BLKÖ:Unterberger, Ignaz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Unterberger, Joseph
Band: 49 (1884), ab Seite: 84. (Quelle)
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Unterberger, Ignaz (Maler, geb. zu Cavalese 1748, gest. zu Wien 4. December 1797, nach Anderen erst 1801). Ein Sohn des Unterwaldmeisters von Cavalese Joseph Unterberger und ein Bruder Christophs [siehe diesen S. 79]. Nachdem er den ersten Unterricht in der Malerei bei seinem Oheim Franz [siehe diesen S. 82] genossen hatte, suchte er sich selbst in dieser Kunst zu vervollkommnen, indem er Bilder Alberti’s copirte, deren er in Cavalese vorfand. Später begab er sich nach Rom und machte daselbst unter seines schon erwähnten Bruders Leitung große Fortschritte. Im Verkehr mit Raphael Mengs, Battoni, Maron und anderen Meistern, im sorgfältigen Betrachten und Studium der besten Werke alter und neuer Zeit läuterte sich sein Geschmack und veredelte sich sein angeborener Kunstsinn. Vor Allen aber fühlte er sich zu Correggio hingezogen, dessen Art ihm am meisten zusagte, und den er, ohne ihn sclavisch nachzuahmen, doch ganz in seine Seele aufnahm. Dabei vertiefte er sich auch in sorgfältiges Studium der Natur, deren Reichthum seiner lebendigen Phantasie Schatz um Schatz erschloß, begeisterte sich an den ewigen Idealen griechischer und römischer Kunst und bildete sich überdies durch fleißige Lectüre der besten italienischen, französischen und deutschen Schriftsteller, so daß er nicht eben nur Künstler, sondern auch ein wissenschaftlich gebildeter Mann war; ein Moment, nicht gering zu achten in unserer Zeit, in welcher der größere Theil sogenannter Künstler nicht einmal correct zu schreiben versteht und überhaupt von Literatur, Aesthetik und Allem, was damit in Verbindung, keine oder nur höchst oberflächliche Begriffe hat. Unterberger’s Arbeiten in Rom, zumeist Bilder, in denen er historische und allegorische Stoffe behandelte, erregten bald Aufmerksamkeit. Kunstkenner fanden in seinem Atelier sich ein, die Bestellungen, häuften sich, und seinen Werken begegnete [85] man in Kunstsälen und in den Gemächern der Vornehmen. Besonderes Geschick zeigte er in Behandlung des Grotesken, in kleinen Figuren und Bambocciaden nach Art der Niederländer. Dabei besaß er eine ungemeine Geschicklichkeit, ältere Meister in ihrer Eigenart täuschend nachzuahmen, und seine Copien wurden nicht selten von gewiegten Kennern für Originale angesehen. Zwei solcher Nachbildungen, deren eine Raphael Morghen unter Correggio’s Namen gestochen hat, gaben Veranlassung zu merkwürdigen Täuschungen. Beide Vorgänge erzählt ganz ausführlich Hofrath Hirt in einem größeren Aufsatze, welcher im Cotta’schen Morgenblatte 1808 Nr. 143 bis 146 abgedruckt ist. Eines dieser Bilder kaufte als Werk Correggio’s Fürst Eszterházy um 1200 Ducaten. Als dann Unterberger, zu jener Zeit schon in Wien, eidlich erklärte, dieses Bild vor 25 Jahren in Rom gemalt und mit noch anderen unvollendet bei seinem Bruder Christoph zurückgelassen zu haben, welcher dasselbe, ohne es weiter zu beachten, mit mehreren alten Gemälden dem Kunsthändler Lovera verkauft habe, schickte der Fürst die Copie nach Rom zurück, wo sie bei dem genannten Kunsthändler nach wie vor als Werk Correggio’s galt. Das andere Gemälde, auch für eine Arbeit Correggio’s gehalten, kaufte ein Fürst in Wien um 4000 fl. Beide Bilder stellen eine Mutter mit mehreren Kindern vor, unterscheiden sich aber wesentlich von einander. Im Jahre 1776 begab sich Ignaz von Rom zunächst in seine Heimat und dann von dort nach Wien, wo er auf der eben eröffneten Kunstausstellung der Akademie durch einige historische Bilder und auf Steinart gemalte Arabesken und Cameen großes Aufsehen erregte. Eines stellte den Einzug des Bacchus in dessen Tempel, das andere eine Minerva vor. Bald war Unterberger, der nun zahlreiche Bestellungen erhielt, der Mann des Tages, die Akademie der Künste nahm ihn unter ihre Mitglieder auf, und Fürst Kaunitz wendete ihm seine ganze Gunst zu. Aber nicht blos vom Inlande, auch aus dem Auslande wurde er mit Aufträgen überhäuft. Von seinen Werken sind uns folgende bekannt: zu Wien in der italienischen Kirche: „ein von Engeln getragenes Marienbild“; zu Neudorf nächst