BLKÖ:Enk von der Burg, Michael Leopold

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Enghaus, Christine
Nächster>>>
Ennemoser, Joseph
Band: 4 (1858), ab Seite: 49. (Quelle)
Michael Leopold Enk von der Burg bei Wikisource
Michael Leopold Enk von der Burg in der Wikipedia
GND-Eintrag: 100123406, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Enk von der Burg, Michael Leopold|4|49|}}

Enk von der Burg, Michael Leopold[BN 1] (philos. Schriftsteller u. Benedictiner-Mönch, geb. zu Wien 29. Jän. 1788, fand den gesuchten Tod in den Wellen der Donau zu Mölk nach Dr. L. A. Frankls Sonntagsblättern am 22. Juli 1843). Studirte in Wien und trat nach beendigten philosophischen Studien mehr durch äußere Nöthigung (wie es heißt in Folge eines Gelübdes seiner Mutter), als aus innerm Berufe in den geistlichen Stand. 1810 legte er im Benedictinerstifte Mölk das Ordensgelübde ab. Dort wirkte er bald als Professor am Stiftsgymnasium und widmete sich, durch tüchtige humanistische Bildung und pädagogischen Tact vorzugsweise dazu befähigt, mit allem Eifer dem Lehramte. Psychologie und Kritik, durch den innern Zwiespalt seines [50] Wesens und den fruchtlosen Widerstand den sein Denken den Verhältnissen der ihm aufgedrungenen Standeswahl entgegenstellte, reichlich genährt, bestimmten seine schriftstellerische Thätigkeit. Seine poetischen, philosophischen und kritischen Schriften sind: „Die Blumen. Lehrgedicht in drei Gesängen“ (Wien 1822, Gerold, 8°.); „Eudoxia oder die Quellen der Seelenruhe“ (Ebenda 1824, gr. 8°.); – „Das Bild der Nemesis“ (Ebd. 1825, gr. 12°.); – „Melpomene oder über das tragische Interesse“ (Ebd. 1827, gr. 8°.); – „Ueber den Umgang mit uns selbst“ (Ebenda 1829, gr. 12°.); – „Don Tiburzio“ (Ebenda 1831, gr. 12°.) [Vergl. darüber: Schikhs Wiener Zeitschrift 1831, S. 571]; – „Dorat’s[WS 1] Tod“ (Ebenda 1833, gr. 12°.); – „Brief über Goethes Faust“ (Ebenda 1834, gr. 8°.), „bemerkenswerth durch Unabhängigkeit und treffende Schärfe des Urtheils“; – „Charaden-Almanach.“ 1834, auch unter dem Titel: „Charaden von M. Enk“ (Ebd. 1834, gr. 12°.), durch ihre poetische geistvolle Fassung ausgezeichnete Minutenspiele der Fantasie; – „Von der Beurtheilung Anderer. In 6 Büchern“. (Ebd. 1835, gr. 12°.); – „Ueber deutsche Zeitmessung“ (Ebenda 1836), zuvor als Recension der Graf Platenschen Gedichte in den Wiener Jahrbüchern der Literatur abgedruckt. E. bewährt sich darin als gründlichen und denkenden Kenner der deutschen Sprache und Poesie; – „Hermes und Sophrasine“ (Ebenda 1838, gr. 12 °.) [Vergl. Witthauers „Wiener Zeitschrift“ 1838, Liter. Bl. Nr. 6 und „Blätter für literarische Unterhaltung“ 1838, S. 1023]; – „Studien über Lope de Vega Carpio“ (Ebd. 1839, 8°.). [Vergleiche darüber Witthauers Wiener Zeitschrift 1839, Lit. Bl. Nr. 5]; – „Ueber die Freundschaft“ (Ebenda 1840, gr. 12°.); – „Des Horazius Epistel oder die Dichtkunst. Für Dichter und Dichterlinge gedolmetscht“ (Ebd. 1841); – „Ueber Bildung und Selbstbildung“ (Ebd. 1842, gr. 12°.). – In den philosophischen Schriften Enks beurkundet sich sein innerer Drang, über Zweck und Werth des Lebens mit sich selbst und mit seinen aus schmerzlichem Kampfe mit den ihn beengenden Verhältnissen gewonnenen Ansichten ins Reine zu kommen. Die Annahme eines nothwendig bedingten Fortschrittes des sittlichen Erkennens als einzige und letzte Lösung des Lebensräthsels, also ein modificirter Determinismus war das Ergebniß seines Denkens, bei dessen Darstellung und Entwickelung er ebenso eine tiefe Kenntniß des menschlichen Herzens, wie einen feinen und scharfen Beobachtungsgeist beurkundete. Als Kunstkritiker, besonders im dramatischen Fache, ist er bedeutend; leider steckt er Alles in die Zwangsjacke der Regel, in welche sich der unfesselbare Lichtstrahl des Geistes doch nicht immer bannen läßt. In der neuern Philosophie erblickte E. nur ein Evangelium von Gottesleugnern. Als Poet ist er mehr reflexions- als poesiereich daher auch seine Charaden ihrer schönen Form und Gedankenfülle wegen, wenngleich sonst nur artige Spielereien eines reichen Geistes, für die Jugend zur Schärfung des Denkens sehr anzuempfehlen sind. Aus Melancholie, von der Ueberzeugung befangen, auch als Lehrer verkannt zu werden, verfiel er auf den unheilvollen Ausweg, seinem Leben selbst ein Ende zu machen. Was mit seinem Nachlaß geschehen, der nach den in’s Publicum gedrungenen Mittheilungen nicht unbedeutend gewesen sein soll, ist nicht bekannt.

