ADB:Horner, Johann Kaspar

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Artikel „Horner, Joh. Caspar“ von Georg von Wyß in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 151–156, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Horner,_Johann_Kaspar&oldid=- (Version vom 17. Juni 2019, 13:48 Uhr UTC)
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Horner: Dr. Joh. Caspar H.; Physiker und Astronom in Zürich, kaiserl. russischer Hofrath; geb. 12. (nicht 21.) März 1774; † am 3. Nov. 1834. – [152] H., der Sohn des Bäckers J. C. H. in Zürich, von seinen Eltern zum geistlichen Stande bestimmt und für denselben am Carolinum, der höhern Lehranstalt in Zürich ausgebildet, wurde Ende 1795 ordinirt und trat hierauf bei einem Oheim, Pfarrer in Neunforn im Kanton Thurgau, als Vikar ein. Durch innere Neigung schon im Knabenalter zu Beschäftigung mit mancherlei Handarbeiten und mechanischen Aufgaben, später zu Erwerbung mathematischer und physikalischer Kenntnisse geführt, hatte er neben den mit Auszeichnung betriebenen Berufsstudien stets mit Vorliebe die Naturwissenschaften, insbesondere die Astronomie und Physik verfolgt und sich in astronomischen Beobachtungen geübt. In brieflicher Verbindung mit einem älteren Freunde, Ingenieur Feer in Zürich, stehend, setzte er in Neunforn mit Hülfe von Feer erhaltener Instrumente seine Beobachtungen fort und half bei den astronomischen Bestimmungen für die Karte des sanctgallischen Rheinthals mit, welche Feer aufnahm. Während er mit seltener Gewissenhaftigkeit und Treue seinen Amtspflichten oblag, beseelte ihn doch stets der Wunsch, sich seinen Lieblingsfächern ganz hingeben zu können, und als es ihm nach einem Besuche in Zürich, wo er auch mit Tralles bekannt wurde, gelang, die Einwilligung seiner Eltern und Gönner zu seinem Vorhaben zu erhalten, bezog er im Herbste 1796 die Universität Göttingen, wo er, von Lavater u. A. empfohlen, bei Blumenbach, Kästner und Lichtenberg beste Aufnahme und reiche Förderung fand und unter Seiffert’s Leitung an den Arbeiten auf der Sternwarte täglichen Antheil nahm. Im März 1798, zur Zeit der französischen Invasion in der Schweiz stand H. im Begriffe heimzukehren, um unter so kritischen Umständen an der Seite der Seinigen, oder wenigstens nach Tübingen überzusiedeln, um ihnen näher zu sein, als ihn unerwartet ein für seine Zukunft entscheidender Ruf traf. Zach auf dem Seeberg bei Gotha hatte Blumenbach gebeten, ihm einen seiner Schüler zum Gehülfen auszuwählen; Blumenbach schlug H. vor, dessen Tüchtigkeit er kannte und hochschätzte, und mit seinen warmen Empfehlungen versehen stellte H. sich Zach auf dem Seeberge vor und wurde sofort als Adjunkt angenommen. Bald sah er sich in den angenehmsten Verhältnissen. Zach, der großen Gefallen an Horner’s Kenntnissen, praktischem Geschick und Zuverlässigkeit fand, beschäftigte ihn als Beobachter und Rechner, übertrug ihm die Redaktion seiner astronomischen Ephemeriden, sowie das Sekretariat bei dem astronomischen Kongresse auf dem Seeberg im August 1798, wobei H. auch Lalande[WS 1] sah und dessen Lob erwarb, und nahm sich in jeder Rücksicht der Ausbildung und weitern Zukunft seines Gehülfen an. Auf Zach’s Aufforderung schrieb H. eine Abhandlung: „Ueber die Zeitbestimmung aus zwei gleichen Sternhöhen, wofür ihm die Universität Göttingen den Doctortitel ertheilte, und übernahm dann, ebenfalls auf Rath seines Gönners, obwol ungern von diesem sich trennend, als selbständige Arbeit eine von der Hamburger Commerzdeputation zu Bewerbung ausgeschriebene Vermessung der Mündungen der Elbe, Weser und Eider. Mit großer Beharrlichkeit, keine Anstrengungen und Mühsale scheuend, führte H. dies Unternehmen, vielfacher Hemmnisse ungeachtet, 1799 und 1800 durch, beschäftigte sich dann in Hamburg mit praktischen Arbeiten für Verfertigung von Instrumenten bei seinem Freunde Repsold, verkehrte mit Benzenberg, besuchte 1801 Olbers in Bremen, bereiste im Auftrage der Hamburger Obrigkeit 1802 in Begleitung des Lootsenkommandeurs in Cuxhaven die englischen