ADB:Sophie Charlotte

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Artikel „Sophie Charlotte“ von Otto Krauske in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 34 (1892), S. 676–684, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sophie_Charlotte&oldid=2492453 (Version vom 22. September 2018, 11:52 Uhr UTC)
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Band 34 (1892), S. 676–684 (Quelle).
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Sophie Charlotte, Königin in Preußen und Kurfürstin von Brandenburg, geboren zu Iburg im Hochstift Osnabrück am 20. October a. St. 1668, † zu Hannover am 1. Februar n. St. 1705. Ihr Vater war Prinz Ernst August von Hannover, Fürstbischof von Osnabrück, „der Gentleman Deutschlands“, ihre Mutter „die lustige gutherzige“ Sophie, eine an Geist und Gemüth gleich begabte Tochter des Kurfürsten Friedrich’s V. von der Pfalz. Die kleine „Figuelotte“, wie sich das Kind selbst nannte, die einzige Tochter einer kinderreichen Ehe, war der besondere Liebling ihrer Mutter. „C’est l’enfant gâté“, schreibt Sophie an ihren Bruder Karl Ludwig im December 1673, „car elle ne veut rien apprendre; el ne sait pas encore lire, mais elle aime fort à tenir sa gravité et faire la grande dame, pourtant comme le chat dès qu’il voit la souris, car aussitôt qu’elle voit ses frères, elle voudroit tout faire comme eux qui s’exercent présentement à imiter un petit juif qui danse le plus joliment du monde“. Die hervorragende Begabung der kleinen Prinzessin erregte frühzeitig die Aufmerksamkeit; kaum achtjährig wurde S. Ch. von ihrer Mutter mit der Aebtissin von Maubuisson verglichen, der genialsten aber auch frivolsten Tochter des Pfälzers Friedrich. Es war keine ungesunde Frühreife, dank dem mütterlichen Erbtheil einer Frohnatur, die der Kleinen ihre Kindlichkeit bewahrte. Der „rousse beudel“, wie Sophie im Scherze ihre Tochter nannte, theilte unbefangen seine Neigung zwischen den Studien, kindlichen Spielen, den „Meerschweintjens“ und dem Tanze. Vor der Welt wollte sie freilich schon die große Dame spielen und hielt sich nach dem Ausdrucke ihrer Mutter „comme le chat habillé en demoiselle“. Im August 1677 wurde sie auf eine Reise nach Holland und dem Rhein mitgenommen. Mit dem Eintritt in ihr zehntes Jahr erhielt sie Frau von Harling zur Erzieherin, die aus der wilden Prinzessin „eine [677] feine, erbare dame“ machen sollte. Eine bessere Wahl konnte nicht getroffen werden. „Wenn ich Meisterin über meine Kinder wäre“, schreibt Liselotte, die Herzogin von Orleans, auch eine Schülerin dieser Gouvernante, „so wollte ich sie nach Osnabrück zu Frau von Harling schicken; denn alsdann würde ich versichert sein, daß sie nicht gar zu delicat erzogen würden, wie man hier zu Lande thut, womit sie mich aus der Haut fahren machen.“ Mit großem Eifer gab sich S. Ch. dem Studium der Sprachen und der Musik hin; sie beherrschte Englisch, Italienisch und Französisch und war auch in die Anfangsgründe des Lateinischen eingeführt worden. Die französische Sprache zog sie sogar der Muttersprache vor und bediente sich ihrer fast ausschließlich, so daß später ein Refugié alles Ernstes frug, ob die Prinzessin auch des Deutschen mächtig wäre. Das Jahr 1679 war von entscheidendem Einflusse auf die Ausbildung Sophie Charlotte’s. Ein schweres Fieber, das sie im Frühjahr überfiel, gab ihrem kindlich heiteren Charakter eine ernstere Richtung. Und eine Reise nach Frankreich, die sie nach der Genesung mit ihrer Mutter unternahm, erfüllte sie mit neuen unauslöschlichen Ideen. Zunächst wurde die Aebtissin von Maubuisson und dann der französische Hof besucht. Die junge Prinzessin rief an diesem europäischen Mittelpunkte des guten Geschmacks ungetheilte Bewunderung hervor. Ihre zierliche Gestalt, das Feuer ihrer blauen Augen, die schwarzen Locken, die das feine Gesicht in natürlicher Fülle umgaben, waren nicht minder anziehend als ihr ungezwungenes, vornehmes Benehmen und ihre hervorstechenden Geistesgaben. Es ging die Rede, daß Ludwig XIV. sich mit der Absicht trug, die Prinzessin mit einem französischen Prinzen seines Hauses zu vermählen. Wenige Wochen nach der Rückkehr der Fürstinnen starb unerwartet in Augsburg Herzog Johann Friedrich (18. December 1679) und hinterließ seinem Bruder Ernst August das Herzogthum Hannover. Der nunmehrige Herrscher siedelte im März 1680 mit seinen Angehörigen nach seiner neuen Hauptstadt über. Von dieser Zeit an trat Leibniz zu der herzoglichen Familie in nähere Bezeihungen. Auch Sophie Charlottens Jugend entfaltete sich unter seinem Einflusse, und schon in ihrem kindlichen Gemüthe keimten die Gefühle der Verehrung und Dankbarkeit für den weisen Lehrer und Freund ihrer Mutter, der in späteren Jahren ebenso der ihrige wurde.

