BLKÖ:Kazinczy, Gabriel

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kazinczy, Franz
Band: 11 (1864), ab Seite: 110. (Quelle)
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Kazinczy, Gabriel[BN 1] (Schriftsteller und ungarischer Landtags-Abgeordneter, geb. zu Berettö im Zempliner Comitate 18. Juli 1818). Neffe des berühmten Dichters Franz Kazinczy [s. d. Vorigen, S. 97]. Kam, 7 Jahre alt, auf die Schule nach Sárospatak, von dort nach Käsmark und später nach Eperies. Während er sich mit den Schulgegenständen wenig befreunden mochte und seinem Lieblingsfache dem Studium der Geschichte mit ungeschwächtem Eifer oblag, fand er auch an der lateinischen Vortragssprache kein Gefallen und trieb mit seinem[WS 2] Schulgenossen Franz Pulßky fleißig das Studium der ungarischen Sprache. Nachdem er 1835 seine Studien beendet, begab er sich nach Preßburg und brachte die Landtagssession daselbst zu. Im Jahre 1836 ging er aber nach Pesth, wo er sich der Literatur und dem öffentlichen Leben ganz in die Arme warf. Zuerst veröffentlichte er das Werk: „Malvina regények könyve“, d. i. Malvina ein Roman (Pesth 1839), dann aber betrat er, jedoch unter beständiger behördlicher Verfolgung, das journalistische Gebiet, und seine Blätter: „Népbarát“, d. i. Der Volksfreund, „Ör“, d. i. Der Wächter, „Ellenőr“, d. i. Der Gegenwächter (Controlor), und „Holmi“, d. i. Mancherlei, fielen nach nur kurzer Dauer der Censur zum Opfer. Auf diese Weise in seiner literarischen Wirksamkeit gehindert, ging er als stürmischer Oppositionsmann auf den dankbareren Schauplatz des Comitatslebens über, wurde ein Volksmann, erwarb sich durch eine mehr glänzende als tiefe Rednergabe die allgemeine Theilnahme und wurde als Abgeordneter für Zemplin Mitglied des denkwürdigen 48er Landtages. Als solches befand er sich in der Deputation, die sich zur Schlichtung der croatischen Wirren, jedoch ohne Erfolg, nach Wien begab. Nach seiner Rückkehr unterschrieb er als Notär den Beschluß, zufolge welchem die ungarische Armee gegen den Banus aufgeboten wurde. Kazinczy zog auch mit dem Rumpfparlament nach Debreczin und wurde, nachdem die Revolution niedergeworfen worden, in Folge seines Verhaltens in kriegsrechtliche Untersuchung gezogen, jedoch amnestirt. Indem er während der Jahre 1849–1860 seinen wissenschaftlichen Arbeiten und Studien oblag, trat er erst mit den veränderten politischen Verhältnissen seines Vaterlandes, welche im Jahre 1860 Statt hatten, wieder in den Vordergrund und wurde für den Wahlbezirk Dédes im Borsoder Comitate in den ungarischen Reichstag gewählt. In demselben hielt er in der 30. Sitzung (vom 27. Mai) eine lange Rede, welche von Mehreren als die rhetorisch glänzendste der vielen, die gehalten wurden [siehe unten die Quellen], bezeichnet wird, und stimmte für die Adresse [vergleiche zum Verständniß [111] der Sachlage die Biographie von Paul Jámbor im X. Bande, S. 60, meines Lexikons]. Was seine schriftstellerische Thätigkeit betrifft, so beschränkt sich dieselbe, außer dem bereits Erwähnten, auf einige poetische und novellistische Beiträge im „Parthenon“, einem Album oder Jahrbuche, das im Jahre 1834 von der literarischen Gesellschaft zu Saros-Patak, deren Secretär K. gewesen, herausgegeben wurde, und in der im nämlichen Jahre zu Kaschau erschienenen „Minerva“. Auch enthalten das „Athenaeum“ und der „Figyelmezö“ mehrere ästhetische und kritische Arbeiten seiner Feder und in den letzteren Jahren betheiligt er sich in sehr thätiger Weise an der Leitung eines großartigen Sammelwerkes, welches bei Emich in Pesth unter dem Titel: „Ujabb nemzeti könyvtár“, d. i. Neue ungarische Nationalbibliothek (4°.) erscheint, und die Werke älterer ungarischer Historiker, wie auch anderer als classisch anerkannter ungarischer Schriftsteller in geschmackvoller Ausgabe enthalt. Männer wie Eötvös, Urmenyi, Zsedenyi u. A. theilen sich mit Kazinczy in die Ausführung dieses großartigen Unternehmens. In neuester Zeit aber gab er selbstständig heraus: „Mátyás király kortársai tanusága scerint“, d. i. König Mathias nach der Zeugenschaft seiner Zeitgenossen (Pesth 1862, 8°.). Der von ihm besorgten Herausgabe des Briefwechsels seines Oheims Franz K. mit Joseph Graf Dessewffy, Karl Kisfaludi und Daniel Berzsenyi ist schon in der Biographie seines Oheims [vergleiche die Quellen S. 107: II. Briefwechsel Kazinczy’s] gedacht worden.

