Der Zwickauer Steinkohlenbau

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Titel: Der Zwickauer Steinkohlenbau
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aus: Album der Sächsischen Industrie Band 1, in: Album der Sächsischen Industrie. Band 1, Seite 101–112
Herausgeber: Louis Oeser
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Erscheinungsdatum: 1856
Verlag: Louis Oeser
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Erscheinungsort: Neusalza
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[101]
Der Zwickauer Steinkohlenbau.
Geschichte.


Der Zwickauer Steinkohlenbau ist ein nicht allein für jene Gegend, sondern überhaupt für ganz Sachsen so wichtiger Industriezweig, daß es uns wohl gern gestattet wird, wenn wir dessen Geschichte von seinen ersten Anfängen bis auf die neueste Zeit, wo er einen so großartigen Aufschwung nahm und eine Quelle des Reichthums sonst so armer Gegenden wurde, ausführlicher verfolgen.

Die Steinkohle und ihre Benutzung ist schon seit den ältesten Zeiten bekannt. Der dreihundert Jahr vor Christus lebende berühmteste Naturforscher des Alterthums, Theophrostus, erzählt uns in seiner Naturgeschichte des Pflanzenreichs, daß die Steinkohlen von den Schmieden und Erzgießern der Landschaft Elis in Griechenland als Feuerungsmaterial benutzt wurden, und man auch in Ligurien welche fand. Daß die Chinesen sie fast ebenso lange kennen und benutzen, bezeugt der berühmte Venetianer Marko Polo, welcher 1280 China bereiste.

Der berühmte Steinkohlenbau in England und Schottland begann im dreizehnten Jahrhundert und der französische sogar erst im Anfang des achtzehnten. Der deutsche Steinkohlenbau wurde nach vorhandenen Nachrichten, in dem Bisthum Lüttich – damals noch deutsche Provinz – schon 1178 betrieben.

Der Zwickauer Steinkohlenbau ist aber jedenfalls der älteste in Deutschland und sein Entstehen läßt sich bis in das zehnte Jahrhundert zurück verfolgen, wo die gewerbfleißigen Sorbenwenden noch in diesem Gau heimisch waren, und ihre Feuerarbeiter sich zahlreich hier niederließen. Feuerarbeiter, herbeigezogen durch den Kohlenreichthum der Gegend, spielten auch in späteren Jahrhunderten noch eine große Rolle in Zwickau. Es wird selbst die Behauptung aufgestellt, daß das Auffinden der Steinkohlen in Verbindung mit der Gründung Zwickaus stehe und dieses seinen Namen ihnen verdanke, da hier, auf dem so reiches Feuerungsmaterial enthaltenden Boden, die Sorben ihren Feuergott Zwicz verehrten und davon der entstehenden Stadt den Namen Aue des Zwicz gegeben haben sollen.

Der Sage nach waren es Hirten, welche zuerst den Nutzen der Steinkohlen entdeckten, als sie auf der planitzer Flur ein Feuer anmachten, und zu ihrem Staunen die schwarzen Steine (Rosenkohlen) mit denen sie es umstellt, sich entzünden sahen. – So viel ist wenigstens gewiß, daß der Steinkohlenbau von Planitz Fluren ausging, wo, wie noch heute, die Kohlen zu Tage auslagen.

Der erste Steinkohlenbau kann nur Tagebau gewesen und erst als die obenliegenden Kohlen – Rosen-, Dach- oder Tagekohlen – erschöpft waren, kam man auf das Abteufen von Schächten. Doch hat man in jenen früheren Zeiten den Abbau der Kohlen wohl nur mit wenig Eifer betrieben und diesem heute so wichtigen Feuerungsmaterial einen großen Werth nicht beigelegt, bei dem großen Holzreichthum des Landes, wovon noch 1514 in Zwickau die Klafter hartes Holz für 6 Groschen und die Klafter weiches für 2½ Groschen gekauft wurde. Erst als die Waldungen sich lichteten und die Holzpreise stiegen, gewannen die Steinkohlen an Werth und man nahm deren Abbau mit mehr Eifer zur Hand.

Der erste sichere Nachweis des Kohlenbaus bei Zwickau findet sich von dem Jahre 1348 vor; doch mochten die Kohlen zu jener Zeit etwas in Verruf sein, da man behauptete, der Steinkohlenrauch sei der Gesundheit schädlich und noch 1611 sagen die alten Nachrichten, die in diesem Jahr grassirende Pest habe [102] vorzugsweise die Schmiede in dem sogenannten Feuerviertel und das Kohlendorf Bockwa heimgesucht. – Der planitzer Kohlberg wird zuerst 1499 erwähnt und es wurde in Planitz anfänglich nur auf dem Grundstück des Pfarrlehns Kohle abgebaut, doch hatte das Rittergut daselbst ebenso, wie auf eignem Grund und Boden, die Kohlengerechtigkeit, konnte also auch dort graben. – Bei Bockwa wurde schon in der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts auf Kohlen gebaut, wie des Bürgers von Zwickau, Spießmacher Hans Söldener, Supplik an den Zwickauer Amtshauptmann vom Jahr 1551 bezeugt, worin er sagt, daß sein Schwager Hans Müller in Bockwa, sowie dessen Vater und Großvater seit länger als hundert Jahren auf dasigem Gute Kohlen gefördert hätten.

Der steigende Abbau der Kohlen, wo Schacht auf Schacht niedergetrieben wurde, machte bald die Befürchtung rege, daß durch die Masse des geförderten Feuerungsmaterials der Preis desselben so sinke, daß die Kosten des Abbaues sich durch den Ertrag nicht mehr decken ließen. In Rücksicht darauf vereinbarten 1520 der Besitzer von Planitz, Rudolph von der Plawnitz, und das Kloster zu Grünhain, als Besitzer von Bockwa, die erste Kohlenordnung, welche 1532 einen Zusatz erhielt, und wo sich beide Theile verbindlich machten, den großen Wagen Kohlen nicht unter 25 Groschen zu verkaufen; zugleich wurde auch die Reiheladung eingeführt, nämlich: es solle die Verladung allemal nur von einem Grubenbesitzer erfolgen und dabei war genau angeordnet, in welcher Reihe die Besitzer auf einander folgen sollten und welches Quantum sie im Verhältniß zu ihrem Grundbesitz abgeben durften. – Die Benutzung des Grundeigenthums wurde also monopolistisch beschränkt und eben nicht immer zum Vortheil dieses Industriezweigs, welches man auch zeitig einsah und heftig gegen diese Fesselung sprach; doch unter den bestehenden Verhältnissen war die Reiheladung von zwei Uebeln noch das kleinste. Schon 1527 sollte die Reiheladung suspendirt werden, doch kam es nicht zur Ausführung, vielmehr als man 1530 in Oberhohndorf und 1540 in Reinsdorf Kohlen auffand, wurden die Besitzer der neuen Gruben gezwungen, sich der Kohlenordnung anzuschließen und somit auch der Reiheladung zu unterwerfen.

