Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl II/Dreizehntes Capitel

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Zwölftes Capitel Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl, II. Band (1875)
von Charles Darwin
Vierzehntes Capitel


[35]
Dreizehntes Capitel.
Secundäre Sexualcharactere der Vögel.
Geschlechtliche Verschiedenheiten. – Gesetz des Kampfes. – Specielle Waffen. – Stimmorgane. – Instrumentalmusik. – Liebesgeberden und Tänze. – Permanenter und an die Jahreszeit gebundener Schmuck. – Doppelte und einfache jährliche Mauser. – Entfaltung der Ornamente seitens der Männchen.

Secundäre Sexualcharactere sind bei Vögeln von grösserer Mannichfaltigkeit und auffallender, wenn sie auch vielleicht keine bedeutenderen Veränderungen in der Structur mit sich bringen, als in irgend einer andern Classe des Thierreiches. Ich werde daher den Gegenstand in ziemlicher Ausführlichkeit behandeln. Zuweilen, wenn auch selten, besitzen männliche Vögel specielle Waffen zum Kampfe mit einander. Sie bestricken die Weibchen durch vocale und instrumentale Musik der mannichfaltigsten Art. Sie sind mit allen Arten von Kämmen, Fleischlappen, Protuberanzen, Hörnern, von Luft ausdehnbaren Säcken, Federstützen, nackten Federschäften, Schmuckfedern und andern verlängerten Federn, die graziös von allen Theilen des Körpers entspringen, verziert. Der Schnabel und die nackte Haut um den Kopf herum und die Federn sind oft prächtig gefärbt. Die Männchen machen den Weibchen zuweilen den Hof durch Tanzen oder durch Ausführung phantastischer Gesten, entweder auf dem Boden oder in der Luft. Mindestens in einem Falle sendet das Männchen einen moschusartigen Geruch aus, von dem man wohl vermuthen kann, dass er für das Weibchen als Reiz- oder Liebesmittel dient; denn jener ausgezeichnete Beobachter, Mr. Ramsay,[1] sagt von der australischen Moschusente (Biziura lobata), dass „der Geruch, welchen das Männchen während der Sommermonate aussendet, auf dieses Geschlecht beschränkt ist [36] und bei einigen Individuen während des ganzen Jahres abgesondert wird. Ich habe niemals, selbst in der Paarungszeit, ein Weibchen geschossen, welches irgendwelchen Geruch nach Moschus gezeigt hätte". Dieser Geruch ist so stark während der Paarungszeit, dass er lange ehe der Vogel zu sehen ist, wahrgenommen werden kann.[2] Im Ganzen scheinen die Vögel unter allen Thieren die ästhetischsten zu sein, natürlich mit Ausnahme des Menschen, und sie haben auch nahezu denselben Geschmack für das Schöne wie wir haben. Dies zeigt sich darin, dass wir uns über den Gesang der Vögel freuen und dass unsere Frauen, sowohl die civilisirten als die wilden, ihre Köpfe mit erborgten Federn schmücken und Edelsteine zur Zierde benutzen, welche kaum brillanter gefärbt sind als die nackte Haut und die Fleischlappen gewisser Vögel. Beim Menschen indessen ist dieser Sinn für Schönheit, wenn er cultivirt ist, ein viel complicirteres Gefühl und ist mit verschiedenen intellectuellen Ideen vergesellschaftet.

Ehe wir von den Characteren handeln, mit denen wir es hier ganz besonders zu thun haben, will ich nur eben gewisse Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern anführen, welche dem Anscheine nach von Verschiedenheiten in ihren Lebensweisen abhängen; denn wenn auch derartige Fälle bei den niederen Classen häufig sind, so sind sie doch bei den höheren selten. Zwei Colibris, die zu der Gattung Eustephanus gehören und die Insel Juan Fernandez bewohnen, wurden lange Zeit für specifisch verschieden gehalten; wie mir aber Mr. Gould mittheilt, weiss man jetzt, dass es die beiden Geschlechter einer und derselben Species sind, sie weichen in der Form ihres Schnabels unbedeutend von einander ab. Bei einer andern Gattung von Colibris (Grypus) ist der Schnabel des Männchens dem Rande entlang gesägt und an seiner Spitze hakenförmig gekrümmt, wodurch er von dem des Weibchens bedeutend abweicht. Bei der Neomorpha von Neuseeland besteht, wie wir gesehen haben, eine noch grössere Verschiedenheit in der Form des Schnabels in Beziehung auf die Art und Weise, wie sich die beiden Geschlechter ernähren. Etwas Aehnliches lässt sich bei unserem Stieglitze (Carduelis elegans) beobachten; denn wie mir Mr. Jenner Weir versichert, können die Vogelfänger die Männchen an ihrem unbedeutend längeren Schnabel erkennen. Oft findet man Schaaren von Männchen sich von den Samen der Weberkarden (Dipsacus) nähren, [37] welche sie mit ihrem verlängerten Schnabel erreichen können, während die Weibchen sich häufiger von den Samen der Scrophularia ernähren. Nimmt man eine unbedeutende Verschiedenheit dieser Art als Ausgangspunkt an, so lässt sich sehen, wie die Schnäbel der beiden Geschlechter durch natürliche Zuchtwahl zu einer bedeutenden Verschiedenheit gebracht werden können. Es ist indessen in einigen der angeführten Fälle möglich, dass zuerst die Schnäbel der Männchen in Beziehung auf ihre Kämpfe mit andern Männchen modificirt worden sind, und dass dies später zu unbedeutenden Aenderungen der Lebensweise geführt hat.

Gesetz des Kampfes. – Fast alle männlichen Vögel sind äusserst kampfsüchtig und brauchen ihren Schnabel, ihre Flügel und Beine, um mit einander zu kämpfen. Wir sehen dies alle Frühjahre bei unsern Rothkehlchen und Sperlingen. Der kleinste von allen Vögeln, nämlich der Colibri, ist einer der zanksüchtigsten. Mr. Gosse[3] beschreibt einen solchen Kampf, in welchem ein paar Colibris sich an ihren Schnäbeln fassten und sich beständig rund herumdrehten, bis sie fast auf den Boden fielen; und Mr. Montes de Oca spricht von einer andern Gattung und erzählt, dass sich selten zwei Männchen begegnen, ohne einen sehr heftigen in der Luft ausgekämpften Streit zu beginnen. Werden sie in Käfigen gehalten, so „endet ihr Kampf meistens damit, dass die Zunge des einen von Beiden aufgeschlitzt wird, welcher dann sicherlich, weil er unfähig ist sich zu ernähren, stirbt".[4] Unter den Wadvögeln kämpfen die Männchen des gemeinen Wasserhuhns (Gallinula chloropus) „zur Paarungszeit heftig um die Weibchen. Sie stehen fast aufrecht im Wasser und schlagen mit ihren Füssen". Man hat gesehen, dass zwei Hähne eine halbe Stunde lang sich in dieser Weise bekämpften, bis einer den Kopf des andern zu fassen bekam, welcher entschieden getödtet worden wäre, wenn nicht der Beobachter eingeschritten wäre. Das Weibchen sah während der ganzen Zeit als ruhiger Zuschauer zu.[5] Die Männchen eines verwandten Vogels (Gallicrex cristatus) sind, wie mir Mr. Blyth mittheilt, ein Drittel grösser als die Weibchen und sind während der Paarungszeit so kampfsüchtig, dass sie von den Eingeborenen des östlichen Bengalen zu Kämpfen [38] gehalten werden. In Indien werden verschiedene andere Vögel zu demselben Zwecke gehalten, z. B. die Bulbuls (Pycnonotus haemorrhous), welche mit „grossem Elan kämpfen“.[6]

Der polygame Kampfläufer (Machetes pugnax, Fig. 37) ist wegen seiner ausserordentlichen Kampfsucht bekannt; im Frühlinge versammeln

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Fig. 37. Der Kampfläufer oder Machetes pugnax (aus Brehm, Thierleben).

sich die Männchen, welche beträchtlich grösser sind als die Weibchen, Tag für Tag an bestimmten Flecken, wo die Weibchen ihre Eier zu legen beabsichtigen. Die Hühnerjäger entdecken diese Flecke [39] daran, dass der Rasen leicht niedergetreten ist. Hier kämpfen diese Läufer fast so wie Kampfhähne, ergreifen einander mit ihren Schnäbeln und schlagen sich mit ihren Flügeln. Der runde Federkragen rund um ihren Hals wird dann aufgerichtet und dient der Angabe des Colonel Montagu zufolge den Thieren wie ein Schild, um „auf dem Boden hinstreichend die zarteren Theile zu schützen". Dies ist auch das einzige mir bekannte Beispiel bei Vögeln von irgend einer Bildung, welche als ein Schild dient. Indessen dient dieser Federkragen wegen seiner verschiedenartigen reichen Färbungen wahrscheinlich hauptsächlich zur Zierde. Wie die meisten kampfsüchtigen Vögel scheinen sie jederzeit zum Kampfe bereit zu sein und wenn sie in enger Gefangenschaft mit einander leben, tödten sie sich oft. Montagu beobachtete aber, dass ihre Kampflust während des Frühjahrs grösser wird, wo die langen Federn an ihrem Halse vollständig entwickelt sind; und zu dieser Zeit ruft die geringste Bewegung von irgend einem Vogel einen allgemeinen Kampf hervor.[7] Für die Kampflust der mit Schwimmfüssen versehenen Vögel werden zwei Beispiele genügen. In Guyana „kommen blutige Kämpfe zur Paarungszeit zwischen den Männchen der wilden Moschusente (Cairina moschata) vor, und da wo diese Kämpfe gefochten worden sind, ist der Fluss eine Strecke lang mit Federn bedeckt".[8] Selbst Vögel, welche für einen Kampf nur schlecht ausgerüstet zu sein scheinen, beginnen heftige Kämpfe. So treiben unter den Pelicanen die stärkeren Männchen stets die schwächeren fort, schnappen nach ihnen mit ihren grossen Schnäbeln und geben ihnen heftige Schläge mit ihren Flügeln. Männliche Becassinen kämpfen zusammen, „stossen und treiben einander mit ihren Schnäbeln in einer Weise, wie sie merkwürdiger kaum gedacht werden kann". Von einigen wenigen Arten glaubt man, dass sie niemals kämpfen. Dies ist nach Audubon mit einem der Spechte der Vereinigten Staaten (Picus auratus) der Fall, obgleich „die Weibchen von einer Anzahl, bis zu einem halben Dutzend, ihrer muntern Liebhaber verfolgt werden".[9]

Die Männchen vieler Vögel sind grösser als die Weibchen, und [40] dies ist ohne Zweifel das Resultat des Vortheils, welchen die grösseren und stärkeren Männchen über ihre Nebenbuhler viele Generationen hindurch erlangt haben. Die Grössenverschiedenheit zwischen den beiden Geschlechtern ist bei einigen australischen Species bis zu einem ganz extremen Grade geführt worden. So sind die Männchen der Moschusente (Biziura) und die Männchen von Cincloramphus cruralis (mit unserem Steinschmätzer verwandt) der wirklichen Messung nach factisch zweimal so gross als ihre beziehentlichen Weibchen.[10] Bei vielen andern Vögeln sind die Weibchen grösser als die Männchen und, wie früher bereits bemerkt wurde, ist die häufig hierfür angeführte Erklärung, dass nämlich die Weibchen beim Aufziehen der Jungen die meiste Arbeit haben, nicht hinreichend. In einigen wenigen Fällen haben, wie wir späterhin noch sehen werden, die Weibchen allem Anscheine nach ihre bedeutendere Grösse und Kraft deshalb erlangt, um andere Weibchen besiegen und in den Besitz der Männchen gelangen zu können.

Die Männchen vieler hühnerartigen Vögel, besonders der polygamen Arten, sind mit speciellen Waffen zum Kampfe mit ihren Nebenbuhlern versehen, nämlich mit Spornen, welche mit einer fürchterlichen Wirkung benutzt werden können. Ein zuverlässiger Schriftsteller hat berichtet,[11] dass in Derbyshire ein Habicht auf eine Kampfhenne, welche in Begleitung ihrer Küchlein war, stiess, worauf der Hahn zu ihrem Entsatze herbeieilte und seinen Sporn gerade durch das Auge und den Schädel des Angreifers hindurchschlug. Der Sporn war nur mit Schwierigkeit aus dem Schädel herauszuziehen, und da der Habicht, trotzdem er todt war, seinen Griff festhielt, waren die beiden Vögel fest in einander verbissen. Doch war der Hahn, als er freigemacht wurde, nur wenig verletzt. Der unbesiegliche Muth der Kampfhähne ist ja bekannt. Ein Herr, welcher vor langer Zeit die folgende brutale Scene beobachtete, erzählte mir, dass ein Vogel durch irgend einen Zufall in dem Hühnerstalle ein Bein gebrochen hatte, und der Besitzer wagte eine Wette dafür, dass wenn das Bein geschient werden könnte, so dass der Vogel nur aufrecht stehen könne, er zu kämpfen fortfahren würde. Dies wurde auf der Stelle ausgeführt und der Vogel kämpfte mit unbezähmtem Muthe so lange, bis er seinen Todesstreich erhielt. In Ceylon kämpft eine nahe verwandte wilde Art, der Gallus Stanleyi, [41] bekanntlich ganz verzweifelt „in der Vertheidigung seines Serails", so dass einer der Kämpfenden häufig todt gefunden wird.[12] Ein indisches Rebhuhn (Ortygornis gularis), dessen Männchen mit starken und scharfen Spornen versehen ist, ist so streitsüchtig, „dass die Narben von früheren Kämpfen die Brust von beinahe jedem Vogel, den man tödtet, entstellen".[13]

Die Männchen beinahe aller hühnerartigen Vögel, selbst derjenigen welche nicht mit Spornen versehen sind, werden während der Paarungszeit in heftige Kämpfe verwickelt. Der Auerhahn und das Birkhuhn (Tetrao urogallus und T. tetrix), welche beide polygam leben, haben regelmässig bestimmte Plätze, wo sie viele Wochen hindurch sich in grosser Anzahl versammeln, um mit einander zu kämpfen und vor den Weibchen ihre Reize zu entfalten. Dr. W. Kowalevsky theilt mir mit, dass er in Russland auf den Plätzen, wo der Auerhahn gefochten hat, den Schnee ganz blutig fand, und die Birkhühner „lassen die Federn in allen Richtungen hinfliegen", wenn mehrere „in einem königlichen Kampfe engagirt sind". Der ältere Brehm gibt einen anziehenden Bericht über die Balze, wie dieser Liebestanz und Liebesgesang des Birkhuhns genannt wird. Der Vogel stösst beinahe beständig die fremdartigsten Laute aus. „Vor dem Kollern hält er den Schwanz senkrecht und fächerförmig ausgebreitet, richtet Hals und Kopf, an welchen alle Federn gesträubt sind, in die Höhe und trägt die Flügel vom Leibe ab und gesenkt. Dann thut er einige Sprünge hin und her, zuweilen im Kreise herum und drückt endlich den Unterschnabel so tief auf die Erde, dass er sich die Kinnfedern abreibt. Bei allen diesen Bewegungen schlägt er mit den Flügeln und dreht sich um sich selber herum. Je hitziger er wird, um so lebhafter geberdet er sich, und schliesslich meint man, dass man einen Wahnsinnigen oder Tollen vor sich habe". Zu solchen Zeiten werden die Birkhühner so von ihrem Gegenstande absorbirt, dass sie fast blind und taub werden, indess in einem geringeren Grade als der Auerhahn. In Folge dessen lässt sich ein Vogel nach dem andern an dem nämlichen Orte schiessen oder selbst mit der Hand fangen. Nachdem die Männchen diese Scenen aufgeführt haben, beginnen sie mit einander zu kämpfen, und ein und derselbe Birkhahn wird, um seine Stärke über mehrere Gegner zu [42] beweisen, mehrere Balzplätze an einem Morgen besuchen, welche in aufeinanderfolgenden Jahren immer dieselben bleiben.[14]

Der Pfauhahn erscheint mit seiner langen Schwanzschleppe mehr wie ein Stutzer als ein Krieger, doch tritt auch er zuweilen in heftige Kämpfe ein. Mr. W. Darwin Fox theilt mir mit, dass zwei Pfauhähne, während sie in einer geringen Entfernung von Chester mit einander kämpften, so aufgeregt wurden, dass sie über die ganze Stadt hinweg immer noch kämpfend flogen, bis sie sich auf der Spitze von St. John’s Thurm niederliessen.

