Passionsgedanken

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Autor: Hermann von Bezzel
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Titel: Passionsgedanken
Untertitel: Vortrag Sr. Exzellenz, des Herrn Oberkonsistorialpräsidenten D. Dr. von Bezzel gehalten zum Besten der Nürnberger Stadtmission am Sonntag, Judica, 9. April 1916 im Saal des Industrie- und Kulturvereins.
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Erscheinungsdatum: 1916
Verlag: Verlag der Buchhandlung des Vereins für innere Mission
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Erscheinungsort: Nürnberg
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Passionsgedanken.




Vortrag
Sr. Exzellenz, des Herrn Oberkonsistorialpräsidenten
D. Dr. von Bezzel


gehalten zum Besten der Nürnberger Stadtmission


am Sonntag, Judica. 9. April 1916
im Saal des Industrie- und Kulturvereins.




Preis 20 Pfg.




Nürnberg 1916
Verlag der Buchhandlung des Vereins für innere Mission
Ebnersgasse 10


| |  Der Name des heutigen Sonntags Judica ist aus den Tiefen des Psalters herausgeholt: Richte mich, Gott, und führe meine Sache. (Ps. 43, 11.) Die Kirche legt diese Bitte dem Herrn in den Mund, auf dessen Antlitz sie keinen Flecken und in dessen Seele sie nichts Unreines gefunden hat, weil sie weiß, daß Menschenurteil fehlsam ist und ihre Aussagen von Jesu nicht an die Wirklichkeit heranreichen. Nur Einer versteht ihn ganz und nur Einem Urteil steht und fällt er.
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 Aber der andere Name des heutigen Sonntags: Dominica de Passione, der Passionssonntag, weil von heute an das Gedächtnis der Kirche ganz in die Leidensgeschichte sich versenken soll, bringt uns näher an die Aufgabe heran, welche nicht ein zufälliges Thema, sondern der tägliche Kampf stellt: Passionsgedanken sind nicht selbstwillig erfundene und erdachte, sondern vom Leben aufgenötigte, denn der Kern des Lebens ist Leiden und der Protest gegen diese Anschauung ist ihr Beweis. Was nicht sein sollte, hat im Leben sich das Recht erworben, und was sein Recht haben wollte, kam nicht zur Gestaltung. Die Wirklichkeit hat sich von der Wahrheit gelöst und in ihrer Uebermacht die Frage nicht nach Wahrheit, sondern ob es eine solche gebe, zurückgelassen. Im tiefsten Herzen wohnt das Verlangen nach Glück, daß alles so sein möge, wie es sein solle und könne und jede Erscheinung ganz das zu Gestalt und Wesen bringe, was in einer ewigen Idee ihr beschieden ist. Aber je näher das Leben und seine Arbeit an die Aufgabe herantritt, das ihm eingestiftete Ideal zu erreichen und je mehr es sich müht, es zu gestalten, desto ferner tritt es und desto schmerzvoller wird die Erkenntnis, daß man nicht erreichen kann, was man soll, und nicht erschienen ist, was erscheinen wollte. In den Schmerz über Vergeblichkeit und Erfolglosigkeit des Ringens um wahres Glück senkt sich die quälende Frage, ob nicht das Ideal nur dazu sei, den Menschen arm und schuldvoll werden und in seiner Pein verloren sein zu lassen, ob nicht die Fahrt nach den Inseln des Glücks, immer wieder gewagt, an den Gestaden der Seligen vorbeitragen müsse, eben weil sie nur in der Illusion bestehen. Und die Gefahr tritt noch näher heran, ob nicht auch die Arbeit| Täuschung und das Streben, dessen der Mensch sich trotz der Erfolglosigkeit nicht begeben kann, Verkehrtheit sei. Man müht sich, aber die Schatten spotten der Arbeit, die den Lebenstag währt und am Abend zerrinnt, und die Frage, ob überhaupt Arbeit war, was wir so nannten, will das letzte Erdengut rauben, das mit der Pflicht als Recht beschert ward. Tiefste Denker sind die beredesten Herolde vom Leide: omnes philosophi sunt melancholici. Durch die Herrlichkeit des glänzenden Griechenvolks klingt die schwermütige Klage von seinen sonnigen Anfängen bis zu dem trüben Ausgange seiner Geschichte, wie schwer das Menschenlos sei, das nie gesehen zu haben das beste Schicksal wäre, Schatten und Rauch, Schein und Täuschung sind seine Größen, die Freundschaft ist Trug, die Arbeit Not, der Tod ein Erlöser, aber das Todeslos ein unnützes Leben ohne Erinnerung und ohne Ertrag: Der ärmste Mann auf Erden ist noch besser