BLKÖ:Zauner, Judas Thaddäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Zauner, Edmund
Band: 59 (1890), ab Seite: 207. (Quelle)
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Zauner, Judas Thaddäus (Rechtsgelehrter und Geschichtsforscher, geb. zu Zaun im Salzburgischen 16. October 1750, gest. zu Salzburg 10. Mai 1815). Auf einem im salzburgischen Pfleggerichte Mattsee gelegenen Bauerngute, nach welchem er den Namen führte, geboren, zeigte er in frühester Jugend besonderen Trieb zu lernen und ließ sich auch durch die Gegenvorstellungen der Eltern, die ihn als arme Bauernleute nicht unterstützen konnten, nicht von der Absicht zu studiren abbringen. Ein Verwandter, Namens Matthias Hauser, welcher Hausknecht im Bürgerspital zu Salzburg war, nahm sich des Jungen an, brachte ihn zu sich und bestritt die Kosten des Unterrichts und den übrigen Unterhalt für ihn, so daß Zauner im Mai 1764 in das Gymnasium zu Salzburg eintreten konnte. Die vorzüglich guten Fortschritte des Knaben bewogen Erzbischof Siegmund, demselben aus seiner Cabinetscasse eine monatliche Unterstützung zu gewähren. Dazu gesellten sich Unterrichtsstunden, die Judas in einzelnen Familien gab, wodurch er frei von allen Nahrungssorgen wurde und sich auch manche Bücher anschaffen konnte. Nach beendeten philosophischen Studien erlangte er im August 1772 daraus die Doctorwürde. [208] Im Herbst desselben Jahres reiste er nach Passau zur Concursprüfung für Aufnahme in das dortige Priesterseminar, da sein Geburtsort zur Passauer Diöcese gehörte. Sein schwächlicher Körperbau vereitelte trotz gut bestandenem Examen seine Aufnahme, und dies verleidete ihm die priesterliche Laufbahn. Er kehrte nun nach Salzburg zurück, hörte unter Koflern[WS 1], Schallhammer und Schmetterer die Rechte und trat als Privatlehrer in das Haus des Geschichtsprofessors Stainhauser. Im November 1779 wurde er Licentiat beider Rechte, erzb. salzburgischer Consistorial- und Hofgerichtsrathsadvocat und kaiserl. öffentlicher Notar, am 30. März 1787 Mitglied der damals in Burghausen bestandenen sittlichen und landwirthschaftlichen Gesellschaft und am 21. März 1801 correspondirendes Mitglied der historischen Classe der Akademie der Wissenschaften in München. Am 9. September 1803 zum Doctor der Rechte und Professor derselben an der salzburgischen Hochschule ernannt, trug er die Institutionen, die Pandekten des römischen Rechtes, Rechtsgeschichte und peinliches Recht vor. Nebenbei hielt er Vorlesungen über das salzburgische Privatrecht. Nachdem er Titel und Charakter eines salzburgischen Hofrathes erhalten hatte, fand 1805 auch noch seine Ernennung zum wirklichen Hofkriegsrathe statt, welch letztere Stelle am 30. Juni 1808 mit gleichzeitiger Aufhebung des Justiz- und Hofgerichtsrathes aufhörte. Dafür wurde er am 30. September desselben Jahres zum kaiserlich königlichen Landrath mit Sitz und Stimme ernannt. Auch seiner Professur ging er verlustig, als im December 1810 die Salzburger Hochschule aufgehoben wurde, was er zeitlebens bedauerte. Am 18. April 1811 ernannte ihn der König von Bayern – Salzburg war damals bayrisch – zum wirklichen Hofrath und übertrug ihm, nebst dem Lehramte der Geschichte am dortigen Lyceum, noch die Aufsicht über die daselbst befindliche Bibliothek; seit 1812 trug Zauner auch lateinische Philologie vor. 1815, als Salzburg österreichisch wurde, erlag er, 65 Jahre alt, einem Nervenfieber. Zauner ist ein gründlicher Forscher von umfassenden Kenntnissen. Sein Hauptwerk ist die „Chronik von Salzburg“, die er 1796 herauszugeben begann und bis zu seinem Tode 1815 auf den 7. Band brachte, worauf sie Corbinian Gärtner fortsetzte. Es ist, wie der Titel besagt, nur eine Chronik und als solche ein heute noch sehr schätzenswerthes Werk, das eine Menge Thatsachen, welche auf archivalischen Forschungen beruhen, enthält; aber auch seine übrigen Arbeiten bieten reiches Material, das einem späteren Geschichtsschreiber des ehemaligen Erzstiftes sehr die Arbeit erleichtern kann; ebenso ist er für die Rechtsgeschichte dieses Erzstiftes durch seine Sammlungen der Gesetze desselben, die bis zum Jahre 1790 reichen, die zuverlässigste Quelle.

