BLKÖ:Schmidt, Heinrich Sebastian von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 30 (1875), ab Seite: 252. (Quelle)
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46. Schmidt, Heinrich, auch Heinrich Sebastian von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. in Bayern im Jahre 1743, gest. den Heldentod des Kriegers zu Dürnstein am 11. November 1805). Sein Vater war ein kais. österreichischer Officier und der Sohn Heinrich wurde ihm geboren, als er in Bayern stationirt war. Nach erlangtem gesetzlichen Alter kam der Knabe nach Wien in ein k. k. Cadetenhaus und zeichnete sich unter seinen Kameraden durch Fleiß und Sittlichkeit rühmlichst aus. Im 18. Jahre verließ er die Anstalt und kam als Fähnrich zu dem Linien-Infanterie-Regimente Pallavicini, wo er sich bald durch seine tüchtigen Kenntnisse im Geniewesen bemerkbar machte. Als daher im Jahre 1763 nach hergestelltem Frieden die erste Militär-Mappirung vorgenommen wurde, erhielt Schmidt bei diesem Geschäfte in Böhmen und Mähren Beschäftigung. Er bewies sich dabei so geschickt und umsichtig, daß Feldmarschall Lascy auf den hoffnungsvollen jungen Mann aufmerksam wurde und ihn im Jahre 1769 bei dem neuentstandenen General-Quartiermeisterstabe als Oberlieutenant anstellte. Von diesem Corps kam S. bis an sein Lebensende nicht mehr weg und hat sich in demselben einen unvergänglichen Namen gesichert. Einige Jahre darauf wurde Schmidt zum Hauptmann befördert und seine eifrige Verwendung während des Krieges in Böhmen verschaffte ihm den Auftrag des Monarchen, die Militärkarte dieses Landes zu berichtigen. Er unterzog sich dieser Arbeit mit bestem Erfolge, und er wurde, ehe der Türkenkrieg ausbrach, mit geheimen Sendungen an die Grenze des Reiches abgesandt, um die zunächst liegenden Provinzen der Pforte nach ihren örtlichen Verhältnissen zu studiren. Seiner Ausdauer, seinem Muthe und seiner klugen Vorsicht gelang es, die drohenden Gefahren zu überwinden und den Zweck seiner Mission zu realisiren. Bei dem Ausbruche des Krieges blieb Schmidt im Heere, das ihn, den es bisher nur als tüchtigen Ingenieur gekannt, nun auch als Helden kennen lernen sollte. Im Jahre 1788 erstieg er unter den Augen Joseph’s II. die Außenwerke der belagerten Festung Schabatz und bahnte dadurch den Weg in dieselbe. In gerechter Anerkennung dieser That erhielt er am 14. Mai d. J. das Majorspatent. Im folgenden Jahre zeichnete sich S. bei der Eroberung von Belgrad aus. Am 23. Februar 1790 wurde er Oberstlieutenant. Im Jahre 1791 flocht Schmidt ein neues Blatt in den Kranz seiner Verdienste, [253] indem er bei Unterdrückung der niederländischen Unruhen thätigst mitwirkte, und eben so sehr seine taktischen und strategischen Kenntnisse, als seine Entschlossenheit und seine Kühnheit erprobte. Nach dem unglücklichen Ausgange des Treffens bei Gemappe war die Armee in großer Verlegenheit und ihr Loos sehr zweifelhaft. Da entwarf Schmidt den Plan jenes in der Kriegsgeschichte so berühmten Rückzuges aus den Niederlanden (1792) und rettete die Ehre der Besiegten selbst gegen den Feind, welcher diesen Meisterzug bewunderte, ohne ihn verhindern zu können. Dann geschah die Aufstellung des sehr geschwächten Clerfayt’schen Truppencorps am linken Ufer des Rheins hinter der Rhone und die Behauptung dieses Postens nach seiner Angabe. Dadurch ward bei Eröffnung des Feldzuges im nächsten Jahre dem siegreichen Heere des Prinzen von Coburg der Weg gebahnt und die Wiedereroberung der fast schon aufgegebenen Provinzen bedeutend erleichtert. Auch als Krieger mit dem Degen in der Faust that sich Schmidt in jener Epoche bei allen Gelegenheiten hervor, besonders war dieß der Fall in dem heißen Kampfe bei Raimes und Vicogne, wo man im Walde