BLKÖ:Labus, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Labus, Johann Anton
Band: 13 (1865), ab Seite: 453. (Quelle)
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Labus, Johann (Archäolog, geb. zu Brescia 10. April 1775, gest. zu Mailand 6. October 1853). Seine erste wissenschaftliche Bildung erhielt er in seiner Vaterstadt, wo er auch 1792 das Studium der Theologie begann, welches er aber später aufgab, um sich ganz seinem Lieblingsstudium, jenem der classischen Literatur, vornehmlich der lateinischen, zuzuwenden. Die politischen Bewegungen, in welche zu Ende des 18. Jahrhunderts die italienische Halbinsel mitgerissen worden, entzogen auch L. 1797, jedoch nur vorübergehend, seinen wissenschaftlichen Neigungen. Als mit dem Jahre 1799 für kurze Zeit ein Stillstand in den Bewegungen eintrat, kehrte L. zu seinen Classikern zurück und da die wissenschaftlichen Anstalten seines Vaterlandes, wenigstens was das Studium der classischen Literatur betrifft, keine Aussicht auf Erweiterung seiner Kenntnisse boten, so besuchte er die Universitäten in Paris und Leyden, wo sein Wissensdurst hinlängliche Befriedigung fand. Im Jahre 1800 in seine Heimat zurückgekehrt, bezog er nun die Universität Bologna, an welcher er die Rechtsstudien beendete und im Jahre 1806 die juridische Doctorwürde erlangte. Ausgestattet mit tüchtigen Kenntnissen, welche ihm Freunde in weiten Kreisen erwarben, nahm er in Mailand seinen bleibenden Aufenthalt, wo er mit Männern wie Cicognara, Monti, Paradisi, Perticari, Volta u. A. in freundschaftliche Verbindung trat. Unter der vorübergehenden napoleonischen Regierung wurden ihm mehrere nicht unbedeutende Aemter im Gemeindewesen übertragen, denen er mit ebenso viel Eifer als Rechtlichkeit oblag. Im Jahre 1816 legte er aber freiwillig alle Aemter nieder und lebte fortan ausschließlich seinen antiquarischen und archäologischen Studien, in welchen er von Fachmännern als einer der ersten Gelehrten Italiens angesehen und in mannigfacher Weise ausgezeichnet wurde. Sein Scharfsinn als Alterthumsforscher wurde durch den Umfang und die Gründlichkeit seiner Kenntnisse mächtig unterstützt und es war kein geringer Triumph, den die Alterthumswissenschaft durch ihn feierte, als er in seiner 1823 erschienenen Abhandlung über die zu Brescia entdeckten Ruinen eines unter Kaiser Vespasian errichteten Baudenkmales, deren Alter und Umfang so genau bestimmte und die Inschriften so treffend ergänzte, daß die zwei Jahre später wirklich dazu aufgefundenen Reste vollkommen seinen vorher gesagten Bestimmungen entsprachen und seine Ergänzungen fast buchstäblich bestätigten. Eine von dem berühmten Reisenden Belzoni [Bd. I, S. 252] in Egypten entdeckte lateinische Inschrift richtete L.’s Aufmerksamkeit auf die Alterthümer dieses Landes, denen er nun eine größere Aufmerksamkeit zuwendete und [454] durch deren Studium es ihm gelang, die chronologische Reihenfolge von 56 Präfecten desselben, von der Regierung des Augustus bis zu der des Caracalla, mit ihren Namen und Thaten nachzuweisen. Diese Arbeit erwarb ihm in gelehrten Kreisen die ehrenvollste Anerkennung. Die archäologischen Studien des classischen Alterthums, welche jedoch die vorherrschenden blieben, hinderten L. nicht, auch jenen der christlichen Aera sich zuzuwenden, wovon sein zwölfbändiger Festkalender der christlichen Kirche in den Lebensbeschreibungen ihrer Heiligen einen sprechenden Beweis bildet. Ein zweites in dieser Richtung begonnenes Prachtwerk: die Hauptkirchen Europa’s, ist leider – doch ohne seine Schuld – unvollendet geblieben. Das Studium und Erforschen antiker Monumente leitete L. in seinen Arbeiten unwillkürlich auf das Gebiet der Epigraphik, einer noch heut zu Tage in Italien beliebten Beschäftigung mancher Gelehrten, welche leider nur zu oft in Spielerei ausartet. L. versuchte sich unter Anleitung seines Lehrers Morcelli, des Verfassers des Werkes: „De stylo inscriptionum“, mit entschiedenem Glücke darin und leistete bei mehreren Gelegenheiten so Vortreffliches, daß er im Jahre 1837 bei Gelegenheit der