BLKÖ:Mozart, Constanze

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Mozart, Maria Anna
Band: 19 (1868), ab Seite: 295. (Quelle)
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Mozart, Constanze[WS 1] (geb. zu Mannheim, gest. zu Salzburg 6. März 1842). Ihr Vater Fridolin Weber lebte in untergeordneten Verhältnissen – als Copist und Souffleur des Theaters – in Mannheim. Weber hatte mehrere Töchter, von denen die Zweite Aloisia – nachmals als Sängerin und Gattin des Hofschauspielers Lange bekannt – schon bei Mozart’s erster Anwesenheit in Mannheim, dessen Herz gefesselt hatte. Mozart war nämlich, als er unter der Obhut seiner Mutter im Jahre 1777 nach Deutschland und dann nach Paris reiste, um eine seinen musikalischen Kenntnissen entsprechende Stellung zu erlangen, längere Zeit in Mannheim geblieben. Dort hatte er die Familie Weber [siehe S. 274: XVI. Mozart’s Verwandtschaft und Schwägerschafts-Verhältnisse] kennen gelernt, und bald für Aloisia, die überdieß damals in ihrem fünfzehnten Jahre eine aufblühende Schönheit war und eine ungemein schöne Stimme besaß, eine so tiefe Neigung gefaßt, daß er, dessen Liebe von Aloisia erwidert ward, ganz eigene Pläne baute, und dieselben in den Briefen an seinen Vater mittheilte. Dieser, mit nüchternem Sinne das Project ansehend, riß unbarmherzig das Luftgebäude nieder, drang auf schleuniges Verlassen Mannheim und Weiterreisen nach Paris, wo im Wirbel der Großstadt auch diese primitiven Gefühle ihren Untergang finden sollten. So war es auch geschehen. Die nicht zu gewissenhafte Aloisia hatte alsbald ihren Tröster gefunden und als Mozart im folgenden Jahre bei seiner Rückkehr aus Paris nach Salzburg, Aloisia wieder sah, und ihr mit den alten Empfindungen sich näherte, war sie fremd und kalt gegen ihn. Diese Liebesepisode war für Mozart vorüber, wenn auch, wie es ein Brief M.’s an seinen Vater ddo. 16. Mai 1781 offen ausspricht, diese Flamme später immer wieder aufflackerte. Aber das Verhängniß wollte es nun einmal, [296] daß Mozart zur Weber’schen Familie in nähere Beziehung treten sollte. Als er, nachdem er den Dienst des rohen Kirchenfürsten von Salzburg, Hieronymus, nach der entwürdigendsten Behandlung verlassen, fremd und vereinsamt dastand, fand er eine Zuflucht bei der Weber’schen Familie, die damals in Wien lebte. Der alte Souffleur Weber war gestorben, Aloisia an den Hofschauspieler Lange in Wien verheirathet, und so war denn Witwe Weber mit ihren übrigen drei Töchtern Josepha, Constanze und Sophie auch nach Wien gezogen, wo sie in ziemlich beschränkten Verhältnissen lebte. Bei Witwe Weber hatte Mozart, als er des erzbischöflichen Dienstes ledig, eine Unterkunft suchte, ein Zimmer gemiethet. Die tägliche Gelegenheit, Constanzen zu sehen, die in der Weber’schen Familie die Rolle Aschenbrödels spielte, die Herzensgüte des Mädchens, das sich dem genialen Musicus vertrauensvoll zuwendete und die Erinnerung an seine erste und seligste Liebe immer wieder wachrief, alle dieß nährte in dem Herzen Mozart’s eine Neigung, welche durch Hindernisse und Kümmernisse aller Art nur um so eher gezeitigt wurde. Die Behandlung, welche Constanze von Seite ihrer bösartigen Mutter erfuhr, war eine solche, daß Mozart sie aus dem Hause der Mutter nehmen mußte, worauf sie bei einer mütterlichen Freundin Mozart’s, bei der Baronin von Waldstetten, für einige Zeit Zuflucht fand. Auch gegen diese Heirath erhob der Vater die warnende Stimme, aber Mozart war flügge geworden, hatte dem Mädchen die Ehe versprochen und hielt sein Wort. Am 4. August 1782 führte er Constanze als seine Gattin heim und lebte mit ihr bis an seinen vorschnellen Tod in einer, was Liebe, herzliches Einverständniß, gegenseitige Achtung und Nachsicht betrifft, ungetrübten Ehe. Otto Jahn in seiner herrlichen Biographie Mozart’s gibt im dritten Bande (erste Auflage), S. 138 bis 170, eine ebenso interessante als urkundlich beglaubigte Darstellung dieses Herzensbundes, auf welche als auf eine der lieblichsten Partien dieses Werkes hingewiesen wird. Constanze war als Frau ziemlich kränklich, mehrere Wochenbetten hatten die schwächliche Frau stark hergenommen, und da eben