BLKÖ:Starhemberg, Georg Adam I. Fürst

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 37 (1878), ab Seite: 200. (Quelle)
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Starhemberg, Georg Adam erster Fürst (Staatsmann und Ritter des goldenen Vließes, geb. zu London 19. August 1724, gest. 19. April 1807). Vom Zweige Paul Jacobs der Rüdiger’schen Hauptlinie, ein Sohn Conrad Sigismunds und Maria Leopoldinens Fürstin Löwenstein-Wertheim. Georg Adam, in London geboren, hatte König Georg I. von England zum Taufpathen. Er erhielt eine sorgfältige Erziehung und begann frühzeitig seine staatsmännische Laufbahn, da er, noch sehr jung, zum Reichshofrath ernannt wurde. Auch übertrugen ihm Maria Theresia und ihr Gemal einen Theil der Erziehung des damaligen Kronprinzen, nachherigen Kaisers Joseph [201] II. Mit dem Jahre 1755, damals 31 Jahre alt, betrat Georg Adam die diplomatische Laufbahn, und zwar zunächst als bevollmächtigter Minister in Portugal, dann in Spanien und in Frankreich, wo er den Charakter eines kaiserlichen Botschafters erhielt und an den wichtigsten Verhandlungen jener Periode thätigen Antheil hatte. In Würdigung seiner vornehmlich als Botschafter am französischen Hofe erworbenen Verdienste wurde Graf Georg Adam mit Diplom vom 13. und 18. November 1765 in den erbländischen und Reichsfürstenstand erhoben. Im Jahre 1767 wurde Fürst Georg Adam zum Staats- und Conferenzminister in inländischen Angelegenheiten, im Jahre 1780, nach dem Ableben Karl Alexanders Herzogs von Lothringen und Bar, zum bevollmächtigten Minister in den österreichischen Niederlanden ernannt. Daselbst in seinen Maßnahmen wenig glücklich, wurde er im Jahre 1783 abberufen und ihm die Würde eines ersten Obersthofmeisters und Obersten sämmtlicher Leibgarden verliehen, worin der Fürst von Kaiser Leopold II. und Franz I. bestätigt wurde. Als durch die zunehmende Krankheit des Kaisers Joseph II. dieser außer Stand war, sich persönlich den Regierungsgeschäften zu widmen, und aus diesem Anlasse der kranke Monarch einen Conferenzrath ernannte, welcher mit den wichtigsten Staatsangelegenheiten betraut wurde, berief der Kaiser auch den Fürsten Georg Adam in denselben, welcher außerdem aus dem Fürsten Kaunitz, dem Feldmarschall Grafen von Lacy, dem Finanzminister Grafen von Hatzfeld und dem Grafen Rosenberg bestand. Fürst Georg Adam, längst schon (seit 1759) Ritter des goldenen Vließes, war seit 1783 Inhaber des größeren Starhemberg’schen Majorates und seit 1789 Lehensherr und Senior seines Geschlechtes. Was die unter ihm vorgenommenen Veränderungen des Starhemberg’schen Grundbesitzes betrifft, so verkaufte er wohl die zwei Häuser aus der Mölkerbastei in Wien, ferner die Herrschaft Enzersdorf im Thale, die Herrschaften Wimspach und Neidharting und das Landgut Buchenau. erwarb hingegen käuflich die Herrschaft Erlaa bei Wien, wo er einen herrlichen Park anlegte; die Herrschaft Atzgersdorf, das Malteserstift Stroham, die Herrschaft Hartheim, das Freihaus in der vorderen Schenkenstraße und erbaute neu die Schlösser zu Hubertendorf und Eferding. Der Fürst war zweimal vermält. Das erste Mal (seit 13. Nov. 1747) mit Mar. Therese Esther Gräfin Starhemberg, einzigen Tochter des kaiserlichen Feldmarschalls Ottokar Grafen von Starhemberg von der Heinrich’schen Hauptlinie, welche ihm eine Tochter, Leopoldine, die siebenjährig starb, schenkte. Aus seiner zweiten (am 1. Juli 1761) geschlossenen Ehe mit Maria Franziska Fürstin Salm-Salm hatte der Fürst zwei Söhne, wovon der jüngere in der Kindheit starb, der ältere, Ludwig Joseph Max, aber den Stamm fortsetzte. Fürst Georg Adam, als er im Jahre 1807 im Alter von 83 Jahren starb, hatte seine zweite Gemalin nur um wenige Monate überlebt. 66 Jahre hatte der Fürst seinem Kaiserhause und dem Staate in ereigniß- und bedrängnißvollen Tagen, und stets mit dem vollen Vertrauen seiner Monarchen beehrt, mit treuester Ergebenheit gedient. Die „Oesterreichische Biedermanns-Chronik“ schreibt über den Grafen: „Wer auf der schlüpfrigen Leiter der Ehre so viele Stufen hinanklimmt, so viele ausgezeichnete [202] Würden ersteigt und am Gipfel des Ruhmes noch das allgemeine Zeugniß erhält, daß er so hoch zu stehen verdient: dessen Verdienste, Treue und Rechtschaffenheit bedürfen keines weiteren Beweises: sein Rang und sein Name bürgen für die Gewißheit, daß er Patriot und Biedermann ist.“

Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg, Mohr, 8°.). Erste Aufl., Bd. IV, S. 476, 481 und 482. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehent des 19. Jahrhunderts gestorben sind (Wien 1816, Stettini, Lex.-8°.) Bd. II, S. 527. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1784, Gebrüder von Redlich, 8°.). Erster (und einziger) Theil, S. 191.