Judas Thaddäus Zauner’s wichtigere im Druck erschienene Schriften. „Versuch über die wahre Ursache der Ausschweifungen, deren man die Advocaten von jeher beschuldigt hat“ (Frankfurt und Leipzig [Salzburg] 1781, 8°.). – „Sendschreiben... über einige Stellen, welche mir in der Einleitung zum Auszuge der neuesten Chronik des Benedictinerklosters zu St. Peter in Salzburg ganz besonders aufgefallen sind“ (Salzburg 1782, 8°.): – „Abfertigung der sogenannten gründl. Anmerkungen und bedenklichen Fragen über den Erzbischöfl. Salzburgischen Hirtenbrief vom 29. Brachmonath 1782“ (Wien [Salzburg] 1783, 8°.). – „Auszug der wichtigsten hochfürst. Salzburg. Landesgesetze“, 1. bis 4. Bd. (Salzburg 1785–1790, 8°.) [209] – „Biographische Nachrichten von Salzburgischen Rechtslehrern von der Stiftung der Universität an bis auf gegenwärtige Zeiten“ (Salzburg 1789, 8°.). – „Nachtrag zu den biogr. Nachrichten von Salzburgischen Rechtslehrern“ (ebd. 1797, 8°.); – „Ueber das unredliche Betragen der Feinde der Aufklärung“ (ebd. 1791, 8°.), dagegen erschien: „Meine Zweifel über das unredlich sein sollende Betragen u. s. w.“ (ebd, 1798, 8°.), – „Corpus juris publici Salisburgensis (ebd. 1792, 8°.). – „Syllabus Rectorum magnificorum Universitatis Salisburgensis ab ejus primordiis ad haec usque tempora“ (ib. 1792). – „Zweifel für und wider die Exemtion des Erzstiftes Salzburg von dem kurpfälzischen Reichsvicariatssprengel“ (Salzburg 1794, 8°.); – „Chronik von Salzburg“, 1. bis (einschl.) 7. Band (Salzburg 1796–1813, 8°.), welcher noch die Regierung Wolf Dietrichs (v. Raittenau) umfaßt; von da ab setzte sie Corbinian Gärtner in einer etwas entsprechenderen Darstellung als „Neue Chronik von Salzburg“ bis zur Regierung des Erzbischofs Hieronymus (Graf Colloredo) 1782, 11. Bandes 1. Theil fort. – „Memoria Joann. Philippi Stainhauser de Treuberg juris consulti“ (ebd. 1800, 8°.), dazu gehört eine Erklärung Zauner’s, die er im Allgemeinen literarischen Anzeiger 1800, Nr. 170, S. 1679 veröffentlichte. – „Beiträge zur Geschichte des Aufenthalts der Franzosen im Salzburgischen....“, 3 Bände in 9 Stücken (ebd. 1801–1803, 8°.). – „Historische Uebersicht des Lothringisch-österreichischen Erzhauses“ (ebd. 1803, 8°.): – Juvavia rediviva sub novo Principe Ferdinando Austriaco“ (ebd. 2. Aufl. 1803) unter dem Anagramm seines Namens Lebbaeus Renuza. – „Sammlung der wichtigsten salzburgischen Landesgesetze seit 1790 bis zum Schluß der hochfürst. Erzb. Regierung“ (ebd. 1805, 8°.); – „Bemerkungen über den literarischen Werth der hohen Schule zu Salzburg“ (ebd. 1810, 8°.); – „Verzeichniß aller akademischen Professoren zu Salzburg vom Jahre 1728 bis zur Aufhebung der Universität mit kurzen Nachrichten von ihrem Leben und ihren Schriften“ (ebd. 1813, 8°.). – „Lebens- und Regierungsgeschichte des berühmten Erzbischofs von Salzburg Wolf Dietrich von Raittenau“ (ebd. 1813, 8°.). Zerstreut in periodischen Schriften finden sich: in J. Chr. Siebenkees’ „Juristischem Magazin“: „Nekrolog einiger in diesem Jahrhundert verstorb. salzburgischer Rechtsgelehrten“ [Bd. I, S. 515 u. f.] – „Chronol. Verzeichniß der merkwürd. salzburg. Landesgesetze und Verordnungen“ [Bd. I, S. 244 u. f.]. – „Von dem Erbrechte des Fiscus in Salzburg auf das sämmtliche Vermögen der Bastarden“ [Bd. II, S. 143 u. f.] – „Beiträge zur Literatur des salzburgischen Rechtes“ [Bd. III, S. 35 u. f.]; – im Journal von und für Deutschland: „Beiträge zu einem salzburgischen Idiotikon“ [1787, I. St.]; – in Vierthaler’s „Salzburgischer Literatur Zeitung“: „Nekrolog oberteutscher Rechtsgelehrter“ [1802, Heft V, S. 58 u. f.].
Baader (Clemens Alois). Lexikon verstorbener bayrischer Schriftsteller des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts (Augsburg und Leipzig 1824, Jenisch und Stoyr, 8°.). Ersten Bandes zweiter Theil, S. 349 bis 353. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1832, 8°.) Bd. VI, S, 220. – (Riedler’s) Oesterreichisches Archiv 1832, S. 519 in den Micellen. – Zauner (Jud. Thadd.). Verzeichnis aller akademischen Professoren zu Salzburg u. s. w., S. 123–137 – Zillner (F. V. Dr.). Salzburgische Culturgeschichte in Umrissen (Salzburg 1871, 8°.). S. 200.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Kofler