BLKÖ:Rollett, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 303. (Quelle)
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Rollett, Anton (Arzt, Naturforscher und Sammler, geb. zu Baden nächst Wien 2. August 1778, gest. ebenda 19. März 1842). Da seine Eltern mittellos waren und es nicht erschwingen konnten, ihn studiren zu lassen, kam er im Alter von 13 Jahren zu einem geschickten Chirurgen in Baden in die Lehre, unter dessen Anleitung er sich bei angebornen Talenten bald so gewandt und gelehrig erwies, daß er nach einigen Jahren über Verwendung einer edlen Frau von dem Wiener Primarärzte Dr. Sartory im allgemeinen Krankenhause als Assistent angenommen wurde und nun Gelegenheit hatte, durch Besuch der Vorträge eines Frank, Jacquin und anderer tüchtiger Männer der Wiener Hochschule sich fortzubilden. Er machte im Jahre 1796 die chirurgischen Prüfungen, 1798 jene aus der Geburtshilfe und Thierheilkunde und im Jahre 1799, damals 21 Jahre alt, ließ er sich zu Piesting bei Baden als Wundarzt nieder. Aber schon im Jahre 1801 übersiedelte er nach Baden, wo unermüdliche Thätigkeit, strenge Erfüllung seines Berufes bei Tag und Nacht, eine seltene Gewissenhaftigkeit bei Behandlung der ihm anvertrauten Kranken und zahlreiche glückliche Curen seinen Ruf so steigerten, daß sein Name weit und breit in der Umgegend bekannt und geachtet war. So wirkte er in demselben über 40 Jahre und begründete sich ein Andenken, das noch heute, 30 Jahre nach seinem Tode, frisch geblieben und erst in jüngster Zeit in einer ihn ehrenden Weise zum Ausdrucke gelangt ist. Das Marienspital in Baden, an dessen Begründung er wesentlichen Antheil hatte, besorgte er durch zwölf Jahre unentgeltlich, wie er denn in gleicher Weise Jahre hindurch Tausenden von armen Kranken ordinirte und viele Kinder vaccinirte. Für seine aufopfernde Thätigkeit in dieser humanen Richtung ertheilte ihm auch aus freiem Antrieb der Kaiser Franz im Jahre 1815 die goldene Civil-Ehrenmedaille mit Oehr und Band. Die Muße, die ihm sein anstrengender Beruf übrig ließ, welche in den letzten Jahren durch einen Schenkelbruch beeinträchtigt wurde, widmete R. zum Theil auch schriftstellerischen Arbeiten, deren er einige in André’s „Patriotischem Tageblatt“, in den „Vaterländischen Blättern“ u. s. w. veröffentlichte, während er selbstständig herausgab in Gemeinschaft mit Dr. Schenk: „Medicinisch-chirurgisches Archiv von Baden in Niederösterreich“ (Wien 1805); – „Kleine Flora und Fauna von Baden“ (ebd. 1805); – „Hygieia, ein belehrendes Handbuch für Badens Curgäste“ (Baden 1816). Ein ganz besonderes Talent aber besaß der „alte Rollett“, unter welchem [304] Namen er noch zur Stunde im Volksmunde lebt, im Sammeln. Darin stritt sein Eifer mit den verschiedenen Richtungen, nach denen er sich erstreckte, um die Palme. Er sammelte Alles, was nur einigermaßen verdiente, aufbewahrt zu werden. Seine naturhistorischen Sammlungen umfaßten aus dem Gebiete der Zoologie, die Zoophyten, Entozoen und Conchylien, ferner Amphibien, Würmer, Fische, Insecten, die Vögel Oesterreichs fast vollständig mit ihren Eiern und die Säugethiere bis zur Hirschesgröße; die Mineraliensammlung enthielt, außer einer allgemeinen, alle vorkommenden Minerale umfassenden, eine besonders lehrreiche: die in der Gegend von Baden aufgefundenen Petrefacte; der botanische Theil bestand aus einem Herbarium von über 14.000 Pflanzensorten, dann einer ungemein reichen Sammlung von Hölzern und Samen von Forst-, ökonomischen und Zierpflanzen. In einer technologischen Sammlung vereinigte er in mehreren tausend Nummern die verschiedenartigsten rohen Naturproducte, geordnet nach ihrer stufenweisen Veredlung und Verarbeitung zu Fabrikaten. Mit Hilfe von Frauen, die sich für die Sache interessirten und ihm namhafte Spenden in dieser Richtung machten, organisirte er eine Sammlung weiblicher Handarbeiten. Nicht minder reich war seine numismatische Sammlung, in welcher sich antike, mittelalterliche und moderne Münzen und Medaillen befanden, darunter eine besonders reiche Suite französischer Medaillen. R. hatte darüber einen eigenhändigen Katalog verfaßt. Dann besaß er ein werthvolles Autographen-Album mit Handschriften berühmter Personen aus allen Ständen, systematisch