Uebereinstimmung einer Hieroglyphischen Inschrift von Philae, mit dem griechischen und demotischen Anfangs-Texte des Dekretes von Rosette

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Autor: Heinrich Brugsch
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Titel: Uebereinstimmung einer Hieroglyphischen Inschrift von Philae, mit dem griechischen und demotischen Anfangs-Texte des Dekretes von Rosette
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Auflage: 1
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Erscheinungsdatum: 1849
Verlag: Amelang’sche Sortimentsbuchhandlung (R. Gaertner)
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Erscheinungsort: Berlin
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Eine frühe Schrift des Ägyptologen Heinrich Brugsch (1827–1894), der nur ein Jahr zuvor als Abiturient durch die Entzifferung der Demotischen Schrift hervorgetreten war. Seine Forschungen erschienen zuvor in lateinischer Sprache: „Scriptura Aegyptiorum demotica ex papyris et inscriptionibus explanata“ (1848) und „Numerorum apud veteres Aegyptios Demoticorum doctrina“ (1848). Brugsch schöpfte dabei aus den Vorarbeiten des englischen Naturwissenschaftlers Thomas Young (1773–1829).

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Inhalt des Buches

[1]
Uebereinstimmung
einer
Hieroglyphischen Inschrift
von Philae,
mit dem griechischen und demotischen Anfangs-Texte des
Dekretes von Rosette,
nachgewiesen
von
Heinrich Brugsch.
Mit einer Tafel.
Berlin, 1849.
Amelang’sche Sortiments-Buchhandlung
(R. Gaertner.)

[2] [WS: Stempel der Bibliothek: BIBLIOTHECA · BODLEIANA ·]

[3] Indem ich mir erlaube in dieser kleinen Schrift die Aufmerksamkeit desjenigen Theiles der gelehrten Welt, welcher mit den aegyptischen Studien vertraut ist und den allmähligen Fortschritten derselben mit Theilnahme folgt, auf eine hieroglyphische Inschrift hinzulenken, die mit dem griechischen und demotischen Anfangstexte des Rosette-Dekretes auf das genauste übereinstimmt, möchte ich mich gleich von vorn herein gegen einen Vorwurf wahren, um nicht unverschuldet zu einem ähnlichen Missverständnisse Anlass zu geben, wie es vor kurzem und im Bereiche derselben Studien der Fall war. Wenn ich nämlich von einer gegenseitigen Uebereinstimmung des Anfangstextes des Rosette-Steines mit dieser weiter unten näher beleuchteten hieroglyphischen Inschrift spreche, so will ich damit auch nur den Anfangstext, nicht aber mehr gemeint haben; da beide Monumente in durchaus keinem näheren Zusammenhan gestehen, sondern der Rosette-Stein ein Dekret der Priester Aegyptens zu Ehren des Königs Ptolemäus Epiphanes, diese Inschrift hingegen eine der Isis dargebrachte Dedikation Seitens desselben Regenten und seiner Gemahlin Kleopatra enthält. Wie nämlich schon in den ältesten Zeiten auf allen Denkmälern ersten Ranges den Vor- und Zunamen der Pharaonen sämmtliche Titel in weitester Ausführung vorangesetzt zu werden pflegen, so sind auch in dieser Dedikation die üblichen Titel dem Ptolemäer Epiphanes in ihrer ganzen Vollständigkeit und nach ihrer gewöhnlichen Anordnung beigegeben, die Gruppe für Gruppe dem demotischen Anfangstexte und der [4] griechischen Version des Rosette-Dekretes von den Worten Βασιλεύοντος bis zu dem Epitheton ἠγαπημένου ὑπὸ τοῦ φθᾶ (Lin. 4.) entsprechen, welche Texte gleichfalls jene Titel dieses Regenten, der eine im aegyptischen Volksdialekte, der andere in griechischer Sprache enthalten, während der entsprechende hieroglyphische Theil jenes Dekretes durch den Bruch des Steines verloren gegangen ist. Somit bietet diese hieroglyphische Inschrift aus Philae ein gelegenes Mittel dar, dasjenige Stück des Hieroglyphen-Textes des Steines von Rosette, welcher die Titel des Epiphanes enthält, bequem zu ergänzen. Wir werden dabei durch gegenseitige Vergleichung manche neue Gruppe kennen lernen und zu gleicher Zeit in den schon bekannten neue Beweise für die Richtigkeit finden, mit welcher Champοllion, allein gestützt auf ähnliche Texte wie sie der Anfang der griechischen Inschrift des Rosette-Steines und die griechische Uebersetzung Hermapion’s der Titular-Legenden des Ramesses-Obelisken darbieten, auf das scharfsinnigste den Werth derjenigen Hieroglyphen bestimmte, welche gewöhnlich in den Legenden mit königlichen Titeln auftreten[1].

Schon ein oberflächlicher Blick auf den Anfang des griechischen Theiles des Dekretes von Rosette, in welchem dem Könige Ptolemäus Epiphanes die pomphaftesten Ehrentitel gegeben werden und den ich hier beifolgend nach der Abtheilung des Herrn Letronne anfüge, lässt keinen Zweifel obwalten, nicht sogleich den aegyptischen Stil daraus hervorzuerkennen, dessen, so weit es möglich war, wortgetreue Uebersetzung das Griechische enthält.

