BLKÖ:Neugart, Trudpert

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Neuer, Thomas
Band: 20 (1869), ab Seite: 246. (Quelle)
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Neugart, Trudpert (gelehrter Benedictiner, geb. zu Villingen am Schwarzwalde 23. Februar 1742, gest. im Kloster St. Paul in Kärnthen 15. December 1825). Die deutschen Schulen besuchte er in seiner Vaterstadt und das Gymnasium ebenda, wo es von den Benedictinern, welche in der Stadt ein Kloster besaßen, besorgt wurde. Seine ausgezeichneten Fortschritte in den Studien ermöglichten ihm die Aufnahme in dem berühmten fürstlichen Benedictinerstifte St. Blasien im Schwarzwalde. Im Jahre 1759 legte er daselbst die Ordensgelübde ab, setzte im Kloster die philosophischen und theologischen Studien fort und erhielt im Jahre 1765 die Priesterweihe. Im Jahre vorher wurde als Nachfolger des Fürstabten Meinrad Troger der Conventuale Martin Gerbert, aus dem edlen Geschlechte der Hornau zu Horb, zu dieser Würde erwählt [s. d. Bd. V, S. 149], welcher seine Conventualen zu historischen Studien aufmunterte. Es bildete sich der historische Verein der St. Blasianer, worunter Eichhorn [Bd. IV, S. 14], P. Franz Kreuter [Bd. XIII, S. 204], Neugart und Ussermann an einer diplomatischen Geschichte der deutschen Bisthümer, Kreuter an einer Geschichte von Vorderösterreich arbeiteten und sich durch ihre fleißigen Schöpfungen bekannt gemacht haben. Vor ihnen waren Franz Jacob Herrgott [Bd. VIII, S. 365] und Wülperz fleißige und geniale Sammler. Auf des Letzteren Forschungen beruht häufig des Fürstabten Martin Gerbert Geschichte des Schwarzwaldes (Historia nigrae silvae, ordinis St. Benedicti coloniae, 3 Bände, St. Blasii 1783–1788, mit Karten). In diesem Kreise von Männern der Wissenschaft befand sich nun Neugart, der längst schon die Wissenschaft liebte. Neugart wurde im Jahre 1767 Professor der orientalischen Sprachen an der Universität zu Freiburg in Breisgau, kehrte aber im Jahre 1771 wieder nach St. Blasien zurück, um das Lehramt der Theologie daselbst zu übernehmen. Im Jahre 1780 wurde er Pfarrer zu Gurtweil, einem St. Blasianischen Dorfe bei Waldshut am Rhein, wo er im Auftrage des Abtes Gerbert Materialien zur Geschichte des Bisthums Constanz .sammelte. Im Jahre 1781 war er Pfarrer zu Nöggenschwiel, im Jahre 1782 wieder zu Gurtweil. Zur Herausgabe seines „Codex diplomaticus Alemaniae“ mußte er viel in den Schweizer Archiven und namentlich in dem reichen Archive und der Bibliothek der Fürstabtei St. Gallen nachforschen, allein man machte ihm allerlei Schwierigkeiten, besonders bei der Sammlung neuerer Urkunden, die man nicht veröffentlicht haben wollte, so daß er sich über das Widerstreben und den vielen Verdruß wegen der Sammlung und Veröffentlichung der Urkunden im Jahre 1789 gegen den ausgezeichneten Urkundensammler van der Meer bitter beklagte. Im Jahre 1792 wurde er Pfarrer in Bondorf, bald darauf Administrator der Propstei Krotzingen und 1795 und 1801 Stiftsdecan und Statthalter. Abt Gerbert war im Jahre 1793 gestorben, sein Nachfolger, Fürstabt Mauritius Ribbele, starb im Jahre 1801, ihm folgte im November d. J. der letzte Abt von St. Blasien, Berthold Rottler, unter welchem vier Jahre später das Benedictinerkloster zu St. Blasien auf dem Schwarzwalde aufgehoben wurde, worauf der Fürstabt Berthold sich nach Oesterreich begab, wo man aus Dankbarkeit, weil er dem kaiserl. [247] Hofe zu Wien ein beträchtliches Anlehen gemacht hatte, nicht nur ihm, sondern auch einen Theil seiner Conventualen, die ihm gefolgt waren, das Kloster St. Paul in Kärnthen einräumte. Zur Zeit der ausgeführten Aufhebung des Klosters war Neugart