Topographia Palatinatus Rheni: Oppenheim

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Topographia Germaniae
Oppenheim
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1645, S. 68–70.
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Oppenheim.

Stadt / und Ampt in der Unter-Pfaltz / am Rhein / drey Meil oberhalb Mäyntz / und an einem Berg / gelegen / da man vom Rhein gar hoch hinauff in die Obere-Stadt zusteigen hat. Freherus, Cluverius, und Bertius, haltens für der Alten Bonconica, oder Banconia, und wollen etliche den Situm, oder das Lager dieses Orths / mit Jerusalem vergleichen. Etliche wollen den Ursprung dieser Stadt dem C. Julio Caesari, oder Druso; andere den Käysern Probo, oder Valentiniano, oder Gratiano, zuschreiben; Item / daß sie / umbs Jahr Christi 400. von Carolo / dem Verwüster eines guten Theils Teutschlands / zerschleifft / und von Dagoberto König in Franckreich wieder auffgebaut / und vom Carolo M. solcher deß Wormbsergöws Reichsflecken / odeu villa, in der Grafschafft Zeizolfi Comitis gelegen / und damals Obbenheim genant / Anno 800. dem Kloster Lorsch verehrt; nachmals aber vom Käyser Conrado II. gegen Außtausch / zum Reich gebracht / und endlich verpfändt worden. Freherus sagt part. 2. Origin. Palatin. cap. 13. fol. 69. seye unter Käyser Ludovico IV. an die Pfaltz kommen: Andere wollen daß Käyser Carolus IV. als er seinen Sohn Wenceslaum gern zum Käyserthum promovirt hätte / und einem jeden Churfürsten ein grosse

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Statt Oppenheim (Merian).jpg