Die Bemühungen der Welfen um den Kurhut ließen die Freundschaft des benachbarten Kurbrandenburgs sehr wünschenswerth erscheinen. Der staatskluge Otto von Grote wußte zu diesem Zwecke die Wahl einer zweiten Gemahlin für den verwittweten Kurprinzen Friedrich auf die Tochter seines Herrscherpaares zu lenken. Die Prinzessin war den Brandenburgern schon aus den Jahren 1681 und 1682, von Zusammenkünften in Pyrmont und in Berlin her bekannt, und war von dem großen Kurfürsten mehrfach ausgezeichnet worden. Ein Zeitgenosse schildert sie in jenen Tagen „als eine sehr liebenswürdige Person“. „Ihre Taille ist mittelmäßig. Sie hat den schönsten Hals und Busen, den man sehen kann, große und sanfte blaue Augen, eine wunderbare Fülle schwarzen Haars, Augenbrauen wie abgezirkelt, eine wohlproportionirte Nase, einen Mund von Incarnat, sehr schöne Zähne und einen lebhaften Teint. Die Bildung ihres Gesichts ist weder länglich noch rund, sondern beides zugleich. Sie hat viel Geist und herzgewinnende Freundlichkeit. Sie singt schön, spielt Clavier, tanzt mit Anmuth und hat ein solches Wissen, wie es in so jungem Alter wenige Personen haben.“ Der Kurprinz war nach den Worten der Herzogin Sophie passionirt für seine junge Braut: „sie ist auch eben nicht cruel und hat alzeit amitié und estime vor ihm spüren lassen.“ „Es ist ein gelück, daß sie ihm so wol leiden mag undt nach das Üsserliche nichts fragt.“ Am 28. September a. S. 1684 wurde die Hochzeit in Herrenhausen mit großem Glanze gefeiert, und am [678] 4/14. November hielt das junge Paar seinen feierlichen Einzug in Berlin. Obwol die Ehe lediglich ein Werk der Politik war, blieb das Glück auch diesmal „dem Sonntagskinde“ Sophie Charlotte treu. Ein innigeres Familienleben war bei der allzu großen geistigen Verschiedenheit beider Gatten allerdings ausgeschlossen, aber die achtungsvolle Rücksicht, mit der sie einander begegneten, ließ sie diesen Mangel weniger empfinden. Einzelne scharfe Bemerkungen Sophie Charlottens über den ihr angetrauten „Aesop“, dessen Schlachtopfer sie sich wol nannte, dürfen nicht allzu schwer ins Gewicht fallen. Die Fürstin hatte, wie ihr großer Enkel, eine fast unüberwindliche Neigung zu espritvollen Bemerkungen selbst auf Kosten des natürlichen Gefühls.

Die Beziehungen Sophie Charlotte’s zu ihren Schwiegereltern gestalteten sich über Erwartung günstig. Friedrich Wilhelm begegnete ihr jeder Zeit, noch auf dem Totenbette, mit ritterlicher Artigkeit, und die Kurfürstin Dorothee kam ihr soweit entgegen, als es das getrübte Verhältniß zu dem Stiefsohne gestattete. Bei den getrennten Hofhaltungen fielen außerdem die meisten Anlässe zum Zwiste fort; der Kurprinz residirte für gewöhnlich im Köpenicker Schlosse und zog sich 1687 sogar, als von neuem das böswillige Gerede von dem poudre de succession gegen Dorothee erhoben wurde, nach dem verwandten Hofe in Kassel zurück. Unter ihren Schwägern fand sie in dem Markgrafen Albrecht Friedrich einen glühenden romantischen Verehrer, der wol trotz des Winters in vollem Galastaate ihren Wagen selbst nach Königsberg oder Hannover lenkte. Der kleinen Stieftochter Luise Dorothee Sophie, der späteren Erbprinzessin von Hessen-Kassel (geboren am 14. September 1680, † am 23. December 1705) war sie eine gute Mutter. Ihr erster Sohn, der am 6. October 1685 geboren und Friedrich August genannt worden war, verstarb schon nach wenigen Monaten. 1687 erlebte sie „auf dem Weg jenseits Wolfenbüttel“ eine zu frühe Niederkunft, an deren Folgen sie lange gefährlich darniederlag. Erst nach dem Tode des Großen Kurfürsten wurde sie am 15. August 1688 mit einem Erben, dem dereinstigen Könige Friedrich Wilhelm I., beschenkt.

