BLKÖ:Strauß, Johann I. Vater

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Strauß, Georg
Band: 39 (1879), ab Seite: 327. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Strauss (Vater) in der Wikipedia
GND-Eintrag: 118619098, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Strauß, Johann I. Vater|39|327|}}

Strauß, Johann I. Vater (Tanz-Componist, geb. in Wien 14. März 1804, gest. ebenda am 25., n. A, schon 24. September 1849). In seines Vaters Wirthshaus „Zum guten Hirten“ in der Wiener Leopoldstadt verlebte der Sohn die Zeit seiner Kindheit und seiner Knabenjahre. Frühzeitig verrieth sich das große Musiktalent des Jungen, der auf einer Kindergeige nachzuahmen versuchte, was er des Abends von den Spielleuten in der Schänke vernommen hatte. Als er in die Schule kam, fand er bei seiner Vorliebe für die Musik am Unterrichte kein Gefallen, und erst als der Lehrer dessen Talent entdeckte und ihm deshalb seine Theilnahme schenkte, ging es auch in den anderen Gegenständen besser mit ihm vorwärts. Nur zu bald schlug die Stunde, in welcher die Eltern über ihres Kindes Zukunft zu Beschlusse kommen mußten. Einen Wirthshaus-Fiedler wollten sie ihren Sohn doch nicht werden lassen, ihn durch gute Lehrer in der Musik auszubilden fehlten leider die Mittel, so sollte er denn ein Handwerk lernen, und es wurde beschlossen, ihn zu einem Buchbinder in die Lehre zu geben. So kam er zu einem solchen, zu Johann Lichtscheidl in der Leopoldstadt, welcher sich dem Burschen, der bei seinem Hange zur Musik mit dem schlichten Handwerk sich nun und nimmer befreunden wollte, nicht eben als gütiger Lehrherr erwies. Nichtsdestoweniger wurde der Knabe ein geschickter Buchbinder, und als er bereits der berühmte Walzergeiger geworden, bewahrte sein Lehrherr noch ein von jenem gebundenes lateinisches Gebetbuch (Officinum Rakoczianum) das später in die Hände des Wiener Literaten Adolph Karl Naske [Bd. XX, S. 88] gelangte. Aber bei dem Widerwillen, mit welchem der Lehrling die Buchbinderei betrieb, kam es zwischen diesem und dem Meister immer wieder zu Conflicten, deren einer sich endlich dahin zuspitzte, daß Lichtscheidl seinen widerspenstigen Burschen beim Schopfe nahm und aus der Werkstätte zum Boden hinaufschleppte, wo er ihn mit Stricken festband. Strauß schrie nun aus allen Leibeskräften, und die Frau des Lehrherrn, ein gutes, sanftes Wesen, das den stillen musikalischen Knaben längst liebgewonnen und ihm überhaupt, so weit sie dazu in der Lage gewesen, Gutes erzeigt hatte, befreite ihn von den Banden. Er vergaß ihr die ihm erwiesene Güte niemals, er ehrte und schätzte sie und unterstützte sie bis an ihr Lebensende. Endlich aber wurde dem Lehrling die Tyrannei des Meisters doch zu arg; er verließ ihn heimlich und floh, da er den Muth nicht hatte, ins Elternhaus zurückzukehren, nach Döbling. Dort sah und erkannte den Knaben ein Herr, der in der Nähe der Eltern desselben wohnte; er, dem sich der entlaufene Lehrling in seiner Noth anvertraute, übernahm jenen gegenüber die Vermittlerrolle; ja er bat sie, ihm den Knaben, den er in der Musik ausbilden wolle, zu übergeben. In der That blieb Strauß bei diesem Herrn, der ihn zugleich mit seinem Sohne von dem Musiklehrer Polyschansky unterrichten ließ. Den Namen dieses Wohlthäters kennen wir nicht, und auch Herr Scheyrer, der in breitspuriger Weise minder Interessantes über Strauß berichtet, [328] nennt ihn nicht, wie er eben das Wichtigste – das Menschliche – in des Künstlers Leben nur oberflächlich oder gar nicht berührt. Wir wissen nur noch, daß Strauß mehrere Jahre ein Schüler Seyfried’s [Bd. XXXIV, S. 176] gewesen, bei dem er sich gründliche Kenntnisse im Generalbaß und in der Instrumentirung erwarb. Durch Polyschansky wurde Strauß zunächst als Mitwirkender bei Streich-Quartetten in Privathäusern eingeführt, und er übernahm da meist den Viola-Part. Später, im Alter von 15 Jahren, fand er eine Stelle im Orchester des in Wien beliebten Musik-Directors Pamer[WS 1] beim Sperl[WS 2]. Eben um diese Zeit, 1819, spielte Lanner mit den Brüdern Drahanek öfter im Gasthause „Zum grünen Jäger“ in der Leopoldstadt und im Jünglings’schen Kaffeehause. Dieses musikalische Kleeblatt war seines trefflichen Zusammenspiels wegen sehr beliebt, und nachdem Strauß es einige Male gehört hatte, gerieth er auf den Gedanken, sich ihm als Vierter anzuschließen. Lange zögerte er aus Schüchternheit, doch als er endlich so viel Muth gewann, seinen Antrag vorzubringen, wurde derselbe angenommen und Strauß der College Lanner’s. Dies fand im Frühling 1823 statt. Das Quartett Lanner-Drahanek-Strauß hielt nun innig zusammen. Als im Fasching 1824 der immer beliebter werdende Lanner in mehreren Localitäten die Musik zu besorgen hatte und deshalb sein Personal verstärken mußte, wählte er Strauß zu seinem Stellvertreter im „Grünen Baum“. Bald darauf dirigirte Strauß auch die Musik in der Schankwirthschaft „Zum Brunnen“ in der Fleckfiebergasse der Roßau. Dort lernte er des Wirthes Joseph Streim Töchterlein Anna kennen und lieben und heiratete sie noch in demselben Jahre. Die Verbindung Lanner’s mit Strauß dauerte noch fort, als die Freundschaft zwischen Beiden durch mancherlei Zwischenfälle gestört, ja längst erkaltet war. Während Lanner in den Jahren 1825 und 1826 in den ersten Ball-Localitäten und Unterhaltungsorten Wiens mit seinem Orchester spielte, hatte Strauß, obgleich er noch bei Jenem mitwirkte, doch ein eigenes Quintett gebildet, mit dem er zuerst beim „Rothen Igel“ in der Leopoldstadt auftrat. Endlich aber gelangte er zur Ueberzeugung, daß sein halb abhängiges, halb selbständiges Wirken auf die Dauer nicht durchführbar sei, und im September 1825 kam es zur friedlichen Trennung, bei welcher ein Theil des Lanner’schen Orchesters aus Anhänglichkeit zu ihm überging. Trotzdem blieb er mit Lanner bis zu dessen am 14. April 1843 erfolgtem Tode in ungetrübtem freundschaftlichen Verkehre. Im Carneval 1826 stand nun der 22jährige Strauß in dem berühmten Saale „Zum Schwan“ in der Roßau als Capellmeister an der Spitze seines eigenen Orchesters von vierzehn Personen und gewann sich schnell die Gunst des Publicums. Bisher hatte er wohl Manches componirt, aber sich nie als Autor bekannt, und so wurden seine Compositionen von verschiedenen Tanzmusik-Directoren Wiens gespielt, ohne daß man deren Verfasser ahnte. Als jedoch seine Beliebtheit als Orchester-Director wuchs und er für das Fingerl’sche Hotel in Döbling, dann für das beliebte Gartenlocal bei den „Zwei Tauben“ am Glacis gewonnen wurde, führte er an letzterem Orte zum ersten Male eine Walzer-Partie auf, als deren Autor er sich auf dem Anschlagszettel nannte. Es waren dies die später bei [329] Haslinger als Opus 1 erschienenen „Täuberl-Walzer“, welchen bald mehrere andere folgten. Seinen Ruf als Walzer-Compositeur begründeten jedoch erst die im Fasching 1827 in den Localitäten, „Zur Kettenbrücke“ in der Leopoldstadt aufgeführten und nach denselben benannten „Kettenbrücken-Walzer“, wovon zwei Lieferungen mit einem Galop als Opera 4, 19 und 8 im Druck erschienen. In den Jahren 1828 und 1829 dirigirte Strauß die Tanzmusik in den vorbenannten Sälen „Zur Kettenbrücke“; im Fasching 1830 aber folgte er einer Einladung Scherzer’s, in den Sperl-Sälen in der Leopoldstadt, und der Erfolg war ein so durchschlagender, daß Jener mit ihm auf sechs Jahre (1830–1836) abschloß, in welchen der Ruf und Ruhm der Sperl-Säle und ihres Orchester-Directors begründet und sozusagen ein europäischer wurde. In der Zwischenzeit (1834) wurde Strauß auch zum Capellmeister des ersten Wiener Bürger-Regiments ernannt. Seine Beliebtheit als Orchester-Director war bereits so groß, daß alle bedeutenderen Belustigungsorte um die Ehre geizten, auf ihren Ankündigungszetteln melden zu können, Strauß werde das Orchester dirigiren. In der That erschien er auch zur Faschingszeit manche Nacht in drei bis vier Localitäten, in jeder ein paar Tonstücke persönlich dirigirend. Als