geführt und glücklicher als der König im Reich der Schatten. Nicht sterben können ist der Leiden größtes. Was ist das Leben? Eine Rauchwolke, in der eine Sonne vielleicht sich spiegelt, oder auf die ein finsterer Himmel drückt: beidemale vergeht sie ohne Kraft. Am Ausgang des alten Roms mit dem Ernste seines Pflichtbegriffs und der Energie seiner Arbeit steht der größte Geschichtsschreiber mit dem Griffel, den die Wahrheit lieh und die Lauterkeit führte: Wir sind gleich unfähig, die Leiden und die Heilmittel gegen sie zu ertragen, wir stürzen alle in Hörigkeit und Knechtschaft. Der Zeitgeist heißt Lüge und die Verstellung ist Kunst. Der Rückblick in die Vergangenheit wird dem zur Qual, der aus ihr nicht mehr Kraft für die Zukunft holen kann, weil die Gegenwart nimmer lernen mag noch zu leben versteht. Durch die schönsten Länder der Welt wandert, an den herrlichsten Gestaden des Meeres weilt ein Mann mit offenem Auge für alles Große, aber auch mit einem für Leid und Schmerz erschlossenen Ohr, vernimmt das Seufzen der Schöpfung über ihre Zerstörung und das stille Weinen der Sterne, die bange Frage nach dem Frieden und den bitteren Verzicht auf ihn, und in die Klage der Erde mengt er die eigene über Menschenelend und Todesleib, über die Konflikte von Neigung und Gewöhnung. Er versteht die sehnsuchtsvolle Klage nach Welterlösung, denn er teilt sie. – Am Eingang der griechischen Geschichte steht der jugendliche Held, am Ausgang sein Nachahmer, Achilles und Alexander, beide sinken in der Kraft der Jugend dahin mit dem Schmerze über| ungelöste Fragen und die Ungereimtheit des Lebens: die antike Kunst hat dem großen König ein Bild geschaffen, über das man schreiben möchte: Du großer Schmerzensmann, etwa dem Bilde auf dem Titelblatt der kleinen Holzschnitt-Passion Albrecht Dürrers vergleichbar. Am Eingang alttestamentlicher Volksgeschichte der gewaltige Mann, in dessen Darstellung ein Michel Angelo versagte, mit dem furchtbaren Ernste auf dem Antlitze, in das Lebensrätsel und Sterbensweh ihre Merkzeichen geprägt haben: Das macht dein Zorn, daß wir so vergehen wie der Sand unter dem Schritt des Wanderers verrauscht und die Welle eilig vorüberzieht. Auf der Höhe seiner Geschichte sieht Israel den Propheten Jeremias mit der Klage über den Tag seiner Geburt, über die Zerstörung alles Gegründeten und über die Vernichtung alles Gepflanzten, und am Ausgang der alten, am Tor der neuen Zeit werden die Leidtragenden selig gepriesen. Wer die Schriften alle zählen könnte, die das Mittelalter über das Leid der Welt uns hinterlassen hat, die Klagen in Bild und Wort, in Sang und Dichtung messen möchte, die bittere Ironie seiner Totentänze, da auch die Blumen schließlich um Totenschädel sich ranken und in die franziskanische Lebensfreude des Sonnenhymnus das markerschütternde dies irae des Franziskanermönchs hineinbraust. Otto III. am Grab Karls des Großen, wie ihn Meister Kreling im Germanischen Museum darstellte, der Jüngling, dem das Szepter entgleitet, vor dem Leichnam, dem auch die größte Macht nimmer Glück ist, dazu die Wehklage über die täuschende Welt, die außen licht und frisch, doch innen schwarzer Farbe, finster wie der Tod ist, die dem törichten Mann mit Sälde und Glück zu lohnen verheißt und ihm Asche und Trug ins Leben höhnend wirft. Weit über das graue herbstliche Feld schreitet der Mensch, betrogen und getäuscht, voll Unlust zu leben und doch voll Angst zu sterben. Shakespeare, der Dichter des Gewissens, ist auch der Dichter des Leids und Goethes Faust stirbt, von Reichtum und Macht umgeben, von Weisheit und Erkenntnis nicht befriedigt, müde von Enttäuschung. – Leid ist des Lebens Kern: das ist nicht das weltfremde Wort des Dominikanermönchs zu St. Marko, das ist vielmehr die Gesamterkenntnis der Menschheit, soweit sie denkt. Wer aber nicht denkt, der hat das Recht zum Leben verwirkt.
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 Nur über Grund und Heilung des Leids geht die Meinung der Menschen nicht einig: die tiefste Meinung aber| ist über beiden der schlichte Glaube der Christen, der am tiefsten in die Abgründe sieht, weil er am höchsten über Abgründe blicken kann und schauen darf.