In Zwickau erregte der benachbarte Kohlenbau große Aufmerksamkeit, namentlich aber bei dem schon erwähnten Spießmacher Hans Söldener, welcher einen Steinbruch im bockwaer Communwalde besaß und somit Gelegenheit genug hatte, sich von dem Aufschwung des Kohlenbaus persönlich zu überzeugen, den er überdieß als Feuerarbeiter ganz besonders zu schätzen wußte. Söldener war ein spekulativer Kopf und da er selbst zu wenig Mittel hatte, ein solches Unternehmen auf eigene Kosten zu beginnen, wußte er zu seinem Zweck eine Gewerkschaft zusammenzubringen, bestehend außer ihm, aus dem Bürgermeister Mag. Oswald Lasan, dem Rathsherrn und Stadtphysikus Dr. Stephan Wild und dem Freiberger Bürger Kunz Thyrolff, welche von 1537 an nach und nach das Unterirdische von zehn Bockwaer Grundstückbesitzern an sich brachte und den Abbau der Steinkohlen begann. 1550 starben Wild und Thyrolff, Lasan war schon früher ausgeschieden und somit war auch die Gewerkschaft aufgelößt.

Doch Söldener ruhte nicht und in kurzer Zeit hatte er eine neue Gewerkschaft gebildet, bestehend aus den Zwickauer Bürgern, Leupold, Hertwig und Meyer, welche 1551 acht bockwaer Bauern ihr Unterirdisches und Steinbrüche für 98 meißnische Gulden abkaufte.

Diese neue Gewerkschaft vollendete den von der ersten schon 1549 begonnenen Stollen zur Entwässerung der Gruben, welcher aber Veranlassung zu großen Streitigkeiten mit den Bockwa-Hohndorfern gab, indem die Zwickauer wegen dem kostspieligen Stollenbau nicht nur eine Stollensteuer beanspruchten, sondern auch das Recht, mehr Fuder Kohlen zu verladen, als ihnen vertragsmäßig zustand. Diese Irrungen wurden endlich zum Nachtheil der Zwickauer beigelegt und es entstand in Folge dessen am 17. März 1551 die zweite Kohlenordnung.

Hans Söldener starb 1569 und mit seinem Tode löste sich auch die Gewerkschaft wieder auf, wodurch [103] sämmtliche Kohlengrundstücke in die Hände der Bockwaer Gemeinde zurück gelangten und nun von dieser abgebaut wurden. Indessen schien trotz aller Bemühungen doch der Kohlenindustrie gänzlicher Verfall zu drohen, zudem es fortwährend Streitigkeiten gab, welche durch die am 14. Juli 1557 vereinbarte dritte Kohlenordnung nicht ganz geschlichtet werden konnten und endlich eine am 12. August 1569 unterzeichnete vierte Kohlenordnung nöthig machten, in welcher die Reiheladung aufs Neue regulirt wurde. Aber auch diese erfuhr in Folge fortgesetzter Reibungen – welche alle ihren Grund in der gleich einem Hemmschuh wirkenden Reiheladung hatten – 1579 eine Revision, die fünfte Kohlenordnung, welche jede freie Concurrenz vollends abschnitt.

Aber trotzdem kam immer noch keine Ordnung in das Kohlenwesen. Zänkereien waren an der Tagesordnung, Unterschleife bei der Reiheladung häufig, denn wer eben an der Reihe war, suchte sie so weit als möglich auszudehnen und die zur Beaufsichtigung angestellten Beamteten zu täuschen. Uebelstände häuften sich auf Uebelstände und gründliche Abhülfe schien gar nicht möglich, da für einen beseitigten Streitpunkt stets einige andere auftauchten. Am 7. August 1583 trat eine sechste Kohlenordnung ins Leben, um am 29. Juni 1593 einer siebenten und diese am 22. Mai 1597 einer achten zu weichen.

1583 war der Kohlenabsatz der Bockwa-Hohndorfer Gewerke 159 große Wagen oder Fuder, 882 Karren und 783 Truhen.

Heinrich von Beust auf Planitz bestrebte sich besonders, den Kohlenbau auf seinem Gute zu heben, wo damals nur fünf Arbeiter – sogenannte Köhler – sich befanden. Er trieb mit Hilfe schneeberger Bergleute einen Stollen zur Entwässerung der unteren Kohlenflötze, welcher bis in die neueste Zeit unter dem Namen des planitz-bockwaer Communstollen benutzt wurde, und der dem Gründer 2000 meißnische Gulden kostete. Beust legte auch ein kostspieliges Pumpwerk an. Diesem Unternehmen folgte von Seiten der Bockwa-Hohndorfer die Anlegung des Gnaspenstollen, welcher, 1611 begonnen, 1623 vollendet dastand.

Um diese Zeit erfuhren die Kohlenpreise eine bedeutende Erhöhung, denn 1609 kostete der Wagen noch 1 meißnischen Gulden und 14 Groschen, der Karren 12 Groschen 6 Pfennige und bereits 1623 stieg der Preis für den Wagen auf 3 Gulden und für den Karren auf 1 Thaler.

Aber bei aller dieser Preiserhöhung wollte die Kohlenindustrie doch keinen Gewinn abwerfen und deshalb verkaufte der Rath von Zwickau sein Rittergut Planitz, das er seit 1618 besaß, 1623 an den Fiskus für 79,497 Gulden. Nun schien der Kohlenbau frei Athem zu schöpfen; doch gab es auch hier genug Streitigkeiten und der Fiscus wußte seinen Kohlenbau zum Nachtheil der übrigen Gewerke so zu heben, daß die planitzer Werke, welche 1623 erst 400 Thaler Reineinkommen abwarfen, bereits 1626 1436 Gulden und 12 Groschen eintrugen. Dieser Ertrag wurde dadurch erzielt, daß der Bevollmächtigte des Fiskus, Kammerrath Döring, allem Zwange und namentlich der Reiheladung entgegentrat und sich erst dann derselben unterwarf, als die übrigen Gewerke sich entschlossen, dem Rittergut Planitz das doppelte Quantum in der Reiheladung zuzugestehen. Erst nach Dörings 1640 erfolgtem Tode hörte dieses Mißverhältniß auf.