Krönung des Kaisers Ferdinand in Mailand den Ehrentitel eines k. k. Hof-Epigraphisten erhielt. Als seine Hauptarbeit nach dieser Richtung hin ist die Erläuterung von ungefähr tausend Inschriftsteinen anzusehen, welche sich sämmtlich auf die Municipalgeschichte seiner Geburtsstadt Brescia beziehen und wenige Monate vor seinem Tode im zweiten Bande des Museo Bresciano gedruckt erschienen ist. Auch dürfte es nicht ohne Interesse sein, zu erfahren, daß Labus, von dem Fürsten Metternich aufgefordert, die lateinischen Inschriften für das Schlachtdenkmal von Culm verfaßt hat. Die Zahl der von L. durch den Druck veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeiten ist sehr groß. Der erste (1851 erschienene) Jahrgang des Almanachs der kaiserl. Akademie der Wissenschaften gibt Seite 235–244 eine vollständige Darstellung derselben. In folgender Uebersicht werden nun die selbstständig erschienenen und sonst historisch wichtigeren Arbeiten aufgezählt, in Betreff der übrigen wird auf den Almanach gewiesen. L.’s selbstständig herausgegebene Schriften sind aus dem Gebiete der Archäologie: „Sull’ antica colonna letterata che si conserva in Maguzzano“ (Brescia 1812, 8°.); – „Sulla Tribù e sui Decurioni dell’ antico Municipio Bresciano“ (ebd. 1813, 8°.; c. fig.); – „Intorno a due antichi epitafii acquistati dall’ abbate Sebastiano Ciampi“ (Milano 1817, 8°.); – „Epigrafe antica scoperta in l’adova pubblicata e spiegata“ (ebd. 1819, 8°.); – „Ara antica scoperta in Haimburgo dal cons. Stefano Mainoni pubbl. e illustrata“ (ebd. 1820, 4°.; con tav.); – „Intorno a duo Iscrizioni Velleiati. Lettera etc. etc.’’ (Parma 1820, 4°.); – „Intorno all’ isoletta del Lago Benaco ed agli antichi monumenti che vi si conservano“ (Verona 1821, 8°.); – „De la certitude de la science des Antiquités“ (Milan 1822, 4°. et 8°., av. planch.); – „Intorno vari antichi monumenti scoperti in Brescia nel 1823“ (Brescia 1823, 4°., con tav.); – „Delle Tessere e degli Spettacoli Romani“ (Milano 1827, 8°., c. fig.); – „Intorno all’ antico marmo di Caio Giulio Ingenuo“ (ebd. 1827, 8°.); – „Di un’ epigrafe antica nuovamente uscita [455] dalle escavazioni Bresciane“ (ebd. 1830, 8°.); – „Intorno ad una iscrizione antica scopertasi in Venezia nel mese di agosto 1830“ (Venezia 1830, 8°.); – „Museo della, R. Accademia di Mantova descritto ed illustrato“ (Mantova 1830 e s., 8°., con tav.); diese Musealbeschreibung umfaßt im Ganzen drei Bände, aber nur der zweite und dritte sind von L., der erste Band ist von Anderen gearbeitet; – „Monumenti antichi cristiani scoperti nell’ insigne Basilica di S. Simpliciano in Milano“ (Milano 1842, 8°.); – „Antica romana via del Sempione nuovamente osservata ed illustrata con monumenti contemporanei“ (ebd. 1840, 4°., con tav.), – „Ricerche sui monumenti epigrafici antichi tuttora esistenti nella città e provincia di Milano“ (ebd. 1846, 8°.); – „Intorno ai numi Alo e Alantetoba e sopra due medichi antichi bresciani“ (ebd. 1847). Außerdem gab L. die archäologischen Schriften Anderer heraus, erläuterte oder begleitete sie mit Anmerkungen, unter denen als eine seiner schönsten Arbeiten die Herausgabe und Erläuterung sämmtlicher Werke des berühmten Ennio Quirino Visconti ausdrücklich angeführt zu werden verdient, und besprach in Fachblättern und größeren Journalen wichtigere Schriften dieses Wissenszweiges. Die meisten seiner dahin einschlägigen zerstreut gedruckten Abhandlungen befinden sich in den Commentarii[WS 1] dell’ Ateneo di Brescia, im Poligrafo di Milano, in der Biblioteca italiana, im Ricoglitore, im Giornale arcadico di Roma, im Archeografo Triestino, im Giornale dell’ Istituto lombardo di scienze, lettere ed arti, und die Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Classe, enthalten in ihrem ersten Bande seine Abhandlung: „Antiche lapidi Tergestine nuovamente illustrate“. Seine Arbeiten auf dem Gebiete der kirchlichen und profanen Biographik und der Geschichte sind, und zwar die selbstständig erschienenen: „Notizie intorno alla vita e agli scritti di Giov. Batt. Corniani con varie