Der Sporn ist bei denjenigen hühnerartigen Vögeln, welche damit versehen sind, im Allgemeinen einfach, aber Polyplectron (s. Fig. 51 S. 81) hat zwei oder selbst mehr an einem Beine, und es ist beobachtet worden, dass einer der Blutfasane (Ithaginis cruentus) fünf Sporne hatte. Die Sporne sind allgemein auf das Männchen beschränkt und werden beim Weibchen durch blosse Höcker oder Rudimente repräsentirt; doch besitzen die Weibchen des javanischen Pfaus (Pavo muticus) und, wie mir Mr. Blyth mittheilt, die Weibchen des kleinen rothrückigen Fasans (Euplocamus erythrophthalmus) Sporne. Bei Galloperdix hat gewöhnlich das Männchen zwei Sporne und das Weibchen nur einen Sporn an jedem Beine.[15] Man kann daher die Sporne getrost als einen männlichen Character ansehen, welcher gelegentlich in grösserem oder geringerem Grade auf die Weibchen übertragen ist. Wie die meisten andern secundären Sexualcharactere sind die Sporne äusserst variabel sowohl in ihrer Zahl als in ihrer Entwickelung bei einer und derselben Species.

Verschiedene Vögel haben Sporne an ihren Flügeln. Aber die ägyptische Gans (Chenalopex aegyptiacus) hat nur nackte, stumpfe Höcker, und dies zeigt uns wahrscheinlich die erste Stufe, aus welcher echte Sporne sich bei andern verwandten Vögeln entwickelt haben. Bei der spornflügeligen Gans (Plectropterus gambensis) haben die Männchen viel grössere Sporne als die Weibchen und sie benutzen dieselben, wie mir Mr. Bartlett mittheilt, bei ihren Kämpfen unter einander, so dass in diesem Falle die Flügelspornen als geschlechtliche Waffen dienen; [43] aber der Angabe Livingstone’s zufolge werden sie hauptsächlich bei der Vertheidigung der Jungen gebraucht. Die Palamedea (Fig. 38) ist mit einem Paare Spornen an jedem Flügel bewaffnet und diese sind so

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Fig. 38. Palamedea cornuta (aus Brehm, Thierleben). Man beachte die doppelten Flügelsporne und den Fadenanhang am Kopf.

fürchterliche Waffen, dass ein einziger Schlag damit einen Hund heulend davongetrieben hat. Dem Anscheine nach sind aber in diesem Falle oder auch bei den mit Spornen an den Flügeln versehenen Rallen die Sporne beim Männchen nicht grösser als beim Weibchen.[16] Bei [44] gewissen Regenpfeifern müssen indessen die Flügelsporne als ein geschlechtlicher Character betrachtet werden. So wird der Höcker an der Flügelschulter beim Männchen unseres gemeinen Kibitzes (Vanella cristatus) während der Paarungszeit vorragender, und es ist bekannt, dass die Männchen mit einander kämpfen. Bei einigen Species von Lobivanellus entwickelt sich während der Paarungszeit ein ähnlicher Höcker „zu einem kurzen hornigen Sporne“. Beim australischen L. lobatus haben beide Geschlechter Sporne, aber dieselben sind bei den Männchen viel grösser als bei den Weibchen. Bei einem verwandten Vogel, dem Hoplopterus armatus, werden die Sporne während der Paarungszeit nicht grösser, aber man hat in Aegypten gesehen, dass diese Vögel in derselben Weise mit einander kämpfen wie unsere Kibitze. Sie springen dann plötzlich in die Höhe und schlagen einander von der Seite zuweilen mit einem tödtlichen Erfolge. Sie treiben auf diese Weise auch andere Feinde fort.[17]

Die Zeit der Liebe ist die Zeit des Kampfes. Aber die Männchen einiger Vögel, wie des Kampfhuhns und der Kampfläufer und selbst die jungen Männchen des wilden Truthuhns und Haselhuhns[18] sind bereit zu kämpfen, so oft sie einander begegnen. Die Gegenwart des Weibchens ist die teterrima belli causa. Die bengalischen Knaben bringen die niedlichen kleinen Männchen des Amadavat (Estrelda amandava) dazu, mit einander zu kämpfen, dadurch dass sie drei kleine Käfige in eine Reihe stellen mit einem Weibchen in der Mitte. Nach kurzer Zeit lassen sie die zwei Männchen frei und sofort beginnt ein ganz verzweifelter Kampf.[19] Wenn viele Männchen sich auf einem und demselben bestimmten Platze versammeln und mit einander kämpfen, wie es bei den Waldhühnern und verschiedenen andern Vögeln der Fall ist, so sind sie meist von den Weibchen begleitet,[20] welche [45] später mit den siegreichen Kämpfern sich paaren. Aber in einigen Fällen geht das Paaren dem Kämpfen voraus statt ihm zu folgen. So führt Audubon an,[21] dass mehrere Männchen des virginischen Ziegenmelkers (Caprimulgus virginianus) „in einer äusserst unterhaltenden Art und Weise dem Weibchen den Hof machen, und sobald dasselbe seine Wahl getroffen hat, jagt der bevorzugte Liebhaber alle Eindringlinge fort und treibt sie über die Grenzen seiner Herrschaft hinaus.“ Im Allgemeinen versuchen die Männchen mit aller Kraft ihre Nebenbuhler fortzutreiben oder zu tödten ehe sie sich paaren. Indessen scheint es doch, als ob die Weibchen nicht ohne Ausnahme immer die siegreichen Männchen vorzögen. Mir ist in der That von Dr. W. Kowalevsky versichert worden, dass das weibliche Auerhuhn sich zuweilen mit einem jungen Männchen fortstiehlt, welches nicht gewagt hat, mit den älteren Hähnen den Kampfplatz zu betreten, in derselben Weise wie es gelegentlich bei den Thieren des Rothwilds in Schottland der Fall ist. Wenn zwei Männchen in Gegenwart eines einzigen Weibchens sich in einen Kampf einlassen, so gewinnt ohne Zweifel gewöhnlich der Sieger das Ziel seiner Wünsche. Aber einige von diesen Kämpfen werden dadurch verursacht, dass herumwandernde Männchen versuchen, den Frieden eines bereits vereinigten Paars zu stören.[22]

Selbst bei den kampfsüchtigsten Arten ist es wahrscheinlich, dass das Paaren nicht ausschliesslich von der blossen Kraft und dem blossen Muthe der Männchen abhängt. Denn derartige Männchen sind allgemein mit verschiedenen Zierrathen geschmückt, welche oft während der Paarungszeit brillanter und eifrigst vor den Weibchen entfaltet werden. Auch versuchen die Männchen ihre Genossin durch Liebestöne, Gesang und Gesten zu bezaubern oder zu reizen, und in vielen Fällen ist die Bewerbung eine sich in die Länge ziehende Angelegenheit. Es ist daher nicht wahrscheinlich, dass die Weibchen für die Reize des andern Geschlechts unempfänglich sind oder dass sie unabänderlich gezwungen sind, sich den siegreichen Männchen zu ergeben. [46] Es ist wahrscheinlicher, dass die Weibchen von gewissen Männchen entweder vor oder nach dem Kampfe gereizt werden und diese daher unbewusst vorziehen. Was den Tetrao umbellus betrifft, so geht ein guter Beobachter[23] so weit anzunehmen, dass die Kämpfe der Männchen „nur Scheingefechte sind, ausgeführt, um sich in grösstmöglichem Vortheile vor den um sie herum versammelten und sie bewundernden Weibchen zu zeigen. Denn ich bin niemals im Stande gewesen, einen verstümmelten Helden zu finden, und selten habe ich mehr als eine geknickte Feder gefunden.“ Ich werde auf diesen Gegenstand zurückzukommen haben, will aber hier hinzufügen, dass beim Tetrao cupido der Vereinigten Staaten ungefähr zwanzig Männchen sich auf einem besonderen Flecke versammeln und, während sie umherstolziren, die Luft von ihrem ausserordentlichen Lärmen ertönen machen. Bei der ersten Antwort seitens eines Weibchens beginnen die Männchen wüthend mit einander zu kämpfen, und der Schwächere gibt nach. Aber dann suchen, der Angabe von Audubon zufolge, sowohl die Sieger als die Besiegten das Weibchen, so dass die Weibchen dann entweder eine Wahl eintreten lassen müssen oder der Kampf von Neuem beginnen muss. So kämpfen ferner die Männchen eines der Feldstaare der Vereinigten Staaten (Sturnella ludoviciana) heftig mit einander, „aber beim Erblicken eines Weibchens fliegen sie alle hinter diesem her als wenn sie närrisch wären.“[24]

Vocal- und Instumentalmusik. – Bei Vögeln dient die Stimme dazu, verschiedene Gemüthserregungen auszudrücken, wie Unglück, Furcht, Aerger, Triumph oder blosses Gefühl des Glücks. Dem Anscheine nach wird sie zuweilen dazu benutzt, Schrecken zu erregen, wie es mit dem zischenden Geräusch der Fall ist, welches einige Vögel als Nestlinge ausstossen. Audubon erzählt,[25] dass ein Reiher (Ardea nycticorax, Linné), welchen er zahm hielt, sich zu verstecken pflegte, wenn sich eine Katze näherte, und „dann stürzte er plötzlich vor und stiess eines der fürchterlichsten Geschreie aus, sich offenbar über die Unruhe und die Flucht der Katze amüsirend.“ Der gemeine Haushahn gluckt seiner Henne und die Henne ihren Küchlein, wenn ein [47] guter Bissen gefunden wird. Die Henne „wiederholt, wenn sie ein Ei gelegt hat, einen und denselben Ton sehr oft und schliesst dann mit der Sexte höher, welche sie für lange Zeit aushält“;[26] und hierdurch drückt sie ihre Freude aus. Einige gesellig lebende Vögel rufen offenbar einander zu Hülfe, und da sie von Baum zu Baum flüchten, wird der Schwarm durch stets einander antwortende zirpende Rufe zusammengehalten. Während der nächtlichen Wanderungen der Gänse und anderer Wasservögel kann man hoch über unsern Köpfen sonore Ausrufe von der Spitze des Zugs her in der Dunkelheit hören, denen dann Ausrufe von dem Ende des Zuges antworten. Gewisse Ausrufe dienen als Warnungssignale, welche, wie der Jäger auf Kosten seiner Zeit erfahren hat, sowohl von einer und derselben Species als auch von andern sehr wohl verstanden werden. Der Haushahn kräht und der Kolibri zirpt im Triumph über einen besiegten Nebenbuhler. Indessen werden der echte Gesang der meisten Vögel und verschiedene fremdartige Laute hauptsächlich während der Paarungszeit hervorgebracht und dienen entweder nur als Reize oder bloss als Lockruf für das andere Geschlecht.

Die Naturforscher sind in Bezug auf den Zweck des Singens der Vögel sehr getheilter Meinung. Seit Montagu’s Zeiten haben wenige noch sorgfältigere Beobachter gelebt als er, und derselbe behauptet, dass „die Männchen der Singvögel und viele andere im Allgemeinen nicht die Weibchen aufsuchen; sondern ihr Geschäft im Frühlinge besteht im Gegentheil darin, sich auf irgend einen weit sichtbaren Punkt niederzulassen und dort ihre vollen liebeathmenden Töne erklingen zu lassen; das Weibchen erkennt diese aus Instinct und begibt sich darauf nach dem Flecke hin, um sich ihren Genossen zu wählen“.[27] Mr. Jenner Weir theilt mir mit, dass dies in Bezug auf die Nachtigall sicher der Fall ist. Bechstein, welcher während seines ganzen Lebens Vögel hielt, führt an, „dass der weibliche Canarienvogel immer den besten Sänger sich wählt und dass im Naturzustande der weibliche Finke unter Hunderten von Männchen dasjenige sich auswählt, dessen Gesang ihm am besten gefällt“.[28] [48] Darüber kann kein Zweifel sein, dass Vögel äusserst aufmerksam auf ihren gegenseitigen Gesang sind. Mr. Weir hat mir einen Fall von einem Gimpel mitgetheilt, dem gelehrt worden war, einen deutschen Walzer zu pfeifen, und der ein so guter Sänger war, dass er zehn Guineen kostete. Als dieser Vogel zuerst in ein Zimmer gebracht wurde, wo andere Vögel gehalten wurden, und er zu singen anfieng, stellten sich alle übrigen Vögel und es waren ungefähr zwanzig Hänflinge und Canarienvögel vorhanden, auf die nächste Seite in ihren Bauer und hörten mit dem grössten Interesse dem neuen Sänger zu. Viele Naturforscher glauben, dass das Singen der Vögel beinahe ausschliesslich „die Wirkung der Rivalität und Nebenbuhlerschaft“ sei und nicht zu dem Zwecke ausgeübt werde, ihre Genossen zu bezaubern. Dies war die Ansicht von Daines Barrington und White von Selborne, welche beide dem Gegenstand besondere Aufmerksamkeit schenkten.[29] Indess gibt Barrington zu, „dass eine Ueberlegenheit im Gesange den Vögeln eine wunderbare Ueberlegenheit über andere überhaupt gibt, wie Vogelfänger sehr gut wissen.“

Es besteht ganz sicher ein intensiver Grad von Rivalität zwischen den Männchen in ihrem Gesange. Vogelliebhaber bringen ihre Vögel zusammen, um zu sehen, welcher am längsten singen wird, und mir hat Mr. Yarrell erzählt, dass ein Vogel ersten Ranges zuweilen singen wird, bis er fast todt oder der Angabe von Bechstein zufolge[30] vollständig todt umfällt, in Folge des Zerplatzens eines Gefässes in den Lungen. Was auch immer die Ursache sein mag, männliche Vögel sterben, wie ich von Mr. Weir höre, häufig während der Singezeit plötzlich. Dass die Gewohnheit zu singen zuweilen von der Liebe vollständig unabhängig ist, ist klar. Denn man hat einen unfruchtbaren hybriden Canarienvogel beschrieben,[31] welcher sang, als er sich selbst im Spiegel erblickte, und dann auf sein eigenes Spiegelbild losstürzte. Er griff in gleicher Weise mit Wuth einen weiblichen Canarienvogel an, als er zu ihm in denselben Bauer gebracht wurde. Die Vogelfänger ziehen beständig von der Eifersucht, die durch den Act des Singens angeregt wird, Vortheil. Ein Männchen, welches gut singt, wird verborgen und geschützt, während ein ausgestopfter Vogel, [49] mit geleimten Zweigen umgeben, dem Blicke ausgesetzt wird. Auf diese Weise hat, wie Mr. Weir mir mittheilt, ein Mann im Verlaufe eines einzigen Tages fünfzig und an einem sogar siebenzig männliche Buchfinken gefangen. Das Vermögen und die Neigung zum Singen weicht bei Vögeln so bedeutend ab, dass, obschon der Preis eines gewöhnlichen männlichen Buchfinken nur einen Sixpence beträgt, Mr. Weir doch einen Vogel sah, für welchen der Vogelhändler drei Pfund forderte. Die Probe für einen wirklich guten Sänger ist dabei die, dass derselbe zu singen fortfährt, während der Käfig rund um den Kopf des Besitzers geschwungen wird.

Dass Vögel ebensowohl aus Eifersucht als zu dem Zwecke, das Weibchen zu bezaubern, singen, ist durchaus nicht unverträglich mit einander und hätte sich in der That als mit einander Hand in Hand gehend erwarten lassen, ebenso wie Geschmücktsein und Kampfsucht. Indessen schliessen einige Autoren, dass der Gesang des Männchens nicht dazu dienen könne, das Weibchen zu bezaubern, weil die Weibchen einiger Species, wie des Canarienvogels, des Rothkehlchens, der Lerche und des Gimpels, besonders wenn sie, wie Bechstein bemerkt, im Zustande des Verwittwetseins sich befinden, selbst einen melodiösen Gesang ertönen lassen. In einigen von diesen Fällen kann man die Gewohnheit zu singen zum Theil dem Umstande zuschreiben, dass die Weibchen sehr gut gefüttert und in Gefangenschaft gehalten worden sind,[32] denn dies stört alle die gewöhnlich mit der Reproduction der Art im Zusammenhange stehenden Functionen. Es sind bereits viele Beispiele mitgetheilt worden von der theilweisen Uebertragung secundärer männlicher Charactere auf das Weibchen, so dass es durchaus nicht überraschend ist zu sehen, dass die Weibchen einiger Species auch das Vermögen zu singen besitzen. Man hat ferner auch geschlossen, dass der Gesang des Männchens nicht als ein Reizmittel dienen könne, weil die Männchen gewisser Species, z. B. des Rothkehlchens, während des Herbstes singen.[33] Es ist indessen nichts häufiger, als dass Thiere darin Vergnügen finden, irgendwelchen Instinct auch zu anderen Zeiten auszuüben als zu denen, wo er ihnen von wirklichem Nutzen ist. Wie oft sehen wir Vögel leicht hinfliegen, [50] durch die Luft gleitend und segelnd, und offenbar nur zum Vergnügen. Die Katze spielt mit der gefangenen Maus und der Cormoran mit dem gefangenen Fische. Der Webervogel (Ploceus) amüsirt sich, wenn er in einem Käfig eingeschlossen ist, damit, Grashalme niedlich zwischen das Drahtgitter seines Käfigs einzuflechten. Vögel, welche gewöhnlich während der Paarungszeit kämpfen, sind meist zu allen Zeiten bereit, mit einander zu kämpfen, und die Männchen des Auerhahns halten ihre Balzen oder Leks auf den gewöhnlichen Versammlungsplätzen auch während des Herbstes.[34] Es ist daher durchaus nicht überraschend, dass männliche Vögel zu ihrer eigenen Unterhaltung auch dann noch zu singen fortfahren, wenn die Zeit der Brautwerbung vorüber ist.