 Hat der Mensch sich zuviel versprochen und deshalb die Enttäuschung verschuldet, ja verwirkt? Erwartet er von den Verhältnissen, was nur das Verhalten geben kann und von Umständen, was nur der Wille schafft? Ist der Gedanke an Glück, das von außen her an uns kommen soll, nur ein Selbstbetrug, da doch im Herzen des Schicksals Sterne ruhen? Aber woher kommt ein Gedanke an etwas unausdenkbares Großes, woraus erwächst das Verlangen nach Dingen, die kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und noch kein Menschenherz ausgedacht hat, weil es für die Weite zu eng und für die Größe zu schwach und arm war? Ist nicht der Gedanke an Glück der Beweis des Glücks und das Verlangen nach ihm das Zeugnis für dessen Existenz? Warum reden die einen von einem verlorenen, sehnen sich die anderen nach einem kommenden goldenen Zeitalter? Warum die allgemeine Uebereinstimmung, daß das Sosein nicht das wahre Sein und das Leben nicht das hält, was es verspricht? Gott hat dem Menschen die Ewigkeit ins Herz gegeben, sagt tiefsinnig die alttestamentliche Weisheit. Sie auszukosten und von ihr zu leben, sie für die Zeit, die Zeit für sie zu bereiten sollte das Glück sein. Denn in der gottgeschenkten, nicht in einer aus Zufall gebornen, endlosen und ziellosen Ewigkeit liegt die Grenze und die Wahrheit der Zeit, die Kraft und die Wirklichkeit der Pflicht, das Wesen aller Dinge an sich, nach dem die Erscheinung geregelt und an dem sie gemessen werden kann. Ja, das ist völliges Glück: die Gabe des Gottesherzens und die Empfänglichkeit des Menschenherzens zusammenklingend, zusammenstimmend! Mühereiche, aber lohnvolle Arbeit, in ihr selbst und in ihrem Vollzuge reichster Friede, zwei Mächte suchen sich, Vater und Kind: ich gab dir Mich in’s Herz. So gib du Mir dein Herz! Mit jeder Mühe wird der Blick weiter und das Auge freier, die Höhe reicher und die Tiefe sonniger, die Stunde bedeutsamer und die Ewigkeit menschlicher: der Mensch lebt von Gott und Gott in ihm.

 Aber nicht „als Wahn der Theologen, die uns von jeher angelogen“, wie Ludwig Feuerbach meint, sondern als tiefernste Wahrheit geht es durch die Erkenntnisse der Denker und durch die Lieder der Dichter, durch idealisierende Umschreibung| und durch nüchterne Selbstbeurteilung hindurch, daß der Mensch die Ewigkeit für zu gering und die Einfältigkeit des auf sie gerichteten Auges für Torheit hielt und das „Ich bin Ich selbst allein“ Richards III. seine Losung ward. Nennen wir es Selbstbehauptung ohne inneres Recht, Selbstliebe ohne Selbstkritik, Zufriedenheit ohne Friede oder heißen wir es Vorordnung des Rechtes vor der Pflicht, Vereinzelung des Genusses und Erhebung des Genusses zum Selbstzweck oder heißen wir es nach dem Tiefsinn des deutschen Sprachgeistes Sünde, Lösung vom Lebensquell und Bindung an sich selbst – der Grund des Leides, unserer Passion liegt nicht außer uns, in dem Neid mißgünstiger, in dem Hohn selbstsüchtiger Mächte, nicht in der Kreatürlichkeit der Abhängigkeit noch in der Befangenheit mit Erdenwesen, sondern in uns: der fromme Gott macht dir gar keinen Schmerz, die Unlust schafft in dir dein eigner Wille. An den selbstgewählten Gütern und Göttern stirbt der Mensch, weil er von der lebendigen Quelle sich losgesagt hat und in eignem Lichte entfernt von „Gottes Heiterkeit“ sieht er alles falsch und verkehrt, die Finsternis als Licht, weil es Selbstwahl ist, und das Licht als Nacht, weil es geliehen ist. Denn der Mensch sehnt sich nach Freiheit so stark, daß er selbst geschmiedete Ketten, die er selbst um seine Füße schlingt, als höchste Gabe zeigt, weil ein „selbst“ darüber ist, während er die ewige Freiheit als Knechtschaft verwirft, da sie nicht von ihm stammt.