Seit der Thronbesteigung Friedrich’s III. (29. April 1688) traten neue Pflichten an die junge Kurfürstin heran. Bei allen feierlichen Gelegenheiten, wo nur höfischer Glanz und Prunk entfaltet werden konnte, mußte sie an der Seite ihres Gemahls repräsentiren und sich einer lästigen Fülle von Ceremonien unterwerfen. Die Pracht, die auch im elterlichen Hause eine Stätte gefunden hatte, war ihr durchaus nicht zuwider, soweit sie zur Erhöhung eines verfeinerten Lebensgenusses diente; sie haßte nur jenen Prunk, der ohne Verknüpfung mit allgemeineren und idealeren Zielen seinen Zweck in sich selbst hatte. „Ce n’est pas que je haisse le faste“, sagte sie selbst einmal, „mais je le voudrois indépendant de la gêne.“ Anders gesonnen als die beiden vorangegangenen Kurfürstinnen verschmähte S. Ch. einen bedeutenderen Einfluß auf die Politik ihres Gatten zu erstreben. Auch in dieser Beziehung mochte sie dem äußeren Leben nur das in den Verhältnissen Gebotene leisten, ihr eigentliches Dasein aber, ihre Freuden und Erholungen, wußte sie in einem geweihten Kreise inneren Geisteslebens zu beschränken. Sie begnügte sich nur in den Fällen, bei denen dynastische Ansprüche ihrer Eltern oder Interessen ihrer Vertrauten in Frage kamen, ihre Macht als regierende Kurfürstin geltend zu machen. Indessen hatten alle, die Friedrich’s Art kannten, wohl Grund, die Stimmungen ihrer Herrscherin nicht unbeachtet zu lassen. Mit den beiden Premierministern Friedrich’s III., Danckelman und Kolb von Wartenberg hat sie sich niemals auf vertrauteren Fuß gestellt oder ihren Einfluß durch den dieser Staatsmänner zu erhöhen gesucht; sie verwehrte sogar längere Zeit der von Friedrich so überaus begünstigten Gräfin Wartenberg den Zutritt zu ihrem Zirkel. Als einmal das [679] Gerücht ging, S. Ch. nähme Theil an den Versuchen, Kolb zu stürzen (October 1701) schrieb ihre Mutter: „Meine tochter ist ihmer auf dem lant in ihr Lützenburg, kert sich an nichts, was bey hoff geschieht; den sten, den sie nicht heben kan, lest sie liegen.“

Die erste größere Gabe, die sie als Kurfürstin von ihrem Gemahl empfing, einen umfangreichen Grundbesitz auf dem Gebiete des heutigen Spandauer Viertels zu Berlin, verwandte sie zur Befriedigung ihres wohlthätigen Herzens, indem sie die einzelnen Felder gegen geringe Pacht oder unentgeltlich an Bürger der Hauptstadt austheilte. Ueberhaupt bewies sie bei jeder sich darbietenden Gelegenheit dem Volke thatkräftiges Wohlwollen.

Im J. 1689 begleitete sie ihren Gatten zur Huldigung des Herzogthums Magdeburg nach Halle und von dort aus, nachdem sie ihre Mutter in Hannover begrüßt hatte, nach Köln, wo sie während der Bonner Belagerung ihren Aufenthalt nahm. Zu dieser Zeit knüpfte sie Freundschaft mit der Prinzessin Maria von Oranien an, mit der sie in den späteren Jahren in lebhafterem Briefwechsel stand. Im Beginn des folgenden Jahres führte der Weg das kurfürstliche Paar nach Königsberg, um die Huldigung der Preußen entgegen zu nehmen. Sehr häufig, fast alljährlich ging S. Ch. nach Hannover zu ihrer zärtlich geliebten Mutter. Auf ihrer Reise im December 1692 nahm sie ihren vierjährigen Kurprinzen mit, um ihn unter der Aufsicht seiner Großmutter den erprobten Händen der Frau von Harling gemeinsam mit Georg August, dem späteren Könige Georg II. von England, anzuvertrauen. Dieser Versuch schlug fehl, wie es heißt, an dem ungestümen Sinne Friedrich Wilhelm’s und der Unverträglichkeit der beiden Prinzen. Ein ganz besonderes Vergnügen gewährte der Kurfürstin auf einer ihrer hannoverschen Reisen ihre Zusammenkunft mit Peter dem Großen auf dem Schlosse Coppenbrügge. Wir besitzen noch die Briefe, in denen die Kurfürstinnen Sophie und S. Ch. ihre frischen Eindrücke in munterer, reizvoller Weise wiedergeben (1697). Der Zar fand so großes Wohlgefallen an der brandenburgischen Fürstin, daß er seine erste Scheu überwindend lange bei Tische in ihrer Gesellschaft blieb, die Tabakdosen mit ihr wechselte und schließlich sogar tanzte. Als er von Friedrich III. später gefragt wurde, was ihm am meisten in den preußischen Landen zugesagt hätte, soll er entgegnet haben: „Was könnte einem Menschen noch besser gefallen als Deine Frau.“ Noch enthusiastischer äußerte sich ein russischer Gesandter, welcher der glanzvollen Vermählung der Erbprinzessin von Hessen-Kassel beigewohnt hatte (1699), wenn er alle Pracht über den Anblick der Kurfürstin übersehen haben wollte.

