ADB:Scheiger, Josef Edler von

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Artikel „Scheiger, Josef Edler von“ von Franz Ilwof in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 740–745, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Scheiger,_Josef_Edler_von&oldid=- (Version vom 22. Oktober 2019, 06:32 Uhr UTC)
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Scheiger: Josef Edler von Sch., Archäolog, Historiker, wurde am 2. Februar 1801 zu Wien geboren und legte die Gymnasial- und juridischen Studien an der Universität seiner Vaterstadt durchaus mit ausgezeichnetem Erfolge zurück. Da traf ihn ein Verhängniß, welches für das Oesterreich des Vormärz zu charakteristisch ist, als daß es hier übergangen werden sollte. „Ungeachtet aller Vorsicht der Regierung gelangten Studenten aus Jena und[WS 1] Göttingen bald nach der Ermordung Kotzebue’s 1819 nach Wien, sie grüßten die Commilitonen und brachten ihnen auch neben Cerevis und Ziegenhainern die süße Gewohnheit der Commerse mit. Mit Begeisterung lauschten die Wiener Söhne der alma mater den Schilderungen des neuen studentischen Lebens durch die stolzen Jünglinge, die auch am Wartburgfeste theilgenommen hatten und von diesem Zeitpunkte an datiren die ersten in der Folge wieder unterdrückten Regungen des akademischen Burschenlebens in Wien.“

„Sch. machte, soweit es seine beschränkten Mittel erlaubten, diese neuen [741] Gewohnheiten mit aller Begeisterung mit. Schon früher gewohnt, in Feld und Wald zu wandeln, um die Schönheiten oder Natur mit dem Zeichenstifte festzuhalten, wanderte er nun im Kreise der Commilitonen in Cerevis mit Ziegenhainer durch die Tannen, da wurde gesungen, mit Pistolen nach der Scheibe geschossen, mit den Stöcken gefochten, kurz allerlei Allotria getrieben. Eines Tages im J. 1820 erschienen zwei Beamte mit einem Diener in Scheiger’s Wohnung, hielten daselbst strenge Untersuchung, saisirten Scheiger’s Tagebuch, dessen Stamm- und Commersbuch, die verdächtigen alten Pistolen, die Attribute des Burschenthums und führten deren Eigner – ins Polizeihaus. Wer die Rücksichtslosigkeit der damaligen Wiener Polizei erfahren hat, mag sich eine beiläufige Vorstellung von den moralischen Qualen machen, welche der in seinem tiefsten Innern gekränkte junge Mann erdulden mußte. Durch fast einen halben Monat wurde Sch. in einem ekelhaften Raume in Gesellschaft mit verkommenen Subjecten verwahrt gehalten, ohne ihn irgend einem Verhöre zu unterziehen; endlich begann man sich mit ihm zu befassen, da wurde er täglich von einem Diener vom Polizeigefängnisse zur Direction und nach geendigtem Verhöre wieder zurückgeführt. Noch in späteren Jahren, wenn er dieser schmachvollen Behandlung gedachte, freute er sich des glücklichen Zufalles, daß er während der monatelangen Untersuchung auf seinem Marterwege nie einer bekannten Person begegnet war.“

„Vergebens hatte Scheiger’s Mutter alle zweckmäßig erscheinenden Versuche gemacht, um dessen Freiheit zu erwirken oder auch nur zu erfahren, was man ihm zur Last lege; endlich wagte sie selbst einen Schritt zu dem allmächtigen Polizeipräsidenten, Grafen Joseph Sedlnitzky, aber auch dieser brachte ihr keine Hoffnung. Da, in der äußersten Bedrängniß, erklärte sie dem gefürchteten Manne mit dem Tone der Entschiedenheit „unverzüglich bei dem Kaiser Audienz erbitten zu wollen“. Was alles Flehen, alle Bitten nicht vermochten, das bewirkte der kühne Entschluß der Frau. Graf Sedlnitzky mochte das Ergebniß der Untersuchung doch für zu wenig bedeutend erachtet haben, um eine Fortsetzung von Scheiger’s Haft nach oben rechtfertigen zu können, vielleicht hatte der vorsichtige Mann eben Ursache, jeden Anlaß, der seine Spitze nach ihm selbst wenden konnte, zu vermeiden, kurz, vierundzwanzig Stunden darauf wurde Sch. mündlich die Freiheit angekündigt und auf seine nochmalige Frage über die Ursache seiner Verhaftung in orakelhaften Worten die Auskunft ertheilt: „Es sei eben ein Zeitvergehen!“ (Oesterreich-ungarische Revue, 1887, S. 137–139.)

