RE:Calpurnius 28

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,1 (1897), Sp. 13681370
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28) M. Calpurnius Bibulus, Sohn eines Gaius (CIG II 1880), wird bisweilen irrig Lucius genannt. Seine politische Laufbahn ging parallel derjenigen des C. Iulius Caesar. Gegenüber diesem Amtsgenossen sah er sich schon während der Aedilität 689 = 65 so in den Hintergrund gedrängt, dass er selbst darüber spottete (Dio XXXVII 8, 2. Suet. Caes. 10), und die Spannung zwischen beiden wurde noch grösser während der Praetur. 692 = 62, in welcher Bibulus die beabsichtigte Erhebung von Anhängern Catilinas im Gebiet der Paeligner unterdrückte (Oros. VI 6, 7). Im folgenden Jahre suchte er eine Versöhnung mit Caesar, um das Consulat zu erlangen (Cic. ad Att. I 17, 1), und wurde mit ihm für 695 = 59 gewählt (CIL I 729. 602 = V 4087. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Eutrop. VI 17, 1. Oros. VI 7, 1. Cassiod. Suet. Caes. 19. Schol. Bob. p. 304. Gell. IV 10, 5. Plut. Caes. 14, 1. Dio XXXVIII ind.). Aus Besorgnis vor Caesar war den Consuln ein ganz untergeordneter Geschäftskreis zugewiesen worden (Suet.), aber jener kümmerte sich darum nicht. Naturgemäss trat sein Amtsgenosse an die Spitze der Gegner und bekämpfte seine Ackergesetzgebung auf das heftigste (Suet. 20. Liv. ep. CIII. Dio XXXVIII 4, 3. 6, 1–6. Appian. b. c. II 10–22. Plut. Pomp. 47, 3. 48, 1; Cat. min. 31, 3. 32, 1). Nachdem jedoch sein Widerstand in dieser Frage sich als ohnmächtig erwiesen hatte, zog er sich von allen Amtsgeschäften zurück, so dass Caesar eigentlich allein regierte (Suet. Vell. II 44, 5. Cic. Vat. 22. Dio. Appian. Plut. Caes. 14, 4; Pomp. 48, 4), suchte ihn nur zu hemmen durch die Erklärung, er werde an allen Comitialtagen den Himmel beobachten (Cic. har. resp. 48; de domo 39f. Schol. Bob. p. 263. 317. Dio XXXVIII 13, 5), und durch Edicte, denen Cicero archilochische Schärfe nachrühmt (ad Att. II 20, 6. 21, 4; Proben daraus bei Suet. Caes. 9. 49). Dafür wurde er von der Gegenpartei mit beissendem Spott und Hohn überschüttet (Cic. ad Att. II 19, 2. Suet. 20. Dio XXXVIII 8, 2), von Servilius [1369] Caepio (Suet. 21), noch mehr von Vatinius angegriffen (Cic. Vat. 21ff. 24. Schol. Bob. z. d. St. p. 318. Dio XXXVIII 6, 6) und von dem Volkstribun P. Clodius, dessen Adoption er sich umsonst widersetzt hatte, gehindert, die übliche Rede bei der Niederlegung des Amtes zu halten (Dio XXXVIII 12, 3). Man hatte auch gesucht, ihn in die angebliche Verschwörung gegen Pompeius zu verwickeln, während er diesen gerade gewarnt hatte (Cic. ad Att. II 24, 2. Appian. II 12. Dio XXXVIII 9, 3). In der folgenden Periode spielte Bibulus im Senat eine gewisse Rolle; im J. 697 = 57 beantragte er, die Entscheidung über Ciceros Hausbau den Pontifices zu überweisen (Cic. de domo 69), im J. 698 = 56, den Ptolemaios Auletes nicht durch bewaffnete Intervention, sondern durch Gesandte nach Ägypten zurückzuführen (Cic. ad fam. I 1, 3. 