Der dreißigjährige Krieg, welcher einige Zeit – vorzüglich 1640 und 41 – diese Gegend mit zum Tummelplatz hatte, wirkte nachtheilig auf den zwickauer Kohlenbau; besonders war das Jahr 1641 für ihn unglücklich an verhängnißvollen Folgen. Im Mai genannten Jahres erschienen die Kaiserlichen unter General von Borray in dieser Gegend und die Einwohner flüchteten bei deren Annäherung ihre besten Habseligkeiten in die Schächte, welche nach Möglichkeit verwahrt wurden.

Durch Verrätherei hatten die Soldaten davon Kenntniß erhalten und suchten nach, da sie aber nichts fanden, zündeten sie aus Rache die über den Schächten erbauten Kohlhütten oder Kauen an, wodurch das Feuer auch in den achtzig Ellen tiefen, später sogenannten Rauchschacht fiel, erst die Zimmerung desselben und dann die Kohlenwände selbst ergriff. – So wurde der unterirdische Kohlenbrand neu angefacht; [104] denn bereits seit undenklicher Zeit brennt eine Strecke zwischen Nieder-Kainsdorf und Ober-Planitz, und man hat selbst Nachrichten, daß dieser Brand zu Tage ausgebrochen, wie 1479. Zu Ende des sechszehnten Jahrhunderts war er fast ganz erloschen, wenigstens bemerkte man keine Spuren mehr.

Dieser zweite Erdbrand, der von 1641 bis heute ohne Unterbrechung fortgewüthet und Millionen Centner Kohlen verzehrt hat, hätte wohl in seinem Entstehen von den Bergleuten leicht gelöscht werden können, wenn sie nicht sammt ihrem alten Bergmeister Asmus Kunz aus Furcht vor der Soldateska die Flucht ergriffen hätten; als sie nach mehreren Wochen zurückkehrten und die Schächte öffnen wollten, fand der Bergmeister Kunz den Erstickungstod. Alle Versuche, den Brand durch aufgestaute Stollenwässer und durch Entziehung des Luftzutritts zu löschen, zeigten sich erfolglos und es blieb endlich nichts übrig, als die Schächte zu verstürzen. 1675 mußte wegen des umsichgreifenden Brandes die Kohlenförderung auf planitzer Revier gänzlich aufgegeben werden, welches eine Erhöhung der Kohlenpreise zur Folge hatte: das Fuder kostete nun 3½ Thaler.

Unterdessen gingen die Reibungen der Gewerke ohne Unterbrechung fort und wurden vorzüglich heftig, als der planitzer Bergverwalter Lochmann 1670 auf dem planitzer Pfarrgute den sogenannten tiefen Kohl mit einer Mächtigkeit von 22 Fuß fand und gleich von dem ihm ertheilten Recht Gebrauch machte, wegen der ihm bei den Löschungsversuchen des Erdbrandes erwachsenen Kosten jährlich 100 Karren Kohlen außer der Reiheladung zu verkaufen. Die jahrelangen Streitigkeiten darüber wurden endlich von einer eigenen Commission durch ein am 14. Mai 1681 zu Stande gebrachtes neues Reiheladungs-Regulativ geschlichtet, nach welchem die Ladung für Planitz jährlich auf 129 Wagen, 202 Karren und 278 Truhen, für Bockwa auf 70 Wagen, 111 Karren und 148 Truhen, für Oberhohndorf auf 58¾ Wagen, 91 Karren und 130 Truhen und für Reinsdorf auf 23 Wagen, 34 Karren und 43 Truhen bestimmt wurden, wozu später für Planitz, noch weitere 11 Karren kamen.

Das Rittergut Planitz sammt dessen Kohlenwerken ging 1689 durch Tausch von dem Fiskus in die Hände der Gebrüder von Arnim über, von denen der älteste das Gut später allein übernahm, welcher sich des Kohlenbaus und anderer industrieller Unternehmungen mit Eifer annahm (er gründete auch ein Alaunwerk), doch hatte er bald sich gegen Eingriffe in seine Gerechtsame zu vertheidigen.

Die Regierung versuchte es bereits 1682, den Steinkohlenbau zu den Berg-Regalien zu ziehen und erließ darauf bezügliche Befehle, welche aber in Folge des entschiedenen Widerstandes sämmtlicher Kohlengewerke wirkungslos blieben. Doch wurde dieses Projekt nicht gänzlich vergessen und auf Vorstellung des Leibarztes und Bergrathes Tittmann wiederholte Friedrich August I. 1717 diesen Versuch, indem er anordnete, die Zwickauer Kohlenwerke sollten dem Schneeberger Bergamt untergeben werden. Dieses Mandat kam ebensowenig zur Ausführung als das frühere, aber doch versuchten darauf hin einige Personen auf planitzer Revier nach Kohlen einzuschlagen. Arnim vertrieb die Arbeiter mit Gewalt und ließ die begonnenen Schächte zuschütten.

Indeß fühlte man das Bedürfniß die Verhältnisse des Kohlenbaus durch eine neue Ordnung zu regeln und so kam nach langem Verhandeln am 8. August 1740 die neunte und letzte Kohlenordnung zu Stande, welche das System der Reiheladung aufrecht erhielt und möglichst allen Anlaß zu den bisherigen Streitigkeiten zu beseitigen suchte.

Zu gleicher Zeit munterte ein landesherrliches Mandat vom 19. August 1743 zum Aufsuchen und Abbau der Kohlen in Sachsen auf, befreite den Kohlenbau von allen Muthungen an die Bergämter, sowie von den gewöhnlichen Bergabgaben, verbot aber auch streng alle Kohlenausfuhr außerhalb Sachsens; letzteres Verbot wurde 1763 und 64 wiederholt eingeschärft.

Am 22. August 1759 war die Revision des alten Reiheladung-Regulativs beendet und es wurde der Gesammtbetrag des auf sämmtlichen Werken jährlich zu fördernden Kohlenquantums auf 285¾ Wagen, [105] 457 Karren und 610 Truhen bestimmt. Diesem Regulativ folgte 1760 eine neue Kohlentaxe, nach welcher das Fuder mit 4 Thalern, der Karren mit 1 Thaler 8 Groschen und die Truhe mit 20 Groschen zu bezahlen war.

Eine 1765 auf Veranlassung der Regierung unternommene Localrevision der Zwickauer Kohlenwerke fand im Ganzen dreizehn Schächte im Betrieb. Der Ertrag dieser Schächte war von Michaelis 1766 bis dahin 1767 37,721½ Dresdner Scheffel, ein Quantum, welches 1797 auf 42,918 Scheffel und 1798 auf 64,456 Scheffel stieg, ein Aufschwung, welcher hauptsächlich als das Verdienst des Kohlenaufseher in Planitz, Johann Heinrich Tittel, bezeichnet werden muß.

