BLKÖ:Jeitteles, Andreas Ludwig Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 10 (1863), ab Seite: 119. (Quelle)
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Jeitteles, Andreas Ludwig Joseph (Arzt, Poet und Fachschriftsteller, geb. zu Prag 24. November 1799). Ein Sohn des ausgezeichneten Orientalisten Juda J. [s. d. S. 127] und Enkel des als Arzt anerkannten Jonas [s. d. S. 124]. Andreas besuchte von 1810 bis 1815 das akademische Gymnasium zu Prag und betrieb mit besonderem Eifer das Studium der altclassischen Philologie. Erst 15 Jahre alt, veröffentlichte er bei seinem Austritte aus dem Gymnasium ein lateinisches Abschiedsgedicht an seine gewesenen Lehrer. Die philosophischen Studien beendete er unter Bolzano [Bd. II, S. 35], Hallaschka [Bd. VII, S. 239], Dambeck [Bd. III, S. 137] u. A., welch letzterer sich ihm mit besonderem Wohlwollen zuwendete. Schon in dieser Zeit war J. an vielen der bedeutendsten damaligen periodischen Schriften rein literarischen Inhalts innerhalb und außerhalb Oesterreichs thätig und trat in ein freundschaftliches Verhältniß zu K. Egon Ebert [Bd. III, S. 414] und Karl Seydelmann. Hierauf wandte er sich zum Studium der Medicin und hörte, mit großer Armuth kämpfend, obgleich seine Oheime sehr wohlhabende Leute waren und er auch sonst reiche und nahe Verwandte besaß, wie Frau Elise Herz [Bd. VIII, S. 405] und Herrn von Lämel, die vier ersten Jahre in Prag, das letzte in Wien, wo er die strengen Prüfungen zur Erlangung der medicinischen Doctorwürde ablegte und bei dieser Gelegenheit die Inaugural-Dissertation: „De animi adfectibus“ (Wien 1825) herausgab. Drei Jahre später, November 1828, trat er zur katholischen Kirche über, früher noch aber hatte er mit seinem Freunde Ritter von Holger eine wissenschaftliche Reise durch Deutschland unternommen, auf welcher er die hervorragendsten Aerzte und Literaten, u. a. auch Goethe, kennen zu lernen so glücklich war. 1829 ward er zum Prosector bei der anatomischen Lehrkanzel in Wien, 1831 zum Supplenten dieses Lehrfaches ernannt. In den Jahren 1833 und 1834 ordnete er auf Anregung der damaligen Vorstände der Wiener k. k. Universitätsbibliothek den medicinischen Büchervorrath dieser Bibliothek nach einem neuen Systeme. Ende 1834 erhielt er den Auftrag, die eben erledigte Lehrkanzel der theoretischen Medicin für Wundärzte in Wien, und Ende 1835 jene in Olmütz zu suppliren, wo er im October 1836 bleibend als Professor der Medicin angestellt wurde. Auf diesem Posten brachte er allmälig eine vorher nicht bestandene physiologisch-pathologische Sammlung zusammen, und bekleidete 1842–1843 die höchste akademische Würde des Universitätsrectors. Das Jahr 1848 schreckte auch ihn aus seinem gelehrten Stillleben auf. Unwillkürlich in den Strudel der politischen Bewegung hineingezogen, redigirte er eine kurze Zeit die erste politische Zeitung von Olmütz: „Neue Zeit“, ward im Mai d. J. zum Mitglied der Olmützer Deputationen nach Brünn und Wien und später zum Abgeordneten für den Olmützer Wahlbezirk nach Frankfurt a. M. erwählt, wo er, obwohl von allem Club- und Parteiwesen sich fern haltend, großentheils mit der gemäßigten Linken stimmte und in diesem Sinne auch einige Reden hielt. Im December 1848 kehrte er gebeugt, weil den unglücklichen Ausgang voraussehend, nach Olmütz zurück, und verfiel hier in Folge der erlebten mannigfachen Aufregungen und Anstrengungen in eine schwere langdauernde Krankheit, von welcher er sich nie ganz erholte. In früheren Jahren auch als [120] praktischer Arzt mehrfach in Anspruch genommen, ist er jetzt vorherrschend mit schriftstellerischen Arbeiten beschäftigt, und steht die Veröffentlichung mehrerer streng wissenschaftlicher Schriften und einer Sammlung seiner rein literarischen Arbeiten bevor. Erschienen sind von ihm außer einigen Dissertationen unter eigenem und fremdem Namen eine Bearbeitung des Werkes von Al. Mich. Mayer: „Anatomische Beschreibung des ganzen menschlichen Körpers“ (Wien 1831), die „Elemente der Anthropophysiologie aus dem Standpuncte der fortgeschrittenen Wissenschaft (Olmütz [Wien, Gerold] 1838, gr. 8°.) und die Monographie: „Gibt es eine Knochensyphilis?