Debarim Rabba/Parasche 2

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Inhalt Parasche 2

Abschnitt 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26-27 30 31 32 33 34 36 37

Auslegung von Dtn 3,23 - 3,24a - 4,25 - 4,30 - 4,41 - 6,4 - 6,5

Dazwischen Halachot: Halacha 5 - Halacha 6 - Halacha 7 - Halacha 8 - Halacha 9

[18]
.סדר ואתחנן Parascha II.
[1] Cap. III. V. 23. Und ich flehte zum Ewigen.
Halacha. Wenn ein Israelit steht und betet, ist es ihm erlaubt, laut zu beten? So haben die Weisen gelehrt:[QP 1] Wer steht und betet, kann seine Stimme hören lassen. Allein es heisst schon von Hanna 1 Sam. 1, 13: „Hanna redete in ihrem Herzen,“ da könnte man glauben, man könne das dreizehngliedrige Gebet (Schemone esre) auf einmal (hintereinander) verrichten? Allein schon in Daniel ist gesagt Dan. 6, 11: „Dreimal des Tages lag er auf seinen Knien und betete zu seinem Gott und dankte, gleichwie er gethan vor diesem.“ Nun könnte man glauben, man dürfe zu jeder beliebigen Stunde beten? Allein schon David hat Ps. 55, 18 erklärt: „Abends, Morgens und Mittags bete und klage ich und er höret meine Stimme.“ Nun könnte man glauben, man dürfe seine Anliegen sofort (ohne Umschweife) vorbringen? Da hat aber bereits Salomo sich dagegen erklärt I Reg. 8, 28: „Zu hören auf Jubel und Gebet.“ רנה ist Lobpreis auf Gott und תפלה betrifft die menschlichen Angelegenheiten (Bedürfnisse). Abba Saul sagt: Das ist ein günstiges Zeichen des Gebetes, wenn der Mensch es mit Andacht verrichtet (eig. wenn der Mensch sein Herz auf dasselbe richtet), so darf er sich versichert halten, dass sein Gebet erhört werde, wie es Ps. 10, 17 heisst: „Du richtest ihr Herz, dein Ohr vernimmt.“ R. Jochanan sagte: Zehn Ausdrücke giebt es für Gebet, es sind: שועה, צעקה, נאקה, רנה, פגיעה, ביצור, קריאה, ניפול, פילול und תחנונים; שועה und צעקה wie es heisst Ex. 2, 23. „Und die Kinder Israels seufzten wegen des Dienstes und schrieen (ויזעקו) und ihr Geschrei (שועתם) stieg empor zu Gott wegen des Dienstes;“ נאקה wie es heisst das. V. 24: „Und Gott erhörte ihr Wehklagen (נאקתם);“ רנה und פגיעה wie es heisst Jerem. 7, 16: „Du aber bete nicht für dieses Volk und erhebe nicht für sie Flehen (רנה) und Gebet, und lege nicht Fürbitte bei mir ein (ואל תפגע בי); ביצור und קריאה wie es heisst Ps. 18, 7: בצר לי אקרא[1]; ניפול wie es heisst Deut. 9, 18: „Und ich fiel vor dem Ewigen nieder (ואתנפל);“ פילול wie es heisst Ps. 106, 30: „Da erhob sich Pinchas und betete (ויפלל);“ und תחנונים wie es hier heisst: „Und ich flehte (ואתחנן) zum Ewigen.“ Von allen diesen Ausdrücken wandte Mose bei seinem Gebete nur den Ausdruck תחנונים an. R. Jochanan sagte: Hieraus kannst du lernen, dass ein Geschöpf bei seinem Schöpfer nichts hat (d. i. dass es keinen Anspruch bei ihm erheben, sondern nur um Gnade flehen kann); denn siehe, Mose, der grösste aller Propheten, kam nur mit der [19] Sprache des Flehens. Und warum? R. Levi sagte: Warum kam Mose nur mit der Sprache des Flehens? Das Sprichwort sagt: Sei vorsichtig, dass du dich in deiner Rede nicht verfängst (eig. dass du nicht ergriffen wirst an einem Ort deiner Rede). Wie so? Gott sprach so zu Mose Ex. 33, 19: „Ich bin gnädig, wem ich gnädig sein will.“ Gott sprach zu ihm: Wer etwas in meiner Hand (etwas bei mir zu fordern) hat, dessen erbarme ich mich d. i. gegen den verfahre ich mit dem Masse Barmherzigkeit, wer aber nichts in meiner Hand (nichts bei mir zu fordern) hat, mit dem bin ich gnädig d. i. dem gebe ich es umsonst (eig. mit dem verfahre ich mit der Gabe des Umsonst). Als Mose in das Land Israel kommen wollte, sprach Gott zu ihm: Du hast genug! Da sprach Mose vor ihm: Herr der Welt! hast du nicht so zu mir gesagt: Wer nichts in meiner Hand hat, gegen den erweise ich mich gnädig d. i. ich gebe es ihm umsonst, ich sage jetzt nicht, dass ich irgend etwas bei dir zu fordern habe, sondern gieb es mir umsonst (verfahre mit mir gnädig). Woher lässt sich das beweisen? Weil es hier heisst: „Und ich flehte zum Ewigen.“ [2] Oder die Worte: „Ich flehte zum Ewigen“ in Verbindung mit Ps. 39, 12: „Züchtigst du mit Strafen für seine Schuld den Mann, so zerfliesst gleich der Motte seine Lust, ach eitel ist der ganze Mensch,“ Was heisst בתוכחות על עון? Durch eine Sünde, die Mose dadurch begangen, dass er deine Kinder zurechtwies, weil er zu ihnen gesprochen Num. 20, 10: „Hört doch, ihr Widerspenstigen!“ da hast du ihn gezüchtigt und ihn bestraft. Unter איש Mann ist nur Mose zu verstehen vergl. Num. 12, 3: „Der Mann Mose aber war sehr geplagt.“ Was heisst: תמס כעכו תמודו? Äll die Lust, die Mose hegte, um in das Land zu kommen, zerrann wie die Motte, welche in Geräthschaften eindringt und sie zernagt (morsch macht). Es giebt keine Lust, als das Land Israel vergl. Jerem. 3, 19: „Und ich gebe dir ein köstliches Land.“ Wenn es nun schon Mose, dem Gerechten, so erging, um wieviel mehr den Menschen, die nur für das Eitle und für den Tag des Gerichts bestimmt sind! „Ach, eitel ist der ganze Mensch.“ Sogar derjenige, sagte R. Acha, der zu einem Gott gemacht war, wie es heisst Ex. 7, 1: „Siehe, ich habe dich dem Pharao zum Gott gesetzt,“ und jetzt fleht er und wirft sich hin (wie es heisst): „Und er flehte zum Ewigen.“ [3] „Er flehte“ in Verbindung mit Dan. 2, 21: „Er ändert Zeit und Stunde.“ R. Abin sagte: Womit ist die Sache zu vergleichen? Mit einem König, der einen Freund hatte, welcher Heerführer, Eparchen und Feldherrn einsetzte (anstellte). Nach einiger Zeit sah man, dass er von dem Thorhüter verlangte, in den Palast zu gehen, und er liess es ihm nicht zu, worüber sich alle verwunderten und sprachen: Gestern (früher) hat er alle Heerführer, Eparchen und Kriegsobersten angestellt und jetzt verlangt er vom Thürhüter, in den Palast eingelassen zu werden und er lässt es ihm nicht zu. Da antwortete er: Die Stunde ist vorüber. So hatte auch Mose angeordnet und Gott hatte es bestätigt, z. B. (er sprach) Num. 10, 35:

[20] „Auf, Ewiger!“ (das. V. 36:) „kehre zurück, Ewiger!“ (das. 16, 30:) „Wenn der Ewige wird etwas Neues erschaffen“ d. i. wenn ihr (der Erde) vor den sechs Schöpfungstagen her ein Mund erschaffen worden ist, siehe, so ist’s gut, wenn nicht, so wird der Ewige ihr einen (Mund) schaffen, und jetzt fleht er, wirft sich nieder, um in das Land Israel zu kommen[QP 2] und wird nicht angenommen, (da heisst es auch:) Die Stunde ist vorbei, (wie es heisst:) „in derselben Zeit also.“

[4] Oder: „Und ich flehte zum Ewigen“ in Verbindung mit Prov. 18,23: „Mit Flehen redet der Arme, der Reiche aber antwortet trotzig.“ R. Jochanan sagte: „Mit Flehen redet der Arme“ d. i. Mose, welcher zu seinem Schöpfer mit Flehen kam: „der Reiche aber antwortet trotzig“ d. i. der Reiche der Welt, nämlich Gott antwortete ihm trotzig, wie es heisst Deut. 3, 26: „Fahre nicht fort mit mir von dieser Sache zu reden.“ Oder R. Jochanan sagte: „Mit Flehen redet der Arme“ d. s. die Propheten Israels, „der Reiche aber antwortet trotzig“ d. s. die Propheten der Völker der Welt. R. Jochanan sagte ferner: Du findest keinen Gerechteren unter den Völkern als Hiob war und dieser kam nur mit Zurechtweisungen vor Gott, wie es heisst Hi. 23, 4: „Ich wollte meine Rechtssache ihm vortragen und meinen Mund füllen mit Beweisen.“ Es giebt keinen grösseren Propheten, als Mose und Jesaia waren, und beide kamen nur mit Flehen. Jesaia sprach s. Jes. 33, 2: „Ewiger sei uns gnädig, auf dich hoffen wir,“ und Mose sprach hier: „Und ich flehte zum Ewigen.“ Oder: „Und ich flehte zum Ewigen.“ Womit ist diese Sache zu vergleichen? Mit einer Matrone, die einen Sohn geboren, so lange ihr Sohn lebte, ging sie mit Gewalt in den Palast, als ihr Sohn aber gestorben war, da fing sie an nur mit Flehen den Palast zu betreten. So auch die Israeliten, so lange sie in der Wüste sich befanden, erschien (ging) Mose vor Gott mit Gewalt s. Ex. 32, 11: „Warum, Ewiger, entbrennt dein Zorn über dein Volk, vergieb doch die Sünde dieses Volkes“ u. s. w., als aber die Israeliten in der Wüste gestorben waren, da fing er an zu bitten mit Flehen, um in das Land zu kommen, (wie es heisst:) „Und ich flehte [5] zu derselben Zeit.“ Und zu welcher Zeit flehte er? Zu der Zeit, wo Josua an seine Stelle gesetzt worden war, wie es heisst Deut. 3, 21: „Und dem Josua gebot ich zu derselben Zeit.“ R. Huna sagte, Als Gott zu Mose gesagt hatte: Die Regierungszeit des Josua ist herangekommen, da fing Mose an um Erbarmen zu flehen, um in das Land zu kommen. Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Eparchen, welcher in seinem Regierungsbezirk war und Befehle erliess, die der König ausführte (aufrecht hielt), er löste (befreite), wen er wollte und er fesselte, wen er wollte, als er aber seines Amtes entsetzt und ein anderer an seine Stelle gekommen war, da fing er an den Thürhüter (Pförtner) zu bitten, um in den Palast zu gehen, dieser aber liess es ihm nicht zu. So auch Mose. So lange er in seiner Regierung war, fesselte er, wen er wollte, wie es heisst Num. 16, 33; „Und sie fuhren, sie

[21] und alles, was sie hatten, lebendig hinab in die Unterwelt“, und er löste (befreite), wen er wollte, wie es heisst Deut. 33, 6: „Es lebe Ruben, und sterbe nicht“; als aber die Veränderung vorging und Josua an seine Stelle gesetzt wurde, wie es heisst Num. 27, 18: „Nimm dir Josua den Sohn Nuns,“ da fing er an zu flehen, um in das Land zu kommen. Gott aber sprach zu ihm: Du hast genug!