2, 1f.). Als der Bruch zwischen Caesar und Pompeius nahe war, neigte er dem letzteren zu; er stimmte, im Senat als erster befragt, für die Übertragung des alleinigen Consulats an ihn (Plut. Pomp. 54, 4; Cat. min. 47, 2. Dio XL 50, 4. Ascon. Mil. p. 31) und bekämpfte den Anspruch Caesars auf dieses Amt (Eutrop. VI 19, 2). 703 = 51 ging er als Statthalter nach Syrien (Liv. ep. CVIII. Val. Max. IV 1, 15. Dio XL 30, 1. Appian. Syr. 51; b. c. V 10). Cicero als Proconsul in Kilikien war sein Nachbar und erwähnt ihn daher oft in seinen Briefen aus dieser Zeit; seiner inneren Verwaltung zollte er Anerkennung (ad Att. VI 1, 13. 15), äussert sich aber geringschätzig über seine Massnahmen gegen die Parther, obwohl ihm dafür ein Dankfest bewilligt wurde (ad Att. VI 5, 3. 8, 5. VII 2, 6; fam. II 17, 2ff. VIII 6, 4. XII 19, 2. XV 1, 1; vgl. Caes. b. c. III 31, 3. Plut. Ant. 5, 2). Im März 705 = 49 kehrte Bibulus nach Italien zurück, begab sich bald darauf zu Pompeius (Cic. ad Att. IX 9, 2) und erhielt den Oberbefehl über dessen gesamte Flotte (Caes. b. c. III 5, 4. Dio XLI 44, 3. Appian. b. c. II 49. Plut. Cat. min. 54, 2). Zum Hauptquartier wählte er Corcyra, wo ihn eine Inschrift als Patron der Stadt rühmt (CIG II 1880). Infolge seiner Nachlässigkeit gelang es Caesar, nach Epirus überzusetzen (Caes. b. c. III 7, 1ff. Oros. VI 15, 11), aber er machte diesen grossen Fehler wieder gut, indem er dreissig Schiffe, die Verstärkungen aus Italien holen wollten, verbrannte (Caes. III 8, 3. Dio) und durch zweckmässige Verteilung seiner Flotte und angestrengten Wachtdienst den Feind gänzlich von der Heimat abschnitt (Caes. III 15, 1ff.). Infolge der grossen Strapazen erkrankte er und starb noch vor den Kämpfen bei Dyrrhachion (Caes. III 18, 1. Dio XLI 48, 1); nach Oros. VI 15, 10 hat er den Tod gesucht. Als Redner schildert ihn Cic. Brut. 267; über seinen Charakter urteilen die Gegner wenig günstig (Ps.-Sall. ad Caes. 9, 1); namentlich wirft Caesar (b. c. III 14, 3. 16, 3) ihm Jähzorn und Grausamkeit vor. Andere Berichte zeigen ihn dagegen in einem weit besseren Lichte (Cic. Phil. II 23. XIII 29. Invect. in Sall. 12. Sen. cons. ad Marc. 14, 2. Val. Max. IV 1, 15). Bibulus war vermählt mit Porcia, der Tochter Catos und späteren Gemahlin des M. Brutus, die ihm drei Söhne gebar (Plut. Cat. min. 25, 2; Brut. 13, 2; vgl. Mommsen Herm. XV 99). Von diesen wurden zwei während seiner syrischen Statthalterschaft [1370] von Söldnern des Gabinius niedergehauen (Caes. b. c. III 110, 6). Nähere Umstände sind nicht überliefert, sondern nur, dass der Vater seinen Schmerz bezwang und die private Rache an den Mördern verschmähte (Val. Max., ungenauer aus dem Gedächtnis Sen.; vgl. Cic. ad Att. VI 5, 3).

Nachträge und Berichtigungen

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Band S I (1903), Sp. 270
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28) (Zu S. 1369, 35) Cic. ad Att. V 4, 2. 16, 4. 18, 1. 20, 4. 21, 2. VI 1, 14. VII 2, 7. 3, 5; ad fam. XV 1, 5. 3, 2. 4, 7; Phil. XI 34f.