ADB:Rese, Johann Karl August

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Artikel „Rese, Johann Karl August“ von Heinrich Pröhle in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 240–241, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rese,_Johann_Karl_August&oldid=- (Version vom 25. April 2019, 06:17 Uhr UTC)
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Rese: Johann Karl August R., ein Nachzügler der Halberstädtischen Dichterschule. Er wurde am 3. Februar 1783 in Halberstadt geboren und studirte seit 1801 in Halle. Seit 1810 war er Collaborator am Martineum in Halberstadt. Dieses war damals noch Gymnasium. Später wurde es höhere Bürgerschule und ist jetzt Realgymnasium. Ob R. mit Gleim in Verbindung stand, bei dessen Tode er erst zwanzig Jahre alt war und der der hallischen Freitische wegen viel mit Studenten verkehrte, ist nicht zu ermitteln. Briefe von R. an Gleim sind nicht vorhanden. Mit Clamer Schmidt und seinem Schwiegersohn Lautsch verkehrte R. viel. 1813 wurde er in seiner Vaterstadt zweiter Prediger an der St. Moritzkirche, an der J. G. Jacobi Kanonikus gewesen war. 1830 wurde R. Oberprediger an derselben Kirche, blieb unverheirathet und ward 1840 in den Ruhestand versetzt. Drude in Quenstedt war sein Vorgänger oder Nachfolger. R. starb am 18. November 1847. Der elf Jahre ältere Christian Friedrich Raßmann, der mit ihm in Halberstadt gelebt hatte, gab 1823 in seinem „Pantheon jetzt lebender deutscher Dichter“ an, daß R. sich auch Giulio nenne, Mitglied der naturforschenden Gesellschaft zu Halle sei, 1806 in Halberstadt Gedichte und 1819 mit Kupferbeilagen daselbst die Monatsschrift „Emma“ herausgegeben habe. Ferner ständen Gedichte von ihm „im Taschenbuche Minerva, in Fouqué’s Frauentaschenbuche, in Kind’s Taschenbuch, in der Abendzeitung, Thusnelda u. s. w.“ Nach Goedeke’s Grundrisse stehen Gedichte von ihm außerdem bei Meusel und in Symansky’s Leuchte von 1810. In der Sammlung der halberstädtischen Druckwerke des Oberdompredigers Augustin, der bekanntlich auch biographische Notizen über die Schriftsteller hinterließ, finden sich außer den Gedichten von 1806 von R. nur: „Naturgeschichte der deutschen Schmetterlinge“, 1805, „Zerstörung Magdeburgs durch Tilly“, 1809, „De orationibus sacris“ zum Geburtstage des Oberpredigers zu St. Martini 1808. 1840 erschien bei F. A. Brockhaus in Leipzig „Literatur der schönen Künste [241] seit der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts bis auf die neueste Zeit. Systematisch bearbeitet und mit den nöthigen Registern versehen von J. Sm. Ersch. Neue bis zum Jahre 1830 fortgesetzte Auflage von J. K. A. R. und G. Geißler.“ Auch lieferte R. in Gemeinschaft mit Baur 1818 für Ersch’ und Gruber’s Encyclopädie 1. Band die Biographie von Kaspar und Friedrich Gottfried Abel. In der Biographie Kaspar Abel’s findet sich, daß dessen Gedichte und Uebersetzungen in Gottsched’s kritischer Dichtkunst Stück 16 sehr ausführlich, aber nicht günstig beurtheilt sind, was in dem Artikel Goedeke’s über ihn (s. A. D. B. I, 12) nicht erwähnt ward. Friedrich Gottfried Abel, Kaspar’s Sohn, war ein Halberstädtischer Arzt. Die Kataloge der königlichen Bibliothek zu Berlin schreiben R. auch das Büchlein zu: „Moralische Sprüchwörter der Deutschen, welche die wichtigsten Maximen zu einer weisen und tugendhaften Führung des Lebens enthalten. Deutschlands Söhnen und Töchtern bestimmt. Herausgegeben von D. C. A. R. 1822.“ Da schon wegen Rese’s muthmaßlicher Verbindung mit Ersch wol anzunehmen ist, daß C. A. R., wie er sich statt D. C. A. R. oft unterzeichnete, Doktor war und da in der Vorrede Beziehungen zum Abt Resewitz in Magdeburg durchblicken, welcher C. A. R. als Historiker genau gekannt hat, so ist nicht daran zu zweifeln, daß diese Schrift wirklich von dem Prediger an der Moritzkirche herrührt. Die 18 Seiten lange Vorrede giebt eine gute Geschichte der älteren Sprichwörtersammlungen, so daß sie die Beachtung der Litterarhistoriker verdient. Als Grundlage für seine moralische Bearbeitung der Sprichwörter bezeichnet R. dann hauptsächlich zwei der beurtheilten Schriften. Alte volksthümliche Reime verbindet er dann auf den 170 Seiten seines Büchleins mit Versen von der eigenen poetischen Drechselbank, durch welche die volksthümlichen Gedanken nicht immer aufs beste gedreht und gewendet werden. Verlegt ist die Schrift von Vogler in Halberstadt, gedruckt bei Vogler und Hörling, woraus hervorzugehen scheint, daß die Hörling’sche Buchdruckerei dem reichen Dr. Vogler ihr Entstehen verdankt. Die Vogler’sche Buchhandlung war ursprünglich von Körte mit begründet. Die Frage, wie Rese’s Sprichwörtersammlung zu der späteren Körte’schen sich verhielt, vermag ich nicht zu beantworten. Der damalige ziemlich regsame Verlagsbuchhändler Vogler in Halberstadt, welcher auch mit Delius in Verbindung stand, soll die Goethe zugeschriebene Dissertation über die Flöhe verfaßt haben. Schreiber dieser Zeilen hat sowohl Vogler als R. und Körte von Ansehen gekannt. R. war ein großer, starker Mann. Langsamen Schrittes ging er schon früh vereinsamt und stumm in der Stadt und auf dem Gleim’schen Poetensteige an der Holtemme umher, nach der er in der Jugend seine Monatsschrift „Emma“ benannt hatte. Zuletzt soll er auch das Helm’sche Wochenblatt geleitet haben, in welchem er als Naturforscher und fleißiger Spaziergänger wol selbst alljährlich die ersten Boten des Frühlings, besonders die Maikäfer, anmeldete, worüber oft gescherzt wurde.

Außer den oben genannten Quellen handschriftliche Mittheilungen von Pastor Dr. Zschiesche und F. A. Brockhaus, mündliche von Pastor Dr. Junghann.