dann in dem seinerzeit so beliebten Tivoli bei Schönbrunn die berühmten Tivoli-Rutsch-Partien stattfanden, besorgte er daselbst die Musik. Im Jahre 1835 wurde ihm von Seite des kaiserlichen Hofes die Musik auf dessen Festen und Bällen übertragen. Da er die Musik an so vielen Orten: in Hietzing, Döbling, im Krapfenwaldel u. a. dirigirte, bestand sein Orchester öfter aus 100–200 Mitgliedern, aus welchen er sich die besten Kräfte, meist Virtuosen ihres Instrumentes, zu einem Stamm-Orchester zusammensetzte, das der Capelle der kaiserlichen Hofoper durchaus nichts nachgab. Mit diesem Corps führte er nicht blos seine Tanzmusik, sondern oft auch ein Programm aus, welches Tondichtungen höherer Art enthielt: Ouverturen, Opern- und Concertstücke, so daß seine Musikunterhaltungen Vorträge boten, wie man deren sonst nur in den ersten Concerten und Akademien zu Gehör bekam. Da sich nun sein Ruhm längst über die Grenzen Wiens verbreitet hatte, kam ihm auch der Gedanke, mit seinem Orchester Kunstreisen durch Europa zu machen. Nachdem er sich mit dieser Idee vertraut gemacht und die Schwierigkeiten bei Ausführung derselben wohl erwogen hatte, unternahm er im Jahre 1833 den ersten Ausflug nach Pesth. Der Erfolg war ein so glücklicher, daß er beschloß, ganz Deutschland zu durchreisen. Am 2. November 1834 fuhr er mit seiner Gesellschaft nach Berlin, wo er im Königsschlosse mehrere Concerte gab und von Seite des Monarchen und des in Berlin weilenden russischen Kaiserpaares der huldvollsten Aufnahme sich erfreute. Noch besuchte er Leipzig und Dresden und traf am 12. December 1834 wieder in Wien ein. Im September 1835 durchzog er das westliche Deutschland und gab Concerte in München, Augsburg, Ulm, Stuttgart, Heilbronn, Karlsruhe, Heidelberg, Mannheim, Wiesbaden, Frankfurt a. M., Offenburg, Hanau, Nürnberg, Regensburg und Passau. Am 21. December 1835 kam er nach Wien zurück, wo er wieder die Carnevals-Musik 1835/36 und die Sommer-Concerte dirigirte. Im September 1836 unternahm er eine neue Reise, auf welcher er in [330] Prag, Dresden, Halle, Magdeburg, Braunschweig, Hannover, Hamburg, Bremen, Oldenburg, Osnabrück, Münster, Düsseldorf, Amsterdam, Haag, Köln, Aachen, Lüttich, Brüssel, Bonn, Mainz, Frankfurt a. M., Würzburg und Regensburg spielte. Am 30. December kehrt er von seinem viermonatlichen Triumphzuge durch Deutschland und Belgien nach Wien zurück. Obgleich diese Künstlerfahrten großen Beifall fanden und die Erfolge glänzend zu nennen waren, so bestand die eigentliche Ausbeute doch mehr in Ruhm als Geld, da eine Reise mit zwanzig bis dreißig Mitgliedern, die überall in den besten Hotels einlogirt und auf das reichlichste verpflegt wurden mit großen Kosten verbunden war. Die nächsten Ausflüge, die er nach der Seine-Stadt und dann über den Canal nach London plante, sollten ihn aber auch pecuniär entschädigen. Am 4. October 1837 trat er in Gesellschaft von 28 seiner besten Orchester-Mitglieder, mit denen er auf die Dauer eines Jahres contrahirt hatte, seine große Kunstfahrt an. Am 21. October gab er das erste Concert in Straßburg und am 27. hielt er seinen Einzug in Paris. Schon am 1. November gab er seine erste Production im Gymnase musical; trotz der hohen Eintrittspreise war der Zulauf ein großer, und obgleich er an zwei Capellmeistern, dem berühmten Musard (dem Pariser Strauß) und Dufresne, mächtige Rivalen hatte, siegte er doch, und der Andrang zu seinen Productionen steigerte sich mit jedem Tage. Auch vor Ludwig Philipp spielte er und wurde königlich belohnt. Ein glücklicher Gedanke war es, daß er mit Musard auf einen Cyclus von 30 Concerten abschloß, wodurch er jeder Rivalität die Spitze abbrach. Abgesehen von je einem Ausfluge nach Rouen (13.–19. December) und Havre (23. December) spielte er fortwährend in Paris, daselbst vom 27. December 1837 bis Ende Februar 1838 auch in den Salons des hohen französischen Adels und der Finanzwelt, dann auf den Maskenbällen in St. Honoré und im Casino Paganini. Bezeichnend für des Meisters Ehrenhaftigkeit und Künstlerstolz ist die Thatsache, daß er dem Ansinnen, sein Orchester maskiren und im Costüme spielen zu lassen, mit aller Entschiedenheit entgegentrat und sich von seinem Entschlusse auch dann nicht abbringen ließ, als der französische Minister des Innern und der österreichische Gesandte es versuchten, den Meister für diese Maskerade zu gewinnen. Nachdem er noch Concerte in Amiens und Lilie gegeben, besuchte er mit seiner Gesellschaft das benachbarte Belgien, concertirte in Antwerpen, Mecheln, Brüssel, Löwen, Genf und Lüttich und rüstete sich endlich zur Ueberfahrt nach London. Schon waren alle Vorbereitungen zur Reise über den Canal getroffen, als ein Mitglied seiner Gesellschaft heimlich Intriguen spann und mehrere Collegen zur Weigerung, die Seefahrt nach London mitzumachen, zu überreden wußte. So großartig nämlich die Erfolge des Meisters in der Seine-Stadt waren, so verschlangen bei der Liberalität, die er gegen seine Gefährten in Verpflegung und Wohnung walten ließ, doch die Auslagen fast sämmtliche Einnahmen, und er sah sich gezwungen, werthvolle Kleinodien und Geschenke theils zu veräußern, theils zu verpfänden, um seinen Verpflichtungen gegen das Orchester nachzukommen. Diesen Umstand hatte das vorerwähnte Mitglied benutzt, um einen großen Theil [331] des Orchesters für die pecuniäre Sicherheit, und zwar in einem ihnen ganz fremden Lande, besorgt zu machen und zuletzt zum Entschlusse zu bringen, sich von dem Meister zu trennen. Als dieser aber den gegen ihn gerichteten Anschlag erfuhr, berief er seine Leute zusammen, erinnerte sie an die abgeschlossenen Verträge, stellte ihnen klar die ganze Situation vor, theilte ihnen seine Empfehlungen an Hof und Adel Londons mit, und obwohl überhaupt kein Redner, überzeugte er doch durch die Gemüthlichkeit, mit welcher er seine Ansprache hielt, und durch die Wahrheit der Darlegung die ganze Gesellschaft von dem Unrecht, das sie gegen ihn zu begehen willens war, und der Ränkeschmied wurde aus ihrer Gemeinschaft gestoßen, am 11. April 1838 aber die Reise über den Canal auf dem Dampfer „Princess Victoria“ angetreten. Der österreichische Gesandte in London Fürst Paul Eszterházy nahm sofort den Capellmeister in seinen Schutz, und die Verwendung des bei Hof und Adel gleichbeliebten Fürsten war für Strauß von den ersprießlichsten Folgen. Er dürfte seine ersten Concerte als under the patronage of his serene Highness the Prince Esterhazy, die späteren sogar als under the patronage of her Majesty the Queen Victoria etc. ankündigen. Die Zeit seines Londoner Aufenthaltes, welcher bis in die ersten Tage des December 1838 währte, ist eine inhaltreiche. Die Einnahmen waren in Folge der hohen englischen Preise großartig. Für zwölf Concerte erhielt er 1200 Guineen (über 12.500 fl.) garantirt, die wirkliche Einnahme stellte sich immer höher. Von seiner Ankunft im April bis 10. Juni trat er 35mal mit seinem Orchester öffentlich auf, außerdem aber wirkte er bei den zahlreichen Festen und Bällen, welche der Adel zur Krönungsfeier der jungen Königin Victoria gab, mit und wurde überall fürstlich honorirt; für eine Production erhielt er in der Regel 100 Pfd. St. Honorar, mußte aber nicht selten zwei Productionen an einem Tag geben. In einem seiner Concerte eröffnete die damals achtjährige Therese Milanollo[WS 3] ihre Künstlerlaufbahn. Im Ganzen spielte Strauß vom 17. April bis zum 28. Juli 72mal: 38mal in öffentlichen Concerten, 8mal vor der Königin, 6mal bei Almaks und 20mal in den Palästen der Londoner Aristokratie. Vom 31. Juli ab besuchte er die größeren Städte Großbritanniens, darunter Birmingham, Liverpool, Dublin, letzteren Ort am 15. August. Dabei geschah es, daß Londoner Gauner auf der Fahrt von Southampton nach Brighton die Chatoulle des Reiseagenten mit nahezu tausend Gulden und das Bombardon, welch letzterer Verlust ihn besonders empfindlich traf, stahlen. Allmälig aber wurde die Stimmung seiner