BLKÖ:Schaller, Johann Nepomuk

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 98. (Quelle)
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Schaller, Johann Nepomuk (Bildhauer, geb. zu Wien 30. März 1777, gest. ebenda 15., n. A. 16. Februar 1842). Ein Bruder des Historienmalers Anton [s. d. S. 92]. Nachdem er die Schule des Grundes, wo er geboren (Lichtenthal), besucht, entschied er sich, von seinem mittellosen Vater zur Wahl eines Handwerks aufgefordert, für die Uhrmacherei, da eben in der Nähe der väterlichen Wohnung ein Uhrmacherladen sich befand, der immer seine Aufmerksamkeit gefesselt hatte. Der Vater ließ ihn nun die Schule für Kunsthandwerker, die unter der Leitung der k. k. Akademie stand, besuchen, dann kam er, da ihm die Aufnahme in die Bossirabtheilung der k. k. Porzellanfabrik in Aussicht gestellt war, in die historische Elementar-Zeichnungsschule, welche damals unter der Leitung des Professors Maurer stand, und nachdem er dieselbe zwei Jahre besucht, kam er als Lehrling in die Bossirabtheilung der k. k. Porzellanfabrik und unter die Anleitung des Modellmeisters Anton Grassi [Bd. V, S. 312]. Dieser, selbst ein tüchtiger Künstler, nahm sich im Anbeginn voll Theilnahme des jungen Schaller an, bis die unerwarteten Fortschritte desselben des Meisters Eifersucht erregten und Schaller nunmehr zu den gewöhnlicheren Fabriksarbeiten verwendet wurde. Doch wurde ihm später auf höhere Anordnung der Besuch der Akademie wieder gestattet. Daselbst lernte er den nachmaligen Hofstatuar Leopold Kiesling [Bd. XI, S. 256] kennen, dessen Arbeiten in Stein S. selbst zu Versuchen anregten, die in einigen in Alabaster ausgeführten Arbeiten zu bestimmten Hoffnungen berechtigten und S. bald in diesem Zweige der Kunst seinen eigentlichen Künstlerberuf erkennen ließen. Um diese Zeit wurde S. auch mit dem Historienmaler Caucig [Bd. II, S. 312] bekannt, der ihn in seinen Bestrebungen wesentlich ermunterte. In Folge dessen entstanden mehrere kleinere Compositionen und die drei Fuß hohe Figur: „Philoklet, sich den vergifteten Pfeil aus dem verwundeten Fusse ziehend“, welche Arbeit so gelungen war, daß ihn Caucig dem damaligen Curator der Akademie, dem Grafen Cobenzl [Bd. Il, S. 391], einem großen Gönner der schönen Künste, auf das angelegentlichste empfahl. Der Graf ließ sich nun die sorgfältige künstlerische Ausbildung S.’s ernstlich angelegen sein und sicherte ihm, wenn Kiesling, der mittlerweile als Pensionär nach Rom gegangen war, von dort zurückgekehrt sein würde, die k. k. Pensionärstelle für die Bildhauerkunst zu. Um diese Zeit (1807) starb der Modellmeister Grassi und der damalige Director der Porzellanfabrik, Hofrath Niedermayer, längst auf S.’s Leistungen aufmerksam geworden, beschied ihn zu sich, um ihm mitzutheilen, daß er ihn als Nachfolger Grassi’s, zwar noch nicht unmittelbar als Modellmeister, aber doch als ersten Modelleur der Fabrik in Vorschlag zu bringen die Absicht habe. Schaller eröffnete aber dem Hofrathe die von dem Grafen Cobenzl erhaltene Zusicherung der Pensionärstelle, weßhalb er, obgleich unbemittelt, jedoch dem innern Kunstdrange folgend, dieses so [99] vortheilhafte Anerbieten, dankerfüllt für so viel Wohlwollen, ablehnen müsse. Im ersten Momente war Niedermayer, wie es schien, ungehalten über S.’s Ablehnung, aber bald, eine durch und durch edle Natur, begriff er des Jünglings Kunststreben und wurde von nun an sein väterlicher Gönner und Freund. Unter seinem Einflusse und des Professors Joh. Martin Fischer [Bd. IV, S. 244] Anleitung führte