BLKÖ:Schröder-Devrient, Wilhelmine

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Schröder, Albert
Band: 31 (1876), ab Seite: 337. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Wilhelmine Schröder-Devrient in der Wikipedia
GND-Eintrag: 119056569, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Schröder-Devrient, Wilhelmine|31|337|}}

Schröder-Devrient, Wilhelmine (dramatische Sängerin, geb. zu Hamburg 6. October 1805, gest. zu Coburg 26. Jänner 1860). Eine Tochter der berühmten Tragödin Sophie Schröder [s. d. S. 321] aus ihrer zweiten Ehe mit dem Hamburger Baritonisten Schröder, dem besten „Don Juan“ seiner Zeit. Verlebte, wie jedes Theaterkind, eine nichts weniger denn glückliche Jugend. Bereits im Alter von fünf Jahren betrat das reizende Kind als Amorine die Hamburger Bühne. Als im Jahre 1815 ihre Mutter – damals zum zweiten Male – in Wien engagirt wurde, kam auch Wilhelmine, nun ein zehnjähriges Mädchen, nach Wien und wurde daselbst im genannten Jahre für das seiner Zeit berühmte Kinderballet, das unter Horschelt’s Leitung stand, nachdem sie schon in demselben unter Horschelt’s Mutter in Prag aufgetreten war, engagirt. Auf die Dauer konnte dem talentvollen Mädchen, dessen Geistesgaben sich immer mächtiger entwickelten, Tanz und Pantomime nicht genügen, und so wendete sie sich dem recitirenden Schauspiele zu und betrat, 15 Jahre alt, zuerst die Bretter des Burg-Theaters. Die erste Rolle, welche sie spielte, war – nicht, wie es in einem Nekrologe heißt, die Phädra, sondern – die Aricia in Racine’s „Phädra“, welcher dann die Luise in „Kabale und Liebe“, die Ophelia, die Melitta in Grillparzer’s „Sappho“ und die Beatrice in Schiller’s „Braut von Messina“ folgten. Durch ihre schöne, klangvolle Stimme fand sich die Mutter bewogen, ihre Tochter im Gesange unterrichten zu lassen, und als sie am 20. Jänner 1821, damals 16 Jahre alt, in der Rolle der Pamina in Mozart’s „Zauberflöte“ zum ersten Male als Sängerin auftrat und durch ihre schöne Stimme, verbunden mit einer guten Schule und einem verständigen Spiele vollen Beifall [338] erntete, war auch ihr Beruf entschieden sie sollte Sängerin werden. Ihrem ersten Meister im Gesange, Grünwald folgte nun der Italiener Mozatti, während in Declamation, Action und Mimik ihre Mutter Lehrerin und Vorbild war. Sie machte bald glänzende Fortschritte und ihr angeborner Genius half ihr bald, sich selbstständig auf der eingeschlagenen Bahn zu orientiren. Ihre weiteren Antrittsrollen waren Emmeline in Weigl’s „Die Schweizerfamilie“ und Marie in Gretry’s „Blaubart“. Als Weber’s „Freischütz“ zum ersten Male in Wien gegeben werden sollte, wurde ihr die Parthie der Agathe zugetheilt. Am 7. März 1822 wurde die Oper zu Wilhelminen’s Benefize zum zweiten Male gegeben. Weber dirigirte die Oper persönlich und Wilhelmine-Agathe theilte seinen Triumph. Der Enthusiasmus kannte keine Grenzen. Weber selbst sagte von der Sängerin: „Sie ist die erste Agathe der Welt und hat Alles übertroffen, was ich in die Rolle hineingelegt zu haben glaubte“. Noch im Sommer desselben Jahres begab sie sich mit ihrer berühmten Mutter nach Dresden, wo ihr Talent wie ihre Schönheit allgemeine Bewunderung ernteten. Als sie von Dresden nach Wien zurückkehrte, wurde zu der Namensfeier der Kaiserin die seit einiger Zeit zurückgelegte Oper „Fidelio“ von Beethoven wieder gegeben und Wilhelminen die Titelrolle zugetheilt. Beethoven sprach sich im Anbeginn sehr unzufrieden darüber aus, daß die schwere Rolle der Leonore „einem solchen Kinde“ – Wilhelmine zählte damals 17 Jahre – anvertraut wurde, kam aber nach der Aufführung von seiner vorgefaßten Meinung zurück. Den Ton ihrer Stimme, da ihm das Gehör versagt war, konnte er freilich nicht hören, aber die Seele ihres Gesanges offenbarte sich ihm in jeder Miene des von Geist durchleuchteten Gesichtes, in dem glühenden Leben der ganzen Erscheinung. Nach der Vorstellung ging er zu ihr, seine sonst so finsteren Augen lächelten ihr zu, er klopfte ihr auf die Wangen, dankte ihr für den „Fidelio“ und versprach, eine neue Oper für sie zu componiren – ein Versprechen, das leider nicht erfüllt werden sollte. Wilhelmine kam nie wieder mit dem Tonheros zusammen, aber unter allen Huldigungen, die der berühmten Frau später zu Theil wurden, blieben ihr die Worte der Anerkennung, die ihr Beethoven gesagt hatte, die liebste Erinnerung. Aber wie der Meister, so waren auch Hof und Publicum in der Anerkennung über ihre unvergleichliche Leistung im Gesange und Spiele dieser Rolle eins. Mit der Rolle Fidelio’s hatte sich Wilhelmine den Platz neben den ersten Sängerinen ihrer Zeit ersungen. Bis hieher gehören die Schicksale der berühmten Sängerin dem Kaiserstaate an, deßwegen glaubte Herausgeber auch etwas ausführlicher sein zu müssen. Ihre ferneren Schicksale sollen kurz zusammengefaßt werden. Im Jahre 1823 ging sie nach Berlin. Früher schon, aber um diese Zeit hatte sie den Schauspieler Karl Devrient kennen gelernt. Die beiden jungen Leute gewannen sich lieb und noch im Sommer genannten Jahres wurde der Ehebund in der Jerusalemerkirche in Berlin geschlossen. In der ersten Zeit, da durch zwei schwere Wochenbetten ihre Stimmmittel stark geschwächt waren, gelangte die Künstlerin, die einem Rufe nach Dresden gefolgt war, nicht zu voller Geltung. Aber, nachdem sie sich erholt und ihre frühere Vollkraft wieder erlangt hatte, nun erst begann ihr Stern zu glänzen. Ihre aus [339] Neigung geschlossene Ehe, die sich sehr unglücklich gestaltet hatte, wurde im Jahre 1828 wieder getrennt; um die Trennung zu erlangen, brachte die S. selbst das Opfer, ihre Kinder, die sie schwärmerisch liebte, zu verlassen, nur eines behielt sie bei: den Namen ihres Gatten und nannte sich seitdem Schröder-Devrient. Von Dresden aus unternahm sie nun Kunstausflüge, 1830 sang sie in Paris, dann in Berlin, 1831 abermals in Paris, wo sie sogar fünfthalb Monate bei der italienischen Oper engagirt war, 1832 sang sie in London, was sie 1833 wiederholte; 1834 feierte sie auf einer Kunstreise in Deutschland, Oesterreich und Rußland eine Reihe von Triumphen, 1837 besuchte sie zum dritten Male London, dießmal, während sie früher bei der deutschen Oper sich befand, bei der englischen engagirt; im October g. J. kehrte sie nach Dresden zurück. Anfangs der Vierziger-Jahre lernte sie einen sächsischen Officier, Namens v. Döring, kennen und 1847 vermälte sie sich mit diesem ihrer vollends unwürdigen Lüstling, durch diesen Schritt neues Unheil sich bereitend, das so wuchtig sie traf, daß noch im Winter desselben Jahres ein völliger Bruch dieses Bündnisses und im Februar 1848 die Ehescheidung erfolgte. Nun sang sie in Kopenhagen, dann in Riga, 1848 wieder in Paris, worauf die politischen Zeitereignisse, nichts weniger als für Opern und Theatergenüsse angethan, ihr eine längere Ruhepause ermöglichten. Sie genoß dieselbe auch längere Zeit am Brienzer See. Im Laufe des Winters 1849[WS 1] verlobte sie sich mit Herrn von Bock, einem liefländischen Edelmann, mit dem sie am 14. März 1850 in Gotha getraut wurde. Mit