zeigt sich Mozart’s liebreiche Sorgfalt für seine leidende Gattin. Von den mit ihr erzeugten Kindern waren, als Mozart, 35 Jahre alt, starb, nur noch zwei, Karl, schon einige Jahre, Wolfgang Amadeus, erst fünf Monate alt, am Leben geblieben. Constanze erhielt als Witwe eines k. k. Hofcapellmeisters, aus Gnade eine Jahrespension von 260 Gulden. Mit dieser Summe wäre ihr freilich nicht geholfen gewesen, wenn nicht Freunde sich der armen Witwe in liebevollster Weise angenommen hätten. Einige Zeit nach dem Tode ihres Gatten unternahm sie nach Wien, Prag und anderen Orten Kunstreisen, auf denen sie namentlich in Berlin großmüthige Unterstützung fand, welche ihr freilich nicht auf die Dauer eine sorgenfreie Existenz bereiten konnte. Die Werke ihres Mannes, die bei geregelten Zuständen des geistigen Eigenthums, ihr eine mehr als hinreichende Versorgung hätten bieten müssen, waren Gemeingut des Publicums und als im Jahre 1799 André aus Offenbach den gesammten handschriftlichen Nachlaß Mozart’s um den Kaufpreis von Tausend Ducaten von ihr erwarb, mußte sie dieß noch als eine besondere Gunst, als einen förmlichen Glücksfall anerkennen. Später fand sie in einer [297] zweiten Ehe mit G. N. Nissen eine gesicherte, ruhige Existenz. Nissen lernte im Jahre 1797 in Wien, wo er damals die Geschäfte der dänischen Diplomatie wahrnahm, die Witwe Mozart kennen, leistete ihr bei der Ordnung ihrer Angelegenheiten und Vermögensverhältnisse, vornehmlich aber in der Sichtung der Familienpapiere, Briefschaften und Arbeiten ihres ersten Gatten treuen Beistand und ehelichte sie im Jahre 1809. Nachdem er den Staatsdienst verlassen, lebte er seit 1820 mit ihr in Salzburg, wo auch Mozart’s Schwester Maria Anna, vermälte Freiin Berchtold von Sonnenburg[WS 2], wohnte. Als Nissen im Jahre 1826 gestorben, lebte nun Constanze mit ihrer gleichfalls verwitweten Schwester Sophie Haibl zusammen und starb am 6. März 1842, wenige Stunden, nachdem das Modell der Mozartstatue in Salzburg eingetroffen war. Constanze spielte Clavier, und sang auch. So z. B. auf der Kunstreise über Prag, Dresden, Leipzig, Berlin und Hamburg, an welchen Orten sie ihres Mannes Requiem und Clemenza di Tito, nach Umständen ganz oder nur stückweise aufführte, übernahm sie darin eine Singrolle; jedoch kam sie im Gesange ihrer Schwester Aloisia nicht gleich. Die von Rochlitz in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ 1799 mitgetheilten, Mozart betreffenden Anekdoten beruhen zu nicht geringem Theile auf Mittheilungen der Witwe Mozart’s. Auch hat sie nicht geringen Antheil an der Biographie Mozart’s durch ihren Gemal Nissen, dem sie alle in ihrem Besitze befindlichen Papiere aushändigte und dadurch ermöglichte, daß aus den, wenngleich durch Nissen’s Aengstlichkeit und Gewissenhaftigkeit vielfach verstümmelten, so doch authentischen Briefen Mozart’s die ersten und so wichtigen Nachrichten über das Leben des großen Meisters in’s Publicum gelangten.

Gerber (Ernst Ludwig), Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1813, Kühnel, gr. 8°.) Bd. III, Sp. 498. – Schindel (Carl Wilhelm Otto August v.). Die deutschen Schriftstellerinen des neunzehnten Jahrhunderts (Leipzig 1823, Brockhaus, 8°.) Bd. II, S. 25. – Westermann’s Monatshefte[WS 3], Neue Folge (1867), Nr. 33: „Constanze Mozart. Biographisches Bild“. Von Ludwig Nohl. – J. M. Quérard in seinem Werke: „La France littéraire ou dictionnaire bibliographique des savants historiens etc. etc., qui ont écrit en français etc. etc.“ (Paris 183., 8°.) schreibt im VI. Bande, S. 354, über Mozart’s Witwe: „Un grande seigneur russe, enthousiaste de Mozárt, a éponsé sa veuve“, Nissen, der Witwe Mozart zweiter Gemal, war aber kein Russe, sondern dänischer Geschäftsträger in Wien. – Porträt. Unterschrift: Constanze Mozart, geb. von Weber (ganz facsimilirt), ohne Angabe des Zeichners und Lithogr., im Anhange zu Nissen’s „Biographie Mozart’s“. Es ist nach einem Oelbilde ihres Schwagers, des Hofschauspielers Lange lithographirt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Siehe auch den 2. Artikel Weber, Constanze.
  2. dazu Nachtrag Mozart, Maria Anna.
  3. Vorlage: Monathefte