BLKÖ:Stranitzky, Joseph Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Strampfer, Friedrich
Nächster>>>
Stranover, F.
Band: 39 (1879), ab Seite: 237. (Quelle)
Josef Anton Stranitzky bei Wikisource
Joseph Anton Stranitzky in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118618865, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stranitzky, Joseph Anton|39|237|}}

Stranitzky, Joseph Anton (Schauspieler, geb. zu Schweidnitz in Schlesien am 10. September 1676, gest. zu Wien 19. Mai 1726). Die Angaben über Stranitzky’s Geburt und Tod lauten sehr abweichend, nach Einigen wurde er 1679, nach Anderen 1680 geboren, und starb 1727, nach Gräffer gar erst 1737. Hie und da erscheint sogar Wien als sein Geburtsort angegeben, doch ist es festgestellt, daß er zu Schweidnitz zur Welt kam. Auch findet man den Namen Stranitzky nicht selten Stränitzky geschrieben. Stranitzky stammte aus einem guten Hause; er wurde von seinen Eltern zum Besuche des Gymnasiums nach Breslau geschickt. Daß er Talent zeigte, gewährten ihm die Priester der Gesellschaft Jesu Zutritt zu ihren Schulkomödien. Dies wollte aber dem Rector des Breslauer Gymnasiums, Namens Kranz, der von der gerechten Besorgniß erfüllt war, die Jesuiten könnten [238] den talentvollen Knaben für ihren Orden gewinnen, nicht im Mindesten gefallen und um seinen reichbegabten Schüler einer solchen Gefahr zu entziehen, schickte er ihn auf die Universität Leipzig. Indem Stranitzky so der einen Gefahr entging, gerieth er in eine noch drohendere, denn, wenn in Breslau die Jesuiten-Komödien gefährlich erschienen, um wie gefährlicher mußte die in Leipzig ihre Staatsactionen darstellende Veltheim’sche[WS 1] Komödiantentruppe, eine der berühmtesten Banden ihrer Zeit, für Stranitzky werden! Und in der That, gar bald dem berückenden Bühnenzauber verfallen, hing er das Studiren an den Nagel und wurde Mitglied jener Truppe. Nachdem er einige Zeit mit derselben umhergewandert, verließ er sie, da er von einem schlesischen Grafen den Antrag erhalten hatte, ihn auf einer Reise nach Italien zu begleiten. Dort, in der Heimat der Buffonerien und des Policinell, lernte er die Charaktermasken der italienischen Komödie kennen, deren eine er später zuerst blos copiren, dann aber zu einer Gestalt formen sollte, welche lange das deutsche Theater beherrschte. Nachdem Stranitzky mit seinem Herrn Italien besucht hatte, entließ ihn dieser, und der Reisebegleiter stand aller Mittel entblößt auf sich selbst gestellt da. Im Folgenden weichen die Angaben über sein Thun und Lassen von einander ab, ja über seine Lebensverhältnisse vor seiner Ankunft in Wien, das er als Mann von etwa vierzig Jahren betrat, entbehren wir jedes sicheren Anhaltspunctes. Das Wiener Stadtgewährbuch vom Jahre 1717 nennt ihn pag. 44 vom 8. October „Mund- und Zahnarzt“. Nach einer anderen Version hätte ihn die Gräfin Aurora von Königsmark[WS 2], die bekannte Geliebte des Kurfürsten August II. von Sachsen, durch eine Verkettung von Verhältnissen zugleich mit mehreren anderen Mitgliedern der Veltheim’schen Truppe, welche ihr zufällig nützlich geworden, kennen gelernt und wie jedem derselben so auch ihm einen ihr unwillkürlich geleisteten, aber nicht unwichtigen Dienst in ihrer Art zu vergelten gesucht. Stranitzky, der um diese Zeit bereits in den Schlingen einer Collegin von der Veltheim’schen Truppe, Dlle. Starke, gefangen war, erhielt von der Gräfin Aurora Empfehlungen für Wien zugesagt, wohin er sich, nachdem er seine Auguste zum Altar geführt, begeben sollte. Was daran Wahrheit ist, läßt sich, da bestimmte Nachrichten hierüber fehlen, nicht feststellen. So viel ist gewiß, daß sich Stranitzky mit seiner Ehehälfte im Jahre 1706 in Wien befand, und daß mit Hofdecret ddo. 12. Juli 1706 „Der Maria Monika Stränizkin, Maria Hilferdingin und Maria Nafzerin nomine ihrer verreisten Männer als hochdeutsche Komödianten die Lizenz gleichfalls deutsche Komödien zu halten, verwilliget worden“. Ein zweites Decret vom 16. Juli d. J. ertheilt dem „Joseph Stranitzky, Johann Hilferding[WS 3] und der Anna M. Nafzerin die Bewilligung zur Haltung hochdeutscher Komödien und die Belassung der Hütten am Neuenmarkt bis nach der Faschingszeit“. Diese drei Unternehmer