Der Betrieb der Kohlenwerke blieb aber doch sehr mangelhaft, auch die andern Verhältnisse ließen Vieles zu wünschen übrig und vorzüglich laut waren die Klagen über die drückenden Fesseln der Kohlenordnung, welches 1801 eine Revision der gesammten Kohlenwerke Zwickaus durch den Freiberger Bergrath von Oppel herbeiführte, deren einziger Erfolg war, daß dem Stollenbau wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Man nahm 1807 den Bockwa-Hohndorfer Hauptstollen wieder in Betrieb, mauerte den Bockwa-Planitzer Communstollen aus und begann den, aber nie beendigten Louisenstollen.

Die Franzosenkriege unterbrachen alle weitere Thätigkeit und erst 1815 dachte man an eine neue wirksamere Revision, an welcher sich auch der damalige Bergrath, spätere Ober-Berghauptmann Freiherr von Herder betheiligte, aber ebenfalls zu keinen weiteren Resultaten gelangte. Herder sprach sich dahin aus: „daß nur dann der Zwickauer Kohlenbau einen größeren Aufschwung erhalten könne, wenn die Reiheladung aufgehoben würde und eine Vereinigung sämmtlicher Bockwa-Hohndorfer Gewerke Behufs eines gemeinschaftlichen Betriebsplans der Kohlenwerke zu Stande käme.“ – Von diesem Allen geschah für jetzt nichts.

Das Wiederaufleben des seit länger als hundert Jahren ruhenden Kohlenbaus auf Reinsdorfer Revier im Jahr 1820 gab Veranlassung zur endlichen Aufhebung eines alten Uebelstandes. – Schon 1800 hatte der Lieutenant von Spiegel in Zwickau auf jenem Revier erfolglose Bohrversuche gemacht; glücklicher aber war zwanzig Jahre später der Gutsbesitzer Meier, welcher Kohlen fand, aber wegen des häufigen Wassers nicht selbst bauen wollte, sondern das Kohlengrundstück dem unterdessen zum Major avancirten Herrn von Spiegel verkaufte, welcher mit dem Hofrath Dr. Schaufuß in Greiz sich associrte und mit gutem Erfolg Kohlen förderte. Dieses glückliche Unternehmen veranlaßte die Bildung eines Vereins Reinsdorfer Grundbesitzer, welcher ebenfalls Bohrversuche machte, Kohlen fand und abbaute. – Versuche Anderer auf jenem Revier scheiterten.

Die Reinsdorfer Kohlenwerksbesitzer wurden nun aufgefordert, sich den alten Gewerkschaften anzuschließen, deren Statuten anzunehmen und sich mithin auch der Reiheladung und Kohlentaxe zu unterwerfen, verweigerten es aber geradezu und verkauften ihre Kohlen nach wie vorher frei. Dieses bewog den Gutsbesitzer Kästner in Bockwa, im Verein mit noch zehn andern Gewerken auf Aufhebung der Reiheladung und bisherigen gewerkschaftlichen Verfassung anzutragen, welches Gesuch aber erst nach dreijährigem Kampfe am 21. November 1823 bewilligt wurde, nachdem der Innungszwang in Folge stillschweigenden Uebereinkommens faktisch schon aufgehört hatte. – Die erste Folge war, daß die Kohlenpreise fast um die Hälfte sanken, denn während man 1822 noch für den Karren Feuerkohlen 2 Thaler 6 Groschen zahlen mußte, kam jetzt der Karren 1 Thaler 12 Groschen.

Einen wesentlichen Antheil an dem nun beginnenden Aufschwung des Kohlenbaues hatte auch das schon 1822 erlassene Steinkohlenmandat, welches unter Anderm auch das Ausfuhrverbot wieder aufhob.

[106] Zugleich wurde nun die Dampfkraft eingeführt, denn sie allein ist mächtig genug, den gefährlichsten Feind des Kohlenbaus, das Wasser, zu bekämpfen und zu besiegen; durch die Dampfmaschine wurde es erst möglich, die tieferen Flötze abzubauen, welches bis jetzt durch das Wasser verhindert war, und je tiefer der Schacht in die Erde kam, in immer größeren Massen vordrang, so daß es die gewöhnlichen Maschinen bald nicht mehr bewältigen konnten. Die erste Dampfmaschine stellte der Rittergutsbesitzer Kirsch in Oberhohndorf auf seiner Grube junger Wolfgang auf, welche gegenwärtig ein fiskalisches Werk ist. Kirsch Beispiel folgten bald andere Kohlenwerksbesitzer.

Der nun bei dem Grubenbau erzielte Gewinn war sehr bedeutend und mehrte sich noch durch einen neuen Industriezweig, die in England erfundene Koksfabrikation, welche die Befreiung der Steinkohle von Harz und Schwefelgehalt und die Verwandlung derselben in reinen Kohlenstoff durch Feuer in verschlossenen backofenartigen Oefen bezweckt, eine Procedur, zu welcher man vorzugsweise die sonst werthlose pulverige Pechkohle verwendet, nachdem dieselbe durch Waschen und Schlemmen gereinigt ist. Die ersten Koksöfen entstanden 1830 bei dem jungen Wolfgang und bald errichteten auch andere Grubenbesitzer solche.

Aber der höhere Aufschwung des Zwickauer Kohlenbau’s begann erst 1837 auf Anregung von Außen, und das Verdienst, diese Anregung gegeben zu haben, gebührt dem Professor Breithaupt in Freiberg. Professor Breithaupt hatte in geognostischer Hinsicht die Gegend um Zwickau genau studirt und stellte jetzt das Gesuch um Gestattung von Bohrversuchen nach Steinkohlen auf den Fluren des bei Nieder-Planitz gelegenen und der Stadtgemeinde gehörigen rothen Vorwerks und Pietzschens Gut. Dadurch wurden die Zwickauer recht eigentlich erst aufmerksam auf den Reichthum ihres Gebiets, rasch bildete sich ein Verein, welcher auf den angedeuteten Stellen Bohrversuche anstellte und zwar mit solchem glücklichen Erfolg, daß man mit 82 Lachtern – ein Lachter hat 7 Fuß – Tiefe, das erste 12 Fuß mächtige Kohlenflötz erreichte. Nun constituirte sich der Zwickauer Steinkohlenbau-Verein, welcher im Januar 1839 den Schacht Vereinsglück bei Neudörfel abteufte und zwei Dampfmaschinen daselbst aufstellte. 1842 teufte der Verein östlich von diesem Schacht einen zweiten ab, Aurora, bei welchem man schon bei 75 Lachtern auf das 4 Fuß mächtige Schichtenkohlenflötz stieß. Gegenwärtig ist der Verein mit dem Abteufen des Glückauf-Schachtes beschäftigt; derselbe wird auf Doppelförderung eingerichtet und also einen bedeutend höheren Ertrag liefern.