[6] Oder: „In derselben Zeit also.“ Was heisst לאמר? R. Asarja sagte: Sage es den künftigen Geschlechtern, dass sie in der Stunde der Noth beten sollen; denn siehe, obgleich dem Mose gesagt worden war Deut. 3, 27: „Du sollst nicht über diesen Jordan gehen“, fing er doch an zu flehen.

Oder was will לאמר sagen? R. Akiba sagte: Mose sprach: Herr der Welt! antworte mir auf meine Worte, ob ich in das Land Israel komme oder nicht[2].

Oder was ist der Sinn des Wortes לאמר? Mose sprach vor Gott: Herr der Welt! es möchte doch mein Vergehen wegen der künftigen Geschlechter aufgezeichnet werden. R. Samuel sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Könige, welcher den Befehl gegeben und gesagt hatte: Jeder, welcher Früchte im 7. Jahre aufliest und isst, den führe man auf das Feld. Eine Frau hatte Aehren aufgelesen und gegessen und wurde nun aufs Feld gesetzt. Da bat sie den König: Mein Herr König! ich fordere von dir, dass man diese unreifen Früchte mir an den Hals hänge, damit die Leute der Provinz nicht etwa sprechen, es sei Zauberei oder Ehebruch an mir gefunden worden; wenn sie die Früchte an meinem Halse sehen, so werden sie wissen, weshalb ich aufs Feld gebracht worden bin. So sprach auch Mose: Herr der Welt! möchte doch mein Vergehen für die künftigen Geschlechter aufgezeichnet werden, damit die Israeliten nicht etwa sprechen: Mose hat die Thora gefälscht oder er hat etwas gesagt, was ihm nicht befohlen worden ist, sie sollen wissen, dass ich nur wegen des Wassers bestraft werde. Das ist der Sinn der Worte: „zu derselben Zeit לאמר.“

[7] V. 24. Ewiger, Gott, du hast angefangen.

Was heisst das: „Ewiger, Gott?“ An zwei Stellen, sagte R. Josua ben Karcha, hat Mose dem Abraham nachgeahmt und es hat ihm nichts geholfen. Wie so? Gott rief den Abraham und er antwortete: „Hier bin ich, wie es heisst Gen. 22, 1: „Und es sprach Abraham: Hier bin ich!“ Was heisst הנני? Ich bin bereit für die Priester und für die Herrscherwürde und er erlangte die Priester- und Herrscherwürde, wie es heisst Ps. 110, 4: „Der Ewige hat geschworen und bereut es nicht, du bist Priester auf ewig nach der Weise Melchizedechs“ vergl. Gen, 14, 17: „Ins Thal Save, das ist das Königsthal.“ Auch Mose wollte ebenso thun, wie es heisst Ex. 3, 4: „Und er (Gott) rief: Mose, Mose! und er antwortete: Hier bin ich“ d. i. ich bin bereit

[22] zur Priester- und Herrscherwürde. Da sprach Gott zu ihm Prov. 25, 6: „Brüste dich nicht vor dem König und stelle dich nicht an den Ort der Grossen.“ Gott sprach zu ihm Ex. 3, 5; „Tritt nicht herzu!“ d. i. du hast mit der Priesterwürde nichts zu schaffen, denn von dieser heisst es Num. 1, 51: „Der Fremde, der sich ihr naht, soll getödtet werden.“ Du hast auch nichts mit der Herrscherwürde zu thun, wie es heisst 2. Sam. 7, 18: („Wer bin ich und was ist mein Haus,) dass du mich bis hierher gebracht!“ Abraham sprach Gen. 15, 2: „Ewiger, Gott, was willst du mir geben?“ R. Levi sagte: Er sprach vor ihm: Herr der Welt! wenn ich mit Recht zu verlangen habe, dass mir Kinder werden sollen, so gieb sie mir, wo nicht, gieb sie mir aus Barmherzigkeit. Bei deinem Leben! erwiederte Gott, du hast sie mit Recht zu verlangen, wie es Gen, 15, 4 heisst: „Und siehe, das Wort des Ewigen wurde ihm.“ Ebenso sprach auch Mose Deut 3, 24: „Ewiger, Gott, du hast angefangen,“ habe ich mit Recht zu verlangen, dass ich in das Land Israel komme, so lass mich einziehen, wo nicht, lass mich aus Barmherzigkeit dahin kommen. Darauf antwortete ihm Gott: „Brüste dich nicht vor dem König“ u.s.w., „denn du sollst nicht über diesen Jordan gehen.“ Als Mose sah, wie hart die Worte waren, fing auch er an harte Worte zu reden, (er sagte:) [8] „Ewiger, Gott, du hast angefangen.“ Er sprach nämlich vor ihm: Herr der Welt! warum soll ich nicht in das Land kommen? Etwa deshalb, weil ich gesagt habe Num. 20, 10; „Hört doch, ihr Widerspenstigen!“ Du hast doch zuerst gesagt das. 17, 25, „Zur Aufbewahrung, zum Zeichen der widerspenstigen Kinder.“

Oder: „Du hast angefangen.“ R. Ruben sagte: Mose sprach vor Gott: Warum thust du mir so? Du bist doch zuerst zu mir gekommen. Woher lässt sich das entnehmen? Aus Ex. 3, 2: „Da erschien ihm der Engel des Ewigen in einer Feuerflamme aus dem Dornbusch.“ Er sprach nämlich zu ihm: Nachdem du mich gross gemacht hast, willst du mich von meiner Grösse (Höhe) stürzen. Siehe, antwortete Gott, ich habe es geschworen! Herr der Welt! sprach wieder Mose, du hast angefangen, als du wolltest, hast du den Schwur nicht gebrochen? Hast du nicht geschworen, dass du deine Kinder wegen des goldenen Kalbes vernichten wolltest und du bist rückgängig geworden, wie es heisst Ex. 33, 14: „Der Ewige bedachte sich.“ Oder R. Levi sagte: Mose sprach vor Gott: Herr der Welt! Josephs Gebeine sollen in das Land kommen und ich soll nicht in das Land kommen? Gott antwortete ihm: Wer sich zu seinem Lande bekennt, wird auch in seinem Lande begraben, wer sich aber zu seinem Lande nicht bekennt, wird auch nicht in seinem Lande begraben. Joseph hat sich zu seinem Lande bekannt. Woher lässt sich das beweisen? Als seine Gebieterin sprach Gen. 39, 14: „Seht, da hat er uns einen hebräischen Mann gebracht,“ da hat er nicht verleugnet, sondern (er bekannte) das. 40, 15: „Denn gestohlen bin ich aus dem Lande der Hebräer;“ darum wurde er auch in seinem Lande begraben. Woher lässt sich das beweisen?

[23] Aus Jos. 24, 32: „Und die Gebeine Josephs, welche die Kinder Israels heraufgebracht aus Aegypten, begruben sie zu Sichem.“ Du aber hast dich nicht zu deinem Lande bekannt, darum sollst du auch nicht in deinem Lande begraben werden. Wie so? Als Jethros Töchter (zu ihrem Vater) sagten Ex. 2, 19: „Ein ägyptischer Mann hat uns aus der Gewalt der Hirten gerettet,“ da hörte er es und schwieg, darum soll er (du) auch nicht in seinem Lande begraben werden, [9] „denn du sollst nicht über diesen Jordan gehen.“ Da sprach Gott zu Mose: Wenn du hier (in der Wüste) bei ihnen (den Gefallenen) begraben wirst, so kommen sie wegen deines Verdienstes mit dir (in das Land). R. Levi sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem, dessen Kleingeld an einem finstern Ort verstreut worden war, er dachte, wenn ich sage: Leuchtet mir, dass ich mein Geld wieder auflese, so kehrt sich niemand daran, was that er? Er nahm ein Goldstück, warf es unter sie und fing an zu schreien: Leuchtet mir, ich habe ein Goldstück gehabt, und es ist mir hier entfallen, und sie leuchteten ihm. Was that er, als er das Goldstück wiedergenommen? Er sprach zu ihnen (den Leuten): Bei eurem Leben! wartet noch ein wenig auf mich, dass ich auch das Kleingeld auflese, und er las es in Folge (eig. im Verdienste) des Goldstücks auf. So brachte er auch das Kleingeld zusammen. So sprach auch Gott zu Mose: Wenn du bei ihnen in der Wüste begraben wirst, so kommen sie vermöge deines Verdienstes hinein und du an ihrer Spitze, wie es heisst Deut. 33, 21: „Das Erste ersah er sich u. s. w. und sie gehen voran als Häupter des Volkes.“ (Das. 4, 7:) „Denn wo giebt es ein so grosses Volk“ u. s. w. [10] Halacha. Darf ein Israelit, wenn er das Schema gelesen, warten, und dann erst beten (eine Bitte vorbringen)? Die Weisen haben so gelehrt:[QP 3] Drei Handlungen müssen rasch aufeinander folgen: 1) auf das Hände aufstützen muss gleich das Schlachten, 2) auf das Händewaschen (vor Tische) gleich die Beracha (der Segen über das Brot) und 3) auf (das Gebet) die Erlösung betreffend gleich das Gebet (Schemone esre) folgen. Und wer sich so verhält, was ist sein Lohn? Rabba bar R. Abuhu sagte: Wer nach dem Hand aufstützen gleich schlachtet, der darf sich versichert halten, dass sein Opfer angenommen wird, und wer nach dem Waschen seiner Hände gleich die Beracha spricht, darf sich versichert halten, dass der Satan nicht den Ankläger bei seiner Mahlzeit macht, und wer nach dem Schema gleich das Schemone esre betet, darf sich versichert halten, dass sein Gebet erhört wird.