[69] Summa Gelds versprochen / und dafür die Reichs Städte / und Zöll / verpfändet / und / unter anderm / dem Churfürsten bey Rhein / Pfaltzgrafen Ruperto dem Eltisten / dieses Oppenheim / Odernheim / Ingelheim / und KäysersLautern / eingesetzt habe. Und sagt Cuspinianus in seinem Leben / die Fürsten hätten ihn gezwungen / sie mit einem Eyde / die Unterpfandt nicht wieder zu begehren / zu versichern. Und dann so sagen andere / Käyser Ruprecht habe Oppenheim / Ingelheim / und KäysersLautern seinem Sohn Ludwigen / Pfaltzgrafen / und seinen Erben / im Jahr 1402. umb hundert tausend Gülden verschrieben; wie beym Münstero lib. 5. cap. 24, fol. 666. zu lesen. Und sagt man / daß obgedachter Käyser Carl An. 1356. den Reichs Städten / Mäyntz / Wormbs / und Speyer / die 16. grosse Zöll zu Oppenheim auff dem Rhein / so er da gehabt / darzu die Veste / oder Burgk / zu Oppenheim / Odernheim / die Burgk / und Schwabsberg / Nirstein / (al. Nustein) Ingelheim / Winternheim / und andere darzu gehörende Dörffer / umb 33. tausend Goldgülden / versetzt habe / so villeicht entweder von ihme dem Käyser selbsten wieder / oder aber dem Churfürsten Pfaltzgrafen / vermög habenden Privilegij, gelöst worden seyn mögen. Wer hievon einen eigentlichen Bericht geben kan / von deme wollen wir denselben willig und gerne annehmen. In dem Privilegio, so höstgedachter Käyser Rupertus der Stadt Oppenheim Anno 1401. gegeben / ist zu sehen / daß sie damaln noch zum Reich gehört hat. Besihe oben Odernheim. Das Gericht allhie wird noch das Reichs Gericht genant. Siehe Wehnerum in pract. obs. p. 551. Man findet zu Oppenheim eine frische Lufft / guten Wein / und Fruchtgewächs / sehr tieffe Keller / viel Adels Sitz / und Höff: Dann vor Zeiten ein Rittergericht allda gehalten / und der Raht mit Edelleuthen besetzt gewest ist. Hat eine Pfarrkirch zu S. Catharina / genant / ziemlich groß / und eine von den schönsten Kirchen am Rheinstrom / ist zierlich und wol gebauet / von vielen Fenstern / gar hell / und hat zwey Chor / eins gegen Morgen / das ander gegen Abend / ist im Jahr 1258. von Gerardo, dem Ertzbischoffen zu Mäyntz / gestifftet worden / darüber ein sonderlicher Brieff / beym Trithemio, in Chron. Sponheim. fol. 283. zu lesen / darinn Oppenheim / damals ein neue Stadt genant wird / so etwan vorhin / verbrant / oder zerstört worden seyn mag; und sie der Ertzbischoff unter seinen Bischofflichen Sprengel / durch Anzeigung der alten Inwohner / so die rechte / und alte Gräntzen / so beyde Bistümmer Mäyntz / und Wormbs / unterscheiden / offenbaret hatten / rechnet / und setzet. Es seynd auch allhie 2. Clöster / als ein Barfüsser- und ein JungfrauenConvent Cistertzer Ordens / so vom Romano Hay, einem Benedictiner Mönch / in Aula Ecclesiast. Mariä-Cron genant wird; sampt einem Teutschen Ritterhauß / dabey nächst die Pfarrkirch zu S. Sebastian / und in der Vorstadt zu S. Anthoni stehet: Besagter Hay sagt auch / am 520. Blat / es hätten die Jesuiten / auff das Adeliche Jungfrauen Closter allhie / zu Oppenheim / vermeintliche possession genommen; hingegen aber der Adeliche Ritter Rath in Oppenheim / und Nirstein / als auch adeliche Burgkmann / und Rittergerichts Schöpfen / so dann gemeine Rheinische Reichs freye Ritterglieder / und totus Equestris Ordo, als von unerdencklichen Jahren Fundatores seyen / und / respectu deren / vor Jahren / durch Pfaltz / gewaltthätig / über der Ritterschafft contradictiones, außgetriebenen Adelichen Kloster Jungfrauen / wegen deß Possessorii, und Petitorii, Sie sich niemals begeben hätten / etc. auch deß Löbl. Ordens S. Bernhardi Geistliche antiqua jura, und Prioritet, in diesem Closter Mariä-Cron / ebenmässig besagter Patrum Iesuitarum Neuerungen / etc. vorzuziehen. Und so viel sagt dieser Mönch. Sihe ihn auch am 501. Blat. Iohan. Crusius, in Comment. Hayan. Aul. Eccl. et Horti Crusiani, sagt / es lige dieses Cistertzer Kloster Mariä-Cron / bey Oppenheim / so Käyser Ferdinandus II. Anno 1636. den Jesuitern einzugeben anbefohlen / so auch geschehen; und mit ihrem Collegio zu Mäyntz unirt worden; daß aber die Rheinische Ritterschafft / wegen wieder Erlangung solches / wie auch deß Closters Heilsbrück / wie man meldet / Anno 1637. den 7. Mertz / von Speyer auß / an den Papst solle geschrieben haben / das seye ein lauters Gedicht. Es hat auch ein schönes Schloß oben auff dem Berg in der Stadt / so LandsCron genant wird. Die Stadt ist sonst ziemlich groß / [70] und gar wol erbauet gewesen / aber in diesem jetzigen Krieg sehr verwüst worden. Obgedachter Käyser Rupertus ist allda Anno 1410. gestorben / und von hinnen nach Heydelberg geführt worden. Anno 1552. hat Marggraf Albrecht von Brandenburg / als Er zu Mäyntz übel gehaust hatte / auch Oppenheims nicht verschont / sondern solche Stadt geplündert / wiewol sie Pfältzisch gewesen. Anno. 1620. den 14. September / hat Sie Spinola ohne Widerstand / eingenommen / und sich / an der Unirten statt / dahin gelagert; und die darinn gelegene Außschuß Bauren abziehen lassen; daß hinführo keine Soldaten mehr seyn / sondern das Ackerfeld bauen solten. In dem neuen Meterano wird lib. 37. gelesen / daß der Marggraf Spinola, allhie / einen solchen Vorrath an Wein / Korn / und anderer Nothdurfft / gefunden / daß er sein Kriegsheer wol ein halb Jahr damit speisen können / neben viel / und mancherley Zeug / und Munition / als / Zelten / und anderm plunder / hohes / und nidrigen Standes Personen. Ist folgender Zeit durch Feuer übel verderbt worden / und die beste Gaß / das Rathhauß / und die gantze Rheingaß / biß an den Spital daselbst außgebronnen. Ein Meilwegs oberhalb der Stadt / ligt das Dorff Stockstadt am Rhein / so Hessisch Darmstättisch; allda etwas unterhalb / gegen Oppenheim zu / der König auß Schweden / den 6. und 7. December / Anno 1631 / alten Calenders / die erste zweymal über Rhein / und zwar den 6. diß nur selbst vierdt / in einem kleinen Nache / oder Kän / gefahren / und ist deßwegen hernach an dem Orth / wo er über den Rhen kommen / ein Säul / deren Bildnuß wir hiebey stellen wollen / zur Gedächtnuß gesetzt worden. Darauff hat er den gedachten 7. December erstlich die Sternschantz gegen dieser Stadt über / mit accord; die Stadt aber / so er zu beyden Seiten angegriffen / mit Gewalt erobert / denen in der Stadt Quartier geben; aber in dem Schloß / oder Castell / wie man schreibt / die Spanier niderhauen lassen. Anno 1637. hat ihme der König auß Hispanien allhie huldigen lassen. Anno 1639. haben Oppenheim die Weymarischen / und Anno 44. die Frantzosen eingenommen. Und obwoln im Jahr 47. den 14. Jener / die Völcker auß Franckenthal / und Germerßheim / morgens umb 4. Uhr / die Stadt bestiegen / Sie rein außgeplündert / und wieder verlassen; aber zween Burgermeister / und 2. Raths-Personen / mit sich nach Franckenthal geführt: So ist doch den Frantzosen / so sich in das Schloß gerettet / der Ort noch ferners verblieben. Jetzt gehöret dieser Ort wieder Chur-Pfaltz. Was vor eine rechte Wundergeburt Anno 1635. allhie auf die Welt kommen / die aber erst An. 1641. daselbsten in S. Antonij Kirchen / mit eines Nagelschmidts Jungen begraben worden / das in dem tomo 4. Theatri Eur. Meriani f. 656. sampt einer Vermahnung an die Soldaten / wol zu lesen.