Vasárnapi ujság, d. i. Sonntags-Zeitung (Pesth, gr. 4°.) Jahrgang 1859, Nr. 46. – Levitschnigg (Heinrich Ritter von), Kossuth und seine Bannerschaft. Silhouetten aus dem Nachmärz in Ungarn (Pesth 1850, Heckenast, 8°.) Bd. II, S. 226. – Ujabb kori ismeretek tára. Tudományok ’s politikai és társas élet Encyclopaediája, d. i. Neues ungarisches Conversations-Lexikon (Pesth 1850 u. f., Gust. Heckenast, gr. 8°.) Bd. V, S. 23. – Der ungarische Reichstag 1861 (Pesth 1861, Carl Osterlamm, 8°.) Bd. II, S. 1–24. – Danielik (József), Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Második, az első kiegészitő kötet, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Zweiter, den ersten ergänzender Theil (Pesth 1858, 8°.) S. 136 [nach diesem wie nach dem „Ujabb kori ismeretek tára“ geboren im Jahre 1818). – Bohemia (Prager Unterhaltungsblatt, 4°.) 1861, Nr. 128 [nach diesem (in der Anmerkung) geb. 1811]. – Kazinczy’s politischer Standpunct. Denselben haben die hervorragenden ungarischen Abgeordneten in der Adreßdebatte 1861 in ihren Reden mehr oder minder klar bezeichnet. Kazinczy’s Rede gilt für eine der schwungvollsten. Ohne ihren ganzen Ideengang stufenweise verfolgen zu wollen, werden jedoch im Folgenden ihre Hauptmomente hervorgehoben. „Nicht wie Marius, meint K., auf den Trümmern von Karthago verhüllt zu trauern, ziemt es dem Ungar, sondern Bürgerpflicht ist es, unter den Ruinen der zerstörten Schöpfungen eines Jahrtausends nach den Symptomen des neuen Lebens zu forschen.“ ... Während die Vorredner die Arzneimittel für „unseren kranken Mann“ – [so beliebt K. geistreich den österreichischen Kaiserstaat zu nennen!] – bezeichnet und von der Sache gesprochen haben, hat er vor, einige Worte um die Sache herum zu sprechen. [Aus dieser Phrase erklärt sich der historische Apparat dieser Rede.] K. hält nicht so sehr aus theoretischer Ueberzeugung als aus historischen Gründen die constitutionelle Monarchie für jene nothwendige Form, welche die Verbindung und Brücke zwischen den Ueberlieferungen der Vergangenheit und den Entwickelungen der Zukunft bildet. Die elastische Ausdauer des Hauses Oesterreich, welche so oft das Sinken, die Erniedrigung aushielt und überlebte [er hätte zufügen können: aus der Asche der Zerstörung immer als neuer und prächtigerer Phönix emporschwebte], jenes gläubige Festhalten, welches auch die Verzweiflung niemals brechen konnte und sich stets gleichmäßig treu blieb, als in Habsburgs Erbe die Sonne niemals unterging oder wie beim Tode Leopold’s I. dasselbe auf 900 Quadrat-Meilen zusammengeschmolzen [112] war, alles das läßt ihm die Geschichte des Hauses Oesterreich in einem überraschenden, ja mystischen Lichte erscheinen. Genau bei Licht besehen, erscheint ihm aber die Politik dieses Hauses als die Politik der Kleinlichkeit, welche [nach seinen Berechnungen] in ihrem Endresultate zur Politik des Selbstmordes sich gestalten muß [für diese Ansicht ist K. den Beweis schuldig geblieben]. ... „Um aus diesem Fehler sich heraus zu wickeln, ist es die Aufgabe Oesterreichs, sich an die Spitze der Sache des Christenthums zu stellen, die Mission Ungarns gegenüber dem Oriente zu begreifen, und den natürlichen Schwerpunct seiner Macht nach Ungarn zu verlegen, da, durch erringt sich das Haus Oesterreich einen entscheidenden Standpunct in der Gegenwart, wird zum Herrn der Zukunft, und die bisherige kleinliche (!) Politik erhebt sich [natürlich im ausschließlichen Interesse Ungarns] zur welthistorischen Höhe.