BLKÖ:Strnadt, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 49. (Quelle)
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Strnadt, Anton (gelehrter Jesuit, geb. zu Nachod in Böhmen am 14. August 1746, nach Anderen 10. August 1747, gest. zu Sazena, zur Herrschaft Zlonitz gehörig, am 23. September 1799). Sein Vater war Stadtrath in Nachod. Nachdem der Sohn die erste Erziehung im Elternhause und den Unterricht in der Schule seines Geburtsortes genossen hatte, kam er auf das Gymnasium zu Königgrätz, wo sein[WS 1] Oheim Johann als Domherr lebte. Als aber derselbe plötzlich starb und der Vater bei dem Einfalle der Preußen in Böhmen im Jahre 1757 den größten Theil seines Vermögens verlor, sah sich Anton wegen Mangels an den erforderlichen Mitteln genöthigt, allen früher gefaßten Plänen zu entsagen und im Jahre 1763 in den Orden der Gesellschaft Jesu zu treten, in welchem er als Magister scholasticus die Grammatik lehrte, sich selbst aber in der Mathematik, für die er eine besondere Vorliebe hegte, mit allem Eifer ausbildete. Sein Lehrer in dieser Wissenschaft war der seinerzeit als Mathematiker geschätzte Jesuit Johann Tessanek. Als im Jahre 1773 der Orden der Gesellschaft Jesu aufgehoben wurde, kehrte Strnadt in den weltlichen Stand zurück und gab sich nunmehr unter Anleitung des gleichfalls gelehrten Jesuiten Jos. Stepling [Band XXXVIII, S. 227][WS 2] ganz dem Studium der Mathematik und Astronomie hin. Schon 1774 wurde er zum Adjuncten an der damals am Clementinum bestehenden Sternwarte ernannt. Im Jahre 1778 erfolgte seine Berufung zum außerordentlichen Professor der Mathematik und physischen Geographie, 1781 zum Director der Prager Sternwarte und zugleich zum Professor der praktischen Astronomie. Als Director der Sternwarte bemühte er sich wesentlich um die Förderung und Hebung derselben, widmete auch große Aufmerksamkeit der berühmten astronomischen Uhr des Prager Rathhauses, deren gestörtes Werk er wieder in Gang zu bringen trachtete. Lange Zeit blieben alle seine mühevollen Versuche hierin erfolglos, meist an dem Unverstand und dem Ungeschick der ihm zu Gebote stehenden Mechaniker scheiternd, bis er [50] 1787 in dem Uhrmacher Landesberger den Mann fand, der ihm zur Durchführung seiner Aufgabe behilflich war. 1792 wurde er zum Decan der philosophischen Facultät, 1795 zum Rector der Prager Hochschule erwählt und für die bei dieser Gelegenheit auf die Geburt des Kaisers Franz II. in der Teinkirche gehaltene Festrede mit einer goldenen Ehrenmünze ausgezeichnet. Als Noé, Professor am Gymnasium auf der Prager Kleinseite, starb, erfolgte an dessen Stelle Strnad’s Ernennung zum Repräsentanten bei dem Studien-Congreß. Da er bereits seit längerer Zeit sich leidend fühlte, begab er sich 1799, in ländlicher Luft eine Besserung seines Gesundheitszustandes erhoffend, auf das fürstlich Kinsky’sche Schloß Sazena nächst Welwarn, wo er aber schon in wenigen Monaten starb. Seine im Jahre 1784 mit ihm vermälte Gattin Katharina geborene Marsano, aus einer Genuesischen in Prag ansässigen Familie, aus welcher auch der Dichter Wilhelm von Marsano [Band XVII, S. 10] abstammt, schmückte sein Grab zu Chrzin nächst Welwarn mit einer steinernen Pyramide, deren čechische Inschrift den 14. August 1746 als Datum seiner Geburt