Baden bei Wien in der vom Cardinal Migazzi neuerbauten Kirche: „eine Mutter Gottes und die Heiligen Wolfgang und Johann Nepomuk“ – in der Hauscapelle des Freiherrn von Hagen: „Mariä Himmelfahrt“: – in der Bildersammlung eben dieses Freiherrn: „Armida und Rinaldo“. nach BLKÖ:Thurn-Taxis, Roger#Torquato Tasso, „Aeneas mit der Sibylle von Cumä“ und eine „Madonna“; – im Fürst Auersperg’schen Sommerpalais zu Wien: „Zwei Superporten mit Genien im Basrelief“; – in der Fürst Liechtenstein’schen Galerie in der Roßau zu Wien: außer zwei kleinen Bambocciaden die „Geburt Christi, herum die Hirten, oben die Glorie der Engel“ auf Kupfer (45 Centim. hoch, 36 Centim. breit). Nebenher malte er auch Bildnisse, theils in historischer Auffassung, theils mit passenden Nebenwerken, so jene der Grafen Uiberacker, Kohary, Pellegrini, Brentano, der Frau von Stettner, des Abtes Eber. Auch findet man von seiner Hand öfter Arabesken mit menschlichen Figuren auf weiße und andere Marmorarten in Oel ausgeführt. Als eines seiner besten Werke wurde seinerzeit gerühmt: „Hebe dem Adler Jupiters den Nektar reichend“ (6 Fuß 6 Zoll hoch, 4 Fuß 10 Zoll breit). Kaiser Franz II. kaufte es für zehntausend Gulden an und verlieh zugleich [86] dem Künstler den Titel eines kaiserl. Hofkammermalers. Das Gegenstück zu dem genannten Gemälde bildet „Hymenäus“, und dieses, wie eine sinnreiche „Allegorie auf den Frieden und die Liebe“, dargestellt in einem jungen Mädchen, das ein Lamm liebkost, waren Unterberger’s letzte vollendete Werke. Unter denen, die sich unvollendet in seinem Nachlasse vorfanden, nennt man zwei Bilder gleicher Größe, Ovid’s Metamorphosen entnommen, wofür er, wenn er sie vollendet hätte, eine sehr hohe Summe – man sagt 30.000 fl. – würde erhalten haben. Von Bildern Unterberger’s, welche sich auswärts befinden, sind bekannt im Dom zu Königgrätz das Hochaltarblatt: „Die Sendung des h. Geistes“; – zu Kremsier in der Piaristenkirche: drei Altarblätter, welche von Anderen seinem Oheim Michael Angelo Unterberger zugeschrieben werden; – zu Innsbruck im Landhause: das „Bildniss des Grafen Heister“, von Anderen seinem Oheim Franz I. zugeschrieben[WS 1]; – zu Bozen im Mercantilhofe das „Bildniss des Hofrathes Kees“ und im Besitz der Familie Riccabona in letztgenannter Stadt etliche „Grotesken“. Außerdem hat Unterberger mehrere Blätter theils in punktirter, theils in Kreide-Manier, die meisten aber in schwarzer Kunst ausgeführt, und sind von diesen bekannt: „Anfangsgründe zum Zeichnen in Augen, Nasen and anderen Theilen bestehend“, Folge von sechs Blättern in Kreide-Manier, schwarz und roth; gedruckt (Qu.-Fol.); – „Arabesken im griechischen Styl“, Versuche in schwarzer Manier, eine Folge von acht Blättern (8°.); – „Zwei Blätter mit Ornamenten und Blätterwerk“, in schwarzer Manier (4°.); – „Venus auf dem Wagen von Amoretten umgeben, welche die Fackeln anzünden“, halbe Figur, in schwarzer Manier (Qu. 4°.), in zwei Ausgaben, mit und ohne Namen des Künstlers; – „Hebe Jovis aquilae Nectar ministrans“. Ex pinacotheca privata Francisci II. Imperatoris. Hebe, welche dem Adler die Schale reicht. Invenit, pinxit et incidit Igna. Unterberger S. C. M. Pictor a cubic. Schwarzkunstblatt s. gr. Fol. in drei Ausgaben: Vor der Schrift und vor der Adresse von Molo; mit der Schrift; Abdrücke in Farben; – „Ein junges Weib mit einem Buche in der Hand“, in schwarzer Manier (8°.); – „Eine lesende Alte“, in gleicher Manier (8°.); – „Die Göttin der Nacht“, Schwarzkunst (4°.), auch Drucke vor der Schrift; – „Das Andenken der Freundschaft“ (4°.); – „Büste eines Greises“ en face, in schwarzer Manier (12°.); – „Büste einer Frau in Profil und eines bärtigen Alten“, in schwarzer Manier (12°.); – „Fürst W. Kaunitz“ (Büste), von der Unsterblichkeit bekränzt. In dem von der Sphinx und einem Löwen getragenen Quaderstein: „Immortali | Principi. Venceslao. Kaunitz. a. Rietberg | cuius. consilio. provido. justo. sapienti. | libertas. jura. legesque. Pannoniae. redditae | Grati comitatus Soproniensis ordines | D. D. D. | CIƆ IDCC XC“, am unteren Rande in zwei Zeilen Ign. Unterberger inv. et sculp. Viennae (gr. Fol. in Aquatinta beh.); – „Hofrath von Kees zur Büste des Kaisers Joseph II. gewendet“, auf einen Folianten mit