L. 1. Βασιλεύοντος τοῦ νέου, καὶ παραλαβόντος τὴν βασιλείαν παρὰ τοῦ πατρὸς, κυρίου βασιλειῶν, μεγαλοδόξου, τοῦ τὴν Αἲγυπτον καταστησαμένου, καὶ τὰ πρὸς τοὺς Als König war der JUNGE, und unmittelbare Nachfolger seines Vaters, der Herr der Diademe, der ruhmreiche, der Aegypten geordnet hat, und der fromme

[5]

L. II. θεοὺς εὐσεβοῦς, ἀντιπάλων ὑπερτέρου, τοῦ τὸν βίον τῶν ἀνθρώπων ἐπανορθώσαντος, κυρίου τριακονταετηρὶδων, καθάπερ ὁ Ἣφαιστος ὁ μέγας· βασιλέως, καθάπερ ὁ ἣλιος,

L. 3. μέγας βασιλεὺς τῶν τε ἂνω καὶ τῶν κάτω χωρῶν· ἐκγόνου θεῶν φιλοπατόρων· ὃν ὁ Ἣφαιστος ἐδοκίμασεν· ᾧ ὁ ἣλιος ἒδωκεν τὴν νίκην· εἰκόνος ζώσης τοῦ Διὸς, υἱοῦ τοῦ ἡλίου, Πτολεμαίου,

L. 4. αἰωνοβίου, ἠγαπημένου ὑπὸ τοῦ φθᾶ κ. τ. α.

gegen die Götter, der Ueberwinder seiner Feinde, der das Leben der Menschen verbessert hat, der Herr der Triakontaeteriden, gleichwie Hephästos der grosse; König gleichwie die Sonne;

grosser König der oberen und unteren Regionen; Kind der Götter Philopator; den Hephästos auserwählt hat; dem die Sonne den Sieg geschenkt hat; lebendes Bild des Zeus, Sohn der Sonne, PTOLEMAEUS,

der immerdar lebende, vom Phtha geliebte u. s. w.

Der Wunsch insbesondere auch diese Einleitung der im jetzigen Zustande leider sehr verstümmelten hieroglyphischen Inschrift, deren oberer Theil so wie von dem vorhandenen die rechte Ecke gänzlich fehlen, durch irgend eine glückliche Entdeckung kennen zu lernen und die durch eine Andeutung im griechischen Texte der Inschrift selbst zur Gewissheit erhobene Hoffnung, durch Auffindung eines zweiten Exemplars des Rosette-Dekretes dieses Wunsches theilhaftig zu werden[2], sind zu natürlich und begründet, um nicht die Begierde eines jeden Reisenden lebhaft zu erregen, seine Nachsuchungen durch einen derartigen kostbaren Fund belohnt zu sehen. Und in der That die bisher an Ort und Stelle angestellten Forschungen haben durch Auffindung einer hieroglyphischen Inschrift auf der Wand eines Tempels zu Philae[3], welche als nachweisbare [6] Republication des Rosette-Dekretes mit wenigen unbedeutenden Abweichungen und leicht erklärlichen Auslassungen desselben Inhalts wie dieses ist, hinlänglich bewiesen, dass diese Vermuthungen keine leeren oder unbegründeten waren; und wenn auch der ganze Hieroglyphen-Text der Inschrift von Rosette durch jene Inschrift nicht vollständig und in seiner ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt werden kann - namentlich fehlen darin die drei ersten Zeilen gänzlich - so lässt sich doch ein Theil bequem ergänzen und die gegenseitige Uebereinstimmung im wesentlichsten genugsam darthun[4].

Die Entdeckung eines hieroglyphischen Textes, welcher der Einleitung des Rosette-Dekretes, wie wir sie aus dem demotischen und griechischen kennen lernen, entspricht, verdanke ich einzig und allein einem glücklichen Zufalle. Wie ich gleich Gelegenheit nehmen werde genauer es zu beweisen, ergänzt derselbe jenen fehlenden Anfang des hieroglyphischen Theiles der Inschrift von Rosette und somit auch den von Philae auf das beste, so dass wir jetzt aus drei verschiedenen Monumenten den Text im heiligen Dialekt jenes Dekretes ziemlich vollständig herzustellen im Stande sind. Hinter dem stillen Studirtische sitzend hatte ich das bekannte Werk: Hieroglyphics collected by the egyptian society, arranged by Thomas Young. London, (Vol. I. 1823, II. 1828.) vor mir aufgeschlagen liegen, an dessen schönen Copien hieroglyphischer und demotischer Inschriften ich mich beim hin- und herblättern ergötzte, wie ich oft in meinen Erholungsstunden zu thun[WS 1] pflege, wenn ich mir unerwartet neue Ansichten sammeln will. Ich schlage die Tafel LXV auf, welche wie die Unterschrift besagt, griechische und hieroglyphische Inschriften nach den Zeichnungen des Herrn Wilkinson aus einem kleinen [7] Tempel zu Philae und zu Ombos enthält. (Greek & Hieroglyphic inscription in a small temple at Philae, and at Ombos. Copied by Mr. Wilkinson. VII. ii.) Zwei Colummen hieroglyphischer Inschriften, mit der Unterschrift: Impost of door, fallen mir besonders in die Augen. Der Anfang „der junge welcher herrscht als König auf dem Sitze (Throne) seines Vaters“ und der gegen Ende der zweiten Columme erwähnte Name des Ptolemäus Epiphanes machen die Idee in mir rege, es sei hier derselbe Hieroglyphen-Text zu suchen, wie ihn der griechische und demotische Anfang des Rosette-Steines uns kennen gelehrt hat, und nach einer genaueren Prüfung der übrigen hieroglyphischen Zeichen entdecke ich zu meiner grössten Freude, dass diese hieroglyphische Inschrift auf das genauste dem griechischen Anfangs-Texte des Rosette-Dekretes bis zu den Worten Ptolemäus, vom Phtha geliebt entspricht. Ich muss gestehen meine Ueberraschung war gross und ich hatte nichts eiligeres zu thun, als diese Entdeckung Alexander von Humboldt mitzutheilen, der ebenfalls seine grosse Freude darüber aussprach. Die diesem Schriftchen beigefügte Tafel enthält eine möglichst getreue Copie der beiden Colummen, wie sie uns Hr. Wilkinson in seiner Zeichnung giebt. Die rechts und links befindlichen demotischen Gruppen sind der Inschrift von Rosette entnommen und in derselben Reihefolge untereinander geordnet, um die Uebersicht und die Vergleichung mit dem Hieroglyphen-Texte zu erleichtern, wie sie dort genau hintereinander folgen. Nur die drei letzten demotischen Gruppen für „(und) die Königin KLeOPaTRA - die Götter Epiphanes“ sind dem unteren im Volks-Dialekte abgefassten Texte der Inschrift von Philae entlehnt, da bekanntlich im Rosette-Stein Epiphanes allein, nicht aber zugleich mit ihm, wie in der Republication jenes Dekretes zu Philae (datirt vom 21. Jahre seiner Regierung), seine königliche Gemahlin Kleopatra genannt wird.

