RE:Iuvavum

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band X,2 (1919), Sp. 13491355
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Iuvavum, auch Iuvaum, Iuavum, Iuaum geschrieben, ist der von den Römern übernommene keltische Name der heutigen Stadt Salzburg, welchen uns nicht wenige römische Inschriften (öfters in Abkürzungen), außerdem einige geographische und verwandte Schriftstellen (in teilweise verderbten Lesungen), auch Quellen nachrömischer Zeit überliefert haben.

Name

Der Name ist eine keltische Bildung (vgl. Holder a. a. O. I 316 und III 777f. -avo), wohl abgeleitet von dem älteren Flußnamen der heutigen Salzach, Iuvaro, -us (s. den Art. Ivaro). Die volle Namensform Iuvavum ist beglaubigt durch CIL III 5566,[1] auch 5607. 5527. 5536. 5589. 5625;[2] vgl. Itin. Ant. Aug. (dreimal, s. u.) Iovavi, mit der nicht seltenen Schreibung o statt u (wie z. B. in ioventus statt iuventus, CIL XII 2361,[3] vgl. ebd. p. 955). Da aber im Lateinischen von zwei aufeinanderfolgenden V das eine gerne unterdrückt wird (vgl. die inschriftlich belegten Schreibungen iuenis = iuvenis, vius = vivus, aunculus = avunculus usw.), so sind auch die Schreibungen Iuvaum, sowie Ivavum (Iuavum) und Iuaum nachweisbar, nämlich CIL III 5746[4] ab Iuvao. VI 3588[5] Iuvai (Gtv.). 32681[6] Iuvao (Abl.), ebenso bei Eugippius Iuvao (s. u.). Tab. Peut.: Ivavo. CIL III 14994:[7] IVAV = Iuav(o) im Abl., vgl. CIL III 4492,[8] wo statt des überlieferten ..NAVO vielleicht zu lesen ist IVAVO. CIL III 4461[9] Iuao (Abl.). Andere Inschriften kürzen ab, CIL III 5726 und 14214 Iuva.[10] [1350] III 5591[11] Iuv. VI 3884[12] Iua. III 5725[13] Iu. CIL VI 2382[14] a 7 ist IVLO vielleicht verschrieben statt IVAO (Iuao, Heimatangabe im Abl.; Kellermann hatte als Heimat vermutet Iulium Carnicum). Verderbte Überlieferung liegt vor für Plinius d. Ä. und Ptolemaios, s. u. In den letztgenannten beiden Stellen führt die Stadt den Ehrenbeinamen Claudium, der ihr vielleicht auch in den in mangelhafter Lesung überlieferten Inschriften CIL III 5591. 5525[15] beigelegt war (die übrigen hierfür herangezogenen Inschriften bieten eine Tribusbezeichnung, s. u.). Von Eugippius (Vita S. Severini 13, 1; vgl. Mon. Germ. hist., Auct. antiquiss. I 2, Index p. 32) ist statt des Nominativs ein gewissermaßen erstarrter Ortskasus, Iuvao, gebraucht, wie ebd. (15, I) Quintanis u. a.; vgl. die Ortschaftsbezeichnungen der Kursbücher (s. o., Itin. Ant. Aug. und Tab. Peut.), sowie den Art. Remis, u. Bd. I A S. 590, und die Art. Salurnis, Santoni u. a. Abgeleitet ist das Adjektiv Iuvavensis, in Inschriften gebraucht zur Bezeichnung der Einwohner, Iuvarenses (auch Iuvaveses geschrieben), CIL III 5589. 5527,[16] vgl. 5625. 5536;[17] in nachrömischer Zeit in Passio Quirini Tegernseensis (Mon. Germ. hist., Script. rer. Meroving. III 16, 10) Iuvavensis urbs; Vita Hrodberti episcopi Salisburgensis (ebd. VI 160, 1) locum ... Iuvavensem, s. u., und (161, 4) in castro Iuvavensium; Urkunde Karls d. Gr. vom J. 811 (Mon. Germ. hist., Diplom. Karol. I 282, 28. 37 und 283, 1. 8) Iuvavensis ecclesi(a)e; vgl. noch Mon. Germ. hist., Epist. IV 275, 20. 276, 1. V 312, 3. 313, 12. Auch der sonst Salzburggau genannte Bezirk führt nach dem alten Stadtnamen die Bezeichnung pagus Iuvavensis in Breves Notitiae I 3 (Hauthaler Salzburger Urkundenbuch I 1 p. 18); vgl. Notitia (Indiculus) Arnonis, Überschrift (a. a. O. p. 4). Die Bayern gaben dem in der verödeten Gegend (s. u.) wieder erstandenen Ort den deutschen Namen Salzburg, und noch kurz vor Aufhebung des Herzogtums Bayern, infolge der Auflehnung des Herzogs Tassilo gegen Karl d. Gr. im J. 788, wird neben einem castrum superius (heute Hohensalzburg und Nonnberg) und dem unter diesem, an der Salzach gelegenen oppidum auch die curtis publica qui (= quae) dicitur Salzpurc genannt. Schon für frühere, merowingische Zeit ist aber dieser Name nachweisbar nach Mon. Germ. hist., Script. rer. Meroving. VI 23, 13: in ecclesiam Sallzpurgensem (var. Salzburgensem); vgl. ebd. 545, 24: Salisburgensis episcopi. Noch ein dritter Name der Stadt, Petena, ist belegt durch eine Urkunde Karls d. Gr. vom J. 790 (Mon. Germ. hist., Diplom. Karol. I 226 nr. 168): Arno Petenensis urbis episcopus, qu(a)e nunc appellatur Salzburch, und in einem Brief des Papstes Leo III. vom J. 798 (Mon. Germ. hist., Epist. 58f., vgl. Anm. 8): Arnonem ecclesiae Iuvavensium, qu(a)e et Petena (oder Paetena) nuncupatur.