Die glücklichste Lebensepoche Sophie Charlotte’s datirt von der Gründung Lützenburgs, des heutigen Charlottenburgs, das ihr der Kurfürst auf ihren Wunsch als Entgelt für die Abtretung des Dorfes Caput bei Potsdam 1695 schenkte. Godeau, ein Schüler Lenôtre’s legte den Garten an, und Schlüter leitete den Bau des Schlosses, das ursprünglich nur aus dem heutigen Mittelbau ohne die krönende Kuppel bestand. Neben ihm war noch Eosander thätig als „Orakel“ der Kurfürstin für die innere Ausschmückung. Friedrich war in seiner Art der Gemahlin bei der Herstellung ihres Landsitzes behülflich, indem er durch reichliche Baugelder und prächtige Zimmereinrichtungen den Glanz des Schlosses zu erhöhen strebte. Das Lusthaus, 1698 vollendet, wurde am Geburtstage des Kurfürsten, 11. Juli 1699, mit einem so frohen Feste eingeweiht, „daß man“, nach den Worten eines Hofchronisten, „so zu sagen über Tisch und Bänke gesprungen, und Se Churf. Dlt Ihrer eigenen gnädigsten Aussage nach sich nicht besinnen, sich jemals so freudig erwiesen zu haben.“ So oft es nur die Begebenheiten des höfischen Lebens gestatteten, zog sich S. Ch. nach ihrem Schlosse Lützenburg zurück, dessen Namen sie auf Incognitoreisen führte, und erfreute sich [680] des zwanglosen Verkehrs ihrer Vertrauten, die frei von Etiquette in einfacher Tracht erschienen und sich mit ihrer Gebieterin an geistvollen Gesprächen, musikalischen Aufführungen und wol auch am Kartenspiele ergötzten. Aus ihrer Umgebung stand ihr am nächsten Fräulein von Pöllnitz, eine Tante des bekannten Memoirenschreibers. Wir haben von ihr noch mehrere an die Kurfürstin gerichtete Briefe, die von dem vertrauten Verkehre der beiden an Geist und scharfem Witze einander sehr ähnlichen Frauen Zeugniß geben. Neben ihr gehörte noch die „dicke Frau von Bülow“ zu dem engeren Zirkel. Mit Vorliebe sah die Kurfürstin die Refugiés bei sich, deren Bildung die der damaligen deutschen Hofkreise weit überragte. Die berühmten Prediger Lenfant und Beausobre, an Gelehrsamkeit und Redegabe mit einander wetteifernd, waren stets willkommene Gäste in Lützenburg. Auch der Bischof Ursinus und der Hofprediger Jablonsky gehörten zu den Mitgliedern dieser Tafelrunde, und Besser, als Ceremonienmeister wie als Poet gleich gewandt, durfte der Kurfürstin dort seine dichterischen Huldigungen darbringen und auch wol der deutschen Sprache gegen die Bevorzugung der französischen in galanter Art das Wort reden. Wie in einem „irdischen Paradiese“ lebe man in Lützenburg, schrieb die Kurfürstin Sophie einmal, „sans façon“. „Die dames und cavaliers spillen comedi, und die musicanten machen operas; die beste pfarrer von der weldt predigen.“ „Allhir sauffen und schweren die dames nicht, aber spillen wol à l’ombre undt verqueren.“