angibt. Das beigefügte lateinische Distichon: „Te capiunt laeto venientem sidera vultu | Ast quae te genuit patria terra dolet“ meldet, daß das Vaterland seinen Verlust beklage. Für die in neuerer Zeit verlautete Ansicht, daß Strnadt von der ehemaligen Ritterfamilie Strnad von Tryskovic abstamme, fehlt es an jedem genealogischen Nachweise. Wir lassen nun eine Uebersicht der wissenschaftlichen Arbeiten Strnadt’s folgen. Diese sind in chronologischer Ordnung: „Oratio de S. Joanne Nepomučeno“ (Pragae 1782, 8°.); – „Vom Nutzen der Sternkunde. Eine Rede“ (ebd. 1783, 8°.); – „Physikalischer Witterungskalender für 1788“ (ebd. 1787, 8°.); – „Physikalisches Taschenbuch auf das Jahr 1789 für Freunde der Oekonomie und Witterungskunde“ (ebd. 1789, gr. 8°.); – „Chronologisches Verzeichniss der Naturbegebenheiten in Böhmen von 633 bis 1700“ (ebd. 1790, gr. 8°.); – „Beschreibung der berühmten Uhr- und Kunstwerke am Altstädter Rathhause und auf der königlichen Sternwarte in Prag.“ Mit Kupfer (Dresden 1791, gr. 4°.); – „Stoletý Kalendař na spůšob Krystofaz Helwiku, i t. d.“, d. i. Hundertjähriger Kalender nach der Art des Christoph Helwik u. s. w. (Prag 1793, 8°.); – „Gedanken über die schönen und soliden Wissenschaften. Ein Auszug aus des Herrn Professors Lambert Schriften; denen jetzigen Schöndenkern gewidmet“ (Dresden 1794, 8°.); – „Vota ad Deum celeberrimae Universitatis Carolo-Ferdinandeae Pragensis pro Francisco II. Augusto Pio, felice dicta in Basilica Teynensi“ (Pragae 1796, 4°.); – in Sammelwerken zerstreute Arbeiten, u. zw.: in den „Wiener und Berliner Ephemeriden“ der Jahre 1777, 1778 und 1786: „Observationes astronomicae“ [auch im II. Theile von Bernouilli’s „Reisebeschreibung“]; – in den „Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen“, Band I–VI (1774 bis 1784); „Meteorologische Beobachtungen“; – in Ephemerides Societatis meteorologicae Palat.“, Tom I, II, III: „Observationes meteorologicae ab anno 1781 et 1783“; – in den „Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen“, Band III: „Astronomische Beobachtungen [51] des oberen Sonnenrandes, daraus gezogene Polhöhe der Prager Sternwarte“; – in den „Schriften der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“: „Astronomisch-meteorologische Abhandlung über einige Gegenstände der Meteorologie, nebst dem Entwurf der stündlichen Barometer-Beobachtungen auf das Jahr 1785“ [Jahrgang 1785]; – „Meteorologische Beobachtungen über die Ebbe und Fluth“ [ebenda]; – „Berichtigung der geographischen Länge von Prag“ [Jahrgang 1786]; – „Beobachtungen der Sonnenfinsterniß am 4. Juni 1788“ [Jahrg. 1788]; – in den „Neuen Abhandlungen der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“: „Meteorologische Resultate der in Prag und einigen anderen Orten in Böhmen gemachten Luftbeobachtungen und andere Erscheinungen“ [Band I (1791), S. 235 bis 256]; – „Resultate der in Prag und einigen anderen Orten in Böhmen 1790, 1791, 1792, 1793 gemachten meteorologischen Beobachtungen“ [Bd. II (1795)]; – in Bode’s „Astronomischem Jahrbuch“: „Beobachtungen verschiedener Verfinsterungen der Jupiters-Trabanten und des Durchganges des Mercur im Jahre 1782“ [1782, S. 173]; – „Beobachtungen verschiedener Verfinsterungen der Jupiters-Trabanten in den Jahren 1783, 1784, 