Das Kohlenfeld dieses Vereins umfaßt 513 Scheffel und die Kohlenförderung betrug im Jahre 1856 182,802 Karren. Die Actien des Vereins, auf welche im Ganzen 40 Thaler eingezahlt sind, haben gegenwärtig schon den Werth von 340 Thalern.

Professor Breithaupt hatte aber seinen Plan nicht aufgegeben, bei Zwickau ein großes Kohlenwerk zu gründen und er verband sich zur Erreichung dieses Zweckes mit dem Bergrath Kühn in Freiberg und den Kaufleuten Karl und Gustav Harkort in Leipzig. Diese vier Herrn erwarben auf der Lichtentanner-Planitzer und Marienthaler Flur, westlich der Stadt, 3000 Scheffel Areal und gründeten 1840 den erzgebirgischen Steinkohlenbau-Verein. Nachdem ein Versuch bei Lichtentanne verunglückt, indem der Bohrer auf Urgebirge traf, ward bei Marienthal ein Pechkohlenflötz erbohrt und noch in demselben Jahre in dem sogenannten Galgengrunde der Segen-Gottes-Schacht abgeteuft. In Folge eines glücklichen Bohrversuchs auf Schedewitzer Flur kaufte der Verein daselbst das gesammte Unterirdische von circa 250 Scheffeln und teufte 1844 den Hoffnungsschacht bei Schedewitz ab, wo bei 83 Lachter Tiefe sich der erste Kohlenflötz vorfand. Ein zweiter Schacht auf Schedewitzer Flur, der Vertrauensschacht, kommt nächstens in Betrieb und wird derselbe nicht nur der umfangreichste des Zwickauer Reviers, sondern auch als Musteranstalt in seiner Art dastehen.

[107] Die Kohlenförderung des erzgebirgischen Steinkohlenbau-Vereins betrug 1856 196,330 Karren. Eine Actie des Vereins, auf welche 100 Thaler eingezahlt wurden, besitzt jetzt 330 Thaler Werth.

Professor Breithaupts Bohrversuche veranlaßten noch ein drittes Unternehmen, das der Zwickauer Bürgergewerkschaft. Professor Breithaupt beabsichtigte 1841 Versuche auf den zwischen dem Galgengrunde und dem Mittelgrunde gelegenen Fluren des Zwickauer Stadtgebietes, konnte aber nicht zur Begründung dieses Projekts gelangen, da ihm fünfzehn Bürger und Grundstücksbesitzer zuvorkamen und alle übrigen Feldbesitzer jenes Reviers zur Bildung eines Vereins aufforderten, dessen Zweck war, alle hier befindlichen Steinkohlen auf eignen Gewinn und Verlust abzubauen. Es fanden sich bald sechsundsiebenzig Theilhaber, welche zusammen einen Flächenraum von 863 Scheffeln besitzen. Ein Bohrversuch schien hier ganz unnöthig und es wurde sogleich ein Schacht abgeteuft, dem man den Namen Bürgerschacht beilegte und der bei einer Tiefe von 147 Lachtern oder 1029 Fuß der tiefste aller Kohlenschachte des Zwickauer Reviers ist. Der zweite von der Bürgergewerkschaft abgeteufte Schacht, der Hilfe-Gottes-Schacht, welcher unlängst in Betrieb kam, ist nicht nur für Doppelförderung eingerichtet, sondern auch mit einer Fahrkunst versehen, der ersten in diesem Revier, die den Bergleuten das gleich ermüdende als zeitraubende Ein- und Ausfahren erspart.

Der Steinkohlenbau-Verein zu Nieder-Planitz und Nieder-Neudörfel ist das vierte derartige Unternehmen und wurde durch den Bergfactor Weber in Schedewitz 1847 in das Leben gerufen. Er besaß anfangs nur 8 Scheffel, vermehrte aber mit der Zeit sein Areal auf 80 Scheffel, auf welchem er den Schacht Himmelfürst abteufte. Aber dieser Verein hat bis jetzt günstige Erfolge nicht gehabt, denn der Himmelfürst „ersoff“ über und über und es wird gegenwärtig an dessen Wiederherstellung gearbeitet; der Betrieb einer zweiten Grube mußte wegen eines ausgebrochenen Grubenbrandes gänzlich aufgegeben werden.

Auch der Kohlenbau in Bockwa und Hohndorf belebte sich neu und es bildete sich 1837 daselbst ein Verein, die Bockwaer Wasserhaltungsconsortschaft. In Ober-Hohndorf trat 1839 der Verein der Fünfnachbargrube und diesem Beispiel folgten daselbst noch neun andere Kohlenwerksbesitzer und gründeten den Verein des Vereinigt Feld, welcher ein Areal von 23 Scheffeln besitzt.

Der Planitzer Kohlenbau erfuhr durch den fortwüthenden Erdbrand große Störung und die vergeblichen Löschversuche endeten 1816 mit der Verschüttung sämmtlicher Planitzer Schächte, worauf in einiger Entfernung von dem Brande neue Schächte abgeteuft wurden. Endlich schien das Feuer gedämpft und deshalb geschah 1822 die Oeffnung der alten Schächte; aber kaum war dieses geschehen, als das Feuer wieder ausbrach und nichts übrig blieb, als die Schächte eiligst wieder zu verschütten und dem Feuer große Kohlenlager widerstandslos Preis zu geben. 1836 wurde ein neuer Förderschacht abgeteuft, der Kunstschacht, dem 1845 ein zweiter, der Himmelfahrtsschacht, folgte. In nächster Zeit kommt noch ein dritter Schacht in Betrieb.

Auf Reinsdorfer Revier hatte der Kohlenbau seit 1839 gänzlich aufgehört, doch wird er jetzt wieder aufgenommen.

Wie sich der Zwickauer Kohlenbau in neuester Zeit gehoben hat, beweist am besten der Vergleich mit der Produktion früherer Jahre, denn während 1830 nur 3,500,000 Centner Kohle gefördert wurden, war das Quantum 1856 auf 14,330,000 Centner gestiegen. Aber hinwieder ist auch der Bedarf an Kohlen so gestiegen, daß er bei aller Thätigkeit und Ergiebigkeit der Werke bisweilen nicht befriedigt werden kann. Doch ruhen die Bohrversuche nicht und bieten in der Regel ein befriedigendes Resultat, so daß in wenig Jahren noch eine bedeutende Anzahl neuer Werke vorhanden sein wird.

