RE:Anaxagoras 4

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band I,2 (1894), Sp. 20762077
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4) Sohn des Hegesibulos, der letzte grosse Philosoph der kleinasiatisch-ionischen Schule, Ol. 70 (500–496 v. Chr.; vgl. Diels Rh. Mus. XXXI 27) geboren zu Klazomenai, lebte nach den Perserkriegen längere Zeit in Athen, wo er mit Perikles und andern bedeutenden Männern, unter denen namentlich Euripides als sein Schüler genannt wird, in nähere Verbindung trat, wurde aber späterhin, wahrscheinlich von den Gegnern des Perikles, des Atheismus angeklagt und hiedurch genötigt, Athen zu verlassen und nach Lampsakos zu wandern, wo er um 428 v. Chr. hochgeehrt starb. Seine Lehre bezeichnet den älteren Ioniern gegenüber einen wesentlichen Fortschritt, sofern A. zuerst mit voller Bestimmtheit neben dem Stoff noch ein zweites, geistiges Princip als Ursache aller Ordnung und Bewegung in der Welt annahm und dadurch der Begründer jenes philosophischen Dualismus wurde, der später in den Systemen des Platon und Aristoteles zur vollen Ausbildung gelangte. Nach A. ist alles scheinbare Entstehen und Vergehen in Wahrheit als Zusammensetzung und Trennung bereits vorhandener Elemente aufzufassen. Diese zahllosen, unveränderlichen Urstoffe (σπέρματα, erst Spätere nennen sie nach Aristoteles Homoiomerien) von mannigfach verschiedener Eigenart, unsichtbar klein, aber bis ins Unendliche teilbar, bildeten ursprünglich ein Gemenge, in dem nichts Einzelnes zu unterscheiden war, bis sie einst durch den allbeherrschenden Geist (νοῦς) von einem Punkte, dem Pole, aus in eine Wirbelbewegung versetzt wurden, welche allmählich immer weitere Kreise des unendlich ausgedehnten Weltstoffes erfasste [2077] und erfassen wird. Durch die Gewalt dieses Umschwunges schieden sich zunächst die verwandten Stoffteile in zwei grosse Massen: der dünne, warme, trockne, helle Äther wurde nach aussen getrieben, während die dicke, kalte, feuchte, dunkle Dunstmasse (ἀήρ) sich in der Mitte ansammelte, um hier weiter erkaltend sich zu Wasser, Erde und Gestein zu verdichten. Einzelne von der walzenförmigen Erde durch die Wirbel fortgeschleuderten Steinmassen wurden im Äther glühend und bildeten so die Himmelskörper, von denen die Sonne den Peloponnes mehrfach an Grösse übertrifft und der von lebenden Wesen bewohnte erdenähnliche Mond ihm etwa gleichkommt. So erklärte A. auch den Fall des Meteorsteins von Aigospotamoi (428 v. Chr.) aus natürlichen Ursachen. Pflanzen, Tiere, Menschen sind durch den Nus belebt und beseelt worden. Diese Lehre hatte A. in einer Schrift Περὶ φύσεως, von der mehrere Fragmente erhalten sind, niedergelegt. Von den Ansichten seiner philosophischen Zeitgenossen hat er die des Empedokles wahrscheinlich, die des Leukippos vielleicht gekannt und berücksichtigt. Wie ihm für die Unkörperlichkeit des einfachen (Zeller I b⁵ 992, 1), für sich seienden Geistes, dessen Begriff ihm deutlich vorschwebte, zuweilen der klare, unzweideutige Ausdruck fehlt, so wusste er auch sein neugefundenes Princip noch nicht ausgiebig genug für die Erklärung im Einzelnen zu verwerten (Arist. met. I 4 p. 985 a 18). Fragmentsammlung von Schaubach Leipz. 1827. Schorn Bonn 1829. Mullach I 248. Litteratur bei Überweg I § 24. Genaueres: Diels Doxogr. gr. 660 b. Zeller I b⁵ 968–1038.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 78
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S. 2076f. zum Art. Anaxagoras:

4) (Zu S. 2077, 34). Vgl. ferner Gomperz Griech. Denker I 168. 445. M. Heinze Ber. Sächs. Ges. d. Wiss. 1890, 1ff. Dilthey Einl. i. d. Geisteswiss., Leipzig 1883, I 197. E. Arleth Archiv f. Gesch. d. Ph. VIII 59. 190. 461.

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
Band S XII (1970), Sp. [S_XII 28]–30
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S. 2076 zum Art. Anaxagoras:

Literatur zu A. ist zusammengestellt bei Ueberweg-Praechter12 49*. W. Totok Handbuch der Geschichte der Philosophie I: Altertum (1964) 125–126. E. L. Minar Class. Weekly XLVII (1954) 180: Class. World LX etc. etc.