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RE:Gyaros, Gyara, Gyarae

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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kleines Eiland in der Mitte der nördlichen Kykladen
Band VII,2 (1912) S. 19541956
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Gyaros, Gyara, Gyarae. (ἡ Γύᾰρος Aristot. = Aelian. hist. an. V 14. Antigon. Car. de mirab. ausc. 25. Arat. = Strab. X 486. Strab. X 485. Mela II 7, 11. Tac. ann. III 68. Arrian. anab. IV 4. Luc. Tox. 17f. Philostrat. Apoll. VII 8. Itin. Ant. 529, 2. Suid.; Gyara, ae: Plin. IV 69. VIII 104. 222; Gȳǎrae, arum Iuven. I 73. X. 170. Plut. exil. 8. Steph. Byz.), ein kleines (Iuvenal.: breves Gyarae), nur 23 (nach andern 17) qkm großes hafenloses (Ν. Κοτσοβίλλης Νέος λιμενοδείχτης² 10) Eiland in der Mitte der nördlichen Gruppe der Kykladen (Plin. n. h. IV 69: der Sporaden), 14,5 km von der Nordwestspitze Πετρίτης (C. Bursian Geogr. v. Griech, irrig Strimessos) von Syros, jetzt Γιάρος (Járos) und τὰ Γιουρα (Júra) genannt (es gibt aber jetzt ein zweites kleineres Γιούρα, nördlicher zwischen Πιπέρι, Ψαθούρα und Πελαγονήσι gelegen). Der alte Name G. wird von L. Grasberger Ortsnamen 205 mit γύαλον zusammengebracht. Es wäre also etwa an die Ähnlichkeit des Aussehens mit dem einer Harnischhälfte (γύαλον θώρακος. Paus. X 26, 5) zu denken. G. ist rings von Keos, Kythnos, Syros, Tenos und Andros im Abstand von etwa 19 km Radius umgeben. Seine Küstenumrandung ist unregelmäßig, die Südspitze setzt sich in einem kleinen Inselchen (jetzt τὸ Γλαρονήσι = Möweneiland) fort. Die Umrisse von G. haben etwa das Ansehen eines schief aufgerichteten Blockes mit jähem Steilabsturz nach Süden und einer sanfteren Abdachung nach Norden. Der höchste Gipfel erhebt sich zu etwa 300 m. Das Gestein ist graugrüner Glimmerschiefer mit dünnen Lagen von kristallinem Kalk und streicht nach Westnordwesten. Eisenerze sind nicht vorhanden, so daß die Notiz bei Ailian von dem Eisenreichtum der Insel auf einem Irrtum beruhen muß. Die Oberfläche ist felsig, öde und wasserarm, die Küste steil und hafenlos. Nur an der Ostseite sind einige kleine offene Buchten mit Sandstrand, wo Boote landen können; hier gibt es auch leidlich fruchtbare Erde, und Reste von Terrassenmauern zeigen alten Anbau an. In der Nähe liegen unweit einer Quelle und eines alten Molos die dürftigen Ruinen des antiken Fischer- und Purpurmuschelsammlerdorfes, dessen Armut bekannt war. Immerhin wurden zwischen 300 und 200 v. Chr. auf G. autonome Kupfermünzen geprägt (Head-Sworónos Ἱστ. Νομ. I 616. Catalogue of the Brit. Mus., Islands 100). Die Averse zeigen einen turmgekrönten Frauenkopf, die Büste der Artemis oder einen Hirsch, so daß wir auf deren Verehrung zu G. schließen dürfen, die Reverse Perseus oder eine Ähre, so daß doch etwas Ackerbau (auf den noch erhaltenen Terrassen vielleicht auch Weinbau) getrieben worden zu sein scheint. Man erzählte sich, daß die Mäuse einst so überhandgenommen hätten, daß sie Eisen gefressen und die Bewohner genötigt hätten, vor ihnen zu weichen (Plin. n. h. VIII [1956] 104. 222). G. war in der römischen Kaiserzeit ein gefürchteter Verbannungsort für Staatsverbrecher (Iuven. I 73. Tac. ann. IV 30. Plut. exil. 8), da das hafenlose und darum wenig besuchte Eiland die Flucht erschwerte. So wurde z. B. unter Kaiser Tiberius C. Silanus wegen Erpressung und Majestätsverbrechens nach G. verbannt (Tac. ann. III 68). Im Anfang der römischen Kaiserzeit mußten die Bewohner von G. jährlich 150 Drachmen Abgabe zahlen. Sie sendeten 29 v. Chr. an Kaiser Augustus eine Gesandtschaft, die um Ermäßigung bitten sollte, da sie kaum 100 aufbringen könnten (Strab. X 485, der mit einem der Gesandten nach Korinthos fuhr). Bei Reisenden des angehenden Mittelalters zuweilen genannt, Itin. Ant. 529, 2. Fiedler Reise durch Griechenl. II 158ff. L. Roß Inselreisen I 5. II 170f. C. Bursian Geogr. v. Griechenl. II 348ff. 467. A. Philippson Beiträge zur Kenntnis der griechischen Inselwelt 34. British Admiralty Chart nr. 1817. Ν. Κοτσοβίλλης Νέος Λιμενοδείκτης² 10.