Geschichtliches

Geschichtliches. Unter römischer Herrschaft (nach der Eroberung dieser Gegenden im J. 15 v. Chr.) gehörte I. zur Provinz Noricum; vgl. außer Plinius und Ptolemaios auch CIL VI 3588.[18] Im 1. nachchristlichen Jhdt. wird die Stadt in geographischen Zusammenstellungen aufgeführt von Plin. n. h. III 146: oppida eorum (= Noricorum) Virunum Celeia Teurnia Aguntum Iuvaum (Iuuaum; Hss. iuuam, uiuam, iuam u. a.), omnia Claudia, und Ptol. II 13, 3, unter den Städten der [1351] Provinz Noricum: Κλαυδιούιον, wofür C. Müller Ausg. I 1 p. 287 herzustellen vorschlägt: Κλαύδιον Ἰούαον oder Κλαυδιούαον. Aus beiden Stellen geht hervor, daß der Ort I. durch Kaiser Claudius (41–54 n. Chr.) zum Municipium erhoben wurde und des Kaisers Namen als ehrenden Beinamen erhalten hat; vgl. o. Daher war auch die Stadt der Tribus Claudia zugeteilt, wie die Tribusbezeichnungen der aus I. gebürtigen römischen Bürgersoldaten, CIL III 4461. 14994. VI 2382a (?, s. o.). 3588. 3884. 32681 beweisen (Kubitschek Imperium Rom. tributim discriptum 224). Eine Lagerfestung war aber I. nicht, vielmehr ein bürgerliches Gemeinwesen, welches inschriftlich civit(as) Iuvave(n)s(ium) benannt ist, CIL III 5527; unsicher sind die Deutungen CIL III 5589: c(ivitas) C[l(audia)] Iuv(avum), sowie 5525: c(ivitas) Cl(audia). Die Bezeichnung der Stadt als col(onia) Hadr(iani) ist eine Erfindung des Pighius zu CIL III 5536. Aus den Fundorten von CIL III 5625 (Mondsee, östlich von Salzburg) und 5607 (Schönberg, nördlich von Salzburg), von 5527 (Bischofshofen im Pongau, an der oberen Salzach), auch 5589 (Trostberg, nordwestlich von Salzburg) und 5591 (Titelmoos, nordwestlich von Trostberg), welche Würdenträger der Gemeinde I. (s. u.) nennen, vgl. CIL III 5566 (Fundort: Endorf, zwischen Rosenheim und Seebruck), darf gefolgert werden, daß jene Gegenden noch zum Bereich des Gemeinwesens gehört haben, wenn auch die Grabschriften 5568. 5569. 5583 Beamte der (übrigens viel weiter abgelegenen) Gemeinwesen Teurnia und Aguontum in Noricum nennen. In diesem Falle müßte auch die zwischen I. und Pons Aeni (am Inn, nördlich Rosenheim) an der Heerstraße gelegene Ortschaft Bedaium (CIL III 2 p. 672. Suppl. p. 1839. 2328⁴⁹. Holder a. a. O. I 365; vgl. o. Bd. III S. 183) zum Gemeinwesen I. gerechnet werden. Zweifelhaft ist CIL III 5525 (s. o.; Fundort: Schladming an der oberen Enns). Auszuschließen sind jedoch Fundorte jenseits (links) vom Inn, wie CIL III 5562–5564. 5577–5579. 5613–5618. 11776, da sie zur Provinz Raetia gehören. Unzweideutige Anhaltspunkte für die Zugehörigkeit zum Gemeindegebiet bieten die Meilensteine, welche von I. ab rechnen, nämlich an der Straße I.-Ovilava (Salzburg-Wels) CIL III 5746 aus dem J. 201 n. Chr., gefunden zu Mösendorf, und an der die Salzach aufwärts führenden Straße CIL III 5725. 5726 aus der Zeit um 325 n. Chr., gefunden bei Jardorf und Oberalm. Diese Zählung der Meilensteine beweist auch, daß I. ein Mittelpunkt des Verkehrs gewesen ist.