Küsten, um das Leuchtthurmwesen daselbst zu studiren, konnte aber lange nicht zu einem festen Entschlusse bleibender Berufswahl gelangen. Stellen an den Sternwarten in St. Petersburg und Dorpat, die ihm Zach antrug, auch die in Hamburg ihm angebotene Stelle eines Fortifikationsmajors lehnte er ab; in der Heimath glaubte er einen befriedigenden Wirkungskreis nicht finden zu können; zuletzt bat er Zach im August 1803, ihm die von [153] der cisalpinischen Republik errichtete Stelle eines Astronomen in Bologna zu verschaffen. Als Zach dies mit einigen scharfen Worten ablehnte, obwohl er H. sein Wohlwollen gar nicht entzogen hatte, erklärte sich H. bereit, jedem Rathe seines Gönners Gehör zu geben, und nun brachte ihn Zach bei der kaiserlich russischen Regierung als Astronomen für die projektirte Expedition von Krusenstern in Vorschlag, sorgte für die ehrenvollsten und vortheilhaftesten Bedingungen bei dieser Anstellung und H. entschloß sich, diesem Rufe zu folgen. Am 3. August 1803 traf er in Kopenhagen ein, wo er die Expedition zu erwarten hatte, und als die beiden Schiffe derselben, die Nadeshda unter Krusenstern’s eigenem Befehl und die Newa unter Kapitän Lisimskoy, am 17. August erschienen waren, ging H. am 5. September an Bord von Krusenstern’s Fregatte, von seinem Chef, zu dem er vom ersten Augenblick an unbegrenzte Zuneigung gefaßt, mit Wohlwollen und vollstem Vertrauen aufgenommen. In den angenehmsten Verhältnissen zu Krusenstern, zu den Naturforschern Langsdorf und Tilesius, seinen Kollegen, zu den Offizieren und der gesammten Mannschaft beider Schiffe, machte H., von der Seekrankheit wenig gehemmt, die drei Jahre dauernde Reise um die Welt mit, nach welcher die Expedition am 19. August 1806, wohlbehalten wieder in Kronstadt einlief. Horner’s unermüdliche Pflichterfüllung während der ganzen Reise, seine Energie und Umsicht, seine reichen Kenntnisse und sein einfaches, schlichtes Wesen hatten ihm die hohe Achtung seiner Reisegefährten und die wärmste bleibende Zuneigung Krusenstern’s erworben und er erhielt nun auch an den Auszeichnungen Antheil, welche die Reisenden empfingen. Zum kaiserlichen Hofrathe und zum Adjuncten der Akademie der Wissenschaften ernannt, brachte er bald in Petersburg, bald auf Krusenstern’s Landsitz bei Reval, zwei Jahre theils mit Ausarbeitung seiner Notizen und Beobachtungen für Krusenstern’s Reisewerk, theils mit astronomischen Arbeiten, wie z. B. Beobachtung des Kometen von 1807 zur Seite von Schubert, theils mit Entwerfung von Plänen für eine neue Reise zu, welche der Revision des südlichen Sternenhimmels in Buenos-Ayres oder am Aequator und dem Unterrichte von Seeofficieren in der nautischen Astronomie gelten sollte; auch erhielt er von der Admiralität den ihn anziehenden Vorschlag die Stelle eines Astronomen der russischen Flotte zu übernehmen. Allein dringende Wünsche seiner Mutter, Verwandten und Freunde in Zürich und insbesondere die Schwierigkeiten, welche der russisch-französische Krieg und dessen Folgen auch nach dem Friedensschlusse von Tilsit neuen wissenschaftlichen Unternehmungen von Bedeutung in den Weg legten, bewogen H. schließlich, im Frühjahr 1808 dem Rufe in die Heimath zu folgen. Er reichte sein Entlassungsgesuch aus russischen Diensten ein, verließ St. Petersburg am 1. November 1808 und kehrte über Königsberg, Berlin und Hamburg, wo er Repsold’s Sternwarte sah, nach Hause. Im August 1809 traf er, nach dreizehnjähriger Abwesenheit, wieder in Zürich ein, dem er fortan angehörte, sein Leben zwischen einer reichen wissenschaftlichen Thätigkeit und den Diensten theilend, die er nun in verschiedenen Stellungen dem Vaterlande widmete. In steter Verbindung mit seinen bisherigen Freunden und Gelehrten im In- und Auslande setzte er zunächst seine Lieblingsstudien fort. In besondern Schriften, in Zach’s „Correspondance astronomique“, Quetelet’s[WS 2] „Correspondance mathématique“ in den astronomischen Nachrichten von Schumacher und andern Fach-Zeitschriften veröffentlichte H. Arbeiten von bleibendem Werthe