handgemein geworden war, dann bei der Belagerung vor Condé und Valenciennes. Am 3. September 1793 rückte er zum Obersten mit Belassung in seiner Dienstleistung beim General-Quartiermeisterstabe vor. Ein Seitenstück zu Xenophon’s berühmten Rückzuge lieferte Schmidt im Jahre 1794, da Clerfayt, aus den Niederlanden geworfen, über den Rhein retiriren mußte. Ueberhaupt bewies er sich besonders bei Gelegenheiten, wo Andere, wenn es zu retten galt, was noch zu retten war, den Kopf verloren, als wahrer Meister seiner Wissenschaft und als Vorbild für Alle, so das trügerische Glücksspiel des Krieges wagen. Schmidt entwickelte in allen Lagen seines gefahrvollen und verantwortlichen Standes aus sich selbst die passendsten Hilfsquellen und bekundete überall das eigentliche militärische Talent. Im Feldzuge des Jahres 1795 errang anfänglich der Feind unter Jourdan und Pichegru einige Vortheile, welche den Feldzeugmeister Clerfayt, besonders da die Truppen des sächsischen Reichscontingents ihn heimlich auf die unrühmlichste Weise verlassen hatten, bereits bestimmt hatten, den Rückzug anzutreten und eine andere Stellung zu wählen; da war es abermals Schmidt, welcher als Oberst die Dienste des General-Quartiermeisters versehen mußte, der seine Stimme dagegen erhob und bewirkte, daß dem Feinde die Stirne geboten wurde. Die Folge davon war die Erstürmung der Linien vor Mainz, die Wegnahme Mannheims und die Siege an der Nidda, bei Frankenthal, Aggershain, Kreutznach und Meissenheim. Als im folgenden Jahre Erzherzog Karl an die Spitze des Heeres gestellt worden war, blieb Schmidt, am 6. September 1796 zum General-Major ernannt, in seinem wichtigen Posten, worin er sich des vollen Zutrauens Sr. kais. Hoheit zu rühmen hatte. Der von dem Prinzen damals in Ausführung gebrachte Plan, mit Aufgebung des gefährlichen Defensivstandes eine kühne Offensive zu wählen, war ebenfalls besonders durch Schmidt’s gründliche Darstellung gereift, und erhielt seine schönste Rechtfertigung durch den glänzenden Beginn mit den Siegen bei Teiningen und Neumarkt, an welche sich dann die ehrenvollen Affairen bei Wetzlar, Amberg, Würzburg und [254] Schliengen anreihten, Erfolge, welche dem überall ausgezeichnet wirkenden Schmidt die eben erwähnte Beförderung zum General-Major mit Belassung seiner bisher bekleideten Stelle zuwandten. In derselben Eigenschaft stand er im Jahre 1799 an der Seite des durchlauchtigsten Erzherzogs Karl, der durch die Schlachten von Osterach und Stockach, durch die Siege von Zürich und Neckerau, durch die Wiedereinnahme von Mannheim seinen Namen denen der größten Feldherren aller Zeiten beigesellte. Inzwischen, am 1. März 1800, war Schmidt zum Feldmarschall-Lieutenant befördert worden und kam im nämlichen Jahre als General-Quartiermeister unter die Befehle des Feldzeugmeisters Freiherrn von Kray, dessen ungestümer Schlachtenmuth sehr wenig mit Schmidt’s ruhiger Ueberlegung, der nothwendigsten Eigenschaft eines General-Quartiermeisters, verträglich war. Er fühlte sich daher wenig behaglich, da er seine bessere Ueberzeugung überall unbeachtet sah und mit Gewißheit vorher wußte, daß die Resultate des Feldzuges keine günstigen sein könnten. Bekanntlich erwahrte sich dieß gleich bei Beginn der Kriegsoperationen und schon die ersten Bewegungen des Heeres bekamen eine verfehlte Richtung. Dessenungeachtet konnte sich Schmidt nicht entschließen, die Armee und ihre Ehre, beide ihm so theure Kleinode, dem Zufalle zu überlassen. Mit hochherzigem Muthe duldete er alle Widerwärtigkeiten und widerstrebte geradezu jedem verderblichen, mit den taktischen Principien unvereinbaren Schritt. Dadurch gelang es ihm denn, wenigstens den Siegeslauf Moreau’s zu kreuzen und für einige Wochen zu