Den Beweis für die Richtigkeit und Wahrheit meiner obigen Behauptungen, so wie demzufolge die Uebereinstimmung des demotischen und griechischen Textes mit dem hieroglyphischen, will ich nur im allerwesentlichsten durchführen, indem ich mir die genauere Analyse bei Gelegenheit [8] einer späteren, umfangreicheren Abhandlung über den demotischen Text der Inschriften von Rosette und Philae vorbehalte.

Nur über den Ort, wo unsere Inschrift aufgefunden war, will ich zuvor noch weniges erwähnen.

Die Unterschriften in dem englischen Werke belehren uns, dass die Hieroglyphen auf der Thürpfoste am Eingange eines kleinen Tempels in Philae standen, ohne dass indess derselbe genauer bezeichnet würde. Zu gleicher Zeit wird aus demselben Tempel folgende griechische Inschrift angeführt:

Βασιλεὺς Πτολεμαίος καὶ βασίλισσα Κλεοπάτρα
θεοὶ Ἐπιφανεῖς καὶ Πτολεμαίος ὁ υἱὸς Ἀσκληπιῷ,

(Der König Ptolemäus und die Königin Kleopatra die Götter Epiphanes und Ptolemäus der Sohn dem Aesculap) welche Hr. Letronne in dem Recueil des inscriptions Grecques et Latines de l’Egypte p. 7 und folg. näher erklärt, bei welcher Gelegenheit er genauer den Fundort beschreibt. En avant, sagt er, du grand propylon du temple d’Isis à Philes, entre ce Propylon et le portique oriental, est un petit édifice maintenant presque enfoui. Salt le fit déblayer, et il trouva au-dessous de la porte l’inscription suivante. (Es folgt nun obige Inschrift). Somit erhalten wir aus der Angabe des französischen Gelehrten eine genauere Bestimmung des Ortes auch für die hieroglyphische Inschrift, zu der wir hiermit übergehen.

Die erste mit dem Buchstaben A bezeichnete Gruppe, womit die Hieroglyphen beginnen, entspricht dem griechischen Βασιλεύοντος der J. v. R. und dem demotischen SuΤen, König; der Sinn ist mithin „der König“ oder „als König war.“ Der göttliche Sperber, das Sinnbild des Gottes Horus, geschmückt mit dem vollständigen Kopfschmucke der Krone Pschent, so wie der neben demselben befindliche Diskus des Sonnengottes Re oder Phre, dienen zum Ausdruck dieser Idee; wenngleich wohl nicht in Abrede zu stellen ist, dass diese Uebersetzung gemäss des griechischen und demotischen Originals die kürzeste, nicht aber wie wir es später an einem anderen Beispiel sehen werden, die allerwörtlichste ist. Der Sperber selbst steht auf dem sog. königlichen Banner, dessen inneres Feld je zwei Doppellinien quer durchschneiden und das sonst in den hieroglyphischen Inschriften der älteren [9] Zeit (wie in den Legenden auf den Obelisken u. s. w.), mit Gruppen ausgefüllt ist, als deren Hauptbild der Stier mit dem gewappneten Arm darunter hervortritt; ein Symbol zur Bezeichnung der Kraft gepaart mit Mässigung, wie uns Horapollon (I. 46) belehrt.