Damit endete Scheiger’s Criminalroman, ohne weitere unangenehme Folgen für ihn, als daß er ein Studienjahr verloren hatte.

Nach Absolvirung der juristischen Studien legte er die Richteramtsprüfung mit ausgezeichnetem Erfolge ab und wurde am 1. April 1824 bei dem Gerichte der Stiftsherrschaft Schotten in Wien Actuar, Untersuchungsrichter und Stiftsrichteradjunct. Nach Verlauf von drei Jahren vertauschte er diese Stelle mit dem Staatsdienste und wurde am 10. Februar 1827 Conceptspraktikant und am 1. December 1829 Accessist und Official bei der k. k. Postdirection in Wien.

Schon als Student und dann als junger Beamter war Sch. eifrig litterarisch thätig und mit den bedeutendsten Schriftstellern und Forschern Wiens, mit den Dichtern Johann Nepomuk Vogl, Gabriel Seidl, Hermannsthal, mit dem Maler Ludwig Ferdinand Schnorr von Carolsfeld, mit dem Naturforscher Franz Unger, mit den Geographen Schmidl und Häufler, mit den Germanisten Primisser und Karajan, mit dem Archäologen Melly, mit den Historikern Hormayr, Johann Graf Majlath, Schlager, Tschischka, Bergmann, Leber, Pratobevera, Feil u. A. in naher Verbindung und innigem Verkehr.

[742] Als Sch. 1835 als junger Postaccipist ganz unerwartet zum Oberpostverwalter in Zara ernannt wurde, war dies für ihn allerdings ein „unerhörtes“ Vorrücken nach wenigen Dienstjahren, aber doch deshalb ein schwerer Schlag, weil er dadurch seiner Vaterstadt, welche für ihn den Mittelpunkt seines wissenschaftlichen und litterarischen Strebens gebildet hatte, entrissen und in ein ihm in jeder Beziehung fremdes Gebiet verpflanzt wurde. – Auch in Dalmatien war er bald mit den hervorragendsten Männern dieses damals noch mehr als heutzutage entlegenen und verlassenen Landes, mit Jellachich, dem späteren Banus von Croatien, mit Major, später General Roßbach, mit dem Dichter Hans v. Oertingen, mit Franz Petter, dem Verfasser des besten Buches über Dalmatien, in Berührung gekommen, dennoch blieb seine litterarische Thätigkeit, die an der Donau ihre Wurzeln hatte, und aus den deutschen Alpenländern ihre Stoffe nahm, durch Jahre unterbunden. – 1839 wurde er als Adjunct zur Postdirection in Venedig übersetzt, aber in der herrlichen Lagunenstadt erging es ihm noch übler als an den Felsengestaden Dalmatiens, denn hier wurde ihm von Amts wegen jede litterarische Thätigkeit untersagt, ein Vorgang, der geeignet ist, ein Schlaglicht auf die Zustände Oesterreichs vor 1848 zu werfen. Erst nachdem er 1845 zum Oberpostverwalter in Graz ernannt worden war, gelangte er an eine Stelle und an einen Ort, wo er als Staatsbeamter, sowie als Forscher und Schriftsteller seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechend wirken konnte.

In der Landeshauptstadt der Steiermark war er bald mit den namhaftesten Männern der Stadt und des Landes, mit dem gelehrten General Hauslab, mit dem Staatsmann und Geschichtsforscher Feldzeugmeister Graf v. Prokesch-Osten, mit dem hochgebildeten Abte von Rein, Ludwig Crophius Edler v. Kaisersieg, mit dem Statistiker Universitätsprofessor Dr. Gustav Schreiner, mit den Historikern Muchar und Wartinger, mit dem Topographen Göth, mit dem Dichter Karl Gottfried Ritter v. Leitner, mit dem sachkundigen Sammler Major Alfred Ritter v. Franck u. A. in nahe Beziehungen getreten, auch Erzherzog Johann war ihm bis an dessen Lebensende (1859) ein wohlwollender Gönner.

Am 29. November 1850 wurde Sch. zum Postdirector in Graz ernannt und bekleidete durch neunzehn Jahre diese angesehene, aber auch schwierige und verantwortungsvolle Stelle.

So sehr sich Sch. in seiner Beamtenlaufbahn ausgezeichnet hatte, so würde dies doch nicht die Veranlassung gegeben haben, seine Biographie in dieses Werk aufzunehmen; aber neben seiner angestrengten amtlichen Thätigkeit that er sich als Forscher auf dem Gebiete der vaterländischen Geschichte, besonders der Archäologie hervor und dies zu einer Zeit, wo wenige sich mit diesem Wissen beschäftigten und wo es in Oesterreich dem Beamten nicht zum Vortheil, ja häufig zum Schaden gereichte, wenn er auf dem Felde der Wissenschaft arbeitete und litterarisch thätig war.