scheinen in Aufführung ihrer Vorstellungen unbeirrt geblieben oder vielleicht weiter gewandert zu sein, denn durch mehrere Jahre kommt ihr Name in den Acten nicht vor, bis wieder durch ein Hofdecret vom 30. April 1712 den deutschen Komödianten auf den Namen Anton Stränitzky die Bewilligung [239] ertheilt wird „zur Exhibirung ihrer Komödien gegen leidentliches Einlaßgeld nach beendigter Litanei bei S. Stephan“. Mit Hofdecret vom 11. Februar 1713 wird, dem Joseph Anton S. und der namentlichen deutschen Komödiantenbande allhier die Eröffnung der Schaubühne in dem neu erbauten Theater nächst dem Kärntnerthor und Vorstellung ihrer Komödien bewilligt“, und mit einem Hofdecret vom 6. Februar 1714 erhält S. „die Gestattung, diesen Fasching hindurch mit Ausnahme der Freitage und Samstage das Marionetten Spiel Abends nach dem Gebethe zu exhibiren“. Auch wird ihm noch im März d. J. die Bewilligung, „zur Vorstellung der deutschen Komödien nach Ostern in dem von gemeiner Stadt erbauten Komödienhause“. Aus dem Bisherigen erhellt demnach, daß Joseph Anton S. schon im Jahre 1706 in dem Holztheater am Neuenmarkt Vorstellungen gegeben, dann aber mit seiner hochdeutschen Komödiantenbande im Jahre 1712 in das Stadttheaterhaus am Kärnthnerthor überfiedelt sei und daselbst, wie die noch vorhandenen Rechnungen erweisen, bis an seinen im Jahre 1727 erfolgten Tod habe spielen lassen. Nach seinem Ableben zahlte die Witwe an die Stadt noch einmal den Betrag von 2000 fl., im folgenden Jahre ging aber das Komödienhaus an die Directoren Selier und Borosini über. Das bisher Mitgetheilte sind urkundliche Daten über Stranitzky’s Direction. Nun einen kurzen Blick auf die Form seiner Darstellungen. Vor Stranitzky fanden Schauspiele, sogenannte Staatsactionen ernstester Art statt, in welchen man zur Ergötzung der ungebildeten Menge improvisirte, mit dem eigentlichen Schauspiele in keinem organischen Zusammenhange stehende Possenspiele einstreute. Unter Stranitzky wurde das Possenspiel des Hanswurstes (früher Kourtisan) in die Handlung des Stückes selbst verflochten, und diese Neuerung S.’s ist eben das Störende, der eigentliche Hemmschuh in der Entwicklung des deutschen Schauspiels, die nicht gedeihlich vor sich gehen konnte, so lange der Hanswurst mit seinen extemporirten Späßen wie ein Keil im eigentlichen Stücke festsaß. Schon die Komödien-Titel, von denen weiter unten eine Auswahl mitgetheilt wird, weisen diese innige und unnatürliche Verbindung von Ernst und Spaß nach. Stranitzky selbst hat eine Unzahl solcher Komödien geschrieben, d. h. die Skizzen dazu entworfen, denn es wurde nur immer das Gerippe einer solchen Posse aufgestellt, das Uebrige extemporirt, d. h. dem Witze der Schauspieler überlassen, diese Frag- und Antwortspiele möglichst kurzweilig und je nachdem die Einfälle gelangen, zu gestalten. Und in diesem Extemporiren war Stranitzky Meister. Im Druck befindet sich nur eine Sammlung dieser Possengerippe unter dem Titel: „Olla Potrida. Des Durchgetriebenen Fuchsmundi, worin lustige Gespräche, angenehme Begebenheiten, artliche Ränke und Schwänke, kurzweilige Stichreden, politische Nasenstüber, subtile Vexirungen, spintisirte Fragen, spitzfindige Antworten, curiose Gedanken und kurzweilige Historien, satyrische Püffe zum lächerlichen, doch honetten Zeitvertreib, sich in der Menge befinden. Ans Licht gezogen von Schalk Terrä, als des obbesagten ältesten hinterlassenen respective Stiefbruders Vetters Sohn. In dem Jahre da Fuchsmundi feil war 1722“ (8 Bl., 524 S. u. 2 Bl. Register. 8°.). Diese Sammlung Olla Potrida, [240] deren Titel bibliographisch genau wiedergegeben wurde, ist nicht mit anderen ähnlich betitelten Sammlungen, darunter einer Vierteljahrschrift von H. A. O. Reichard aus den Jahren 1778–97 und einer zweiten (1784 in London [Nürnberg bei Grottenauer] erschienenen) zu verwechseln. Unsere, das ist Stranitzky’s Olla Potrida enthalt 66 Gespräche Fuchsmundi’s, d. i. Hanswursts, mit allerlei Leuten über allerlei Gegenstände in Versen und Prosa, und erschien allem Anschein nach als neue Titel-Auflage unter dem Titel: „Der kurtzweilige Satyricus...