S. noch im nämlichen Jahre den Metallguß des oberwähnten „Philoklet“ und bald darauf eine Büste in Tiroler Marmor aus. Auch vollendete er in dieser Zeit mehrere Modelle für die k. k. Porzellanfabrik und im Auftrage des Grafen Cobenzl ein Marmorbasrelief für das Piedestal zu Kiesling’s Gruppe „Mars und Venus“, mit deren Vollendung dieser eben in Rom beschäftigt war. Gegenstand dieses Basreliefs war: „Die von Diomed verwundete Venus kommt klagend zu Mars“, es ist in Carrara-Marmor (1′ 10″ hoch, 3′ breit) ausgeführt und befindet sich gegenwärtig in der Belvedere-Gallerie. Aber die für S. so günstigen Aussichten trübten sich 1809 durch den Ausbruch des Krieges, durch Cobenzl’s Abreise von Wien und dann durch dessen bald darauf erfolgten Tod in fast verhängnißvoller Weise. Das vorerwähnte Basrelief, das in der Ausführung trefflich gelungen war, gewann indessen dem jungen Künstler die Gunst des neuen Curators der Akademie, des Fürsten Metternich, und ihres neuen Präsidenten, des berühmten Sonnenfels, und in Würdigung seiner in der Porzellanfabrik geleisteten Dienste erhielt S. auf Verwendung des Fürsten im Jahre 1812 auf zwei Jahre die durch Kiesling’s Rückkehr aus Rom erledige Pensionärstelle. Im Frühlinge genannten Jahres trat S. seine Reise nach dem gelobten Lande der Kunst an, in welchem er über zehn Jahre, bis zum Frühlinge 1823, geblieben war. Dort widmete er sich mit unermüdetem Eifer seinen künstlerischen Studien und Arbeiten, trat mit den Koryphäen der Kunst, mit Cornelius, Veit, Schnorr, Overbeck, Heß, Koch in engeren Verkehr, befreundete sich mit Männern wie Eberhard, Müller, Rebell, Scheffer von Leonhardshoff, Vogel u. A., und erwarb sich durch sein schönes Benehmen und seinen kameradschaftlichen Sinn die Liebe und Achtung seiner Kunstgenossen. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Entwürfe von Kunstwerken, welche seine Mappen füllten, darunter sein Amazonenzug und die Ideen zu einem Grabdenkmal für Andreas Hofer, welche letztere er selbst mit der Radirnadel auf Kupfer übertrug. An plastischen Arbeiten aber entstanden in dieser Zeit: „Der Genius des Todes“, Grabdenkmal, in carrarischem Marmor ausgeführt für die Ruhestätte der Baronin von Pillersdorf auf dem Ortsfriedhofe zu Hietzing nächst Wien; – „Ein geflügelter Amor“ in natürlicher Knabengröße; – „Eine knieende Venus“, dann mehrere Büsten, darunter die kolossale des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg für die Walhalla u. dgl. m. Bei seinem Abschiede aus Rom veranstalteten ihm zu Ehren seine Freunde ein Fest und S. konnte erkennen, wie viele Freunde durch sein charaktervolles, edles Benehmen er gewonnen. Im Frühling 1823 war er nach Wien zurückgekehrt, wo er noch im nämlichen Jahre zum Professor der Bildhauerkunst an der k. k. Akademie[WS 1] ernannt wurde. Einen ihm um diese Zeit gewordenen ehrenvollen Ruf nach München hatte er abgelehnt. Bis an sein unerwartet – nach einer ganz unbedeutenden [100] Unpäßlichkeit – eingetretenes Lebensende, er war 65 Jahre alt geworden, hatte S. sein Lehramt an der Akademie bekleidet und so an derselben durch nahezu zwei Jahrzehnde gewirkt. Von seinen in dieser Zeit vollendeten plastischen Werken sind anzuführen, im Jahre 1823: Die kolossale Büste Maximilians Grafen Trauttmansdorff, österreichischen Gesandten und Hauptleiters der Unterhandlungen des westfälischen Friedens, im Auftrage des Königs Ludwig von Bayern für die Walhalla; – zwei Büsten des Kaisers Franz, eine für Nikolaus Grafen Esterházy, die andere für den Botschaftsrath Genotte in Rom; – 