eine Dampfmaschine in Bewegung gesetzt, worunter 2 Doppelmaschinen mittlern Formats, 2 Doppelmaschinen größten Formats (für den Druck der „Illustr. Ztg.“ bestimmt), 4 einfache Maschinen Lexikonformats, 3 einfache Maschinen mittleren Formats, 2 Krummzapfenmaschinen und eine Accidenzmaschine; 24 Handpressen, worunter: 1 Handpresse größten Placatformats, 7 Columbiapressen, 3 Hagarpressen, 5 Hoffmann’sche Pressen, 4 Faulmann’sche Pressen, 1 Stanhopepresse, 1 Kniehebelpresse, 1 Cogger’sche Presse, 1 Accidenzpresse; 3 Satinirmaschinen, von denen 2 durch Dampfkraft bewegt werden; 6 Glättpressen: 2 hydraulische Pressen mit vereintem Pumpwerk und 4 Schraubenglättpressen; 3000 Ctr. Schriften aller Arten alter und neuer Sprachen, Schriftlichen, Vignetten, Verzierungen, Placatschriften etc.; ferner an Gegenständen und Utensilien die den Arbeitskräften entsprechende Anzahl von Setzregalen, Formenregalen, Schriftregalen, Setzkätzen, Setzbretern, Keilrahmen und Formenrahmen, Schließplatten, Schließrahmen, und andern Druckereiutensilien, Buchbinder- und Tischlergeräthsschaften und einschlagenden Gegenständen aller Art. Das Personal bestand am 13. Juli 1856 aus 6 Factoren: 1 Hauptfactor, 1 Accidenzfactor, 1 Druckerfactor für Handpressen, 1 Druckerfactor für Schnellpressen, 1 Faktor des Papierlagers und 1 Faktor der Bücherstube; ferner aus 83 Setzern und 13 Setzerlehrlingen, 34 Druckern an Handpressen und 3 Druckerlehrlingen, 8 Maschinenmeistern, 23 Markthelfern, 56 Burschen, 2 Tischlern und 1 Buchbinder für das Schneiden und Falzen von Accidenzen. Die Löhne, welche an dieses Arbeiterpersonal gezahlt werden, betragen jährlich über 40,000 Thlr. Die Buchbinderwerkstatt, welche vorzugsweise nur die Broschüren auszuführen hat, steht unter der Leitung der Frau Karoline verw. Bley und eines Werkführers und beschäftigt 22 Arbeiter.

Eine einfache Druckmaschine kann jährlich in den gewöhnlichen Arbeitsstunden unter Berücksichtigung der Zeit, welche für das Zurichten der Formen und für andere Unterbrechung in Abrechnung kommt, 1,500,000 Drucke oder 750,000 Druckbogen (Schön- und Widerdruck) liefern; eine Handpresse dagegen 450,000 Drucke oder 225,000 Druckbogen.

Außer den zahlreichen Accidenzen, welche fortwährend einen Theil der Arbeitskräfte in Anspruch nehmen und von denen besonders die für die Leipzig-Dresdener Eisenbahn eine große Anzahl Handpressen beschäftigen, wurden im Jahre 1855 12,855,679 Bogen gedruckt, welche ganzen Werken, Zeitungen und Zeitschriften angehörten. Hierzu wurden 2571 Ballen 1 Ries 7 Buch verwendet, und die Preise für Satz und Druck betrugen 80,527 Thlr. 2 Ngr.

Bei dieser Production nimmt die Verlagshandlung die überwiegende Stelle ein, indem für sie davon [51] 8,252,034 Bogen oder 1650 Ballen 4 Ries 1 Buch Papier gedruckt wurden. Besondere Pflege hat die Druckerei dem Bilderdruck auf Handpressen und Druckmaschinen zugewendet und die Druckausführung der „Illustrirten Zeitung,“ welche auf Schnellpressen geschieht, legt unter andern von diesen Leistungen ein Zeugniß ab.

B. Die Schriftgießerei.

Die vermehrte Production der Druckerei, welche bei dem raschen Aufblühen und der weitern Ausdehnung immer größere Dimensionen einnahm, mußte natürlich darauf hinführen, diejenigen Geschäftszweige, welche mit der Typographie in unmittelbarster Verbindung stehen, in den eigenen Bereich der Thätigkeit zu ziehen.