Der Sturz Danckelman’s, der die Kurfürstin wol nicht mit Unrecht beargwohnte, „ihr eigen Haus mehr zu lieben, als das von Brandenburg“, brachte die Kurfürstin ihrem etwas entfremdeten Gemahle wieder näher. Eine Folge dieses Ereignisses war auch die Sendung von Leibniz an den brandenburgischen Hof. Der große Philosoph war von nun an häufiger in Berlin und Lützenburg in der doppelten Rolle als hochgeehrter Gast des kurfürstlichen Paares und als welfischer Agent. S. Ch. schloß sich ihm mit hingebender Verehrung an. Ueber alles wollte sie von dem bewunderten Gelehrten mit gleicher Lernbegier und Verständniß Auskunft; die Monaden interessirten sie in gleichem Maße, wie der Gang der Gestirne, prähistorische Funde und die Gesetze der Moral. Das Warum des Warum hätte sie am liebsten ergründet, wie Leibniz meint, und klagte, daß er ihrer Auffassungsgabe nicht trauend ihr die letzten Gründe und Ergebnisse seiner Wissenschaft verborgen hielte. Und wieder ein ander Mal rief sie wohl aus, als sie über den Stolz nachdachte: „Grand Leibniz! que tu dis sur ce sujet de belles choses! Tu plais, tu persuades, mais tu ne corriges pas!“ Eine echte, warme Freundschaft, die sich auf der Aehnlichkeit des Geistes gründete, verband den bedeutenden Philosophen mit der Kurfürstin, die nach den Worten ihres Enkels „das Genie eines großen Mannes mit den Kenntnissen eines Gelehrten in sich vereinigte“. Von dem engeren preußischen Standpunkte aus hatte Buchholtz nicht Unrecht, wenn er in seinem „Versuch einer Geschichte der Churmark Brandenburg“ die Tage von S. Ch. als die Epoche bezeichnet, „seit welcher die Deutschen angefangen in der Philosophie zu denken“. Die schönste Frucht dieser geistigen Gemeinschaft ist die Gründung der Societät der Wissenschaften und der Akademie der Künste in Berlin. S. Ch. hatte anfänglich nur an die Errichtung einer Sternwarte und in Verbindung damit an die Kalenderreform gedacht, Leibniz aber hatte diese Idee sofort zu dem Plane einer umfassenden wissenschaftlichen Gesellschaft erweitert.

Die Bemühungen Friedrich’s um die Königskrone gaben für kurze Zeit auch S. Ch. Anlaß, in der großen Politik thätig zu sein (1700). Nachdem der Kurfürst ihre nicht unerheblichen Schulden bezahlt und ihr Jahrgeld um ein Bedeutendes vermehrt hatte, sie aber ihrerseits die Gräfin Wartenberg bei sich empfangen hatte, ging sie in Begleitung ihrer Mutter unter dem Vorwande, die [681] Bäder von Aachen zu besuchen, nach Brüssel zu einer Zusammenkunft mit dem Kurfürsten Maximilian Emanuel von Baiern. Auf der Durchreise durch Rotterdam, das die Fürstinnen auf der Fahrt von Brüssel zu Wilhelm I. von England in Het Loo berührten, wünschten sie noch spät Abends Pierre Bayle zu sprechen, dessen Dictionnaire S. Ch. stets bei sich führte. Der Philosoph war durch Krankheit verhindert, fand sich aber später im Haag zu einer Unterredung ein. Wilhelm I. versprach, ebenso wie der bairische Kurfürst, den eigenen politischen Erwägungen und der Anmuth Sophie Charlotte’s nachgebend, den preußischen Herzog als König anzuerkennen. Kurze Zeit nach ihrer Rückkehr mußte sich die Kurfürstin zu der prunkvollen Fahrt nach Königsberg (17. December 1700) rüsten. Am 18. Januar 1701 setzte Friedrich I., der sich vorher selbst gekrönt hatte, seiner Gemahlin die Krone auf das Haupt. S. Ch. erschien zu dieser Feierlichkeit in dem höchsten Glanze, ihre Gewänder waren mit den kostbarsten Juwelen übersät; aber die von Natur ihr anvertrauten Güter gingen, mit Besser zu reden, „allen Schätzen ihres Aufputzes vor, so daß ein von solcher Schönheit entzückter Zuschauer nicht sowohl der Königin zur Krone als vielmehr der Krone zur Königin Glück wünschte“. Die langen Feierlichkeiten und Lustbarkeiten, die sich diesen Ceremonien anschlossen, waren wenig nach dem Geschmacke der philosophischen Fürstin. Die weit verbreitete Anekdote zwar, daß die Herrscherin bei dem Krönungsfeste in der Kirche eine Prise genommen und dadurch ihren Gemahl erzürnt hätte, stammt aus einer wenig kritischen Quelle. Aber an Leibniz schrieb S. Ch. in jenen Tagen, niemals würde sie die Pracht und die Kronen, von denen so viel Aufhebens gemacht würde, ihren geliebten philosophischen Gesprächen vorziehen. Die Ruhepause, die zwischen der Rückkehr aus Preußen (17. März 1701) und den neuen Huldigungen in Berlin lag, verbrachte die Königin zu Lützenburg in bequemer Muße. Am 6. Mai fand der Einzug in Berlin statt. Als Beschluß der Feierlichkeiten gab S. Ch. ein Fest mit Opernaufführung und Ball, bei dem der adeligen Compagnie des Kronprinzen der Wachtdienst in den Lützenburger Festsälen anvertraut war.