Gesellschaft eine widerhaarige; die Sehnsucht nach der Heimat, dann die Ermüdung von den Strapazen des Hin- und Herreisens, endlich die veränderte Lebensweile thaten das Ihrige, um die Rückkehr wünschenswerth zu machen. An Wühlern in der kleinen Gesellschaft, fehlte es auch nicht, und Strauß mußte, ob er wollte oder nicht, Anstalten treffen, das Inselland zu verlassen, in das er aber, da er manche Verbindlichkeiten daselbst übernommen, bald wieder zurückkehren sollte. Am 12. August brach er von London auf. Die nächste Rast hielt er in Boulogne, wo er, wie darauf in Abbeville und Havre, concertirte. Dann ging es nach Rouen und von da nach [332] Belgien. In Mecheln aber kam es zwischen ihm und der Gesellschaft, welche indessen von seiner Absicht, nach England zurückzukehren, Kenntniß erhalten hatte, zum offenen Bruch. Jedoch war Strauß in seinem Rechte, die auf ein Jahr geschlossenen Contracte liefen erst im October ab. Sein gemüthliches Welen, überdies durch den letzteren Umstand unterstützt, führte seine Leute zum Gehorsam zurück, und so landete er denn am 27. September wieder in Southampton. Nun begann neuerdings die Concerte-Jagd, denn so muß man füglich diese Tour nennen, auf welcher er in Reading, Cheltenham, Leanington, Worcester, Leicester, Derby, Nottingham und Cheffield sich hören ließ. In letzterem Ort aber kam er übel genug an. Cheffield ist eine meist von Quäkern bewohnte Stadt und der Concertsaal war sehr spärlich besucht. Noch schlimmer erging es ihm aber in Halifax, wo sich nur sieben Personen im Theater einfanden. Erst als die Musikfreunde in der Stadt erfuhren, daß es der berühmte Wiener-Capellmeister gewesen, welcher das Concert gegeben, das sie nicht besucht hatten, nahmen der Theater-Director und einige der vornehmsten Einwohner der Stadt Extrapost und holten Strauß noch in Leeds ein, wo sie ihn nach artigen Entschuldigungen und vorgeschlagenen Garantien zur Rückkehr überredeten. Anfangs November begab er sich mit seinem Orchester nach Schottland, trat in Edinburgh und Glasgow auf und kehrte dann – aber bereits stark leidend – nach England zurück, wo sein Zustand sich mit jedem Tage verschlimmerte. Durch eine starke Dosis Opium, die ihm ein Arzt in Derby verabreicht hatte, sah er sich dem Tode nahe. Ungeachtet seines Besorgniß erregenden Zustandes trat er die Rückreise nach dem Continent an. In Straßburg, Kehl und zuletzt in Linz traten jedoch derartige Steigerungen seines Leidens ein, daß man die Hoffnung, ihn lebend nach Wien zu bringen, bereits aufgab. Als er endlich sterbenskrank in Wien eintraf, überfiel ihn ein Nervenfieber von furchtbarer Heftigkeit. Sein Namensvetter Dr. Franz Strauß [S. 362, Nr. ] entriß ihn durch geschickte Behandlung dem Tode. Mit Beginn des Carnevals war die Genesung bereits so weit vorgeschritten, daß Strauß seine Functionen als Capellmeister wieder aufnehmen konnte. Sein erstes. Auftreten beim Sperl glich einem Volksfeste. Obwohl ihm sein Arzt dringend Schonung geboten hatte, unterließ er es doch, diesem Rathe nachzukommen, und geigte wie zuvor darauf los. An einem der letzten Tage des Carnevals spielte er bei dem russischen Gesandten und wieder mit seinem hinreißenden Zauber. Aber gegen die Mitternachtsstunde wurde der Künstler immer schwächer und schwächer, und eben hatte er ein Tanzstück geendet, als er besinnungslos vor dem Notenpulte zusammenbrach. Eine monatelange schwere Krankheit – ein Nierenleiden – hielt ihn nun ans Zimmer gebannt, das er erst im Frühjahr 1839 wieder verlassen konnte. Am 1. Mai genannten Jahres begingen die Wiener im Augarten, wo er zum ersten Male wieder auftrat und sie zu Tausenden sich eingefunden hatten, sein Genesungsfest. Die nächsten zwei Jahre brachte der Meister, einen kurzen Ausflug nach Brünn abgerechnet, in Wien zu. Diese Zeit ist insofern bemerkenswerth, als Strauß in derselben den bis dahin mit Vorliebe getanzten Galop durch die viel zierlichere Quadrille, [333] welche er in Paris genau studirt hatte, verdrängte und die letztere mit dem glänzendsten Erfolge in Wien heimisch machte, wo sie bis auf den heutigen Tag sich erhalten hat. Mit diesem Tanze trat er zuerst im Opus 124 – „Wiener Carneval-Quadrille“ – auf, welcher dann die „Jubel-“, „Mode-“, „Haute Volée-“, „Saison-Quadrille“ u. a. folgten. Galope componirte er von dieser Zeit an nicht mehr, sondern abwechselnd nur Walzer, Quadrillen und Polka, sowie etliche Märsche, von denen der berühmte „Radetzky-Marsch“ europäisch wurde. Im November 1841 machte Strauß einen Ausflug nach Pesth, von dort nach Raab; nach seiner Rückkehr brachte er in Wien zum ersten Mal die berühmten noch heute auf dem Repertoire stehenden „Donaulieder“ (Op. 127) zur Aufführung. Am 16. April 1843 gab er seinem alten Collegen Lanner mit der Bürger-Musikbande das letzte Ehrengeleite. Im Spätherbst 1844 unternahm er eine Kunstfahrt nach Olmütz, Troppau, Teschen und Neutitschein, im Herbst 1845 wendete er sich wieder nach Norddeutschland und concertirte in Dresden, Magdeburg und Berlin. In letzterer Stadt wurden ihm mannigfache Huldigungen; nicht nur, daß sein Bildniß in Stahlstich und Steindruck in allen Auslagen hing, daß man Modeartikel nach ihm benannte, daß der König selbst bei einem Concerte im Kroll’schen Garten erschien und den Meister persönlich zu einer Production im Schlosse einlud, die schönste Huldigung bereitete ihm der damalige Prinz von Preußen, heutige Kaiser von Deutschland, welcher über 200 Musiker aus den verschiedenen Musikcorps der preußischen Regimenter unter der Leitung des General-Capellmeisters Wipprecht in den Kroll’schen Saal beordern und Strauß mit seinem Orchester als Zuhörer dahin einladen ließ. Die königlichen Prinzen, die Generalität und viele Personen des hohen Adels fanden sich zu diesem dem Wiener Meister zu Ehren veranstalteten Huldigungsconcerte ein. Zu seiner Abreise von Berlin wurde ihm ein großartiger Fackelzug mit Serenade gebracht. Bei seiner Heimkehr aus dem Norden erfolgte seine Ernennung zum Hofball-Musikdirector. Er hatte seit 1835 nur die Musik der Hofbälle zu besorgen gehabt. Nachdem er dann im Herbst 1846 in Oesterreichisch- und Preußisch-Schlesien, und zwar in letzterem zu Breslau und Ratibor. Concerte gegeben, machte er im Herbst 1847 einen zweiten Ausflug nach Berlin. Als er bei einem Hofconcerte in Charlottenburg den österreichischen Defilirmarsch (Op. 209) vortrug, sagte der König zu ihm: „Hören Sie, der Marsch gefällt mir, er gehört mir und heißt für ewige Zeiten preußischer Armeemarsch“ [ob derselbe auch bei Königgrätz und in den Nebeln von Chlum gespielt worden, ist mir nicht bekannt]. Von Berlin aus besuchte Strauß im genannten Herbst Hamburg, wo er Hindernisse des Zunftneides zu besiegen hatte. Man verweigerte nämlich dem Meister eine Orchesterverstärkung, welche er dringend benöthigte. Selbst die Verwendung eines Senators blieb ohne Erfolg. Er mußte das Gewünschte mit theurem Gelde durch einen Agenten aus Harburg besorgen lassen. Diese Unfreundlichkeit der Hamburger erwiderte er durch ein Concert zum Besten der Armen, welches für dieselben einen Ertrag von 600 Mark ergab. Von Hamburg aus besuchte er Hannover, wo ihn der König auf das [334] ) huldvollste aufnahm und schon wenige Tage nach seiner Abreise zu einem zweiten Concerte einlud. Ueber Magdeburg und-Berlin kehrte er nach Wien zurück, wo der Fasching des Jahres 1848 noch im goldenen Schleier der uralten einzigen Wiener Gemüthlichkeit dahinbrauste. Die Walzertöne der „Adepten“, Op. 216, der „Amphion-Klänge“, Op. 224, und der „Aether-Träume“, Op. 225, besiegelten die vormärzliche Tanzära Wiens. Die Zeit war über Nacht eine andere geworden, und sie ist auch nie wieder zur alten – vormärzlichen Gemüthlichkeit zurückgekehrt. Strauß nahm die ersten Regungen der Freiheit wie Jeder, der befreit vom politischen Alp des Vormärz aufathmete, mit Begeisterung auf und gab ihnen auch in seinen Compositionen Ausdruck, wie es schon die Titel derselben andeuten: „Oesterreichischer Nationalgarde-Marsch“, Op. 221, – „Marsch der Studenten-Legion“, Op. 223, – „Freiheits-Marsch“, Op. 226, – „Marsch des einigen Deutschland“, Op. 227, – „Brünner Nationalgarde-Marsch“, Op. 231; aber wenn auch seine Geige einige neue Walzer aufspielte, wie z. B. die „Sorgenbrecher“, Op. 230, und die „Landesfarben“, Op. 232, so sieht man doch selbst darin die gewaltige Veränderung, welche eingetreten: indem man mehr marschirte als tanzte. Und zuletzt gleich Allen, welche die stets steigende Bewegung aufmerksam beobachteten, konnte gerade er mit seinem echten alten Wiener Herzen dieser Freiheit, welche die Studenten und Blousenmänner boten, nicht recht froh werden. Und so geschah es denn, daß auch ihn der „damalige“ Schimpf, ein „Schwarzgelber“ zu sein, traf. Er ertrug denselben mit dem Gleichmuth des wahren Patrioten. Er verleugnete seine altösterreichische Gesinnung auch dann nicht, als er in den Octobertagen gezwungen war, im Belvedere, dem damaligen Hauptlager der Revolutionsführer, fast täglich mit seiner Capelle Productionen zu halten. Man sieht, in einem Puncte war selbst die Revolution conservativ geblieben: sie mochte ihren gemüthlichen Strauß nicht entbehren. Der Carneval 1849 fand ein bombardirtes Wien, in welchem in tausend Familien die Schmerzen über die Octobertage und deren Folgescenen noch immer nachzuckten. Das war kein Boden mehr für Strauß. Er suchte in der minder heimgesuchten Provinz eine Zufluchtsstätte. Er wurde in Prag gastlich willkommen geheißen, ebenso in Olmütz. Anfangs März besuchte er mit seiner Capelle München, wo seine Concerte wie einst die beste Aufnahme fanden. Von da ging er nach Stuttgart, dann über Heilbron, Heidelberg nach Frankfurt am Main. Auf dieser Route erfuhr er die ersten Pöbelhaftigkeiten der Revolution. In Heilbronn höhnte ihn ein bemoostes Haupt: „Nu, Herr Strauß, wollen Sie uns auch etwas vorpfeifen?“ Er sah den Renommisten fest an und entgegnete: „Denen, die mich und mein Kunststreben beachten, spiel’ ich gern etwas vor, den Anderen aber pfeife ich etwas“. Die Heidelberger Kanonenstiefelträger hatten eine gar miserable Demonstration dem Meister bereitet, als sie in gemietheten Kaleschen, mit Kappen von canariengelber Farbe, umwunden mit schwarzen Sammtbändern, an ihm und seiner Capelle vorüberfuhren! In Frankfurt am Main verlangten während eines Concertes mehrere Wiener Radicale, welche sich in die freie Stadt geflüchtet [335] hatten, daß er ihnen den „Rakoczy-Marsch“ aufspiele. Er lehnte dieses Verlangen entschieden ab, unbekümmert um die Zeichen des Mißfallens, welche ihm seine Weigerung einbrachte. Hierauf gab er in Mainz, Darmstadt, Coblenz, Bonn, Köln, Düsseldorf und Elberfeld Concerte. Aber die drückende Stimmung, die allenthalben herrschte, ließ ihn seiner Aufgabe nicht froh werden, und er athmete förmlich auf, als er in Brüssel eine heitere Stimmung und volle politische Unbefangenheit antraf. Am 21. April fuhr er noch einmal über den Canal nach England. Eine schmerzliche Begegnung mit der Fürstenfamilie Metternich ergriff ihn sichtlich. Vom 24. April bis 9. Juli weilte er auf englischem Boden und gab in dieser Zeit 33 Concerte, theils in öffentlichen Localen, theils bei Hofe, theils in den Soireen des hohen Adels. In der Zwischenzeit machte er Ausflüge nach Brighton, Cheltenham, Greenwich und Oxford. Nachdem er noch auf Wunsch zahlreicher Damen der höchsten Aristokratie in einem Privatlocale ein Benefice- und Abschieds-Concert gegeben, dessen Erfolg nach jeder Seite hin ein außerordentlicher war, rüstete er sich zur Heimkehr. Am Tage seiner Abfahrt spielte eine Musikcapelle vor dem Hotel, in welchem er wohnte, und bei der Fahrt auf der Themse gab man ihm in zahlreichen Schiffen das Geleite, während ein Orchester die weltbekannte Melodie aus Raimund’s „Verschwender“: „So leb’ denn wohl, du stilles Haus“ aufspielte. Damals beschlich ihn, wie er einmal aussprach, die erste Ahnung, daß er London nicht wieder sehen werde. Im Juli traf er in Wien ein und trat am 15. d. M. zum ersten Male wieder im Casino Unger zu Hernals auf. War er während seines Aufenthaltes in London manchmal von einer inneren Verstimmung befallen worden, welche sich insbesondere in seinen Briefen an Wiener Freunde ohne Rückhalt aussprach, und hatte sich dazu noch körperliches Unwohlsein gesellt, das ihn auf trübe Gedanken brachte, so besserte sich nach seiner Ankunft in Wien Stimmung und körperliches Befinden in auffallender Weise von Woche zu Woche. Am 16. September gab er wieder im Casino Unger ein Concert, in welchem er den neu componirten „Jelačić-Marsch“, Op. 244, vortrug. Während des Spiels befiel ihn ein Unwohlsein, welches er jedoch nicht Herr über sich werden lassen wollte. Und so hielt er während der vierstündigen Production tapfer Stand. Obwohl er die nächstfolgenden Tage sich auch nicht besser befand, spielte er doch am 19. September – und zwar zum letzten Mal – in den Sperl-Sälen. Aus den 22. September war die Abhaltung des Bankets zu Ehren des Heldenmarschalls Radetzky festgesetzt. Strauß hatte die Direction der Musik übernommen und begann trotz seines Unwohlseins mit der Composition eines Banket-Marsches, dessen Fragmente als posthumes Werk ausgegeben wurden. Aber schon am 21. September warf ihn der Scharlach auf das Krankenlager, welches er nicht mehr verlassen sollte. Wohl boten seine beiden Aerzte Dr. Innhauser und Dr. Raimann ihre ganze Kunst auf, den Meister zu retten. Aber am 25. September bald nach Ein Uhr Morgens, wenige Minuten, nachdem Dr. Innhauser den Kranken, bei dem keine sichtbare Verschlimmerung des Zustandes eingetreten war, verlassen, [336] hauchte Strauß, anscheinend schmerzlos, die Seele aus. Kaum hatte die Kunde von seinem Ableben, die Viele ganz unerwartet traf, sich verbreitet, so zeigte sich auch, wie allgemein und tief die Theilnahme über den Verlust eines Mannes war, mit dem ein unverfälschtes Stück Wienerleben in seiner vollsten Kraft dahingerafft worden. Zu treffend schrieb damals ein Wiener Feuilletonist mit Anspielung auf die Krankheit, welcher der Künstler erlegen: „Strauß ist gestorben, Strauß der Walzerkönig, dessen Leiche, bezeichnend genug, wie die von Königen, ein dunkler Scharlach deckt.“ Am 27. September um 3 Uhr Nachmittags fand die Bestattung in feierlicher Weise statt. Buchstäblich ganz Wien war auf den Beinen, um dem Verblichenen von seiner Wohnung durch die Singerstraße über den Stephansplatz in den Dom, an dessen Riesenthore die Geistlichkeit den Sarg erwartete, das Geleite zu geben. Nach der Einsegnung wurde der Todte auf dem vierspännigen Leichenwagen bis zum Schottenthore gefahren. Dort übernahm das Orchester-Personal den Sarg und trug ihn nach dem Döblinger Friedhofe, wo er an der Seite Lanner’s beigesetzt wurde. Zwei Militärcapellen und eine von Fahrbach dirigirte Civil-Musikbande, welche abwechselnd eigens zu diesem Zwecke componirte Trauermärsche von Fahrbach, Haslinger und Reinisch vortrugen, gingen mit dem unübersehbaren Zuge. Und als man den Sarg in die Tiefe hinuntergleiten ließ und demselben einen Lorbeer- und Blumenkranz nachschickte, klangen aus dem nicht zu fernen Salmansdorf die wehmüthigen Töne einer Glocke – der Straußglocke. Sie führt seinen Namen, weil sie ein Geschenk des Meisters ist, das er der Kirche zu Salmansdorf machte, als er diesen Ort zu seinem Landaufenthalt erkor. An dem am 11. October in der Jesuitenkirche abgehaltenen Requiem, wirkten die Capelle des Hingeschiedenen, der Männergesangverein, ferner die Damen Hasselt und Ernst, die Herren Staudigl und Ander in Solopartien mit. Ein großartiges Monument, das man ihm zu setzen beabsichtigt hatte, und zu welchem Zwecke zwei Soireen beim Sperl gegeben wurden, kam nicht zu Stande, hingegen bezeichnete eine treue liebende Hand mit einem einfachen Denkstein die Ruhestätte, in welcher der Meister neben seinem Collegen und Freunde Lanner den ewigen Schlaf schläft. Wie bereits im Laufe der