Uebrigens stimmen alle Urtheile der erfahrensten Geognosten dahin überein, daß bis jetzt nur ein [108] kleiner Theil des Steinkohlengebirges um Zwickau aufgeschlossen ist und seiner Zeit der Steinkohlenbau selbst den ungeheuersten Kohlenbedarf Sachsens zu befriedigen im Stande sein werde, ohne daß sich eine Spur von Erschöpfung dieses unterirdischen Reichthums zeigt.

Die Gewinnung der Steinkohlen.

Ehe wir die wichtigsten Steinkohlenwerke Sachsens speciell betrachten, dürfte es vielen Lesern wohl nicht unwillkommen sein, etwas Näheres über die Gewinnung der Steinkohlen zu erfahren, sowie einen Blick auf das anscheinend so freudlose, düstre Leben des Kohlenhäuers zu werfen, welcher fern von der Sonne goldnem Strahl, bei dem einsamen Schimmer seines Grubenlichts den Schoos der Erde durchwühlt, und ihr ihre Schätze abzuringen sucht.

Ist nach erfolgten Bohrversuchen oder auch nach äußeren Anzeichen des Bodens, wie das Zutageliegen der Kohlen, ein Platz gefunden, wo man mit ziemlicher Gewißheit auf ergiebige Ausbeutung der unter der Erde verborgen liegenden Reichthümer schließen kann, so werden fürs erste die Schächte abgeteuft und diese von oben bis unten mit Fichten- oder Kieferholz ausgezimmert. Größere Schächte werden gewöhnlich ganz oder doch theilweise ausgemauert; diese Ausmauerung geht wohl vierzig bis siebenzig Ellen in die Tiefe und dann beginnt noch eine Holzauszimmerung der Art, daß sich in Zwischenräumen von je einer und einer halben Elle starke Holzkränze befinden; die Zwischenräume sind dann mit starken Bretern sorgfältig verkleidet.

Die Tiefe der Schächte richtet sich natürlich nach der Tiefe, in welcher die Kohlenflötze sich befinden; im Durchmesser sind sie gewöhnlich vierzehn Fuß lang, bis fünf Fuß breit und enthalten drei Abtheilungen. Die mittelste Abtheilung dient zum Befahren der Grube, die zweite zur Kohlenförderung und in der dritten geht das Gestänge zur Entfernung der Grubenwässer auf und nieder.

Das Befahren der Grube geschieht jetzt gewöhnlich mittelst Leitern, Fahrten genannt, auf welchen man in die Tiefe hinabsteigt. Jede Fahrt ist ohngefähr sechs Ellen lang; nach je drei Fahrten findet sich als Ruhepunkt eine Bretterbühne. – In den älteren Schächten werden hin und wieder die Arbeiter noch durch die sogenannten Haspeler an dem Grubenseil, auf dem Knittel oder Fahrholz reitend, hinabgelassen. Gegenwärtig aber werden auf einigen Werken Fahrkünste eingerichtet, wo die Arbeiter durch Maschinen in den Schacht und aus demselben hinaus befördert werden, und ihnen so das ermüdende und zeitraubende Auf- und Absteigen der Leitern erspart wird.

Der Kohlenabbau ist ein Pfeilerbau, bei welchem von dem Schacht aus in den Kohlenflötz Strecken getrieben und zur Unterstützung des Grubenbaus Pfeiler stehen gelassen werden. Ueberdies wird die Decke des Baues durch Querhölzer getragen, welche wieder durch starke, auf beiden Seiten aufgestellte Holzsäulen, die sogenannten Stempel, gestützt werden. – Diese Auszimmerung und die Instandhaltung derselben ist die Arbeit des Zimmerlings.

Gewöhnlich arbeiten zwei Häuer an einem Ort, und müssen bei dem Schein ihrer Grubenlichter ihre Arbeit oft liegend – also auf die unbequemste Art – verrichten; vorzüglich ist dieses bei dem sogenannten Schrämmen der Fall, wo der Häuer mit seinem spitzen Kohleneisen am Fuß des Kohlenstocks eine möglichst tiefe Kerbe führt. Auf das Schrämmen folgt das Schlitzen, nämlich der Häuer führt eine gleiche Kerbe an dem Kohlenstock senkrecht hinab. – Nun ist der Kohlenstock auf drei Seiten los gearbeitet, die Schwere wirkt, er sucht wieder eine feste Unterlage zu gewinnen, zerspringt und löst sich ab, wobei die Kohle knistert und prasselt, als wolle sie in Flammen ausbrechen. Aber selten wartet der Häuer, bis der Kohlenstock sich von selbst ablöst; dieses geht ihm viel zu langsam und er hilft entweder [109] mit dem Eisen nach, oder er benutzt die Kraft des Pulvers, um die Kohle abzusprengen. – Die Pulversprengung erleichtert die Arbeit wesentlich, denn nicht allein wird durch dieselbe der geschrämmte Kohlenstock niedergebrochen, sondern auch dessen nächste Umgebung erschüttert und aufgelockert, so daß die Abarbeitung mit dem Eisen wenig Mühe mehr kostet.

Die Kohlenförderung geschieht dann theils durch Körbe, theils durch Schleppkästen, gewöhnlich aber durch sogenannte Hunde, welche die im Abbau begriffenen Strecken auf gelegten Eisenschienen durchlaufen. Die Hunde werden entweder durch die Förderleute fortgeschoben, oder sie laufen bei geringer Senkung – fast kein Kohlenflötz ist völlig wagerecht – von selbst dem Förderschacht zu, wo die gefüllten Hunde an Drahtseilen mittelst Dampfkraft heraufgewunden und die leeren hinabgelassen werden. – Es ist dieses die Arbeit der Förderleute, welche auf diese Weise in großen Gruben den Tag bis dreihundert Karren Kohlen fördern können. Ein Hund faßt gewöhnlich einen Viertelkarren; bisweilen werden aber wohl auch Tonnen (ein halber Karren) oder auch ganze Karren auf ein Mal zu Tage gefördert.

Ist ein Theil des Kohlenflözes rein abgebaut, so greift der Häuer nun auch die stützenden Pfeiler an: er baut sie ab. Ist dieses geschehen, so werden die Stempel und das andere Holzwerk so weit als möglich herausgerissen, und die Decke bleibt dann mit ihren wenigen sie noch tragenden Stempeln ihrem Schicksal überlassen, dessen Entscheidung auch nicht lange auf sich warten läßt. Bald zersplittern die Stempel unter der ungeheuren Last der Decke und diese stürzt donnernd hinab, mit ihren Trümmern den abgebauten leeren Raum ausfüllend.

