BLKÖ:Hißmann, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 9 (1863), ab Seite: 57. (Quelle)
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Hißmann, Michael[BN 1] (philosophischer Schriftsteller, geb. zu Hermannstadt 25. September 1752, gest. zu Göttingen 14. August 1784). Der Sohn wohlhabender bürgerlicher Eltern sächsischer Nation. Auf dem evangelischen Gymnasium seiner Vaterstadt erhielt er die erste Bildung und begab sich nach trefflich abgelegtem Consistorialexamen im März 1773 nach Deutschland, um auf deutschen Universitäten seine Studien zu vollenden. Zuerst besuchte er die Hochschule in Erlangen, wo er Reinhard, Seiler, Succov und Wiesner hörte, aber schon im Frühjahre 1774 begab er sich nach Göttingen, wo er zuerst unter Zachariä, Walch, Michaelis u. A. theologischen Studien oblag, bald aber in seiner Vorliebe für die Philosophie zum Studium derselben zurückkehrte und die Collegien von Kästner, Feder, Meiners, nebstbei aber für seine encyklopädische Ausbildung jene der anderen Fächer, als der Physik unter Hollmann, der Naturgeschichte unter Erxleben, der Mathematik unter Meister, der alten Literatur und Kunst unter Heyne, der Geschichte und ihrer Hilfswissenschaften unter Pütter, Murray und Gatterer besuchte. Zugleich eignete er sich die Kenntniß der italienischen, französischen und englischen Sprache an. Entschlossen, sich dem akademischen Lehramte zu widmen, erwarb er 24. Mai 1776 die philosophische Doctorwürde und mit ihr die Erlaubniß, öffentliche Vorlesungen zu halten. Letztere hielt er über verschiedene Theile der theoretischen und praktischen Weltweisheit und widmete die Muße literarischen Arbeiten. Seine rastlose Beschäftigung hatte seine Gesundheit so sehr angegriffen, daß er schon 1776 ein Bad besuchen mußte, das ihn auch kräftigte; da er sich aber nach seiner Rückkehr neuerdings keine Ruhe gönnte, mußte er 1778 wieder seine Beschäftigung unterbrechen und machte nun eine Erholungsreise nach Berlin, was er später öfter nach anderen Städten wiederholte, und auf diesen Reisen Verbindungen mit hervorragenden Männern der Wissenschaft anknüpfte. Durch seine Vorlesungen wie durch seine Werke stieg H.’s literarische Bedeutung und über Vorschlag der Universität Göttingen erfolgte 1782 seine Ernennung zum außerordentlichen Professor der Philosophie. Auch in Oesterreich wurde sein Name bekannt und Kaiser Joseph, der eben damals für die wissenschaftliche Aufklärung in seinen Staaten kräftige Maßnahmen ergehen ließ, war auf H. aufmerksam geworden, und ertheilte dem Freiherrn van Swieten, damaligen Oberstudiendirector, den Auftrag, Hißmann, obgleich er Protestant war, zu dem eben erledigten Lehrstuhle der Philosophie an der Universität in Pesth einzuladen. Diese Einladung erfolgte mittelst Schreiben vom 14. Juli 1784. Die Hannoverische Regierung erhöhte sogleich, um H. an Göttingen zu fesseln, seinen Gehalt und ernannte ihn auch zum ordentlichen Professor. Aber die Berufung seines Monarchen trug den Sieg davon, Hißmann nahm die Professur in Pesth an, ohne sie jedoch antreten zu können, da sein Leiden mittlerweile in seiner ganzen zerstörenden Kraft aufgetreten war und ihn bereits in wenigen Wochen, im Alter von 32 Jahren, der Wissenschaft entriß. Die literarische Thätigkeit H.’s ist, mit Rücksicht auf seine kurze Lebensdauer, ihrem Umfange wie ihrem Inhalte nach ungewöhnlich bedeutend. Seine gedruckten Schriften sind und zwar selbstständige Originalwerke: „Von dem Flor Siebenbürgens unter Theresien und Joseph. Eine Rede in der k. teutschen Gesellschaft zu [58] Göttingen … gelesen“ (Göttingen 1776, 4°.); „De Infinito. Dissertatio metaphysica“ (1776, 4°.); – „Geschichte der Lehre von der Association der Ideen“ (Göttingen 1776, 8°.); – „Psychologische Versuche. Ein Beytrag zur esoterischen Logik“[1]) (Frankfurt und Leipzig 1777, 8°.), erschien zuerst ohne Namen des Verfassers, nach dessen Tode in zweiter Auflage (1788), doch hatte der Herausgeber derselben leider keine Kenntniß gehabt von Hißmann’s reich glossirtem Handexemplare; – „Anleitung zur Kenntniss der auserlesenen Literatur in allen Theilen der Philosophie“ (Göttingen 1778, 8°., neue Titelauflage 1790, 8°.); – „Briefe über Gegenstände der Philosophie an Leserinnen und Leser“ (Gotha 1778, 8°.); – „Untersuchung über den Stand der Natur“ (Berlin 1780, 8°.), erschien ohne Namen des Verfassers; – „Leben des Freiherrn van Leibnitz“ (Münster 1783, 8°.). In wissenschaftlichen Zeitschriften gedruckte größere Abhandlungen, u. z. im „Deutschen Museum“: „Ueber das Gefühl des Wahren“ (1776); – „Ueber den Hauptzweck der dramatischen Poesie“ (1777); – im „Hannoverischen Magazin“: „Ueber die eleusinischen Geheimnisse“; – „Ueber den Ursprung der Sprache“; – „Ueber Isaac Newton“ (alle drei 1776); – „Bemerkungen über die alte Geschichte von Indien“ (1777); – in Wieland’s „Teutschem Merkur“: „Ueber die angebornen Begriffe des Plato, Descartes und Leibnitz“ (1777, Octoberheft); – im „Götting’schen Magazin“ von Lichtenberg und Förster: „Ueber die Shanscrita“ (1780. 5 St.). Uebersetzungen: „Ueber die Sprache und Schrift. Aus dem Französischen des Präsidenten de Brosse mit Anmerkungen“. 2 Bde. (Leipzig 1777, 8°.); – „Demeunier über Sitten und Gebräuche der Völker“. 2 Bde. (Nürnberg 1783 und 1784, 8°.); – „Versuch über den Ursprung der menschlichen Erkenntniss. Aus dem Französischen des Abbe Condillac“ (Leipzig 1780, 8°.), ohne Namen des Uebersetzers; – „Abhandlungen und Auszüge der k. Akademien der Zuschriften und der schönen Wissenschaften zu Paris. I. Band. Alte Geschichte und Zeitrechnung Asiens. Aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen begleitet“ (Leipzig 1781), auch ohne Namen des Uebersetzers; ferner besorgte H., doch ohne Nennung seines Namens, die verbesserte (bei Perrenon in Münster gedruckte) Ausgabe von Schubart’s „Lehrbuch der schönen Wissenschaften“; auch versah er Benzler’s aus dem Französischen übersetzte „Neue Welt- und Menschen-Geschichte“, drei Bände alte, zwei Bände neue Geschichte (Münster 1781 und 1782, Perrenon, 8°.), mit Anmerkungen; und redigirte die von 1778–1783 erschienenen sechs Bände von dem „Magazin für die Philosophie und ihre Geschichte, angelegt aus den Jahrbüchern verschiedener Akademien der Wissenschaften“, welches nach Hißmann’s Tode J. H. Pfingsten, jedoch nur kurze Zeit, fortsetzte. Außerdem war H. fleißiger Mitarbeiter in den Jahren 1775 und 1776 an Professor Wedekind‘s „Hauslehrer“ und desselben „Heilsamen Vorträgen“, worin alle seine Aufsätze mit M. H. unterzeichnet sind; 1776 und 1777 an den „Frankfurter gelehrten Anzeigen“, an der „Lemgoer auserlesenen Bibliothek“, an den „Gothaer gelehrten Zeitungen“ und seit 1783 an den „Göttinginschen Anzeigen von Gelehrten Sachen“, in welch’ letzterem er 1783 an 60, im Jahre 1784 aber 50 neu erschienene Schriften philosophischen Inhaltes aus verschiedenen Sprachen recensirte. In seinem [59] Nachlasse befanden sich nachfolgende handschriftliche Werke: „Philosophische Anthropologie“, über welche er 1783 Vorlesungen hielt; – „Vorträge über Kriegs- und Gesandtschaftsrecht“-, – „Geschichte der Wolfischen Philosophie“; – „Geschichte der Menschheit“, worüber er im Wintersemester 1782 auf 1783 las, und „Collectaneen in deutscher und englischer Sprache zu einer Religionsgeschichte von Hindostan“. Außerdem befand sich in seinem Nachlasse eine werthvolle literarische Correspondenz, darunter Briefe von Beguelin, Dohm, Eichhorn, Garve, Ewald, Irving, Meiners, Merlan, Loder, Weber u. A. Hißmann war als Schriftsteller ebenso gründlich als scharfsinnig. In seinen Recensionen trat er mit Freimuth auf, ohne jedoch in seiner Ueberlegenheit verletzend zu werden. Er war Selbstdenker im hohen Grade und in der Philosophie entschiedener Gegner alles blinden Nachbetens. Bestimmtheit, Klarheit, verbunden mit einer wohlthuenden Einfachheit im Ausdrucke, charakterisiren seine Arbeiten, die in einer Geschichte der philosophischen Literatur eine ehrenvolle Stelle behaupten werden. Was hätte H., der in einer so enggezogenen Lebensfrist, nebstdem immer leidend, so viel geleistet hat, in reiferen Jahren bei seinem ununterbrochenen und rastlosen Weiterstreben nicht noch zu leisten vermocht!