“ (Cosmopoli 1728, 8 Bl., 524 S. u. 2 Bl. Reg.), eine von Stranitzky in Aussicht gestellte Fortsetzung kam nicht in Druck. Die erste Ausgabe der Olla Potrida, ist heute schon sehr selten, und Gräffer theilt mit, daß er eine solche mit 36 fl. habe bezahlen sehen. Was nun ihren Inhalt betrifft, so hat derselbe sogar vor dem Berliner Nicolai Gnade gefunden, der, wie bekannt, im 4. Bande seiner berüchtigten Reisebeschreibung über Alles, was Oesterreich und Wien betrifft, schimpft, dieser Olla Potrida aber, die in der That auch aus Oesterreich stammt, immerhin Spuren von echter vis comica einzuräumen gezwungen ist. Außer der Olla Potrida veröffentlichte Stranitzky nur noch seine „Lustige Reyss-Beschreibung. Aus Salzburg in verschiedene Länder. Herausgegeben von Jos. Antoni Stranitzkhy, oder den sogenannten Wiennerischen Hannss Wurst“ (o. O. u. J., 4°.); wovon eine zweite Auflage unter dem Titel „Der Wienerische Hannßwurst oder lustige Reysebeschreibung aus Saltzburg in verschiedene Länder. Mit einem Anhange: Hannswurstische Träume auf jeden Monat eingetheilt von Joh. Wurstio. Herausgegeben von G. Prehauser“ (o. J. Pintzkerthal [1787], 8°.) herauskam. Man sieht, Prehauser nahm es mit dem literarischen Eigenthum nicht zu genau, denn er erwähnt den Namen Stranitzky’s auf dem Titel gar nicht, sondern geberdet sich als der alleinige Verfasser dieser Reisebeschreibung. Ob die an die vorgenannten zwei Schriften sich anreihenden: „Hannswurstische Träume allen Gnädig Hochgeneigten Gönnern der hiesigen deutschen Schauspiele zu einem Neuen Jahres-Geschänke dargereicht von Johanne Wurstio“ (o. O. u. J., 4°.), auch von Stranitzky herrühren, oder ein Werk Prehauser’s oder eines Anderen sind, kann Herausgeber nicht sagen. Man hat viel über die Unsittlichkeit der Stranitzky’schen Possen geschrieben und gesprochen. Nun, Tugendspiegel waren diese Komödien nicht und gaben sich auch nicht dafür; auch waren sie nicht fein, sondern derb und ungeschlacht, aber doch weit weniger schlimm als die überzuckerte Frivolität der modernen Posse und kaum schlimmer als die lüsternen Handgreiflichkeiten, welche uns das Wiener Volkssängerthum zur Stunde noch auftischt. So führt ein Stück Stranitzky’s den Titel: „Der großmüthige Ueberwinder Seiner Selbst mit Hannswurst den Uebl-Belohnten Liebhaber Viller weibs Bilder oder Hannswurst der Meister, Böse Weiber gutt zu machen“. Der Theaterzettel verspricht dann: ein Brautpaar, eine verliebte Gräfin, einen verliebten Kronprinzen und einen verliebten Höfling, außerdem: „Weiber, so viel man haben kann“. Nun, im Texte des Stückes finden wir wohl starken Tabak genug, wodurch auch die verschnupfteste Nase noch immer zum Nießen gereizt werden kann, aber doch nichts, was [241] nicht noch stärker heut zu Tage auf den Wiener Bühnen oder in den Kneipen der Volkssänger zu hören wäre. Denn z. B. die Erklärung des Wortes Liebe, welche Stranitzky dem Hanswurst in den Mund legt, ist freilich arg, sehr arg, aber wir haben mindestens Aehnliches, wenn nicht Schlimmeres in Darstellungen der Volksbühne der Gegenwart vernommen. Wenn dann der Autor dem Hanswurst vorschreibt, sich zu betrinken und alle jene Handlungen auszuführen, welche Leute, deren Magen überladen ist, vorzunehmen pflegen, so ist das nicht ästhetisch, und auch nicht mit dem naturalia non sunt turpia, zu entschuldigen, aber noch immer nicht so verwerflich, als das, was heut zu Tage unsere dramatischen Clowns vorbringen; und mag man, was Stranitzky vorschreibt, anekelnd nennen, so ist das, was die heutige Volksmuse leistet, unfläthig, cynisch, gemein. Dabei bringen wir die heute zur Mode gewordenen Ehebruchsstücke mit der daran geknüpften Moral – wahres Arsenik für den Volksgeist – gar nicht in Betracht. Um aber von der Art und Weise der Stranitzky’schen Extempores unseren Lesern wenigstens annäherungsweise einen Begriff zu geben, so lassen wir hier mit Ausschluß seiner obscönen Pikanterien, worin er freilich Meister und deshalb auch der Abgott des Theater-Mob war, eine kleine Probe folgen: „Wie befindest du dich?“ fragt ihn (den Hanswurst) einer der Mitspieler; – „Nicht allzu wohl“ erwidert Stranitzky, „ich habe mich, seitdem ich dich nicht gesehen, verheiratet“. – „Nun, das ist ja gut“. – „Nicht wie du denkst, denn ich habe eine schlimme Frau bekommen“. – „Desto besser.