“ ... „Die 1848ger Revolution in Ungarn – wenn, meint K., sie so genannt werden darf, und sieht ihren größten Ruhm darin, daß sie es nicht war – war keine sociale, wie in Frankreich, sondern eine politische. Sie war nicht eine That des Volkes, sondern eine That der Intelligenz, sie zerriß Ketten, aber durch jene, die dazu berechtigt waren. Der Würfel fiel und die Nation verlor im ersten Augenblicke. Die Sache änderte sich. Die Wiener Regierung, nachdem sie materiell erschöpft, moralisch gebrochen, und mit ihren Experimenten bis „an das Ende der Welt“ gekommen war, begann an die Umkehr zu denken. Aber da sie mit der Angel nichts fangen konnte, griff sie zum Vogelleim, und bot uns statt des Rechtes, welches ewig ist wie Gott, eine Gnade an, die vergänglicher ist, als ein laufender Wolkenschatten. ... Da dynastischen Interessen uns gegenüberzustellen ein abgenützter Kunstgriff ist, so versucht man es jetzt, die Interessen der Völker den Ungarn entgegen zu halten. Aber Ungarn hat sich nun einmal vorgenommen: nach seiner Art selig zu werden, und will von allen Anträgen nichts wissen. Die Zeiten haben sich stark geändert. In der alten Welt richteten die Fürsten das Räderwerk der Zeit, sie bezeichneten die Gegenstände des Krieges und zogen demselben die Grenzen. Das Volk kämpfte, siegte, erlitt Niederlagen. Das war die Mission dieser Sclavengruppen. Aber in der Gegenwart steht hinter den Schlachtlinien ein zweites Lager, das der Ideen und der Sachen. Jedes Volk nimmt an jedem Kampfe Theil, entweder thatsächlich oder durch seine Principien, Hoffnungen und Besorgnisse. Ein einziger Augenblick reift Ideen, welche Jahrhunderte hindurch als Samen ruhten; gleich den gepanzerten Männern treten entscheidende Thaten in den Vordergrund; Bande, für die Ewigkeit berechnet, zerreißen, sobald die Verflechtung der wahren Interessen der Völker es erheischt. ... Wenn K. auf das Verhältniß Ungarns zu Deutschland zu sprechen kommt, so unterscheidet er zwischen den Deutschen „da draußen“ (außerhalb Oesterreich) und jenen „hier innen“ (in Ungarn, welche er als die opferwilligsten und nationalsten Söhne des Vaterlandes anerkennt), und will weder die Einen noch die Anderen unter seinen Deutschen gemeint haben. Die Deutschen, auf die K. ein Auge hat, sind jene, welche ex officio geboren werden, ihr Leben im Bureau hinbringen und sich in Acten begraben; wie Raupen, wenn sie ihren eigenen Wald verwüstet haben, schaarenweise auf Wanderung gehen, um zu leben und zu zehren. Die sich zu Allem hergeben, zu Barrikadenhelden und Ministern, zu Demagogen und Alterego’s, je nachdem es kommt und wie man’s braucht. Gebt einem solchen Deutschen, sagt K., eine Nation, und er wird sie so präpariren, wie man es wünscht; er zerstört und organisirt, er zerstört die Geschichte und das Leben um die Experimente seines albernen Gehirns zu „organisiren“. Und wenn es ihm gelungen, das zu zerstören, was Gott zusammenfügte, wenn er den Samen des Verderbens, der Kopflosigkeit und des Ruins in die Herzen, Köpfe und Institutionen zerstreut hat, wenn er mit Recht sagen kann: apres moi le déluge, dann meine Herren, nur dann läßt er, was er gemacht hat, zurück, geht nach Rom und wählt das Kreuz als Symbol, als „unica spes mea“. [Wir führten mit Absicht diese Stelle aus Kazinczy’s Rede an, um zu zeigen, wie persönlicher Grimm sich so weit vergessen kann, ein ganzes Volk zu