BLKÖ:Sambach, Kaspar Franz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Samassa, Joseph
Band: 28 (1874), ab Seite: 172. (Quelle)
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Sambach, Kaspar Franz (Maler, geb. zu Breslau 6. Jänner 1715, gest. zu Wien nach Gräffer am 7., nach Patuzzi am 27. Februar 1795). Sein Vater war ein unbemittelter Schuster, der mit unverholener Freude die Lust und das Talent für die Kunst in seinem Sohne erwachen sah, ohne jedoch sich auch der Betrübniß zu erwehren, daß ihm die Mittel fehlten, diese Richtung des Knaben in entsprechender Weise zu fördern. Indessen schickte er ihn auf die Schule, und als ihn der siebenjährige Knabe inständigst bat, ihn zeichnen lernen zu lassen, ließ er ihm diesen Unterricht ertheilen und bezahlte den Meister, da er kein Geld hatte, mit seinen Handwerksarbeiten. So bildete sich S. bis zu seinem 14. Lebensjahre fort und kam dann zu einem sehr mittelmäßigen Maler, Namens Reinert, in die Lehre. Dort machte S. bald solche Fortschritte, daß er seinen Meister weit übertraf; denselben verließ er nun, um bei einem geschickteren sich fortzubilden, worauf er, als er keinen fand, in’s väterliche Haus zurückkehrte, wo er eifrig seine Kunst fortübte, aber nebenbei auch das Studium anderer Wissenszweige nicht vernachlässigte. Dabei war er sehr erfinderisch und machte sich zu seinen Zwecken allerlei Geräthschaften, unter anderen zum Behufe seines Studiums in der Gnomonik verschiedene Instrumente aus Holz und Metall zurecht. [173] Auch ging er in seinem Drange nach künstlerischer Ausbildung aus eigenem Antriebe und ohne Empfehlung zu dem in Breslau befindlichen Maler de L’Epe, einem Schüler des berühmten Gran [Bd. V, S. 307], mit der Bitte, ihn unentgeltlich in seine Dienste zu nehmen, wozu sich der Künstler um so lieber verstand, als er das Talent des Jünglings sofort erkannte. So arbeitete S. unter den Augen seines Meisters, der ihn, als er nach Troppau reiste, um dort die Fresken in der Dominikanerkirche auszuführen, mit sich nahm und ihn wegen seines Fleißes und seiner Anstelligkeit immer mehr lieb gewann. Als S. drei Jahre bei seinem Meister gearbeitet, beschenkte ihn dieser eines Tages mit fünfzig Gulden, worüber S., da es der erste Verdienst war, den ihm seine Kunst eintrug, nicht geringe Freude empfand. Aber neben der Malerei betrieb S. auch die Studien der Mathematik, Geometrie, Optik mit großem Eifer. Nachdem die fünf Jahre, für welche er sich seinem Meister verdungen, vorüber waren, suchte er sich selbst fortzuhelfen und arbeitete, um sich den nöthigen Lebensunterhalt zu verschaffen, in Diensten verschiedener Meister. Bald wurde sein Name bekannter und der Bildhauer Matthäus Donner [Bd. III, S. 369], ein Schüler seines Bruders, des berühmten Raphael D., lud S., dessen Tüchtigkeit ihm durch mehrere Arbeiten bekannt war, ein, nach Wien zu kommen, wozu sich S. bei seinem Drange nach Vervollkommnung sofort entschloß. Mit ganz geringer Baarschaft kam S. in der Charwoche 1740 – damals 25 Jahre alt – in die Kaiserstadt, wo er nun fleißig Raphael Donner’s Schule und die Akademie der bildenden Künste besuchte. Donner’s geniale Arbeiten machten nun auf S. so gewaltigen Eindruck, daß er den Entschluß faßte, die bisher geübte Malerkunst gegen die Bildhauerei zu vertauschen und sich Donner’n als Schüler anbot. Dieser aber redete ihm, indem er ihn auf seine Fortschritte in der Malerei aufmerksam gemacht, dieses Vorhaben aus und eiferte ihn an, nur immer größere Fortschritte[WS 1] in der bisher mit so gutem Erfolge geübten Kunst zu machen. Zugleich übte er sich damals fleißig im Bossiren und in halberhabenen Arbeiten, womit er, wie später, mit