wieder Propst zu Krotzingen. Er wanderte nun ebenfalls nach Oesterreich im Jahre 1807 aus. Zu St. Paul setzte Neugart seine historischen Forschungen unverdrossen fort und selbst die Schmerzen am Krankenlager hinderten den 83jährigen Greis nicht, neue Excerpte aus historischen Quellenwerken zu sammeln. Er starb im Kloster daselbst im Jahre 1825, wo er auch begraben liegt. Er veröffentlichte nachstehende Werke: „Doctrina de sacramento poenitentiae episcoporum epistolis pastoralibus et decretis explicata ed asserta“ (St. Blasii 1778); – „Praecum quotidianarum Spicilegium“ (ibid.); – „Codex diplomaticus Alemaniae et Burgundiae Trans-Juranae intra fines diocesis Constantiensis ceu fundamentum historiae ejusdem diocesis. Tom. I continens diplomata, privilegia, praecepta omnisque generis chartas pagenses inde a medio Sec. VII ad finem Seculi X. edidit digessit, notisque illustravit“; – tom. II: „Sistens diplomata, ac privilegia cum pontificia tum regia omnisque generis chartas a sec. IX ad secul. XVIII“ (St. Blasii 1795), es ist dieß eine reichhaltige Fundgrube zur Geschichte des Bisthums Constanz; – „Episcopatus Constantiensis, illustratus a – –“, P. I, t. 1 (ibid. 1805). In der Abtei zu St. Florian in Oberösterreich findet sich eine Abschrift von 211 Blättern in Folio ohne Namen des Verfassers, sie enthält: „Disquisitio praevia: De initio christianae religionis eiusdem propagatione intra limites episcopatus Constantiensis primis quinque seculis. Lib. I: Historia Episcop. Constantiensis. De episcopis Vindonissenibus et Constantiensibus saeculo VI. de Bubulco s. Fridolino, Gramatico, Maximo, Rudelone. Lib. II: Historia Episc. Constant. saecul. VII. de episeopis Gaudentio, Johane, Martino“. Eine Fortsetzung der obgenannten Arbeit, betitelt: „Episcopatus Constantiensis Alemanicus continens annales tam profanos quam eccles. cum statu literarum ab an. 1101 ad an. 1308“, gleichfalls Handschrift, erhielt der berühmte Alterthumsforscher Joseph Christoph Maria Reichsfreiherr von Laßberg zu Meersburg, es war ein Geschenk des Schultheißen Nikolaus Friedrich von Mülinen zu Bern, der sie von Neugart erhalten hatte. Dieser Band enthält 624 Seiten in Folio und besteht aus einem Texte von 206 Paragraphen für das XII. und 232 für das XIII. Jahrhundert und einem Anhange von 50 Urkunden. Er sollte im Jahre 1816 gedruckt werden, aber Neugart fand keinen Verleger; um einen solchen zu finden, wurde das Manuscript von ihm dem Schultheiß Mülinen übergeben, der aber außerhalb Oesterreich ebenso wenig glücklich war. Auch Laßberg fand später keinen Verleger und gegenwärtig dürfte es in dem fürstlich Fürstenberg’schen Archive und Bibliothek zu Donaueschingen – wohin der Nachlaß des ohne Söhne verstorbenen Freiherrn von Laßberg kam – aufbewahrt sein. Obgleich Neugart nach seiner Uebersiedlung in das kärnthnische Kloster St. Paul selbst nichts mehr im Drucke herausgegeben hat, so war er deßhalb nicht unthätig geblieben, und hat im Gegentheile seine historischen Forschungen fleißig fortgesetzt. Erst viele [248] Jahre nach seinem Tode erschien seine „Historia Monasterii Ord. S. Benedicti ad S. Paulum in valle inferioris Carinthiae Lavantina“, Partes duo“ (Clagenfurtii 1848 et 1854, Leon, 8°.), von einem Priester des Benedictinerordens herausgegeben. Die steiermärkische Zeitschrift, redigirt von Dr. L. C. von Vest, von Thinfeld, Dr. Schreiner und von Muchar gibt aber in ihrem 12. Hefte (Gratz 1834), S. 141, Nachricht von dem reichen handschriftlichen Nachlasse Neugart’s, welcher für den Geschichtsforscher um so größeren Werth besitzt, als Neugart als gewissenhafter und zuverlässiger Forscher bekannt ist. Die Titel