R. Jehuda bar R. Simon sagte: Du findest, dass der Götze nah und fern, Gott aber fern und nah ist. Wie so ist der Götze nah? Ein Heide macht sich ein Götzenbild und stellt es in seinem Hause bei sich auf, folglich ist es da nah, und woher lässt sich beweisen, dass es fern ist? Weil es heisst Jes. 46, 7: „Er schreit auch zu ihm, er antwortet ihm aber nicht, weil er fern ist. Aber Gott ist fern und nah, wie so? R. Jehuda bar R. Simon sagt:

[24] Von hier (der Erde) bis zum Himmel hinauf ist ein Weg von 500 Jahren, folglich ist Gott fern, und er ist nahe, nämlich wenn der Mensch steht und betet und er sinnt nach in seinem Herzen (über das Schema), so ist Gott nahe, sein Gebet zu vernehmen, wie es heisst Ps. 65, 3: „Erhörer des Gebets! zu dir kommt alles Fleisch.“ David sprach vor Gott: Herr der Welt! wenn die Völker der Welt kommen, um vor dir zu beten, gieb ihnen keine Antwort, denn sie kommen nicht zu dir mit ganzem Herzen, sondern sie gehen zu ihrem Götzen, und er antwortet ihnen nicht, sie sehen sich dann in der Noth und kommen zu dir, so gieb auch du ihnen keine Antwort, wie es heisst Ps. 18, 42: „Sie schreien und niemand hilft, zum Ewigen, und er antwortet ihnen nicht.“ Was bedeutet ישועו? Sie schreien zu ihrem Götzen um Hilfe und wenn sie dann zu dir kommen, „zum Ewigen, so antwortet er ihnen nicht.“ Aber wenn die Israeliten zu dir rufen, so vernimmt er gleich unser Gebet, wie es heisst das. 4, 2: „Auf mein Rufen antworte mir, mein Gott, meine Gerechtigkeit.“ Gott sprach zu David: Du hast gesagt: „Auf mein Rufen antworte mir!“ Bei deinem Leben! ehe ihr ruft, werde ich euch antworten, wie es heisst Jes. 65, 24: „Bevor sie rufen, werde ich antworten,“ denn ich habe keine andere Nation als euch. Und woher lässt sich das beweisen? Weil wir hier Deut. 4, 7 lesen: „Und wo ist ein so grosses Volk? [11] Ps. 20, 2 heisst es: „Der Ewige antworte dir am Tage der Noth.“ Die Rabbinen sagen: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Königssohne, welcher ausgeartet war, und er hatte drei Erzieher, der erste sprach, er werde Fesseln von hundert Litra für ihn machen, der zweite sagte: mit Fesseln von hundert Litra könne er nichts leisten, er werde ihm solche machen, die zwölf Litra wiegen, da kam der dritte und sagte, wie kann er mit Fesseln von zwölf Litra bestehen, er werde ihm eine Fessel von nur einer Litra machen. So sprach auch Mose, er werde für das Volk Fesseln von hundert Litra machen, wie es heisst Deut. 31, 17: „Viele Uebel und Nöthe werden es treffen.“ David sprach, er werde für dasselbe Fesseln von zwölf Litra machen, wie es heisst: „Der Ewige antworte dir am Tage der Noth“ (sing.) d. i. so wie der Tag nur zwölf Stunden hat. Als aber Jeremia auftrat, sprach er vor Gott. Herr der Welt! sie haben keine Kraft, auch die Noth, von der David gesprochen, zu ertragen (auszuhalten) , es werde für sie eine Fessel von nur einer Litra gemacht, wie es heisst Jerem. 30, 7: „Eine Zeit der Drangsal ist’s für Jacob, doch er soll von derselben befreit werden.“

Oder: „Der Ewige antworte dir am Tage der Noth.“ Was heisst ביום צרה? Resch Lakisch sagte: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Weibe, welches auf dem Gebärstuhle sitzt, um zu gebären und Schmerzen beim Gebären aussteht. Da sprachen die Weiber zu ihr: Wer deine Mutter erhört hat, wird auch dich erhören. Ebenso sprach David zu Israel: Wer Jacob erhört hat, wird auch euch erhören. Was hat Jacob gebetet? Gen. 35, 3: „Ich

[25] will dort einen Altar machen dem Gott, der mich erhört hat am Tage meiner Noth;“ auch dich wird der Ewige erhören am Tage der Noth, es wird dich da schützen der Gott Jacobs. Mose sprach vor Gott: Herr der Welt! wenn du deine Kinder in Leiden siehst und es betet niemand für dieselben um Erbarmen, antworte ihnen sogleich. Bei deinem Leben! antwortete ihm Gott, zu jeder Stunde, wo sie mich anrufen, werde ich ihnen antworten, wie es heisst Deut. 4, 7: „Wer ist wie der Ewige, unser Gott, so oft wir zu ihm rufen.“ [12] Oder: „Wie der Ewige, unser Gott,“ in Verbindung mit Ps. 69, 14: „Und mein Gebet zu dir, Ewiger, zur Gnadenzeit.“ R. Chanina bar Papa fragte den R. Samuel bar Nachman: Was heisst das, was geschrieben steht: „Mein Gebet zu dir, Ewiger, zur Gnadenzeit?“ Dieser antwortete ihm: Die Thore des Gebetes sind zuweilen geöffnet, zuweilen geschlossen, aber die Thore der Busse sind stets geöffnet. Er sprach: Woher lässt sich das beweisen? Aus Ps. 65 6: „Furchtbares, mit Gerechtigkeit erhörst du uns, Gott unsrer Hilfe, du Zuversicht aller Erd- und Meeresenden, der Fernen.“ Sowie diese Wassersammlung zuweilen geöffnet, zuweilen verschlossen ist, so sind auch die Thore des Gebetes zuweilen offen, zuweilen geschlossen, aber das Meer ist immer offen. So ist auch die Hand Gottes immer offen, die Reuigen aufzunehmen. Rab Anan sagte: Auch die Thore des Gebetes sind nie verschlossen, wie es hier heisst: „Wie der Ewige, unser Gott, so oft wir zu ihm rufen.“ Unter קריאה Rufen ist nichts anderes als das Gebet zu verstehen, wie es heisst Jes. 65, 24: „Bevor sie noch rufen, werde ich antworten.“

R. Chia der Grosse hat gesagt: Es heisst Ps. 27, 14: „Hoffe auf den Ewigen, sei stark und muthigen Herzens und hoffe auf den Ewigen“ d. i. bete und bete abermals, es giebt doch eine Zeit, wo dir Erhöhrung wird.

Oder: „Mein Gebet zu dem Ewigen“ u. s. w. Weil David allein sprach: „zur Gnadenzeit,“ aber das Gebet der Versammlung kehrt niemals leer zurück. „Wie der Ewige, unser Gott, so oft wir zu ihm rufen, [13] denn wo giebt es ein so grosses Volk, welchem Gott so nahe ist?“ Die Sectirer (Minim) fragten den R. Simlai:[QP 4] Wie viel Götter (Mächte) haben die Welt erschaffen? Er antwortete ihnen: ich und ihr wollen die sechs Schöpfungstage fragen. Da entgegneten sie: Steht denn im Anfange schuf אלוה (sing.)? es steht doch: Im Anfange schuf אלהים (plur.). Er sprach zu ihnen: Steht denn בראו sie erschufen? es steht doch ברא er erschuf. Ferner steht denn ויאמרו אלהים die Götter sprachen, es sei eine Veste, es sammeln sich die Wasser, es seien Lichter? es heisst doch: ויאמר‎ und er sprach. Als sie an das Werk des sechsten Schöpfungstages kamen, da waren sie froh. Sie sprachen zu ihm; Siehe es heisst Gen. 1, 26: „Wir wollen einen Menschen machen (נעשׂה) nach unserm Bilde“ u. s. w. Er entgegnete ihnen: Es steht nicht: ויבראו sie erschufen den Menschen in ihrem Bilde (בצלמיהם), sondern es heisst: ויברא er erschuf den Adam in seinem Bilde (בצלמו). Sie

[26] sprachen: Es steht doch aber: „Wo ist ein so grosses Volk, dem Götter (אלהים) so nahe sind (קרובים אליו)? Darauf antwortete er ihnen: Heisst es denn: „Wie der Ewige, unser Gott, so oft wir zu ihnen (אלהים) rufen?“ es heisst doch: „so oft wir zu ihm (אליו) rufen.

[14] Oder: „Dem Gott so nahe ist.“ R. Jochanan sagte: Wenn die Dienstengel vor Gott erscheinen, um zu erfahren, wann das Neujahr, wann der Versöhnungstag sein soll, da antwortet Gott ihnen: Was fragt ihr mich? ich und ihr wollen bei dem Gerichtshofe unten anfragen, wie es hier heisst: Dem Gott so nahe ist, es heisst nicht: Dem eine Nation nahe ist (אשר לו אומה קריבה), sondern dem Gott (אלהים) nahe ist d. i. er und seine Familie. R. Jochanan sagte: Gott sprach: Ehe sie meine Nation geworden, waren es „Festtage des Ewigen“ (d. i. sie waren von Gott angeordnet), von jetzt ab und weiter aber sind es die, welche ihr nennt. [15] Oder: „Dem Gott so nahe ist.“ Hat der Mensch einen reichen Verwandten, so bekennt er sich zu ihm,[QP 5] hat er aber einen armen, so verleugnet er ihn und spricht: er ist nicht mein Verwandter. Aber Gott verhält sich anders. Als die Israeliten in der aegyptischen Sclaverei sich befanden, sagte Gott: ich bin ihr Verwandter. Woher lässt sich das beweisen? Aus Ps. 148, 14: „Den Kindern Israels, dem Volke, das ihm verwandt (nahe) ist.“ Und wenn sein Verwandter arm ist, so macht er sich zur Haupt- und ihn zur Nebenperson. Was spricht er? Der und der ist mit mir verwandt. Gott aber macht Israel zur Hauptperson. Es heisst hier nicht: Der ein verwandtes Volk hat (אשׁר לו גרי קרוב), sondern dem Gott so nahe (ein Verwandter) ist (אשׁר לו אלהים קרובים אליו).

Oder: „Wo giebt es ein so grosses Volk?“ R. Chama bar Chanina sagte: Welche Nation hat ihr Gott gross gezogen wie diese? Gewöhnlich wenn eine Nation Krieg führen will, so weiss sie nicht, ob sie siegen wird oder nicht; die Israeliten aber halten sich des Sieges versichert, wie es heisst: „Wo giebt es ein so grosses Volk“ u. s. w.