Das Singen ist bis zu einem gewissen Grade, wie in einem früheren Capitel gezeigt wurde, eine Kunst und wird durch Uebung bedeutend veredelt. Man kann Vögel verschiedene Melodieen lehren, und selbst der unmelodische Sperling hat zu singen gelernt wie ein Hänfling. Sie nehmen den Gesang ihrer Nähreltern[35] und zuweilen den ihrer Nachbarn an.[36] Alle die gewöhnlichen Sänger gehören zu der Ordnung der Insessores und ihre Stimmorgane sind viel complicirter als diejenigen der meisten andern Vögel. Doch ist es eine merkwürdige Thatsache, dass einige der Insessores, wie die Raben, Krähen und Elstern, denselben Singapparat[37] besitzen, trotzdem sie niemals singen und von Natur ihre Stimmen in durchaus keiner bedeutenden Weise moduliren. J. Hunter behauptet,[38] dass bei den echten Sängern die Kehlkopfmuskeln der Männchen stärker sind als die der Weibchen. Aber mit dieser unbedeutenden Ausnahme besteht zwischen den Stimmorganen der beiden Geschlechter keine Verschiedenheit, trotzdem die Männchen der meisten Species so viel besser und so beständiger singen als die Weibchen.

Es ist merkwürdig, dass nur kleine Vögel eigentlich singen. Indess [51] muss die australische Gattung Menura ausgenommen werden, denn die Menura Alberti, welche ungefähr die Grösse eines halberwachsenen Truthahns hat, ahmt nicht bloss andere Vögel nach, sondern es ist auch „ihr eigenes Pfeifen ausserordentlich schön und mannichfaltig.“ Die Männchen versammeln sich wie zu einer Concertprobe, wo sie singen und ihre Schwänze aufheben und auseinanderbreiten wie Pfauen und ihre Flügel sinken lassen.[39] Es ist auch merkwürdig, dass die Vögel, welche singen, selten mit brillanten Farben oder andern Zierrathen geschmückt sind. Von unsern britischen Vögeln sind, mit Ausnahme des Gimpels und des Stieglitz, die besten Sänger einfach gefärbt. Die Eisvögel, Bienenfresser, Raken, Wiedehopfe, Spechte u. s. w. stossen harsche Geschreie aus, und die brillanten Vögel der Tropenländer sind kaum jemals Sänger.[40] Es scheinen daher glänzende Färbungen und das Vermögen zu singen einander zu ersetzen. Wir können wohl einsehen, dass, wenn das Gefieder nicht in seinem Glanze variirte oder wenn helle Farben für die Art gefährlich waren, andere Mittel haben angewendet werden müssen, das Weibchen zu bezaubern; und eine melodische Stimme bietet eines dieser Mittel dar.

Bei einigen Vögeln sind die Stimmorgane je nach den Geschlechtern sehr von einander verschieden. Bei Tetrao cupido (Fig. 39) hat das Männchen zwei nackte, orange gefärbte Säcke, einen auf jeder Seite des Halses, und diese werden stark aufgeblasen, wenn das Männchen während der Paarungszeit seinen merkwürdig hohlen, in einer grossen Entfernung hörbaren Laut ausstösst. Audubon hat nachgewiesen, dass der Laut innig mit diesem Apparate in Verbindung steht, welcher uns an die Luftsäcke an jeder Seite des Kopfes bei gewissen männlichen Fröschen erinnert; denn er fand, dass der Laut bedeutend vermindert wurde, wenn einer der Säcke bei einem zahmen Vogel angestochen war, und waren beide angestochen, so hörte er vollständig auf. Das Weibchen hat „eine etwas ähnliche, wenn auch kleinere nackte Hautstelle am Halse, aber sie kann nicht aufgeblasen werden“.[41] Das Männchen einer andern Art von Waldhuhn (Tetrao [52] urophasianus) hat, während es das Weibchen umwirbt, seinen „nackten gelben Kropf zu einer beinahe monströsen Grösse, reichlich halb so gross als der Körper, aufgetrieben“, und es stösst dann verschiedenartige kratzende, tiefe, hohle Töne aus. Die Halsfedern aufgerichtet,

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Fig. 39. Tetrao cupido, Männchen (nach T. W. Wood).

die Flügel gesenkt und auf dem Boden schleifend und den langen zugespitzten Schwanz wie einen Fächer ausgebreitet, zeigt es sich dann in einer Menge verschiedenartiger grotesker Stellungen. Die Speiseröhre des Weibchens zeigt in keiner Weise etwas Bemerkenswerthes.[42]

Es scheint jetzt sicher ermittelt zu sein, dass der Kehlsack der männlichen europäischen Trappe (Otis tarda) und wenigstens noch vier anderer Species nicht, wie man früher vermuthete, dazu dient Wasser zu halten, sondern mit der Aeusserung eines eigenthümlichen Tons während der Paarungszeit in Zusammenhang steht, welcher einem „Ock“ gleicht.[43] Ein rabenartiger Vogel, welcher Südamerica bewohnt [53] (Cephalopterus ornatus, Fig. 40), wird Schirmvogel genannt wegen seines ungeheuren, von nackten weissen Federschäften und dunkelblauen erstere überdeckenden Federn gebildeten Federstutzes, welchen

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Fig. 40. Der Schirmvogel oder Cephalopterus ornatus, Männchen (aus Brehm, Thierleben).

der Vogel zu einer grossen, nicht weniger als fünf Zoll im Durchmesser haltenden und den ganzen Kopf bedeckenden Haube erheben [54] kann. Dieser Vogel hat an seinem Halse einen langen dünnen, cylindrischen, fleischigen Anhang, welcher dicht mit schuppenartigen blauen Federn bekleidet ist. Er dient wahrscheinlich zum Theil als Schmuck, aber gleichfalls auch als ein Resonanzapparat. Denn Mr. Bates fand, dass derselbe „mit einer ungewöhnlichen Entwickelung der Luftröhre und der Stimmorgane“ im Zusammenhang steht. Wenn der Vogel seinen eigenthümlichen tiefen, lauten und lange ausgehaltenen flötenartigen Ton ausstösst, wird jener Anhang ausgedehnt. Beim Weibchen ist die Federkrone und der Anhang am Halse nur rudimentär vorhanden.[44]

Die Stimmorgane verschiedener mit Schwimmfüssen versehener und Wade-Vögel sind ausserordentlich complicirt und weichen in gewisser Ausdehnung bei beiden Geschlechtern von einander ab. In manchen Fällen ist die Luftröhre wie ein Waldhorn gewunden und tief in das Brustbein eingebettet. Beim wilden Schwan (Cygnus ferus) ist sie beim erwachsenen Männchen tiefer eingebettet als beim Weibchen oder dem jungen Männchen. Bei dem männlichen Merganser ist der erweiterte Theil der Luftröhre mit einem besonderen Muskelpaare versehen.[45] Bei einer der Enten, nämlich Anas punctata, ist die knöcherne Erweiterung beim Männchen nur wenig mehr entwickelt als beim Weibchen.[46] Aber die Bedeutung dieser Verschiedenheiten in der Luftröhre bei den beiden Geschlechtern der Anatiden ist nicht erklärt; denn das Männchen ist nicht immer das stimmreichere. So ist bei der gemeinen Ente der Ton des Männchens nur ein Zischen, während das Weibchen ein lautes Quacken ausstösst.[47] Bei einem der Kraniche (Grus virgo) dringt die Luftröhre der beiden Geschlechtern in das Sternum ein, bietet aber „gewisse geschlechtliche Modificationen“ dar. Bei dem Männchen des schwarzen Storches findet sich gleichfalls eine wohl ausgesprochene geschlechtliche Verschiedenheit [55] in der Länge und der Krümmung der Luftröhrenäste.[48] Es haben also in diesen Fällen sehr bedeutungsvolle Gebilde je nach dem Geschlechte gewisse Modificationen erfahren.

Es ist oft schwierig zu entscheiden, ob die vielen fremdartigen Töne und Geschreie, welche männliche Vögel während der Paarungszeit ausstossen, als ein Reizmittel oder nur als ein Lockruf für das Weibchen dienen. Das sanfte Girren der Turteltaube und vieler andern Tauben gefällt dem Weibchen, wie man wohl vermuthen kann. Wenn das Weibchen des wilden Truthahns am Morgen seinen Ruf ertönen lässt, so antwortet das Männchen mit einem von dem gewöhnlichen kollernden Geräusche verschiedenen Tone. Ersteres bringt es hervor, sobald es mit aufgerichteten Federn, rauschenden Flügeln und geschwollenen Fleischlappen vor dem Weibchen sich brüstend einherstolzirt.[49] Das Kollern des Birkhahns dient sicher als Lockruf für das Weibchen; denn man hat erfahren, dass es vier oder fünf Weibchen aus weiter Entfernung zu einem in Gefangenschaft gehaltenen Männchen hingerufen hat. Da aber der Birkhahn sein Kollern Stunden lang während aufeinanderfolgender Tage und, wie es der Auerhahn thut, „mit Alles überwältigender Leidenschaft“ fortsetzt, so werden wir zu der Vermuthung geführt, dass die Weibchen, welche bereits anwesend sind, hierdurch bezaubert werden.[50] Die Stimme des gemeinen Raben wird bekanntlich während der Paarungszeit verschieden und ist daher in einer gewissen Weise geschlechtlich.[51] Was sollen wir aber zu dem rauhen Geschreie z. B. mancher Arten von Macaws sagen? Haben diese Vögel wirklich einen so schlechten Geschmack für musikalische Laute als sie dem Anscheine nach für Farben haben, wenigstens nach dem unharmonischen Contrast ihres auffallend gelben und blauen Gefieders zu urtheilen? Es ist allerdings möglich, dass die lauten Stimmen vieler männlichen Vögel, ohne dass dadurch irgend ein Vortheil für sie erzielt worden ist, das Resultat der vererbten Wirkungen des beständigen Gebrauchs ihrer Stimmorgane sind, wenn sie durch die kräftigen Leidenschaften der Liebe, [56] der Eifersucht und der Wuth aufgeregt werden. Auf diesen Punkt werden wir aber zurückkommen, wenn wir die Säugethiere behandeln werden.

Wir haben bis jetzt nur von der Stimme gesprochen; aber die Männchen verschiedener Vögel üben während der Zeit ihrer Bewerbung noch etwas aus, was man Instrumentalmusik nennen könnte. Pfauhähne und Paradiesvögel rasseln mit den Kielen ihrer Federn zusammen. Truthähne fegen mit ihren Flügeln über den Boden hin und einige Arten von Waldhühnern bringen hierdurch ein summendes Geräusch hervor. Wenn ein anderes nordamericanisches Waldhuhn (Tetrao umbellus) mit aufgerichtetem Schwanze und entfalteter Krause „seine Federpracht den in der Nachbarschaft verborgen liegenden Weibchen darbietet,“ so trommelt es, indem es seine Flügel der Angabe Mr. R. Haymond’s zufolge oberhalb des Rückens zusammenschlägt und nicht wie Audubon meinte gegen die Seite schlägt. Der hierdurch hervorgebrachte Laut wird von einigen mit einem entfernten Donner, von Andern mit dem schnellen Wirbel einer Trommel verglichen. Das Weibchen trommelt niemals, „sondern fliegt direct nach der Stelle, wo das Männchen in der genannten Weise beschäftigt ist.“ In dem Himalaya macht das Männchen des Kalij-Fasans „oft ein eigenthümlich trommelndes Geräusch mit seinen Flügeln, dem „Geräusche nicht unähnlich, welches man durch das Schütteln eines Stücks steifer Leinwand hervorbringen kann.“ An der Westküste von Africa versammeln sich die kleinen schwarzen Webervögel (Ploceus?) in einer kleinen Anzahl auf den Büschen rund um einen kleinen offenen Fleck und singen und gleiten durch die Luft mit zitternden Flügeln, „was einen rapiden schwirrenden Ton hervorbringt, wie eine Kinderklapper“. Ein Vogel nach dem andern producirt sich in dieser Weise stundenlang, aber nur während der Paarungszeit. In derselben Zeit bringen die Männchen gewisser Ziegenmelker (Caprimulgus) ein äusserst fremdartiges Geräusch mit ihren Flügeln hervor. Die verschiedenen Species von Spechten klopfen einen Zweig mit ihrem Schnabel mit einer so rapiden schwingenden Bewegung, dass „der Kopf an zwei Stellen zugleich zu sein scheint.“ Der hierdurch hervorgebrachte Klang ist in einer beträchtlichen Entfernung hörbar, kann aber nicht beschrieben werden, und ich glaube sicher, dass von Niemand je vermuthet werden wird, was ihn hervorbringt, der ihn zum ersten Male hört. Da dieses rasselnde Geräusch vorzüglich während [57] der Paarungszeit gemacht wird, so ist es als ein Liebesgesang angesehen worden; es ist aber strenger genommen vielleicht nur ein Lockruf. Wenn das Weibchen von seinem Neste getrieben wird, so hat man beobachtet, dass es sein Männchen in dieser Weise ruft, welches dann in derselben Weise antwortet und bald an Ort und Stelle erscheint. Endlich verbindet auch der männliche Wiedehopf (Upupa epops) Vocal- mit Instrumentalmusik. Denn während der Paarungszeit zieht er, wie Mr. Swinhoe gesehen hat, zuerst Luft ein und schlägt dann die Spitze seines Schnabels senkrecht gegen einen Stein oder den Stamm eines Baumes, „worauf dann die durch den röhrenförmigen Schnabel abwärts gestossene Luft den richtigen Laut hervorbringt“. Wenn der Schnabel nicht in der eben geschilderten Weise aufgestossen wird, ist der Laut völlig verschieden. Gleichzeitig wird Luft verschluckt und die Speiseröhre schwillt stark auf; dies dient zur Resonanz und wahrscheinlich nicht blos beim Wiedehopf, sondern auch bei Tauben und andern Vögeln.[52]

In den vorstehend angeführten Fällen werden Laute hervorgebracht mit Hülfe von bereits vorhandenen und anderweit nothwendigen Gebilden, aber in den folgenden Fällen sind gewisse Federn speciell zu dem ausdrücklichen Zwecke modificirt worden, die Töne hervorzubringen. Das meckernde, schnurrende oder summende Geräusch, wie es die verschiedenen Beobachter bezeichnen, welches die Bekassine (Scolopax gallinago) hervorbringt, muss einen Jeden, der es nur einmal gehört hat, überrascht haben. Dieser Vogel fliegt zur Zeit der Paarung „vielleicht tausend Fuss in die Höhe,“ treibt sich in solcher Höhe flatternd im Kreise herum und schiesst aus dieser mit ganz ausgebreitetem Schwanze und zitternden Flügeln in einem Bogen mit überraschender Schnelligkeit zur Erde herab. Der Laut wird nur [58] während dieses rapiden Herabschiessens hervorgebracht.

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Fig. 41. Aeussere Schwanzfeder von Scolepax gallinago (nach dem Proc. Zool. Soc. 1858).

Niemand war im Stande, die Ursache dieses Geräuschs zu erklären, bis Meves beobachtete, dass auf jeder Seite des Schwanzes die äusseren Federn eigenthümlich geformt sind (Fig. 41); sie haben nämlich einen steifen, säbelförmig gekrümmten Schaft, die schräg davon abgehenden Aeste der Fahne sind von ungewöhnlicher Länge und die äusseren Ränder sind fest an einander geheftet. Er fand, dass wenn man auf diese Federn bläst oder wenn man dieselben an einen langen dünnen Stock bindet und sie schnell durch die Luft bewegt, man einen genau dem meckernden, von dem lebenden Vogel hervorgebrachten Laute ähnlichen Ton hervorbringen kann. Beide Geschlechter sind mit diesen Federn versehen; sie sind aber beim Männchen allgemein grösser als beim Weibchen und bringen einen tieferen Ton hervor.
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Fig. 42. Aeussere Schwanzfeder von Scolopax frenata.

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Fig. 43. Aeussere Schwanzfeder von Scolopax javensis.