Daß I. Straßenknotenpunkt war, bezeugt Tab. Peut. (ed. Desjardins III B/C, ed. Miller IV 4), denn diese kennzeichnet die Stadt durch ein längliches Häuschen mit schrägem Dach (Tempel: Miller Text 93), von welchem drei Straßen auslaufen, nämlich eine über Artobriga, Bedaium, Ad (A)enum (= Ad Pontem Aeni oder kurz Pons Aeni) usw. nach Augusta Vindelicorum (= Augsburg), vgl. CIL III 2 p. 672. 701; die zweite über Tarnanto, Laciacum (Laciacis) nach Ouilia, d. i. Ovilava (heute Wels), vgl. a. a. O. p. 677. 681. 700; die dritte Straße nach Virunum (nördlich Klagenfurt), welche größerenteils mit der durch Meilensteine bezeugten Heerstraße nach Teurnia zusammenfällt, vgl. a. a. O. p. 622. 694–697 (die Meilensteine CIL III 5725. 5726 rechnen von I., andere von [1352] Teurnia). Dagegen ist im Itin. Ant. Aug. I. nur aufgeführt als einfacher Rastort an durchgehenden Reisewegen, und zwar dreimal, 235, 4. 256, 7. 258, 6, zwischen Ovilava, Laciacum einerseits und Bedaium, Pons Aeni anderseits.