beiden Händen gestützt, in der Ordenstracht des St. Stephansordens. In der Steinplatte: „Franz Georg Edler von Kees | Hofrath im Justizfache unter | Kaiser Joseph dem Zweyten | geb: den XI Jänner A: MDCCXLVII“. Darunter in einem länglichen Viereck: Ign. Unterberger inv. et sculp. Viennae (punktirt [87] kl. Fol.). Nach Unterberger gestochene Blätter sind: „Wolfgang Christian Graf Uiberacker“, Unterschrift: „Ipse etiam in magno“, J. Unterberger pinx., Jacobé sc. in Schwarzkunst (Kniestück, Royal-Fol.) und „Ariadne auf Naxos“. Bildniß der Frau von Stettner, gest. von Jacobé in schwarzer Manier (gr. Fol.). In seinen Mußestunden beschäftigte sich unser Künstler auch mit Mechanik, und außer einigen anderen Maschinen erfand er für den von einer Gesellschaft unternommenen Canalbau in Ungarn einen Karren, mittels dessen mit großer Geschwindigkeit die Erde aufgerissen und zugleich die Schollen weggeführt werden, und für den er eine ansehnliche Belohnung erhielt; dann eine Maschine, die Kupferplatten zum Gebrauche der Kupferstecherei spiegeleben zu schleifen, und wieder eine andere, die geschliffenen Platten von ziemlicher Größe für die Schabekunst mit der leichtesten Mühe und in wenigen Stunden rein und aushaltend zu grundiren. Seine Schwarzkunstbilder führte Unterberger auf solchen nach seiner Erfindung grundirten Platten aus. Obwohl die Abdrücke dieser Blätter sehr schön und tadellos ausfielen, war doch die erfundene Maschine nicht ganz nach seinem Sinne, und da er auf eine neue Idee gekommen, zerlegte er sie kurz vor seinem Tode; nun aber war kein Künstler mehr im Stande, sie wieder zusammenzufügen und in brauchbaren Stand zu versetzen. Unterberger besaß eine zahlreiche Familie, für die er mit solcher Anstrengung arbeitete, daß er sich die Brustwassersucht zuzog, welcher er auch im Alter von erst 49 Jahren erlag. Er hinterließ neun unversorgte Kinder. Obwohl er kaiserlicher Hofkammermaler war, ist er doch in der Belvederegalerie nicht durch ein einziges Werk vertreten. Aber auch seine Brüder, sowie seine beiden Oheime werden in derselben vermißt. Dagegen besitzt die Galerie der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag von seiner Hand das Gemälde: „Bethseba im Bade mit zwei Dienerinen“ (auf Holz, 36 Centim. hoch, 29.5 Centim. breit). Seiner großen Geistesgaben, wie seiner Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte wegen, womit er im Verkehre einen stets heiteren und angenehmen Charakter verband, war er sehr beliebt, und sein Tod wurde tief bedauert.

Baur (Samuel). Galerie historischer Gemälde aus dem achtzehnten Jahrhundert. Ein Handbuch für Liebhaber der Geschichte (Hof 1806, G. A. Grau, 8°.), VI. Theil, S. 319 [nach diesem geboren zu Karales im Ilnimserthal (soll heißen Cavalese im Fleimserthale) im Jahre 1744, gest. 4. December 1797]. – Künstler aller Zeiten und Völker... Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr.Karl Klunzinger und A. Seubert (Stuttgart 1864, Ebner und Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S. 1747. – Megerle von Mühlfeld (J. G.). Memorabilien des österreichischen Kaiserstaates oder Taschenbuch für Rückerinnerung an die merkwürdigsten Ereignisse seit dem Regierungsantritte Sr. Majestät des Kaisers Franz des Ersten, das ist vom 1. März 1792 bis zum Schlusse des achtzehnten Jahrhunderts (Wien 1826, J. P. Sollinger, kl. 8°.) S. 169 und 270. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 505. – Reber (Franz Dr.). Geschichte der neueren deutschen Kunst (Stuttgart 1876, Meyer und Zeller, gr. 8°.) S. 69 [fällt über Ignaz und Christoph ein ganz unbegründetes Urtheil]. – Sammler für Geschichte und Statistik Tirols (Innsbruck, 8°.) Bd. V, S. 148. – Tirolisches Künstlerlexikon oder kurze Lebensbeschreibung jener Künstler, welche geborene Tiroler waren oder eine längere Zeit in Tirol sich aufgehalten haben. Von einem Verehrer der Künste (geistlicher Rath Leman) (Innsbruck, 1830, Fel. Rauch, 8°.) S. 260 [nach diesem gest. im Jahre 1801]. – Tschischka (Franz). Kunst und Alterthum [88] im österreichischen Kaiserstaate geographisch dargestellt (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 50, 68, 156 und 404.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: zugegeschrieben.