“ (Olmütz 1862). Ferner in Bastler’s Gesundheits-Zeitung 1831: „Was zeichnet unsere Zeit aus und wovor haben wir uns zu hüten?“' – in den Medicinischen Jahrbüchern des österreichischen Kaiserstaates 1840: „Aufforderung zur Begründung einer vergleichenden Psychologie, ein Vortrag, gehalten in der Naturforscherversammlung zu Wien 1832“, mit welchem er die Philosophen und Aerzte der Pflege dieser Wissenschaft mit besonderer Vorliebe sich zuzuwenden veranlaßte; – „Ueber den Kampfer“ (ebd. 1840); – „Krankheitsursache und Krankheitswesen“ (ebd. 1846); – in der Wiener Zeitung: „Die Bäder zu Großullersdorf in Mähren“ (1844); – in Rosas Medicinischer Wochenschrift: „Zur Lehre von den corporibus alienis insertis“ (1846); – in der Prager Vierteljahrschrift für praktische Medicin: „Historisches über Reflexbewegung“ (1858); – „Bericht über Schiff’s Nerven- und Muskelphysiologie“ (ebd. 1860 u. 1861); – „Ueber ein Syphiloid, das im Jahre 1577 zu Brünn in Mähren geherrscht hat“ (1863). Gedichte und Kunstreferate aus seiner Jugendzeit finden sich theils mit und dann immer mit dem Namen Ludwig, theils ohne seinen Namen in der „Dresdener Abendzeitung“; im Berliner „Freimüthigen für Deutschland“; in Schikh’s „Wiener Zeitschrift für Kunst und Literatur“; im „Wiener Conversationsblatt“; im Wiener „Sammler“; im Prager „Hyllos“ und „Gesellschafter für einsame Stunden“; in der von Palacky und Egon Ebert herausgegebenen „Museumszeitschrift“; in Saphir’s „Pannonia“; in der Hamburger „Deutschen Schaubühne“ u. m. a.; in Castelli’s, Gräffer’s, Schumacher’s, J. G. Seidl’s Taschenbüchern; in Schreyvogel’s „Aglaja“ u. a. Die Tonsetzer Lachner, Preyer, Sechter , Fr. Müller, Seyfried, Täglichsbeck haben mehrere seiner Gedichte in Musik gesetzt; sein von Preyer componirtes Lied: „Jedem das Seine“, ist in weite Kreise gedrungen. J. ist Mitglied der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien, die ihn gleich bei ihrer Gründung im Jahre 1838 unter ihre ersten Mitglieder aufnahm, und der großherzogl. Sachsen-Weimar-Eisenachschen Societät für Mineralogie und Geognosie in Jena, deren Präsident Goethe war.

Biographische Notizen über die Deputirten zur constituirenden Nationalversammlung zu Frankfurt a. M. (ebd. 1848). – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In 4 Bänden (Leipzig 1833, Brockhaus, gr. 8°.) Bd. II, S. 581. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 32, und Bd. VI, Suppl, S. 498. – Constitutionelle Zeitung von Böhmen (Prag, kl. Fol.) 1849. – Seidlitz (Julius Dr.), Die Poesie und die Poeten in Oesterreich im Jahre 1836 (Grimma 1837, kl. 8°.) Bd. I, S. 111 [charakterisirt den Poeten J. folgendermaßen: „schweigt größtentheils, seitdem er Professor der Anatomie ist. Als er noch sang, ein lieber Dichter, dem das [121] Wort so rein und frei hervorquoll, und der Schleier von Melancholie, der sich um seine Poesie legte, war so kokettirend übergeworfen, daß sie dadurch das Ansehen jener blassen Männer erhielt, welche für Frauen so anziehend sein sollen. Und wirklich war seine Poesie so eine Art Blassemännerpoesie, aber nicht allein bei Damen, sondern bei männiglich sehr beliebt“. Gottschall führt in seiner Literaturgeschichte nicht obigen Jeitteles noch den Alois und Ignaz auf, und in der That verdienten sie in dem Werke gewiß ebenso gut einen Platz, als mancher schlesische und norddeutsche Poet, dessen ganzer Vorzug in den reinen Reimen besteht]. – Rittersberg, Kapesní slovníček novinářský i konversační, d. i. Kleines Taschen-Conversations-Lexikon (Prag 1850, 12°.) Theil I, S. 808. [Zu Ende der Skizze heißt es, daß er nunmehr die Brünner Zeitung redigire; hier findet aber eine Verwechslung mit seinem Vetter Alois [s. d. S. 117] Statt.]