Bei einigen Species, so bei S. frenata (Fig. 42), sind vier Federn und bei S. javensis (Fig. 43) sind nicht weniger als acht Federn auf jeder Seite des Schwanzes bedeutend modificirt. Werden die Federn von verschiedenen Species in der eben geschilderten Weise durch die Luft geschwungen, so werden verschiedene Töne hervorgebracht, und der Scolopax Wilsonii der Vereinigten Staaten macht, während er sich schnell zur Erde herabstürzt, ein Geräusch, wie wenn eine Gerte schnell durch die Luft gezogen wird.[53]

Beim Männchen von Chamaepetes unicolor (einem grossen hühnerartigen Vogel von America) ist die erste Schwungfeder erster Ordnung nach der Spitze zu gebogen und viel mehr zugespitzt als beim Weibchen. Bei einem verwandten Vogel, der Penelope nigra, beobachtete Mr. Salvin ein Männchen, welches, während es „mit ausgebreiteten [59] Flügeln abwärts flog, eine Art von krachendem rauschendem Geräusche von sich gab,“ wie beim Umfallen eines Baumes.[54] Nur das Männchen einer der indischen Trappen (Sypheotides auritus) hat bedeutend zugespitzte Schwungfedern erster Ordnung, und vom Männchen einer verwandten Species weiss man, dass es, während es das Weibchen umwirbt, einen summenden Ton hervorbringt.[55] Bei einer sehr verschiedenen Gruppe von Vögeln, nämlich den Colibris, haben nur die Männchen gewisser Arten entweder die Schäfte ihrer Schwungfedern erster Ordnung sehr verbreitert oder die Fahnen plötzlich nach dem Ende zu ausgeschnitten. So hat z. B. das Männchen von Selasphorus platycercus im erwachsenen Zustande die ersten Schwungfedern (Fig. 44) in dieser Weise ausgeschnitten. Während es von Blüthe zu Blüthe fliegt, bringt es „ein scharfes, fast pfeifendes Geräusch“ hervor,[56] aber wie es Mr. Salvin schien, wurde das Geräusch nicht absichtlich hervorgebracht.

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Fig. 44. Schwungfeder erster Ordnung eines Colibri, des Selasphorus platycercus (nach einer Skizze von Mr. Salvin). Obere Figur von einem Männchen; untere Figur die entsprechenden Feder vom Weibchen.

Endlich haben bei verschiedenen Species einer Untergattung von Pipra oder Manakins die Männchen modificirte Schwungfedern zweiter Ordnung, Und zwar, wie Mr. Sclater beschrieben hat, in einer noch merkwürdigeren Weise. Bei der brillant gefärbten Pipra deliciosa sind die drei ersten Schwungfedern zweiter Ordnung dickschäftig und nach dem Körper zu gekrümmt; bei der vierten und fünften (Fig. 45 a) ist die Veränderung grösser; und bei der sechsten und siebenten (b, c) ist der Schaft in einem ausserordentlichen Grade verdickt und bildet eine solide hornige Masse. Auch die Fahnen sind bedeutend in ihrer Form verändert im Vergleich mit den entsprechenden Federn (d, e, f) des Weibchens. Selbst die Knochen des Flügels, welche diese eigenthümlichen Federn tragen, sollen beim Männchen, wie Mr. Fraser sagt, bedeutend verdickt sein. Diese kleinen Vögel bringen ein ausserordentliches Geräusch hervor. [60] Der erste „scharfe Ton ist dem Knall einer Peitsche nicht unähnlich“.[57]

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Fig. 45. Schwungfedern zweiter Ordnung von Pipra deliciosa (nach Sclater, in: Proc. Zool. Soc. 1860).
Die drei oberen Federn a, b, c, vom Männchen, die drei unteren d, e, f sind die entsprechenden Federn vom Weibchen.
a und d, fünfte Schwungfeder zweiter Ordnung vom Männchen und Weibchen, obere Fläche; - b und e, sechste Schwungfeder, obere Fläche; - c und f, siebente Schwungfeder, untere Fläche.

Die Verschiedenartigkeit der sowohl durch die Stimmorgane als andere Werkzeuge hervorgebrachten Laute, welche die Männchen vieler Species während der Paarungszeit äussern, und die Verschiedenheit der Mittel zur Hervorbringung solcher Laute ist in hohem Grade merkwürdig. Wir erhalten hierdurch eine hohe Idee von ihrer Bedeutung zu sexuellen Zwecken und werden an dieselbe Folgerung erinnert, zu der wir in Bezug auf Aehnliches bei den Insecten gelangten. Es ist nicht schwer, sich die verschiedenen Stufen vorzustellen, durch welche die Töne eines Vogels, welche ursprünglich nur als ein blosser Lockruf oder zu irgend einem andern Zwecke gebraucht wurden, zu einem melodischen Liebesgesang veredelt worden sein können. In Bezug auf die Fälle, wo es sich um Modification von Federn handelt, durch welche das Trommeln, Pfeifen oder die andern lauteren Geräusche hervorgebracht werden, wissen wir, dass einige Vögel während ihrer Brautwerbung ihr nicht modificirtes Gefieder schütteln, rasseln oder erzittern machen; und wenn die Weibchen veranlasst wurden, die besten Spieler zu wählen, so dürften diejenigen Männchen, welche die stärksten oder dicksten oder auch die am meisten [61] verdünnten, an irgend einem beliebigen Theile des Körpers sitzenden Federn besassen, die erfolgreichsten sein; und hierdurch können in langsamen Abstufungen die Federn beinahe in jeder Ausdehnung modificirt worden sein. Natürlich werden die Weibchen nicht jede unbedeutende aufeinanderfolgende Abänderung in der Form beachten, sondern nur die durch so veränderte Federn hervorgebrachten Laute. Es ist eine merkwürdige Thatsache, dass in derselben Classe von Thieren so verschiedenartige Laute sämmtlich den Weibchen der verschiedenen Species angenehm sein sollen, wie das Meckern der Bekassine mit ihrem Schwanze, das Klopfen des Spechtes mit dem Schnabel, das rauhe trompetenartige Geschrei gewisser Wasservögel, das Girren der Turteltaube und der Gesang der Nachtigall. Wir dürfen aber den Geschmack der verschiedenen Arten nicht nach einem gleichförmigen Maassstabe beurtheilen; auch dürfen wir hierbei nicht den Maassstab des menschlichen Geschmacks anlegen. Selbst in Bezug auf den Menschen müssen wir uns daran erinnern, welche unharmonische Geräusche das Ohr der Wilden angenehm berühren, wie das Schlagen der Tamtams und die grellen Töne von Rohrpfeifen. Sir S. Baker bemerkt,[58] dass „wie der Magen der Araber das rohe Fleisch und die warm aus dem Thiere genommene noch rauchende Leber vorzieht, so ziehe sein Ohr auch seine in gleicher Weise rauhe und unharmonische Musik aller andern vor.“

Liebesgeberden und Tänze. – Die merkwürdigen Liebesgeberden verschiedener Vögel, besonders der Gallinaceen, sind bereits gelegentlich erwähnt worden, so dass hier nur wenig hinzugefügt zu werden braucht. In Nordamerica versammeln sich grosse Mengen eines Waldhuhns, des Tetrao phasianellus, jeden Morgen während der Paarungszeit auf einem ausgewählten ebenen Flecke und hier laufen sie rund herum in einem Kreise von ungefähr fünfzehn oder zwanzig Fuss im Durchmesser, so dass der Boden vollständig kahl getreten wird, wie ein Elfenring. Bei diesen „Rebhuhntänzen“, wie sie von den Jägern genannt werden, nehmen die Vögel die fremdartigsten Stellungen an und laufen herum, einige nach links, einige nach rechts. Audubon beschreibt die Männchen eines Reihers (Ardea herodias), wie sie auf ihren langen Beinen mit grosser Würde vor ihren Weibchen [62] herumstolziren und ihre Nebenbuhler herausfordern. Bei einem widerwärtigen Aasgeier (Cathartes jota) sind, wie derselbe Naturforscher angibt, „die Gesticulationen und das Paradiren der Männchen im Anfange der Liebeszeit äusserst lächerlich“. Gewisse Vögel führen ihre Liebesgeberden im Fluge aus, wie wir bei dem schwarzen africanischen Webervogel gesehen haben, und nicht auf der Erde. Während des Frühjahrs erhebt sich unser kleines Weisskehlchen (Sylvia cinerea) oft wenige Fuss oder Yards über einem Gebüsche in die Luft und „schwebt mit einer verzückten und phantastischen Bewegung während der ganzen Zeit singend darüber und senkt sich wieder auf seinen Ruheplatz“. Die grosse englische Trappe wirft sich, wie es Wolf dargestellt hat, in ganz unbeschreibliche wunderliche Stellungen, während sie das Weibchen umwirbt. Eine verwandte indische Trappe (Otis bengalensis) „steigt in solchen Zeiten senkrecht in die Luft mit einem eiligen Schlagen der Flügel, wobei sie ihren Federkamm erhebt, die Federn des Halses und der Brust aufsträubt, und lässt sich dann auf den Boden nieder.“ Sie wiederholt dies Manöver mehrmals hintereinander und summt während der Zeit in einer eigenthümlichen Weise. Die Weibchen, welche zufällig in der Nähe sind, „gehorchen jenen tanzenden Aufforderungen,“ und wenn sie sich nähern, senkt das Männchen seine Flügel und breitet seinen Schwanz wie ein Truthahn aus.[59]

Den merkwürdigsten Fall aber bieten drei verwandte Gattungen australischer Vögel dar, die berühmten Laubenvögel – sämmtlich ohne Zweifel Nachkommen einer alten Species, welche zuerst den merkwürdigen Instinct erlangte, sich zur Production ihrer Liebespantomimen kleine Lauben zu bauen. Die Lauben (Fig. 46), welche wie wir später noch sehen werden, mit Federn, Muschelschalen, Knochen und Blättern in hohem Grade decorirt sind, werden einzig zu dem Zwecke der Bewerbung auf die Erde gebaut, denn ihre Nester bauen sie auf Bäume. Beide Geschlechter helfen bei dem Aufbauen dieser Lauben, aber das Männchen ist der hauptsächlichste Arbeiter daran. Dieser [63] Instinct ist so stark, dass er selbst in der Gefangenschaft noch ausgeübt wird. Mr. Strange hat die Lebensweise einiger Atlas-Laubenvögel beschrieben,[60] welche er in seiner Volière in Neu-Südwales sich

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Fig. 46. Kragenvogel, Chlamydera maculata, mit seiner Laube (aus Brehm, Thierleben).

hielt. „Eine Zeit lang jagt das Männchen das Weibchen durch die ganze Volière, dann geht es zu der Laube, pickt eine lebhaft gefärbte Feder oder ein grosses Blatt, stösst einen merkwürdigen Laut [64] aus, richtet alle seine Federn in die Höhe, läuft rund um die Laube herum und wird dabei so aufgeregt, dass seine Augen fast aus dem Kopfe herauszuspringen scheinen: unaufhörlich hebt er zuerst den einen Flügel, dann den andern, stösst einen sanften, pfeifenden Ton aus und scheint, wie der Haushahn, irgend etwas von der Erde aufzupicken, bis zuletzt das Weibchen sanften Muthes auf dasselbe zugeht.“ Captain Stokes hat die Lebensweise und die „Spielhäuser“ einer andern Art, nämlich des grossen Laubenvogels, beschrieben. Hier sah er, wie derselbe „vor- und rückwärts flog, eine Muschelschale abwechselnd von der einen, dann von der andern Seite aufnahm und, dieselbe in seinem Schnabel haltend, in die Pforte eintrat“. Diese merkwürdigen Bauten, welche einzig und allein als Versammlungsräume aufgeführt werden, wo sich beide Geschlechter unterhalten und sich den Hof machen, müssen den Vögeln viel Mühe kosten, so ist z. B. die Laube der braunbrüstigen Art beinahe vier Fuss lang, achtzehn Zoll hoch und auf einer dicken Lage von Stäben errichtet.

Schmuck. – Ich will zuerst die Fälle erörtern, in welchen die Männchen entweder ausschliesslich oder in einem viel bedeutenderen Grade geschmückt sind als die Weibchen, und in einem späteren Capitel diejenigen, in denen beide Geschlechter in gleicher Weise geschmückt sind, und endlich die seltenen Fälle, in denen das Weibchen etwas glänzender gefärbt ist als das Männchen. Wie es mit den künstlichen Zierathen der Fall ist, welche wilde und civilisirte Menschen benutzen, so ist auch bei den natürlichen Zierathen der Vögel der Kopf der hauptsächlichste Gegenstand der Ausschmückung.[61] Die Zierathen sind, wie im Eingange dieses Capitels erwähnt wurde, in einer wunderbaren Weise verschiedenartig. Die Schmuckfedern an der vorderen oder hinteren Seite des Kopfes sind verschiedenartig geformte Federn und sind zuweilen einer Aufrichtung oder Ausbreitung fähig, wodurch ihre schönen Farben vollständig entfaltet werden. Gelegentlich sind elegante Ohrbüschel (s. Fig. 39, S. 52) vorhanden. Der Kopf ist zuweilen mit sammetartigen kurzen Federn bedeckt, wie beim Fasan, oder er ist nackt und lebhaft gefärbt. Auch die Kehle ist zuweilen mit einem Barte geschmückt oder mit Fleischlappen oder Carunkeln. Derartige Anhänge sind im Allgemeinen hell [65] gefärbt und dienen ohne Zweifel als Zierathen, wenn sie auch nicht immer für unsere Augen ornamental sind. Denn während das Männchen sich im Acte des Hofmachens dem Weibchen gegenüber befindet, schwellen dieselben oft an und nehmen noch lebendigere Farben an, wie z. B. bei dem Truthahn. Zu solchen Zeiten schwellen die fleischigen Anhänge am Kopfe des männlichen Tragopan-Fasans (Ceriornis Temminckii) zu einem grossen Lappen an der Kehle und zu zwei Hörnern an, eines auf jeder Seite des glänzenden Federstutzes, und diese sind dann mit dem intensivsten Blau gefärbt, was ich je gesehen habe.[62] Bei den africanischen Hornraben (Bucorax abyssinicus) wird der scharlachene blasenartige Fleischlappen am Halse aufgeblasen, und der Vogel bietet dann mit seinen herabhängenden Flügeln und ausgebreitetem Schwanze „eine ganz grossartige Erscheinung“ dar.[63] Selbst die Iris des Auges ist zuweilen beim Männchen glänzender gefärbt als beim Weibchen, und dasselbe ist häufig mit dem Schnabel der Fall, z. B. bei unserer gemeinen Amsel. Bei Buceros corrugatus sind der ganze Schnabel und der ungeheure Helm beim Männchen auffallender gefärbt als beim Weibchen, und „die schrägen Gruben an den Seiten der unteren Kinnlade sind dem männlichen Geschlechte eigenthümlich“.[64]

Ferner trägt der Kopf häufig fleischige Anhänge, Fäden und solide Protuberanzen. Wenn diese nicht beiden Geschlechtern zukommen, sind sie immer auf die Männchen beschränkt. Die soliden Vorsprünge sind im Detail von Dr. W. Marshall beschrieben worden;[65] er zeigt, dass sie entweder aus schwammiger Knochensubstanz oder aus Haut und andern Geweben bestehen. Bei Säugethieren werden echte Hörner stets von den Stirnbeinen getragen; bei den Vögeln aber sind verschiedene Knochen zu diesem Zwecke modificirt worden; bei verschiedenen Arten einer und derselben Gruppe haben die Höcker entweder Knochenzapfen als Grundlage, oder es fehlen solche, und beide extreme Fälle werden durch zwischenliegende Abstufungen mit einander verbunden. Es bemerkt daher Dr. Marshall mit Recht, dass Abänderungen der verschiedensten Arten zur Entwickelung dieser [66] ornamentalen Anhänge durch geschlechtliche Zuchtwahl gedient haben. Verlängerte Federn oder Schmuckfedern entspringen von beinahe jedem Theile des Körpers. Die Federn an der Kehle und der Brust sind zuweilen zu schönen Kragen und Halskrausen entwickelt. Die Schwanzfedern sind häufig sehr verlängert, wie wir an den Schwanzdeckfedern des Pfauhahns und am Schwanze des Argusfasans sehen. Beim Pfauhahn sind selbst die Knochen des Schwanzes zum Tragen der schweren Schwanzdeckfedern modificirt worden.[66] Der Körper des Argusfasans ist nicht grösser als der eines Huhns; doch beträgt die Länge von der Spitze des Schnabels bis zum Ende des Schwanzes nicht weniger als fünf Fuss drei Zoll,[67] und die der sehr schön mit Augenflecken gezierten Flügelfedern zweiter Ordnung nahezu drei Fuss. Bei einem kleinen africanischen Ziegenmelker (Cosmetornis vexillaris) erreicht eine der Schwungfedern erster Ordnung während der Paarungszeit eine Länge von sechsundzwanzig Zoll, während der Vogel selbst nur zehn Zoll lang ist. Bei einer andern nahe verwandten Gattung von Ziegenmelkern sind die Schäfte der verlängerten Flügelfedern nackt mit Ausnahme der Spitze, wo sie eine Scheibe tragen.[68] Ferner sind in einer andern Gattung von Ziegenmelkern die Schwanzfedern selbst noch ungeheurer entwickelt. Im Allgemeinen sind die Federn des Schwanzes häufiger verlängert, als die der Flügel, da jede bedeutende Verlängerung derselben den Flug beeinträchtigen würde. Wir sehen daher, dass eine und dieselbe Art von Verzierung von den Männchen nahe verwandter Vögel durch die Entwickelung sehr verschiedener Federn erlangt worden ist.