über theoretische und praktische Gegenstände aus dem Gebiete der von ihm gepflegten Wissenschaften und übernahm auch 1823 in Gemeinschaft mit Muncke eine neue Bearbeitung des Gehler’schen physikalischen Wörterbuches. Aus seinen Studien gingen „Abhandlungen über die Curven zweiten Grades“ (1820) und die „Fünf regelmäßigen Körper“ (1831) hervor; ferner: Horner’s schon 1813 begonnene, [154] in Beobachtungen in Zürich und auf Reisen in der Schweiz und in Italien fortgesetzten meteorologisch-hypsometrischen Untersuchungen, deren Ergebnisse seine vielgebrauchten „Tables hypsométriques“ (Zürich 1827) zusammenfaßten; Horner’s Uebersetzung von Well’s[WS 3] Essay on dew (Zürich 1821); zahlreiche treffliche Artikel in Muncke-Gehler (1823–1834; zusammen ungefähr 54 Druckbogen); insbesondere aber sehr verdienstliche Arbeiten zur nautischen Astronomie. 1815 hatte H., auf Ansuchen von St. Petersburg aus, eine Instruktion für die Reise von Otto von Kotzebue geschrieben, deren Vollständigkeit und Klarheit ihm Krusenstern’s u. A. großes Lob erwarb; 1819 regte ihn das Erscheinen von Zach’s Correspondance wieder zur Behandlung astronomisch-nautischer Fragen an. Er sandte an Zach eine Abhandlung über Douwe’s Methode aus zwei Höhen eines Sterns Zeit und Polhöhe zu bestimmen (1820), einen Beitrag und Tafeln zu Littrow’s Verfahren der Bestimmung der Breite aus einer Höhe des Polarsterns (1821), eine mit Tafeln begleitete Arbeit über die Reduktion der Monddistanzen zu Bestimmung der Meereslängen (1822). Gleich nachher benutzte er einen dreimonatlichen Aufenthalt bei Zach in Genua im Herbste 1822 dazu, seine Methode für Reduktion der Monddistanzen noch bequemer zu machen, und veröffentlichte gleichzeitig in französischer und in englischer Sprache eine neue Abhandlung über diesen Gegenstand (Gênes; Genoa; 1822 8°), welche bald auch ins Spanische und ins Russische übertragen wurde. Denn Horner’s Methode, deren Prinzip er sich schon 1803 ausgedacht hatte und zu welcher er 1825 noch einige ergänzende Bemerkungen und Tafeln lieferte, fand bei den Seefahrern und Astronomen allgemeinen Beifall und machte seinen Namen in allen Marinen bekannt. Zu eigenen Arbeiten in praktischer Astronomie konnte H. in Zürich nur in beschränktem Maße gelangen, da die hierfür nöthigen Einrichtungen für den Privatmann zu kostspielig sind und von Staatswegen für solche Zwecke nur Ungenügendes geschah. Doch machte H. mit eigenen Instrumenten wenigstens zuweilen Beobachtungen, pflegte aber auch jetzt die früher in Hamburg geübte Liebhaberei für Verfertigung von physikalischen und mathematischen Apparaten und fand in dem Mechaniker Joh. Georg Oeri in Zürich (geb. 1780, † am 26. Mai 1852) einen Gehülfen, der mit großem Geschick auf seine Ideen einging. Aus ihrem Zusammenwirken gingen eine Anzahl sinnreicher Konstruktionen, wie z. B. ein Reisebarometer, ein Pyrometer mit Fühlhebel, ein Deklinatorium u. s. f., insbesondere auch Boussolen (1821) hervor, die den besten englischen gleichkamen. So vielseitig für die Wissenschaft thätig, wirkte H. gleichzeitig aufs Verdienstlichste für seine Heimath, indem er daselbst die Interessen der erstern mit Nachdruck vertrat. Schon 1809 zum Professor der Mathematik an dem sogenannten Collegium humanitatis, der Vorbereitungsanstalt für das Carolinum ernannt, später auch an Letzterem selbst mit mathematischem Unterricht betraut, widmete er sich diesem Lehramte bis 1829, belebte die naturforschende Gesellschaft in Zürich, erst als Mitglied, seit 1831 als ihr Vorstand, durch zahlreiche Vorträge voll Klarheit und Gründlichkeit, bemühte sich auch in weitern Kreisen Erkenntniß der Natur zu fördern, wie er z. B. 1816 ein treffliches Schriftchen: „Bemerkungen über die Blitzableiter, ihren Nutzen und ihren Schaden“ veröffentlichte, war Mitglied und zuweilen Vorstand der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft (auch der zürcherschen Künstlergesellschaft), nahm insbesondere auch regen und einflußreichen Antheil an den beiden praktischen Aufgaben der Einführung eines allgemeinen schweizerischen Maßes und Gewichtes und der Vollendung der Triangulation der Schweiz. Schon 1813 veröffentlichte er einen Vortrag: Ueber Maße und Gewichte und ihre Verbesserung, der Aufsehen machte. H. empfahl darin als Grundlage das metrische System und als Normalmaße einen Schweizerfuß von 3 Decimeter [155] und ein Pfund von 500 Gramm. 