Nun ward ihr endlich wieder die Freiheit zu einem Leben in ihrem Sinne. „Zu ihrer Zufriedenheit war genug in dem Garten zu Lützenburg zu lustwandeln, in der Umgegend der Stadt spazieren zu fahren, zuweilen die Heimath wiederzusehen; sie bedurfte nur Luft und Sonne und hauptsächlich geistige Beschäftigung. Wenn sie sich, was sie nicht verschmähte, mit ihren Damen zu weiblichen Arbeiten niedergelassen, ward etwas vorgelesen; noch sind die Musikalien übrig, an denen sie eine natürliche Gabe dafür übte.“ Es kam wol vor, daß sie bei einer musikalischen Aufführung selbst die Clavierbegleitung übernahm. „Ihr eigenthümliches Talent aber, vielleicht das dem weiblichen Geiste, wenn er zu seiner Reife gelangt, das entsprechendste, war das der Conversation. Recht im Gegensatz mit ihrem Gemahl, der sich am frühesten Morgen erhob und sein Tagewerk gern mit ceremoniöser Pracht unterbrach, liebte sie die langen Abende, zwanglose Hoheit, freies Gespräch. Keine Schmeichelei, viel weniger etwas Unschönes hätte sich an sie heranwagen dürfen; sie wußte das Echte von dem Falschen zu unterscheiden und zeigte ein Urtheil, das man wohl der Litteratur in weiteren Kreisen gewünscht hätte. Die Gelehrten, die sie umgaben, haben der Verbindung von Schönheit und Geist, Adel und Höflichkeit, die in ihr war, nie vergessen. So erschien sie auch in der Gesellschaft, die den Hof bildete. Sie kannte ihre Leute durch und durch und schonte ihrer Eigenschaften in ihren vertrauten Gesprächen mit nichten. Anmaßung, namentlich ungeschickte, wies sie mit Kälte von sich, verlegene Bescheidenheit zog sie eher hervor. Sie war stolz, unverstellt und voll Anmuth.“ (Ranke.) Dank ihr wurden die geistigen Interessen in den höheren Kreisen, die auch sehr empfänglich dafür waren, angeregt.

[682] Zu ihren Lieblingsunterhaltungen gehörte die Besprechung religiöser Fragen. Es ist bekannt, daß Leibniz durch seine Unterredungen mit der Königin zur Abfassung der Theodicee angeregt worden ist. Von ihren Eltern, vorzüglich von ihrer Mutter, war ihr ein gewisser Freisinn den Bekenntnissen gegenüber eingepflanzt worden. Erst ganz kurz vor ihrer Heirath entschied sie sich für eine bestimmte Confession und trat in die Kirche ihres Bräutigams ein. Ihre Religiosität wurzelte in einer allgemeinen protestantisch-christlichen Ueberzeugung ohne ausgeprägte confessionelle Parteinahme und befähigte sie gemeinsam mit ihrem strenger denkenden Gatten auf eine Vereinigung aller christlichen Bekenntnisse – denn auch die römisch-katholische Kirche glaubte man damals wol für diesen Standpunkt gewinnen zu können – hinzuarbeiten. Nicht von der dogmatischen, sondern von der sittlichen und socialen Seite faßte sie das Christenthum auf und dachte wie ihre Mutter: „In jener Welt wird man uns nicht fragen, von was relion wir gewessen sein, sundern was wir gutts und böß gethan haben; tharan ist wol am meisten gelegen, das andere ist Pfaffengezenck.“ In eine Zeit gestellt, wo nach einem Worte von Leibniz das Aeußere der Frömmigkeit Mode war, und die Gascogner der Frömmigkeit über Bagatellen außer sich geriethen, trat sie, welcher der Widerwille gegen alles Aeußerliche zur Natur geworden war, mit ihren Ueberzeugungen nicht hervor. Unter dem Einflusse des mathematischen Grundzuges ihrer Epoche erschloß sich ihr die Religion mehr auf dem Wege wissenschaftlicher Erkenntniß als durch den kindlichen Glauben. Vielleicht schätzte auch sie das Forschen nach der Wahrheit höher als deren mühelos errungenen Besitz. Mit gleicher Freundlichkeit nahm S. Ch. die Anhänger der verschiedensten theologischen Richtungen auf und erfreute sich an dem dialektischen Kampfe ihrer Gäste. 1701 verweilte John Toland, der Vater des Rationalismus, einige Zeit bei ihr. Beausobre hat einen anziehenden Bericht über sein Gespräch gegeben, das er in Lützenburg mit diesem Skeptiker geführt hat. Als der Streit eine schärfere Wendung nahm, beendete ihn die Königin mit zartem Tacte.