Es ist eine merkwürdige Thatsache, dass die Federn von Vogelarten, welche zu sehr verschiedenen Gruppen gehören, in beinahe genau derselben eigenthümlichen Weise modificirt worden sind. So sind die Flügelfedern bei einem der oben erwähnten Ziegenmelker am ganzen Schafte nackt und endigen nur in einer Scheibe, oder sie sind, wie es zuweilen genannt wird, löffel- oder spatelförmig. Federn dieser Art kommen am Schwanze eines Motmot (Eumomota superciliaris), eines Eisvogels, Finken, Colibri’s, Papageien, mehrerer indischer Drongos (Dicrurus und Edolius, bei einem derselben steht die Scheibe senkrecht) [67] und am Schwanze gewisser Paradiesvögel vor. Bei diesen letzteren Vögeln zieren ähnliche Federn, sehr schön mit Augenflecken versehen, den Kopf, wie es gleichfalls bei einigen, hühnerartigen Vögeln der Fall ist. Bei einer indischen Trappe (Sypheotides auritus) endigen die Federn, welche die Ohrbüschel, die ungefähr vier Zoll lang sind, bilden, gleichfalls in Scheiben.[69] Es ist eine äusserst eigenthümliche Thatsache, dass die Motmots, wie Mr. Salvin klar gezeigt hat,[70] ihren Schwanzfedern dadurch die Spatelform geben, dass sie die Barben abbeissen, und dass ferner diese beständige Verstümmelung in gewissem Grade eine vererbte Wirkung hervorgebracht hat.

Ferner sind die Fahnen der Federn bei verschiedenen sehr weit auseinanderstehenden Vögeln fadenförmig, wie bei einigen Reihern, Ibissen, Paradiesvögeln und hühnerartigen Vögeln. In andern Fällen verschwinden die Fahnen und lassen den Schaft nackt und dieser erreicht im Schwanze von Paradisea apoda eine Länge von vierunddreissig Zoll;[71] bei P. Papuana (Fig. 47) sind sie viel kürzer und dünn. Werden kleinere Federn in dieser Weise nackt, so erscheinen sie wie Borsten, so z. B. an der Brust des Truthahns. Wie eine jede schwankende Mode in der Kleidung beim Menschen allmählich bewundert wird, so scheint auch bei Vögeln eine Veränderung beinahe jeder Art in der Structur oder der Färbung der Federn beim Männchen von dem Weibchen bewundert worden zu sein. Die Thatsache, dass die Federn in sehr weit von einander verschiedenen Gruppen in einer analogen Art und Weise modificirt worden sind, hängt ohne Zweifel ursprünglich davon ab, dass alle Federn nahezu dieselbe Structur und Entwickelungsweise haben und folglich auch in einer und der nämlichen Art und Weise zu variiren neigen. Wir sehen oft eine Neigung zu analoger Variabilität in dem Gefieder unserer domesticirten Vogelrassen, welche zu verschiedenen Species gehören. So sind Federbüsche bei mehreren Species aufgetreten. Bei einer ausgestorbenen Varietät des Truthahns bestand der Federstutz aus nackten Schäften, welche von dunenartigen Fadenfedern überragt wurden, so dass diese in einem gewissen Grade den spatelförmigen, oben beschriebenen Federn ähnlich wurden. Bei gewissen Rassen der Taube und [68] des Huhns sind die Federn fadenförmig, wobei die Schäfte eine gewisse Neigung haben, nackt zu werden. Bei der Sebastopolgans sind die Schulternfedern bedeutend verlängert, gekräuselt oder selbst spiral gedreht und haben fadige Ränder.[72]

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Fig. 47. Paradisea Papuana (T. W. Wood).

Es braucht hier kaum irgend etwas über die Färbung gesagt zu werden, denn Jedermann weiss, wie glänzend die Farben der Vögel und wie harmonisch sie mit einander verbunden sind. Die Farben sind oft metallisch und iridescirend. Kreisförmige Flecke werden zuweilen [69] von einer oder mehreren verschieden schattirten Zonen umgeben und werden hierdurch in Augenflecke verwandelt. Auch braucht nicht viel über die wunderbaren Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern vieler Vögel gesagt zu werden. Der gemeine Pfauhahn bietet hier ein auffallendes Beispiel dar. Weibliche Paradiesvögel sind düster

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Fig. 48. Lophornis ornatus, Männchen und Weibchen (aus Brehm, Thierleben).

gefärbt und entbehren aller Ornamente, während die Männchen wahrscheinlich die am allermeisten unter allen Vögeln und in so verschiedenen Weisen geschmückte Vögel sind, dass man sie sehen muss, um Alles würdigen zu können. Die verlängerten und goldig-orangenen Schmuckfedern, welche von unterhalb der Flügel der Paradisea apoda [70] entspringen, werden, wenn sie senkrecht aufgerichtet und zum Schwingen gebracht werden, als eine Art von Hof beschrieben, in dessen Mittelpunkt der Kopf „wie eine kleine smaragdene Sonne erscheint, deren Strahlen von den beiden Schmuckfedern gebildet werden“.[73] In einer andern ausserordentlich schönen Species ist der Kopf kahl und „von einem reichen Kobaltblau mit mehreren Querreihen von schwarzen, sammetartigen Federn“.[74]

Männliche Colibri’s (Fig. 48 und 49) überbieten beinahe die Paradiesvögel in ihrer Schönheit, wie Jeder zugeben wird, welcher die prächtigen Abbildungen von Mr. Gould oder seine reiche Sammlung gesehen hat. Es ist sehr merkwürdig, in wie vielen verschiedenartigen Weisen diese Vögel verziert sind. Es ist beinahe von jedem Theile des Gefieders Vortheil gezogen worden durch besondere Modification desselben, und die Modificationen sind, wie mir Mr. Gould gezeigt hat, in einigen Arten fast aus jeder Untergruppe zu einem wunderbaren Extreme getrieben. Derartige Fälle sind denen merkwürdig gleich, welche wir bei unsern Liebhaberrassen sehen, welche der Mensch nur des Schmuckes wegen züchtet: gewisse Individuen variirten ursprünglich in einem Merkmale und andere Individuen, welche zu einer und derselben Species gehörten, in andern Merkmalen, und diese hat dann der Mensch aufgegriffen und bis zu einem extremen Punkte gehäuft. So geschah es mit dem Schwanze der Pfauentaube, der Haube des Jacobiners, dem Schnabel und den Fleischlappen der Botentaube u. s. w. Die einzige Verschiedenheit zwischen diesen Fällen ist die, dass bei den einen die Entwickelung derartiger Merkmale das Resultat der vom Menschen ausgeübten Zuchtwahl ist, während sie in den andern, wie bei Colibri’s, Paradiesvögeln u. s. w. eine Folge geschlechtlicher Zuchtwahl, d. h. der vom Weibchen vollzogenen Wahl der schöneren Männchen ist.

Ich will nur noch einen andern Vogel erwähnen, welcher wegen des ausserordentlichen Contrastes in der Farbe zwischen den beiden Geschlechtern merkwürdig ist, nämlich den berühmten Glöckner (Chasmorhynchus niveus) von Südamerica, dessen Stimme in einer Entfernung von drei Meilen (miles) unterschieden werden kann und [71] einen Jeden, der sie zuerst hört, in Erstaunen setzt. Das Männchen ist rein weiss, während das Weibchen schmutzig-grün ist, und die erstere Färbung ist bei Landvögeln mässiger Grösse und von nicht aggressiven Gewohnheiten sehr selten. Auch hat das Männchen, wie Waterton beschrieben hat, ein spirales Rohr, welches beinahe drei

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Fig. 49. Spathura Underwoodi, Männchen und Weibchen (aus Brehm, Thierleben).

Zoll lang ist und von der Basis des Schnabels entspringt. Es ist tief schwarz und über und über mit kleinen dunigen Federn bedeckt. Dieses Rohr kann mit Luft durch eine Communication mit dem Gaumen aufgeblasen werden, und wenn es nicht aufgeblasen ist, hängt es an der einen Seite herab. Die Gattung besteht aus vier Species, deren [72] Männchen sehr verschieden sind, während die Weibchen, nach der Beschreibung von Mr. Sclater in einem äusserst interessanten Aufsatze, einander ausserordentlich ähnlich sind und hierdurch ein vorzügliches Beispiel der allgemeinen Regel darbieten, dass innerhalb einer und derselben Gruppe die Männchen viel mehr von einander verschieden sind als die Weibchen. In einer zweiten Art (C. nudicollis) ist das Männchen gleichfalls schneeweiss mit Ausnahme eines grossen Fleckes nackter Haut an der Kehle und rund um die Augen, welcher während der Paarungszeit von schöner grüner Farbe ist. In einer dritten Art (C. tricarunculatus) sind nur der Kopf und Hals des Männchens weiss, der übrige Körper ist kastanienbraun; auch ist das Männchen dieser Species mit drei fadenförmigen Vorsprüngen versehen, welche halb so lang als der Körper sind und von denen der eine von der Basis des Schnabels und die beiden andern von den Mundwinkeln entspringen.[75]

Das gefärbte Gefieder und gewisse andere Ornamente der Männchen im erwachsenen Zustande werden entweder für das Leben beibehalten oder periodisch während des Sommers und der Paarungszeit erneuert. Um diese Zeit wechseln der Schnabel und die nackte Haut um den Kopf häufig ihre Farben, wie es der Fall ist bei einigen Reihern, Ibissen, Möven, einem der eben erwähnten Glöckner u. s. w. Bei dem weissen Ibis werden die Wangen, die ausdehnbare Haut der Kehle und der basale Theil des Schnabels carmoisinroth.[76] Bei einer der Rallen (Gallicrex cristatus) entwickelt sich während derselben Zeit eine grosse rothe Carunkel am Kopfe des Männchens. Dasselbe ist mit einem dünnen hornigen Kamme auf dem Schnabel eines Pelikans (P. erythrorhynchus) der Fall; denn nach der Paarungszeit werden diese Hornkämme abgeworfen wie die Hörner von den Köpfen der Hirsche; und das Ufer einer Insel in einem See in Nevada fand man mit diesen merkwürdigen Resten ganz bedeckt.[77]

Veränderungen der Farbe im Gefieder je nach der Jahreszeit hängen erstens von einer doppelten jährlichen Mauserung, zweitens von einer wirklichen Veränderung der Farbe in den Federn selbst und [73] drittens davon ab, dass die dunkler gefärbten Ränder periodisch abgestossen werden, oder dass diese drei Vorgänge sich mehr oder weniger combiniren. Das Abstossen der hinfälligen Ränder lässt sich mit dem Abstossen des Dunenkleides bei sehr jungen Vögeln vergleichen, denn die Dunen entstehen in den meisten Fällen von den Spitzen der ersten wirklichen Federn.[78]

Was die Vögel betrifft, welche jährlich einer zweimaligen Mauserung unterliegen, so gibt es erstens einige Arten, z. B. Schnepfen, Brachschwalben (Glareolae) und Brachschnepfen, bei welchen die beiden Geschlechter einander ähnlich sind und die Farbe zu keiner Zeit verändern. Ich weiss nicht, ob das Wintergefieder dicker und wärmer ist als das Sommergefieder, was, wenn keine Farbenveränderung eintritt, die wahrscheinliche Ursache der doppelten Mauserung ist. Zweitens gibt es auch Vögel, z. B. gewisse Species von Totanus und andern Wadvögeln, deren Geschlechter einander gleichen, aber deren Sommergefieder in unbedeutendem Grade von dem Wintergefieder verschieden ist. Indessen ist die Verschiedenheit der Farbe in diesen Fällen so unbedeutend, dass sie kaum ein Vortheil für die Vögel sein kann, und sie lässt sich vielleicht der directen Einwirkung der umgebenden Bedingungen zuschreiben, welchen die Vögel während der beiden verschiedenen Jahreszeiten ausgesetzt sind. Drittens gibt es viele andere Vögel, bei welchen die Geschlechter gleich sind, welche aber in ihrem Sommer- und Wintergefieder sehr verschieden sind. Viertens gibt es Vögel, deren Geschlechter in der Farbe von einander abweichen. Obgleich aber die Weibchen sich zweimal mausern, behalten sie doch dieselbe Färbung das ganze Jahr hindurch, während die Männchen eine Veränderung erleiden und zuweilen, wie bei gewissen Trappen, sogar eine grosse Veränderung in ihrer Färbung zeigen. Fünftens und letztens gibt es Vögel, deren Geschlechter sowohl im Winter- als im Sommergefieder von einander verschieden sind; aber das Männchen unterliegt einer grösseren Veränderung als das Weibchen bei jeder der wiederholt abwechselnd eintretenden Jahreszeiten, wofür der Kampfläufer (Machetes pugnax) ein gutes Beispiel darbietet.

Was die Ursache oder den Zweck der Verschiedenheiten in der Färbung zwischen dem Sommer- und Wintergefieder betrifft, so können [74] dieselben in einigen Fällen, wie bei dem Schneehuhn,[79] während beider Jahreszeiten zum Schutz dienen. Ist die Verschiedenheit zwischen den beiden Gefiedern unbedeutend, so kann sie vielleicht, wie bereits bemerkt, der directen Wirkung der Lebensbedingungen zugeschrieben werden; aber bei vielen Vögeln lässt sich kaum daran zweifeln, dass das Sommergefieder zum Schmucke dient, selbst dann, wenn beide Geschlechter einander gleich sind. Wir können wohl annehmen, dass dies bei vielen Reihern, Silberreihern u. s. w. der Fall ist, denn sie erhalten ihre schönen Schmuckfedern nur während der Paarungszeit. Ueberdies sind derartige Schmuckfedern, Federstütze u. s. w., wenn sie auch beide Geschlechter besitzen, doch gelegentlich beim Männchen etwas stärker entwickelt als beim Weibchen und sie sind den Federn und andern Zierathen ähnlich, welche nur die Männchen bei andern Vögeln besitzen. Es ist auch bekannt, dass Gefangenschaft dadurch, dass sie das Reproductivsystem männlicher Vögel afficirt, häufig die Entwickelung ihrer secundären Sexualcharactere hemmt, aber keinen unmittelbaren Einfluss auf irgend ein anderes Merkmal hat; auch hat mir Mr. Bartlett mitgetheilt, dass acht oder neun Exemplare von Tringa Canutus ihr schmuckloses Wintergefieder im zoologischen Garten das ganze Jahr hindurch behielten, aus welcher Thatsache wir schliessen können, dass das Sommergefieder, wenn es auch beiden Geschlechtern gemein ist, dieselbe Bedeutung für diese Vögel hat wie das ausschliesslich männliche Gefieder vieler andern Vögel.[80]

Aus den vorstehenden Thatsachen und ganz besonders aus der, dass bei gewissen Vögeln keines der beiden Geschlechter während beider jährlicher Mauserungen die Farbe irgendwie oder nur so unbedeutend verändert, dass diese Aenderung ihnen kaum von irgendwelchem [75] Nutzen sein kann, und daraus, dass die Weibchen anderer Species zwar sich zweimal mausern, aber doch das ganze Jahr hindurch dieselben Farben beibehalten, können wir schliessen, dass die Gewohnheit sich im Jahre zweimal zu mausern nicht deshalb erlangt worden ist, dass das Männchen während der Paarungszeit einen ornamentalen Character erhalten soll; wir werden vielmehr zu der Annahme geführt, dass die doppelte Mauserung, welche ursprünglich zu irgend einem bestimmten Zwecke erlangt worden ist, später dazu benutzt wurde, in gewissen Fällen den Vögeln durch Erlangung eines Hochzeitsgefieders einen Vortheil zu gewähren.