 Aber das Herz ist zu Einem hinbestimmt und wird nur in seiner Bestimmung und Bestimmtheit stille, die Seele ist nur des Einen Gedanke, in dem allein sie wirklich ruhen kann, wie der Gedanke immer wieder zu seinem Urheber zurückkehren muß. Freiheit von Gott ist Gebundenheit an’s Ich: wo die Aufwärtsbewegung gebricht, tritt nach bleibendem Gesetze der Schwerkraft mit Gewalt Sinken und Versinken in seine Rechte. Wer die Ewigkeit nicht liebt, der muß sie leiden, und wer nicht von ihr lebt, der muß an ihr leben; man leidet Pein in dieser Flamme. Man hört den Reigen der Seligen und versteht ihn nimmer, man sieht ihre Freude, wie sie Fiesole mit liebewarmer Farbe dargestellt hat, und erfaßt sie nimmer: die Welt ist leer, der Sinn ist tot. In übermenschlicher Phantasie spricht das neutestamentliche Weissagungsbuch von Bergen, die nicht verbergen und von Hügeln, die nicht verdecken können: wem Sterben wollen das höchste Ziel ist, dem ist Leben müssen die schwerste Qual.

|  Wie aber gibt es Heilung für die Schmerzen? „Schmerz, du wirst mich nie dazu verleiten, zu sagen, daß du ein Uebel bist“, so redet alte Philosophie. Ein starkes und doch ein weichliches Wort: denn in der Illusion ruht nicht die Heilung und Täuschung erschlafft ohne wirklich zu trösten. Alles Nichtseinsollende ist ein Leid und muß als solches erfaßt werden, damit es stärke, denn auch die Erkenntnis des Verdienten befreit und die Erfassung des Leides als des verschuldeten stärkt. Wem der Schmerz zum Genuß und die Selbstbemitleidung zur Freude wird, also daß er in der Finsternis schwelgt und den Pessimismus zur Lebensweisheit erhebt, der doch das Leben entleert und entehrt, hat Ziel und Zweck des Daseins verkannt, das durch Schuld und Last zur Freiheit gelangen soll. Der schmückt sich leicht mit Ergebung, der alles Schwere und Trübe als die Bestimmung des Lebens ansieht, wie denn leicht Genußmenschen Pessimisten werden und diese Genußmenschen sind. Man erhebt die Verzerrung des Bildes zum Bilde selbst und die Disharmonie zur Dominante. Aber eine Stunde zerreißt den Nebelflor, den man über Schuld und Strafe warf. Dadurch wird das Leid nicht beseitigt, daß man ihm schmeichelt und das Uebel nicht aus der Welt dadurch getan, daß man sich daran gewöhnt. Schließlich begegnen sich die scheinbar tiefgrabenden Glücksverneiner und Leidbejaher mit den auf der Oberfläche haftenden Leichtlebigen und Lebenskünstlern, die vor den Irrenhäusern und Krankenhäusern, den Zuchthäusern und furchtbaren Tiefen des Abgrundes die Augen schließen, wie die Kinder im Finstern, um sagen zu können, daß sie sich nicht fürchten. Einer ihrer Poeten erklärt „die Rose als das Symbolum, dran eine neue Menschheit glaubt“ (Robert Prutz 1864), wobei hoffentlich an die dornenlose Rose gedacht ist, und ein anderer (Gottfried Keller) meint:

Ich fahre auf dem klaren Strome,
Er rinnt mir kühlend durch die Hand,
Ich schau hinauf zum blauen Dome
Und such kein bessres Vaterland.

Schön gesagt, wobei vorausgesetzt ist, daß der Strom immer klar ist, seine ruhig fließenden Wasser immer kühlen, der Dom des Himmels immer blaut. Wie aber dann, wenn das Meer wütet und wallt und der Himmel ehern ist, wenn die Angst der Welt anschwillt und die Herberge böse und bitter| ist? Nein, weder die, welche das Leid als notwendig verachten oder als nicht vorhanden verlachen, lösen das Rätsel des Warum? und bringen Heilung für die Not, sondern die aus ihrer Schuld und Verirrung zu den Bergen ewiger Hilfe flüchten. Passionsgedanken ranken sich zum Kreuze empor:

...Und plötzlich aus der Tiefe stieg
Ein Kreuz mit schwarzen Armen,
Und eine große Stille schwieg,
Ein schweigendes Erbarmen.
Und hoch am Kreuz, wie Tropfenfall
Aus einer Todeswunde,
Klang es erschütternd durch das All
Aus einem bleichen Munde:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du
Mich so verlassen? – Schweigen –
Fern ging das schwere Wort zur Ruh
Wie Klang zersprungner Geigen.