Die folgende Gruppe (B) aus den hieroglyphischen Lautzeichen für H. U. N. - N. U. zusammengesetzt, deren Zurückführung zu einer entsprechenden Wurzel der coptischen Sprache ich vorerst noch dahingestellt sein lasse, wird determinirt durch das figurative Bild eines Kindes zur näheren Bestimmung der Wörter, welche die Idee des jungen, jugendlichen ausdrücken, entsprechend dem demotischen Zeichen No. 1 mit derselben Function. Aufs Beste stimmen hierzu die Worte des gr. T. τοῦ νέου, des jungen, und des demotischen P-HeL-Se (copt. P-HEL-SCHIRE, juvenis, adolescens) mit derselben Bedeutung. – Die demnächst hieran sich anschliessenden Hieroglyphen (C) enthalten die bekannten symbolico-phonetischen Zeichen für die Idee an der Spitze stehen, herrschen, König sein; ihre Lesung ist, genau wie die der demotischen Gruppe SCHA oder Sa, während die den Hieroglyphen folgenden Vocale U und E, eine wahrscheinlich nicht sorgfältig copirte Participialendung bilden, so dass das ganze übersetzt werden muss: „herrschend, welcher herrschte“ (dem. ET SA m. dsb. B.) Ebenso leicht lassen sich die folgenden schon oben erwähnten Gruppen von D–H lesen, deren Uebersetzung folgendermassen lautet „als König auf dem Sitze seines Vaters", womit Wort für Wort der demotische Text übereinstimmt, nur dass in diesem zwischen den Formen für König und Thron, Sitz die Präposition HI, auf, ausgelassen ist. Eine Bemerkung will ich bei dieser Gelegenheit nicht mit Stillschweigen vorübergehen lassen, worin ein neuer Beweis liegt, wie es auch im demotischen (neuerdings heftig bestrittene) ideographische Zeichen giebt, deren Kenntniss zu einer richtigen, gewissenhaften Entzifferung demotischer Texte von Wichtigkeit ist. Die demotische Gruppe für Thron ist ideographisch, und durch Abkürzung aus der figurativen Hieroglyphe für einen Sitz hervorgegangen. Die Namen der Isis und des Osiris, im hieroglyphischen durch die Bilder No. 2 bezeichnet, enthalten als Hauptbestandtheil gleichfalls die Figur eines Sitzes, [10] Thrones (hes); vergleicht man mit ihnen die demotischen Bezeichnungen beider Gottheiten, wie sie im Rosette-Steine (dem T. Lin. 4: Horus, Sohn der Isis und des Osiris No. 3) vorkommen, so wird man in beiden jenes Bild in dem abgekürzten demotischen Zeichen leicht herauserkennen und von der rein ideographischen Natur desselben überzeugt werden. Die Zeichen No. 4 der demotischen Gruppe sind die bekannten Determinative für Localitäten (s. meine Schrift scriptura Aegyptiorum demotica S. 16 unter §. 11), die genau den in der hieroglyphischen Schrift gewöhnlichen Zeichen 4a, dem Grundrisse eines Hauses, entsprechen. – Die ganze eben besprochene Legende überträgt der gr. Text etwas freier durch: παραλαβόντος τὴν βασιλείαν παρὰ τοῦ πατρὸς, während sich der demotische Text wie gesagt der hieroglyschen Bezeichnung und der im Orient überhaupt gangbaren Redeweise anschliesst[5]. – Eine interessante Gruppe ist die mit J bezeichnete, welche auch in dem noch vorhandenen und erhaltenen hieroglyphischen Stücke der J. v. R. (Lin. 10) in der Verbindung No. 5 vorkommt, die der correspondirende gr. T. Lin. 46 durch ὃ-τι ἐστὶν τοῦ βασιλέως, τοῦ ἐπιφανῆ ποιήσαντος τὴν τε ἂνω χῶραν καὶ τὴν κάτω übertragen hat, so dass für die in Rede stehende Gruppe die einfache Bedeutung König gewonnen wird. Dass aber diese Uebersetzung eben nicht die genauste ist, beweist die vollkommenere griechische Uebertragung (entnommen aus dem Anfangs-Texte der J. v. R.) derselben Gruppe in unserer Inschrift von Philae, indem der Grieche diese sinngetreuer durch κυρίου βασιλειῶν wiedergiebt, wozu man die Bemerkung vergleichen mag, welche der gelehrte Letronne in seinem schönen Commentar zur Inschrift von Rosette (vgl. oben) Seite 253, (3) anführt. In Bezug auf dieselbe möchte ich mir meine Meinung dahin zu äussern erlauben, dass ich es vorziehen würde, jene griechische Uebertragung durch „Herr der Diademe“ zu geben, zumal da auch das demotische „Herr der Uraeusschlangen“ hat, mithin nur an den Kopfschmuck gedacht werden kann, nicht aber an die (freilich [11] durch jenen symbolisirten) 10 Reiche, die der Herrschaft des Epiphanes unterworfen waren. Beide Bedeutungen liegen zwar in dem gr. βασιλείων, aber nur die aegyptischen Texte dürften hier über die richtige Wahl der Uebersetzung entscheiden. – Champollion überträgt diese hieroglyphische Gruppe durch „Herr der oberen Regionen, Herr der unteren Regionen.“

Die beiden Gruppen K und L gehören zusammen und entsprechen dem gr. μεγαλοδόξου. Und in der That der erstere Theil OER oder OERI hat genau die Bedeutung von μέγας, gross, mächtig, erhaben; während für die Gruppe L, zwei Löwenköpfe, denen als determinirendes Zeichen der Arm mit einer Streitwaffe in der Hand folgt, nothwendigerweise der Sinn von δόξα, Ehre, Ruhm, Ansehn übrig bleibt, wie die gegenseitige Vergleichung lehrt. Champollion und mit ihm sein unermüdlich fleissiger Schüler Rosellini haben diese Gruppe durchweg, wie man sich aus vielen Beispielen in ihren Schriften überzeugen kann durch Wächter (vigilant, vigilanti) übersetzt; zweifelsohne gestützt auf eine Stelle im Horapollon (I, 19), dass die Aegypter „um einen Wachsamen oder Emsigen, oder wohl auch um einen Wächter anzudeuten, einen Löwenkopf hinmahlten.“ In jener Stelle ist ja aber nur von dem Bilde eines Löwenkopfes, nicht zweier die Rede, wie sie unsere Hieroglyphen an dieser Stelle darbieten, deren zuverlässige Bedeutung Ruhm, Ehre, ist. Beispielsweise vergleiche man die Legende (2) in Champollion’s aegyptischer Grammatik Seite 478, die demnach durch „gross an Ruhm gleichwie Month“ nicht aber durch „le chef des vigilants comme Mandou“[6] zu übersetzen ist. Dem demotischen liegt derselbe Sinn zu Grunde: gross durch seinen Ruhm, nur ist gross nicht durch das gewöhnliche ideographische Zeichen dafür No. 6 mit der Aussprache OER (wie im zweiten Theile der demotisch geschriebenen Eigennamen: Osor-oēr, Har-oēr, oder mit dem Artikel: Sen-poēr) ausgedrückt, sondern durch ein anderes, dessen Aussprache NAA ist und das mit derselben Bedeutung oft genug in den coptischen Texten aufstösst. Um so mehr hebe ich dies [12] letztere demotische Adjectiv hier hervor, da auch als Variante jener Zeichen für gross OER, die andere Bezeichnung No. 7, entsprechend dem dem. NAA, und zwar in derselben Verbindung μεγαλόδοξος in den Hieroglyphen angetroffen wird. So wird der Gott Phtha, in einer Inschrift auf der Rückseite des schönen Ramses-Kolosses aus der Drovetti’schen Sammlung, einer Hauptzierde des Königlichen Aegypt. Museum’s zu Berlin, (Col. I, links) der Ruhmgrosse, Ruhmreiche mit Anwendung der eben erwähnten Hieroglyphe N(AA), gross, genannt; (s. 8) während derselbe Gott in einer andern Legende (Hieroglyphics, Tab. 73, Lin. 5.) Herr oder Besitzer (NEB) des Ruhmes heisst; – ein Titel, den genau ebenso und mit Benutzung desselben Zeichens als im mittleren Theile der J. v. R. die darunter befindliche demotische Inschrift (Zeile 1, Tab. 74) wiedergiebt, worin zugleich ein neuer Beweis für die Richtigkeit der gegebenen Bedeutung liegt. Indem endlich die Zeichen für OER und NAA mit einander verbunden sind, und der Gruppe L vorangehen, wird jener Titel in folgender Inschrift (ebenfalls in den Hieroglyphics, Tab. 67, zweiter Absatz) ausgedrückt, die sich auf den Horus bezieht, der in Gestalt eines Sperbers darunter gemalt ist: „Horus, erhaben, gross durch Ruhm, Sohn der Natpe“ (s. No. 10).