Es scheint auf den ersten Blick ein überraschender Umstand zu sein, dass bei nahe verwandten Vögeln einige Species regelmässig eine zweimalige jährliche Mauserung erleiden und andere nur eine einzige. Das Schneehuhn mausert sich z. B. zwei oder selbst drei Mal im Jahre und das Birkhuhn nur einmal. Einige der glänzend gefärbten Honigvögel (Nectariniae) von Indien und einige Untergattungen dunkel gefärbter Pieper (Anthus) haben eine doppelte Mauserung, während andere nur eine einmalige im Jahre haben.[81] Aber die Abstufungen in der Art und Weise der Mauserung, welche bei verschiedenen Vögeln bekanntlich vorkommen, zeigen uns, wie Species oder ganze Gruppen von Species ursprünglich ihre doppelte jährliche Mauserung erhalten haben dürften oder wie sie dieselbe, nachdem sie sie früher einmal erlangt hatten, wieder verloren haben. Bei gewissen Trappen und Regenpfeifern ist die Frühjahrsmauserung durchaus nicht vollständig; einige Federn werden erneuert und einige in der Farbe verändert. Wir haben auch Grund zu vermuthen, dass bei gewissen Trappen und rallenartigen Vögeln, welche eigentlich eine doppelte Mauserung erleiden, einige der älteren Männchen ihr Hochzeitsgefieder das ganze Jahr hindurch behalten. Einige wenige bedeutend modificirte Federn können während des Frühjahrs allein dem Gefieder hinzugefügt werden, wie es mit den scheibenförmigen Schwanzfedern gewisser Drongos (Bhringa) in Indien und mit den verlängerten Federn am Rücken, Halse und mit dem Federkamme gewisser Reiher der Fall ist. Durch derartige Stufen kann die Frühjahrsmauserung immer vollständiger gemacht worden sein, bis eine vollkommene doppelte Mauserung erreicht [76] wurde. Einige Paradiesvögel behalten ihre Hochzeitsfedern das ganze Jahr hindurch, haben daher nur eine einfache Mauserung; andere werfen sie unmittelbar nach der Brütezeit ab, haben daher eine doppelte Mauserung, und noch andere werfen sie in dieser Zeit nur während des ersten Jahres ab, aber später nicht mehr; diese letztern Arten stehen daher in Bezug auf die Art ihrer Mauserung gerade in der Mitte. Es besteht auch bei vielen Vögeln ein grosser Unterschied in der Länge der Zeit, während welcher jedes der beiden jährlichen Gefieder beibehalten wird, so dass das eine endlich das ganze Jahr hindurch behalten wird, während das andere vollständig verloren geht. So behält der Machetes pugnax seinen Kragen im Frühjahre kaum zwei Monate lang. Der männliche Wittwenvogel (Chera progne) erhält in Natal sein schönes Gefieder und seine langen Schwanzfedern im December oder Januar und verliert sie im März, so dass sie nur während ungefähr dreier Monate behalten werden. Die meisten Species, welche eine doppelte Mauserung erleiden, behalten ihre ornamentalen Federn ungefähr sechs Monate lang. Indessen behält das Männchen des wilden Gallus bankiva seine Hals-Sichelfedern neun oder zehn Monate lang und wenn diese abgeworfen werden, treten die darunter liegenden schwarzen Federn am Halse völlig sichtbar hervor. Aber bei den domesticirten Nachkommen dieser Art werden die Hals-Sichelfedern sofort durch neue wieder ersetzt, so dass wir hier in Bezug auf einen Theil des Gefieders sehen, wie eine doppelte Mauserung durch den Einfluss der Domestication in eine einfache Mauserung umgewandelt worden ist.[82]

Der gemeine Enterich (Anas boschas) verliert bekanntlich nach der Paarungszeit sein männliches Gefieder für eine Zeit von drei Monaten, während welcher Zeit er das Gefieder des Weibchens annimmt. Die männliche Spiessente (Anas acuta) verliert ihr Gefieder für eine [77] kürzere Zeit, nämlich für sechs Wochen oder zwei Monate, und Montagu bemerkt, dass „diese doppelte Mauserung innerhalb einer so kurzen Zeit ein äusserst merkwürdiger Umstand ist, welcher allem menschlichen Nachdenken Trotz zu bieten scheint“. Wer aber an die allmähliche Modification der Arten glaubt, wird durchaus nicht überrascht sein, Abstufungen aller Arten zu finden. Sollte die männliche Spiessente ihr neues Gefieder innerhalb einer noch kürzeren Zeit erhalten, so würden die neuen männlichen Federn beinahe nothwendig mit den alten sich vermischen und beide wieder mit einigen, die dem Weibchen eigenthümlich sind; und dies ist allem Anscheine nach bei dem Männchen eines in nicht sehr entferntem Grade mit jenen verwandten Vogels, nämlich bei dem des Merganser serrator, der Fall. Denn hier sagt man, dass die Männchen „eine Veränderung des Gefieders erleiden, welche sie in einem gewissen Maasse den Weibchen ähnlich macht“. Durch eine unbedeutend weitergehende Beschleunigung des Vorgangs würde die doppelte Mauserung vollständig verloren gehen.[83]

Einige männliche Vögel werden, wie früher schon angegeben, im Frühjahre heller gefärbt, nicht durch eine Frühlingsmauserung, sondern entweder durch eine wirkliche Veränderung der Farbe in den Federn oder durch das Abstossen der dunkel gefärbten hinfälligen Ränder derselben. Die hierdurch verursachte Aenderung der Farbe kann eine längere oder kürzere Zeit andauern. Bei dem Pelecanus onocrotalus breitet sich ein schöner rosiger Hauch über das ganze Gefieder im Frühlinge aus, wobei citronengefärbte Flecke auf der Brust auftreten. Diese Färbungen halten aber, wie Mr. Sclater anführt, „nicht lange an, sondern verschwinden allgemein in ungefähr sechs Wochen oder zwei Monaten, nachdem sie erlangt worden sind“. Gewisse Finken stossen die Ränder ihrer Federn im Frühlinge ab und werden hierdurch heller gefärbt, während andere Finken keine Veränderung dieser Art erleiden. So bietet die Fringilla tristis der Vereinigten Staaten (ebenso wie viele andere americanische Species) ihre hellen Farben nur dar, wenn der Winter vorüber ist, während unser Stieglitz, welcher jenen Vogel in der Lebensweise genau repräsentirt, und unser Zeisig, welcher demselben der Structur nach noch näher entspricht, [78] keine derartige Veränderung erleiden. Aber eine Verschiedenheit dieser Art im Gefieder verwandter Species ist nicht überraschend; denn bei dem gemeinen Hänfling, welcher zu derselben Familie gehört, zeigt sich die carmoisine Stirn und Brust in England nur während des Sommers, während diese Farben in Madeira das ganze Jahr hindurch behalten werden.[84]

Entfaltung des Gefieders seitens der Männchen. — Die männlichen Vögel entfalten eifrigst Zierathen aller Arten, mögen diese nun permanent oder nur zeitweise erlangt sein; und diese Ornamente dienen allem Anscheine nach dazu, die Weibchen aufzuregen oder anzuziehen oder zu bezaubern. Die Männchen entfalten aber auch diese Zierathen zuweilen, wenn sie sich nicht in der Gegenwart der Weibchen befinden, wie es gelegentlich mit den Waldhühnern auf ihren Balzplätzen geschieht und wie man auch bei dem Pfauhahne beobachten kann. Indessen wünscht dieser letztere Vogel sich offenbar irgend einen Zuschauer und zeigt selbst häufig seinen Schmuck, wie ich selbst oft gesehen habe, vor Hühnern, ja selbst vor Schweinen.[85] Alle Naturforscher, welche die Lebensweise der Vögel, gleichviel ob im Naturzustande oder in der Gefangenschaft, aufmerksam beobachtet haben, sind einstimmig der Ansicht, dass die Männchen ein Vergnügen darin finden, ihre Schönheit zu entfalten. Audubon spricht häufig von den Männchen, als versuchten sie in verschiedenen Weisen das Weibchen zu bezaubern. Mr. Gould beschreibt einige Eigenthümlichkeiten bei einem männlichen Colibri und fährt dann fort, er zweifle nicht, dass er das Vermögen habe, diese Eigenthümlichkeiten auf das Vortheilhafteste vor dem Weibchen zu entfalten. Dr. Jerdon betont,[86] dass das schöne Gefieder des Männchens dazu diene, „das Weibchen zu bezaubern und anzuziehen“. Mr. Bartlett im zoologischen Garten drückt sich in demselben Sinne auf das Allerentschiedenste aus.

Es muss ein grossartiger Anblick sein in den Wäldern von Indien, [79] plötzlich auf zwanzig oder dreissig Pfauhennen zu stossen, vor denen die Männchen ihre prachtvollen Behänge entfalten und in allem Prunke „ihres Stolzes vor den befriedigten Weibchen herumstolziren“. Der wilde Truthahn richtet sein glitzerndes Gefieder auf, breitet seinen schön gebänderten Schwanz und seine quergestreiften Flügelfedern aus und bietet im Ganzen mit seinen prachtvollen carmoisinen und blauen Fleischlappen eine prächtige, wenn auch für unsere Augen groteske Erscheinung dar. Aehnliche Thatsachen sind bereits in Bezug auf die

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Fig. 50. Rupicola crocea, Mannchen (T. W. Wood).

Waldhühner verschiedener Arten mitgetheilt worden. Wenden wir uns zu einer andern Ordnung: die männliche Rupicola crocea (Fig. 50) ist einer der schönsten Vögel in der Welt, nämlich von einem glänzenden Orange, wobei einige Federn merkwürdig abgestutzt sind und fadig auseinandergehen. Das Weibchen ist bräunlich-grün mit Roth schattirt und hat einen viel kleineren Federkamm. Sir R. Schomburgk hat ihre Bewerbung beschrieben. Er fand einen ihrer Versammlungsplätze, wo zehn Männchen und zwei Weibchen gegenwärtig waren. Der Platz war von vier bis fünf Fuss im Durchmesser und erschien so, als ob [80] er durch menschliche Hände von jedem Grashalm gereinigt und niedergeglättet wäre. Eines der Männchen „hüpfte herum, offenbar zum Entzücken mehrerer anderer. Jetzt breitete es seine Flügel aus, warf seinen Kopf in die Höhe oder öffnete seinen Schwanz wie einen Fächer, jetzt stolzirte es herum mit einem hüpfenden Gange, bis es ermüdet war, wo es eine Art von Gesang anstimmte und von einem andern Männchen abgelöst wurde. So traten drei von ihnen nach einander auf die Bühne und zogen sich dann mit Selbstzufriedenheit zu den andern zurück“. Die Indianer warten, um ihre Bälge zu erhalten, an einem dieser Versammlungsplätze, bis die Vögel eifrig mit Tanzen beschäftigt sind, und sind dann im Stande, mit ihren vergifteten Pfeilen vier oder fünf Männchen eines nach dem andern zu tödten.[87] Von den Paradiesvögeln versammeln sich ein Dutzend oder noch mehr im vollen Gefieder befindlicher Männchen auf einem Baume, um, wie es die Eingeborenen nennen, eine Tanzgesellschaft abzuhalten, und hier scheint der ganze Baum, wie Mr. Wallace bemerkt, von dem Umherfliegen der Vögel, dem Erheben ihrer Flügel, dem Auf- und Abschwingen ihrer ausgezeichneten Schmuckfedern und dem Erzittern derselben, als sei er mit schwingenden Federn erfüllt. Wenn sie hiermit beschäftigt sind, so werden sie so davon absorbirt, dass ein geschickter Bogenschütze fast die ganze Gesellschaft schiessen kann. Werden diese Vögel in Gefangenschaft auf dem malayischen Archipel gehalten, so sollen sie auf das Reinhalten ihrer Federn sehr viel Sorgfalt verwenden, breiten sie oft aus, untersuchen sie und entfernen jedes Pünktchen Schmutz. Ein Beobachter, welcher mehrere Paare lebend hielt, zweifelte nicht daran, dass die Entfaltung des Männchens dazu bestimmt war, dem Weibchen zu gefallen.[88]

Der Goldfasan und der Amherstfasan breiten nicht bloss während ihrer Brautwerbung ihre prächtigen Halskragen aus und erheben sie, sondern wenden sie auch, wie ich selbst gesehen habe, schräg gegen das Weibchen hin, auf welcher Seite dieses auch stehen mag, offenbar damit eine grössere Fläche davon vor demselben entfaltet werde.[89] [81] Auch wenden sie ihre schönen Schwänze und Schwanzdeckfedern etwas nach dieser Seite hin. Mr. Bartlett hat ein männliches Polyplectron (Fig. 51) im Acte der Brautwerbung beobachtet und hat mir ein Exemplar gezeigt, welches in der Stellung ausgestopft wurde, die es

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Fig. 51. Polyplectron chinguis, Männchen (T. W. Wood).

bei jenem Acte einnahm. Der Schwanz und die Flügelfedern dieses Vogels sind mit wunderschönen Augenflecken verziert, ähnlich denen auf dem Schwanze des Pfauhahns. Wenn nun der Pfauhahn sich präsentirt, so breitet er den Schwanz aus und richtet ihn quer zu [82] seinem Körper in die Höhe, denn er steht vor dem Weibchen und hat zu derselben Zeit seine lebhaft gefärbte blaue Kehle und Brust zu zeigen. Aber die Brust des Polyplectron ist dunkel gefärbt und die Augenflecke sind nicht auf die Schwanzfedern beschränkt. In Folge dessen steht das Polyplectron nicht vor dem Weibchen, sondern es richtet seine Schwanzfedern etwas schräg auf und breitet sie in dieser Richtung aus, wobei es auf derselben Seite auch den Flügel ausbreitet und den der entgegengesetzten Seite erhebt. In dieser Stellung sind vor den Augen des bewundernden Weibchens die Augenflecke über den ganzen Körper in einer grossen flitternden Fläche entwickelt. Auf welche Seite sich auch das Weibchen wenden mag, die ausgebreiteten Flügel und der schräg gehaltene Schwanz werden nach ihm hin gedreht. Der männliche Tragopan-Fasan handelt fast in derselben Weise; denn er richtet die Federn seines Körpers in die Höhe, wenn auch nicht gerade den Flügel selbst, und zwar auf der Seite, welche der entgegengesetzt ist, wo das Weibchen sich findet, und welche daher sonst nicht gesehen würde, so dass fast alle die schön gefleckten Federn zu einer und derselben Zeit gezeigt werden.

Der Argusfasan bietet einen noch viel merkwürdigeren Fall dar. Die ungeheuer entwickelten Schwungfedern zweiter Ordnung, welche auf das Männchen beschränkt sind, sind mit einer Reihe von zwanzig bis dreiundzwanzig Augenflecken verziert, jeder über einen Zoll im Durchmesser haltend. Diese Federn sind auch elegant mit schrägen dunklen Streifen und Reihen von Flecken gezeichnet, ähnlich denen an der Haut des Tigers und eines Leoparden in Verbindung. Diese schönen Zierathen sind verborgen, bis sich das Männchen vor dem Weibchen sehen lässt. Es richtet dann seinen Schwanz auf und breitet seine Schwungfedern zu einem grossen, beinahe aufrechten kreisförmigen Fächer oder Schild aus, welcher vor dem Körper gehalten wird. Der Hals und Kopf werden auf einer Seite gehalten, so dass sie vom Fächer verdeckt sind; um aber das Weibchen, vor welchem er paradirt, zu sehen, steckt der Vogel zuweilen seinen Kopf (wie Mr. Bartlett beobachtet hat) zwischen zweien seiner langen Schwungfedern durch und bietet dann einen grotesken Anblick dar. Im Naturzustande muss dies bei diesem Vogel eine häufig geübte Gewohnheit sein; denn als Mr. Bartlett und sein Sohn mehrere aus Indien geschickte vollkommene Bälge untersuchten, fanden sie eine Stelle zwischen zwei solchen Federn, die bedeutend berieben war, als wenn hier der Kopf [83] oft durchgesteckt worden wäre. Mr. Wood glaubt auch, dass das Männchen von der Seite her über den Rand des Fächers nach dem Weibchen hinschielen könne.

Die Augenflecke auf den Schwungfedern sind wunderbare Objecte; sie sind so schattirt, dass, wie der Herzog von Argyll bemerkt,[90] sie

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Fig. 52. Seitenansicht eines männlichen Argusfasans, während er sein Gefieder vor dem Weibchen entfaltet. Nach der Natur beobachtet und skizzirt von T. W. Wood.

wie eine lose in einer Aushöhlung liegende Kugel erscheinen. Als ich das Exemplar im British Museum mir betrachtete, welches mit ausgebreiteten und abwärts hängenden Flügeln ausgestopft ist, war ich [84] indessen sehr enttäuscht, denn die Augenflecken erscheinen flach oder selbst concav. Doch erklärte mir Mr. Gould die Sache sehr bald, denn er hielt die Federn aufrecht, in der Stellung, in welcher sie naturgemäss entfaltet werden würden; sobald nun das Licht von oben auf sie fällt, gleicht jeder Augenfleck sofort jenem ornamentalen Motive, das man Kugel- und Sockel-Verzierung nennt. Diese Federn sind mehreren Künstlern gezeigt worden, und alle haben ihre Bewunderung über die vollkommene Schattirung ausgedrückt. Man darf wohl fragen, ob solche künstlerisch schattirte Verzierungen durch die Thätigkeit der geschlechtlichen Zuchtwahl gebildet sein können. Es wird aber zweckmässig sein, die Antwort auf diese Frage bis dahin zu verschieben, wenn wir im nächsten Capitel von dem Principe der stufenweisen Entwickelung sprechen.