1828 nahm er in Bern an amtlichen Conferenzen theil, welche die längst besprochene Aufgabe fördern sollten, aber noch erfolglos blieben, wiederholte 1833 seine Vorschläge in einer neuen den Behörden eingereichten Denkschrift und wurde durch diese beharrlichen Bemühungen – obwol er deren Frucht nicht mehr erlebte – zum wesentlichen Urheber des Konkordates von 1835, in welchem eine Anzahl von Kantonen sich zu Verwirklichung jener Vorschläge verbanden und aus welchem 1851 das die ganze Schweiz umfassende damit übereinstimmende Bundesgesetz hervorging. Für die Vollendung der schweizerischen Triangulation, die am Ende des achtzehnten Jahrhunderts durch Feer in Zürich, Tralles und Haßler in Bern begonnen, dann von Verschiedenen fortgesetzt, nach längerem Unterbruche vom schweizerischen Generalquartiermeisteramt im Jahr 1809 wiederaufgenommen worden, aber wieder stehen geblieben war, eröffnete die schweizerische Militäraufsichtsbehörde im Jahr 1832 und 1833 Commissionalverhandlungen, bei welchen H. in erster Linie beigezogen und von gewichtigster Stimme war. Nach den gefaßten Beschlüssen übernahm er die Konstruktion des für die Basismessung anzufertigenden Apparates, führte diese Aufgabe in Verbindung mit Oeri aufs Glücklichste durch, wohnte auch noch, trotz schon wankender Gesundheit, den im Frühjahr 1834 bei Zürich stattfindenden Probearbeiten mit dem erstellten Apparate bei, konnte aber die eigentliche Basismessung bei Aarberg im Herbste 1834 nur noch vom Krankenlager aus verfolgen und sah ihren Abschluß nicht mehr. – Unter allen diesen Arbeiten war H. übrigens stets auch anderweitig von seinen Mitbürgern aufs Vielfachste in Anspruch genommen. Schon 1814 hatten sie ihn, in ehrenvollster Weise, zum Mitgliede des zürcherischen großen Rathes, der gesetzgebenden Behörde, berufen; 1816 wählte ihn dieselbe zum Mitgliede des Erziehungsrathes, der obersten Schulbehörde, 1829 zum Mitgliede des Kleinen Rathes, der eigentlichen Regierung des Kantons. In allen diesen Stellungen bewährten sich seine gründliche Einsicht, die Unabhängigkeit, Lauterkeit und Einfachheit seines Charakters und erwarben ihm die allgemeinste Hochachtung. Im Erziehungsrathe betheiligte sich an allen Bestrebungen zu Verbesserung des Schulwesens und vertrat insbesondere die Erweiterung des Unterrichtes in den mathematischen und naturwissenschaftlichen Fächern. Auch für das 1826 durch eine Privatgesellschaft gegründete „Technische Institut“ interessirte er sich thätig. Bei der politischen Umgestaltung des Kantons im Jahr 1830 seiner Stelle in der Regierung ohne Mißstimmung verlustig, sah er sich gerne dem Privatstande wiedergegeben, wurde aber von den neuen Landesbehörden sofort wieder zum Mitgliede des Erziehungsrathes gewählt, und war bei der eintretenden neuen Gestaltung des Unterrichtswesens, der Errichtung der Hochschule (1833) und bei der ersten Besetzung der Lehrstühle für die ihm naheliegenden Fächer vorzüglich thätig. Selbst eine Professur anzunehmen ließ er sich nicht bewegen. Eine Abtheilung der neuen Kantonsschule, dir Industrieschule, eröffnete er mit einer (1833 gedruckten) Rede, die ebenso gehaltvolle Schilderung der Aufgabe der mathematischen Wissenschaften, als ein schönes Zeugniß von Horner’s edlem Gemüthe enthält. Aehnlich hatte er 1831 in der zürcherischen naturforschenden Gesellschaft in einer Gedächtnißrede auf seinen Amtsvorgänger im Vorstande, Usteri, gesprochen. Nur zu bald nach den berührten Ereignissen schloß indessen seine Laufbahn. Seine durch Nachwirkung der einst getragenen Strapazen allmälig sinkenden Kräfte erlagen schmerzhafter Krankheit, die ihn im Oktober 1834 befiel und am 3. November seinem Leben ein Ziel setzte.