Unter diesen nimmt die Schriftgießerei die erste Stelle ein, indem sie für die Druckerei das bedeutendste Material, die Schriften, zu liefern hat. Als daher nach dem am 12. Juli 1836 erfolgten Tode des Schriftgießereibesitzers Theodor Walbaum in Weimar, von dem die Druckerei hauptsächlich ihre Schriften bezogen hatte, dessen Officin zum Verkauf kam, wurde dieselbe im November 1836 von der Firma übernommen und einstweilen in Weimar fortgeführt.

Die Walbaum’schen Schriften, deren Schnitt eine glückliche Vereinigung einfacher und schöner Formen darbietet, haben sich allgemein den Beifall und die Gunst des Publicums erworben und konnten selbst durch den neuern Geschmack und die zahllosen Nachahmungen nicht ganz verdrängt werden. Der Ruf der Walbaum’schen Schriftgießerei war daher ein weit verbreiteter. Auf dieser Basis wurde rüstig fortgebaut und die Production einer erhöhten Vollkommenheit zugeführt. Als nun der schon erwähnte Bau des neuen Druckereigebäudes vollendet war, wurde 1843 auch die Gießerei von Weimar nach Leipzig verlegt, um hier mit dem Hauptgeschäft vereinigt zu werden.

Wie das Maschinenwesen überhaupt für die praktische Ausübung der Künste und Gewerbe immer größere Bedeutung und Anwendung fand, so waren auch schon mehrfache Versuche gemacht worden, das Gießen der Lettern durch Maschinen auszuführen, und die Officin wendete daher diesen ihre besondere Beachtung zu. Durch vielfache Versuche und glückliche Verbesserungen des im Geschäft thätigen Maschinenbauers Peter Corfitz Möller wurden die Letterngießmaschinen zu einer solchen Vollkommenheit gebracht, daß sie allen Anforderungen entsprachen, und es wurde nun nicht allein in der Officin selbst damit gearbeitet, sondern es gingen auch so zahlreiche Aufträge darauf ein, daß eine Maschinenwerkstätte eingerichtet und der Debit der daraus hervorgehenden Maschinen von der Gießerei besorgt wurde. Im Laufe der Zeit sind bis jetzt gegen 100 Letterngießmaschinen aus der Anstalt hervorgegangen. Der Erbauer derselben wendete seine Thätigkeit nun auch dem weitern Gebiete der typographischen Mechanik zu und bereicherte dasselbe durch Verbesserung vorhandener und Erfindung neuer Maschinen. Die bedeutendsten Erfolge haben die von ihm construirten Zifferndruckmaschinen und Numerirmaschinen erfahren, welche bei Herstellung der zahlreichen mit fortlaufenden Nummern versehenen Geldzeichen, Werthpapiere und Documente die wesentlichsten Vortheile darbieten. Die größere Ausdehnung dieses Geschäftszweigs bot Veranlassung, den Vertrieb seiner Erzeugnisse unter der Bezeichnung F. A. Brockhaus’ Mechanische Werkstätte zu besorgen.

Die erhöhten Anforderungen, welche in neuerer Zeit an die Druckerzeugnisse gestellt und von den verbesserten Hülfsmitteln bei Ausführung des Drucks wesentlich gefördert werden, mußten natürlich auch auf die Leistungen der Schriftgießerei einen wesentlichen Einfluß ausüben, die ebenso in der sorgfältigern und genauern Herstellung der Lettern als in der Mannichfaltigkeit der Schriftgattungen und der damit in Verbindung stehenden Ornamente sich geltend machten. Es wurde daher neuerdings immer mehr darauf gesehen, das reichhaltige Material der vorhandenen Schriften noch mehr zu completiren und dem Geschmack der Gegenwart nach allen Seiten hin Rechnung zu tragen.