hemmen, auch einige andere Momente zu Nutz und Ruhm der kaiserlichen Armee anzuwenden. Da er aber immer wieder den Kampf mit Fehlgriffen und Mißverständnissen beginnen mußte, überdieß seine Gesundheit zu schwanken anfing, bat er um Versetzung in Ruhestand und trat am 28. September 1800 in denselben. In der stillen Eingezogenheit des Landlebens gewann er die Elasticität seiner Kräfte in wenigen Jahren wieder, und er fühlte sich geeignet, den Beschwerden seines glorreichen Standes sich zu unterziehen, ohne jedoch darnach zu streben. Als aber der Ruf des Monarchen an ihn erging, die Vertheidiger des gefährdeten Vaterlandes und der bedrohten Hauptstadt anzuführen, eilte der damals 61jährige S. sofort an seinen Posten. In Braunau traf er das schwache russische Armeecorps, welches vor der hervordringenden Hauptarmee der Franzosen eilend zurückwich, nachdem Mack’s Armee von derselben vernichtet worden war. Schmidt schlug nun die siegreiche Schlacht bei Dürnstein am 11. November 1805, aber schon zerstreuten sich die Feinde in verworrener Flucht, als S., den sein Muth vorwärts gerissen, von einer Kugel getroffen, zu Boden stürzte und sein Leben auf dem Felde der Ehre aushauchte. Heinrich von Schmidt war mit allen Gaben geschmückt, die den großen Feldherrn auszeichnen müssen. Vollkommene Vertrautheit mit der Theorie und Praxis aller militärischen Wissenschaften, klaren Verstand und ein gereiftes Urtheil, einen nie trügenden Scharfblick, Ausdauer, ruhige Kälte in der Ueberlegung und persönliche Tapferkeit in der Vollführung besitzend, war S. durch alle diese seltenen Gaben wie geschaffen zum Dienste des General-Quartiermeisterstabes, der eben die Schule der Feldherren ist. Außerordentlich war seine Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit, weßhalb es auch kam, daß er ganz ohne [255] Neider blieb und auf seinem hohen Posten von Niemandem angefeindet wurde, ein gewiß sehr seltener Fall. Obwohl keine Ordensdecoration an seiner Brust prangte, so genoß er doch bei jedem Armeecorps, zu welchem ihn sein Wirkungskreis führte, der allgemeinsten ausnahmslosen Verehrung seiner militärischen Talente, wie seines edlen Herzens, dessen hohe Milde und unwandelbare Gerechtigkeit in der Armee allgemein gekannt waren. In welchem Werthe Schmidt bei seinem Monarchen stand, davon liefert das Denkmal den Beweis, das auf kaiserlichen Befehl ihm errichtet wurde [siehe die Quellen]. Schmidt, ob seiner Bescheidenheit im Leben kaum gekannt, begann erst nach seinem Heldentode zu leben und genoß allgemeine Bewunderung. Noch sei bemerkt, daß der General ein Großonkel des Dr. August Schmidt ist, dessen Lebensskizze bereits S. 219, Nr. 41, mitgetheilt wurde.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, 8°.) Bd. IV, S. 557. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, 8°.) Bd. II, Sp. 422. – Ritter v. Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetesten verstorbenen und lebenden Feldherren der k. k. österreichischen Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 u. s. w. (Prag 1829, C. W. Enders, 8°.) Bd. II, S. 573. – Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, 4°.) 1808, S. 456; 1811, S. 101. – Annalen der Literatur und Kunst in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Doll, 4°.) 