Die Inschriften in CIL III lehren uns auch Würdenträger der Gemeinde (civitas, s. o.) kennen. Allerdings ist von diesen Steinurkunden, mit Ausnahme von 5551, keine in Salzburg selbst gefunden, sie stammen vielmehr aus Fundorten in der Nachbarschaft, welche wir im vorhergehenden als zum Gemeindegebiet gehörig bezeichnet haben. Da aber mehrere dieser Inschriften (5527. 5589. 5591. 5607. 5625) ausdrücklich I. als Stätte der ehrenamtlichen Tätigkeit angeben, so dürfen wir für die andern die nämliche annehmen. An der Spitze des Gemeinwesens standen duoviri (in 5625 ist hinzugefügt i. d. = iuri dicundo oder, wie in 5589 ausgeschrieben ist, iuris dicundi). Mehrere dieser Beamten werden auch als Mitglieder des Gemeinderats, decuriones, bezeichnet. Die Weihinschriften 5572 vom J. 237, 11777 vom J. 209? und 11778 vom J. 225? sind von beiden IIviri, 5581 vom J. 219 von einem IIvir dem Orts- oder Landesgott Bedaius, dreimal in Gemeinschaft mit den ebenfalls einheimischen Alounae (in 11778 Alon. geschrieben) gestiftet; vgl. u. Weihung beider Duoviri vom J. 229 liegt auch vor in 5587 (5578 vom J. 204 ist auszuschalten, s. o.); vgl. noch 11780 vom J. 152. Die Grabschrift 5589 war einem decurio Iuvavensium IIvir iuris dicundi gesetzt, und auch 5607 war für einen de[c]urio [Iu]vavo IIvir bestimmt. Die Grabschrift 5597 hat ein dec(urio) [et] IIvir mit seiner Frau dem Sohn gesetzt, und 5625 war die Inschrift einer Grabstätte, welche ein dec(urio) Iuvave(nsium) II(vir) i. d. bei Lebzeiten für sich und seine Frau hatte herrichten lassen. Nach dem Beschluß des Gemeinderats, d(ecreto) d(ecurionum), falls diese Deutung zutrifft, hatten um das J. 200 für die Gesundheit des Kaisers Septimius Severus und seines Sohnes und Mitregenten, des Caracalla, die Iuvav(enses) gestiftet die Inschrift 5536 (Bruchstück einer dieselben Herrscher ehrenden Inschrift: 11762). 5591 war die Inschrift der Familiengrabstätte eines Mitgliedes des Gemeinderats und gewesenen Aedilis (vgl. o. Bd. I S. 458ff.), dec(urio a)edil(icius) c(ivitatis?) C[l(audiae)??] Iuv(avi) oder vielmehr dec. (a)edil[i]c(ius) ci[v(itatis)?] Iuv(avensium). (Die Deutung von DCCL in 5525 ist fraglich; s. o.). 5527 ist die Inschrift eines Grabmales der Familie eines (a)edi[lici]us civit(atis) Iuvave(n)s(ium). Alle Ehrenämter hatte in seiner Vaterstadt bekleidet ein Mann nach dem Zeugnis eines in Salzburg gefundenen Bruchstückes seiner Grabschrift, 5551: ... [omnib(us) honor]ib(us) in patria [per]functo. Auch in der Grabschrift 5566 war wohl vor Iuvavo eine Amtswürde genannt (vgl. 5607).