“ – „Nicht so böse, als du meinst, denn ihr Heiratsgut bestand in 20.000 Gulden“. – „Ei nun, das tröstet.“ – „So sehr eben nicht, denn ich habe für diese Summe Schafe gekauft, welche alle an Schwindel umkamen“. – „Das ist in der That ein schlimmer Zufall“. – „Nicht gar so schlimm, denn ich habe aus ihren Fellen mehr gelöst, als die Schafe mich kosteten“. – „Auf diese Weise ist der Schaden ersetzt worden“. – „Nicht so, wie du glaubst, denn mein Haus, in welchem ich das Geld hatte, ist von den Flammen aufgezehrt worden“. – „O das ist ein großes Unglück!“ – „Im Gegentheile, denn meine Frau ist zugleich mit dem Hause verbrannt“. Wir sehen, die Sache läßt sich komisch genug an, und das Publicum war nicht undankbar und lachte aus vollem Halse. – Ein anderes Mal klagt Jemand dem Hanswurst seine Noth, daß er so fett sei und kein Mittel dagegen finde. Er fragt ihn nun, ob er keines wisse. „O“, meint der Hanswurst, „dazu kann ich Euch guten Rath geben, wenn Ihr nur weder Fleiß noch Unkosten sparen wollt“. – „O ich wollte es an nichts ermangeln lassen“. – „Nun so nehmt zum Ersten ein Pfund Sorge alle Morgen in Eueren Leib fein nüchtern zum Anbiß; danach zwei Pfund Schwermüthigkeit mit Thränen durchmischt zum Mittagmahl; – item eine gute Schüssel voll betrübter Gedanken, anstatt des Salates mit Wermuth zugerichtet, zum Vesper- oder Halbabendbrot und dann auch soviel hunderttausend Herzensangst zum Nachtessen und bringet die Nacht hin mit Processen und Rechten, was Euch’s kostet und wie viel Ihr vergebens aufwenden müßt, so wird Euer fetter Leib bald schlank, mager und geschmeidig werden“. Man sieht, Hanswurst versteht es, seinem [242] Publicum auch gesunde hausbackene Moral in drastischer Form aufzutischen Aber nicht blos auf der Bühne, auch in seinem Verkehr außerhalb derselben war er voll Schnurren und Laune. Als in einer Gesellschaft von einem vor kurzer Zeit verstorbenen Kaufmann gesprochen wurde, bemerkte ein anwesender Arzt, daß er mit Jenem große Aehnlichkeit gehabt habe. Auf diese Rede rief Stranitzky, der gleichfalls anwesend war, dem Doctor zu: „Sie irren sich Herr Doctor, der Mann hat in seinem Leben keinen Menschen umgebracht“. – Als man ein anderes Mal einer Frau gedachte, die eben einen rechten Lüdrian von Sohn durch den Tod verloren hatte, bemerkte Stranitzky: „Diese Frau muß nun die reinlichste Person von Wien sein, da sie eines so großen Unflaths los geworden ist.“ Daß er bei dem Wiener Publicum sich großer Beliebtheit erfreute, erhellt daraus, daß er sich durch sein Komödienspiel ein nicht unansehnliches Vermögen erwarb [vergleiche in den Quellen: S. 244, IV. Das Haus Stranitzky’s in Wien]. Bei der Niedrigkeit der damaligen Eintrittspreise will dies Etwas bedeuten. Denn zu Stranitzky’s Zeit war der Hütten-Eintrittspreis ursprünglich von der Obrigkeit festgesetzt und stieg von einem Groschen zu „ebner Erde“ und zwei Groschen auf den für „das adeliche Frauenzimmer und Kavalier zuegerichten erhechten Penkhen und Bünen“ (Galerien) in der Theaterhütte und im Ballhaus auf resp. zwei und vier Groschen. Ueber die Preise der Platze im Kärnthnerthortheater zur Zeit der städtischen Administration fehlen die näheren Nachweisungen. Lady Montague[WS 4] bezahlte, wie sie dies in ihrer Reisebeschreibung berichtet, einen Ducaten für die Loge. Doch können die Preise unmöglich hoch gewesen sein, denn ein halbes Jahrhundert später, 1772, betrugen dieselben, wie wir dies aus Dr. Burney’s musikalischer Reise erfahren, im Parquet 44 kr., im Parterre 22 kr. und auf der Galerie 16 kr. Nicolai spricht sogar von einer Zehn-Kreuzer-Galerie im Kärnthnerthortheater. Als Stranitzky wenige Monate vor seinem Lebensende von der Bühne Abschied nahm, stellte er dem Publicum den Hanswurst Prehauser als seinen Nachfolger vor. Seine Gattin, allgemein „Die Hannswurschtin“ genannt, überlebte ihn, da sie erst im J. 1758 starb, um 32 Jahre. Durch den Kauf des Hauses auf dem Salzgries war S. Bürger von Wien geworden, überdies soll er Zahnarzt gewesen sein und im Komödienhause selbst seinen Zahnladen aufgeschlagen haben. Mit Ausnahme etlicher Jahre, 1717, 1718 und 1719, in welchen er mit Johann Helverding[WS 3] gemeinschaftlich dirigirte, führte Stranitzky die Direction selbständig.