Der gr. T. der J. v. R. fährt sodann weiter fort mit den Worten: τοῦ τὴν Αἲγυπτον καταστησαμένου. In den Hieroglyphen finden wir in der That bei M die bekannten hieroglyphischen Charactere für die Idee des Aufrichtens, Aufstellens S(MeN), während die Gruppe P die allgewöhnliche Bezeichnung für Aegyptenland darbietet wie sie an verschiedenen Stellen auch in der J. v. R. vorkommt. Was aber haben die übersprungenen Glieder bei N und O zu bedeuten, da schon die beiden vorangeführten vollständig den Sinn des griechischen geben? Ich glaube ungescheut behaupten zu können, dass sie gleichfalls synonym jener Idee des Aufstellens, Aufrichtens und demnächst des Verbesserns, Verschönerns sind. Von der Gruppe N werde ich es weiter unten S. 14 genauer nachweisen und zur Entzifferung der folgenden wird uns der demotische Text behülflich sein, dessen Uebertragung und Uebersetzung folgende ist: ET SMENT KMI E-R (NANE)F d. h. welcher aufgerichtet hat Aegyptenland, nachdem er es verschönert [13] hatte; (wörtlich: habend gemacht gut es). Nichts ist aber nunmehr leichter einzusehen, als dass die Hieroglyphen (O) denselben Sinn haben, in denen sich zuerst das causative S (entsprechend dem dem. Verbum eR, machen) verbunden mit der sodann folgenden und im Young etwas undeutlich gezeichneten Hieroglyphe für gut, wohlthätig (der Theorbe) bemerklich macht[7]. Beide zusammen geben also den Begriff des Verschönerns, und gehen der Gruppe für Aegypten vorher, während derselbe entsprechende dem. Ausdruck dem KMI nachfolgt, dafür aber mit dem Affix des Pron. pers. III. pers. masc. sing. F (es, nämlich Aegypten) versehen ist. Das demotische stimmt somit mit den Hieroglyphen überein, während der gr. Text die Idee des Verschönerns nicht hat.

Der griechische Theil des Rosette-Dekretes beendet darauf die erste Zeile mit den Worten: καὶ τὰ πρὸς τοὺς, woran sich die zweite anschliesst mit: θεοὺς εὐσεβοῦς. Die entsprechende Uebersetzung des demotischen Textes lautet „wie ein Wohlthäter MuNK N(ofre), (dieselben Zeichen, womit im demotischen sonst Euergetes bezeichnet wird) wohlgesonnen in seinem Herzen (OK eM (HET)-F) für die Götter. Genau dem entsprechend bietet unsere Inschrift von Philae 1, die Gruppe Q für die Bezeichnung Wohlthäter dar. wodurch auch in den Hieroglyphen der Titel gewisser Ptolemäer „Euergetes“ ausgedrückt wird, wie ich es anderswo nachweisen werde. Es folgt sodann 2, ein undeutliches Zeichen, (R) welches zweifelsohne dem demotischen „wohlgesonnen“ entspricht. Die dritte Gruppe (S) bestehend aus den Lautzeichen für Sch und R, drückt eine Präposition SCHaR aus, welche der griechischen πρὸς, wie viele andere Beispiele beweisen, wirklich am Nächsten kommt (Siehe Champ. Gr. Eg. p. 474), und 4, mit den bekannten Hieroglyphen der Gruppe T verbunden, denselben Sinn giebt, wie πρὸς mit dem Substantiv τοὺς θεοὺς, d. h. „für die Götter.“ – Ueber die Bedeutung der hieroglyphischen [14] Charaktere (U) eines Sperbers mit der Geissel, der auf dem bekannten ideographischen Zeichen for Gold, NUB, sitzt (einer Gruppe, die wenn ich nicht sehr irre, von den Auslegern gewöhnlich durch Goldhorus oder leuchtender Horus übersetzt wird), klart uns das griechische ἀντιπάλων ὑπερτέρου und das demotische HO KaKI, superior inimicis, auf. Es ist der Sperber mit der Geissel das allbekannte Sinnbild des Horus, der die Feinde seines Vaters, an ihrer Spitze den Typhon-Seth überwunden und gezüchtigt und darum die ehrenvolle Benennung des Rächers seines Vaters davon getragen hat. Aber weshalb sitzt er auf jenem sonst dem Begriffe Gold zum Ausdruck dienenden Zeichen? hat dies vielleicht eine ähnliche ehrende Bedeutung, wie das Gerüst, worauf der Gott Thoyth gewöhnlich steht? Oder soll vielleicht dadurch auf jene feindliche, verhasste Gottheit angespielt sein, die von allen aegyptischen Monumenten, worin sie einst eingegraben war, in späterer Zeit so sorgfältig vertilgt ward und deren Namen NUB oder NUBTI (dasselbe Zeichen wie für Gold) No. 11 zufällig Hr. Wilkinson fand?[8] Ich wage nicht mich für eine der beiden Ansichten bestimmt zu entscheiden, und halte nur an der gegebenen Bedeutung der Gruppe Ueberwinder der Feinde fest. – Die folgenden hieroglyphischen Zeichen, aus denen wir noch deutlich das Symbol für Leben (ONK, W) und die Flexions Partikel Ν herauserkennen, entsprechen genau den Worten des gr. Τ. τοῦ τὸν βίον τῶν ἀνθρώπων ἐπανορθώσαντος, der das Leben der Menschen verbessert hat, und es bleibt mithin für die Hieroglyphe V nur die Bedeutung des Verbesserns übrig, für deren Richtigkeit in der That die oben S. 12 erwähnte Wiederholung desselben Zeichens (N) den besten Beweis darbietet, da auch in der dortigen Verbindung der eben gegebene Sinn der allein angemessene und wahrscheinliche ist.