Die vorstehenden Bemerkungen beziehen sich auf die Schwungfedern zweiter Ordnung; aber die Schwungfedern erster Ordnung, welche bei den meisten hühnerartigen Vögeln gleichförmig gefärbt sind, stellen beim Argusfasan nicht weniger wundervolle Objecte dar. Sie sind von einer weichen, braunen Färbung mit zahlreichen dunklen Flecken, von denen jeder aus zwei oder drei schwarzen Flecken mit einer umgebenden dunklen Zone besteht. Aber die hauptsächlichste Verzierung besteht in einem parallel dem dunkelblauen Schafte laufenden Raume, welcher in seiner Contour eine vollkommene zweite Feder darstellt, welche innerhalb der wahren Feder drin liegt. Dieser innere Theil ist heller kastanienbraun gefärbt und ist dicht mit äusserst kleinen weissen Punkten gefleckt. Ich habe diese Feder mehreren Personen gezeigt, und viele haben sie selbst noch mehr bewundert als die Kugel- und Sockel-Federn und haben erklärt, dass sie mehr einem Kunstwerke als einem Naturgegenstande gliche. Diese Federn werden nun bei allen gewöhnlichen Veranlassungen gänzlich verborgen, werden aber, zusammen mit den langen Federn der zweiten Ordnung, vollständig entfaltet, wobei sie sämmtlich zusammen so ausgebreitet werden, dass sie einen grossen Fächer oder ein grosses Schild bilden.

Der Fall bei dem männlichen Argusfasan ist ausserordentlich interessant, weil er einen guten Beleg dafür darbietet, dass die raffinirteste Schönheit nur als Reizmittel für das Weibchen dienen kann und zu keinem andern Zwecke. Dass dies der Fall ist, müssen wir daraus folgern, dass die Schwungfedern erster Ordnung niemals entfaltet [85] werden und die Kugel- und Sockel-Verzierung niemals in ganzer Vollkommenheit gezeigt wird, ausgenommen, wenn das Männchen die Stellung der Brautwerbung annimmt. Der Argusfasan besitzt keine brillanten Farben, so dass sein Erfolg bei der Bewerbung von der bedeutenden Grösse seiner Zierfedern abgehangen zu haben scheint, ebenso wie von der Ausführung der elegantesten Zeichnungen. Viele werden erklären, dass es vollkommen unglaublich ist, dass ein weiblicher Vogel im Stande sein sollte, feine Schattirungen und ausgezeichnete Zeichnungen zu würdigen. Es ist zweifellos eine merkwürdige Thatsache, dass das Weibchen diesen beinahe menschlichen Grad von Geschmack besitzen soll. Wer der Ansicht ist, mit Sicherheit die Unterscheidungskraft und den Geschmack der niederen Thiere abschätzen zu können, mag läugnen, dass der weibliche Argusfasan solche ausgesuchte Schönheit würdigen könne; er wird aber dann gezwungen sein zuzugeben, dass die ausserordentlichen Stellungen, welche das Männchen während des Actes der Bewerbung annimmt und durch welche die wunderbare Schönheit seines Gefieders vollständig zur Entfaltung kommt, zwecklos sind, und dies ist eine Schlussfolgerung, welche ich für meinen Theil wenigstens niemals zugeben kann.

Obgleich so viele Fasanen und verwandte hühnerartige Vögel sorgfältig ihr schönes Gefieder vor den Weibchen entfalten, so ist es doch merkwürdig, dass dies, wie mir Mr. Bartlett mittheilt, bei den trübe gefärbten Ohren- und Wallich'schen Fasanen (Crossoptilon auritum und Phasianus Wallichii) nicht der Fall ist; es scheinen daher diese Vögel sich dessen bewusst zu sein, dass sie wenig Schönheit zu entfalten im Stande sind. Mr. Bartlett hat niemals gesehen, dass die Männchen einer dieser beiden Species mit einander kämpften, obschon er nicht so gute Gelegenheit gehabt hat, den Wallich'schen Fasan zu beobachten als den Ohrenfasan. Auch findet Mr. Jenner Weir, dass alle männlichen Vögel mit reichem oder scharf characterisirtem Gefieder streitsüchtiger sind als die trübe gefärbten Arten, welche zu denselben Gruppen gehören. Der Stieglitz ist z. B. viel zanksüchtiger als der Hänfling, und die Amsel zanksüchtiger als die Drossel. Diejenigen Vögel, welche in den verschiedenen Jahreszeiten eine Veränderung des Gefieders erleiden, werden in der Periode, wo sie am lebhaftesten geziert sind, gleichfalls viel kampflustiger. Ohne Zweifel kämpfen auch die Männchen einiger dunkel gefärbten Vögel verzweifelt mit einander, aber es scheint doch, als ob in den Fällen, wo die geschlechtliche [86] Zuchtwahl von grossem Einflusse gewesen ist und den Männchen irgend einer Species helle Farben gegeben hat, dieselbe dann auch den Männchen eine starke Neigung zum Kämpfen verliehen hätte. Wir werden nahe analoge Fälle noch zu verzeichnen haben, wenn wir von den Säugethieren reden werden. Auf der andern Seite sind bei Vögeln das Vermögen des Gesangs und brillante Färbungen selten von den Männchen einer und derselben Species zusammen erlangt worden. In diesem Falle würde aber der dadurch erlangte Vortheil ganz genau derselbe gewesen sein, nämlich Erfolg beim Bezaubern des Weibchens. Nichtsdestoweniger muss zugegeben werden, dass die Männchen mehrerer brillant gefärbter Vögel ihre Farben speciell zu dem Zwecke modificirt haben, Instrumentalmusik hervorzubringen, obschon die Schönheit dieser letzteren, wenigstens unserem Geschmacke nach, nicht mit der Vocalmusik vieler Singvögel verglichen werden kann.

Wir wollen uns nun zu solchen männlichen Vögeln wenden, welche in keinem sehr hohen Grade verziert sind, welche aber doch nichtsdestoweniger während ihrer Brautwerbung das was sie nur irgend an Anziehungsmitteln besitzen, zur Entfaltung bringen. Diese Fälle sind in manchen Beziehungen noch merkwürdiger als die in dem Vorstehenden erörterten und sind nur wenig beachtet worden. Ich verdanke die folgenden Thatsachen, welche aus einer grossen Menge werthvoller, mir freundlichst mitgetheilter Notizen ausgezogen sind, der Güte des Mr. Jenner Weir, welcher lange Zeit Vögel vieler Arten, mit Einschluss aller britischen Fringilliden und Emberiziden, gehalten hat. Der Gimpel macht seine Annäherungsversuche, indem er vor dem Weibchen steht; dann bläst er seine Brust auf, so dass viel mehr von den carmoisinen Federn auf einmal zu sehen sind, als es sonst der Fall sein würde, und zu derselben Zeit dreht und biegt er seinen schwarzen Schwanz von der einen nach der andern Seite hin in einer lächerlichen Art und Weise. Auch der männliche Buchfink steht vor dem Weibchen und zeigt dabei seine rothe Brust und seinen aschblauen Kopf und Nacken. Die Flügel werden zu derselben Zeit leicht erhoben, wobei die rein weissen Binden auf den Schultern auffallender werden. Der gemeine Hänfling dehnt seine rosige Brust aus, erhebt leicht seine braunen Flügel und den Schwanz, so dass er durch Darstellung ihrer weissen Ränder sie offenbar noch am besten verwerthet. Wir müssen indessen vorsichtig sein, wenn wir schliessen wollen, dass die [87] Flügel nun zur Entfaltung ausgebreitet werden, da dies manche Vögel thun, deren Flügel nicht schön sind. Dies ist der Fall mit dem Haushahn, doch ist es hier stets der Flügel auf der dem Weibchen entgegengesetzten Seite, welcher ausgebreitet und gleichzeitig auf dem Boden hingefegt wird. Der männliche Stieglitz benimmt sich von allen andern Finken ganz verschieden. Seine Flügel sind schön, die Schultern sind schwarz und die schwarzspitzigen Flügelfedern mit Weiss gefleckt und mit Goldgelb gerändert. Wenn er dem Weibchen den Hof macht, schwingt er seinen Körper von der einen Seite nach der andern und dreht seine leicht ausgebreiteten Flügel schnell herum, zuerst auf die eine, dann auf die andere Seite, wobei ein goldener Glanz über sie fällt. Wie Mr. Weir mir mittheilt, dreht sich kein anderer britischer Finke während seiner Bewerbung in dieser Weise von Seite zu Seite, nicht einmal der nahe verwandte männliche Zeisig thut es, denn er würde dadurch nichts seiner Schönheit zufügen.

Die meisten der britischen Ammern sind einfach gefärbte Vögel. Im Frühjahre erhalten aber die Federn auf dem Kopfe des männlichen Rohrsperlings (Emberiza schoeniclus) eine schöne schwarze Farbe durch Abstossung der grauen Spitzen, und diese werden während des Actes der Bewerbung aufgerichtet. Mr. Weir hat zwei Arten von Amadina aus Australien gehalten. Die A. castanotis ist ein sehr kleiner und bescheiden gefärbter Finke mit einem dunklen Schwanze, weissem Rumpfe und glänzend schwarzen oberen Schwanzdeckfedern, von welchen letzteren jede einzelne mit drei grossen, auffallenden, ovalen, weissen Flecken gezeichnet ist.[91] Wenn das Männchen dieser Species das Weibchen umwirbt, breitet es leicht diese zum Theil gefärbten Schwanzdeckfedern aus und macht sie in einer sehr eigenthümlichen Weise erzittern. Die männliche Amadina Lathami benimmt sich sehr verschieden hiervon, indem sie ihre brillant gefärbte Brust und ihren scharlachenen Rumpf und die scharlachenen oberen Schwanzdeckfedern vor dem Weibchen entfaltet. Ich will hier nach Dr. Jerdon hinzufügen, dass der indische Bulbul (Pycnonotus haemorrhous) carmoisinrothe untere Schwanzdeckfedern hat, und die Schönheit dieser Federn kann, wie man denken möchte, niemals gut entfaltet werden. „Wird aber der Vogel erregt, so breitet er sie oft seitwärts aus, so dass [88] sie selbst von oben gesehen werden können“.[92] Die carmoisinrothen untern Schwanzdecken einiger anderer Vögel, so eines der Spechte, Picus major, können auch ohne eine derartige Entfaltung gesehen werden. Die gemeine Taube hat iridescirende Federn an der Brust, und ein Jeder muss ja gesehen haben, wie das Männchen seine Brust aufbläst, während es das Weibchen umwirbt, und dabei diese Federn auf das Vortheilhafteste zeigt. Eine der schönen bronzeflügeligen Tauben von Australien (Ocyphaps lophotes) benimmt sich, wie mir Mr. Weir es beschrieben hat, sehr verschieden. Während das Männchen vor dem Weibchen steht, senkt es seinen Kopf fast bis auf die Erde, breitet den Schwanz aus und erhebt ihn senkrecht und breitet auch seine Flügel halb aus. Es hebt dann abwechselnd den Körper in die Höhe und senkt ihn wieder langsam, so dass die iridescirenden metallisch glänzenden Federn alle auf einmal zu sehen sind und in der Sonne glitzern.

Es sind nun hinreichende Thatsachen mitgetheilt worden, welche zeigen, mit welcher Sorgfalt männliche Vögel ihre verschiedenen Reize entfalten und wie sie dies mit dem grössten Geschicke thun. Während sie ihre Federn ausputzen, haben sie häufig Gelegenheit, sich selbst zu bewundern und zu studiren, wie sie ihre Schönheit am besten darbieten können. Da aber sämmtliche Männchen einer und der nämlichen Species sich in genau derselben Art und Weise produciren, so scheint es, als seien doch vielleicht zuerst absichtliche Handlungen instinctive geworden. Wenn dies der Fall ist, so dürfen wir die Vögel nicht bewusster Eitelkeit beschuldigen; und doch scheint uns, wenn wir einen Pfauhahn mit ausgebreiteten und erzitternden Schwanzfedern umherstolziren sehen, derselbe das lebendige Abbild von Stolz und Eitelkeit zu sein.

Die verschiedenen Zierathen, welche die Männchen besitzen, sind gewiss von der grössten Bedeutung für dieselben, denn sie sind in einigen Fällen auf Kosten des bedeutend eingeschränkten Flug- oder Laufvermögens erlangt worden. Der africanische Ziegenmelker (Cosmetornis), welcher während der Paarungszeit eine seiner Schwungfedern erster Ordnung zu einem Fadenanhange von ausserordentlicher Länge entwickelt hat, wird hierdurch in seinem Fluge aufgehalten, obschon er zu andern Zeiten seiner Schnelligkeit wegen merkwürdig ist. Die [89] „ungeheure Grösse“ der Schwungfedern zweiter Ordnung des männlichen Argusfasan beraubt, wie man sagt, „den Vogel fast vollständig des Vermögens zu fliegen“. Die schönen Schmuckfedern männlicher Paradiesvögel stören sie während eines starken Windes. Die ausserordentlich langen Schwanzfedern der männlichen Wittwenvögel (Vidua) von Südafrica machen „ihren Flug schwer“, sobald dieselben aber abgeworfen sind, fliegen sie so gut wie die Weibchen. Da Vögel stets brüten, wenn die Nahrung reichlich vorhanden ist, so erleiden die Männchen wahrscheinlich nicht viel Unbequemlichkeiten beim Suchen von Nahrung in Folge ihres gehinderten Bewegungsvermögens. Es lässt sich aber kaum zweifeln, dass sie viel mehr der Gefahr ausgesetzt sind, von Raubvögeln ergriffen zu werden. Auch können wir daran nicht zweifeln, dass das lange Behänge des Pfauhahns und der lange Schwanz und die langen Schwungfedern des Argusfasans sie viel leichter zu einer Beute für irgend eine raubgierige Tigerkatze machen müssen, als es sonst der Fall wäre. Selbst die hellen Farben vieler männlichen Vögel müssen sie selbstverständlich für ihre Feinde aller Arten auffallender machen. Wahrscheinlich sind daher, wie Mr. Gould bemerkt hat, solche Vögel allgemein von einer scheuen Disposition, als ob sie sich dessen bewusst wären, dass ihre Schönheit eine Quelle der Gefahr für sie ist; auch sind sie viel schwerer zu entdecken und zu beschleichen als ihre dunkel gefärbten und vergleichsweise zahmen Weibchen oder als ihre jungen und noch nicht geschmückten Männchen.[93]

Es ist eine noch merkwürdigere Thatsache, dass die Männchen einiger Vögel, welche mit speciellen Waffen für den Kampf ausgerüstet und im Naturzustande so kampfsüchtig sind, dass sie oft einander tödten, darunter leiden, dass sie gewisse Zierathen besitzen. Kampfhahnzüchter stutzen die Sichelfedern und schneiden die Kämme und Fleischlappen ihrer Hähne ab, und dann, sagt man, sind die Vögel „abgestumpft“. Ein nichtgestumpfter (undubbed) Vogel ist, wie Mr. Tegetmeier betont, „in einem ungeheuren Nachtheile. Der Kamm und [90] die Fleischlappen bieten dem Schnabel seines Gegners einen leichten Halt dar, und da ein Hahn allemal schlägt wo er hält, wenn er einmal seinen Feind ergriffen hat, so hat er ihn dann vollständig in seiner Gewalt. Selbst angenommen, dass der Vogel nicht getödtet wird, so ist der Verlust an Blut, den ein nichtgestumpfter Hahn erleidet, viel bedeutender als der, welchem ein gestumpfter Hahn ausgesetzt ist“.[94] Junge Truthähne ergreifen während ihrer Kämpfe sich stets einander bei den Fleischlappen, und ich vermuthe, dass die alten Vögel in derselben Weise kämpfen. Man könnte vielleicht einwerfen, dass der Kamm und die Fleischlappen nicht zur Zierde dienen und den Vögeln auf diese Weise nicht von Nutzen sein können; aber selbst für unsere Augen wird die Schönheit des glänzend schwarzen spanischen Hahns durch sein weisses Gesicht und den carmoisinen Kamm bedeutend erhöht, und Jeder, der nur irgend einmal die glänzend blauen Fleischlappen des männlichen Tragopan-Fasans gesehen hat, wenn er sie während der Brautwerbung ausdehnt, kann auch nicht einen Moment zweifeln, dass das in ihrer Entwickelung verfolgte Ziel die Schönheit sei. Aus den vorstehend mitgetheilten Thatsachen sehen wir deutlich, dass die Zierfedern und andere Schmuckarten des Männchens von der grössten Bedeutung für dasselbe sein müssen; und wir sehen ferner, dass Schönheit in einigen Fällen selbst von grösserer Bedeutung ist als ein Erfolg beim Kampfe.