seinen Gemälden, so großen Ruhm erntete. Aber nicht lange war es ihm gegönnt, bei Donner zu arbeiten, denn dieser starb bereits im folgenden Jahre, am 15. Februar 1741. Zu diesem Verluste des geliebten Lehrers gesellte sich noch der Ausbruch des bayerischen Erbfolgekrieges. S. war also nicht nur genöthigt, sich selbst fortzuhelfen, sondern durch die Umstände – ein Krieg ist den Bestrebungen der Kunst nie förderlich – war ihm auch dieß sehr erschwert, und nur mühsam gelang es ihm, sich durchzuarbeiten. Doch sein Fleiß, seine Ausdauer verließen ihn nie, auch sein Eifer, sich theoretisch fortzubilden und die Lücken seiner Kenntnisse im Hinblicke auf seine Kunst auszufüllen, erkaltete nicht. Zwei Gelehrte jener Tage, Maximilian Hell [Bd. VIII, S. 262] und Anton Pilgram [Bd. XXII, S. 289] boten ihm in dieser Richtung hilfreiche Hand. Auf der Akademie aber machte er so ausgezeichnete Fortschritte, daß ihm für eine gelieferte Zeichnung von dem damaligen Director van Schuppen der erste Preis zuerkannt wurde. Endlich, als wieder für die Kunst günstigere Zeiten anbrachen, begannen sich auch S.’s Verhältnisse zu klären; über Verwendung des Malers Meytens [Bd. XVIII, S. 193], damaligen Akademie-Directors, erhielt S. im Jahre [174] 1762 eine Professur an der k. k. Akademie der bildenden Künste, und als zehn Jahre später, 1772, die bis dahin getrennten Kunstschulen der Malerei und Bildhauerei vereinigt wurden, ward S. zum Director der Akademie gewählt. 23 Jahre war S. auf diesem Posten thätig. Von Jugend auf schwächlicher Constitution, konnte sich sein Körper bei den vielen Entbehrungen und Kummernissen, die er hatte ertragen muffen, nie recht kräftigen, dessen ungeachtet erreichte er das hohe Alter von 80 Jahren, in welchem ein Schlagfluß sein Leben endete. Aus einer in Wien im Jahre 1743 geschlossenen Ehe hinterließ er einen Sohn Johann Christian, über welchen weiter unten Näheres berichtet wird. S. hat zahlreiche Werke seines Pinsels theils in Oel, theils al fresco ausgeführt, hinterlassen. Von seinen Oelbildern sind anzuführen: „Der h. Schutzengel“; – „Christus am Kreuze mit Maria und Magdalena“; – „S. Franciscus Xaverius, auf einer Insel sterbend“, drei Altarbilder für die Jesuitenkirche in Stuhlweissenburg; – „Himmelfahrt Mariä“; – „Der englische Gruss“, ersteres das Hochaltar-, letzteres ein kleines Altarblatt für die Jesuitenkirche auf der Festung Ofen; – „Der h. Joseph mit dem Kinde Jesus und der h. Maria, umgeben von Engeln“, Hochaltarblatt in der Franziskanerkirche zu Kanischa, 1747 im Auftrage eines Grafen Batthyány gemalt; – „Die h. Theresia, ober ihr die h. Dreifaltigkeit mit Engeln in der Glorie“, für eine damals neu erbaute Kirche zu Agram, auf Bestellung der Kaiserin Maria Theresia gemalt; – „Der h. Johann von Nepomuk, den verschiedene Personen um seine Fürbitte bei Gott anflehen“, Altarblatt in der Pfarrkirche zu Radoletz nächst Znaim; – „Der h. Karolus Borromäus, die Kranken während der Pest speisend“, Altarblatt ebenda; – „Der h. Johannes der Täufer in der Wüste“ und „Der h. Bruno, in einer Höhle in Betrachtungen versenkt“, zwei Altarblätter in der Karthause zu Königsfeld bei Brünn; – „Die h. Anna, mit der h. Maria und dem h. Joachim mit einigen Engeln“; – „Der h. Karolus Borromäus, die Pestkranken speisend“, verschieden von dem zu Radoletz befindlichen Bilde; – „Der h. Joseph im Sterben, von Christus, Maria und einigen Engeln umgeben“; – „Der h. Franciscus Seraphicus, zum Kreuze des Erlösers für die Seelen im Fegefeuer betend“, die letztgenannten vier sämmtlich Altarblätter für die Kirche zu Sloup (nicht Srob, wie es bei Dlabacz heißt) bei Brünn; – das Hochaltarblatt zu Jedl im