I. Wie Stranitzky darauf verfiel den Namen Hanswurst anzunehmen. Die Angabe, daß er diesen Namen erfunden, ist ganz irrig. Derselbe ist alt, sehr alt und reicht mindestens in das 16. Jahrhundert zurück. Schon Luther kennt ihn, auch in Hans Sachs Komödien tritt er auf. Stranitzky hat ihn nur der Erste als Rollennamen angenommen und ihm sozusagen den theatralischen Typus aufgedrückt. Noch in der Veltheim’schen Truppe spielte er den „Kourtisan“, welche der italienischen Bühne entlehnte Figur zu den extemporirten Stücken, in welchen er auftrat, doch nicht recht passen wollte. Diese Figur hieß Kourtisan, war aber in Wahrheit ein deutscher, mehr oder weniger plumper Bauer, der einen hausbackenen Witz mit einer oft handgreiflichen Zote verband. Kurz der Name Kourtisan paßte zu der vornehmlich durch Stranitzky metamorphosirten Rolle wie die Faust aufs Auge. Dies leuchtete diesem Mimen ein, und er dachte an eine [243] entsprechende Aenderung des Namens seiner Rolle. Nachdem er lange gesonnen und alle Namen, die ihm eingefallen, verworfen hatte, zeigte ihm eines Tages einer seiner Collegen einen Kupferstich, auf welchem ein Theater-Principal Namens Beck, der nebenbei auch quacksalberte und kranke Zähne riß, dargestellt war. Dieser Director und Zahnreißer in Einer Person hatte das Blatt stechen lassen, um es gratis zu vertheilen oder auch, wenn ihm Einer etwas dafür bot, zu verkaufen. Als Stranitzky dieses Bild genauer betrachtete, fand er die unter dasselbe gedruckten Verse, welche wörtlich lauteten: „Als maiter und Hanns Wurst ich im Porträt hier steh. | Ich mache Wind und Luft, ich mache Schiff und See, | Ich habe vielles Land, viel Stäte und viel Häuser, | Ich bin kein Printz, kein Fürst, kein König und kein Kayser, | Ein Künstler der bin ich, wer dieß nicht glauben will, | Setz sich auf einen Stuhl und halte mir nur still. | Ich nehm die Zähne aus, suptile und behände, | So hat der Schmertz, die Qual auf einmal gleich ein Ende, | Ich bin ein solcher Mann, der noch viel mehr kann machen; | Wer mich agiren sieht, den mache ich zu lachen, |Drum geb’ ich mein Porträt zum Angedenken hin,| Ein jeder sehe nur, wie generös ich bin; | Ich ford’re nichts dafür, doch wer mir will was geben, | Dem wünsche ich vergnügt und lange Zeit zu leben.“ Nachdem Stranitzky diese Verse noch einmal gelesen, rief er frohlockend aus: „Ich hab’s, ich hab’s, Hanswurst ist mein künftiger Name; einen prächtigeren Namen, einen passenderen für meine Rollen kann es nicht geben!“ So wurde der Kourtisan aus der extemporirten Komödie verbannt und an dessen Stelle der Hanswurst eingeführt, der noch eine große Rolle in der Geschichte des deutschen Theaters spielen sollte.
II. Porträte des Hanswurst Stranitzky. Ob authentische Bildnisse Stranitzky’s vorhanden sind, kann ich ebenso wenig angeben, als woher das im „Feierabend“ (Wien, bei Zamarski) [siehe die Quellen, S. 246] aufgenommene Bildniß Stranitzky’s genommen ist. Das in dessen Selbstverlag erschienene Buch „Lustige Reyß-Beschreibung von Saltzburg in verschiedene Länder. Herausgegeben von Joseph Antoni Stranitzky oder den sogenannten Hans-Wurst“ (ohne Jahr und Ort, 4°.) enthält dreizehn Bilder in geschabter Manier. Auf jedem Blatte erscheint er als Hanswurst mit einem Bauer aus der Gegend, in welcher er sich eben befindet. Die ganze – übrigens imaginäre – Reise geht von Salzburg nach Moskau, Grönland, Schweden, der Steiermark, Schwaben, Holland, Tirol, Italien, Böhmen und in die Türkei. Nirgend findet der Reisende Behagen und wählt endlich Wien zum bleibenden Aufenthaltsort. Daß dieses Buch seinerzeit Beifall fand, beweist der Umstand, daß es im Jahre 1787 in zweiter Auflage erschien, welche von Stranitzky’s Nachfolger Prehauser herausgegeben wurde.