dieser Handschriften sind: Rudolphi Caesaris Majores materni“; der vollständige Titel ist: „Libellus Majores maternos Rudolphi I. in Gottfrido Duce Alemaniae Proava Hildegardae, conjugis Caroli M. subsistente exhibens“, scripsit P. Trudpert Neugart an. 1816, mit dem Motto: „Genus immortale manet“. Das Ganze enthält die reichsten Fundgruben für die Geschichte des erlauchten Hauses Habsburg; – „Questio duplex de duobus Udalricis, Marchionibus Austriae, qui saeculis XI. et XII. extitere, explicata“; – „Specimen Lexici topographico-genealogici Interioris Austriae“; – „Codex Traditionum Abbatiae St. Pauli in Carinthia inferiore, Cum Diplomatibus miscellis. Collegit notisque illustravit“; – „Excerpta pro historia Carinthiae et Styriae“, ein wahrer Schatz, gesammelt in den Bibliotheken der österreichischen Monarchie; – „Genealogia Sonneciorum Comitum Celeiae et Comitum de Heunburg“, dieses ist zwar ein Werk des auch als Numismatiker bekannten P. Fröhlich und schon 1755 erschienen; allein Neugart hat dabei das besondere Verdienst, daß er darin mehrere zweifelhafte Stellen durch Beibringung glaubwürdiger Urkunden berichtigt; – „Collectanea ad Historiam Carinthiae sacram et profanam“. Als kleinere Monographien hinterließ er die Geschichte der Klöster St. Georgen am Längsee, Viktring, St. Lamprecht und der Propstei Maria Werd, welch letzteres Manuscript leider verloren gegangen ist. Dr. Mann in seinem Aufsatze: „Die historische Literatur über Kärnthen“, der in den „Oesterreichischen Blättern für Literatur und Kunst“ 1856, Nr. 28, abgedruckt war, gibt S. 218 eine treffende und für jeden Historiker interessante Beurtheilung Neugart’s als Historikers insbesondere und seiner Stellung wie jener seines Ordens zur historischen Forschung im Allgemeinen, wobei es nicht an Seitenbeziehungen über den Standpunct der Benedictiner zur Lehre Luther’s und den Forschern, die ihr angehören, zu den Jesuiten u. dgl. m. fehlt, welche bei Männern wie Neugart, der stets zu den Quellenschriftstellern beigezählt werden wird, immer in Erwägung gezogen werden müssen.

Oesterreichische Blätter für Literatur und Kunst, Geschichte, Geographie und Statistik. Beilage zur Wiener Zeitung. Herausgegeben von Dr. Ad. Schmidl (Wien, gr. 4°.) 1856, Nr. 28, in dem Aufsatze von Dr. Mann aus Heidelberg: „Die historische Literatur über Kärnthen“. – (Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1816, Nr. 134 u. 135. – Programm des k. k. Staatsgymnasiums zu Klagenfurt (Klagenfurt, Joh. Leon, gr. 8°.) 1851, S. 56. – Hermann (Heinrich)[WS 1], Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnthen (Klagenfurt, J. Leon, 8°.) III. Bd. 3. Heft (1860), Culturgeschichte Kärnthens vom Jahre 1790–1857 (1859) oder der neuesten Zeit, S. 188. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer [249] und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 39; Bd. VI, S. 566. – Carinthia (Klagenfurter Unterhaltungsblatt, 4°.) 1855, Nr. 33: „Literarische Notiz“, von Ankershofen. – Oesterreichische Biedermanns-Chronik. Ein Gegenstück zum Phantasten- und Prediger-Almanach (Freiheitsburg [Akademie in Linz] 1785, 8°.) Erster (und einziger) Theil, S. 149. – Gradmann (Joh. Jac.), Das gelehrte Schwaben, oder Lexikon der jetzt lebenden Schriftsteller u. s. w. (im Verlag beim Verfasser, 1802, 8°.) S. 412. – Universal-Lexikon vom Großherzogthume Baden, bearbeitet und herausgegeben von einer Gesellschaft von Gelehrten und Vaterlandsfreunden (Karlsruhe 1844, C. Macklot, 8°.) S. 822. – Handschriftliche Notizen des Dr. Mezler von Andelberg, Bezirksarzt zu Weitz in Steiermark.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Hermann (Hermann).