1826: wieder eine Büste des Kaisers Franz für Salomon Freiherrn von Rothschild; – 1827: die kolossale Marmorbüste des Fürsten Metternich für die Walhalla; – die Büste des Grafen Apponyi – des Freiherrn von Geymüller – des Erzbischofs Ladislaus Pyrker, sämmtlich in carrarischem Marmor – das Basrelief mit den Porträten der letzten Grafen von Purgstall. Außerdem entwarf er im genannten Jahre das Modell zur Madonna für die zur Aufstellung nächst dem Burgthore am Glacis bestimmte gußeiserne Denksäule; verschiedene Modelle, für das Denkmal des Kaisers Franz zu Gratz, ferner Modelle zur plastischen Ausschmückung des Burgthores und zu Hofer’s Denkmal, dessen Ausführung ihm übertragen und er auch angewiesen worden, den dazu erforderlichen Marmorblock in Tirol aufzufinden; – im Jahre 1828: das Modell der Kolossalbüste des Grafen Kinsky, Directors der k. k. Wiener-Neustädter Militär-Akademie, welche neun Fuß hoch in Bronze ausgeführt wurde und auf einem erhöhten Platze im Garten der Akademie sich befindet; – 1829: ein kolossaler Löwe aus Sandstein für den herrschaftlichen Garten zu Wetzdorf im V. U. M. B.; – 1830: zwei Marmorbüsten des Kaisers Franz, eine für Ihre Majestät die Kaiserin Mutter, die andere für die Stadt Brünn; – die Basreliefs aus Gyps zu einem Fries: „Die Geburt Christi“; – 1831–1833: die Statue des Andreas Hofer für die Hofkirche in Innsbruck, welche im Frühjahre 1834 feierlich zu Innsbruck enthüllt wurde. Bei dieser Gelegenheit besuchte er auch München, wo ihn König Ludwig huldvollst empfing und er mit seinen römischen Freunden Eberhard, Cornelius, Veit, Olivier, Heß, Schnorr u. A. nach vieljähriger Trennung wieder zusammentraf; – 1834: Büste des Fürsten Joseph Schwarzenberg (gest. 1833) aus Carraramarmor; – 1835: mehrere Büsten aus Tiroler Marmor, darunter jene des berühmten Orientalisten Hammer-Purgstall; des Directors der Maler-Akademie Rebell und das Grabdenkmal des russischen Grafen Yermeloff, ein Todesgenius aus Sandstein, auf dem St. Marxer Friedhofe befindlich; – 1836: Die heilige Margaretha, Brunnenstandbild, 61/2 Schuh hoch, in Compositionsmetall gegossen im Auftrage der Vorstadtgemeinde Margarethen, auf dem sogenannten Schloßplatze zu Margarethen, das einzige Werk Schaller’s, das in Wien auf einem öffentlichen Platze aufgestellt ist; – 1837: Statue des Kaisers Franz I., aus Compositionsmetall für die Stadt Stanislawow in Galizien; dieselbe stellt den Kaiser zum ersten Male im österreichischen Kaiserornate dar; – 1838: zwei kolossale knieende Engel aus Holz für den Hochaltar in der Dominikanerkirche in Wien; zwei kleine für die Kirche zu Altmannsdorf nächst Wien; [101]1839: Büste des Kaisers Ferdinand I. im österreichischen Kaiserornat, aus Tiroler Marmor; – 1840: die Kolossalgruppe „Vindobona und Danubius“ sammt Wappen aus Sandstein für das Maschinengebäude der k. k. Ferdinands-Wasserleitung; – das Gypsmodell einer Brunnennymphe; – 1841: Statuette des Dichters Ferdinand Raimund in Metall; – Statuette des Herzogs Marschall Marmont; – eine unvollendet gebliebene Venus in Carraramarmor, wahrscheinlich des Künstlers letzte Arbeit. Außer den vorgenannten, chronologisch aufgeführten Arbeiten Schaller’s sind mir noch bekannt: „Evangelist Marcus“, Gypsmodell; – eine „Ideale Büste“ aus Carraramarmor; – ein „Amor als Jüngling, einen Pfeil aus seinem Köcher ziehend“, aus Carraramarmor, jetzt in der Belvedere-Gallerie; – „Bellerophon im Kampfe mit der Chimäre“, früher im Glashause des Kaisergartens nächst der Hofburg, jetzt in der Belvedere-Gallerie. Auch ist