RE:Durostorum

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band V,2 (1905), Sp. 1863–1864
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Durostorum (Ephem. epigr. IV p. 332 = Chr. Hülsen Bull. com. 1893, 6, vgl. CIL III 7479. Arch.-epigr. Mitt. XIV 16, 34. Not. dign. or. XL 26. 33; Δουρόστορον die besten Hss. des Ptolem. III 10, 10; Durostero Tab. Peut.; Dorostorus Itin. Ant. 223, 4. Ammian. Marc. XXVII 4, 12. Cod. Theod. X 1, 11 [a. 367], Iordan. Get. 104, 7. Martyrolog. Hieronym. 8 k. Iunias; Dorosthori Hieron. chron. a. 2379; Durostolon Geogr. Rav. 186, 17; Dorostolo Cod. Iust. VIII 41, 6 [a. 294]. IX 22, 20 [a. 294]. Cod. Theod. XII 6, 14 (a. 367); Δοροστόλος Hierocl. 636, 4. Procop. de aedif. 292, 23. Theophyl. Simocatta I 8, 10. VI 6, 5. Zonar. XVI 12 ἐν Δοροστόλῳ … τοῦτο δ’ ἡ Δρίστρα ἐστί; Thrakischer Name? vgl. W. Tomaschek Die alten Thraker II 2, 73 und A. Holder Altkelt. Sprachsch. s. v.), eine der Hauptfestungen in Moesia inferior, die erst nur von Auxilien besetzt war, seit der Errichtung der Provinz Moesia inferior unter Domitian eine Legion als Besatzung hatte (A. v. Domaszewski Neue Heidelberger Jahrb. I 190. A. Premerstein Österr. Jahresh. I Beibl. 177); jetzt eine ausgedehnte Ruinenstätte, ca. 4 km. östlich von Silistria (zwischen dieser Stadt, die bulgarisch Drster heisst, und Ostrov, vgl. Arch.-epigr. Mitt. VI 3). Inschriftlich nachweisbar ist in D. die legio XI Claudia pia fidelis, die CIL III 7449 zufolge im J. 155 sicher in Moesia inferior war, in der Zeit zwischen 139 und 161, CIL III 7474 i. o. m. pro salute imp. Caes. T. Aeli Hadriani Antonini Aug. Pii et Veri Caes. templum et statuam c. R. et consisstentibus in canabis Aelis leg. XI Cl. Cn. Oppius Soterichus et Oppius Severus fil. eius de suo fecerunt..... Nach dem Namen der Canabae könnte sie schon unter Hadrian hierher gekommen sein (vgl. Mommsen Röm. Gesch. V³ 195. 200, 1. 207); geblieben ist sie hier, kleinere Detachements an andere kleinere Garnisonsorte abgebend, bis in die spätesten Zeiten der römischen Herrschaft (Itin. Ant. 223, 4 Durostoro legio XI Cl. Not. dign. or. XL 33, vgl. 35 Praefectus legionis undecimae Claudiae, Durostoro). Auf sie beziehen sich ausser der soeben angeführten die Stein- und Ziegelinschriften CIL III 7475–7477. 7619. Arch.-epigr. Mitt. XVII 83 nr. 4. 212 nr. 106. Ob man aus Ptolem. III 10, [1864] 10 Δουρόστορον, λεγίων πρώτη Ἰταλική schliesserr darf, dass vor der leg. XI die leg. I Italica, die sonst in Novae–Svistov bezeugt ist, in D. gestanden hat (Mommsen Ephem. epigr. IV p. 528f. O. Hirschfeld Arch.-epigr. Mitt. VI 3. v. Domaszewski CIL III p. 1349, vgl. St. Gsell Essai sur le règne de l’empereur Domitien 215f. Premerstein a. a. O. 191), ist fraglich, dabei diesem Autor auch sonst Irrtümer in der Angabe der Garnisonen vorkommen. Auf auxiliare Besatzung weisen hin CIL III 6152 = 7478 (centurioni c. II [Fl.] Britt. und Arch.-epigr. Mitt. XVII 211 nr. 105. Die Not. dign. führt hier ausser der hg. XI noch XL 26 die milites quarti Constantiani an. Durch den legionaren Dienst sind auch Leute aus D. in die Garde gekommen, Ephem. ep. IV p. 332 = Hülsen a. a. O.

Es ist ganz natürlich, dass sich bei einem so starken Lager Canabae entwickelt haben; ganz singulär ist ihre Benennung Aeliae nach dem Kaiser (vgl. Hirschfeld a. a. O. A. Schulten Herm. XXIX 1894, 500f.); ob sie in der Folge das Stadtrecht erhalten haben, ist ungewiss (vgl. v. Domaszewski Die Religion des röm. Heeres 100,420), da col(onia) in Arch.-epigr. Mitt. XIV 16 nr. 34 [D. n. i]mp. Aurel(ianus) vicit.......? col] Duros. Aurel(iana in pristinum splendorem restituta …] nur auf einer Ergänzung beruht. Dass die Canabae einen Iuppitertempel mit der Statue des Gottes hatten, ist aus CIL III 7474 (s. o.) zu ersehen (vgl. v. Domaszewski a. a. O. 26); den Mithrasdienst bezeugt CIL III 7475 = F. Cumont Textes et monuments figurés relatifs aux mystères de Mithra II 130 nr. 223, wenn die Inschrift wirklich nach D. gehört. Über die Feier der Saturnalien und das Christentum in D. vgl. Cumont Les actes de S. Dasius, Analecta Bollandiana 1897, 5ff. Eine Votivinschrift aus dem J. 238 und vielleicht eine Tempelbauinschrift werden Arch.-epigr. Mitt. XVII 211 nr. 104 und 83 nr. 5 angeführt, D. war eine Statio des publicum portorii vectigalis Illyrici (CIL III 7479. v. Domaszewski Arch.-epigr. Mitt. XIII 139. Patsch Röm. Mitt. 1893, 194) und eine wichtige Strassenstation; hier zweigte von der Donaustrasse die Querstrasse nach Marcianopolis ab (Tab. Peut. Kiepert Formae orbis antiqui XVII Beibl. 3, 28). Der Handel mit arretinischen Gefässen hat allem Anscheine nach auch hier ein Absatzgebiet gehabt (Arch.-epigr. Mitt. XIX 85 nr. 19). Aus D. war Aëtius gebürtig (Iord. Get. 34, 176). Über die grosse Bedeutung von D., das auch unter Iustinian hervortritt, im Mittelalter vgl. C. Jireček Geschichte der Bulgaren, Das christliche Element in der topographischen Nomenclatur der Balkanländer 44 sowie Tomaschek Zur Kunde der Hämushalbinsel II 18f., über Silistrias Stellung in den russisch-türkischen Kriegen vgl. Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten des General-Feldmarschalls Grafen H. v. Moltke II 315ff.