[16] Oder R. Tanchuma erzählte: Ein Schiff war ganz mit Heiden besetzt und es befand sich nur ein Jude darauf, sie kamen an eine Insel (νησος) und die Reisegesellschaft sprach zu dem Juden: Nimm hier das Geld, gehe damit auf die Insel und hole uns von da irgend etwas. Ich bin hier fremd, gab er ihnen zur Antwort, ich kenne den Weg nicht (eig. ich weiss nicht, wohin ich gehen soll). Ist denn, entgegneten sie, der Jude irgendwo fremd, denn wo du gehst, ist dein Gott bei dir, wie es heisst: „(wo ist ein so grosses Volk,) dem Gott nahe ist?“ [17] Und was heisst das: „So oft wir zu ihm rufen?“ Die Rabbinen sagen: Manches Gebet wird erst in 40 Tagen erhört. Von wem kannst du das lernen? Von Mose, wie es heisst Deut. 9, 18: „Ich fiel vor dem Ewigen hin“ (zum Gebete). Manches Gebet wieder wird in 20 Tagen erhört. Von wem kannst du das lernen? Von Daniel, wie es heisst Dan. 10, 3: „Köstliches Brot ass ich nicht und Fleisch und Wein kam nicht in meinen

[27] Mund und ich salbte mich nicht, bis drei Wochen um waren.“ Hernach sprach er: „Ewiger erhöre. Ewiger vergieb“ u. s. w. Manches Gebet ferner wird in drei Tagen erhört. Von wem kannst du das lernen? Von Jona, wie es heisst Jon. 2, 1: „Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte.“ Darauf (V. 2) „betete Jona zum Ewigen, seinem Gott, aus dem Leibe des Fisches.“ Manches Gebet wird in einem Tage erhört. Von wem kannst du das lernen? Von Elia, von dem es heisst 1 Reg. 18, 36: „Elia, der Prophet, trat hin und sprach: Ewiger“ u. s. w. Manches Gebet wird zu seiner Zeit erhört.[3] Von wem kannst du das lernen? Von David, wie es heisst Ps. 69, 14: „Mein Gebet zum Ewigen zur wohlgefälligen Zeit.“ Manches Gebet wird sogar, ehe es noch aus dem Munde kommt, von Gott erhört, wie es heisst Jes. 65, 24: „Ehe sie rufen, werde ich antworten.“


[18] V. 25. Wenn du Kinder zeugst. Halacha. Darf ein Israelit die Ecke seines Haupthaars rund herum wachsen lassen? Die Weisen haben so gelehrt: Folgende Dinge sind wegen amoritischer (heidnischer) Sitte verboten: Wer die Ecke seines Haupthaares abschneidet und eine Haarflechte auf der Kopfspitze (Locke, Tolle) macht. Was heisst: המספר קומי? Wer die Ecke seines Haupthaares abschneidet und ein Erfassen der Locken (auf der Kopfspitze) macht[4], was verschuldet er? Er erhält vierzig Geisselhiebe. Wer aber die Locke[5] auf der Kopfspitze trägt und sie in götzendienerischer Absicht wachsen lässt, verdient eine härtere Strafe, als für Götzendienst selbst. Ist denn Gott nicht auf den Götzen eifersüchtig, es heisst doch Ex. 20, 3: „Du sollst keine anderen Götter vor mir haben, ebenso Deut. 4, 24: „Denn der Ewige, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer, ein eifervoller Gott?“ Wenn nun an den Götzen nichts Wesentliches ist, fragen die Rabbinen, warum werden sie Götter genannt? Um denjenigen zu belohnen, bemerkte R. Pinchas bar Chama, der sich von ihnen fern hält (trennt). Gott sprach nämlich: Obgleich nichts Wesentliches an ihm (dem Götzen) ist, so sehe ich doch den Menschen, der sich von ihm fern hält, so an, als wenn er dem diente, in dem Wesentliches ist und zu mir käme. R. Josua ben Levi sagte: Gott sprach: Da die Strafe des Götzendienstes so schwer ist, so muss ich sie davor warnen, damit sie nicht sprechen: wenn man uns vor ihm gewarnt hätte, würden wir uns von ihm losgemacht haben. Gott sprach zu Jesaia: Glaube nicht, dass ich sie vielleicht nicht zuvor vor Götzendienst gewarnt habe, ehe sie an den Sinai kamen, um das Gesetz zu empfangen, habe ich sie schon davor gewarnt. Woher lässt sich

[28] das beweisen? Aus Jes. 48, 5: „Ich sagte es dir vorlängst, ehe es kam, that ich es dir kund“ d. i. ehe du an den Sinai kamst, liess ich dich schon die Segnungen und die Flüche vernehmen. Warum? S. das.: Damit du nicht sprächest: Mein Götze that es, mein Schnitz- und Gussbild verordnete es.“ Deshalb also habe ich sie davor gewarnt. Und durch wen habe ich sie gewarnt? Durch meinen Knecht Mose. Woher lässt sich das beweisen? Weil wir hier lesen: „Wenn du Kinder und Enkel zeugest“ u. s. w.

[19] Oder in Verbindung mit Hos. 4. 7: „Als sie sich mehrten, sündigten sie gegen mich, ihre Ehre will ich in Schmach wandeln.“ Was heisst כרובם? R. Samuel bar Nachmani sagte: Alles was die Grossen thun, thut das Zeitalter ihnen nach.[6] Wie ist das zu verstehen? Der Nasi erlaubt und der Gerichtspräsident verbietet. Der Nasi erlaubt und ich verbiete. Die Richter sprechen: Der Gerichtspräsident erlaubt und wir verbieten und die übrigen Leute sprechen: Die Richter erlauben und wir verbieten. Wer ist schuld, dass das ganze Geschlecht sündigt? Der Nasi, der zuerst gesündigt hat. R. Simlai sagte: Es heisst das. 2, 5 : „Denn ihre Mutter buhlt und ihre Gebärerin treibt Schande“ d. i. sie beschämen ihre Worte in Gegenwart des gewöhnlichen Volkes (der Ungebildeten). Wie so? Der Gelehrte sitzt und trägt öffentlich vor: Du sollst nicht auf Wucher ausleihen, und er leiht selbst auf Wucher aus, er lehrt: Du sollst nicht rauben und er raubt selbst, er lehrt: Du sollst nicht stehlen und er stiehlt selbst. R. Berachja erzählte: Einem Menschen war sein Gebetmantel gestohlen worden und er kam, um deshalb Klage beim Richter zu erheben und fand eine Geschiedene auf seinem Bette. Ferner erzählte R. Berachja: Einem Menschen war sein kupferner Kessel gestohlen worden, er ging zum Richter, um Klage zu erheben und fand ihn (den Kessel) an seinem Brunnen. Das wollen die Worte sagen: „Wie ihre Grossen (כרובם), so sündigen sie gegen mich.“

Oder: „Jemehr sie haben, desto mehr sündigen sie gegen mich.“ R. Tanchuma sagte: Jemehr Länder ich ihnen gegeben habe, desto mehr sündigten sie an mir. Woher lässt sich das beweisen? Aus Hos. 12, 12: „Ihrer Altäre sind so viel wie Steinhaufen auf den Furchen des Feldes.“ Oder jemehr ich ihnen Reichthum gegeben habe, desto mehr haben sie an mir gesündigt, Woher lässt sich das beweisen? Aus Hos. 8, 4: „Aus ihrem Silber und Gold haben sie sich Götzen gemacht.“ Oder jemehr Könige ich ihnen gegeben habe, desto mehr haben sie an mir gesündigt. Woher lässt sich das beweisen? Aus Hos. 7, 7: „Alle ihre Könige sind gefallen, keiner unter ihnen ruft zu mir.“ Oder jemehr ich ihnen Kinder gegeben habe, desto mehr haben sie an mir gesündigt, wie es heisst: „Wenn du Kinder zeugst.“

[29] [20] Oder: „Wenn du Kinder zeugst“ in Verbindung mit Prov. 10, 16; „Das Wirken des Gerechten ist zum Leben, der Gewinn (Ertrag) des Frevlers zur Sünde.“ „Das Wirken des Gerechten ist zum Leben.“ R. Tanchuma sagte: Das ist Eliphas, welcher im Schosse Jizchaks herangewachsen war;[7] „der Gewinn des Frevlers ist zur Sünde“ d. i. Amalek, der in Esaus Schoss herangewachsen war. Oder „das Wirken des Gerechten ist zum Leben.“ Alles, was David und sein Sohn Salomo wirkte, war zum Leben Israels. „Der Gewinn des Frevlers ist zur Sünde?“ Mit dem einen Eintritt (בביאה אחת) Manasses in das Allerheiligste war Israel versündigt, denn er fertigte ein Götzenbild mit vier Gesichtern und brachte es in den Tempel. Woher lässt sich das beweisen? Aus Ezech. 8, 5: „Siehe, nördlich vom Thore des Altars war jenes Bild der Eifersucht am Eingange.“ R. Acha sagte (wandte hier das Sprichwort an): „Siehe, grosses Wehe geschieht in der Welt; der Beisass verdrängt den Hausherrn“ (d. i. der Götze wird im Heiligthum verehrt)! Und warum machte er ein Götzenbild mit vier Gesichtern? Gegenüber den vier Thiergestalten, welche den Thron des Allerheiligsten tragen. Oder warum vier Gesichter? Gegenüber den vier Winden der Welt (Weltgegenden). Er sprach nämlich: Wer von den vier Winden der Welt kommt, muss sich vor dem Götzenbilde niederwerfen. Und was that Gott mit ihm? Er überlieferte ihn in die Gewalt seiner Feinde. Woher lässt sich das beweisen? Aus 2 Chron. 33, 11; „Da liess der Ewige über sie kommen die Heerobersten des Königs von Assyrien, die nahmen Manasse gefangen mit Fesseln“ d. i. sie bereiteten ihm ein ehernes Maulthier (mit vielen Löchern) und warfen ihn hinein und zündeten Feuer unter ihm an und er wurde so von Innen verbrannt.[8] In dieser Stunde rief Manasse zu allen Göttern der Welt, denen er geopfert hatte, und nicht ein einziger von ihnen antwortete ihm, wie es heisst Jes. 46, 7: „Auch wenn er zu ihm schreit, so antwortet er nicht, aus seiner Noth hilft er ihm nicht.“ Als nun Manasse seine Noth sah und dass ihm nicht einer von ihnen antwortete (Gehör gab), rief er Gott an, und sprach vor ihm: Herr der Welt! siehe, ich habe alle Götter in der Weit angerufen und habe erkannt, dass nichts Wesentliches an ihnen ist, Herr der Welt! du bist Gott über alle Götter, wenn du mich nicht erhörst, dann könnte ich am Ende denken, alle Gesichter sind gleich. Da sprach Gott zu ihm: Du Frevler verdientest mit Recht, dass ich dich nicht erhören sollte, denn du hast mich erzürnt, allein um nicht die Thür vor den Rückkehrenden zu verschliessen, damit sie nicht sprechen: Siehe, Manasse wollte Busse thun, er wurde aber nicht aufgenommen, siehe, darum will ich dich

[30] erhören. Woher lässt sich das beweisen? Aus 2 Chron. 33, 13: „Er betete zu ihm und er liess sich von ihm erbitten und erhörte sein Flehen (ויחתר לו).“ Daraus geht hervor, dass die Dienstengel die Himmelsfenster (eig. die Fenster der Veste) verstopft hatten, damit sein Gebet nicht zum Himmel aufsteigen sollte. Was that Gott? Er durchbohrte (חתר) die Veste unter dem Throne der Herrlichkeit, nahm sein Gebet auf und setzte ihn wieder in Jerusalem in sein Reich. Nach R. Samuel bar Inja im Namen des R. Acha brachte er ihn mit einem Winde zurück, wie es heisst: „er lässt den Wind wehen.“[9] Da erkannte Manasse, dass der Ewige (der) wahre Gott ist.