Lebensskizze berichtet worden, war Strauß seit 1824 mit Anna der ältesten Tochter des Gastwirthes Joseph Streim verheiratet. Nach mehreren Jahren zufriedenen Beisammenseins entwickelten sich aus der Grundverschiedenheit, mit welcher Mann und Frau die Lebensverhältnisse auffaßten, und die sich bis auf die Erziehung der Kinder und die Wahl des Lebensberufes derselben erstreckte, derartige Differenzen, daß die Gatten im achtzehnten Jahre ihrer Ehe zur Trennung schritten. Anna hatte ihrem Manne fünf Kinder Johann II. [siehe d. S. 344], Joseph [s. d. S. 354], Eduard [s. d. S. 322], Anna und Therese geboren, welche, durch das Gericht der Mutter zugesprochen, von derselben nun sorgfältig erzogen wurden. Schon vor der Scheidung lebte er in intimen Verhältnissen mit einer Modistin Emilie Trambusch, die ihm vier Töchter und einen Sohn gebar, über welche die Mittheilungen betitelt: [337] „Walzer Könige“, in den „Wiener pikanten Blättern“, 1878, Nr. 31–52, Aufklärungen enthalten. Emilie selbst fristete in späteren Jahren aufs ärmlichste ihr Leben hin. – Was die äußere Erscheinung des Meisters betrifft, so war er eine kleine zierliche Gestalt, welche, durch die Nettigkeit der Toilette gehoben, einen angenehmen Eindruck machte. Die seltsame Form seines Kopfes bezeichneten die Franzosen, welche nie um ein Wort verlegen sind, mit tête carrée. Im Uebrigen war er mehr schweigsamer Natur, wenn er sich auch in heiterer Gesellschaft, ohne gerade redselig zu sein, leicht gehen ließ. Er galt nicht nur nicht als Spaßverderber, sondern namentlich in jungen Jahren und als er noch mit Lanner gemeinschaftlich spielte, war er es, der manchen tollen Streich ersann und ausführte. Wenn er spielte, schien er ein Anderer geworden zu sein, so ging er mit Leib und Seele in den Tönen auf, welche sein Instrument hervorgaukelte. Ueber die Bedeutenheit seines Compositionstalentes, über seinen Einfluß auf das Wiener Musikleben und seine Stellung in der Tonkunst überhaupt theilen wir das interessante Urtheil [unter III., S. 341] des competentesten Fachmannes in Musiksachen Eduard Hanslick mit. Bei Lebzeiten erreichten seine Compositionen im Ganzen die Opuszahl 241, in welcher die ersten drei Bürgermärsche nicht eingerechnet sind. Nach seinem Ableben wurden noch zehn Opera, herausgegeben. Diese 251 Opera vertheilen sich in 152 Walzer und „Tänze“, 24 Galope, 6 Cotillons und Contretänze, 32 Quadrillen, 13 Polkas, 18 Märsche mit Inbegriff der drei ersten mit keiner Opuszahl bezeichneten Wiener Bürgermärsche, und sechs Potpourris. Der Enthusiasmus des Publicums, die Lobsprüche der berühmtesten Tonmeister, wir nennen beispielsweise Cherubini, Meyerbeer, Moscheles, Mendelssohn, die Huld der Kaiser und Könige begleiteten ihn auf seinen Fahrten durch die Kunstwelt und das Leben. Die Summen, welche seine Wohlthätigkeits-Concerte ergaben, erwarben ihm außer dem Ehrenbürgerrechte mehrerer Städte des Kaiserthums auch jenes der Reichshauptstadt Wien. Von den Diplomen, die ihm von zahlreichen Musikvereinen zugeschickt wurden, nennen wir nur jenes des Cäcilien-Vereins in Rom. Strauß ist der populärste Musiker der Erde, und unzweifelhaft wäre sein Name auch ohne den glücklichen Umstand, daß seine Söhne zum Theil das schöne Talent des Vaters erbten, in bleibender Erinnerung geblieben. Wenn ein Feuilletonist ihm als Nachruf die geistreiche Phrase ins Grab nachwirft: „in Europa verbreitete er persönlich die dreimal süße Lehre vom göttlichen Leichtsinn des Alt-Wienerthums“, so möchten wir dieselbe nur mit der Modification acceptiren, daß wir an Stelle des zweideutigen Wortes „Leichtsinn“, die ungleich richtigeren und bezeichnenderen: „leichter Sinn“ setzen. – Die musikalischen Lexika sind unserem Meister nicht immer grün, und es blickt ein wenig Zunftneid heraus, wenn der sonst so wackere und bedächtige Gaßner ganz unrichtig und unberechtigt schreibt: „Strauß verdankt seinen ausgebreiteten Ruf hauptsächlich dem alleinigen Verleger seiner „sämmtlichen Werke“ Tobias Haslinger in Wien, welcher davon wahre Pracht-Editionen veranstaltet, durch die Hunderte seiner Geschäftsfreunde ganz Europa damit versorgt und auch Mittel und Wege kennt, [338] um imponirende Namen für die Dedicationen zu gewinnen, welche dem Verfasser an kostbaren Souvenirs – Ringen, Dosen, Uhren u. s. w. überdies vielleicht noch mehr einbrachten, als manch tüchtiger zu Grabe gegangener Meister auf seiner dornenvollen Pilgerfahrt im Schweiße des Angesichts jemals zu verdienen bevorrechtet war.“ – Jedenfalls gerechter lautet das Urtheil, welches Eduard Bernsdorf in seinem „Universal-Lexikon der Tonkunst“ über Strauß fällt, wenn er schreibt: „Des Meisters Strauß Tanzmusikwerke müssen, auch abgesehen von dem bloßen Tanzzweck, als Specimina echt musikalischer Natur angesehen werden. In seinen Erfindungsreichthum hätten sich Dutzende jener Musiker theilen können, die im Bewußtsein ihrer schulmeisterlichen Contrapunctik vornehm auf ihn, den Naturalisten und Ungelehrten herabsehen“. Diese letzten Bezeichnungen „Naturalist“ und „Ungelehrter“ dürfen jedoch nicht streng ihrem Wortlaute nach genommen werden, denn sie sind nicht richtig. Strauß war kein Naturalist, sondern ein mehrjähriger Schüler Seyfried’s, der an ihm große Freude gehabt und nach mehrjährigem Unterrichte ihn mit dem Ausspruche entlassen hatte, daß er im Fache des Generalbasses vollkommen bewandert und mit allen Kenntnissen der Instrumentirung, in welcher eben Strauß so Ungewöhnliches und von Musikkennern rückhaltlos Anerkanntes leistete, ausgerüstet gewesen. – Wir lassen nun unten eine Uebersicht der Strauß’schen Werke, den Ausspruch des Musikgelehrten Eduard Hanslick, eine Uebersicht der Bildnisse des Meisters u. s. w. folgen.

I. Compositionen des Johann Strauß Vater.Täuberl-Walzer“. Op. 1. – „Döblinger Reunion-Walzer“. Op. 2. – „Wiener Carneval-Walzer“. Op. 3. – „Kettenbrücken-Walzer“. Op. 4 [siehe auch Op. 19]. – „Gesellschafts-Walzer“. Op. 5. – „Wiener Launen“. Walzer. Op. 6. – „Karolinen-Galop“. Op. 7. – „Kettenbrücken-Galop“. Op. 8. – „Seufzer-Galop“. Op. 9. – „Tempête“. Polstertanz. Galopade. Op. 10. – „Walzer“ (à la Paganini). Op. 11. – „Krapfenwaldel-Walzer“. Op. 12. – „Trompeten-Walzer“. Op. 13. – „Champagner-Walzer“. Op. 14. – „Erinnerungs-Walzer“. Op. 15. – „Fort nach einander!“. Walzer. Op. 16. – „Erinnerungs-Galop“. Op. 17. – „Lustlager-Walzer“. Op. 18. – „Kettenbrücken-Walzer“. Zweite Lieferung. Op. 19 [die erste Lieferung siehe Op. 4]. – „Chineser-Galop“. Op. 20. – „Alpenkönig-Walzer“. Op. 21. – „Es ist nur ein Wien!“. Walzer. Op. 22. – „Josephstädter Walzer“. Op. 23. – „Hietzinger Reunion-Walzer“. Op. 24. – „Unzusammenhängender Zusammenhang“. Potpourri. Op. 25. – „Frohsinn im Gebirge“. Walzer. Op. 26. – „Hirten-Galop“. Op. 27. – „Wettrennen-Galop“. Op. 28.. – „Wilhelm Tell-Galop“. Op. 29. – „Sperl’s Fest-Walzer“. Op. 30. – „Des Verfassers beste Laune“. Charmant-Walzer. Op. 31. – Cotillons aus der Oper „Die Stumme von Portici“. Op. 32. – „Benefice-Walzer“. Op. 33. – „Gute Meinung für die Tanzlust“, Walzer. Op. 34. – „Einzugs-Galop“. Op. 35. – „Wiener Tivoli-Musik“. Op. 36. – „Wiener Tagsbelustigung“. Op. 37. – „Souvenir de Baden“. Walzer Op. 38. – „Wiener Tivoli-Rutsch-Walzer“. Op. 39. – „Wiener Damen-Toiletten-Walzer“. Op. 40. – „Fra Diavolo-Cotillons“. Op. 41. – „Sperl-Galop“. Op. 42. – „Der Raub der Sabinerinen“. Walzer. Op. 43. – „Contra-Tänze“. Op. 44. – „Tivoli-Freudenfest-Tänze“. Op. 45. – „Musikalisches Ragout“. Op. 46. – „Vive la Danse“. Walzer. Op. 47. – „Heiter auch in ernster Zeit“. Walzer. Op. 48. – „Das Leben ein Tanz, der Tanz ein Leben“. Walzer. Op. 49. – Cotillons aus der Oper „La Straniera“. Op. 50. – „Hof-Ball-Tänze“. Op. 51. – „Bajaderen-Galop“. [339] Op. 52. – „Bajaderen-Walzer“. Op. 53. – „Contra-Tänze“. Aufgeführt bei den Hofbällen. Op. 54. – „Zampa-Galop“. – „Ein Strauß von Strauß“. Potpourri. Op. 55. – „Wiener Bürgermärsche“. Nr. 1 und 2. – „Bürgermarsch“, Nr. 3 (ohne