Pütter (Joh. Stephan), Versuch einer akademischen Gelehrtengeschichte der Universität Göttingen (Göttingen 1765 u. f., Vandenhoeck u. R., 8°.) Theil II, S. 64. – Siebenbürgische Provinzialblätter (Hermannstadt 1805, Martin Hochmeister, kl. 8°.) Erster Bd. S. 88–104: „Biographie“. – Meusel (Joh. Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1805. G. Fleischer, 8°.) Bd. V, S. 547. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen, 8°.) I. Bds. l. Stück. S. 200. – Schuler von Libloy (Friedrich), Kurzer Ueberblick der Literaturgeschichte Siebenbürgens von der ältesten Zeit bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts (Hermannstadt 1857, G. v. Closius, 8°.) Sylvestergabe, S. 81. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste (Leipzig, Brockhaus, 4°.) II. Section 9. Theil, S. 60. – Porträt. Sein sehr ähnlicher Schattenriß in Lavater’s physiognomischen Fragmenten, im dritten Theile, S. 336, Nr. 3.

  1. Und nicht, wie es in Kayser’s Bücher-Lexikon, Bd. III, S. 154 heißt: esoretischen Logik.

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Hißmann, Michael [Bd. IX, S. 57].
    Schuller (Johann Karl), Magister Hißmann in Göttingen. Ein Beitrag zur siebenbürgisch-sächsischen Gelehrten-Geschichte (Kronstadt 1863, Joh. Gött, 33 S. gr. 8°.) [auch im 2. Hefte des „VI. Bandes des Archivs des Vereins für siebenbürgische Landeskunde]. [Bd. 28, S. 352.]