Die Schriftgießerei arbeitet gegenwärtig mit 7 viermännischen Gießöfen und 7 Letterngießmaschinen. [52] Ihr Material besteht aus 3 Klischmaschinen, 5 Gießpumpen, 1 Prägstock, 1 Bohrmaschine, 1 Linienschneideapparat, 1 Linienziehbank, 6 Bestoßzeugen, 9 mechanischen Höhehobeln, 16 Fuß- und Signaturhobeln, 360 Gießinstrumenten, 2 Linieninstrumenten, 6 Galvanischen Apparaten, Stempeln zu 220 verschiedenen Schriftsorten und Matrizen zu 850 dergl., sowie Stempeln und Matrizen zu einer reichhaltigen Auswahl Verzierungen, Einfassungen, Klammern u.s.w., worüber die Schriftproben der Gießerei speciellen Nachweis geben.

Das Personal bestand am 13. Juli 1856 aus 1 Geschäftsführer, 1 Factor, 5 Fertigmachern, Zurichtern und Justirern, 15 Schriftgießergehülfen und 3 Lehrlingen, sowie 14 Schleifern und Abbrechern. Die Arbeitslöhne an dieses Personal betragen jährlich circa 12,000 Thlr.

In einem Jahre werden 50–60,000 Pfd. Schriften und Schriftzeichen aller Art gegossen, deren Werth 25–30,000 Thlr. beträgt und von denen die eigene Druckerei allein über 30,000 Pfd. bezieht.

C. Die Stereotypengießerei.

Mit der Schriftgießerei steht in engster Verbindung die Stereotypengießerei, welche schon 1833 eingerichtet, und als die erstere 1843 von Weimar nach Leipzig verlegt worden war, mit dieser vereinigt wurde.

Sie arbeitet nach Stanhope’schem und Daulé’schem Verfahren und neuerdings auch nach dem französischen Verfahren mit Papiermatrizen; aus derselben sind die zahlreichen Stereotypplatten der bedeutendsten Unternehmungen der Verlagshandlung, des „Conversations-Lexikon“ und der sich demselben anschließenden Supplementwerke, des „Kleinern Brockhaus’schen Conversations-Lexikon“, des „Pfennig-Magazin“ und anderer Werke hervorgegangen.

Sie producirt in einem Jahre circa 20,000 Pfund Platten und Clichés.

Das Personal besteht aus 4 Stereotypengießern und 1 Lehrling.

D. Die Geographisch-artistische Anstalt.

Das schon erwähnte Unternehmen der Verlagshandlung, der „Bilder-Atlas zum Conversations-Lexikon“, in 10 Abtheilungen mit 500 Tafeln in Stahl- und Kupferstich und 10 Bänden erklärendem Text, dessen artistische Herstellung unter der eigenen Leitung ausgeführt werden sollte, veranlaßte die Officin, den bereits ausgeübten Zweigen der graphischen Künste einen neuen hinzuzufügen. Es wurde deshalb im Jahre 1843 ein Atelier für Zeichner und Stahlstecher und eine Stahl- und Kupferdruckerei mit 11 Pressen eingerichtet, welche ausschließlich mit der künstlerischen Ausführung und Herstellung des „Bilder-Atlas“ beschäftigt waren, der die günstigste Aufnahme und weiteste Verbreitung fand und von dem selbst Ausgaben in fremden (englischer, russischer, schwedischer, holländischer) Sprachen veranstaltet wurden. Seit dem Beginn dieses Unternehmens sind bis jetzt 3,841,000 Tafeln aus der Anstalt hervorgegangen.

Nach vollendeter Herstellung dieses Werks wendete sich dieselbe auch der Ausführung fremder Aufträge zu und wurde mit solchen vielfach in Anspruch genommen.

Die erhöhte Bedeutung, welche die Kartographie in dem letzten Jahrzehnd genommen, veranlaßte die Firma, auch diese Richtung in den Bereich ihrer Unternehmungen zu ziehen und nachdem sie für die Leitung derselben den Kartographen Henry Lange gewonnen, gründete sie 1855 auch eine Geographische Anstalt und verband diese mit dem vorhandenen artistischen Theile der Officin unter der Firma F. A. Brockhaus’ Geographisch-artistische Anstalt. Es wurden Zeichner und Lithographen angenommen und eine Lithographische Druckerei mit 3 Pressen eingerichtet. Auch eine Linir-, Copir- und Reliefmaschine wurde für dahin einschlagende Arbeiten aufgestellt.

Neben der Production für die Firma ist die Geographisch-artistische Anstalt fortwährend auch mit der Ausführung fremder Aufträge beschäftigt.