Toland schildert S. Ch., der seine Briefe an Serena galten (1704), in einer Reisebeschreibung (die 1706 in deutscher Uebersetzung herauskam), als „die schönste Prinzessin ihrer Zeit, und die keinem Menschen an richtigem Verstande, an netten und wohlgesetzten Worten, wie auch an Annehmlichkeit der Conversation und Umganges etwas nachgibt. Sie hat gar überaus viel gelesen und kann mit allerhand Leuten von allerhand Dingen reden. Man admiriret so wohl ihren scharfen und geschwinden Geist, als ihre gründliche Wissenschaft, so sie in denen schwersten Stücken der Weltweisheit erlanget hat.“ Niemanden wollte Toland kennen, der ihr gleich käme an Scharfsinn, die Unzulänglichkeit eines Beweises aufzudecken und mit geschickten Einwürfen zu begegnen. „Sie siehet gerne, wenn Fremde ihr aufwarten und von allem, was in ihren Landen merkwürdig ist, Unterricht geben. Ja, sie hat eine so genaue und rechte Erkenntniß von denen Regierungen, daß man sie in ganz Deutschland nur die republikanische Königin zu nennen pfleget, oder die es nicht mit der absoluten, unbeschränkten Monarchie hält. Alles, was lebhaft und polit ist, kommt an ihren Hof, und siehet man allda zwei Dinge, nämlich Studiren und Lustbarkeiten, in vollkommener Einigkeit beisammen.“ Der bekannte Jesuit Vota folgte 1703 einer Einladung der Königin nach Lützenburg und ließ sich mit Beausobre und Jacques Lenfant, dem unermüdlichen, gelehrten Gegner seines Ordens, in ziemlich heftige Disputationen ein über die Autorität der Kirchenväter, vorzüglich von Augustin und Hieronymus. Der friedliche Streit wurde auch aus der Ferne fortgesetzt; „ihren beiden Piloten auf dem theologischen Ocean“ vertrauend, erörterte S. Ch. in einem bedeutenden Briefe an Vota noch einmal die angeregten [683] Fragen. Von anderen berühmteren Leuten, die den Hof der Königin aufsuchten, mögen hier nur noch Burnet, der Bruder des Bischofs, und Marlborough erwähnt werden.

Neben den gelehrten Beschäftigungen mangelte es so wenig an heiterem Zeitvertreib, daß der Name Lützenburg in Lustenburg umgewandelt wurde, und Leibniz bei der Schilderung eines Festes einen Seufzer über sein „liederliches Leben“ ausstieß. Die Aufführung von Musikstücken, manchmal eigenen Werken der Königin, und von Opern, zu denen der Abbate Mauro den Text lieferte, und die Attilio Ariosti, Giovanni Buononcini, Augustin Reinhard Stricker und Karl Friedrich Rieck in Musik setzten, wechselten mit Balletten und mit den sehr beliebten Wirthschaften, deren oft ausgelassene Verse zumeist von Besser stammten. S. Ch. war selbst einem gewagteren Scherze nicht abgeneigt, soweit er mit Witz und Geist durchgeführt wurde. Ihre Theilnahme an einer kecken Nachahmung des Trimalchionischen Gastmahls in Hannover (1702), wurde ihr von dem Gemahle ernstlich verdacht.