III. Titel einiger Komödien von Stranitzky. Im Drucke sind die Komödien S.’s, mit Ausnahme der obenerwähnten „Olla Potrida“, nicht erschienen, aber aus einer Sammlung alter Theaterzettel ist zu entnehmen, wie das eigentliche Stück und der nicht hineingehörende Hanswurst (anfänglich immer getrennt geschrieben: Hannss Wurscht) ineinander verflochten waren. Solche Titel sind: „Der grossmüthige Ueberwinder seiner selbst mit Hannswurst dem übelbelohnten Liebhaber“. 1724. – „Triumph römischer Tugendt und Tapferkeit oder Gordianus der Grosse mit Hannss Wurscht dem lächerlichen Liebesambassadeur, Curieusen Befehlshaber, Vermeinten Todten, Ungeschickten Mörder, gezwungenen Spion etc. und was noch mehr die Comödie erklären wird. Comp. In dis. 1724 Jahr d. 24. Jänner“. – „Die Enthaubtung, des Weltberühmten Redners Ciceronie mit Hannss Wurscht dem seltsamen Jäger, lustigen Fallirten, verwirrten Briefträger, lächerlichen Schwimmer, übel belonten Boten etc. Dass übrige wird die Action selbst vorstellen. Componirt im Jahr 1724 d. 12. Juny“. – „Die Verfolgung aus Liebe oder die grausame Königin der Tegeanten Atalanta mit Hanns Wurscht, den lächerlichen Liebs-Ambassadeur, betrogenen Curiositätenseher, einfältigen Meichlmörder, Interessirten Kammerdiener, Uebl belonten beeder Achseltrager, Unschuldigen Arrestanten, Interessirten Aufsteher, Wohl exercirten Soldaten, und Inspector über die bei Hoff auf der Stiegen Essende Galantomo, den 10. July 1724“. – „Nicht diesem, dem es zugedacht, sondern dem das Glücke lacht, oder der grossmüthige Frauenwechsel unter königl. Personen mit Hanns Wurscht, den Verretherey-Intriganten und übel belonten Liebes-Envoye. Viennae [244] die 27. July anno MDCCXXIV“ – „Die gestürzte Tyrranney in der Person dess Wüttrichs Pelifonte oder Triumph der Liebe und Rache mit Hanns Wurscht, den getreuen Spion, einfältigen Soldaten, leichtsinnigen Liebhaber und was für Lustbarkeiten ferner seyn, wird die Action selber vorstehlen. Wien den 29. Juli A. 1724“. – „Der betrogene Ehmann oder Hanns Wurscht, der seltsam und lächerliche Jungfraun Zwinger. Einfältige Schildwacht, Alla modischer Jäger, Beängstigter Liebhaber, Brallende Duellandt, durchgetriebener Kupler und großmütiger Erretter seines Herrn. Viennae 3. August MDCCXXIV“. – „Der grossmütige Ueberwinder seiner selbst mit Hanns Wurscht, der übel belonten Liebhaber vieller Weibsbilder oder Hanns Wurscht der Meister: böse Weiber gut zu machen. Mehres wird die Action selbst den geneigten Leser vorstellen. In Wien 7. August 1724“. – „Sieg der Unschuld über Hass und Verreterey oder Scepter und Kron hat Tugend zum Lohn, mit Hanns Wurscht, dem Doctor in der Einbildung Undt Seltsamen Complimentario. Im JAHR 1724“. – „Triumph der Ehre und des Glückes, oder Tarquinius Superbus mit Hanns Wurscht, den unglückseligen Verliebten, durchgetriebenen Hofsschrantz, intressirten Kupler, Närrischen Grossmütigen und tapferen Schloss Stürmer. Im Jahr 1724“. – „Der Tempel Dianae oder Spiegel wahrer und treuer Freundschaft mit Hanns Wurscht den sehr übel geplagten Junggesellen von zwey alten Weibern. Componiert von eInen In VIenn anVVesenDen CoMICo JAHR (1724) Monsieur stranützsskü. Aus den bisherigen Titeln der einzelnen Stücke, in welchen wir auch sehen, daß S. mit der Grammatik auf ziemlich schiefem Fuße gestanden und über den Gebrauch des Dativs und Accusativs noch nicht im Reinen, doch wieder ein solcher Wagehals war, daß er in den Titel ein Chronogramm einzuschmuggeln verstand, erkennen wir, wie der Hanswurst in die eigentliche Staatsaction eingreift, daß aber diese selbst noch nicht in ihm aufgeht, sondern ihre Stelle behauptet, wenngleich Hanswurst als Hauptintrigant in derselben erscheint. Und in dieser Hinsicht haben die Stranitzky’schen Stücke noch etwas vor denen der Nachfolger voraus, denn unter diesen, unter Prehauser und Kurz Bernardon, ging schon die Staatsaction im Hanswurst auf, und dieser ist nunmehr der alleinige Herrscher auf der Bühne. Einige Komödientitel beweisen schon, daß es sich in dem darzustellenden Stücke gar nicht mehr um eine Staatsaction dreht, in welche Hanswurst als Deus ex machina, eingreift, sondern daß das ganze Stück durch und durch Hanswurstiade ist; aus der Unzahl derartiger Titel sammeln wir nur eine kleine Blumenlese, sie wird jedoch zur Bestätigung des Gesagten genügen. – „Hannswurst der unvorsichtige Schwätzer“; – „Hanswurst der Pandur im Quartier“; – „Hanswurst der musikalische Seifensieder“; – „Hanswurst der Poltergeist“; – „Hanswurst der im Fasching gefoppte Ehemann“; – „Hanswurst der verliebte Haushofmeister“; – „Hanswurst der Advocatengeist“; – „Hanswurst, ein substituirter Bräutigamb“; – „Hanswurst der glückliche Nachtvogel“; – „Hanswurst Marquese von Wurstenfeld“; – „Hanswurst, ein arabischer Renegat“; – „Hanswursts verstörtes Hochzeitsfest“; – „Hanswurst, ein lebendiges Gespenst“; – „Hanswurst der Bauerncupido“; – „Hanswurst, doctor nolens volens“; – „Hanswurst der Diener zweier Herren“; – „Hanswurst der Hexenmeister aus Liebe“ u. s. w.