Wir dürfen und müssen die Antwort auf diese Frage nach Grund und Zweck des Todesleidens eines Einsamen geben: die Schuld der Menschheit und des Einzelnen in ihr, der Welt im Menschen und der Menschenwelt, die Versäumnis der Lebensaufgabe und die Vergeudung der Lebensgabe ist von dem Menschen ohne Gleichen, der das Menschenbild in seiner Wahrheit an sich und in seiner Karrikatur in sich genommen hatte, getragen, damit die Freiheit aus der Nacht des Kerkers, in den er freiwillig gegangen war, wie die schöne Morgenröte hervorginge und in der todwunden Gerechtigkeit nicht das Unrecht, aber ihre Knechte Frieden fänden. Alle Passionsgedanken sammeln sich in dem größten, von der antiken Weltweisheit geahnten, von der alttestamentlichen Gottesweisheit geschauten Geheimnisse der leidenden Heiligkeit zusammen. Aus den Dornen, die das Menschenherz verletzen, hat er den Dornenkranz geflochten, auf die Sphinxfrage nach dem Menschheitsrätsel tut er Bescheid, der Mensch Jesus Christus, in dem unverdienterweise die Sünde sich verkörperte, damit in Sündern unverdienterweise sich die Gerechtigkeit darstellte.

 Passionssonntag – welch ein Widerspruch! So hat es Rückert gemeint:

Am Karfreitag fuhr ein Schauer
Winterschnee durchs Lenzgefild;
Billig fühlt die Schöpfung Trauer

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Bei des höchsten Leidens Bild.
Aber Ostern scheint die Sonne
Heiter, als ob nichts geschehn,
Also muß zur Himmelswonne
Alles Erdweh auferstehn.

 Die Passion heißt Angst. Aber der Sonntag spricht: Er hat die Welt überwunden. Ueberwunden in dreifachem Sieg der Wahrheit über die Lüge, des Lebens über den Tod, der Gnade über die Sünde. Wir tragen schwer an dem Scheine, mit dem wir uns umgeben, den wir lieben, obgleich er zum Tode bringt, und suchen, obgleich wir in ihm verloren gehen. Wir leben in einer Welt des Scheines, der entwerteten Worte und der abgegriffenen Sitten, da man sich selbst Grenze und Ziel bestimmt weiß, wie weit Glaube und Vertrauen geht. Scheingüter bieten sich dar und wandeln sich in Asche, Truggold wird aufgewogen und verkehrt sich in Sand. Wo viele Worte sind, da ist viel Sünde, und wo viel Täuschung ist, da ist viel Gram. Die Lüge braucht nicht, wie etliche meinen, ein Moment von Wahrheit, um leben zu können, sie lebt aus eigener Kraft und stirbt nie anders als um neu zu leben. Umgeben von Lügen ohne Zahl, die unseres Volkes Ehre und die Treue seiner Führer in den Kot ziehen, von Verleumdung und blöder Täuscherei spüren wir, was der Verderber der Wahrheit große Gewalt hat. Er hat sie aufs höchste an dem Fürsten der Wahrheit geübt, dessen Allmacht er Ohnmacht, dessen Weisheit er Torheit hieß, dessen Bild er verspottete, verzeichnete, verlästerte, dessen Wort er mit tausend Fragezeichen dem Mißtrauen preisgab. Die Pilatusfrage des Agnostizismus, ob es Wahrheit gebe und was sie sei, hat Jesus gelöst, indem er, mit Lüge und Trug überhäuft, der Mann blieb, der Vollkommene, der in keinem Worte fehlte. Ich bin die Wahrheit in Wesen und Erscheinung und die Wahrheit siegt. Langsam vielleicht, kaum merkbar, mühereich und wie in stiller Verborgenheit. Aber die Einfachheit des seiner selbst gewissen Worts, das Ja und Nein in seiner schlichten Größe, die festbestimmte Geschlossenheit innerlicher Selbstbehauptung wird endlich gewinnen und den Sieg behalten. Wenn niemand mehr der Lüge glaubt, wird sie zwar nicht ersterben, aber sich zur Qual fortsiechen. Todeskräfte gehen über Land nicht des großen Sterbens allein, das rings um uns wütet und edelste Beute entführt, sondern des inneren Verwelkens und Vergehens, weil die Sünde gepflegt und die| Unreinheit in Wort und Wesen liebkost wird. Am Marke der Völker nagt ein geiler Wurm, Genußsucht und Begehrlichkeit, und durch die Adern der Volkesseele rinnt das wilde, heiße Blut der Meisterlosigkeit und des Trotzes gegen alles, was Gebot und Gewalt, Ordnung und Sitte heißt. Es ist, als ob der Tod das letzte Wort behalten sollte und dürfte, bis schließlich auch der Lebensquell versiegt.