lettere inedite al medesimo indirizzate“ (Milano 1814, 8°.); – „Notizie intorno alla vita e agli scritti di Ennio Quirino Visconti“ (ebd. 1818, 4°.); – „Notizie intorno alla vita e agli scritti del prof. Giuseppe Maria Racagni (ebd. 1822, 8°.); – „I Fasti della Chiesa nelle vite dei Santi in ciascun giorno dell’ anno“, volumi 12 (ebd. 1824–1833, 8°.); – „Chiese principali d’Europa descritte ed illustrate“ (1824, fol. max., con tav.); von diesem Prachtwerke sind eilf Hefte erschienen, welche Darstellungen der St. Peterskirche in Rom, des Doms in Mailand, des Pantheons in Rom, der St. Stephanskirche in Wien, der Kirche San Maria del Fiore in Florenz, des Doms von Pisa, der Kirche St. Johann in Lateran, der Metropolitankirche in Siena, der Kathedrale von Antwerpen, der Kathedrale von Gent und der Basilica di Superga enthalten; die Hefte 1 und 2 sind von Anderen, die Hefte 5 bis 11 hingegen von L. bearbeitet; – „Vita di due santi cremonesi, Giovanni de Sordi Cacciafronte ed Eusebio abbate“ (Milano 1825, 8°.); – „Vita di S. Latino vescovo di Brescia“ (ebd. 1825, 8°.); – „Cenni sulla vita e sulle opere del cav. Carlo De Rosmini (ebd. 1827, 8°.); – „Vita di Pio V. sommo pontefice e del B. Nicolo Albergati“ (ebd. 1827, 8°.); – „Vita di S. Alessandro [456] martire“ (ebd. 1828, 8°.); – „Vita di S. Alberto Quadrelli vescovo di Lodi“ (ebd. 1828, 8°.); – „Vita di santa Eurosia vergine e martire“ (Foligno 1831, 8°.); – „Cenni intorno alla vita ed agli scritti del canonico teologo Pietro Rudoni“ (Milano 1836, 8°.); – „Necrologia del generale maggiore Carlo Balabio“ (ebd. 1837, 8°.). Außerdem enthalten das Giornale italiano in den Jahren 1807, 1808, 1809, 1811 und 1813 aus seiner Feder die Biographien des Gius. Zola, Antonio Brognoli, Carlo Roncalli und Domenico Coccoli; die Commentarii dell’ Ateneo di Brescia, jene des neapolitanischen Historikers Camillo Porzio, des Philosophen und Dichters aus dem 16. Jahrhundert Girolamo Verità, und des Giacomo Pergamini; und das Giornale dell’ J. R. Istituto lombardo di scienze, lettere ed arti in den Jahren 1841 bis 1847 von seiner Hand die Nekrologe der Mitglieder: Giuseppe Morosi, Ambrosio Levati, Gaetano Cattaneo, Carlo Paganini, Pietro Configliacchi, Giuseppe Acerbi, Paolo de Capitani, Carlo Gaetano Geisruck und Giulio Ferrario. L.’s wissenschaftliches Wirken wurde in der gelehrten Welt allgemein anerkannt; er war wirkl. Mitglied und bis zum Jahre 1850 Secretär des I. R. Istituto lombardo di scienze, lettere ed arti; seit 14. März 1847 wirkl. Mitglied der kais. Akademie der Wissenschaften phil.-hist. Classe; die meisten Atheneen und archäologischen Gesellschaften Italiens schmückten ihre Mitgliederliste mit seinem Namen, aber auch die kön. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, jene zu Turin, die französische Académie des Inscriptions et belles lettres zu Paris, die kön. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag zählten ihn zu ihren Mitgliedern. Außer Sr. Heiligkeit dem Papste und dem Könige von Sardinien hat ihn auch sein eigener Monarch und zwar mit dem Orden der eisernen Krone 3. Classe ausgezeichnet. L. starb im hohen Alter von 78 Jahren, einen Sohn, den berühmten Bildhauer Johann Anton L. [s. d. Folg.] hinterlassend, der ihm aber schon wenige Jahre später in’s Grab folgte.

Giornale dell I. R. Istituto lombardo (Milano, 4°.) Tomo IX (1857), p. 491: Nekrolog. – Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, kl. 8°.) V. Jahrg. (1855), S. 100: Nekrolog [im Berichte des Generalsecretärs der philos.-historischen Classe, Ferdinand Wolf]; – derselbe, I. Jahrg. (1851), S. 235 [Verzeichniß der Schriften des Joh. Labus]. – Giornale dell’ Ingegnere Architetto (Milano, Lex. 8°.) Anno 1853, p. 141. – Necrologo del S. Giovanni Labus (Milano 1853, Boniardi Pogliani di E. Besozzi, 4°.) [Auszug aus dem periodischen Werke: „Le arti educative“ di G. B. Zambelli]. – Porträt. Unterschrift: Giovanni Antonio Labus. Holzschnitt von Zambelli (Mailand, Guglielmini, kl. 4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Comtarii.