Allgem. Theaterzeitung von Adolph Bäuerle. XXXVI. Jahrg. (Wien 1843) Nr. 150: „Nekrolog“ von C. – Ebenda Nr. 268: „Enk und Halm“ von Laube. – Frankl (Ludwig August), Sonntagsblätter (Wien 1843) II. Jahrg. S. 682: „Nekrolog“ von Frankl. – Ebenda S. 697: „Charakteristik“ von Gräffer [diese letztere auch in Franz Gräffers Kleine Wiener Memoiren II. Bd. S. 192] in Gräffer’scher grotesker, aber [51] treffender Manier. – Dieselben 1845, S. 781: „M. Enks v. Burg Nachlaß“ [Nachfrage über denselben, da es kurz nach E.’s Tode hieß, es habe sich von ihm ein bedeutender literarischer Nachlaß vorgefunden]. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1845, Voigt, 8°.) XXI. Jahrg. 1843, I. Bd. S. 611 [nach diesem gest. 1. Juli 1843]. – Konversations-Lexikon der Gegenwart S. 1191. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer u. Czikann, (Wien 1835) II. Bd. S. 56. – (Brockhaus) Conversations-Lexikon (10. Aufl.) V. Bd. S. 533 [nach diesem gest. 11. Juni 1843]. – Lorm (Hieronymus), Wiens poet. Schwingen und Federn (Leipzig 1847, Grunow, 8°.) S. 189. – Seidlitz (Jul. Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, 8°.) II. Bd. S. 49. – [Nicht Mundt, nicht Gottschall erwähnen Enks auch nur mit einer Sylbe; daß ihn Gervinus und Julian Schmidt nicht kennen, bedarf keiner Erläuterung.] – Das hie und da angegebene Todesjahr 1842, wie auch häufig der Todestag, sind unrichtig. – Oestr. Parnaß, bestiegen von einem heruntergekommenen Antiquar (Frey-Sing bei Athanasius & Comp., 8°.). [Gibt 1789 irrig als sein Geburtsjahr an. Wir theilen diese vormärzliche Charakteristik nur als Curiosum mit: „Pedantischer, langweiliger und vielschreibender Professor und Benedictiner in Mölk, ziemlich gelehrt, aus Gellerts Zeiten, – reist sehr häufig nach Wien, um Reflexionen über den Verfall der Moral zu machen, und dann Aphorismen darüber drucken zu lassen. Versificirt Moralphilosophie; kritische Autorität in Oesterreich, furchtsamer und fruchtbarer Gedankensplitterfabrikant.“] (!) – Illustrirte Theaterzeitung von A. Bäuerle. XXXVIII. Jahrg. (Wien 1845) Nr. 31: „Gedicht von Pannasch an den Dichter Enk zu Mölk im Kloster.“ – Merkwürdig ist Enks Antwort auf das oberwähnte Gedicht von Pannasch, worin dieser das Klosterleben reizend schildert. Sie lautete: „Ich danke für das so schön geschilderte Klosterleben, – für diese Dichtung!“ – Einer glaubwürdigen Mittheilung zu Folge hat E. über seinen Tod geloost. In Mölk versteht man unter hinauf gehen: in’s Kloster gehen, und hinab gehen: zum Wasser, an den Strand der Donau gehen. Am Tage seines Todes saß E. in der Wirthsstube von Mölk. Mit einem Male fragte er die Wirthin: Frau Wirthin, soll ich hinauf gehen oder hinab? – „Hochwürden werden hinauf gehen, “ entgegnete die Frau. – Nach einer Weile fragte E. wieder: Soll ich hinauf gehen oder hinab? – „Aber, hochwürdiger Herr, “ entgegnete verwundert die Gefragte, „wie kann ich’s denn wissen, wo Sie hingehen wollen, Sie werden, mein’ ich, wenn Sie ausgetrunken haben, hinauf gehen.“ – Nach einer Weile fragte E. zum dritten Male: Soll ich hinauf gehen oder hinab? – Die Wirthin, fast ärgerlich, rief: „Nun, geistlicher Herr, Sie wollen gewiß, daß ich sage, Sie sollen hinab gehen, nun denn, so gehen Sie hinab.“ Und E. ging hinab – in’s Wasser.

{

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Enk von der Burg, Michael Leopold [s. d. Bd. IV, S. 49].
    Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 101, im Feuilleton: „M. Enk“, von F. J. S. – Grabdenkmal Enk’s. Dasselbe ließ sein Freund Friedrich Halm (Münch-Bellinghausen) dem unglücklichen Dichter auf der Stelle setzen, wo er begraben ruht. Durch dieses Denkmal wird das Todesdatum im IV. Bande dieses Lexikons, welches dem in Frankl’s „Sonntagsblättern“ von Rimmer mitgetheilten Nekrologe entnommen ist, berichtigt. Die Inschrift des Denkmals lautet:

         „P. Michael Enk v. Burg
         geb. am 29. Jänner 1788,
         gest. am 11. Juni 1843.
    Entbehre! rief mir jede Stunde, kaum
    Das Jahr rief einmal mir: Genieße! zu.

    Enk.“
    Also nicht der 22. Juli sondern der 11. Juni 1843 ist Enk’s Todestag. [Bd. 14, S. 441.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Donat’s.