Oder: „Das Wirken des Gerechten ist zum Leben“ d. i. die gerechten Bewohner des Landes zu Moses Zeit, „der Gewinn des Frevlers ist zur Sünde.“

So du Kinder und Kindeskinder zeugest und ihr seid eingewöhnet im Lande.“ u. s. w. [21] Was heisst „להכעיסו um ihn zu erzürnen?“ R. Eleasar sagte: Sie sassen und überlegten sich, welche Schande (Scham) wohl schwerer (schlimmer) sei, ob die, „wenn ein Mann das Eheweib seines Nächsten beschläft,“ oder die, „wenn man seine Schnur durch Blutschande beflecket (s. Ezech. 22, 11)? Da dachten sie bei sich: Wer ein Eheweib beschläft, wird erwürgt und wer seine Schnur beschläft, wird gesteinigt, siehe das Vergehen mit der Schnur ist schlimmer (schwerer) als das mit einem Eheweibe. R. Ismael hat gelehrt: Es heisst: Am. 2, 7: „Sohn und Vater gehen zu einer Dirne,“ nun konnte ich glauben, sie gehen zu ihr aus Wollust? Darum heisst es gleich dabei: „um meinen heiligen Namen zu entweihen.“ Das ist der Sinn des Wortes: להכעיסו um ihn zu erzürnen. R. Levi sagte: Die Israeliten sind erst vertrieben worden, als sieben Familienhäuser zu Frevlern geworden waren. (Wie so?) בנים sind zwei, בני בנים sind wieder zwei, ונושנתם והשחתם ועשיתם (die drei Zeitworter im plur.) sind drei, das macht in Summa sieben. [22] Die Rabbinen sagen: Gepriesen sei der Name Gottes, welcher weiss, was gewesen ist und was sein wird, wie es heisst Jes. 46, 10: „Er verkündet im Anfange das Ende.“ Wie so? In diesem Abschnitte hat Mose den Israeliten gezeigt, wie sie, wenn sie sündigen, einst in die Gefangenschaft wandern und wie sie, wenn sie Busse thun, erlöst werden. Ersteres, wenn sie sündigen werden, wie es heisst Deut. 4, 25: „Ihr thut, was missfällig ist in den Augen des Ewigen“ und darauf folgt V. 27: „Und der Ewige wird euch zerstreuen unter die Völker“ und dann heisst es V. 30: „Wenn du in Noth sein wirst und dich alle diese Dinge treffen.“ Was heisst das בצר לך? R. Jochanan sagte im Namen des R. Akiba: Jede Noth (כל צרה), die nur einen einzigen trifft, ist eine Noth, jede Noth aber, die nicht einen einzigen (sondern eine Mehrheit) trifft, ist keine Noth. Oder: [31] בצר לך. R. Jochanan sagte ferner: Jede Noth, welche die Israeliten und die Völker der Welt gemeinschaftlich trifft, ist eine Noth, jede Noth aber, die Israel allein betrifft, ist keine Noth, R. Jochanan hat vorgetragen: wie z. B. hinsichtlich der Noth (Gefahr) in der Residenz Susa (zu Hamans Zeit), diese betraf nur die Israeliten, wie es heisst Esther 4, 3: „Es war grosse Trauer für die Juden,“ da liess ihnen Gott bald Hilfe angedeihen (sprossen), wie es heisst das. 8, 16: „Den Juden ward Licht und Freude.“ [23] Oder R. Eleasar sagte: Als die Israeliten aus Aegypten erlöst wurden, geschah es nur wegen folgender fünf Dinge (Ursachen): 1) in Folge der Noth, 2) in Folge der Busse, 3) in Folge des Verdienstes der Väter, 4) in Folge der Barmherzigkeit und 5) weil das Ende gekommen war. In Folge der Noth s. Ex. 2, 3: „Und es seufzten die Kinder Israel;“ in Folge der Busse s. das.: „Und ihr Geschrei stieg empor zu Gott,“ in Folge des Verdienstes der Väter, wie es heisst das. V. 24: „Und Gott gedachte seines Bundes,“ in Folge der Barmherzigkeit, wie es heisst das V. 25: „Und Gott sah die Kinder Israel,“ in Folge des Endes, wie es heisst das.: „Und Gott wusste es.“ Und einst werden sie auch wieder wegen derselben fünf Dinge (Ursachen) erlöst werden, wegen der Noth, wie es heisst Deut. 4, 30: „Und wenn du in Noth bist,“ siehe, das ist wegen der Noth, „und du zum Ewigen wiederkehrst“ (s. das.), siehe, das ist in Folge der Busse, „denn ein barmherziger Gott ist der Ewige, dein Gott“ (s. das. V. 31), siehe, das ist in Folge der Barmherzigkeit, „und er wird nicht vergessen des Bundes mit deinen Vätern (s. das.), siehe, das ist in Folge des Verdienstes der Väter, „und es treffen dich alle diese Dinge am Ende der Tage“ (s. das. V. 30), siehe, das ist in Folge des Endes. Und auf sie (diese Dinge) hat auch David hingewiesen Ps. 106, 44: „Er sah sie in ihrer Noth,“ siehe, das ist wegen ihrer Noth, „als er ihr Flehen hörte“ (s. das.), siehe, das ist wegen der Busse, „und er gedachte ihnen seines Bundes“ (s. das.), siehe, das ist wegen des Verdienstes der Väter, „und er hat Erbarmen mit ihnen“ (s. das.), siehe, das ist wegen der Barmherzigkeit, „hilf uns, Gott unsers Heils, sammle uns und rette uns aus den Völkern“ (s. das. V. 47), siehe, das ist wegen des Endes. [24] Oder: Und du umkehrst zum Ewigen, deinen Gott.“ Es giebt nichts Grösseres als die Busse. Einmal waren unsere Rabbinen in Rom, R. Elieser, R. Josua und Rabban Gamliel und die Räthe des Königs hatten beschlossen, dass binnen dreissig Tagen kein Jude mehr in der ganzen Welt sein sollte. Einer der Räthe, der gottesfürchtig war, kam zu Rabban Gamliel und entdeckte ihm die Sache, und unsere Rabbinen waren in grosser Besorgniss. Da sprach jener Fromme zu ihnen: Grämt euch nicht! binnen 30 Tagen steht der Gott der Juden ihnen bei. Nach Verlauf von 25 Tagen machte er seiner Gemahlin Mittheilung von der Sache. Siehe, sprach er zu ihr[10],

[32] es sind schon 25 Tage verlaufen, es fehlen nur noch fünf Tage. Sein Weib war aber noch frommer als er. Hast du nicht, sprach sie zu ihm, einen Ring, saug ihn aus und stirb[11], so werden die Räthe deinetwegen noch andere 30 Tage aufgeschoben (d. i. sie werden keine Sitzungen haben) und der Beschluss geht vorüber (d. i. er kommt nicht zur Ausführung)[12]. Er folgte ihr, sog seinen Ring aus und starb. Als unsre Rabbinen es erfuhren, gingen sie zu seiner Gemahlin, um sich ihr dankbar zu zeigen. Unsere Rabbinen sprachen zu ihr: Wehe dem Schiffe, das dahin gegangen ist und keinen Zoll gegeben hat (Glosse: Das will sagen: Dieser Fromme war nicht beschnitten)! Sie sprach zu ihnen: Ich weiss, was ihr damit sagen wollt, bei euerm Leben! das Schiff ist nicht dahin gegangen, ohne den Zoll entrichtet zu haben. Darauf ging sie in ein (geheimes) Gemach und brachte ihnen ein kleines Kästchen heraus, in welchem die Vorhaut (Milah) und die blutigen Leinwandstücke sich befanden. Unsere Rabbinen wandten auf ihn an Ps. 47, 10: „Die Edeln der Völker gesellen sich zum Gotte Abrahams, denn Gottes sind die Schilde (Beschützer) der Erde, hoch ist er erhaben.“ Was heisst: מגיני ארץ Schilde der Erde? Gott sprach nämlich zu Abraham: Ich bin ein Schild der Macht geworden. Woher lässt sich das beweisen? Aus Gen. 15, 1: „Ich bin dir ein Schild“ d. i. diesem bin ich zu vielen Schilden geworden. Wie so? Gott sprach nämlich zu Abraham das. 12, 2; „Ich will dich zu einem grossen Volke machen und ich will dich segnen und deinen Namen gross machen.“ Darauf beschnitt sich Abraham. Diesem (dem Rathe) habe ich aber keine Verheissung gegeben. Was heisst: מאד נעלה sehr erhaben? Dieser ist erhabener (grösser) als Abraham.