Mit dem Zeichen für die Praeposition N schliesst diese Columne, da ein Abbruch des unteren Stückes die folgenden Gruppen, zunächst die für „Menschen“ (τῶν ἀνθρώπων) mit fortgerissen, und uns leider dadurch einen langgehegten Wunsch [15] vereitelt hat, nämlich endlich einmal die hieroglyphische Bezeichnung für das nun folgende κυρίου τριαχονταετηρίδων kennen zu lernen und Gewissheit über diesen dunkelen, oft besprochenen Ausdruck zu erlangen. Indess schon in seinem Précis S. 211 u. folg. machte Champollion d. J. darauf aufmerksam, wie in den königlichen Titeln der Pharaonen auf den Obelisken und andern öffentlichen Denkmälern bestimmte hioroglyphische Gruppen angetroffen würden, deren Bedeutung gewiss nur dem griechischen κυρίου τρ. zu Grunde läge. Durchaus dieselbe Meinung theilend, glaube ich, dass die Lücke ausgefüllt werden muss durch eine der Legenden, welche Champollion auf der Taf. XIII giebt, nämlich durch „Herr der Panegyrien gleich wie Phtha“ [oder gleich wie sein Vater Phtha]. Die Panegyrien, festliche Versammlungen, die alle dreissig Jahre gefeiert wurden, sind also jene Triakontaeteriden und vortrefflich stimmt mit dieser Ergänzung der demotische Text überein. Da nämlich wo dem griechischen Texte zufolge der entsprechende Ausdruck im Volksdialekte für τριακονταετηρίδων erwartet wird, steht ein Wort, welches so viel ich weiss von keinem Gelehrten, welche den demotischen Text näher untersucht haben, richtig gelesen worden ist. Selbst Champollion hat sich getäuscht, wenn er in dem ersten Zeichen eine Darstellung der Zahl 30 sieht; nirgends habe ich in einem demotischen Texte überhaupt als Zahlzeichen eine derartige Form aufgefunden, sondern nur die bekannte Ziffer, welche ich in meiner so eben erschienenen Schrift: Numerorum apud veteres Aegyptios demoticorum doctrina unter den Tabellen mit aufgeführt habe. Jenes Zeichen ist vielmehr eine der gewöhnlichsten Formen des Consonanten H, während die übrigen Zeichen, welche Champollion als „ein Wort betrachtet, dessen Lesung noch nicht bestimmt ist,“ sich ohne Schwierigkeit als die Buchstaben B, A, T herausstellen. Das ganze Wort lautete demnach HBA.T womit die hieroglyphische Bezeichnung für Panegyrie HBA in der That übereinstimmt. Die Uebersetzung der hierogl. Zeichen ist mithin Herr der Panegyrien, der dem. Herr der Jahre der Panegyrie, des griech. Herr der dreissigjährigen (alle dreissig Jahre wiederkehrenden) Feste.