Im J. 1704 wurde der Kronprinz Friedrich Wilhelm auf eine längere Reise nach Holland und England geschickt. Die Königin hatte versucht, soweit es die Repräsentationspflichten, der verschiedene Wohnsitz und wol auch ihre eigenen ästhetischen Neigungen zuließen, Einfluß auf die Charakterbildung ihres Sohnes zu gewinnen. Mit Sorge sah sie auf die Abneigung des frühreifen Prinzen vor jeder feineren Cultur, auf seinen Jähzorn und Starrsinn und den unköniglichen Sparsamkeitstrieb, der ihr in Geiz auszuarten schien. Die Mittel, mit denen sie diesen Fehlern entgegen arbeitete, waren wol nicht die richtigen, zum Theil vielleicht sogar bedenklich. Wie sollte, von anderem ganz abgesehen, sich der Jüngling, dessen Herz dem Waffenhandwerk ausschließlich zugewandt war, mit den glänzenden Festen ihres Hofes aussöhnen, wenn er als Cupido im Ballet mitwirken mußte? Obwol S. Ch. überzeugt war, daß bloßes, aus Büchern gewonnenes Wissen den Charakter nicht zu fördern vermochte, wollte sie den festen Sinn ihres Sohnes doch durch die Lectüre des Fénélonschen Télémaque, die sogar während der Reise fortgesetzt werden sollte und durch ziemlich geschraubte Gespräche über das Gelesene ummodeln. Ernstere Mittel widerstanden ihrem zärtlichen Herzen; Friedrich Wilhelm meinte später selbst von seiner Mutter verzogen zu sein. Der Mißerfolg ihrer Bemühungen verringerte ihre Liebe zu dem anders gearteten Sohne nicht. Man fand in ihrem Tagebuche zu dem Datum der Abreise, wie Faßmann erzählt, ein Herz gezeichnet, wobei das Wort parti stand.

Nachdem S. Ch. im Herbst 1704 ihre Mutter drei Wochen in Lützenburg bei sich gesehen hatte, und durch deren Verwendung die Erlaubniß zu einem Gegenbesuche von dem König erlangt hatte, begab sie sich am 12. Januar 1705 auf den Weg nach Hannover. Ein Halsübel, das sie sorgsam verhehlt hatte, um nicht zurückgehalten zu werden, zwang sie zu einem mehrtägigen Aufenthalte in Magdeburg. Ueberhaupt gingen, so wollte man später bemerkt haben, ihrer Reise böse Zeichen voraus, die auf einen unerwarteten Tod deuteten. Nach ihrer Ankunft in Hannover (18. Januar) strebte sie das Leiden durch Willensstärke zu unterdrücken und besuchte sogar einen Hofball. In der folgenden Nacht brach aber die Krankheit mit tödtlicher Kraft aus. S. Ch. sah ihrem Ende mit unbefangenem Muthe entgegen. Als der herbeigekommene Prediger in der Todesnacht mit ihr von ihrem Seelenheil ausführlicher sprechen wollte, ließ sie ihm sagen, dies sei unöthig, sie wisse alles, was bei solchem Anlasse erwogen werden müsse, sie habe sich schon selbst alles gesagt und sage es sich noch; sie hoffe gut mit ihrem Gott zu stehen. Nach kurzer Agonie machte ein sanfter Tod am 1. Februar ihrem Leben ein Ende. Ihr Leichnam wurde den 22. März [684] nach Berlin übergeführt und am 28. Juni von dem aufrichtig trauernden Könige unter großem Gepränge im dortigen Dome bestattet.

Die Grundlage aller Bearbeitungen des Lebens der Königin S. Ch. ist trotz vieler Mängel noch immer die Biographie von Varnhagen von Ense in seinen Biographischen Denkmalen. 3. Auflage. Leipzig 1888. Dort findet sich auch eine Bibliographie aller bis zum Jahre 1837 über S. Ch. erschienenen Werke. Von neueren Schriften seien hier erwähnt: Ranke, Zwölf Bücher preußischer Geschichte. – Göschel, Sophie Charlotte, die erste Königin von Preußen. Berlin 1851. (Enthält einen Auszug aus ihrem Testament vom 21. Juni 1692.) – Carlyle, Geschichte Friedrich’s II. Uebersetzt von Neuberg. Braunschweig 1855. Band 1. – Kirchner, Die Churfürstinnen und Königinnen auf dem Throne der Hohenzollern. Band 3. Berlin 1870. – Ledebur, König Friedrich in Preußen. Leipzig 1878. Schwerin 1884. – Bodemann, Briefwechsel der Herzogin Sophie von Hannover mit ihrem Bruder, dem Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz. Leipzig 1885. – Bodemann, Briefe der Kurfürstin Sophie von Hannover an die Raugräfinnen und Raugrafen zu Pfalz. Leipzig 1888. – Die ersten Tage von Charlottenburg. Nach den Aufzeichnungen eines Augenzeugen. Berlin 1860. – Schultz, Chronik der Residenzstadt Charlottenburg. Charlottenburg 1887. – Guhrauer, Gottfried Wilhelm von Leibnitz. Breslau 1846. – Trendelenburg, Leibniz und die philosophische Thätigkeit der Akademie im vorigen Jahrhundert. Berlin 1852. – Klopp, Leibniz der Stifter gelehrter Gesellschaften. Leipzig 1864. – Foucher de Careil, Leibniz et les deux Sophies. Paris 1876.