 Aber Jesus Christus hat dem Tode die Macht genommen, als er unter alle Todesgestalten und -gewalten sich willig untergab, in Gottesfernen, wo kein Vaterwort ihn erreichte, in Sündentiefen, wo kein Strahl der Sonne ihn traf, sich gehorsam beschied. Das Leben ward tot, und der Tod hatte darüber seinen Spott. Wie Triumph und Sieg ging es durch alle feindlichen Reihen, daß nun der Stärkste tot war. Aber Ostern ist nicht ferne. Das Leben muß den Sieg aus dem Tode, die Lichteskraft aus der Nacht heraufführen. „Ich war tot.“ Welch ein Wort aus des Lebendigen Munde. „Siehe, Ich bin lebendig geworden.“ Welch ein Wunder – eines Toten Rede! Aber die Seele weiß fortan, daß all ihrer Fragen Lösung Erlösung heißt und daß ihr Erlöser lebt, nicht in schwächlicher Fristung eines mühsam erhaltenen, kaum des Namens werten Lebens, sondern in der Vollkraft erhöhter Majestät und in der Fülle aller Entfaltung der Lebensgabe. Wo Leben dem Tode trotzt, Wahrheit ihr Haupt erhebt, das Recht das letzte Wort behauptet und behält, da ist Jesus, der die Welt überwindet nicht durch die Wunder, sondern durch Seine Wunderbarkeit. Denn der tausendmal Totgeglaubte, Totgesagte, dem jedes Jahrhundert grübelnd und grabend die letzte Stätte bereitete, den sie bald mit Spott bedeckten, bald mit Scharfsinn in ein Nichts auflösten, lebt und regiert in Ewigkeit. Er regiert auch über die Sünde, die zu jedem guten Werk als dessen Verkehrung sich gesellt, den Sparsamen mit dem Geize, den Fröhlichen mit dem Leichtsinn, den Demütigen mit Charakterlosigkeit, den Arbeitsamen mit dem Mangel an Innerlichkeit gefährdet und jedes heilige Tun mit einem scheinbar wesensverwandten bekämpft.

 Aber die Gnade, die alle Gerichtsrechte entwaffnet und alle Fluchmächte versöhnt hat, ist die einzige Großmacht des Lebens geworden, eine Großmacht, die stille erobert, langsam erreicht, aber endlich alles gewinnt und den Sieg behält. Denn in ihr ist der Herr aller Dinge, die er geschaffen| hat, wieder in seine Herrschaft gekommen, ein König ohne Gleichen und ohne Ende. –

 Passionsgedanken sind aber auch Gedanken göttlicher Ironie, jenes heiligen Spottes, der das Fluchholz zum höchsten Ehrenzeichen gemacht hat und den Gekreuzigten durch Unehre und Todesschmerz zum Heiland der Welt. „Wenn sie’s aufs klügste greifen an, so geht doch Gott ein andere Bahn.“ Das Zeichen der höchsten Unehre mit dem Mann der Schmerzen daran ist durch die Jahrhunderte Gegenstand höchster Kunst und treuester sinnigster Arbeit geworden. Welch ein Fortschritt von dem rohen Spottkruzifix im kaiserlichen Pädagogium auf dem Palatinus (gefunden 1857) bis zu den großen Darstellungen eines Eduard von Gebhardt, von dem Holzrelief an der Santa Sabina auf dem Aventin zu den Werken von Brunelleschi und Adam Krafft! Deutsche Zartheit und Innigkeit erfüllen die Kreuzesbilder Albrecht Dürers und des jüngeren Holbein, Erhabenheit und Schönheit predigen die von Rubens und von van Dyck. Innigkeit und Andacht schufen die verklärten Bildnisse aus der Hand des Angeliko da Fiesole.

 Am Ende des 18. Jahrhunderts hat ein Priester in Notre Dame zu Paris das Kruzifix mit Füßen getreten: Es ist nicht genug, daß der Tyrann des Leibes (Ludwig XVI.) vernichtet werde: laßt uns auch den Tyrannen der Seele niedertreten. Und zwanzig Jahre nachher stiftete (10. März 1813) Friedrich Wilhelm III. das Eiserne Kreuz! – Im Jahre 1848 hat Georg Herwegh, tapfer im Worte und verzagt im Herzen, gerufen:

Reißt die Kreuze aus der Erden,
Alle sollen Schwerter werden,
Gott im Himmel wirds verzeihen!

Und auf dem Schlachtfelde von Magenta 1859 ward das Rote Kreuz von Henri Dunant gestiftet! In seinem Wintermärchen (1844) hat Heinrich Heine den Gekreuzigten mit rohem Witze verspottet, wenige Jahre darauf hat Joh. Hinrich Wichern im Namen Christi das Werk der Inneren Mission zwar nicht begonnen, aber neu gefaßt und reich begütet. Die Johannespassion (1724) und die Matthäuspassion (1728) von Joh. Seb. Bach, voll gläubigen Empfindens, das Bekenntnis zum zweiten Glaubensartikel in Ton und Klang haben die Arbeiterwelt Berlins erquickt, wie hier in Nürnberg| Adam Kraffts siebente Station „hir ligt Christus tot vor seiner gebenedeyten würdigen muter, die in mit grossem hertzenleyt und bitterlichen smertz claget und beweynet“ eine stille und doch gerne verstandene Predigt für die Vorbeieilenden ist! –