schmähen. Das deutsche Oesterreich hat nichts mit dem Bilde zu schaffen, welches Herr K. von ihm entwirft, und sind die deutschen Beamten darunter gemeint, je nun so gehe man nach Ungarn, und sehe sich die dortige Comitatswirthschaft nicht nur an, sondern lebe sie durch und mit, um dem Redner jene Worte entgegen zu schleudern, die sein geschmackloser Aberwitz verdient. Eines einzigen Menschen willen, den K. haßt, ob mit Recht oder Unrecht, mag dahingestellt [113] bleiben, einen ganzen Volksstamm im Reiche, der weder nach Aemtern, noch Stellen in Ungarn geizte, zu beschimpfen, ihn einem anderen Volke, welches, wie es bekannt ist, die besten Stellen in allen Aemtern einnimmt und dessen Söhne doch Aufruhr predigen, zu substituiren, ist weder männlich noch geistreich.] Indem er nun auf das von verschiedenen Nationen bewohnte Ungerland zu sprechen kommt, so entwickelt er folgende Ansichten: Die Identität der Sprache und die physische Conformation sind: Erstere ein mächtiges Band der Völker, letztere ein Charakterzeichen der Stammverwandtschaft, aber ihr entscheidendes politisches Gewicht anerkennt K. nicht; nach ihm gibt es bei weitem untrüglichere Criterien für die Zusammengehörigkeit eines Staates, als die Gleichheit und Aehnlichkeit der Sprache, und diese sind der durch historisches Beisammensein entwickelte gemeinsame Geist und die geographische Lage, welche die Grenzen steckt und die innerhalb derselben befindlichen Elemente auf die Fusionen weist [es ist merkwürdig, daß die radicalsten Magyaren eben keine besseren Gründe für ihre Ansichten haben, als ihnen die radicalsten Großösterreicher für die ihren seit jeher entgegenstellen]. Die Racenverwandtschaft, argumentirt K. weiter, hat eine ethnologische, die Nationalität eine historische Basis und die geographische Lage ist ein über den menschlichen Institutionen stehendes Gesetz. Seit einem Jahrtausende kämpft der Ungar unter Glück und Mißgeschick, außen und innen; er verlor zeitweilig Alles, nur das Vaterland nicht, und so lange er lebt, wird er es auch niemals verlieren. ... Ungarn, einst in den Kämpfen zwischen Europa und Asien ein Vorposten, einst die Schutzwehr des Christenthums gegen die Barbarei des Orients, ist nun das Bollwerk der westlichen Civilisation gegen die Barbarei des Nordens, der Felsen, welcher das Zusammenströmen der großen Fluth des Slaventhums verhindert. Aber auch noch eine andere Idee vertritt Ungarn und zwar gegen die subversiven Bestrebungen: Die hohe Idee der Legitimität. Auf dem Boden, „außer welchem für sie auf dem ganzen Erdenrund kein Platz ist“, wird die ungarische Nation ihren Beruf erfüllen, und ihren Schatz: Die Idee des ungarischen Staates, hüten. Länder und Völker sind zu räthselhaften Aufgaben der Mythe geworden – der ungarische Staat ist es allein, den all’ der Sturm zwar zu erschüttern, aber niemals wegzufegen vermochte. .. Die Gegenwart kann Opfer fordern, diese Nation hat niemals gekargt – die Zukunft ist in Gottes Hand, aber die Vergangenheit verläugnen, dieß wäre mehr als Verrath am Vaterlande, es wäre eine Verläugnung der Ehre. Nach diesem hier, nur in den Schlagwörtern reproducirten Gedankengange, stellt K. folgende Postulate: 1) daß die pragmatische Sanction für Ungarn als bilateraler Vertrag bindend sei, daß der Eid, der den König verpflichtet, das Gebiet des Staates in keinem seiner Theile zu veräußern, zu verringern, je nach Möglichkeit zu vermehren und auszudehnen, sei