Aus den Weihinschriften, von welchen mehrere dem Hercules Aug(ustus) oder Aug(usti) n(ostri) gelten, 5530. 5531. 11754 (= 5526), andere der Victoria Aug(usta), 11760 (über 5565 s. u.), oder den Nymphen, 5602, oder dem Asclepius Aug(ustus), 11758, oder dem D(eus) I(nvictus) M(ithra), 11774 (= 5592), auch 5620, seien noch folgende besonders hervorgehoben. 5533 lautet: Mercurio aedem fecit et signum posuit usw. I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et om(nibus) dibus (= dis) hat ein b(eneficiarius) [1353] proc(uratoris) Aug(usti), also ein für Zwecke der Staatspost nach dem Straßenknotenpunkt I. kommandierter gehobener Soldat (ein ,Gefreiter‘) einen Altar geweiht, 11759 (vgl. v. Domaszewski Westd. Ztschr. XXI 165). Am Fuß der Tauren (bei Radstadt) hatte I(ovi) O(ptimo) M(aximo) et viis semitibusque pro salute sua Q. Sabinius Asclepiades ein Gelübde vollzogen, 5524. Im J. 311 oder später hat der damalige militärische Oberbefehlshaber der Provinz (dux, s. o. Bd. V S. 1869ff.) aus Anlaß eines am 27. Juni 310 erfochtenen Sieges der Victoria Augusta einen Tempel erbauen lassen im heutigen Ort Prutting (nordöstlich von Rosenheim, wohl auf der Walstatt), wie die Inschrift, 5565, eines daselbst noch erhaltenen großen Altars bezeugt. Eine im Anfang des 16. Jhdts. noch in einer Vorstadtkirche von Salzburg aufgestellte, jetzt im Museum zu München aufbewahrte Steininschrift, 5532, besagt: I(ovi) O(ptimo) M(aximo) Venustinus summ(arum) signum I(ovis) Arub(iani) cultorib(us) cum base d(ono) d(edit); also hatte ein bei der Gemeindekasse von I. beschäftigter Sklave (vgl. CIL III 3921. V 83. IX 5177) der Kultgenossenschaft (über cultores vgl. Breccia in Ruggieros Dizionario epigrafico II 1295–1317) einer mit dem römischen Iuppiter gleichgestellten Landesgottheit ein Bild mit Sockel geschenkt. Dieser Iuppiter Arubianus (vgl. o. Bd. II S. 1486f.) ist auch aus anderen Weihinschriften in Noricum, meist von beneficiarii (vgl. v. Domaszewski a. a. O. 209), bekannt, CIL III 5185 (Cilli = Celeia), 5443 (Reun oder Rein bei Graz in Steiermark), nebst zwei Inschriften aus dem zu I. gehörigen Landstrich westlich von Salzburg (s. o.), nämlich 5575 aus dem J. 226, gefunden zu Stöttham am Chiemsee (nordwestlich Traunstein), und 5580 aus dem J. 219, gefunden zu Pittenhart bei Seeon. Beide sind von einem beneficiarius geweiht I(ovi) O(ptimo) M(aximo) Arubiano (5575 kürzt ab Arub.) et Bedaio sancto (so 5580; 5575 sancto Bed.). Hier ist also der Gott verbunden mit einer anderen örtlichen Gottheit, welcher die Ortschaft Bedaium (s. o.) ihren Namen verdankt und der öfter die ebenfalls einheimischen Alounae beigesellt sind (vgl. o. und Bd. I S. 1599. Bd. III S. 183), 5572 vom J. 237. 5581 vom J. 219. 11777 vom J. 209 (?). 11778 vom J. 225 (?). 11779 vom J. 241. Gleich anderen heimischen Gottheiten (s. o. Bd. VI S. 235) haben auch Bedaius (5572. 5581. 11777. 11778) und die Alounae (11779) die Bezeichnung Aug(ustus, -ae) erhalten; in 5575 ist der Weihung voraufgeschickt die Formel: I(n) h(onorem) d(omus) d(ivinae), die seit rund 150 n. Chr. gebräuchlich wird, aber auf einen Teil des nordwestlichen Römerreiches beschränkt ist. Auch das in Landschaften keltisch-römischer Gesittung weiter verbreitete Götterpaar Apollo Grannus und Sirona ist für die Gegend von I. nachweisbar, 5588 mit bildlichen Darstellungen.

