BLKÖ:Mohn, Gottlob Samuel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Moga, Basilius
Band: 18 (1868), ab Seite: 435. (Quelle)
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Mohn, Gottlob Samuel (Glasmaler, geb. zu Weißenfels in Sachsen 4. November 1789, gest. zu Laxenburg bei Wien 2. November 1825). Sein Vater Sigismund (geb. 1760, gest. 1815) war selbst ein geschickter Glasmaler. Von ihm wurde sein Sohn Gottlob Samuel mit aller Sorgfalt erzogen, auf die Gymnasien nach Halle, Berlin und Stettin geschickt, wo er einen tüchtigen Unterricht erhielt, während ihm der Vater selbst die erforderliche erste Anleitung in der Kunst ertheilte. Letztere erwählte er auch zu seinem Berufe. Er begann als Silhouetteur und war als solcher in Halle seiner Geschicklichkeit wegen allgemein gekannt. Auf seinen Kunstreisen und bei der Beschäftigung seines Vaters kamen ihm mehrere Glasmalereien zu Gesichte, welche in ihm den Wunsch rege machten, diese Kunst, die in der Baukunst des Mittelalters eine so große Rolle spielt und zu hoher Vollendung gediehen war, zu ihrer einstigen Bedeutung zurückzuführen. Nach einigen Versuchen gelang es ihm und seinem Vater, so schöne Arbeiten, unter anderen einen Pokal mit dem königl. preußischen Wappen, welcher dann in den Besitz des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen gelangte, herzustellen, daß man bald beide als die Wiedererfinder der bereits verloren geglaubten Kunst der Glasmalerei erklärte, ein Ruhm, den sie jedoch mit dem Münchener Maler S. Frank theilen müssen, da dieser unabhängig von ihnen um dieselbe Zeit schon ganz vortreffliche Glasmalereien ausführte. Dabei muß natürlich bemerkt werden, daß Mohn’s Gemälde, wie dieß der berühmte Chemiker Klaproth im Jahre 1805 in einem Zeugniß auch bestätigte, in dem Glase eingeschmolzen waren und nicht vernichtet werden konnten. Durch seine [436] Arbeiten wurde Mohn bald bekannt, und der Herzog von Mecklenburg-Schwerin war der Erste, welcher im Großen von dieser Wiedererfindung Gebrauch machte; er berief Mohn, der in der neuerbauten herzoglichen Capelle zu Ludwigslust die Wappen Mecklenburgs und Rußlands in kolossalen Dimensionen und mit verschiedenen ornamentalen Ausschmückungen auszuführen hatte. Nach beendeter Arbeit begab sich Mohn nach Berlin, wo er das sonst für seine Zwecke wenig günstige Jahr 1806 dazu benützte, daß er seine Studien in der Chemie vervollkommnete, indem er die Vorlesungen Klaproth’s und Hermbstädt’s, zweier in diesem Fache anerkannten Gelehrten, besuchte. Dann kehrte er in sein Vaterland zurück, wo er abwechselnd in Leipzig und Dresden verweilte, in letzterer Stadt seine Kunststudien in den herrlichen Sammlungen fortsetzte, zugleich aber im Umgange mit tüchtigen Chemikern seine Kenntnisse in der Chemie erweiterte. Im Jahre 1811 begab er sich nach Wien, um daselbst die Akademie der bildenden Künste zu besuchen. In Wien fand er bald an dem kunstsinnigen |Albrecht Herzog von Sachsen-Teschen einen Mäcen, der ihm sogleich ausgiebige Beschäftigung ertheilte. Im Jahre 1813 erhielt M. den Auftrag, die Fenster in dem bei Wien gelegenen k. k. Lustschlosse Laxenburg zu malen. M. unterzog sich dieser Arbeit, wurde aber in derselben durch die bald eingetretenen Kriegsereignisse unterbrochen. Sofort aber folgte er einem Rufe des Erzherzogs Johann, der auf seinem Lieblingssitze Brandhof in der Steiermark mehrere Arbeiten, unter anderen die Fenster in der dortigen Capelle und im Jägerzimmer einige Gebirgsansichten von Mohn ausführen ließ. Durch diese Arbeiten gewann M. große praktische Erfahrung in seiner Kunst, dabei unterließ er es nicht, sich am polytechnischen Institute in Wien, wo er die Vorträge des Professors Scholz besuchte, in seinen Kenntnissen in der Chemie, in der ihn namentlich die Farbenstudien beschäftigten, immer mehr und mehr auszubilden. Eine neue Arbeit, die er in ganz vorzüglicher Weise ausführte, waren die Fenstergemälde der Kirche zu St. Rupprecht in Wien und die im Jahre 1820 begonnenen Fenster der Kirche Maria Stiege bei dem sogenannten Stoß im Himmel, unweit des Wiener Magistratsgebäudes. Diese