Die zweite Columne beginnt mit einer Lücke, und erst [16] etwas tiefer lässt eine Gruppe (A) den Namen des Gottes Phtha erkennen, der folgendermassen (man sehe Hierogl. Tab. 66, Reihe II) ergänzt werden muss (No. 12), womit auch die Bezeichnung bei Champollion auf das genauste übereinstimmt. Der entsprechende und den letzt erwähnten Worten unmittelbar folgende griechische Text: καθάπερ ὁ Ἣφαιστος, lässt schliessen, dass in der Lacune vor dem Namen jenes aegyptischen Gottes PTHa, die hieroglyphischen Zeichen für gleichwie, καθάπερ (SCHA) gestanden haben, wie sie sich weiter unten (E) noch einmal und auch da dem gr. καθάπερ entsprechend, wiederholen. Diese Vermuthung wird hinlänglich bestätigt, betrachtet man wiederum die schon oben erwähnten Legenden auf Pl. XIII in Champollion’s Précis. Die Gruppe B (übrigens folgendermassen No. 13 zu berichtigen) mit dem näheren Bestimmungszeichen C, scheint den Sinn, dem griechischen Texte nach zu urtheilen, von König oder grosser König[9] zu haben; während die Zeichen E, der Sonnendiskus des Re, und F, die Vergleichungspartikel gleichwie in umgekehrter Ordnung stehen. Dass diese Versetzung der Partikel bisweilen auf den Monumenten mit Absicht vorgenommen wird, darüber belehrt uns Champollion in seiner Grammaire Ègyptienne p. 480, genauer. Zu gleicher Zeit mache ich auf das dort von ihm angeführte Beispiel aufmerksam (3), das genau dieser unserer Stelle ausser geringen Zusätzen entspricht. Seine Uebersetzung lautet: „Herr der Panegyrien, gleichwie sein Vater Phtha, der Vater der Götter, grosser König (Champollion: chef) gleichwie die Sonne[10].“ – Wichtig ist jetzt für uns die griechische Uebertragung der Gruppe F, die nach einer Andeutung im Horapollo (I, 62) bisher übersetzt wurde durch: König des gehorsamen Volkes, unserem griechischen Texte aber zufolge den Sinn von (μέγας) βασιλεὺς τῶν τε ἂνω καὶ τῶν κάτω χωρῶν, d. i. (grosser) König der oberen und der unteren Regionen enthalten muss. Was lehrt uns [17] also die Vergleichung, und welche Folgerungen lässt sie uns ziehen? Doch nur, dass der Zweig das Sinnbild der königlichen Herrschaft über Oberaegypten, die Biene hingegen der über Unteraegypten ist; womit auch vollkommen andere Beobachtungen übereinstimmen, die ich gelegentlich bei der Entdeckung einer grossen Reihe bisher nicht gekannter Hieroglyphen gemacht habe. Der demotische Text ergänzt sich aus den beiden Dekreten von Rosette und Philae auf das beste und hat denselben Sinn, wie ihn die griechische Uebersetzung giebt: König (nicht grosser, wie überflüssig das Griechische hat) der Regionen oben (Philae, Lin. 1, gegen Ende s. No. 16) und der Regionen unten (Ros. Lin. 2, Anfang). Die folgenden Hieroglyphen sind deutlich und ihre genaue Uebereinstimmung mit dem griech. Texte fällt zu leicht in die Augen, um dieselbe an einer noch weiter durchgeführten Vergleichung nachzuweisen. Ich begnüge mich desshalb nur die Uebersetzung anzugeben.

„[(Der Sohn) der Vaterliebenden Götter, vom Phtha erkiesen, (welchem den Sieg gab) Phre, des Ammon lebendes Bild[11]], Sohn der Sonne [PTOLeMIS, immerdar lebend, geliebt vom Phtha].“

Hieran schliesst sich endlich eine Reihe hieroglyphischer Charactere, die in der Inschrift von Rosette weder durch den demotischen noch durch den griechischen Text vertreten sind, wohl aber in dem Dekret von Philae, in dem hieroglyphischen Theil vorhanden sein mussten, wie andere Stellen beweisen. Die Uebersetzung lautet „(und) die Herrin der beiden Welten [KLEOPaTRA], die Götter Epiphanes.“

Ich knüpfe hieran eine Bemerkung, welche schon Letronne in seinem mehrfach erwähnten Recueil des inscriptions Grecques et Latines in Bezug auf jene griechische Inschrift (S. 9) gemacht hat. Der Titel εὐχάριστος, welcher wie in der Inschrift von Rosette und andern Monumenten dem Epiphanes gegeben ward, ist in dieser griech. Inschrift ausgelassen, u. Ptolemäus Epiphanes sowohl wie seine Gemahlin Kleopatra sind einfach θεοὶ Ἐπιφανεῖς genannt. Je pense, fährt Hr. Letronne fort, avec [18] M. le Dr. Parthey, que l’ommission est due à ce que l’exiguïté de la place ne permettait pas d’ajouter le second titre. Cette omission n’avait d’ailleurs aucun inconvénient, l’épithète εὐχάριστος étant purement laudative; le titre Ἐπιφανεῖς, qui était seul caractéristique du prince et de la reine son épouse, suffisait pour qu’on ne pût confondre Epiphane avec aucun de ses prédécesseurs. Aussi le trouve-on rarement sur les monuments de ses fils où son nom est rappelé.

Für diese griechische Inschrift sind die Gründe einer solchen Autorität gewiss für Jedermann überzeugend genug. Weshalb aber, trotz der grössten Ausführlichkeit in den königl. Titeln dennoch in unserer hierogl. Inschrift der Titel des Herrn der Güter, entsprechend dem griech, εὐχάριστος, fehlt, das ist eine Frage, die ich mir nicht beantworten kann.

Hiermit hört die Uebereinstimmung der Texte der Dekrete von Rosette und Philae auf, und die Inschrift endet damit die Gottheit zu nennen, welcher dies Gebäude geweiht war, nämlich: der Isis der Herrin des Abaton; dass Isis die Hauptgottheit von Philae war, ist bekannt genug; ihr besonderes Heiligthum war das Ἂβατον, nach dem Zeugniss des Seneca (Nat. Quaest. IV, 2, 7) eine kleine Insel bei Philae, in der das Grab des Osiris war und deren Zugang nur den Priestern offen stand. (Vergl. Letronne, Recueil d. J. G. et Lat. p. 339 seq.).