1809, Bd. I, Intelligenzblatt Mai, Sp. 217. – Porträt. Unterschrift: Heinrich von Schmidt, k. k. General-Feldmarschall-Lieutenant. L. v. Rittersberg lith. (8°.) [nach Dr. August Schmidt’s Mittheilung soll diese Lithographie sehr mangelhaft sein und mit einem in dessen Besitze befindlichen, sehr ähnlichen Miniaturbildnisse, das den General in jüngeren Jahren darstellt, sehr wenig Aehnlichkeit haben]. – Denkmal. Kaiser Franz, seine Brüder und Vettern wollten das Andenken des Helden in entsprechender Weise ehren, und der eben damals in Wien anwesende Bildhauer Pisani, später Professor der Bildhauerkunst an der Akademie zu Modena, erhielt den Auftrag zur Anfertigung eines Monumentes für denselben. Zuerst war der große Hof in der Wiener Ingenieur-Akademie zur Aufstellung desselben ausersehen, dieser Plan aber wurde aufgegeben und eine Stelle zwischen Krems und Stein, nahe dem Orte, wo Schmidt den Heldentod gefunden, gewählt, dort, mit der Fronte der Kaserne gegenüber, wurde das Denkmal errichtet. Das Denkmal ist im antiken romanischen Style ausgeführt. Seine ganze Höhe beträgt 12 Fuß. Auf zwei Stufen erhebt sich ein marmornes Postament, 51/3 Fuß hoch, welches einen gleichfalls marmornen, 51/2 Fuß hohen Sarkophag trägt. Auf der einen Seite läuft der ganzen, 61/4 Fuß betragenden Länge nach ein 2 Fuß hohes bronzenes Basrelief. Dieses zeigt die vor einem Denksteine knieende Siegesgöttin, die in den mit den Trophäen des Sieges bedeckten Stein den Namen des Siegers einzeichnet. Mit dem rechten aufgestemmten Fuße stützt sie das sinkende Haupt des sterbenden Helden, dem bereits der Helm entfallen und dessen erschlaffter Rechten die schon ergriffene Siegespalme entsinkt. Zinks von dem Denksteine stehen unter der Eiche zwei weibliche Gestalten, durch die Wappenschilde als Oesterreich und Rußland gekennzeichnet. Hinter dem Denksteine betrachten ein österreichischer und ein russischer Fahnenträger mit Wehmuth den Vorgang. Rechts hinter der Siegesgöttin berichtet ein Heerführer dem andern den Vorgang, wobei er mit der Linken sein Schwert an das Herz drückt und mit der Rechten auf das Monument hinweist; der andere Heerführer, dem Erzähler mit schmerzlicher Fassung in’s Angesicht schauend, läßt die ineinander verschränkten Hände sinken. Die Gruppe schließt zur Rechten ein Krieger, der das Leibroß des Helden führt. Unter dem spitzwinkeligen Deckel des Sarges ist ein Lorbeer angebracht. Auf der andern Seite des Sarkophags liegen in freier Gegend Schild, Schwert, Helm und Feldherrnstab des Siegers. Auf der Vorderseite des Postaments liest man folgende Inschrift: Henrico. Sebast. F. Schmidtio. | Duci. Militari. Laude. Nulli. Secundo. | Forti. Viro. Frugi. Modesto. | [256] Optime. De. Austriaca. Domo. Merito. | Franciscus. Imp. Aug. | Cum. Germanis. Fratribus. | Et. Patruelibus. Archiducibus. | Monumentum. Posuit. | Hic a puero rei bellicae unice intentus per omneas militiae gradus ad summos honores sibi aditum patefecit. Praefectus castrorum ad Scaldim ad Neerum, ad Rhenum feliciter dimicavit. Carlo Archiduci Belli fulmini in germanicis expeditionibus fidissimus semper et strenuus comes adstitit et imitator. Pace composita honesto dum fruitur otio reliquum vitae tempus certus ruri degere anno MDCCCV a Caesare fracto ejus consilio in castra revocatus. Exercitui Austro-Russiaco in cuius tutela erat imperii arx Vindobona, praeficitur. Militi, rebus pridem haud prospere gestis prostrato, animum viresque ipsius adventus reddidit. Verum III. Id Nov. hoste ad oppidum Durnstein magna clade fuso, foederatisque periculo liberatis dum sub noctem ejus diei proximum collem conscendit, ut suis, qui alicubi manus cum hostium reliquiis conserebant, praesto esset plumbea glandine confossus, huic victor occubuit ipsius victoriae invidente rerum humanarum domina, fortuna. Auf der Rückseite des Denkmals stehen die Worte: Stat sua cuique dies sed famam extendere fatis | Hoc virtutis opus. Eine Abbildung des Denkmals, mit der Hauptansicht des Sarkophags, worauf der in den Armen des Sieges sterbende Held zu sehen ist, hat der geschickte Kupferstecher Karl Hermann Pfeiffer gestochen. Das schön ausgeführte Blatt ist dem Erzherzoge Karl gewidmet.