RE:Gazara

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band VII,1 (1910), Sp. 887–889
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Gazara, Γαζαρα (I Makk. 4, 15. 7, 45 u. ö. [888] Euseb. Onom. 244, 16 = Hieron. Onom. 127, 10. Joseph. ant. V 1, 22. VII 4, 1. 12, 2. VIII 6, 1. XII 7, 4. XIII 1, 3. 6, 7; bell. Iud. I 2, 2. Γαζωρα Joseph. ant. XIII 9, 2; die Form Γαδαρα ist durch Joseph. ant. XIV 5, 4; bell. Iud. I 8, 5 gesichert und findet sich auch an andern Stellen des Josephus in verschiedenen Hss. Die alttestamentliche Namensform ist Gezer, LXX Γαζερ, Γαζηρα, Jos. 12, 12 u. a.). Die Stadt ist zuerst genannt auf der Inschrift Thutmosis III. in Karnak als von ihm erobert (ca. 1500 v. Chr.). Von den Tell Amarna-Briefen (ca. 1400 v. Chr.) stammen drei aus G., dessen ‚König‘ Yapakhi dem Pharao unterworfen war; auch andere der Briefe nennen die Stadt. Die alttestamentliche Erzählung von der Eroberung des Landes durch die Israeliten berichtet, daß die Kanaaniter sich in G. behaupteten (Jos. 16, 10. Judic. 1, 29) bis auf Salomo. Zu dessen Zeit eroberte und verwüstete der Pharao von Ägypten die Stadt und gab sie dann seiner Tochter bei ihrer Verheiratung mit Salomo als Frauengut mit (I Reg. 9, 15–17). Die nächste Kunde geben uns zwei in G. selbst gefundene Keilschrifttafeln aus den J. 649 und 647 v. Chr. Die erstere nennt einen Gouverneur, der einen ägyptischen Namen (Hurwasi) trägt; ein Zeichen, wie lange nachwirkend der ägyptische Einfluß hier war. Beide geben aber zugleich auch Zeugnis durch ihre Schrift und Sprache (assyrisch), wie mächtig neben dem ägyptischen der Kultureinfluß Babyloniens und Assyriens zu allen Zeiten war. In den Makkabäerkriegen wird dann die Stadt mehrfach genannt als wichtige Festung, die eine Hauptstraße von Westen her deckt. Der Syrer Bakchides verstärkte ihre Befestigungen 160 v. Chr. (I Makk. 9, 52); Simon eroberte 142 v. Chr. die Festung, vertrieb die heidnischen Einwohner und siedelte Juden dort an; zum Statthalter bestellte er seinen Sohn Johannes Hyrkanus (I Makk. 13, 43–48. 14, 7. 34. 15, 18. 35. 16, 1. 19. 21). Bei der Einteilung des Landes in fünf Bezirke, welche Gabinius unter Hyrkan II. (63–40 v. Chr.) vornahm, wurde G. eine der Bezirkshauptstädte (Joseph. ant. XIV 5, 4; bell. Iud. I 8, 5; über die Lesart Gadara s. o., Gadara der Dekapolis kann hier jedenfalls nicht in Frage kommen).

Die Lage von G. wird bestimmt durch die Angaben des Onom.: 4 römische Meilen (= 6 km) nördlich von Nikopolis (ʿAmwās), von I Makk. 7, 45: eine Tagereise von Adasa, und von I Makk. 14, 34: an der Grenze von Asdod. Das paßt alles auf den Tell Dschezer beim Dorfe Abu Schūsche, nur daß dieser nordwestlich von Nikopolis liegt. Drei Steine, die Clermont-Ganneau, und einer, den Lagrange 1881 bezw. 1893 fand, geben sich durch ihre hebräisch-griechische Inschrift als ‚Grenzsteine von Gezer‘ zu erkennen und sichern die Identifikation des Ortes. Die Ausgrabungen, die seit 1902 der englische Palestine Exploration Fund dort veranstaltet, haben, wenn auch (außer den oben genannten Tontafeln) keine wichtigen Inschriften, so doch reiches archäologisches Material zutage gefördert: die in sieben verschiedenen Schichten übereinander gelagerten Reste der Besiedelungsanlagen von den Höhlenbewohnern ca. 2500 v. Chr. bis zur Kreuzfahrerzeit; die Heiligtümer der altkanaanitischen Zeit; Siegel und [889] Schmuck, die teils ägyptischen teils babylonischen Einfluß zeigen, und anderes mehr.

Mit unserem G. ist identisch Gadara, bezw. Gadaris = das Gebiet von Gadara bei Strabon (XVI 759), das er zwischen Ioppe, Iamneia und Azotos, Askalon einreiht; er verwechselt es freilich mit Gadara der Dekapolis, denn dorther stammen in Wirklichkeit die von ihm genannten berühmten Männer; ferner Gadra bei Steph. Byz., das er als Stadt Palästinas bezeichnet, während er Gadara der Dekapolis eine Stadt Koilesyriens nennt; ferner ῥεγεὼν Γάδαρα bei Georg. Kypr. 1019, ebenfalls neben Azotos genannt; von Schlatter irrtümlicherweise mit Gadara Nr. 2 gleichgesetzt, vgl. Gelzer ZDPV XVII 39ff. XVIII 106f. Schlatter ZDPV XVIII 73ff. The Survey of Western Palestine. Memoirs II 428–440. Clermont-Ganneau Archeological Researches II 224–275; Recueil d’Arch. orient. I 351–391. III 264–268. Lagrange Revue Biblique 1899, 422–427. Schürer Gesch. d. Jüd. Volkes I 245. 339. Reland Palästina 576f. Raumer Palästina 196. Guérin Judée I 26–29. Ebers und Guthe Palästina II 192ff. 455. Die Bibelwörterbücher s. Gezer. Baedeker Palästina⁶ 12f. Über die Ausgrabungen s. die regelmäßigen Berichte von Macalister in PEF Quart Statements 1902ff.