Solche niedergebrochene Kohlendecken erkennt man dann auch häufig auf der Oberfläche an den sogenannten Erdfällen oder Pingen, die sich oft ziemlich weit erstrecken.

Die schon an sich wenig angenehme Arbeit des Kohlenhäuers stößt bisweilen auf sehr bedeutende Hindernisse, deren Beseitigung entweder sehr mühevoll und zeitraubend, oder in manchen Fällen gänzlich unmöglich ist. Der Häuer, welcher verschiedenen Anzeichen vertrauend, einen reichen Kohlenflötz zu finden hofft und sich mit mühevoller Arbeit einen Weg hingebahnt hat, findet statt der gehofften reichlichen Ausbeute bisweilen eine Wüstung, einen leeren unterirdischen Raum, wo die Kohlen entweder ausgebrannt oder schon abgebaut sind; in letzterem Falle nennt man diese Stellen auch einen Preßbau. Häufiger aber als dieses ist der sogenannte Vorschuß oder das Versetzen, es sind dieses Stellen, wo sich eine fremde Gebirgsart plötzlich in den Kohlenflötz eindrängt und denselben gleichsam abschneidet. Hier ist nun bisweilen die Arbeit des Bergmanns gänzlich zu Ende, denn nicht selten ist das Flötz auf weite Strecken gänzlich unterbrochen und tief gesunken, und somit gänzlich verloren. Ist es aber nur ein einfacher Vorschuß, so arbeitet sich der Häuer rüstig durch das taube Gestein, wobei er durch seine Erfahrung hinreichend unterstützt wird, um aus allerhand, dem geübten Auge allein erkennbare Anzeichen die Richtung zu finden, in welcher er hoffen kann, den verlorenen Flötz wieder zu erreichen, und er erreicht ihn auch in den mehrsten Fällen wieder, wenn auch nie ohne großen Verlust an Zeit.

Störend sind auch die sogenannten Scheeren, wie der Bergmann Zwischenlager von Schieferthon, Letten, Sandstein, Eisenstein u.s.w. nennt, wie sie in den mehrsten Kohlenlagern vorkommen und die Flötze spalten. – Die Entfernung dieser Scheeren macht den Häuern viele Mühe und verdrießlich nennen sie dergleichen Arbeiten eine Lauseschicht.

Der Bergmann hat ferner bei seinen unterirdischen Arbeiten sehr gefährliche Feinde zu fürchten, die tückisch lauernd oft unerwartet über ihn herfallen und ihm Verderben bereiten; diese Feinde sind vorzüglich das Wasser, das böse und das schlagende Wetter.

Das Wasser findet sich um so häufiger, je tiefer der Bergmann in den Schooß der Erde dringt, vorzüglich aber dann, wenn Schichten von Kies und Sand erreicht werden. Diese Grubenwässer zu entfernen, [110] bedient man sich öfters der kostspieligen Stollen, welche, so weit es geognostische und locale Verhältnisse gestatten, in nicht selten bedeutender Länge in das Gebirge getrieben sind. Früher, vor Anwendung der Dampfkraft, benutzte man zur Entwässerung der Gruben theils von Menschenhänden, theils von Pferden mittelst Göpel in Bewegung gesetzte Pumpen, auch mußte wohl das Wasser durch eigne Kraft sich entfernen, indem mächtige von Wasser getriebene Räder die Schöpfwerke und Pumpen in Bewegung setzten. Jetzt ist auf fast allen Gruben die Dampfkraft zur Bewältigung der Grubenwässer angewendet. – Die zu Tage gebrachten Schachtwasser werden gewöhnlich weiter benutzt, theils zur Kesselspeisung, theils zu der Kohlenwäsche.

Aber doch giebt es auch Fälle, wo sich das Wasser seine Herrschaft nicht bestreiten lassen will und mit solcher Gewalt steigt, daß die Gruben endlich ausgefüllt sind, oder nach bergmännischem Ausdruck, ersaufen. –

Die bösen Wetter oder Schwaden sind ein kohlensaures Gas, welches in allen Gruben vorkommt und sich besonders im Sommer stark aus den Kohlenflötzen entwickelt. Diese bösen Wetter häufen sich in den Gruben zu Zeiten so schnell und so massenhaft an, daß sie den Arbeitenden nicht nur das Athmen erschweren, sondern selbst einen schnellen Erstickungstod verursachen.

Noch gefährlicher ist das schlagende Wetter, einfaches Kohlenwasserstoffgas oder brennbare Luft, auch Sumpf- oder Grubengas genannt. Dieses Gas entsteht, wenn Pflanzenstoffe bei niederer Temperatur zersetzt werden und da in den Steinkohlenlagern ungeheure Massen von Pflanzenresten aufgestapelt liegen, welche einer fortwährenden Zersetzung unterworfen sind, so findet also auch in den Kohlengruben eine fortwährende Erzeugung dieses Grubengases statt. An und für sich ist dieses Grubengas farblos, in reinem Zustande auch geruchlos und verbrennt, wenn man es anzündet, mit schwach leuchtender Flamme; vermischt sich das Gas aber mit athmosphärischer Luft, so nimmt es den Character des Knallgases an, so daß es, wenn es entzündet wird, mit einer gewaltigen Explosion verbrennt. Die Annäherung mit einem brennenden Grubenlicht bewirkt diese Entzündung sehr leicht und mancher brave Bergmann hat dadurch schon sein Leben verloren; nicht selten werden die Unglücklichen so verbrannt, daß sie nicht wieder zu erkennen sind.

Noch finden sich in den Schächten andere Gasarten, welche zwar nicht tödtlich sind, aber auf die Athmungswerkzeuge mehr oder minder beschwerlich wirken. Der Bergmann nennt diese Gase schlechte Wetter.

Fortgesetzte Luftströmung reinigt die Gruben am wirksamsten von diesen schädlichen Gasarten, deshalb sind auch in größeren Gruben sogenannte Wetterschächte oder Lutten angelegt, ferner bedient man sich der Wetteröfen, die fortwährend in der Tiefe geheizt, sowie auch sonst Feuer unterhalten werden, um durch dieselben die Luftströmung zu befördern; auch der sogenannte Harzer Wettersatz wird angewendet. Gegen die schlagenden Wetter sucht sich der Bergmann durch die Sicherheitslampen, zu schützen, an denen er das Dasein jener gefährlichen Gasart erkennt. Auch die Dampfmaschine wird mit benutzt, um durch Ventile die Gruben zu reinigen. – Aber trotz aller dieser Vorsichtsmaßregeln können Unglücksfälle nicht immer verhütet werden und vorzüglich in den Sommermonaten ist die Ansammlung der Wetter in den Gruben so häufig, daß bisweilen die Arbeit wochenlang unterbrochen bleiben muß.