Gleich diesen keltisch benannten Gottheiten kommen Personennamen keltischen Ursprungs in den Inschriften vor, so aus Salzburg selbst: 5533 (Weihung an Mercurius, den mit römischem Namen benannten keltischen Gott der Götter). 5542. 5550. 5552 u. a., vgl. den Beinamen Noricus 5548, aus dem vermutlichen Gemeindegebiet von I.: 5522. 5523. 5567. 5570. 5572. 5585. 5589 u. a., vgl. den Namen Alpinus 5528. Doch sind auch Grab- und Weihinschriften [1354] römischer Soldaten aus Stadt und Land bekannt, obschon I., wie gesagt, keine Lagerfestung war, so 5538, Grabschrift eines aus Saena in Italien (heute Siena, s. CIL XI 1 p. 332f.) stammenden Prätorianers, und 5539, Grabschrift für die Familie eines Centurio der Cohors (I?) Asturum (vgl. o. Bd. IV S. 246); auch 5595. 5596, vgl. 5582 (auszuschließen sind die aus Raetia, nicht Noricum, stammenden Inschriften [s. o.] 5577. 5579. 5613. 5614). In 5595f. (Fundort bei Laufen) sind die betreffenden Soldaten ausdrücklich als Veterani bezeichnet, beide ehemalige Prätorianer, die sich also an einem Ort ihrer Wahl, vermutlich in ihrer Heimat, zur Ruhe gesetzt hatten (5596 bietet keltische, romanisierte Namen). Daß Leute aus I. im römischen Heere gedient haben, lehren uns andere Inschriften, so die Grabschrift eines ehemaligen Legionssoldaten in der bürgerlichen Niederlassung (heute Petronell) bei der großen Lagerfestung Carnuntum an der Donau, in der Provinz Pannonia superior, CIL III 4461: L. Barb[ius L. f.] Cla(udia tribu) Con[stitu]tus Iuao [vet(eranus) leg(ionis)] XV Ap(ollinaris) usw.; vgl., ebd. gefunden, 4492 (s. o.); zu Burnum (südwestlich von der heutigen Stadt Knin) in der Provinz Dalmatia, CIL III 14994: [?] Caesius [?f.] Cla(udia) Secu[ndu]s Iuav(o) mil(es) [leg(ionis) ...; im Municipium Tropaeum (Adam-Klissi) das Denkmal für die unter Kaiser Traianus im Dakischen Krieg gefallenen Soldaten, CIL III 14214 (Suppl. p. 2316 ⁴⁹·⁵⁰), welches auch nennt: L. Valerius Lunaris Iuva(vo); schließlich in der Reichshauptstadt Rom, CIL VI 3588, Grabschrift des L. Cuspius L. f. Cla(udia) Iuvai Lautus Norico mil(es) coh(ortis) I Asturum; VI (4, 2) 32681, Grabschrift des Cottionius Rusticus Claudia Iuvao mil(es) coh(ortis) V pr(aetoriae), sowie die Weihungen beigegeben gewesenen Verzeichnisse entlassener Soldaten, und zwar von Prätorianern, die 171 n. Chr. ins Heer eingetreten waren, CIL VI 2382a, 7: M. Valerius M. f. Cla(udia) Sabinianus IVLO, falls die Berichtigung Iuao (s. o.) zutrifft, und von Soldaten der Cohortes urbanae, welche 198 n. Chr. eingetreten waren, ebd. 3884, 5, 11: M. Aemilius M. f. Cl(audia) Felicianus Iua(vo). Unberechtigt ist es, Not. dign. occ. XXXIV 40, wo Ad Iuvense oder, wie Seeck schreibt, Adiuvense als Standort eines Truppenbefehlshabers in Noricum ripense für die Spätzeit genannt ist, auf I. zu beziehen. Die Inschriften von Männern bürgerlichen Standes, welche I. als Heimat nennen (s. o.), stammen aus dem Gemeindegebiet. Fremde orientalischer Herkunft, nachweislich oder vermutlich Sklaven und Freigelassene, verraten sich durch ihre griechischen Namen. In 11767 tragen Sklaven lateinische Namen, Peregrinus, Sohn von Speratus und Peregrina. Einen vilicus nennt die Grabschrift 5540.

Von den Salzburger Inschriften sei endlich noch erwähnt die eines Mosaikfußbodens in einem Wohnhaus, 5561: hic habitat [Felicitas], nihil intret mali (vgl. die Wandkritzelei in Pompeii CIL IV 1454). Daß der Boden von I. außer inschriftlichen Denksteinen auch sonstige Altertümer römischer Zeit in Fülle geliefert hat, sei der Vollständigkeit halber betont. Zusammengestellt sind die römischen Inschriften von Salzburg (mit Ausschluß der Meilensteine und des sog. Instrumentum) im CIL III 5530–5561. Suppl. 11755–11769. 14368²⁸. 15207, und des vermutlichen Gemeindegebietes (vgl. o.), [1355] 5522ff. 5565ff. 5604ff. Suppl. 11754. 11771ff. 14 368²⁷·²⁹f·