Schon in seinem achtzehnten Lebensjahre begann er litterarisch zu arbeiten; 1819 erschienen in Wiener Blättern Erzählungen aus seiner Feder. Dadurch wurde er mit Hormayr bekannt und Mitarbeiter von dessen „Archiv“.

Im J. 1823 hatte Josef Freiherr v. Dietrich die berühmte Schönfeld’sche Sammlung an sich gebracht, die bekanntlich zu einem Theile aus Resten der Kunstkammer Kaiser Rudolf’s II. zu Prag bestand. Dietrich wollte sie wieder veräußern – sie gelangte später auch wirklich in den Besitz der Brüder Löwenstein in Frankfurt a. M. und wurde hinterher verstreut – und dazu bedurfte er eines wissenschaftlich gearbeiteten Katalogs. Sch. wurde mit der Abfassung desselben betraut, er vollendete ihn binnen zwei Jahren und so [743] entstand sein erstes Werk, welches zuerst in deutscher („Das von Ritter von Schönfeld gegründete technologische Museum in Wien. Eine gedrängte Uebersicht seiner Merkwürdigkeiten für Freunde der Kunst und des Alterthums“, Prag 1824) und dann in lateinischer Sprache („Museum technologicum ab Equite de Schönfeld Vindobonae fundatum. Conspectu rerum ibi visendarum brevis, amicisque artium et antiquitatum dedicatus“, Pragae 1825) erschien.

In den folgenden Jahren unternahm er trotz beschränkter Mittel mehrere größere und kleinere Reisen, welche ihn durch Nieder- und Oberösterreich, Böhmen, Mähren, Steiermark, Ungarn, Siebenbürgen einerseits bis Preußisch-Schlesien, andererseits bis in die Walachei führten, von denen er stets mit reicher Ausbeute an selbstgefertigten Zeichnungen und an alterthümlichen Funden zurückkehrte und wodurch er seine Kenntnisse im Fache der Archäologie namhaft erweiterte. Die Ergebnisse seiner Reisen und Forschungen legte er in zahlreichen Aufsätzen nieder, von denen die wichtigeren genannt werden sollen: „Alte Sprüche und Reime von der Landsknechte Unwesen“ (Hormayr’s Archiv 1821, Nr. 147), „Allerley aus einem Stammbuche, das einem Procopio Sturm, studioso, gehörte“ (1821, S. 596), „Die Gräfin Margaretha von Holland mit 365 Kindern“ (1822, S. 496), „Geschichtliche Anekdoten und Miscellen“ (1823, S. 75), „Das Lied vom Prinz Eugenius und von der Jungfrau Lille“ (1823, S. 188), „Erinnerungen von einem Ausflüge in einem interessanten Theile des Viertels unter dem Wiener Wald“ (1823, S. 325, 415, 441, 448, 457), „Das Spital zu Judenburg in Steyermark“ (1824, S. 125), „Flüchtige Bemerkungen auf einer Reise von Wien nach Ofen und Pesth“ (1824, S. 173 und 197), „Sebenstein und seine Schatz- und Waffenkammer“ (1824, S. 221), „Ueber Ausbesserung und Herstellung alter Baudenkmale“ (1824, S. 521 und 530), „Ausflug nach den fürstlich Eßterhazy’schen Schlössern Eisenstadt, Pottendorf, Forchtenstein und Lokenhaus“ (1824, S. 621, 647, 679), „Ein merkwürdiger Holzschnitt“ (1825, S. 12), „Historische Anfrage“ (1825, S. 819), „Kunstnachricht“ (1825, S. 820), „Don Georg von Dänemark“ (1825, S. 820), „Etwas über die Glasmalerei der Alten. Aus einem Manuscripte des XIV. Jahrhunderts“ (1825, S. 872), „Miscellen über Wien vor 100 Jahren“ (1825, S. 889), „Ausflug in einige Umgebungen von Neustadt und einige Puncte des Weges nach dem Schneeberg“ (1826, S. 1 und 18), „Notiz über den Getreidemarkt in Wien“ (1826, S. 96), „Aus dem Tagebuche eines Wieners von 1673 bis 1704“ (1826, S. 334, 342 und 346), „Das Landhaus in Wien“ (1826, S. 525), „Beitrag zur Litteratur der Volksbücher“ (1826, S. 542), „Denkwürdigkeiten aus der Familie der Schallenberge“ (1826, S. 625), „History von dem Ritter Trimunitas aus Steiermark und der Königin Floredebel“ (in „Der Aufmerksame“, Beilage der „Gräzer Zeitung“ 1826, Nr. 109), „Ausflug von Mödling nach Neuberg in Steiermark“ (Hormayr’s „Taschenbuch für die vaterländische Geschichte“, 1828, S. 189), „Die Pantheidungen von Wartenstein und Grimmenstein“ (in Wagner’s „Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit“, 1829, Hauptblatt, S. 189), „Beschreibung des bürgerlichen Zeughauses in Wien“ (in „Beiträge zur Landeskunde von Nieder-Oesterreich“, 1832. 4. Bd., auch im Sonderdruck, Wien 1832). „Die Türken vor Wien. Ein Beitrag zur Geschichte des österreichischen Schauspiels“ (in „Blätter für Litteratur, Kunst und Kritik. Zur österreichischen Zeitschrift für Geschichte und Staatskunde“, 1835, Nr. 17, 18); selbständige Publicationen Scheiger’s in jener Periode von 1821 bis 1837 waren: „Der Fußreisende in Oesterreich“, Wien 1829, „Andeutungen zu einigen Ausflügen im Viertel unter dem [744] Wiener Walde und seinen nächsten Umgebungen“, Wien 1828, „Ueber Burgen und Schlösser im Lande Oesterreich unter der Enns. Versuch einer gedrängten Darstellung ihrer Schicksale, Bauart, inneren Einrichtung, des Lebens in denselben, ihrer Angriffs- und Vertheidigungsweise“, Wien 1837.