Oder: „Und du kehrst zum Ewigen, deinem Gott, zurück.“ R. Samuel Pargerita sagte im Namen des R. Meïr: Womit ist diese Sache zu vergleichen? Mit einem Königssohne, der ausgeartet war, der König schickte seinen Erzieher ihm nach und liess ihm sagen: Geh in dich, mein Sohn! Der Sohn aber liess seinem Vater sagen: Mit welchem Gesichte kann ich zurückkehren, ich schäme mich vor dir. Darauf liess ihm der Vater sagen: Mein Sohn, schämt sich wohl ein Sohn zu seinem Vater zurückzukehren? Wenn du zurückkehrst, kehrst du nicht zu deinem Vater zurück? Ebenso sandte Gott Jeremja zu den Israeliten, als sie gesündigt hatten. Er sprach zu ihm: Geh und sage meinen Kindern: Geht in euch! Woher lässt sich das beweisen? Aus Jerem. 3, 12: „Geh und rufe diese Worte nach Norden“ u. s. w. Die Israeliten antworteten darauf dem Jeremja: Mit welchem Gesichte können wir zu Gott zurückkehren? Woher lässt sich das beweisen? Es heisst das. V. 25: „Wir [33] liegen in unsrer Schande und uns deckt unsre Schmach“ u. s. w. Darauf liess Gott ihnen sagen: Meine Kinder, wenn ihr zurückkehrt, kehrt ihr nicht zu eurem Vater zurück? Woher lässt sich das beweisen? Aus Jerem. 31, 9: „Ich bin Israel ein Vater.“ R. Asarja sagte: Gott sprach zu Jeremja: Geh, sprich zu den Israeliten: Bei eurem Leben! ich verleugne euch; ihr habt mir am Sinai gesagt: Mein Inneres (tobt) empört sich in mir, ebenso sage auch ich euch. Woher lässt sich das beweisen? Aus Jerem. 3, 9: „Ephraim ist mir ein theurer Sohn.“

[25] V. 41. Damals sonderte Mose aus.
Halacha. Wie viele Dinge sind dem ersten Menschen befohlen worden (nicht zu thun)? Die Weisen haben so gelehrt: Sechs Dinge sind dem ersten Menschen befohlen worden. (Er soll sich hüten), 1) vor Götzendienst, 2) vor Entweihung des göttlichen Namens, 3) die Einsetzung von Richtern betreffend, 4) vor Blutvergiessen, 5) vor Unzucht und 6) vor Raub, und alle diese sind nach Rabbi in dem Verse enthalten Gen. 2, 16: „Und der Ewige gebot dem Menschen“ u. s. w. ויצו geht auf den Götzendienst vgl. Hos. 5, 11: „Denn willig folgt es Geboten (צו);“ יהוה‎ geht auf Entweihung des göttlichen Namens vgl. Lev. 24, 16: „Wer den Namen des Ewigen lästert, der soll getödtet werden;“ אלהים geht auf die Richter vgl. Ex. 22, 9: „Bis zu dem Richter (אלהים) die Sache beider kommt;“ על האדם geht auf das Verbot des Blutvergiessens vgl. Gen. 9, 6: „Wer Menschenblut vergiesst;“ לאמר geht auf das Verbot der Unzucht vgl. Jerem. 3, 1: „Zu sagen: wenn ein Mann sein Weib entlässet;“ מכל עץ הגן אכל תאכל von allen Bäumen des Gartens sollst du essen, aber nicht vom Geraubten, somit verbietet er ihm den Raub. Für alle diese Vergehungen giebt es eine Vergebung, nur nicht für Blutvergiessen, wie es heisst Gen. 9, 6: „Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden.“ R. Levi sagte: Wie viele Menschen haben nicht getödtet und sind auf ihren Lagern gestorben? Man antwortete ihm: Was heisst: באדם דמו ישׁפך dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden? Wenn alle Menschen einst (zu Gericht) erscheinen werden, dann wird das Blut des Menschen vergossen werden. Von zwei Brüdern hatte einer den andern umgebracht. Was that ihre Mutter? Sie nahm einen Becher und füllte ihn mit dem Blute des Ermordeten und stellte ihn in einen Thurm. Sie ging täglich dahin und sah nach und fand, dass das Blut zuckte. Einmal ging sie wieder dahin und sah nach und fand, dass es still stand (schwieg). Daran erkannte sie, dass ihr anderer Sohn hingerichtet war, damit erfüllt werde, was geschrieben ist; „Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden.“ [26-27]Damals sonderte Mose aus drei Städte,“ in Verbindung mit Koh. 5, 9: „Wer Geld liebt, wird des Geldes nicht satt.“ Wissen wir nicht, dass der Mensch seine Seele nicht mit Silber sättigen

[34] (füllen) kann? Was heisst בכסף mit Silber? Die Rabbinen sagen: Das sind die Gelehrten, welche die Worte (den Inhalt) des Gesetzes lieben, welche mit Silber verglichen werden, wie es heisst Prov. 16, 16: „Einsicht erwerben ist besser als Silber.“ R. Nachman sagte: Wer die Thora liebt, bekommt sie nicht satt, wie es Koh. 5, 9 heisst: „Und wer Geräusch liebt, der hat keinen Nutzen davon“ d. i. wer nach der Thora lärmt und tobt, der hat keinen Nutzen davon, und er stellt keine Schüler. „Auch das ist eitel.“ R. Acha sagt: Wer Thora lernt und nicht lehrt, grössere Eitelkeit als diese giebt es nicht. Oder: „Wer Silber liebt“ u. s. w., das will nach R. Jizchak sagen: Wer die Gebote liebt, bekommt sie nicht satt. Wie so? Du findest, zwei Grosse der Welt, David und Mose, sind sie nicht satt geworden? Obgleich Gott dem David gesagt hatte 2 Chron. 6, 9: „Jedoch du sollst mir das Haus nicht bauen,“ so dachte David doch bei sich selbst: Soll ich deshalb, weil Gott mir gesagt hat: „Du sollst mir das Haus nicht bauen,“ dasitzen? Was that er? Er rüstete sich und ordnete den ganzen Bedarf zu dem Hause an, bevor er starb. Woher lässt sich das beweisen? Aus 1 Chron. 22, 14: „In meiner Armuth habe ich das Haus des Ewigen vorbereitet.“ Und ebenso, obgleich Mose von Gott gehört hatte: „Du sollst nicht über diesen Jordan gehen,“ so dachte er doch: Soll ich aus der Welt gehen und nicht erst für die Israeliten die Freistädte aussondern und sofort „sonderte Mose die Städte aus.“ Was steht vorher? V. 39: „Erkenne jetzt und nimm es zu Herzen.“ Was heisst das: Nimm es zu Herzen? R. Meïr sagte: Gott sprach zu ihm: Du und dein Herz kennen, dass die Werke, die du gethan hast und die Leiden, welche ich über dich gebracht habe, nicht nach deinen Thaten sind. Oder: „Und nimm es zu Herzen, dass der Ewige dein Gott ist.“ Die Rabbinen sagen: Jethro hat dem Götzendienste etwas Wesentliches (eine Bedeutung) untergelegt, wie es heisst Ex. 18, 11: „Nun erkenne ich, dass der Ewige grösser ist als alle Götter.“ Auch Naeman hat (dem Götzendienste) einen Theil (etwas) zugestanden (eingeräumt), wie es heisst 2 Reg. 5, 7: “Siehe, ich weiss nun, dass kein Gott ist in allen Landen, ausser in Israel.“ Rachab ferner setzte ihn in den Himmel und auf die Erde, wie es heisst Jos. 2, 11: „Denn der Ewige, euer Gott, ist oben im Himmel und unten auf Erden.“ Mose hat ihn sogar in den Zwischenraum zwischen Himmel und Erde (eig. in die Höhlung der Welt) gesetzt, wie es heisst: „Denn der Ewige ist Gott im Himmel oben und auf Erden unten und sonst keiner mehr.“ Was heisst das: „Es ist keiner mehr?“ Auch im Zwischenräume (in der Höhlung) der Welt. Nach R. Oschaja sprach Gott zu ihm Prov. 31, 31: „Gebet ihr von der Frucht ihrer Hände.“ Weil du über mich das Zeugniss abgelegt hast: „sonst keiner mehr,“ so bezeuge auch ich über dich Deut. 34, 10: „Es stand hinfort kein Prophet in Israel wie Mose auf.“ Was steht vorher? „Damit es dir wohl gehe und du lange lebest,“ (s. Deut. 4, 40). Die Israeliten sprachen vor Gott: Herr der Welt! [35] heisst das wohl: ein langes Leben, wenn einer den andern unvorsätzlich ums Leben bringt und der Bluträcher ihm nachsetzt, um ihn zu erschlagen, und alle vor ihrer Zeit sterben? Gott antwortete dem Mose: Bei deinem Leben! sie haben gut gesprochen, sondere für sie Freistädte aus, wie es heisst: „Damals sonderte Mose drei Städte aus.“ Was hat aber Mose bewogen, für die Freistätte sein Leben hinzugeben (soviel aufzuwenden)? R. Levi sagt: Wer die Speise gekostet hat, kennt am besten ihren Geschmack. Wie so? Als Mose den Aegypter erschlagen hatte und am zweiten Tag wieder hinausging, da fand er Dathan und Abiram in Streit miteinander, wie es heisst Ex. 2, 13: „Er ging am zweiten Tag hinaus“ u. s. w. R. Ibo sagte: Dathan war es, der anfing ihn geringschätzig zu behandeln. Er sprach nämlich zu ihm: Denkst du etwa mich auch so umzubringen? Als Pharao es erfuhr, sprach er: Wie viele Dinge habe ich über Mose gehört und ich habe geschwiegen, als er nun die Nachricht über die blutige That (das Blutvergiessen) erfuhr, ergriffen sie ihn. Wie kam denn aber Mose zur Flucht vor Pharao, wie es heisst Ex. 3, 15: „Mose floh vor Pharao?“ R. Janai sagte: Der Scharfrichter war schon gekommen, um ihn zu enthaupten (eig. um das Schwert an seinen Hals zu legen), aber das Schwert ward stumpf an seinem Halse, weil er in Marmor verwandelt worden war. Salomo preist ihn Cant. 7, 5: „Dein Hals ist wie ein Thurm von Elfenbein.“ R. Abithar sagte: Nicht nur, dass das Schwert an seinem Halse stumpf ward, sondern es ward auch gegen den Scharfrichter gewendet. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Ex. 18, 4: „Er rettete mich vom Schwerte Pharaos.“ Mose sprach nämlich: Mich hat Gott gerettet, aber nicht den Scharfrichter. Bar Kapra sagte: Ein Engel kam in Moses Gestalt herab und liess den Mose entfliehen und man hielt den Engel für Mose. R. Josua sagte: Sieh, welche Wunder Gott Mose gethan hat! Alle Zauberschüler Pharaos wurden zum Theil stumm, zum Theil taub, zum Theil blind, und Mose floh und sie sahen ihn nicht. Du kannst es auch daran ersehen, als Gott ihn in seiner Sendung senden wollte, da fing er an sich zu weigern. Da sprach Gott zu ihm: Erinnerst du dich nicht, was ich an den Zauberschülern Pharaos gethan habe, wie es heisst Ex. 4, 11: „Und der Ewige sprach zu ihm: Wer hat dem Menschen den Mund gemacht, oder wer macht stumm oder taub oder sehend oder blind?“ Wenn ich dir damals beigestanden habe, werde ich es jetzt nicht thun? Komm und sieh, bemerkte R. Jizchak, dass die Werke Gottes nicht wie die von Fleisch und Blut (eines menschlichen Wesens) sind. Gewöhnlich verschafft sich ein Mensch (Fleisch und Blut) einen Schutzherrn (Patron), der ihm in Fällen beisteht; wenn er in eine Anklage (ἔγκλημα) verwickelt ist, so geht er und sucht seinen Schutzherrn auf und sagt zu ihm: Dein Haussohn ist in eine Anklage verwickelt, und dieser verspricht ihm Beistand zu leisten. Wenn dieser aber nun zur Hinrichtung hinausgeführt wird, wo bleibt dann er und wo sein Schutzherr? [36] Aber Gott verhält sich nicht so. Als die Dienstengel vor ihm meldeten: Dein Haussohn Mose ist ergriffen (gefangen) worden, da antwortete er ihnen: Ich stehe ihm bei. Sie sprachen: Siehe, er steht schon vor Pharao und sein Urtheil wird vorgelesen, siehe, er geht schon hinaus, um hingerichtet zu werden. Da sprach Gott zu ihnen: Ich stehe ihm bei, er gehe hinaus, um hingerichtet zu werden. Und Gott hat ihn errettet. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst: „Er errettete mich vom Schwerte Pharaos.“ Oder ein Mensch hat einen Schutzherrn, er wird wegen seines Vergehens ergriffen und an einen Ort, wo wilde Thiere sind, hingeworfen. Wo ist er und wo ist sein Schutzherr? Daniel wurde in die Löwengrube geworfen und Gott errettete ihn. Woher lässt sich das beweisen? Aus Dan. 6, 23: „Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Löwen verschlossen.“ Oder ein Mensch schafft sich einen Schutzherrn, er begeht aber ein Verbrechen und der Richter verurtheilt ihn zum Feuertode (eig. dass er verbrannt werde), wo ist er und wo ist sein Schutzherr? Aber Gott ist nicht so. Die Dienstengel verkündeten vor Gott: Abraham, dein Haussohn ist ergriffen (gefangen) worden. Gott antwortete ihnen: Ich stehe ihm bei. Siehe, er steht aber, stellten sie ihm vor, vor Amraphel, siehe, sein Todesurtheil wird ihm schon verlesen, siehe, er steht schon im Begriffe, verbrannt zu werden. Ich stehe ihm bei, antwortete ihnen Gott. Abraham wurde in den Gluthofen geworfen und Gott stieg herab und errettete ihn daraus. Woher lässt sich das beweisen? Weil es heisst Gen. 15, 7: „Der Ewige sprach zu ihm: Ich bin der Ewige, der dich ausgeführet aus Ur Casdim.“ Oder ein Mensch schafft sich einen Schutzherrn, er wird aber wegen eines Vergehens ergriffen (gefangen genommen), der Richter verurtheilt ihn, dass er ins Wasser geworfen werden soll, wo ist er und wo ist sein Schutzherr? Allein Gott ist nicht so. Jona wurde ins Meer geworfen und Gott errettete ihn. Woher lässt sich das beweisen? Aus Jon. 2, 11: „Und der Ewige befahl dem Fisch und er spie Jona aus.“