  1. Ibis. New Ser. Vol. III. (New Series.) 1867, p. 414.
  2. Gould, Handbook to the Birds of Australia. 1865. Vol. II, p. 383.
  3. Citirt von Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 29.
  4. Gould, a. a. O. p. 52.
  5. W. Thompson, Natur. Hist. of Ireland: Birds. Vol. II. 1850, p. 327.
  6. Jerdon, Birds of India. 1863. Vol. II, p. 96.
  7. Macgillivray, History of British Birds. Vol. IV. 1852, p. 177–181.
  8. Sir R. Schomburgk, in: Journal of R. Geograph. Soc. Vol. XIII. 1843, p. 31.
  9. Ornithological Biography. Vol. I, p. 191. Wegen der Pelicane und Becassinen s. ebenda. Vol. III, p. 381, 477.
  10. Gould, Handbook of Birds of Australia. Vol. I, p. 395. Vol. II, p. 383.
  11. Mr. Hewitt, in dem: Poultry Book by Tegetmeyer. 1866, p. 137.
  12. Layard, in: Ann. and Magaz. of Nat. Hist. Vol. XIV. 1854, p. 63.
  13. Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 574.
  14. Brehm, Illustrirtes Thierleben. 1867. Bd. 4, S. 351. Einige der oben mitgetheilten Angaben sind entnommen aus L. Lloyd, The Game Birds of Sweden etc. 1867, p. 79.
  15. Jerdon, Birds of India: über Ithaginis. Vol. III, p. 523; über Galloperdix, p. 541.
  16. In Bezug auf die ägyptische Gans s. Macgillivray, British Birds. Vol. IV, p. 639. Wegen Plectropterus s. Livingstone, Travels, p. 254. Wegen Palamedea s. Brehm's Thierleben. Bd. 4, S. 740. s. über diesen Vogel auch Azara, Voyage dans l'Amérique méridion. Tom. IV. 1809, p. 179, 253.
  17. s. über den Kibitz Mr. R. Carr in: Land and Water 8. Aug. 1868, p. 46. In Bezug auf Lobivanellus s. Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 647, und Gould, Handbook of Birds of Australia. Vol. II, p. 220. Wegen des Hoplopterus s. Mr. Allen, in: Ibis, Vol. V. 1863, p. 156.
  18. Audubon, Ornithological Biography. Vol. II, p. 492. Vol. I, p. 4–13.
  19. Mr. Blyth, in: Land and Water, 1867, p. 212.
  20. Richardson, über Tetrao umbellus, in: Fauna Bor. Amer.: Birds. 1831, p. 343. L. Lloyd, Game Birds of Sweden. 1867, p. 22, 79, über den Auer- und Birkhahn. Brehm führt indessen an (Thierleben u. s. w. Bd. 4, S. 352), dass in Deutschland die Birkhennen gewöhnlich beim Balzen der Birkhähne nicht zugegen sind; das ist aber eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel. Möglicherweise liegen die Hennen versteckt in den umgebenden Büschen, wie es bekanntlich bei den Birkhennen in Scandinavien und mit andern Arten in Nord-America der Fall ist.
  21. Ornithological Biography. Vol. II, p. 275.
  22. Brehm, Thierleben etc. Bd.4. 1867, S. 990. Audubon, Ornithological Biography. Vol. II, p. 492.
  23. Land and Water, 25. July, 1868, p. 14.
  24. Audubon’s Ornithological Biography: über Tetrao cupido, Vol. II, p. 492, über die Sturnella, Vol. II, p. 219.
  25. Ornithological Biography. Vol. V, p. 601.
  26. Daines Barrington, in: Philosophical Transactions, 1773, p. 252.
  27. Ornithological Dictionary. 1833, p. 475.
  28. Naturgeschichte der Stubenvögel. 1840, S. 4. Auch Mr. Harrison Weir schreibt mir: „Mir ist gesagt worden, dass die am besten singenden Männchen zuerst einen Genossen erhalten, wenn sie in demselben Zimmer gezüchtet worden sind.“
  29. Philosophical Transactions, 1773, p. 263. White, Natural History of Selborne, Vol. I. 1825. p. 246.
  30. Naturgeschichte der Stubenvögel. 1840, S. 252.
  31. Mr. Bold, in: Zoologist. 1843–44, p. 659.
  32. Daines Barrington, in: Philosoph. Transact. 1773, p. 262. Bechstein, Naturgeschichte der Stubenvögel. 1840, S. 4.
  33. Dies ist auch mit der Wasseramsel (Cinclus) der Fall. s. Mr. Hepburn in: Zoologist, 1844–46, p. 1068.
  34. L. Lloyd, Game Birds of Sweden. 1867, p. 25.
  35. Daines Barrington, a. a. O. p. 264. Bechstein, Stubenvögel. S. 5.
  36. Dureau de la Malle führt ein merkwürdiges Beispiel von einigen frei in seinem Garten in Paris lebenden Amseln an (Annal. des scienc. natur. 3. Sér. Zool. Tom. X, p. 118), welche von einem im Käfig gehaltenen Vogel ein republikanisches Lied lernten.
  37. Bishop, in: Todd’s Cyclopaedia of Anat. and Physiol. Vol. IV, p. 1496.
  38. Nach der Angabe von Barrington in den Philosoph. Transact. 1773, p. 262.
  39. Gould, Handbook to the Birds of Australia. Vol. I. 1865, p. 308–310. s. auch T. W. Wood, in dem „Student“, April, 1870, p. 125.
  40. s. Bemerkungen hierüber in: Gould, Introduction to the Trochilidae 1861, p. 22.
  41. Major W. Ross King, The Sportsman and Naturalist in Canada. 1866, p. 144–146. Mr. T. W. Wood gibt im „Student“ (April, 1876, p. 116) eine ausgezeichnete Schilderung der Stellungen und Gewohnheiten dieses Vogels während seiner Brautwerbung. Er führt an, dass die Ohrbüschel oder Halsschmuckfedern aufgerichtet werden, so dass sie sich oberhalb des Kopfes treffen, s. seine Abbildung, Fig. 39.
  42. Richardson, Fauna Bor. Americana: Birds. 1831, p. 359. Audubon, Ornitholog. Biograph. Vol. IV, p. 507.
  43. Die folgenden Aufsätze sind neuerdings über diesen Gegenstand geschrieben worden: Prof. A. Newton, in: „The Ibis“, 1862, p. 107. Dr. Cullen ebenda 1865, p. 145; Prof. Flower, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1865, p. 747, und Dr. Murie, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1868, p. 471. In dem letzterwähnten Aufsatze ist eine ausgezeichnete Abbildung der männlichen australischen Trappe in voller Entfaltung mit ausgedehntem Kehlsacke gegeben. Es ist eine eigenthümliche Thatsache, dass der Sack nicht bei allen Männchen derselben Species entwickelt ist.
  44. Bates, The Naturalist on the Amazons. 1863. Vol. II, p. 284. Wallace, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1850, p. 206. Neuerdings ist eine neue Species mit einem noch grösseren Halsanhange entdeckt worden (C. penduliger); s. Ibis, Vol. I. p. 457.
  45. Bishop, in: Todd’s Cyclopaedia of Anat. and Physiol. Vol. IV, p. 1499.
  46. Prof. Newton, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1871, p. 651.
  47. Der Löffelreiher (Platalea) hat eine in der Form einer Acht gewundene Luftröhre; und doch ist dieser Vogel stumm (s. Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 763). M. Blyth theilt mir aher mit, dass diese Windungen nicht immer vorhanden sind, so dass sie vielleicht jetzt auf dem Wege sind zu verschwinden.
  48. Rud. Wagner, Lehrbuch der Anatomie der Wirbelthiere. 1843. S. 128. In Bezug auf die Angabe vom Schwan s. Yarrell, History of Brit. Birds. 2. edit. 1845. Vol. III, p. 193.
  49. C. L. Bonaparte, citirt in: The Naturalist’s Library. Birds. Vol. XIV. p. 126.
  50. L. Lloyd, The Game Birds of Sweden. 1867, p. 22, 81.
  51. Jenner, Philosoph. Transact. 1824, p. 20.
  52. Wegen der verschiedenen oben angeführten Thatsachen s. über Paradiesvögel: Brehm, Thierleben, Bd. 3, S. 325; über Waldhühner; Richardson, Fauna Bor. Americana: Birds. p. 343 und 359; Major W. Ross King, The Sportsman in Canada, 1866, p. 156; Mr. Haymond, in Prof. Cox’s Geol. Survey of Indiana, p. 227. Audubon, American Ornitholog. Biograph. Vol. I, p. 216; über den Kalij-Fasanen: Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 533; über die Webervögel: Livingstone, Expedition to the Zambesi. 1865, p. 425; über Spechte: Macgillivray, Hist. of British Birds. Vol. III. 1840, p. 84, 88, 89 und 95; über den Wiedehopf: Swinhoe in: Proceed. Zoolog. Soc. 23. Juni 1863, p. 264, und 1871, p. 348; über die Ziegenmelker: Audubon, a. a. O. Vol. II, p. 255 und American Naturalist, 1873, p. 672. Der englische Ziegenmelker macht gleichfalls im Frühlinge ein merkwürdiges Geräusch während seines rapiden Flugs.
  53. s. den interessanten Aufsatz von Meves in: Proceed. Zoolog. Soc. 1858, p. 199. In Bezug auf die Lebensweise der Bekassine s. Macgillivray, History of British Birds. Vol. IV, p. 371. Wegen der americanischen Bekassine: Capt. Blakiston, in: Ibis, Vol. V. 1863, p. 131.
  54. Mr. Salvin, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1867, p. 160. Ich bin diesem ausgezeichneten Ornithologen sehr verbunden für Zeichnungen der Federn von Chamaepetes und für andere Mittheilungen.
  55. Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 618, 621.
  56. Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 49. Salvin, Proceed. Zoolog. Soc. 1867, p. 160.
  57. Sclater, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1860, p. 90 und in: Ibis, Vol. IV. 1862, p. 175; auch Salvin, in: Ibis, 1860, p. 37
  58. The Nile Tributaries of Abyssinia. 1867, p. 203.
  59. Wegen Tetrao phasianellus a. Richardson, Fauna Bor. Americana, p. 361, und wegen weiterer Einzelheiten Capt. Blakiston, Ibis, 1863, p. 125. In Bezug auf Cathartes und Ardea: Audubon, Ornithol. Biograph. Vol. II, p. 51 und Vol. III, p. 89. Ueber das Weisskehlchen s. Macgillivray, History of British Birds, Vol. II, p. 354. Ueber die Indische Trappe: Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 618.
  60. Gould, Handbook to the Birds of Australia. Vol. I, p. 444, 449, 455. Die Laube des Atlasvogels ist im Zoologischen Garten in Regents Park, London, zu sehen.
  61. s. Bemerkungen in diesem Sinne über das Gefühl für Schönheit bei den Thieren von J. Shaw im: Athenaeum, 24. Nov. 1866, p. 681.
  62. s. Dr. Murie’s Schilderung und colorirte Abbildungen in: Proceed. Zoolog. Soc. 1872, p. 730.
  63. Mr. Monteiro, in: Ibis, Vol. IV. 1862, p. 339.
  64. Land and Water, 1868, p. 217.
  65. Ueber die Schädelhöcker etc. in: Niederländ. Archiv für Zoologie, Bd. 1. Hft. 2. 1872.
  66. Dr. W. Marshall, Ueber den Vogelschwanz, ebenda, Bd. I. Hft. 2. 1872.
  67. Jardine’s Naturalist’s Library: Birds. Vol. XIV, p. 166.
  68. Sclater, in: Ibis, Vol. VI. 1864, p. 114. Livingstone, Expedition to the Zambesi. 1865, p. 66.
  69. Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 620.
  70. Proceed. Zoolog. Soc. 1873, p. 429.
  71. Wallace, in: Annals and Magaz. of Nat. Hist. Vol. XX. 1857, p. 416, und in seinem Malay Archipelago. Vol. II. 1869, p. 390.
  72. s. mein Buch: Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication. 2. Aufl. Bd. 1, S. 321 und 326.
  73. Citirt nach Mr. de Lafresnaye in: Annals and Magaz. of Nat. Hist. Vol. XIII. 1854, p. 157. s. auch Mr. Wallace’s viel ausführlichere Schilderung ebenda, Vol. XX. 1857, p. 412 und in seinem Malay Archipelago.
  74. Wallace, The Malay Archipelago. Vol. II, 1869, p. 405.
  75. Sclater, in: The Intellectual Observer, Jan. 1867. Waterton’s Wanderings, p. 118. s. auch den interessanten Aufsatz von Salvin, mit einer Tafel, in: Ibis, 1865, p. 90.
  76. Land and Water, 1867, p. 394.
  77. D. G. Elliot, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1869, p. 589.
  78. Nitzsch, Pterylography, edited by P. L. Sclater. Ray Society. 1867, p. 14.
  79. Das braune gefleckte Sommergefieder des Schneehuhns ist als Schutzmittel für dasselbe von genau so grosser Bedeutung als das weisse Wintergefieder; denn man weiss, dass in Scandinavien während des Frühlings, wenn der Schnee verschwunden ist, der Vogel einer Zerstörung durch Raubvögel sehr ausgesetzt ist, ehe er sein Sommerkleid erhalten hat. s. Wilhelm v. Wright, in: Lloyd, Game Birds of Sweden. 1867, p. 125.
  80. In Bezug auf die vorstehenden Angaben über Mauserung s. wegen der Bekassinen u. s. w. Macgillivray, Hist. Brit. Birds. Vol. IV, p. 371, über Glareola, Brachschnepfen und Trappen: Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 615, 630, 683; über Totanus, ebenda p. 700; über die Schmuckfedern der Reiher, ebenda p. 738 und Macgillivray, a. a. O. Vol. IV, p. 435 und 444, und Mr. Stafford Allen in: The Ibis. Vol. V. 1863, p. 33.
  81. Ueber das Mausern des Schneehuhns s. Gould, Birds of Great Britain. Ueber die Honigvögel s. Jerdon, Birds of India, Vol. I, p. 359, 365, 369. Ueber das Mausern von Anthus s. Blyth, in: Ibis, 1867, p. 32.
  82. Wegen der vorstehenden Angabe in Bezug auf eine theilweise Mauserung und über die alten Männchen, welche ihr Hochzeitsgefieder behalten, s. Jerdon, über Trappen und Regenpfeifer in: Birds of India. Vol. III, p. 617, 637, 709, 711 auch Blyth, in: Land and Water, 1867, p. 84. Ueber das Mausern bei Paradisea s. einen interessanten Artikel von Dr. W. Marshall in: Archives Neerlandaises, Tom. VI, 1871. Ueber die Vidua: Ibis Vol. III. 1861, p. 133. Ueber die Drongos: Jerdon, a. a. O. Vol. I, p. 435. Ueber die Frühjahrsmauserung des Herodias bubulcus s. Mr. S. S. Allen, in: Ibis, 1863, p. 33. Ueber Gallus bankiva s. Blyth, in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. I, 1848, p. 455. s. auch über diesen Gegenstand mein „Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication“. 2. Aufl. Bd. 1, S. 264.
  83. s. Macgillivray, History of British Birds, Vol. V, p. 34, 70 und 223, über die Mauserung der Anatiden, mit Citaten nach Waterton und Montagu. s. auch Yarrell, History of British Birds, Vol. III,. p. 243.
  84. Ueber den Pelikan s. Sclater, in: Proceed. Zoolog. Soc. 1868, p. 265. Ueber die americanischen Finken s. Audubon, Ornitholog. Biograph. Vol. I p. 174, 221, und Jerdon, Birds of India, Vol. II, p. 383. Ueber die Fringilla cannabina von Madeira s. Mr. E. Vernon Harcourt, in: Ibis, Vol. V. 1863, p. 230.
  85. s. auch E. S. Dixon, Ornamental Poultry. 1848, p. 8.
  86. Birds of India, Introduction, Vol. I, p. XXIV; über den Pfauhahn: Vol. III, p. 507. s. Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 15 und 111.
  87. Journal of the Roy. Geograph. Soc. Vol. X. 1840, p. 236.
  88. Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. XIII. 1854, p. 157; auch Wallace, ebenda. Vol. XX. 1857, p. 412, und The Malay Archipelago, Vol. II. 1869, p. 252; auch Dr. Bennett, citirt von Brehm, Thierleben. Bd. 3, S. 326.
  89. Mr. T. W. Wood hat im „Student“, April, 1870, p. 115, eine ausführliche Schilderung der Art und Weise dieser Entfaltung gegeben, welche er die laterale oder einseitige nennt; es bietet sie der Goldfasan und der Japanische Fasan dar, Ph. versicolor.
  90. The Reign of Law, 1867, p. 203
  91. Wegen der Beschreibung dieser Vögel s. Gould, Handbook to the Birds pf Australia. Vol. I. 1865, p. 417.
  92. Birds of India. Vol. II, p. 96.
  93. Ueber den Cosmetornis s. Livingstone. Expedition to the Zambesi, 1865, p. 66. Ueber den Argus-Fasan s. Jardine, Naturalist's Library: Birds. Vol. XIV, p. 167. Ueber Paradiesvögel: Lesson, citirt von Brehm, Thierleben, Bd. 3, S. 325. Ueber den Wittwenvogel s. Barrow, Travels in Africa. Vol. I, p. 243, und Ibis, Vol. III. 1861, p. 133. Mr. Gould, über das Scheusein männlicher Vögel in: Handbook to the Birds of Australia. Vol. I. 1865, p. 210, 457.
  94. Tegetmeier, The Poultry Book. 1866, p. 139.
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