von ihm eine Sammlung von Entwürfen zu Basreliefs mit Gegenständen aus dem alten und neuen Testamente vorhanden. Schaller nimmt eine ehrenvolle Stelle unter den Bildhauern der Neuzeit ein, sein Hofer-Denkmal sichert ihm Unvergessenheit, denn es gehört, wenn man nur das Standbild in’s Auge faßt und von den Basreliefs, für welche Schärmer [S. 62] die Miturheberschaft in Anspruch nimmt, ganz absieht, zu den gelungensten Werken der neueren Bildhauerkunst. Genial gedacht, ist es in Haltung und Ausführung edel, sorgfältig und imponirend. S. war Mitglied der k. k. Akademie der bildenden Künste in Mailand und jener von San Luca in Rom, ferner Ehrenmitglied der großherzoglichen Akademie der bildenden Künste in Florenz und des Ferdinandeums in Innsbruck. Bemerkenswerth sind die Worte, die ihm X. Dusch in der Besprechung der Kunstausstellung des Jahres 1842 nachruft: „Schaller“, schreibt er, „ist nun todt. Er ist ohne großen Ruhm aus der Welt gegangen und hat sein ganzes Leben gerungen und sich abgemüht. Ja abgemüht, das ist das rechte Wort, denn er gehört zu jenen unglückseligen Kunstnaturen, die den Funken in sich fühlen, in deren Geiste die herrlichsten Gestalten emporsteigen, die sie aber nicht festzuhalten und mit Kraft und Bestimmtheit darzustellen wissen, wie sie in ihrem Innern leben. Er gehörte zu denjenigen unglückseligen Verkannten, derenwegen die Welt sich keine Vorwürfe zu machen braucht, denn sie hat ihn nicht erkennen müssen, da er sich nicht geoffenbart. Man sieht es dem Steine, dem Erze an, wie es zu Schaller gesprochen: Belebe mich! Man sieht es, wie er sich bemüht, ihm Leben einzuhauchen, es geschah, aber die Gestalt, die er sich gedacht, stand nicht vor ihm.“ Doch die Hofer-Statue ist von diesem Urtheile wohl ausgenommen?

Kunst-Blatt (Stuttgart[WS 2], Cotta, 4°.) 1821, Nr. 89, S. 354, in den „Nachrichten aus Rom“; – dasselbe 1842, Nr. 61: Nekrolog [nach diesem gestorben am 16. Februar 1842]. – Wiener Zeitschrift für Kunst, Literatur u. s. w. Herausgegeben von Friedr. Witthauer (Wien, 8°.) 1842, Nr. 113 bis 115: „Leben und Werke des österreichischen Bildhauers Johann Schaller“, von Preleuthner [nach diesem gest. am 16. Februar 1842]. – Frankl (L. A. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1842, S. 160, Beilage Nr. 3. S. 193: Nekrolog, von L. A. Frankl [nach diesem gest. am 15. Februar]; S. 368 u. 936. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XIV. Jahrg. (1823), S. 291, 340, 530; XXXIII. Jahrg. (1842), Nr. 61: Nekrolog. – Morgenblatt (Stuttgart, Cotta, 4°.) 1819, S. 248: „Correspondenz aus Rom“. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, [102] B. Fr. Voigt, kl. 8°.) XX. Jahrg. (1842), S. 179, Nr. 49. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 506. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. XV, S. 136. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Professor Fr. Müller, fortges. von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 431. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Zweite Abtheilg. Bd. VII, S. 476, Nr. 3. Kataloge der Jahres-Ausstellungen in der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien, 1828, 1830, 1832, 1839, 1840, 1841, 1842. – Porträte. 1) Gezeichnet von Vogel von Vogelstein im Jahre 1819, in dessen Porträtsammlung in Dresden; – 2) Unterschrift. Facsimile des Namenszuges: Joh. Schaller 1834 (geb. anno 1777 in Wien). Jos. Danhauser del., Fr. Stöber sc. (Wien, 4°., selten).]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Akadmie.
  2. Vorlage: Suttgart.