IV. Das Haus Stranitzky’s in Wien. Ueber dasselbe gibt Karl Aug. Schimmer in seiner „Ausführlichen Häuser-Chronik der inneren Stadt Wien“ folgende interessante Notizen. Auf dem Salzgries befand sich das mit der ursprünglichen Nummer 184 versehene Gebäude, welches bei der ersten neuen Numerirung im Jahre 1775 die Nummer 345, bei der zweiten im Jahre 1795 die Nummer 191 erhielt. Es ist das Haus, wo heute die Lottogefälls-Direction sich befindet. „Im Jahre 1717“, berichtet Schimmer und schon vor ihm Schlager, „baute auf einem Fortifikationsgrunde Joseph Ant. Stranitzky, der einst so beliebte extemporirende Komiker, bekannt als der Hanswurst, von dem Gewinne, welchen er als Pächter des Stadttheaters bezogen hatte, dieses Haus in seiner dermaligen Gestalt, im Werthe von beiläufig 50.000 fl., worauf blos 8.000 fl. Schulden lasteten. Nachdem er sich 1727 wegen Altersschwäche von der Bühne zurückgezogen hatte, überließ er das Haus noch vor seinem um 1735 erfolgten Ableben seiner Gattin Maria Monika, genannt „die Hanswurstin“, nach deren 1758 erfolgtem Ableben es an die übriggebliebenen Kinder Ignaz, Kaspar, [245] Franz und Dominik Stranitzky, Juliana Schledl und Franziska Scharanzky, beide geborene Stranitzky, fiel, welche es um 1760 dem Abte von Kleinmariazell verkauften. Nach Aufhebung dieses Stiftes 1782 kam es dem Stifte Melk, 1785 jenem zu Kremsmünster zur Administration zu. 1798 ging es an die niederösterreichische Staatsgüter-Administration über, welche hier ihren Sitz nahm, wie nach deren 1831 erfolgter Vereinigung mit der Camera!-Gefällen-Verwaltung die k. k. Lotto-Direction, deren Amtsgebäude das Haus noch dermalen ist.“ Außer diesem Hause besaß aber S. noch ein großes Gebäude in Gumpendorf.
V. Urtheile über Stranitzky. Den Literaturhistorikern ist Stranitzky fast völlig fremd geblieben. Nur Menzel und Heinrich Kurz widmen ihm einige Zeilen. Heinrich Laube nennt nicht einmal seinen Namen. Und doch ist Stranitzky eine so bedeutende Erscheinung, daß selbst Fremde, wenn sie Wien besuchen, Notiz von ihm nehmen, ob tadelnd, ob lobend, das kommt hier weiter nicht in Betracht. Die zartnervige Lady Montague[WS 4], welche während ihres Besuchs in Wien im Jahre 1716 der Darstellung der Geschichte des Amphitruo beiwohnte, fand wohl „das Stück nicht nur mit unanständigen Ausdrücken, sondern auch mit solchen Grobheiten gespickt, welche der britische Pöbel nicht einmal einem Marktschreier verzeihen würde“. Nun, ohne Stranitzky und seinen Possen das Wort reden zu wollen, meinen wir doch, es sei aller Welt bekannt, daß der englische Pöbel, allen Pöbels Pöbel, in den Matrosenkneipen noch heut zu Tage viel Schlimmeres zu hören bekommt, als von Stranitzky der Wiener Pöbel vor hundert Jahren. Also der Entrüstungsschrei der Lady ist hier am unrechten Platze und an die unrechte Adresse gerichtet. – Die „Chronologie des deutschen Theaters“, ein mit klarem Blicke und großer Sachkenntniß geschriebenes Buch, urtheilte ruhiger und richtiger. „Weil die italienischen Komödianten zur Zeit, als Stranitzky in Wien zum ersten Male auftrat, das Terrain beherrschten, wollte derselbe“, so schreibt die „Chronologie“, „ihr Buffontheater, ganz nationalisiren und ward dadurch der Vater der deutschen Hanswurste. Hans war in Action und Kleidung die Caricatur des italienischen Harlekin. Pöbelhafte Scherze, tölpischer Witz, alberne Einfälle, unsinnige Possen, schmutzige Zoten, alles dies von einer öffentlichen Bühne herunter zu sagen, dazu gab ihm und seinen Nachfolgern Hut und Pritsche das Privilegium. Stranitzky erhöhte den Reiz seiner Scherze durch den Gebrauch des Salzburger und bayrischen Dialektes, welcher für Wiener Zuschauer an und für sich schon viel Lächerliches hatte.... Von den Schauspielern des Stranitzky ist nur ein gewisser Bönicke bekannt, der sich im Komischen hervorthat. Eine Kleinigkeit von ihm, sein Sprichwort: „Das Theater ist so heilig wie der Altar und die Probe wie die Sakristey (!!!)“, würde ich nicht anführen, wenn sie nicht bewiese, wie ehrwürdig ehemals den Schauspielern ihre Profession gewesen sei“. – Menzel schreibt: „Stranitzky brachte wieder fröhliches Leben und einen lustigen Volkston auf die Bretter, indem er die Komödien des märchenhaften Gozzi aus Italien nach Wien verpflanzte und daselbst das liebenswürdige Leopoldstädter Theater (?) gründete, das bis auf diese Stunde, nun schon über hundert Jahre lang, seinem volksthümlichen Charakter treu geblieben ist, ihm aber eben nur treu bleiben konnte, sofern es sich in einer niederen Sphäre hielt“. Und an einer anderen Stelle schreibt Menzel: „Man dürfe Stranitzky – den er neben Abraham von Sancta Clara stellt – nicht vergessen, der ebenfalls in Wien und ebenfalls humoristisch wirkte, obwohl nicht von der Kanzel, sondern von der Bühne herab. Er war der