es äußeren, sei es inneren Angriffen gegenüber, kein geschriebener Segen sei; 2) daß die Nation ihre eigenen Angelegenheiten frei verwalte, und sich jeder Einmengung in die Angelegenheiten anderer Länder enthalte; 3) daß die Nation über die ganze Wehrkraft des ungarischen Staates in giltiger Weise verfüge; 4) daß bezüglich der Steuern und ihrer Verwendung keine fremden Interessen dienende Behörde rechtskräftig verfüge; 5) daß die auf dem Wege eines rechtswidrigen Concordats vergeudeten Patronatsrechte des ungarischen apostolischen Königs über die nationale Mutterkirche wieder hergestellt werden; 6) daß das durch uncompetente Richter, nach fremden Gesetzen begangene rechtswidrige und ungiltige Verfahren wider so viele Söhne des Vaterlandes in seinen Folgen eingestellt werde. Nach einer Apostrophe, in welcher er das Gebaren der Regierung in den letzten 12 Jahren in den grellsten Farben schildert, schließt er seine Rede mit einem Zurufe an den König: er möge keinen neuen Kampf gegen die Principien der ewigen Wahrheit beginnen: „denn es wäre der Kampf eines endlichen Menschen mit der unendlichen Zukunft, es wäre ein Kampf zwischen einem König und einem Gott“.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Kazinczy, Gabriel [s. d. Bd. XI, S. 110], gestorben zu Bánfalva im Borsoder Comitate Ungarns 18. April 1864. Seine letzte literarische Arbeit war die Denkrede auf Paul Szemere, welche er in der Generalversammlung 1864 der ungarischen Akademie der Wissenschaften gehalten. Früher noch erschienen von ihm die Schriften: „Martius Galeot könyve Mátyás király jeles, bölcs és elmés mondásai és tetteiröl“, d. i. Des Martius Galeot Buch über des Königs Mathias vorzügliche, kluge und witzige Reden und Handlungen (Pesth 1863, Moriz Ráth[WS 1]); in zwei Anhängen dieses Werkes befinden sich: Carbo’s Dialog von Mathias’ glorreichen Tagen und ein gleichzeitiges Schreiben über die Heirath des Königs. Von den durch ihn herausgegebenen älteren Geschichtsquellen Ungarns sind zu nennen im 19. Bande der „Monumenta Hungariae historica“ (Pesth, Eggenberger): „Gróf Illésházy István nádor fölzegyzései 1594–1603 Hidvégi Mikó Ferenc históriája 1594–1613 Biró Samuel folytatásával“, d. i. Des Palatin Stephan Grafen von Illésházy Notizen aus den Jahren 1592 bis 1603 und Geschichte der Jahre 1594 bis 1613 des Franz Miko de Hidveg mit der Fortsetzung von Samuel Biró; und im 20. Bande: „Altorjai báró Apor Péter numkái“, d. i. Die Werke des Baron Peter Apor von Altorja. In den von der Kisfaludy-Gesellschaft herausgegebenen Schriften aber erschien von ihm unter dem Titel „Moliére vigjatékai“, d. i. Aus Molière’s Lustspielen, die Uebersetzung von dessen Tartüffe, Geizigen und George Dandin. K. war Mitglied derselben und der Kisfaludy-Gesellschaft. Die Bewohner von Bánfalva hegten für ihn eine so große Anhänglichkeit, daß sie sich der Ueberführung des Leichnams nach der Kazinczy’schen [494] Familiengruft im Zempliner Comitate widersetzten und daß zur Hintansetzung von Unannehmlichkeiten das Einschreiten der Behörden nöthig wurde.
    Az ország tükre, d. i. Der Reichsspiegel (illustrirtes Pesther Blatt, kl. Fol.) 1864, Nr. 13 [mit Kazinczy’s lithographirtem Porträt]. – Pester Lloyd (deutsches polit. Blatt in Pesth) 1864, Nr. 109. – Ungarische Nachrichten (Pesther polit. Blatt) 1864, Nr. 92. [Bd. 14, S. 493 f.]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Roth.
  2. Vorlage: seinen.