Olmützer Kreise; – ein Kinderbachanal, grau in Grau in Form eines Basreliefs von weißem Marmor gemalt, bezeichnet: C. Sambach pt. 1778 (Leinwand, 4 Fuß, 8 Zoll breit, 3 Fuß 3 Zoll hoch, ganze Figuren, ein Drittel Lebensgröße), im fünften Zimmer des Erdgeschosses in der k. k. Bildergallerie des Belvedere in Wien; – „Spielende Kinder“, sechs Stück, gleichfalls grau in in Grau, in Form von Basreliefs von weißem Marmor, im Kronencabinete zu Preßburg im Auftrage des Herzogs Albert zu Sachsen-Teschen; – Allegorie des Wahlspruches des Kaisers Franz I. Stephan, des Gemals Maria Theresia’s: „Pro domo et imperio“, grau in Grau, Statuen in Art weißen Marmors, S.’s Aufnahmsstück in der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien; außerdem sind von ihm mehrere treffliche, in Oel ausgeführte Stillleben, meist Küchenstücke, bekannt; – von Sambach’s Fresken sind zu nennen jene in der Jesuitenkirche zu Stuhlweissenburg; – der Plafond im kleinen Saale im gräflich Sinzendorf’schen Schlosse [175] zu Enzersdorf; das Bild stellt den durch Tapferkeit und Tugend erworbenen Adel vor, den der Landesfürst belohnt, dessen Verdienste Fama der Welt verkündet, den der Feldbau erhält und unterstützt; – die Fresken in der Kirche zu Sloup bei Brünn, die Blumen auf dem Bilde sind von Zagelmann ausgeführt; – im Schlosse des Grafen Attems zu Oberburg in Steiermark der Saal mit der Darstellung der Beziehungen der Malerkunst zum Lande und zur Fürstenwürde; – der Plafond im Hause des Grafen Taroucca auf der Bastei nächst der kaiserlichen Burg in Wien. Unter der im „Oesterreichischen Pantheon“. Bd. IV, S. 58, angeführten Saalfreske in der fürstlichen Residenz zu Ehrenburg wird wohl die vorerwähnte im Graf Attems’schen Schlosse zu Oberburg gemeint sein. Sambach war ein sehr geschickter, zu seiner Zeit gesuchter Künstler. Füßli im 3. Bande seines „Allgemeinen Künstler-Lexikons“, S. 179, nennt ihn geradezu „Einen der besten deutschen Historienmaler“, der die Theorie seiner Kunst vollkommen verstand und außerdem mit den Regeln der Optik und Perspective, wie dieß aus seinen Fresken am besten erhellet, vollkommen vertraut war. Seine gemalten Basreliefs, die eben ob der Schönheit, mit welcher er sie ausführte, durch ihn gleichsam wieder in die Mode gekommen waren, hat er im Geiste Jos. Martin Geeraert’s und Jacob’s de Wit ausgeführt. Q. Marck und A. Wiener haben auch Einiges nach Sambach gestochen. – Sambach’s Sohn Johann Christian (geb. zu Wien im Jahre 1761, gest. ebenda 1799) war Maler und Bildhauer zugleich und hatte sich unter der Leitung seines Vaters, wie später in der Akademie herangebildet. Er malte Bildnisse, Conversationsstücke u. a. Mir sind nur ein paar Werke seines Pinsels bekannt: ein Altarblatt in der Leopoldskirche auf dem Kahlenberge bei Nußdorf und eine Zeichnung, darstellend die Vermälung des Erzherzogs, nachmaligen Kaisers Franz I. von Oesterreich, mit Elisabeth von Württemberg am 6. Jänner 1788, welche Jacob Adam in Folio in Kupfer gestochen hat.

Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) 1812, S. 462. – Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1831, M. Chr. Adolph, 8°.) Bd. IV, S. 54. – Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, Haase, 4°.) Bd. III, Sp. 15. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 481. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XIV, S. 235. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1830, Nr. 101; Jahrg. 1833, S. 64, in den „Geschichtlichen Erinnerungen“. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, v. Trattnern, 8°.) I. Bds. 2. Stück, S. 342 u. f.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Forschritte.