Von 1837 bis 1850 ruhte Scheiger’s litterarische Thätigkeit, in Dalmatien mangelte es ihm an Stoff für sein Arbeitsgebiet, in Venedig war ihm jede Publication untersagt. Aber schon aus den bisher erwähnten Jugendarbeiten kann man sagen, daß Sch. das Verdienst gebührt, auf früher ganz unbeachtete Gegenden die Aufmerksamkeit gelenkt, die Entdeckung mancher unbekannter oder längst vergessener Alterthümer, die Berichtigung mancher Zweifel und irriger Angaben bewirkt zu haben; und zu einer Zeit, wo die Erforschung der vaterländischen Topographie fast ganz brach lag, widmete er sich nicht nur diesem Gebiete forschend und darstellend, sondern begann auch ein neues Feld, das der archäologischen Topographie zu bearbeiten, lieferte hierzu manchen schönen Beitrag und gab Anregung zur weiteren Pflege derselben. So war er es, der zuerst (Hormayr’s Archiv 1826, S. 23) auf den Suttinger’schen Plan von Wien vom Jahre 1684 aufmerksam machte, welcher für die geschichtliche Topographie dieser Stadt von hervorragender Wichtigkeit ist. – In dem Büchlein: „Der Fußreisende in Oesterreich“ berücksichtigte Sch. besonders die Bedürfnisse des Alterthums- und Kunstfreundes; es wurde mit außerordentlichem Beifalle begrüßt und cursirte, nachdem es rasch vergriffen war, sogar in Abschriften. In den „Andeutungen zu einigen Ausflügen im Viertel unter dem Wiener Walde“ legte er die Forschungsergebnisse zahlreicher Excursionen nieder und lieferte kurze Beschreibungen vieler Kunstwerke der Vergangenheit. War diese Schrift an sich formell vollendet, so zeichnete sie sich doch besonders dadurch aus, daß sie streng wissenschaftlich gehalten und von jeglicher romantischer Schwärmerei frei war. Sie war „ein entschiedener Bruch mit allen nervenleidenden Phantasten, Ritterschwärmern und Romanschmierern, die diese ehrwürdigen Reste alter Kunstthätigkeit bis nun als Staffage für ihre albernen Phantasien benützt hatten. Scheiger’s Andeutungen waren in einer Zeit, in der die Romantik noch lange nicht ihren letzten Klagelaut geseufzt hatte – windet sie sich ja noch heute wie ein verendender Aal – eine imposante Bewegung gegen den Strom, ein heller Blitzstrahl in der verduselten Gegenwart“ (Böheim).