Der Bergmann sucht sich von dem Dasein der Wetter dadurch zu überzeugen, daß er vor dem Anfahren in die verdächtigen Gruben einen brennenden Spahn in den Schacht wirft; erlischt der Spahn, so ist Gefahr vorhanden und es muß die Luftreinigung in der Grube versucht werden. – Lange unbenutzt und verschlossen gebliebene Schächte sind vorzüglich mit solchen Wettern massenhaft gefüllt und Bergleute, [111] welche ohne die Beachtung der nöthigen Vorsichtsmaßregeln einfuhren, büßten diese Nachläsigkeit mit ihrem Leben.

Endlich gehören zu den Gefahren des Bergmanns noch das Einstürzen von Grubenwänden und das Einbrechen der Decken, welches trotz der Auszimmerung zu Zeiten vorkommt.

Jeder Grube steht ein Steiger vor, welcher gewöhnlich zugleich Kohlenmesser und Kohlenschreiber ist; bei den größeren Gruben sind aber noch Obersteiger angestellt, sowie Schichtenmeister und Bergverwalter. Die Bestimmung der unterirdischen Grenzen der Kohlenwerke ist Obliegenheit der Markscheider. Ehemals hatte der Steiger die Kohlengewinnung im Gedinge und erhielt nebst dem Meßgelde von der Verladung pr. Karren sechs bis zwölf Neugroschen, wovon er den übrigen Arbeitsleuten für die Schicht von acht bis zwölf Stunden acht bis fünfzehn Neugroschen gab, wobei sich der Häuer aber verpflichten mußte, in der Schicht mindestens drei Karren Kohlen auszuhauen. Dabei hatte der Steiger das Werkzeug zu liefern. Jetzt aber erhalten die Steiger wie die Arbeiter ihren Wochenlohn von den Bergherrn oder aus den Vereinskassen.

Der Lohn der Kohlenarbeiter ist übrigens im Verhältniß ziemlich hoch und ein Zimmerling oder ein Häuer kann es durch fleißige Arbeit täglich auf einen Thaler bringen.

Wir wenden uns mm zu einem mit dem Steinkohlenbau verbundenen Industriezweig, der

Koksfabrikation,

um das hier befolgte Verfahren näher zu betrachten.

Der Steinkohle sind eine Menge harzige und schwefliche Theile beigemischt, oder auch enthalten sie erdige und metallische Stoffe, welche ausgeschieden werden müssen, um den reinen Kohlenstoff, die Koks, zu erlangen, welche, gut bereitet, eine weit höhere Hitze als die gewöhnliche Kohle erzeugen.

Zu der Koksbereitung ist nur die klare Pechkohle tauglich, welche zu anderem Gebrauch fast werthlos genannt werden muß. – Die Pechkohle muß erst von den ihr anhängenden Erden, Steinen und Schiefern durch Waschen und Schlämmen mit Wasser gereinigt werden, welches auf folgende Weise geschieht: die Pechkohlen werden in eine etwas geneigte Rinne geworfen und dann wird Wasser durch sie geleitet; das Wasser nimmt die leichtere Kohle mit sich fort in einen großen Kasten, wo sie liegen bleibt, während Steine und Schiefer in der Rinne zurückbleiben und der Kohlenstaub und Schmutz mit dem Wasser fortgeht.

Nun kommt die so gereinigte Kohle in den Koksofen. Der Koksofen ist durchgängig aus den feuerfestesten Thonziegeln gebaut, denn gewöhnliche Lehmziegeln würde die ungeheuere Hitze schmelzen und der Ofen zusammenstürzen. Der Ofen hat die Form eines Backofens, ist länglich viereckig und im Innern befindet sich ein niederer abschüssiger Herd. An der Hinterseite des Ofens ragt der Fuchs hervor, eine mitten durch das Gewölbe gehende Esse; vorn aber hat der Ofen eine viereckige Oeffnung. Solcher Oefen befinden sich immer eine ganze Reihe neben einander, bei großen Werken oft über dreißig. Die gewaschenen Kohlen werden durch den Fuchs in den Ofen geschüttet und durch die vordere Oeffnung mittelst leichter Krücken auf dem Herde gleichmäßig ausgebreitet, so daß die Kohlen ungefähr eine Elle hoch liegen. Gewöhnlich sind zehn Karren zur Füllung eines Ofens erforderlich. Nach geschehener Füllung wird die vordere Oeffnung mit Ziegeln versetzt und jede Fuge mit Lehm verstrichen.

Ist der Ofen neu, so muß die Kohle durch ein starkes Holzfeuer unter dem Herde entzündet werden, ist aber der Ofen schon im Gange, so glüht er noch von dem letzten Brande her und die aufgeschütteten Kohlen entzünden sich von selbst. Dem Fuchs entsteigt nun ein dichter, schwarzer, von Schwefelstreifen [112] durchzogener Qualm, welcher aber nach einiger Zeit heller wird, bis endlich die Flamme herausbricht und zuletzt ganz herrscht; endlich wird die Flamme weißer und verschwindet zuletzt ganz, zum Zeichen, daß die Koks fertig sind. Dieses ist, je nach der Größe der Oefen, in zwei bis vier Tagen der Fall.

Nun öffnet man die vordere Oeffnung wieder, bricht mit starken eisernen Krücken die fertigen Koks stückweise los und zieht sie aus dem Ofen, wo sie sogleich von Arbeitern mit eisernen Schaufeln in Empfang genommen und zum Auskühlen ausgebreitet werden.

Die fertigen Koks haben ein silbergraues, glänzendes Ansehen, sind schlackenartig, sehr hart und dicht, daß sie klingen; ja, es finden sich auch Stücke von solcher Härte vor, daß man mit ihnen wie mit dem Diamant Glas schneiden kann. Nicht selten bemerkt man an ihrer Oberfläche die prachtvollsten, metallartigen Bildungen.

Die großen Stücke der Koks werden, um das Zerbröckeln zu verhüten, in Körbe gepackt versendet, und man gebraucht sie zu Maschinen- und Schmelzfeuern, die kleineren aber, die sogenannten Zünder, werden in Schmiedewerkstätten und zur Heizung starkziehender Stubenöfen benutzt.

So wie die fertigen Koks von dem Heerde entfernt sind, wird der Ofen sogleich wieder gefüllt und bleibt somit unausgesetzt in Gluth.

Schließlich sei noch bemerkt, daß hundert Theile Kohle sechzig Theile Koks geben und ein Ofen in drei Tagen durchschnittlich dreißig bis zweiunddreißig Centner Koks bereitet.