Nach dem, was ich in möglichster Kürze und Vergleichungsweise über diese hieroglyphische Inschrift von Philae, die so überraschend genau dem griechischen Anfangs-Texte der Rosette-Inschrift entspricht, gesagt habe, scheint es unmöglich an der gegenseitigen Identität beider den geringsten Zweifel zu hegen, und ich schliesse mit dem innigsten Wunsche, die Aufmerksamkeit aller Freunde aegyptischer Studien, auf dieses jedenfalls nicht unwichtige Monument angeregt und somit durch Auffindung und erste Bekanntmachung der Uebereinstimmung desselben mit der Einleitung des Rosette-Dekretes doch einiges zur Kenntniss gewisser Hieroglyphen beigetragen zu haben. [19] Denn obgleich sich das oben angeführte Werk des Dr. Young, in dem die Inschrift, wie sie Hr. Wilkinson giebt, copirt ist in den Händen aller Gelehrten befindet, welche in diese Studien tiefer eingegangen sind, so hat dennoch Niemand vor mir, so viel ich weiss, in gedruckten Schriften auf jene interessante Uebereinstimmung aufmerksam gemacht. Um indess nicht voreilig eine solche Behauptung hinzustellen, wandte ich mich an den Prof. Lepsius und auch er versicherte mich in einer Unterredung, dass eine dem griechischen Anfangs-Text entsprechende hieroglyphische Inschrift bisher noch nicht bekannt sei; wennschon er sich, nachdem ich ihm näher meine Entdeckung mitgetheilt hatte, sehr wohl erinnerte, in einer seiner Vorlesungen jener Inschrift in so fern gedacht zu haben, als sie wie in der Republication des Rosette-Dekretes von Philae die beiden Namen des Ptolemaeus Epiphanes und der Kleopatra, seiner königlichen Gemahlin, enthält[12].

[20] In demselben Verlage erschienen ferner:

BRUGSCH, H.
SCRIPTURA AEGYPTIORUM DEMOTICA
EX PAPYRIS ET INSCRIPTIONIBUS EXPLANATA.
1848. 4. – 1 Rthlr.



BRUGSCH, H.
NUMERORUM APUD VETERES AEGYPTIOS
DEMOTICORUM DOCTRINA.
EX PAPYRIS ET INSCRIPTIONIBUS NUNC PRIMUM ILLUSTRATA.
Cum V Tabulis. 4to. 3 Rthlr. 10 Sgr.



Druck von Carl Schultze, breite Strasse 30.

[21] Brugsch Uebereinstimmung.jpg

  1. Man vergl. besonders Kap. VIII. aus dem Précis du système hiéroglyphique des anciens Egyptiens mit der Ueberschrift: Application de l’Alphabet des hiéroglyphes à la lecture des qualifications et des titres royaux inscrits sur les obélisques et les monumens égyptiens du premier style.
  2. Man vergleiche Letronne in seinem Commentar zur Inschrift von Rosette in dem Recueil des inscriptions grecques et Latines de l’Egypte, Paris, 1842. pag. 331, seq.
  3. Sie ward schon von Champollion und wahrscheinlich von noch vielen andern Reisenden gesehen; darauf später von Salt speziell erwähnt und endlich vom Prof. Lepsius auf seiner wissenschaftlichen Reise nach Aegypten nebst dem darunter befindlichen freilich sehr lückenhaften demotischen Texte getreu ausgezeichnet. Es ist bekannt, wie dies dieselbe Inschrift ist, welche theils in Bezug auf Priorität der Entdeckung, theils was ihren Inhalt, besonders aber die darin erwähnten Namen aus der Ptolemäer Familie anbetrifft, eine lebhafte [6] Streitfrage zwischen dem deutschen Professor und einem französischen Gelehrten, Hrn. de Sauley anregte, die Veranlassung zu verschiedenen polemischen Schriften Seitens beider Gelehrten gab.
  4. Man kann den Text der Hieroglyphen von da an Vergleichungsweise verfolgen, wo der griechische mit den Worten beginnt: οἱ ἀρχιερεῖς καὶ προφῆται κ. τ. α. (Lin. 6). - Uebrigens vergleiche man auch den Aufsatz des Prof. Lepsius über diese Inschrift von Philae, in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft, Band I, Heft 3. 1847.
  5. Eine Menge von ähnlichen Beispielen bietet die heilige Schrift dar. Fast stets wo von der Nachfolge eines Königs die Rede ist, heisst es darin „und er war König auf dem Thron seines Vaters.“
  6. Obélisque de Saint Jean de Latran.
  7. Mit Anwendung derselben Zeichen Sa N(OFRE) für den genannten Begriff wird der König Psammetichus (Hieroglyphics, Tab. 63) genannt Sa N(ofre) TO β (S. No. 15), d. h. welcher verschönert hat die beiden Welten, grade wie nach der Uebersetzung Hermapions vom Ramesses gesagt wird: ἀγλαοποιήσας Ἡλίου πόλιν und später ἐκόσμησεν Ἡλίου πόλιν.
  8. Abgebildet in dessen Materies hieroglyphica und auf der Tab. 37 unter No. 19 bei Hrn. Burton.
  9. Auch auf dem Luxor-Obelisken (Ost-Seite, dritte Reihe) wird Ramesses mit denselben phonetischen und figurativen Zeichen König genannt, während noch besonders das Adjectiv OER, gross, in den bekannten hieroglyphischen Zeichen hinzugefügt ist.
  10. Dédicace de l’édifice de droite, entre les deux pylones, à Philae; grand temple.
  11. Eine Hieroglyphe No. 14, deren Bedeutung Bild wir hieraus kennen lernen.
  12. Uebrigens hat diese Bemerkung schon Herr Letronne gemacht; denn in den additions et corrections zu seinem Recueil des inscriptions Grecques et Latines de l’Egypte p. 465, finden wir folgende nachträgliche Bemerkung zu der oben erwähnten griech. Inschrift. „La collection des Hieroglyphics, que je n’avais pas complète, lorsque cette partie de mon texte a été imprimée, contient pl. LXV, une copie de cette inscription, accompagnée des hiéroglyphes donnant les noms de Ptolémée Epiphane et Cléopâtre.“ (Vergl. dazu oben.)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: ihun

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