Oder: „Damals sonderte Mose drei Städte aus.“ R. Ibo sagte: Als Mose floh, fing er an ein Lied zu singen, wie es heisst Ex. 2, 15: „Und er wohnte im Lande Midian und sass an dem Brunnen.“ Wie die Israeliten ein Lied an dem Brunnen sangen, so sang auch Mose ein Lied an dem Brunnen. R. Levi sagte: Weil der Abschnitt betreffs des Todtschlägers die Freistätten zur Folge gehabt hat. [30][13] „Damals sonderte Mose drei Städte gegen Sonnenaufgang aus.“ Was heisst: „gegen Sonnenaufgang?“ R. Jose bar R. Chanina sagte: Gott sprach zu Mose: Lass dem Todschläger die Sonne aufgehen und es werde ihm eine Zuflucht gegeben, dass er dahin wandre, damit er nicht in Folge seines Todtschlages ums Leben komme, sowie die Sonne die Welt erleuchtet. Oder: „Dass dahin fliehe, wer einen Todtschlag begangen“ (Deut. 4, 42). Die Rabbinen sagen: Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Werkmeister, welcher mit dem Bildnisse des Königs zu thun hatte und dasselbe

[37] in seinen Händen zerbrach. Da sprach der König: Hätte er es mit Absicht zerbrochen, so wäre er hingerichtet worden, da er es aber nicht mit Absicht zerbrochen hat, so sei er zur Auswanderung verurtheilt. So hatte auch Gott befohlen: „Wer Menschenblut vergiesst, dessen Blut soll durch Menschen vergossen werden,“ wer aber unvorsätzlich, weil es nicht seine Absicht war, einen Menschen erschlagen hat, wandre aus seinem Orte, wie es heisst: „Er fliehe nach einer dieser Stätte und lebe.“ Gott sprach: Weil in dieser Welt der böse Trieb (die Leidenschaft) waltet, bringen sie sich um und sterben, aber einst werde ich den bösen Trieb von euch entwurzeln und es giebt keinen Tod mehr in der Welt s. Jes. 25, 8: „Er vernichtet den Tod auf ewig.“


[31] Cap. VI. V. 4. Höre Israel! Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig. Halacha. Hat ein Israelit, der das Schema gelesen, aber nicht genau auf seine Buchstaben (Laute, Aussprache) geachtet hat, seine Pflicht erfüllt (Schuldigkeit gethan)? Die Weisen haben so gelehrt: Wer gelesen und es nicht genau mit seinen Buchstaben genommen hat, so sagt R. Jose: Ja, er hat seine Schuldigkeit gethan, R. Jehuda dagegen sagt: Nein, er hat seine Schuldigkeit nicht gethan. Was ist denn unter dem Genaulesen der Buchstaben zu verstehen? Unsere Rabbinen haben gelehrt: z. B. bei בכל לבבכם muss zwischen der einen und der andern ל getrennt werden (d. i. das Wort לבבכם muss von dem vorhergehenden בכל getrennt werden, da es mit demselben Buchstaben ל anfängt, mit dem jenes endigt). Ebenso ist auch bei ואבדתם מהרה zwischen der einen מ und der andern מ zu trennen (d. i. das Wort מהרה, das mit מ anfängt, ist von dem vorhergehenden ואבדתם, das mit מ endigt, sorgfältig zu scheiden). R. Jehuda hat noch im Namen Rabs gesagt: Wer im Gehen das Schema liest, muss stehend das Himmelreich auf sich nehmen. Welches ist das Himmelreich? „Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ Seit wann gelangten die Israeliten zum Lesen des Schema? R. Pinchas bar Chama sagt: Seit der Gesetzgebung gelangten die Israeliten zum Lesen des Schema. Wie so? Du findest, dass Gott auf dem Sinai nur mit diesem Worte begann, er sprach nämlich zu ihnen: „Höre Israel! ich bin der Ewige, dein Gott,“ und die Israeliten stimmten alle ein mit den Worten: „Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ Und Mose setzte noch hinzu: „Gepriesen sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Nach den Rabbinen sprach Gott zu den Israeliten: Meine Kinder! alles was ich erschaffen, habe ich paarweise erschaffen. Himmel und Erde sind ein Paar, Sonne und Mond sind ein Paar, Adam und Eva sind ein Paar, diese und jene Welt sind ein Paar, meine Ehre aber ist einzig und allein der Welt. Woher lässt sich das beweisen? Aus den Worten: „Höre, Israel! der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ [38] [32] Oder: „Höre Israel“ u. s. w. in Verbindung mit Ps. 73, 25: „Wen hab’ ich im Himmel? Mit dir verlange ich nichts auf Erden.“ Nach Rab giebt es zwei Vesten[14], die Himmel und die Himmel der Himmel; nach R. Eleasar aber giebt es sieben Vesten, nämlich שמים die Himmel, שמי שמים die Himmel der Himmel, רקיע die Veste, שחקים Wolken, מעין Wohnung, זבול Wohnung und ערפל Wolkendunkel, und alle eröffnete Gott den Israeliten, um ihnen kund zu thun: „Es giebt keinen andern Gott als er.“ Die Gemeinde Israel sprach vor Gott: Herr der Welt! wen habe ich noch im Himmel, ausser deiner Ehre? Sowie ich im Himmel nur dich habe, so verlange ich auch nicht einen andern auf der Erde. Sowie ich mit dir keinen andern Gott im Himmel verbinde, so verbinde ich auch mit dir keinen auf der Erde, sondern ich gehe täglich in die Versammlungshäuser und bezeuge über dich, dass es keinen Gott giebt, ausser dir, und Sprecher „Höre, Israel! der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ [33] Oder: „Höre Israel“ in Verbindung mit Prov. 24, 21: „Fürchte den Ewigen, mein Sohn, und den König, mit Neuerern lasse dich nicht ein.“ Was heisst ומלך und der König? Habe ich nicht Abraham, der mich fürchtete, in der Welt herrschen lassen, wie es heisst Gen. 14, 17: „In das Thal Save, das ist das Königsthal?“ Habe ich nicht Joseph, von dem es heisst Gen. 42, 18: „ich fürchte Gott,“ in der Welt herrschen lassen, wie es heisst das. V. 9: „Joseph aber war Gewalthaber im Lande?“ Oder: „Fürchte den Ewigen, mein Sohn ומלך d. i. ומלוך und herrsche über deine Leidenschaft.“ [15] R. Simeon ben Eleasar ging einmal nach einer Stadt im Süden, und kam in eine Synagoge und fragte den Schreiber: Bei deinem Leben! giebt es hier Wein zu verkaufen? Allerdings, Rabbi, in dieser Stadt sind Cuthäer, sie behandeln aber den Wein nicht mit der Reinheit, wie ihn meine Väter (Voreltern) behandelt haben. Jener sprach: Wenn du Wein übrig hast, so gieb mir ihn, ich nehme ihn (ich kaufe ihn dir ab). Dieser sprach: Wenn du Herr deiner selbst bist, so koste ihn nicht. R. Simeon ben Eleasar erwiderte: Ich bin Herr meiner selbst[16], und bin es auch gewesen. Das ist der Sinn von ומלך, nämlich ומלוך und herrsche über deine Leidenschaft.

