BLKÖ:Schärmer, Johann Martin

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schermer, August
Band: 29 (1875), ab Seite: 62. (Quelle)
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Schärmer, auch Schermer, Johann Martin (Maler, geb. zu Nassereut in Tirol 2. November 1785, gest. zu Wien 11. Jänner 1863). Sein Vater war Ortsanwalt zu Nassereut und im Jahre 1805 kam sein Sohn, der sich bisher im Stillen ohne Lehrer selbst in der Kunst gebildet, nach Wien, um daselbst die philosophischen Studien zu hören. Aber seine Geschicklichkeit im Malen von Miniatur-Porträts wies ihn auf den Weg der Kunst, den er auch nicht mehr verließ, freilich nicht, um die manchen Begünstigten daraus erblühenden Rosen zu pflücken, sondern um Künstlers Dornenpfad zu wandeln. Sein Glück im Treffen der Aehnlichkeit, verbunden mit großer Sorgfalt [63] in der Ausführung, machten S. als Miniatur-Porträtmaler bald in den höchsten Kreisen sehr gesucht und geschätzt. An dem Erzherzoge Johann, dessen Correspondenz S. im denkwürdigen Jahre 1809 vermittelte, fand er einen wohlwollenden Gönner, aber, eine edle, echte Künstlernatur, verschmähte er es, dessen einflußreiche Güte auszubeuten. In jenen Tagen befreundete sich S. mit Franz Schubert, Franz von Schober und dem ungarischen Dichter Karl Kisfaludy[WS 1] [s. d. Bd. XI, S. 325]. Für Letzteren führte Schärmer die niedlichen Zeichnungen zum ungarischen Taschenbuche „Aurora“ aus, dessen Originale im Pesther Nationalmuseum aufbewahrt werden. Indessen malte S. fleißig Miniatur-Porträts, es galt, damit das tägliche Brot zu verdienen. Als der Concurs für das Hofer-Denkmal ausgeschrieben wurde, beschloß S., sich auch daran zu betheiligen. Die erste Zeichnung S.’s, der Genius Tirols senkt auf Hofer’s Haupt den Lorbeerkranz nieder, fand vor dem Staatskanzler Fürsten Metternich keine Gnade. War diese Glorificirung des Bauers dem Fürsten nicht genehm? Auch die zweite Zeichnung Schärmer’s, obwohl von Schaller bei der Ausführung benützt, wurde verworfen. Nur die herrliche Zeichnung der am Sockel des Denkmals angebrachten Reliefs errang über alle Intriguen den ihr gebührenden Sieg. Mit der Ausführung der Statue wurde Schaller, mit jener der Basreliefs Klieber betraut. Anton Langer in seinen in der Wiener Presse (1863, Nr. 299) mitgetheilten „Wiener Geschichten“ berichtet hinsichtlich des Denkmals, daß dasselbe, tausendfach durch den Stich vervielfältigt, Klieber’n eine beträchtliche Summe eingetragen habe und Schärmer den pecuniären Antheil, der ihm für die Erfindung gebührte, durch einen Proceß dem Bildhauer abringen mußte. Die Sache, wie Schärmer’s Sohn sie berichtigt, verhält sich anders. Nachdem Klieber auf den Basreliefs die Worte „Erfunden und ausgeführt von Klieber“ hatte einmeißeln lassen. bestand Schärmer darauf, daß sein Name als Erfinder gleichfalls auf dem Denkmal angebracht werde, was auch geschah. Hinsichtlich eines Antheils an dem pecuniären Erfolge der ohne sein Wissen vorgenommenen Vervielfältigung aber hatte S. nie einen Proceß eingeleitet, also auch keinen Antheil abgezwungen und überhaupt niemals etwas erhalten. Es muß hier – ohne Schärmer’s Verdienst im geringsten zu schmälern, aber doch um Klieber’s Antheil an den Basreliefs festzustellen – auf einen größeren Artikel in der Witthauer’schen „Wiener Zeitschrift“, die in einem der Jahrgänge 1830 oder 1831, S. 708, unter dem Titel: „Ueber das Basrelief zu Andreas von Hofer’s Denkmal in Innsbruck, componirt von Joh. Martin Schärmer“, und namentlich auf die am Schlusse dieses Aufsatzes, S. 726, befindliche Berichtigung ausdrücklich hingewiesen werden. Ueberhaupt scheint Schärmer’s große Gereiztheit, verbunden mit Künstlerstolz, in dieser Sache etwas über das Ziel hinaus geschossen zu haben. Noch einmal trat Schärmer in die Oeffentlichkeit, als nämlich die Entwürfe für das Franzens-Monument ausgeschrieben wurden. Auch Schärmer fand sich unter den Bewerbern ein und sein Entwurf wurde von dem damaligen Hofmaler Höchle [Bd. IX, S. 89] für den besten anerkannt. Aber man wollte damals den Lombarden schmeicheln und so fiel die Wahl auf Marchesi’s Project, welches [64] in seiner monumentalen Ausführung nichts weniger als der Erwartung entsprach. Schärmer aber fühlte sich durch diese Zurücksetzung, die nichts weniger als der Person und seinem Werke galt, sondern in Folge eines Actes der Politik stattgefunden hatte, tief verletzt, arbeitete, so lange es ihm Augen und Hand gestatteten, seine Miniatur-Porträts, die kaum für den dürftigsten Broterwerb ausreichten. Als aber auch diese nicht mehr ihre Dienste leisten wollten, das Auge erloschen, die Hand unsicher geworden war, fand S. Zuflucht bei seinem Sohne, der einen kleinen Dienst bei der Nordbahn in Floridsdorf bekleidete. S.’s Arbeiten, die ganz das Gepräge der Zeit an sich tragen, in welcher sie entstanden sind, sind mit ungemein großer Sorgfalt und Feinheit ausgeführt. Sie befinden sich zerstreut im Privatbesitze. Vor wenigen Jahren erst fand Herausgeber ein Bildniß Grillparzer’s von Schärmer’s Pinsel, das, wenn ich nicht irre, gegenwärtig im Besitze der Frau Baronin Ebner von Eschenbach [Bd. XXIV, S. 398] sich befindet. Unter so drückenden Umständen erreichte der Künstler das hohe Alter von nahezu 80 Jahren, vergessen von der Mitwelt, die erst seiner gedachte, als die Schollen auf seinen Sargdeckel niedergerollt waren.

Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) 1863, Nr. 138, S. 855 [nach dieser wäre er im Jahre 1783 geboren]. – Archiv für die zeichnenden Künste 1868, II. Heft. – Zellner’s Blätter für Theater, Musik u. s. w. (Wien, kl. Fol.) Jahrg. 1868, S. 24. – Neue freie Presse (Wiener polit. Blatt) 1868, Nr. 1211. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1868, Nr. 14 [nach diesem wäre S. im Alter von 71 Jahren gestorben, also im Jahre 1792 geboren, was bestimmt unrichtig ist]. – Fremden-Blatt. Von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1868, Nr. 17, Beilage. – Tirolisches Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, Felician Rauch, 8°.) S. 217. – Staffler (Johann Jac.), Das deutsche Tirol und Vorarlberg, topographisch mit geschichtlichen Bemerkungen (Innsbruck 1847, Felic. Rauch, 8°.) Bd. I, S. 272. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortges. von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 445 [daselbst heißt S.’s Geburtsort statt Nassereut irrig Nasseruit]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. XV, S. 197. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 299 im Feuilleton: „Wiener Geschichten“ [nach dieser geb. im Jahre 1783]; – dasselbe Blatt 1863, Nr. 300, unter den eingesendeten Nachrichten [eine Berichtigung von Schärmer’s Sohne]. –

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Franz Kisfaludy.