Opuszahl). – „Alexandra-Walzer“. Op. 56. – „Zampa-Walzer“. Op. 57. – „Mein schönster Tag in Baden“. Walzer. Op. 58. – „Die vier Temperamente“, Walzer. Op. 59. – „Carnevals-Spende“. Walzer. Op. 60. – „Tausendsapperment-Walzer“. Op. 61. – „Montecchi-Galop“. Op. 62. – „Frohsinn mein Ziel“. Walzer. Op. 63. – „Robert-Tänze“. Op. 64. – „Mittel gegen den Schlaf“. Walzer. Op. 65. – „Erinnerung an Pesth“. Walzer. Op. 66. – „Erste Walzer-Guirlande“. Op. 67. – „Gabrielen-Walzer“. Op. 68. – „Fortuna-Galop“. Op. 69. – „Pfennig-Walzer“. Op. 70. – „Elisabethen-Walzer“. Op. 71. – Cotillons aus der Oper „Der Zweikampf“. Op. 72. – „Bürgermarsch“, Nr. 4. Op. 73. – „Venetianer-Galop“. Op. 74. – „Iris-Walzer“. Op. 75. – „Rosa-Walzer“. Op. 76. – „Zweite Walzer-Guirlande“. Op. 77 [die erste Guirlande siehe Op. 67]. – „Erinnerung an Berlin“. Walzer. Op. 78. – „Gedankenstriche“. Walzer. Op. 79. – „Huldigungs-Walzer“. Op. 80. – „Grazien-Tänze“. Op. 81. – „Philomelen-Walzer“. Op. 82. – „Mercurs Flügel“. Walzer. Op. 83. – „Heimatklänge“. Walzer. Op. 84. – „Reise-Galop“. Op. 85. – „Ballnacht-Galop“. Op. 86. – „Erinnerung an Deutschland“. Walzer. Op. 87. – „Die Nachtwandler“ Walzer. Op. 88. – „Eisenbahnlust“. Walzer. Op. 89. – „Jugendfeuer-Galop“. Op. 90. – „Krönungs-Walzer“. Op. 91. – Cotillons aus der Oper „Die Huguenotten“. Op. 92. – „Huguenotten-Galop“. Op. 93. – „Künstler-Ball-Tänze“. Op. 94. – „Brüsseler Spitzen“. Walzer Op. 95. – „Ball-Raketen“. Walzer. Op. 96. – „Cachucha-Galop“. Op. 97. – „Pilger am Rhein“. Walzer. Op. 98. – „Banket-Tänze“. Op. 99. – „Pariser Galop“. Op. 100. – „Pariser Walzer“. Op. 101. – „Bürgermarsch“. Nr. 5. Op. 102. – „Huldigung der Königin Victoria von England“. Walzer. Op. 103. – „Boulogner Galop“. Op. 104. – „Freudengrüße“. Walzer. Op. 105. – „Musikalischer Telegraph“. Op. 106. – „Versailler Galop“. Op. 107. – „Gitana-Galop“. Op. 108. – „Exotische Pflanzen“. Walzer. Op. 109. – „Taglioni-Walzer“. Op. 110. – „Indianer-Galop“. Op. 111. – „Londoner Saison-Walzer“. Op. 112. – „Die Berggeister“. Walzer. Op. 113. – „Furioso-Galop“. Op. 114. – „Rosenblätter“. Walzer. Op. 115. – „Wiener Gemüths-Walzer“. Op. 116. – „Ghibellinen-Galop“. Op. 117. – „Myrthen-Walzer“. Op. 118. – „Tanz-Recepte“. Walzer. Op. 119. – „Cäcilien-Walzer“. Mit dem beliebten Tremolo. Op. 120. – „Dritte Walzer-Guirlande“. Op. 121. – „Palmzweige“. Walzer. Op. 122. – „Amors Pfeile“. Walzer. Op. 123. – „Wiener Carneval-Quadrille“. Op. 124. – „Elektrische Funken“. Walzer. Op. 125. – „Carneval von Venedig“. Op. 126. – „Deutsche Lust, oder Donau-Lieder ohne Text“. Walzer. Op. 127. – „Apollo-Walzer“. Op. 128. – „Adelaiden-Walzer“. Op. 129. – „Jubel-Quadrille“. Op. 130. – „Die Wettrenner“. Walzer. Op. 131. – „Die Debütanten“. Walzer. Op. 132. – „Sperl-Polka“. Op. 133. – „Egerien-Tänze“. Op. 134. – „Die Tanzmeister“. Walzer, Op. 135. – „Stadt und Landleben“. Walzer. Op. 136. – „Annen-Polka“. Op. 137. – „Mode-Quadrille“. Op. 138. – „Die Phantasten“. Walzer. Op. 139. – „Musikverein-Tänze“. Op. 140. – „Die Minnesänger“. Walzer. Op. 141. – „Haute Volée-Quadrille“. Op. 142. – „Latonen-Walzer“. Op. 143. – „Parade-Marsch“. Op. 144. – „Minos-Klänge“. Walzer. Op. 145. – „Die Lustwandler“. Walzer. Op. 146. – „Walhalla-Toaste“. Walzer. Op. 147. – „Saison-Quadrille“. Op. 148. – „Die Dämonen“. Walzer. Op. 149. – „Künstler-Ball-Tänze“. Op. 150. – „Quadrille“. Zur Namensfeier Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand I. Op. 151. – „Tanz-Capricen“. Walzer. Op. 152. – „Quadrille“. Zur Namensfeier Ihrer Majestät der Kaiserin Anna Carolina. [340] Op. 153. – „Loreley-Rhein-Klänge“. Walzer. Op. 154. – „Bruder Lustig-Walzer“. Op. 155. – „Asträa-Walzer“. Op. 156. – „Volksgarten-Quadrille“. Op. 157. – „Redoute-Quadrille“. Op. 158. – „Nur Leben!“ Walzer. Op. 159. – „Waldfräuleins Hochzeits-Tänze“. Op. 160. – „Salon-Polka“. Op. 161. – „Orpheus-Quadrille“. Op. 162. – „Frohsinns-Salven“. Walzer. Op. 163. – „Aurora-Festklänge“. Walzer. Op. 164. – „Fest-Quadrille“. Op. 165. – „Rosen ohne Dornen“. Walzer. Op. 166. – „Wiener Früchteln“. Walzer. Op. 167. – „Willkommen-Rufe“. Walzer. Op. 168. – „Quadrille“. Nach beliebten Motiven aus der Oper „Die vier Haimonskinder“. Op. 169. – „Maskenlieder“. Walzer. Op. 170. – „Eunomien-Walzer“. Op. 171. – „Odeon-Tänze“. Op. 172. – „Marianka-Polka“. Op. 173. – „Musen-Quadrille“. Op. 174. – „Faschings-Possen“. Walzer. Op. 175. – „Geheimnisse aus der Wiener Tanzwelt“. Walzer. Op. 176. – „Flora-Quadrille“. Op. 177. – „Stradella-Quadrille“. Op. 178. – „Oesterreichische Jubelklänge“. Walzer. Op. 179. – „Heitere Lebensbilder“. Walzer. Op. 180. – „Sommernachts-Träume“. Walzer. Op. 181. – „Die Landjunker“. Walzer. Op. 182. – „Amoretten-Quadrille“. Op. 183. – „Concordia-Tänze“. Op. 184. – „Sophien-Tänze“. Op. 185. – „Moldau-Klänge“. Walzer. Op. 186. – „Concert-Souvenir“. Quadrille. Op. 187. – „Oesterreichischer Festmarsch“. Op. 188. – „Die Vortänzer“. Walzer. Op. 189. – „Epigonen-Tänze“. Op. 190. – „Die Zigeuner“. Quadrille. Op. 191. – „Esmeralda-Marsch“. Op. 192. – „Festlieder“. Walzer. Op. 193. – „Eldorado-Quadrille“. Op. 194. – „Die Unbedeutenden“. Walzer. Op. 195. – „Charivari-Quadrille“. Op. 196. – „Bouquets“. Walzer. Op. 197. – „Ländlich, sittlich“. Walzer. Op. 198. – „Neujahrs-Polka“. Op. 199. – „Souvenir de Carneval 1847“. Quadrille. Op. 200. – „Themis-Klänge“. Walzer. Op. 201. – „Eisele- und Beisele-Sprünge“. Polka. Op. 202. – „Herz-Töne“ Walzer. Op. 203. – „Helenen-Walzer“. Op. 204. – „Triumph-Quadrille“. Op. 205. – „Najaden-Quadrille“. Op. 206. – „Schwedische Lieder“. Walzer. Op. 207. – „Die Schwalben“. Walzer. Op. 208. – „Oesterreichischer Defilirmarsch“. Op. 209. – „Kathinka-Polka“. Op. 210. – „Quadrille“. Nach beliebten Motiven aus der Oper „Des Teufels Antheil“. Op. 211. – „Marien-Walzer“. Op. 212. – „Feldbleam’ln“. Walzer. Op. 213. – „Nádor Kör“. Palatinaltanz. Op. 214. – „Martha-Quadrille“. Op. 215. – „Die Adepten“. Walzer. Op. 216. – „Schäfer-Quadrille“. Op. 217. – „Tanz-Signale“. Walzer. Op. 218. – „Fortuna-Polka“. Op. 219. – „Wiener Kreuzer“. Polka. Op. 220. – „Oesterreichischer Nationalgarde-Marsch“. Op. 221. – „Aeaciden-Walzer“. Op. 222. – „Marsch der Studenten-Legion“. Op. 223. – „Amphion-Klänge“. Walzer. Op. 224. – „Aether-Träume“. Walzer. Op. 225. – „Freiheits-Marsch“. Op. 226. – „Marsch des einigen Deutschland“. Op. 227. – „Radetzky-Marsch“. Op. 228. – „Quadrille“. Im militärischen Style. Op. 229. – „Sorgenbrecher“. Walzer. Op. 230. – „Brünner Nationalgarde-Marsch“. Op. 231. – „Landesfarben“. Walzer. Op. 232. – „Huldigungs-Quadrille“. Op. 233. – „Louisen-Quadrille“. Op. 234. – „Piefke- und Pufke-Polka“. Op. 235. – „Damen-Souvenir-Polka“. Op. 236. – „Des Wanderers Lebewohl“. Walzer. Op. 237. – „Alice-Polka“. Op. 238. – „Friederika-Polka“. Op. 239. – „Zwei Märsche“. Für die spanische Nobel-Garde. Op. 240. – „Die Friedensboten“. Walzer. Op. 241. – „Soldaten-Lieder“. Walzer. Op. 242. – „Almaks-Quadrille“. Op. 243. – „Jelačić-Marsch“. Op. 244. – „Wiener Jubelmarsch“. Op. 245. – „Wiener Stadtgarde-Marsch“. Op. 246. – „Deutsche Jubellaute“. Walzer. Op. 247. – „Quadrille ohne Titel“. Op. 248. – „Exoten-Polka“. Op. 249. – „Fliegende Blätter“. Walzer. Op. 250. – „Melodische Tändeleien“. Phantasien über Willmer’s „Pompa di festa“. Op. 251. – Zu Strauß’ Lebzeiten bildete das Opus 241 die letzte Nummer im Verzeichnisse seiner gedruckten Compositionen. Nach dessen Tode aber gab der Verleger [341] noch die oben angeführten Opera 242–251 und schließlich das folgendermaßen betitelte Werk heraus: „Letzter Gedanke. Unvollendete Skizze des Radetzky-Banket-Marsches zur Aufführung beim Banket zu Ehren des Feldmarschalls Grafen Radetzky bestimmt“. Das obige Verzeichniß enthält nur die Ausgaben für das Piano zu zwei Händen. Es ist aber wohl kaum nöthig zu bemerken, daß Ausgaben auch für die übrigen Instrumente, für das ganze Orchester, und zwar in fast allen Sprachen des Continents, erschienen sind.