geordnete Suiten an Kupferstichen und Bildnissen besonders denkwürdiger Personen. Seine Bibliothek umfaßte 5000 Bände belletristischer und wissenschaftlicher Werke verschiedener Disciplinen. Der berühmte Phrenolog Dr. Gall sandte ihm im Jahre 1825 eine Prachtausgabe seiner Werke und überließ ihm zugleich seine in Wien zurückgelassenen, phrenologisch merkwürdigen Schädel und Gypsbüsten, zu denen R. selbst später den Schädel des Dichters und Schauspielers Ferdinand Raimund hinzufügte, worüber sich eine ziemlich heftige Controverse erhob. In einem Artikel des Wiener Journals „Die Presse“ 1872, Nr. 3, im Feuilleton des Local-Anzeigers, wird eine Darstellung dieses widerwärtigen Handels in einer Weise gegeben, welche das dem alten Rollett vorgeworfene Verfahren in dieser eigenthümlichen Geschichte rechtfertigen soll. Selbst Rollett’s Garten war eine Art Sammlung, denn es befanden sich darin mehrere hundert von ihm selbst gepflanzte Bäume der edelsten Obstsorten, die er selbst pflegte und veredelte, in Folge dessen ihn auch die Wiener Landwirthschaftsgesellschaft zu ihrem Mitgliede ernannt hatte. Dabei waren seine Sammlungen für den Besuch von Personen, die sich darum interessirten, jederzeit geöffnet. In den letzten Jahren kränkelte er an einem hartnäckigen Lungenleiden, dem er auch im Alter von 64 Jahren erlag. Aus einer zweimaligen Ehe hinterließ er eine zahlreiche Familie, aus welcher sich ein Sohn Karl als Arzt [s. d. Quellen S. 308, Nr. 3] bemerkbar gemacht. Die verschiedenen naturhistorischen Sammlungen des Verewigten wurden der Stadt Baden für Schulzwecke zum Geschenke gemacht und die Gemeindevertretung hat beschlossen, dieses Museum mit dem Realgymnasium in Verbindung [305] zu bringen und demselben zur bleibenden Erinnerung an seinen Gründer den Namen „Anton Rollett-Museum[WS 1] zu geben. Die Eröffnung des im Klostergebäude in der Frauengasse neben dem Schulhause in einem Saale und drei Zimmern aufgestellten Museums fand am 2. Juni 1869 Statt. Später bewilligte die Vertretung der Badener Gemeinde über Ansuchen des Badener Lehrervereins die Anbringung einer Ehrentafel für den „alten Rollett“ in der Trinkhalle [s. d. Quellen]

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 406. – Oesterreichischer Zuschauer, herausg. von Ebersberg (Wien, gr. 8°.) 1838, Bd. IV, S. 936. – Frankl (Ludwig Aug.), Sonntagsblätter (Wien, 8°.) 1842, Nr. 17, S. 295: Nekrolog von Adalbert Rimmer; – 1843, S. 731, im Aufsatze von Gräffer: „Ein Tag in Baden vor 40 Jahren“. – Verhandlungen des zoologisch-botanischen Vereins (Wien, 8°.) V. Jahrg. (1855), S. 38, in den Abhandlungen: in Neilreich’s „Geschichte der Botanik in Niederösterreich“. – Wiener Zeitung, Jahrg. 1842, Nr. 354. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, B. F. Voigt, kl. 8°.) XX. Jahrg. (1842), I. Theil, S. 254, Nr. 75. – Blätter für niederösterreichische Landeskunde (Wien, 8°.) 1865, S. 131. „Der alte Rollett“. – Jahres-Bericht des n. ö. Landes-Realgymnasiums in der landesfürstl. Stadt Baden für 1867, S. 23, in der Abtheilung: „Zur Chronik der Schule“; – derselbe für 1868: „Das Anton Rollett-Museum“, von Prof. Johann Bersch. – Badener Bote 1871, Nr. 17 [die Errichtung einer Gedenktafel zu Rollett’s Ehren betreffend); Nr. 42: „Rollett’s Ehrentafel“. – Presse (Wiener politisches Blatt) 1872, Nr. 3, im Local-Anzeiger: „Ferdinand Raimund’s Schädel“ [vergleiche über diese Angelegenheit meine Biographie Raimund’s im XXIV. Bande, S. 277, VIII.: „Raimund’s Tod – Schädel u. s. w.“]. – Wiener Salonblatt 1872, Nr. 5: „Bei Grillparzer in Baden“ [der alte Rollett rettete dem Dichter das Leben]. – Porträt. Eques de Lampi (sen.) pinxit 1824, B. de Schroetter lithogr. (Wien, bei Mechetti, Fol.) [Lampi’s lebensgroßes Original befindet sich im Besitze der Witwe in Baden). – Rollett’s Gedenktafel. Diese, in Baden im Jahre 1871 aufgestellte Tafel hat folgende Inschrift: Ehrentafel | zum | Gedächtniß an den hochgeschätzten Arzt, | edlen Menschenfreund und verdienstvollen | Gründer des Museums in Baden | Anton Rollett | geb. zu Baden am 2. August 1778 | gest. daselbst am 19. März 1842. | Gewidmet | vom Badener Lehrerverein 1871.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Rollettmuseum (Wikipedia).