Ein älterer Bruder von H., Johann Jakob H. (geb. 22. März 1772, nicht 1773; † am 13. Juni 1831), war als gründlicher Kenner der Kunstgeschichte und der Litteratur und geschmackvoller Kritiker bekannt, und machte [156] sich um seine Vaterstadt als Lehrer der praktischen Philosophie (seit 1803) und der Aesthetik (seit 1806), als Inspektor des Alumnates in Zürich, eines Convictes für Studirende der Theologie (seit 1809), und als Bibliothekar (seit 1817) bis zu seinem Hinschiede vielfach verdient. In enger Verbindung mit Goethe’s Freund Meyer und im Briefwechsel mit Laßberg, Tieck, A. W. Schlegel u. A. stehend, veröffentlichte er neben einer großen Zahl von Aufsätzen und Recensionen in damaligen Zeitschriften, Biographien von Künstlern in den Neujahrsblättern der Künstlergesellschaft in Zürich, Jugendschriften u. A. m., insbesondere ein vielverbreitetes, auch von Goethe belobtes Kupferwerk mit Text: „Bilder des Griechischen Alterthums“ (Zürich 1824 fol.) – auch in französischer Uebersetzung erschienen. Er besorgte die Herausgabe des Helvetischen Journals für Litteratur und Kunst (Zürich 1802–1804) und des Journals für Litteratur und Kunst (Zürich 1805) und in Verbindung mit Hottinger und Stolz diejenige der „Zürcherischen Beyträge für wissenschaftliche und gesellige Unterhaltung“ (Zürich 1815, 1816, 3 Bde.). Irrthümlich nennt der neue Nekrolog der Deutschen Jahrg. 1834, S. 933, alle diese Publikationen als solche von Joh. Caspar H.

Sohn eines dritten Bruders beider Genannten war Dr. Ludwig H., geb. am 1. März 1811 in Zürich; † zu Padang in Sumatra am 27. Dec. 1838, Arzt und Naturforscher, Schüler von Leonhard in Heidelberg. Um seiner Reisebegierde zu genügen, ging er 1835 als Militärarzt in niederländischen Diensten nach Batavia, bereiste dann aber als Mitglied der naturforschenden Commission in Holländisch-Ostindien erst im Gefolge des Generalgouverneurs Baud, später allein, Java, dann Borneo und Sumatra, erlag aber dort leider, mitten in eifrigster Arbeit des Sammelns und Beobachtens, einer Dissenterie, die bald nach ihm auch drei seiner Freunde und Begleiter europäischer Abkunft dahinraffte. –

Ueber J. Caspar Horner s. R. Wolf, Biographien zur Kulturgeschichte der Schweiz, zweiter Cyklus. Zürich 1859, S. 353 und die dort aufgeführte Litteratur (worunter das Neujahrsblatt von 1844 mit Horner’s wohlgelungenem Bildnisse versehen ist). – Ferner: Desselben Geschichte der Vermessungen in der Schweiz. Zürich 1879, 4° und Verhandlungen der naturf. Ges. in Zürich 1880, S. 318. – Ueber J. Jakob H. s. Ersch und Gruber, Encykl. 2. Section, Bd. 11, S. 32. – Ueber Ludwig Horner Neujahrsbl. des zürch. Waisenhauses für 1854, mit Bildniß.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Joseph Jérôme Lefrançais de Lalande (1732–1807), französischer Mathematiker und Astronom
  2. Lambert Adolphe Jacques Quetelet (1796–1874), belgischer Astronom und Statistiker.
  3. William Charles Wells (1757–1817), schottisch-amerikanischer Physiker