berühmteste Schauspieler seiner Zeit und führte 1708 das erste deutsche Theater in Wien ein. Seine glückliche Mischung des altdeutschen märchenhaften Fastnachtsspiels mit der italienischen, durch Gozzi veredelten Poesie sagte und sagt dem heiteren Charakter der Oesterreicher besonders zu und war bei weitem den kläglichen französischen Antiken Lohenstein’s vorzuziehen, obgleich Stranitzky keineswegs zur Höhe des Andreas Gryphius sich erhob“. – Was Heinrich Kurz über ihn schreibt, unterscheidet sich nicht von dem eben angeführten Urtheile Menzel’s. – Der ernste Schlager selbst kann nicht umhin, zu bemerken, „daß die unerschöpfliche Laune seines genialen, aus dem Leben gegriffenen Improvisirens jedes Stück hob und ihn zum ausschließlichen Liebling des Theaters machte, welches er bis nahe an sein Lebensende nicht verließ“. Freilich würde das, was für jene [246] Zeit „anständigere Form“ genannt werden muß, heut zu Tage unsere empfindsamen Sittenrichter geradezu die Hände über den Kopf zusammenschlagen und den gesammten Schwefel und Pechvorrath der Hölle über das sündige Wien-Sodoma und Gomorrha heraufbeschwören lassen, aber damals, als Stranitzky das Theater von den Buffonerien und Zoten des Harlekin und aus den italienischen Fesseln befreite und eine nationale, freilich erst nur volksgemäße Bühne herstellte, war es doch ein großer Schritt zum Bessern; der Salzburger Bauer Hans Wurst, den Stranitzky auf die Bretter gebracht, bewegte sich, wenngleich schwerfälliger, so doch anständiger als der verlotterte, frivole Harlekin, dem gar nichts heilig war; während er noch immer die Lachmuskeln eines „verehrlichen Publicums“ in Bewegung zu, erhalten bemüht war, unterließ er es nicht, auch zu den Herzen seiner Zuhörer zu sprechen und zugleich mit dem Zwerchfell die Gefühlsnerven erzittern zu lassen.
VI. Quellen zur Biographie. Brümmer (Frz.), Deutsches Dichter-Lexikon. Biographische und bibliographische Mittheilungen über deutsche Dichter aller Zeiten (Eichstätt und Stuttgart 1877, Krüll’sche Buchhandlung [H. Hugendubel], schm. 4°.), Band II, S. 405. – Chronologie des deutschen Theaters (Leipzig 1774, 8°.), S. 43, 52 und 67. – Monatschrift für Theater und Musik. Herausgeber Joseph Klemm (eigentlich Fürsten Czartoryski) (Wien, Wallishausser’sche Buchhandlung, 4°.). IV. Jahrg. (1858), Seite 72 im Aufsatze: „Zur Geschichte der k. Hoftheater in Wien“. – Feierabend (Wien, Zamarski, 4°.), Band I, Seite 8 und 20: „Drei Größen der Wiener Volksbühne (StranitzkyKurzNestroy)“. – Frankl (Ludwig August Dr.). Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) II. Jahrg. (1843), S. 195: „Hannswurst in Wien“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien 4°.), 22. December 1865, Nr. 353, I. Beilage: „Vom ersten Hanswurst und der Wiener Volksbühne“. – Galerie von teutschen Schauspielern und Schauspielerinen der älteren und neueren Zeit (Wien 1783, Edler von Epheu., 8°.), Seite 235. – Gödeke (Karl), Grundriß zur Geschichte der deutschen Dichtung. Aus den Quellen (Hannover 1859, L. Ehlermann, 8°.) Bd. II, S. 540, Nr. 424. – Gräffer (Franz), Kleine Wiener Memoiren. Historische Novellen, Genrescenen, Fresken, Skizzen u. s. w. zur Geschichte und Charakteristik Wiens und der Wiener (Wien 1845, Fr. Beck, 8°.) Bd. I, S. 153 „Hanswurst in Wien“. – Derselbe, Wiener Dosenstücke, nämlich: Physiognomien, Conversationsbildchen. Auftritte u. s. w.. Wien und die Wiener betreffend u. s. w. (Wien 1852, Groß, 8°.), Bd. II, S. 14: „Komödienhütte des Stranitzky“. – Derselbe, Historisch-bibliographisches Bunterlei (Brünn 1824), S. 88: „Der Hanswurst, Stranitzky und Prehauser“. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) 1823, Seite 95: „Zur Geschichte des komischen Theaters“. – Das Neue Fremden-Blatt (Wien, gr. 4°.). 1872, Nr. 308: „Die Unsittlichkeit auf der Bühne“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann(Wien 1837, 8°.) Band V, Seite 214. – Schlager (J. E.), Wiener-Skizzen aus dem Mittelalter. Neue Folge (o. O. 1839, 8°.). Der ganzen Folge Bd. III, S. 203 bis 292: „Aus dem Leben und Wirken der dramatischen Kunst in Wien bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts“. – Wiener Theater-Zeitung. Von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.), XIII. Jahrgang (1820), Nr. 64: „Stranitzky und Prehauser.“. Von Korntheuer. – Wiener Zeitung, 1861, Abendblatt Nr. 151–170: „Stranitzky und seine Gefährten. Episode aus dem einstigen Schauspielerleben“. Von Hermann Meynert. – Zellner’s Blätter für Theater, Musik und bildende Kunst (Wien, kl. Fol.), XII. Jahrgang (1866), Nr. 63, im Artikel: „Die Theater im alten Wien“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Velten, Johannes (ADB).
  2. Aurora von Königsmarck (Wikipedia).
  3. a b Hilverding (ADB).
  4. a b Mary Wortley Montagu (Wikipedia).