Fenster, Rittergestalten, und zwar Ahnen des Hauses Rosenberg, die Himmelfahrt Christi und die Himmelfahrt Maria vorstellend, fanden so sehr den Beifall des Kaisers Franz, daß dieser die im Jahre 1813 durch die Kriegsereignisse unterbrochenen Arbeiten im Schlosse Laxenburg wieder aufnehmen ließ und Mohn mit der Ausführung derselben beauftragte. Im Jahre 1821 begann M. seine Arbeiten in Laxenburg, und ersetzte nicht nur die Malerei der früher mit Oelfarben ausgeführten Fenster durch neue eingebrannte, sondern arbeitete noch manches Neue, wozu zuvörderst die Mittelfenster des sogenannten Prunksaales gehören, welche den Kaiser im goldenen Harnisch und seine Gemalin Maria Theresia im Prachtcostume vorstellen. Um diese beiden großen Porträte sind die Bildnisse der Erzherzoge Ferdinand, Franz, Joseph und der Erzherzoginen Maria Luise, Leopoldine, Karolina] und Marianna in kleineren Dimensionen angebracht, überdieß ist das Ganze mit den Wappen des österreichischen Kaiserstaates und anderen entsprechenden Emblemen ausgeschmückt. Zur Ausführung seiner Arbeiten wurden [437] eigene Schmelzöfen ganz nach seinen Angaben erbaut und dabei von ihm ein eigener Feuermesser angebracht, der genau die Zeit des eintretenden Schmelzpunctes bezeichnete. Im Jahre 1822 gelang es Mohn nach mancherlei Versuchen, die er in Gemeinschaft mit dem Glashütten-Director Schletz in Türnitz in der benachbarten Steiermark ausführte, eine herrliche hochrothe Farbe zu erfinden, die mit dem Roth der alten Glasmalereien in Pracht wetteifert. Im Jahre 1824 trat M., der Protestant war, zur katholischen Kirche über, wahrscheinlich wurde ihm erst durch diesen Religionswechsel der Eintritt in die kaiserlichen Dienste, der im Jahre 1825 erfolgte, ermöglicht. Aber nicht lange sollte er diesen Vortheil genießen, denn noch gegen Ende desselben Jahres wurde er, im Alter von erst 36 Jahren, seiner Kunst entrissen, in der er, wenn auch nicht ausschließlich, so doch immer den Ruhm eines Wiederherstellers derselben in Anspruch nehmen kann. Nicht unbedeutend war sein künstlerischer Nachlaß, es fanden sich in demselben an ausgeführten Glasmalereien folgende: „Turnier mit den Wappen von sechzehn der vorzüglichsten fürstlichen und gräflichen Häuser“, von besonderer Schönheit und Kunst; – „H. Theresia“; – „Rudolph von Habsburg“; – „ Ein Ritter zu Pferde“; – „Ritterlicher Zweikampf“; – „H. Johann der Täufer“; – „Ein Seraphskopf“; – „Ein antiker Kopf“; – „Gemälde mit drei Figuren und vielen Nebenverzierungen“; – ferner: „H. Maria“, nach Raphael; – „Ulrich von Rehberg“; – „Götz von Berlichingen“; – „Ein Nachtstück“. Unvollendete Arbeiten: „Judith“; – „H. Maria“, nach Schnorr von Carolsfeld“; – „Wappen der Herren von Moser“, und einige Trinkgläser. Zu erwähnen ist, daß Mohn sich in Wien verehelicht, aber seine Gattin, die ihm zwei Kinder geboren, schon nach ein paar Jahren durch den Tod verloren hat. Was M.’s Arbeiten betrifft, so gehören jene in Laxenburg zu seinen schönsten, werden aber doch durch die neuesten Leistungen des Glasmalers Geyling [Bd. V, S. 165], eines Künstlers ersten Ranges in seinem Fache, übertroffen.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, kl. 8°.) III. Jahrg. (1825), II. Theil, S. 1561, Nr. 222. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) XV. Jahrgang (1824), Nr. 143, S. 772; XVII. Jahrg. (1826), Nr. 1, S. 8. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, E. A. Fleischmann, 8°.) Bd. IX, S. 330. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXI, S. 1089, Nr. 2. – Realis, Das k. k. Lustschloß Laxenburg (Wien 1846, A. Pichler’s sel. Witwe), S. 35. – Gessert, Geschichte der Glasmalerei, S. 294 u. f. – Allgemeine Zeitung, 1839, S. 550. – Oesterreichischer Beobachter (Wiener polit. Blatt) 1825, Nr. 89, S. 438. – Geschichte der Kirche Maria Stiege in Wien, von F. H. Boeckh[WS 1] (Wien 1824, 8°.) S. 22. – Tschischka (Franz), Kunst und Alterthum in dem österreichischen Kaiserstaate (Wien 1836, Fr. Beck, gr. 8°.) S. 16, 17, 56, 66, 169 u. 380.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: F. A. Boeckh.