 Vom Hohn umtönt, vom Spott umrauscht, vom Zweifel beschwert ist die Predigt des Kreuzes in Farbe und Stein, in Sang und Klang, in Wort und Bild das gewaltigste Tatzeugnis göttlicher Ironie, die ihre Wege sich über Menschenwege zieht und endlich zum triumphierenden Siege erhebt, was die „Gewalt des bittren Tods zernichtet“. –

 Göttliche Ironie war es, die das Sterbehaus Voltaires (gestorben 30. Mai 1778) in Paris zum Geschäftshaus der evangelischen Bibelgesellschaft werden ließ. Er hatte geweissagt, daß in 25 Jahren die Bibel nur noch in Bibliotheken und Antiquariaten oder in Rumpelkammern verstaubt sei und nur als Zeichen menschlicher Abgeschmacktheit aufbewahrt werde. Und 1804 entstand die große Britische Bibelgesellschaft, 1812 die gesegnete Württembergische zu Stuttgart. 1837–1860 lebte Ludwig Feuerbach (gestorben 12. September 1872) auf dem Schlosse der Ansbacher Markgrafen zu Bruckberg bei Ansbach. Dort schrieb er sein „Wesen des Christentums“, daß der Mensch nicht Gott, nur sich selbst anbeten dürfe. Denn Religion ist Erfindung und Werk des Menschen. In seinen Wohnräumen hausen die armen Schwachsinnigen, denen die Liebe Christi helfen und Licht bringen will. Die Religion ist Kraft und Leben, wenn die Philosophie längst verrauscht ist. 1835 und 1837 erschien David Friedrich Strauß’ Leben Jesu, das ehrlichste und ernstlichste, das blankste und schärfste Rüstzeug gegen den Herrn, viel zu gründlich, um ernstlich gelesen, viel zu gewissenhaft, um geliebt zu werden. Im gleichen Jahre zieht ein ungenannter und unbekannter Pfarrer, der wie Strauß und kurz vor ihm zu Berlin Theologie studiert hatte, in das arme fränkische Dorf Neuendettelsau ein. Welche Ströme des Segens und der Gnade sind von diesem Manne ausgegangen, dessen ganzes Tun dem seines Christus galt! Voll Weisheit und Erkenntnis, ein Menschenfreund und Geisterkenner, groß und erfindsam in der Liebe, stille und gelassen in aller Arbeit und Mühe, ganz Mann, weil ganz Christ, ist er am 2. Januar 1872 unter den Klängen des „O Lamm Gottes, unschuldig“ zu dem Herrn und seinen Freuden heimgegangen. Am 8. Februar| 1874 starb Strauß zu Ludwigsburg, der Zertrümmerer der christlichen Wahrheit, so es möglich wäre, gepflegt von einer Stuttgarter Diakonisse. In Platons Phädra blätterte er nach der Unsterblichkeit der Seele. Dann schob er das Buch weg: auch ein überwundener Standpunkt. Wilhelm Löhe aber stand auf überwindendem. Sein bestes Lied aus dem Jahre 1848 hebt an:

O Gottessohn, voll ewiger Gewalt,
O Menschensohn in göttlicher Gestalt,
Der Gottes Macht und Ehren überkommen,
Du hochgelobter Herr und Christ,
Der du der Deinigen Verlangen bist,
Zu dir, zu dir, zu dir begehr auch ich,
Nur wo du bist, da find ichs wonniglich! –
Gaukeln, schaukeln mag der Nachen,
Wellen lachen:

 Süßer Schlaf – und kein Erwachen. – Das ist das Letzte von Strauß! –

 Vor den Toren Hannovers liegt ein alter Friedhof, noch aus den Tagen, da Englands Könige die Kurfürsten Hannovers waren. Manchmal bin ich an den Gräbern gestanden, am öftesten an einem unweit der Kirche, das die stolze Inschrift trägt: Dieses Grab darf in Ewigkeit nicht geöffnet werden. Der im Himmel wohnt, lacht solcher Verbote und sandte einen Vogel als Boten, der im Vorbeiflug ein Samenkorn auf dieses Grab warf. Aus dem Samen ward ein schwaches Reis, aus dem Reise eine alle Jahre neu sich begrünende Birke, die ihre Wurzeln durch den Grabstein trieb und ihn sprengte. Das ist auch Ironie des heiligen Gottes.