Erst nach seiner Beförderung zum Oberpostverwalter und 1850 zum Postdirector in Graz konnte er sich wieder wissenschaftlichen Veröffentlichungen zuwenden und die Ausbeute in den Jahren 1850 bis 1870 war eine höchst ansehnliche, umfangreiche, grundlegend und tief. So erschienen von ihm in den „Mittheilungen des historischen Vereins für Steiermark“: „Andeutungen über die Umgestaltung der inneren Ordnung des steiermärkisch-ständischen Zeughauses in Graz (I, 71), „Ueber Reinigung der Alterthümer“ (VII, 97), „Eduard Pratobevera. Biographische Andeutungen“ (VIII, 112), „Josef Feil. Biographische Andeutungen“ (XII, 113), „Einige Beispiele von der Wehrkraft steiermärkischer Städte und Schlösser seit dem XVI. Jahrhunderte“ (XII,187), „Quellen und Beiträge zur Geschichte der Vertheidigung des Schloßberges von Graz im J. 1809“ (XIV, 86), „Die Burgruine Haustein (Hauenstein) in Steiermark (XVI, 62); in den „Berichten und Mittheilungen des Alterthumsvereins in Wien“: „Drei Persönlichkeiten des Sebensteiner Bundes (I, 228), „Von dem Einfluße der Pflanzen auf die Zerstörung der Ruinen“ (II, 1), „Franz Freiherr von Chanowsky. Züge zu einem Lebensbilde“ (III, 136); in den „Mittheilungen der k. k. Central-Commission zur Erhaltung und Erforschung der Kunst- und Baudenkmale“: „Ein interessanter Fund in [745] Maria Zell (1856, S. 109), „Alterthümer in Steiermark“ (1856, S. 173), „Ein archäologischer Ausflug nach Feldbach, Fehring und Pertlstein (1856, S. 248), „Die Kirche zu Bärneck“ (1857, S. 161), „Die Sternschanze bei Sauerbrunn oberhalb Judenburg“ (1858, S. 49), „Ein Grabstein im Dome zu Seckau ob Judenburg“ (1858, S. 191), „Ueber einige mittelalterliche Kunstdenkmale in der Gegend von Judenburg, Zeiring, Unzmarkt und Knittelfeld“ (1858, S. 293 und 329), „Hochosterwitz in Kärnten“ (5. Jahrgang, S. 245); als selbständige Publication erschien: „Andeutungen über Erhaltung und Herstellung alter Schlößer und Burgen“, Graz, 1853; außerdem veröffentlichte Sch. zahlreiche größere und kleinere Aufsätze, Mittheilungen, Notizen, archäologischen, auch allgemein historischen Inhalts in Schickh’s „Wiener Zeitschrift“, im „Hesperus“, in der Zeitschrift „Der Kranz“, im „Wiener Conversationsblatt“, im Taschenbuch „Aurora“, in der „Grazer Zeitung“ und in deren Beilage: „Der Aufmerksame“, in der „Steiermärkischen Zeitschrift“, in den „Oesterreichischen Blättern für Litteratur und Kunst“, in den „Beiträgen zur Landeskunde von Nieder-Oesterreich“, im Grazer „Telegraph“, in der Grazer „Tagespost“ und a. a. O. – Zwei Theile der Archäologie waren es besonders, mit denen Sch. sich eingehend beschäftigte, in denen er als Fachmann zu bezeichnen ist und als Autorität galt: die Geschichte des Burgenbaues und die Waffenkunde.

Große Verdienste erwarb er sich auch als Ausschußmitglied des historischen Vereins für Steiermark (von 1850 bis 1872) und als Conservator für Steiermark, wozu er schon 1851 von der k. k. Central-Commission zur Erhaltung der Baudenkmale ernannt worden war.

An Ehren und Auszeichnungen fehlte es ihm wenigstens in den späteren Jahren nicht; zahlreiche wissenschaftliche Vereine des In- und Auslandes wählten ihn zu[WS 2] ihrem Ehren- oder correspondirenden Mitgliede und nachdem er 1869 als Postdirector in den Ruhestand getreten war, erhob ihn 1872 der Kaiser mit dem Ehrenworte „Edler von“ in den erbländischen Adelsstand.

Er starb im 86. Jahre seines Lebens zu Graz am 6. Mai 1886.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Czikann und Gräffer IV, 514. Wien 1835. – Wurzbach, Biographisches Lexikon des österreichischen Kaiserstaats, 29. Theil, S. 169–171. – Böheim, Josef Edler von Scheiger. (Berichte und Mittheilungen des Alterthums-Vereins in Wien. 24. Bd., S. 162–167.) – Böheim, Vergangene Tage in Oesterreich. (Oesterreichisch-ungarische Revue, 1887, S. 129–143, 206–222.) – Ilwof, Josef Edler von Scheiger. (Im Gedenkbuch des historischen Vereins für Steiermark. S. 231–256. Im 42. Hefte der „Mittheilungen“ desselben Vereins. Graz 1894.)

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: nnd
  2. Vorlage: zu zu