II. Porträte. 1) Facsimile des Namenszuges „Johann Strauß“. Federzeichnung von Berndt. Gedruckt bei Förster (8°., nicht häufig). – 2) Unterschrift: „Johann Strauß. | k. k. Hofball-Musik-Director“ (ganz facsimilirt). Federzeichnung von Berndt. Gedruckt bei L. Förster (Wien, Eigenthum und Verlag der k. k. Hof- und priv. Kunst- und Musikalienhandlung des Karl Haslinger, qu. Tobias). – 3) Facsimile des Namenszuges „Johann Strauß“. Kriehuber (lith, ) 1833. Gedruckt bei Johann Höfelich (gr. 4°., auch kl. Fol.), selten. – 4) Unterschrift: „Johann Strauß. Seinen Freunden und Gönnern gewidmet“. Stahlstich. Mignon-Medaillon (Mahlknecht gest.?), (12°.), sehr selten. – 5) Ueberschrift: „Der alte Strauß“. Zeichnung von Weix im „Illustrirten Wiener Extrablatt“ vom 4. April 1873, Nr. 93. [Jubiläums-Nummer, anläßlich des auf den 6. April fallenden fünfzigjährigen Jubiläums der musikalischen Productionen von Strauß.] – 6) Unterschrift: „Johann Strauß“. Lithographie ohne Angabe des Zeichners und Lithographen (4°.). – 7) Dantan’sche Charge, Maurisset fec. (8°.).
III. Eduard Hanslick über Strauß den Vater. Wir wählen aus diesem interessanten Aufsatze das zunächst Strauß Betreffende mit Weglassung der geistreichen Bemerkungen über Tanzmusik überhaupt. Hanslick schreibt: „Strauß wirkte für das Wiener Musikleben in doppelter Eigenschaft: als Componist und als Dirigent fremder Tondichtungen. Als Componist hat er bekanntlich die Tanzmusik gepflegt, eine Gattung, auf welche Tonsetzer und Kritiker gewöhnlich mit souveräner Verachtung herabsehen. Mit Unrecht. Auch in der kleinen Form bewährt sich das große Talent, und dieses, als der göttliche Funke, ist’s, vor dem wir uns zuerst beugen. Der simpelste Dorfschullehrer, der einen contrapunctischen Cursus durchgemacht hat, bringt es dahin, eine Messe zu componiren, in welcher mehr sogenannte Gelehrsamkeit steckt, als in Strauß’ sämmtlichen Werken zusammen, – aber in alle Ewigkeit wird der schöne Walzer mehr Werth haben, als die schlechte Messe. Es kömmt aber hierbei, wie in aller Thätigkeit, auf das Wie an, und wenn die Catalani von der Sonntag äußerte: „Elle est grande dans son genre, mais son genre est petit“, so ist dies noch immer ein erfreuliches Lob gegen die Umkehrung des Satzes.... In unserer gebildeten Gesellschaft ist der Tanz von seiner ursprünglichen Bedeutung längst zu einer höheren gediehen. Wollte man in demselben nur körperliche Uebung sehen, so würde man ihn in Tanzschulen pflegen. Unsere heutigen Tanzunterhaltungen, so oft sie auch zur Caricatur herabsinken, sind und bleiben die Asyle zärtlicher Bedürfnisse und Bestrebungen. Wenn die Herzen unserer Jugend schon Schwielen tragen von den Fesseln eilfmonatlicher Civilisation, so kommt im zwölften Monat der Carneval und nimmt den Gefangenen die Eisen ab und erlaubt ihnen sich einige Stunden lang im duftigen Garten zu ergehen. Fremd und zagend stehen sie erst da, nicht wagend, an das Stündchen Freiheit zu glauben; da erklingt der erste Walzer und löst den Bann, – es ist die Marseillaise der Herzen! Strauß hatte – bewußt oder unbewußt – jede Saite der Gefühlswelt in seiner Macht, welche im Tanze Ausdruck oder Unterstützung findet. Welch triumphirende Siegesgewißheit im ersten der „Helenen-Walzer“, welche schwärmerische Innigkeit in Nr. 2 der „Aetherträume“, welch jovialer Frohmuth in den „Sorgenbrechern“, in den „Feldblümeln“ und in den „Schwalben“ welche Grazie! Dies sind nur einige Beispiele aus Strauß’ letzten Productionen; seine früheren Tänze, die theilweise noch Frischeres enthalten, liegen mir zu fern in der Erinnerung. Wir betrachteten bisher noch immer die Strauß’sche Tanzmusik, nur insoferne sie dem Tanze und dessen Interessen dient; wäre nichts weiter daran zu loben, so träfe Straußens Verlust lediglich die Tanzwelt, zu deren Anwalt ich mich kaum berufen gefühlt hätte. Für den Musiker konnte Strauß nur dann Bedeutung [342] haben, wenn seine Tänze, abgelöst von ihrem Zwecke, also außerhalb des Ballsaales, noch Gehalt genug besaßen, um musikalisch zu interessiren. Daß dies in nicht geringem Grade der Fall, wird kein Unbefangener läugnen. Strauß erwies sich in der Ausarbeitung seiner Musikstücke als ein feiner, künstlerischer Geist, dem alles Rohe und Dilettantenhafte ferne lag. Obwohl reiner Naturalist und seinem eigenen Geständnisse nach außer Stande, sich über frappante Einzelnheiten seiner Werke Rechenschaft zu geben, verfehlte er doch nie, im Rhythmus, Periodenbau, vorzüglich in der Harmonisirung und Instrumentation eine Fülle von Zügen niederzulegen, welche das bedächtige Ohr des Musikers schlürfte, während der Tänzer in süßem Melodienrausche schwelgte. Nur an eine Eigenschaft der Strauß’schen Themen sei hier erinnert, an deren oft frappante Selbständigkeit und Verwendbarkeit zu weiterer Durchführung. Schwache, aber meist glückliche Anfänge zu wirklicher Durchführung finden wir hie und da, so weit sie der drückend enge Rahmen des Walzers zuläßt. Eine Ahnung jener höheren Ausbildung der Walzerform, wie sie uns vorschwebt, liegt in dem ersten Walzer der „Herzenstöne“, welcher, die gewöhnliche Tactzahl weit überschreitend, von Anfang bis zu Ende nur aus der Verarbeitung Eines Motivs besteht. Die gegenwärtige Form der Walzermusik birgt ein großes Hemmniß für deren künstlerische Entwicklung und für jeden Componisten, der ihr eine bessere Mitgift von Talent oder Kenntniß zubringt.... Zu einem Tanze sind (außer Introduction und Finale) fünf Walzer, also wenigstens fünf neue Themen nothwendig, meist jedoch noch einmal so viel, da gewöhnlich zum zweiten Theil jedes Walzers wieder ein neues Motiv verwendet wird. Es ist dies eine unkünstlerische Verschwendung, welche die begabteste Productionskraft bald erschöpfen, muß. War der Walzer Strauß eigenstes Gebiet, so hat er doch auch in anderen leichten Gattungen Hübsches geschaffen, namentlich in die steife Form der Quadrille mehr Farbe und Leben zu bringen gewußt, als sie in ihrem Heimatlande Frankreich je erreichte. Seinen Märschen fehlt der männliche, kriegerische Charakter, sie sind, bei glänzender Aeußerlichkeit, meistens hüpfend und leichtfertig; – des ungemein interessanten Motivs des „Freiheitsmarsches“ möge hier ausdrücklich gedacht sein. Seine letzten Walzer, die er ohne eine Ahnung seines Todes bei vollkommener Gesundheit schrieb, hat er seltsamer Weise „Des Wanderers Lebewohl“ betitelt. Zum Schlusse noch einige Worte über Strauß als Musik-Director. Er hat als solcher das Verdienst, gute Musik unter das Publicum gebracht zu haben. Es gab keine Strauß’sche Production, wo nicht Werke von Beethoven, Mozart, Mendelssohn, Spohr, Weber u. A. auf dem Programme verzeichnet und mit großer Präcision ausgeführt wurden. Unter den öffentlichen Instituten, die bis zum Jahre 1849 regelmäßig Instrumentalmusik zur Aufführung brachten, muß man nach den „Philharmonischen Concerten“ gerechter Weise das Strauß’sche Orchester nennen; in seinen bescheidenen Gartenproductionen konnte man viel bessere Aufführungen guter Instrumentalwerke hören, als in manchen Fasten-Concerten mit hochtönenden Namen.
IV. Zur künstlerischen Charakteristik. Aurora (Hamburger Localblatt, 4°.) 1836, Beilage zu Nr. 120 vom 5. October: „Johann Strauß“. – Hanslick (Eduard), Aus dem Concertsaal. Kritiken und Schilderungen aus den letzten zwanzig Jahren Wiener Musiklebens (Wien 1870, Braumüller, gr. 8°.) S. 13: „Johann Strauß (gest. 25. September 1848)“. – Der Komet. Herausgegeben von Herloßsohn (Leipzig, 4°.) XII. Jahrg. (1841), Nr. 98: „Strauß und die Wiener“. – Pietznigg, Mittheilungen aus Wien (Wien, 8°.) 1834, Bd. IV, S. 21: „Strauß und Lanner. Ein Bild aus dem Wiener Leben“. Von Günzburg. – „Unterhaltungen am häuslichen Herd“ (Leipzig, Brockhaus, schm. 4°.). Neue Folge, Bd. II, S. 556, „Wiener Bilder. II. Der Strauß“. Von Friedrich von Gaudy. – Wiener Courier, 1857, Feuilleton-Beilage zum Montagblatt Nr. 290: „Der Strauß“. – Wiener allgemeine Musik-Zeitung. Herausgegeben von Dr. August Schmidt (4°.) V. Jahrg. (1845), Nr. 56. „Strauß’ Sternbild am Horizont der Tanzwelt“. Commentirt von F. Gernerth. [Gernerth setzt dieses Sternbild mit dem glänzendsten Stern Strauß Vater aus Strauß junior, Bendl, Ballin, Adam Schröder zusammen.] – Allgemeine Theater-Zeitung. Von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1841, Nr. 150: „Strauß und die Wiener“.