1785“ [1789, Seite 155]; – „Beobachtung eines Durchganges des Mercur am 4. Mai 1786 und der Sonnenfinsterniß vom 15. Juni 1787“ [1790, S. 230]; – „Untersuchungen der geographischen Lage von Prag. Beobachtungen der Sonnenfinsterniß vom 4. Juni 1788“ [1791, S. 184]; – „Astronomische Beobachtungen in Prag angestellt“ [1794, Seite 139]; – in Mayer’sSammlung physikalischer Aufsätze“: „Ueber die verschiedenen Grade von Wärme und ihren Nutzen nach Versuchen und Beobachtungen“ [Bd. 1 (1791)]; – „Beiträge zur Geschichte des Winters im Christmonate 1788“ [Bd. III, ebenda]; – „Betrachtungen über die Wetterableiter“ [ebd.]; – „Ueber die mittlere Barometerhöhe von Prag“ [Band IV (1794)]; – „Bestimmung des mittleren Grades von Wärme von Prag“ [ebenda, Seite 52]; – auch enthalten Knobloch’s „Sammlung u. s. w., Band II: „Prager Witterungsbeobachtungen für das Jahr 1783“, und Riem’s „Neue ökonomische Sammlung“, Bd. IV (1793), mehrere Aufsatze aus Strnadt’s Feder. Wahrscheinlich ist auch der von J. Rulik übersetzte Aufsatz über den Ruhm und die Vorzüglichkeit der čechischen Sprache (Slava a vybornost jazyka českeho), welcher 1792 in Prag im Druck erschien, von Strnadt verfaßt. Viele gelehrte Gesellschaften, wie z. B. die Mannheimer meteorologische, die Leipziger und Prager ökonomische, die königlich böhmische Gesellschaft der Wissenschaften, nahmen ihn unter ihre Mitglieder auf, letztere wählte ihn auch zu ihrem Secretär. Sein Bildniß, das bis 1871 in der Familie Strnadt’s aufbewahrt wurde, in welcher es aus dem Besitze des einen in den des anderen Sprossen Strnadt’s wanderte, kam zuletzt (1872) an das königlich böhmische Museum, und der aus Bartel’s xylographischer Anstalt hervorgegangene unten erwähnte Holzschnitt ist nach diesem Bilde ausgeführt.

Allgemeiner literarischer Anzeiger, 1800, S. 759 u. f. – Oesterreichische [52] National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 222. – Abhandlungen der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften (Prag) 1804, Bd. I, S. 42–50. – Slavin. (Pantheon.) Sbírka podobizen, autografů a životopisů předních mužů československých, d. i. Slavin. Sammlung von Bildnissen, Autographen und Lebensbeschreibungen denkwürdiger čechisch-slavischer Männer (Prag 1872, F. Bartel, gr. 8°.) Bd. II, S. 15 [nach diesem geb. am 14. September 1746]. – Slovník naučný. Redaktoři Dr. Frant. Lad. Rieger a J. Malý, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger und J. Malý (Prag 1859, I. L. Kober, Lex.-8°.) Bd. VIII, S. 1073 [nach diesem geb. 10. August 1749]. – (De Luca), Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1778, von Trattner, 8°.) II. Bds. l. Stück, S. 207. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1863, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 1028. – Květy, d i. Blüthen (Illustrirtes čechisches Blatt, Prag, kl. Fol.) 1871, Nr. 12: „Pomník Antonína Strnada“. – Pelzel (Franz Martin), Böhmische, mährische und schlesische Gelehrte u. s. w. aus dem Orden der Jesuiten (Prag 1786, 8°.) S. 291.
Porträt. Vortrefflicher Holzschnitt aus J. Bartel’s Officin in Prag in dem Werke „Slavin“, mit Facsimile des Namenszuges „A. Strnadt, Astronom“ (8°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Königgrätz, sein.
  2. Vorlage: [Band XXXVIII, S. 222].