 Es liegen manche Gedanken an Leid und Leiden auf den Herzen der Volksfreunde. Wird nach dem harten, herben Ringen, an das Deutschland sein Bestes wagt und zu dem es seine edelsten Kräfte einsetzt, ein Friede heraufsteigen, der des Blutpreises wert ist? Ein Friede, den nicht Federn und Gedanken künstlich und fein bereiten, sondern die Volksstimme segnet und gutheißt? Wird der Friede den Dank entfachen für den Gott, der groß und wunderbar in der Wolkensäule des Tags und in der Feuersäule des Nachts dem Volke voranging, es mit Fürsten und Führern nach Seinem Herzen begabte und seinen Arm machtvoll stärkte und väterlich stützte? Oder wird mit dem Dankchoral im Gotteshause und dem Ausläuten| der Kirchenglocken jeder wieder auf seinen Weg sehen und Parteigezänke den Dank ersticken, Klage und Anklage das Lob verstummen heißen? Wird unsere Jugend wahrhaft und wehrhaft erstehen, dem Gemeinen abhold und dem erschlaffenden Wohlleben feind, streng, ernst und keusch? Wird der Genuß durch harte Arbeit erkauft werden wollen, ein Genuß, der wieder zur Arbeit befähigt? Soll Gehorsam und Zucht noch Freiheit sein oder soll Willkür Freiheit heißen? Soll jener Verleumder deutscher Sitte und Zucht (Smith), der die Frauen und Jungfrauen nicht nur der Stadt, die ihm manches Jahr gastliches Obdach gewährt hat, sondern unseres Vaterlands schnöde verleumdet hat, von einer Zukunft geredet haben, in der Reinheit und Sittsamkeit Wahn und Klang sind? Sollen Ehen geschlossen werden, damit ihr edelster Schmuck ausbleibe und ihre Bestimmung zu schanden werde?

 Wird unsere Kirche noch Gewalt über das Volk haben, nicht äußere, sinnenfällige, berauschende und berückende, sondern die Gewalt der lauteren Ueberzeugung aus dem guten und ehrlichen Rechte des Glaubens? Wird das alte Evangelium, das tausend Arten der Verkündigung und nur eine des Bekenntnisses gewährt, noch Glauben finden?

 Wahrlich, wir hätten Grund genug, in eine trübe, sonnenlose Zukunft zu blicken und möchten gerne der Arbeit überhoben und der Ruhe vor dem Unglück teilhaftig werden. Kreuzesschau gebiert gern Kreuzesscheu.

 Aber aus der Passion, aus der alten Epistel des Passionssonntags erhebt sich die heilige Gestalt des großen Schmerzensmannes und mächtigen Siegers. Nie war sein Werk ärmer und dessen Fortgang gefährdeter als in seiner Todesstunde. Und durch sternenlose Nacht, über unseliges Land, in eine arme, angstvolle Welt ertönt das: Es ist vollbracht. Die Kraft des Siegs hat Er in sein Werk gelegt. Wir müssen dieses aufnehmen und jene glauben, kämpfen, als ob unser erst der Sieg würde und hoffen, weil Sein der Sieg ist. „Unser Herr Jesus Christus“! Welch ein Trost liegt in diesen vier Worten, deren jedes eine Welt voll Sonne und Sieg beschließt. Kein Fremder, ferner, starrer Lehrsatz ängstet uns, sondern ein naher, freundschaftlich uns verbundener, durch Leid und Not mit uns gegangener Genosse steht vor uns. Und dieser Genosse, so menschlich nahe und so treulich uns zugewandt ist zugleich ein Herr aller Welten, ein| Herrscher aller Enden, dem Raum und Zeit vom Vater für die Menschheit gegeben, von dieser für den Vater gegönnt sind. Ein Herr, dem alle Gewalt im Himmel und auf Erden wahrhaftig zusteht, ein Helfer mit Leutseligkeit, ein Beter mit Innigkeit, ein Sieger mit Ernstlichkeit.

 Passionsgedanken klingen in Siegeshymnen aus: alle Reiche der Welt, auch die feindlichsten sind des Herrn und seines Christus geworden. So siege ein jeder in sich, über sich, er wird dann auch durch sich siegen. Furcht ist weder in der Liebe noch in der Hoffnung.

 So arbeite ein jeder für das große Ziel der Welt, daß Gott sei alles in allem!

 So leide jeder mit dem König der Passion, daß Sein Ostern ihm das Herz stärke und das Auge erhelle.

 Am Donaugestade der Stadt Preßburg, auf die wie ein mahnender Gruß die Ruinen der Burg, in der Elisabeth von Thüringen, die fromme Jüngerin Christi, geboren ward, niederblicken, mitten in den volkreichsten Straßen steht das Standbild der großen Königin Maria Theresia, vor der die Ungarischen Magnaten knien: Moriamur pro rege nostro!

 Unser König ist es wert, daß man für ihn das Liebste und Letzte wagt, denn Er ist für uns gestorben. So werden Passionsgedanken zu heiligen Gelübden:

 Ich werde Dir zu Ehren alles wagen. –





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