[343] V. Strauß in der Dichtung (Lyrik, Novelle, Drama). Meisl (Karl), Strauß’ Ankunft im Elysium (Wien 1849, 8°.). – Der Sammler (Wiener Unterhaltungsblatt, 4°.) 24. August 1833, Nr. 102, S. 406: „Strauß und der Dichter“. Gedicht von Colibri Plumail. – Ostdeutsche Post vom 28. September 1849: „Das Leben ein Tanz“, [Zum 27. September, als dem Tage der Leichenfeier des Meisters Strauß]. Die in diesem von Eduard Bauernfeld verfaßten Gedichte Strauß gewidmeten Strophen lauten: „Menschen brauchen Leiter, Führer. | Und die Führer sind gar selten, | Doch das gute alte Wien | Hatte einen prächt’gen Leiter. | Strauß mit seiner Zaubergeige | führte sie zu Sang und Tanz, | Strauß mit seiner Wiener Geige | In Paris berühmt und London. | Uebern Ocean hinüber | Klangen seine stürm’schen Walzer, | Lockend die erwünschten Dollars | Aus der Yankees schwerem Geldsack. | „Das ist Strauß, das ist der Wiener, | Das ist Wien“, so hieß die Losung. | Und man konnte Wien nicht denken | Ohne Strauß und ohne Sperl. | Armes Wien! die Götter haben | Dich nicht lieb mehr, denn sie nahmen | Dir dein Liebstes – deinen Strauß, | Deinen letzten Trost und Ruhm, | Recht ist’s, daß die Straßen wimmeln, | Daß die Trauerglocken tönen, | Daß die Kunstgenossen klagend | Ihres Meisters Hülle tragen. | Was da singt und klingt und springt, | Alle harmlos freud’ge Lust, | Heute fördern wir’s zur Ruh’, heut | Wird das alte Wien begraben, | Schmückt den Himmel, der es birgt, | Immer frisch mit Blumenkränzen, | Und das holde Wort: „Das Leben | Ein Tanz“ zeichnet auf das Denkmal“. – Berliner Figaro (Unterhaltungsblatt, schm. 4°.) 9. August 1832, Nr. 186: „Johann Strauß und der Sophien-Walzer“. – Neue Zeit (Olmützer polit. Blatt, kl. Fol.) 1868, Nr. 61–65, im Feuilleton: „Johann Strauß und sein Todten-Walzer“, oft nachgedruckt und auch in dem Buche „Coulissen-Geheimnisse aus der Bühnenwelt“, vom Verfasser der „Dunklen Geschichten aus Oesterreich und der Hof- und Adels-Geschichten“ (Wien 1869, R. von Waldheim, gr. 8°.) S. 53. – Humorist (Wiener Unterhaltungsblatt). Redigirt von M. G. Saphir, 1856, Nr. 15–215: Meister Johann Strauß und seine Geige“. Von E. M. Oettinger, [Nr. 106, Cap. 27 enthält die Compositionen Op. 1–50; – Nr. 125, Cap. 52 Op. 51–99; – Nr. 194, Cap. 34 des dritten Bandes Op. 101–150; – und Nr. 215, Cap. 57 Op. 151–241.] Dieser Roman erschien später bei Jancke in Berlin selbständig in Buchform. Auch für die Bühne wurden Strauß und sein College Lanner verwerthet, denn Töpfer schrieb ein einactiges Lustspiel „Strauß und Lanner“, abgedruckt im sechsten Bande seiner „Lustspiele“ (Magdeburg 1837, Rubach’sche Buchhandlung, 8°.), und Anton Langer das dreiactige Genrebild aus dem Wiener Leben „Strauß und Lanner“.
VI. Zur Geschichte des Walzers. Die Bezeichnung des Meisters Strauß als „Walzer-König“ hat zur irrigen Annahme geführt, als sei Strauß auch der eigentliche Erfinder der Tanzgattung, genannt Walzer. Dem ist jedoch nicht so. Aber es verhält sich auch nicht so, wie ein Wiener Musikkritiker berichtet, der anläßlich Lanner’s bemerkt: „daß bald nach seinem Auftreten die Einflüsse der welschen Oper sich geltend machen und die baldige Auflösung des bis dahin üblichen „Ländlers“ verkünden“. „Und in der That“. fährt dann dieser Musikkritiker fort, „mit Opus 49 erweist Lanner seinem alten Freunde die letzte Ehre; sein nächstes Werk der „Karolinen-Walzer“ verkündet eine neue Phase der Wiener Tanzmusik; der Ländler hat sich aufgegeben, sich nun als Walzer, und zwar als Wiener Walzer entpuppt und der vornehme Titel Walzer verwischt von nun an den letzten Rest der Erinnerung an den gemüthlichen Schnadahüpfl-Tanz der Wiener Vorstadt“. Sonach möchte es scheinen, daß Lanner’s Opus 49 „D’Wuarla-Ländler“ die letzten Ländler und daß das nächste Opus Lanner’s, Opus 50 den Titel „Karolinen Walzer“ führe. Nun aber erschien nach Opus 49 noch Opus 59, betitelt „Wiener Ländler“; – dann Opus 65 „Die jüngsten Kinder meiner Laune. Ländler“; – Opus 69 „Gusto-Ländler“, und Opus 202: „’s Hoamweh. Steyrer Ländler“, und dieses Opus 202 sind erst die letzten von Lanner componirten Ländler. Und das nächste Opus nach 49, Opus 50, führt nicht den Titel „Karolinen-Walzer“, sondern „Karlsbader Sprudel-Walzer“. Auch beginnt nicht mit oben erwähntem „Karolinen-Walzer“ die Aera des Walzers, denn Lanner hat lang zuvor Walzer geschrieben, da Opus 5 „Mitternachts-Walzer“, Opus 12 „Terpsichore-Walzer“, [344] Opus 15 „Vermälungs-Walzer“, Opus 19 „Trennungs-Walzer“, Opus 24 „Eröffnungs-Walzer“, Opus 33 „Flora-Walzer“, Opus 34 „Ankunfts-Walzer“, Opus 46 „Flüchtige Lust. Walzer“, und Opus 48 „Armen-Einladungs-Walzer“ hießen. Die uns vorliegenden Haslinger’schen Verzeichnisse Lanner’scher Compositionen weisen unter Nr. 50 die obengenannten „Karlsbader Sprudel-Walzer“ und überhaupt keine Walzer des Titels „Karolinen-Walzer“ aus, jedoch finden wir in anderen Katalogen thatsächlich unter Opus 50 die „Karolinen-Walzer“ verzeichnet.
VII. Quellen zur Biographie. Scheyrer (Ludwig), Johann Strauß’s musikalische Wanderung durch das Leben (Wien 1851, Selbstverlag, 128 S., 8°.). – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Für Künstler, Kunstfreunde und alle Gebildeten. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Offenbach 1861, Joh. Andre, gr. 8°.) Bd. III, S. 663 [mit dem komischen Druckfehler: „Der Eber (statt Erbe) von Strauß’ Ruhm ist sein Sohn, ebenfalls Johann mit Vornamen geheißen“]. – Bohemia (Prager polit. und Unterhaltungsblatt, 4°.) 1849, Nr. 208, in der Rubrik „Mosaik“. – Daheim (illustrirtes Familienblatt, 4°.) 1869, S. 815. – Hirsch (Rud.), Galerie lebender Tondichter. Biographisch-kritischer Beitrag (Güns 1836, Reichard, 12°.) S. 161: „Strauß Johann und Lanner Joseph, Tanz-Componisten zu Wien“. – Neues elegantestes Conversations-Lexikon für die Gebildeten aus allen Ständen. Herausgegeben im Vereine mit einer Gesellschaft von Gelehrten von Dr. O. L. B. Wolff (Leipzig 1842, Ch. E. Kollmann, gr. 4°.) Bd. IV, S. 331. [Sehr bezeichnend für eine Gesellschaft von Gelehrten lautet dieser Artikel über Strauß wörtlich und vollständig: „Strauß Johann, früher Hautboist, jetzt Director eines militärischen (!) Musik-Corps in Wien, bekannt durch seine in ganz Europa verbreiteten Tänze“.] – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Voigt, 8°.) XXVII. Jahrg., S. 790. – Neues Wiener Tagblatt, 1869, Nr. 265, in der Beilage „Familien-Journal“: „Der Walzer-König. Ein Gedenkblatt“. – Oesterreichisches Morgenblatt (Wien, 4°.) 1843, Nr. 1, S. 637: „Zwei Strauß“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. V, S. 221. – Ostdeutsche Post. Herausgegeben von Ignaz Kuranda (Wiener polit. Blatt) 28. September 1849: „Nekrolog“ von Dr. L. A., und Gedicht von Bauernfeld. – Pracht-Album. Herausgegeben von E. M. Oettinger (Leipzig, kl. Fol.) S. 33: „Strauß und Lanner“. – Sonntagsblatt. Begründet von Ruppius (Leipzig, 4°.) 1872, Nr. 32. – Allgemeine Theater-Zeitung. Herausgegeben von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 16. Jänner 1838: „Johann Strauß“. Von Franz Schuselka. – Dieselbe, 1851, S. 943: „Zur Erinnerung an Johann Strauß“. – Wiener allgemeine Musik-Zeitung. Herausgegeben von Dr. August Schmidt (4°.) 1846, Nr. 93 [berichtet über das erste Auftreten Teresa Milanollo’s, welches in einem Concerte, das Strauß in London gab, erfolgte. Die Milanollo war damals ein Kind von 7–8 Jahren][WS 4]. – Wiener pikante Blätter (Wien, kl. Fol.). Herausgeber Ignaz Löwy. Redacteur August Kernbaum. Druck Alex. Eurich. III. Jahrgang, Nr. 31–52: „Die Walzer-Könige“ [mit vielen Enthüllungen über das intime Leben von Strauß, Lanner und ihre Söhne.]
VIII. Verzeichniß der Walzer, Galope und Potpourris von Johann Strauß (Wien, Verlag der k. k. Hof- und priv. Kunst- und Musikhandlung des Tob. Haslinger, 4 Bl., 8°.) mit Umschlag [nicht im Handel erschienen].

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Michael Pamer (Wikipedia).
  2. Zum Sperl (Wikipedia).
  3. Teresa Milanollo (Wikipedia).
  4. Tatsächlich war sie wohl älter (*1827).