Frühchristliche Inschriften sind in dieser Sammlung nicht vertreten. Daß solche bis jetzt in Salzburg und Umgebung noch nicht bekannt geworden sind, ist Zufall. Denn durch Eugippius (um 511 n. Chr.) wissen wir, daß in der zweiten Hälfte des 5. Jhdts. bei der Stadt I. eine christliche Kirche bestand (die frühchristlichen Kirchen lagen regelmäßig nicht in, sondern vor der Stadt, so zu Trier, Metz usw.), vita S. Severini 13, 1: item iuxta oppidum, quod Iuvao appellatur, cum quadam die intrantes basilicam usw. (es folgt eine Wundererzählung; das folgende Wunder hat sich ebenfalls zu I. ereignet, 14, 1 eiusdem loci); Severinus war gestorben im J. 482 n. Chr.

Um das J. 700 war die Gegend verödet, bis Bischof Rupert (Hrodbertus) daselbst ein Kloster begründete, wie die Lebensbeschreibung dieses Bischofs bezeugt, Mon. Germ. hist., Script. rer. Meroving. VI 160: ... aliquem esse locum iuxta fluvium Ivarum (= heute Salzach, s. den Art. Ivaro, Iuaro, -us), antiquo vocabulo Iuvavensem vocatum, quo tempore Romanorum pulchra fuissent habitacula constructa, quae tunc temporis omnia dilapsa et silvis fuerant oblecta.

Aus diesem Kloster entwickelte sich die Ortschaft und Stadt, welche Salzburg genannt wurde (s. o.) und noch so heißt.

Literatur

Literatur. CIL III 2 p. 667ff. 666. 677 (Add. p. 1048), Suppl. p. 1838f. 2199. 2328⁴⁹· ²⁰⁰, Index p. 2536. 2670. Suppl. Tab. VIII. De-Vit Onomasticon III 747. Holder Altcelt. Sprachschatz II 96–97. Levison Mon. Germ. hist., Script. rer. Meroving. VI 140. Kiepert FOA XXIII Ci. Über Altertumsfunde in Salzburg und Umgebung vgl. z. B. Arneth Archäolog. Analekten Taf. V (Mosaikboden mit mytholog. Bildern, jetzt in Wien, vgl. Archäol. Anz. 1892, 174). Archäol. Anz. 1907, 213. Petter Mitt. d. k. k. Zentralkommission V (1906) 17ff.: Mosaiken. Klose Jahrb. f. Altkde. (Wien) III 1909. IV 1910 und Mitt. d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 1910 (vgl. Bericht d. Röm.-germ Kommission des K. Archäol. Inst. VI 87).

Nachtrag

Nachtrag. Nach einer Zuschrift von Reinecke ist Prutting nicht Fundort des Steindenkmals CIL III 5565, vielmehr scheine dieser Altar, der in einer Kirche bei Prutting (im J. 1848) zum Vorschein gekommen sein soll, im Mittelalter aus dem Bereich von Pons Aeni, welche Ortschaft in spätrömischer Zeit Garnison gehabt habe, verschleppt. Diese Annahme sei mit Rücksicht auf die starke mittelalterliche Verschleppung römischer Steine in Südbayern unbedenklich. Demnach würde dieses inschriftliche Denkmal aus Raetia stammen, denn Pons Aeni lag am linken Ufer des Inn, vgl. Kieperts Karte in CIL III Suppl. Tab. VIII Fl, nicht auf dem rechten Ufer, in Noricum, wo es gewöhnlich, auch von Kiepert FOA XXIII Ch, angesetzt wird. Daß in Pons Aeni in der Spätzeit, dem Dux Raetiae unterstellt, Garnison lag, lehrt Not. dign. occ. 35, 15.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5566
  2. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5607; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5527; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5536; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5589; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5625
  3. Corpus Inscriptionum Latinarum XII, 2361
  4. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5746
  5. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 3588
  6. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 32681
  7. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 14994
  8. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 4492
  9. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 4461
  10. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5726; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 14214
  11. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5591
  12. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 3884
  13. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5725
  14. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 2382
  15. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5591; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5525
  16. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5589; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5527
  17. Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5625; Corpus Inscriptionum Latinarum III, 5536
  18. Corpus Inscriptionum Latinarum VI, 3588