Oder: „Fürchte den Ewigen, mein Sohn ומלך.“ Was heisst: ומלך‎? ואל למילך‎ und nicht den Molech, wie es heisst Lev. 18, 21: „Und von deinem Samen sollst du nicht dem Molech weihen.“

Oder: Was heisst ומלך und den König? המליכהו erkenne ihn (Gott) als König an. Prov. 24, 21: „Mit Neuerern lass dich nicht ein“ d. i. mit denen, welche sprechen, es gebe noch einen zweiten Gott, mit solchen lasse dich nicht ein. R. Jehuda bar Simon

[39] sagte: Es heisst Sach. 13, 8: „Und es geschieht im ganzen Lande, spricht der Ewige, zwei (Theile) werden ausgerottet, schwinden dahin“ d. i. die Munde, welche sprechen: es giebt zwei Mächte, diese werden ausgerottet und vertilgt werden, und wer wird dann übrig bleiben, um zu bestätigen Sach. 13, 8: „Und das Drittheil bleibt übrig darin?“ Das sind die Israeliten, die שלישין dreifache heissen, weil sie aus drei Klassen zusammengesetzt sind, aus Priestern, Leviten und Israeliten, und die Abkömmlinge sind von den drei Vätern Abraham, Jizchak und Jacob. Oder (die Israeliten) sind diejenigen, welche Gott preisen mit dem dreifachen Ausruf: Heilig, heilig, heilig (s. Jes. 6, 3). R. Acha sagte: Gott zürnte über Salomo, als er den obigen Vers gesagt hatte und sprach zu ihm: Hast du vielleicht mit dem heiligen Worte: „Fürchte den Ewigen!“ ein Notarikon (etwas besonderes) „und mit Veränderern lasse dich nicht ein“ andeuten wollen? Sofort sprach sich Salomo Koh. 4, 8 deutlicher aus: „Es giebt nur einen und keinen zweiten, auch einen Sohn und Bruder hat er nicht“ d. i. er hat keinen Bruder und keinen Sohn, sondern: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ [34] R. Jizchak begann mit Thren. 3, 24: „Mein Theil ist der Ewige, spricht meine Seele, und darum hoffe ich auf ihn.“ Das kommt mir vor, sagte R. Jizchak, wie ein König, welcher mit Herzögen, Eparchen und Heerführern in ein Land einzog, manche von den Landbewohnern[17] wählten sich einen Herzog, dass er ihnen beistehe, andere wieder wählten sich einen Eparchen, einer aber, der klug war, sprach: ich wähle keinen andern, als den König, denn alle wechseln, der König aber wechselt nicht. So auch die Israeliten, als Gott sich auf den Sinai herabliess, stiegen mit ihm ganze Schaaren von Engeln herab, Michael und seine Schaar, Gabriel und seine Schaar, manche Völker wählten sich den Michael, andere wieder wählten sich den Gabriel, aber die Israeliten wählten sich Gott und sprachen: „Mein Theil ist der Ewige, spricht meine Seele.“ Das wollen die Worte sagen: „Höre, Israel! der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“[18]

Oder: „Höre Israel.“ Seit wann sind die Israeliten so glücklich, das Schema zu lesen? Seit der Stunde, da Jacob dem Tode sich nahte. Da rief er alle Stämme zusammen und sprach zu ihnen: Vielleicht werdet ihr nach meinem Hinscheiden von der Welt einen andern Gott anbeten? So heisst es Gen. 49, 2: „Versammelt euch und höret. Söhne Jacobs, höret auf Israel, euren Vater.“ Jacob sprach nämlich zu ihnen: Ist denn Israel euer Vater? Sie antworteten: „Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“ Da sprach er leise die Worte: Gelobt sei der Name der Herrlichkeit seines Reiches immerdar! R. Levi sagte: (Das haben jene damals gesagt,) was sagen die Israeliten jetzt? Höre, unser [40] Vater Israel! Das Wort, was du uns befohlen, lebt bei uns fort (Welches ist das?) „Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.“

[36] Oder: „Höre Israel.“ Die Rabbinen sagen: Als Mose die Himmelshöhe erstiegen, hörte er die Dienstengel zu Gott sprechen: Gelobt sei der Name seines herrlichen Reiches immerdar. Diesen Ausspruch brachte er zu den Israeliten herab. Warum sagen es die Israeliten aber nicht öffentlich?[19] Es verhält sich hiermit, sagte R. Asi, wie mit einem, der einen Schmuck aus dem Palaste des Königs entwendet und seinem Weibe gegeben hatte mit den Worten: Schmücke dich damit nicht öffentlich, sondern nur im Innern deines Hauses. Aber am Versöhnungstage, wo die Israeliten so unschuldig wie die Dienstengel erscheinen, da sagen sie laut: Gepriesen sei der Name seines herrlichen Reiches immerdar. [37] V. 5. Und liebe den Ewigen, deinen Gott mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele. (Was heisst das?) Mit allen den Seelen, die er in dir erschaffen hat. R. Meïr sagte: Bei jedem Athemzuge ist der Mensch verpflichtet seinen Schöpfer zu preisen. Woher lässt sich das beweisen? Es heisst Ps. 150, 6: „Alles was Odem hat, lobe den Ewigen.“ R. Simon sagt: Die Seele hat fünf Namen, es sind: יחידה, חיה, נשמה, נפש, רוח.

Die Rabbinen sagen[20]: Komm und sieh, Gott füllt seine Welt und die Seele füllt den Körper, Gott trägt seine Welt und die Seele trägt den Körper, Gott ist einzig (יחיד) in seiner Welt und die Seele ist einzig, vor Gott giebt es keinen Schlaf und vor der Seele giebt es auch keinen Schlaf; Gott ist rein in seiner Welt und die Seele ist rein im Körper, Gott sieht und wird nicht gesehen und die Seele sieht und wird nicht gesehen, so komme nun die Seele, welche sieht und nicht gesehen wird, und preise den Heiligen, gebenedeiet sei er, der auch sieht und nicht gesehen wird.

Herr der Welt! sprachen die Israeliten, diese Seele, welche dich preiset, wie lange befindet sie sich im Staube? s. Ps. 44, 26: „Zum Staube gebeugt ist unsere Seele.“ Darauf antwortet ihnen Gott: Bei eurem Leben! es naht das Ende und eure Seelen freuen sich, deshalb tröstet der Prophet Jesaia sie mit den Worten Jes. 61, 10: „Freuen will ich mich des Ewigen, meine Seele frohlockt in meinem Gott.“ R. Berachja sagte: An zehn Stellen nennt Gott Israel eine Braut, es sind Cant. 4, 8: „Mit mir vom Libanon, Braut,“ das. 5, 1: „Ich komm in meinen Garten, meine Schwester, Braut,“ das. 4, 9: „Du raubst mir das Herz, meine Schwester, Braut,“ das. V. 10: „Wie schön ist deine Liebe, meine Schwester, Braut;“ das. V. 11: „Honigseim träufeln deine Lippen, Braut;“ Jes. 62, 5: „Wie sich ein Bräutigam über die Braut freuet,“ Jerem. 7, 34: „Stimme des Bräutigams und Stimme der Braut;“ Jes. 49, 18: „Du sollst sie alle wie Schmuck [41] anziehen, sie dir anlegen gleich der Braut;“ das. 6, 10: „Und wie die Braut ihr Geschmeide anlegt.“ Dem entsprechend schmücken die Israeliten den Ewigen mit zehn Gewändern, nämlich Hi. 29, 14: „Gerechtigkeit zog ich an und und sie zog mich an,“ siehe das sind zwei, Jes. 59, 17: „Er ziehet Gerechtigkeit an wie den Panzer,“ das.: „Er ziehet der Rache Gewänder als Kleid an,“ siehe das sind fünf; Dan. 7, 9: „Sein Gewand war weiss wie Schnee;“ Jes. 63, 2: „Warum ist roth dein Gewand?“ Ps. 93, 1: „Der Ewige ist König, mit Hohheit gekleidet ist der Ewige, mit Macht umgürtet,“ das. 104, 1: „Mit Glanz und Pracht bekleidet.“ Siehe das sind zehn.

Oder: „Ich freue mich in dem Ewigen.“ Womit ist das zu vergleichen? Mit einem Weibe, dessen Gemahl, Sohn und Schwiegersohn nach einer Seestadt gereist sind. Vergl. Pesikta שוש אשיש.


  1. S. dagegen Midr. Samuel zu 2 Sam, 22, 7 und Jalkut II, § 157, wo mit Recht ביצור nicht mit unter die zehn Ausdrücke für das Gebet aufgezählt. Vergl. Levy, Neuhebr. u. chald. WWB. I, S. 253.
  2. Also: um mir zu sagen, mir zu antworten.
  3. D. i. am Tag oder in der Nacht.
  4. Sinn: Wer die Ecken seines Haupthaares so kurz abschneidet, dass er sie nur mit der Scheere oder mit den Nägeln erfassen kann.
  5. Eine solche Haarflechte oder Locke (כלורית) trugen die Götzenpriester auf der Mitte des Kopfes, während das Haar ringsum abgeschnitten war.
  6. Der Sinn des Verses ist sonach dieser: Wie ihre Grossen, so sündigen sie gegen mich.
  7. M. K.: Sein Vater Esau hatte ihm befohlen, den Jacob zu verfolgen und ihn zu erschlagen. Er that es aber nicht, sondern er nahm ihm (Jacob) ab, was er bei sich hatte, um das Gebot seines Vaters zu erfüllen, denn ein Armer wird den Todten gleich geachtet.
  8. Vergl. Pesikta Schuba 162a.
  9. In Jerusch. Sanhedr. XI heisst es: Da erkannte Manasse, dass es noch ein Recht und einen Richter giebt.
  10. So ist jedenfalls zu lesen.
  11. M. K.: Es scheint, dass der Ring hohl und mit Gift gefüllt war, und wenn die Räthe einen Menschen heimlich umbringen wollten, so steckten sie ihm den Ring in den Mund und er sog ihn aus und starb.
  12. Wenn einer von den Räthen starb, so waren die Beschlüsse 30 Tage ausser Kraft.
  13. WS: Die Sectionen 28-29 fehlen in der Wilna-Edition.
  14. S. Chaggiga fol. 12.
  15. Der Midr. liest nicht מֶלֶך, sondern ומְלוֹך.
  16. In Jerusch. Aboda sara Ende wird dieser Vorfall erwähnt, aber mit andern Worten, ebenso in Tr. Chullin, aber auch nicht auf die Art, wie hier. M. K.
  17. S. Midr. Echa.
  18. S. Pesachim fol 56.
  19. Sie sagen es nämlich leise im Gebet.
  20. S. Berachot fol 10.

Nachweis der Quellen und Parallelen[Bearbeiten]

Aus dem Anhang zur Übersetzung (S. 119-121).

Anmerkungen (QP)

  1. s. Berach. fol. 31; Jerusch. das. 4, Hal. 1.
  2. s. Nedarim fol. 39; Jerusch. Sanh. 10, Hal. 1; Bemidbar r. Par. 18.
  3. s. Jerusch. Berach. 1, Hal. 1.
  4. s. Sanh. fol. 38.
  5. s. Schem. r. Par. 31.
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