dieser Ehe war ihre dramatische Laufbahn geschlossen. Sie folgte ihrem Gatten nach Liefland. Hier, wo sie in dem Gatten Liebe und Verständniß fand, trat ihr nun die Familie feindselig entgegen. Das bürgerliche Weib und gar die Komödiantin war diesem liefländischen Kleinadel ein Dorn im Auge. Endlich wurde ihre Lage eine so mißliche, daß sie beschloß, ihren Gatten, der ihr keinen Schutz gewähren konnte, und Liefland zu verlassen, was sie auch 1858 ausführte. Sie lebte nun einige Zeit in Leipzig und Dresden, sang auch ab und zu in Concerten, vorwiegend Lieder. Da brach bei ihr ein Leiden aus, das sich alsbald als Krebsleiden entpuppte. Nun übersiedelte sie der besseren Pflege wegen nach Coburg, wo ihre Schwester Auguste Schröder-Gerlach, nachmals Schröder-Schloenbach, lebte und dort, wo ihre Krankheit einen ungewöhnlich raschen Verlauf nahm, erlag sie derselben im Alter von 55 Jahren, acht Jahre vor der damals bereits 79jährigen Mutter Sophie. Was Wilhelmine Schröder-Devrient in der Kunstwelt war, darüber herrscht eine Stimme. Die Geschichte der Gesangskunst nennt sie in einem Zeitraume von etwa 30 Jahren, 1820–1850, die größte deutsche Sängerin. Von ihren Rivalinen, und sie hatte deren viele: die Sontag, Heinefetter, Fischer-Schwarzböck, Schätzel, Jenny Lutzer, Sophie Löwe, von Faßmann, Schebest, Hasselt hatte, die Sontag etwa ausgenommen, keine gleiche Erfolge auszuweisen. Namentlich in der dramatischen Gestaltung ihrer Rollen stand sie unerreicht da. Ihre scenischen Kunstgebilde sind das geworden, was ein Gemälde von Raphael, was eine Statue von Praxiteles. Ihre Glanzrollen aus früherer und späterer Zeit waren: Donna Anna, Desdemona, Euryanthe, Emmeline, [340] Fidelio, Romeo, Norma Somnambula, Valentine, Vestalin. Obwohl sie in Coburg starb, wurde doch ihre Leiche nach Dresden gebracht und dort auf dem Trinitatis-Friedhof beigesetzt. Ein zwischen Blumen und Cypressen hervorragender Würfel aus grauem Granit mit der einfachen Aufschrift: „Wilhelmine von Bock, Schröder-Devrient“ bezeichnet ihre Ruhestätte. Für mehrere Generationen wird diese einfache Inschrift ausreichen. Die Keil’sche „Gartenlaube“ 1861 gibt auf S. 77 eine Ansicht ihres Grabes. Claire Glümer in dem unten in den Quellen bezeichneten Werke, das anfänglich in der „Gartenlaube“ abgedruckt war, gibt ein ebenso treues als lebensvolles Charakterbild der großen Sängerin und Künstlerin, die auch als Frau und Charakter eigenartig und interessant war.

I. Biographien und Biographisches. Glümer (Claire), Erinnerungen an Wilhelmine Schröder-Devrient (Leipzig 1862, J. Ambr, Barth, gr. 8°., mit Portr, im Stahlst. u. Facsimile) [längere und kürzere Auszüge aus diesem interessanten Buche, das vorher in der Keil’schen „Gartenlaube“ im Jahrgange 1860 erschienen war, brachten viele Zeitungen des In-und Auslandes, u. z. die Ostdeutsche Post 1860, Nr. 72; die Krakauer Zeitung 1860, Nr. 61, 66, 67, 161, 162, u. m. a.]. – Wolzogen (Alfr. Fr. v.), Wilhelmine Schröder-Devrient. Ein Beitrag zur Geschichte des musikalischen Drama’s (Leipzig 1863, Brockhaus, XII u. 351 S. gr. 8°.). – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1863, Nr. 137 u. f.. Beilage: „Die Schröder-Devrient“ [nach Wolzogen’s Buch]. – Der Bazar (Berliner Musterblatt), 15. September 1868: „Malibran, Schröder-Devrient, Sontag, Plaudereien eines ehemaligen Mitgliede des Dresdener Hoftheaters“. – Berliner Figaro. Redacteur L. W. Krause, X. Jahrg. (1840), Nr. 152 u. 153, S. 606: „Wilhelmine Schröder-Devrient“. – Bremer Sonntagsblatt 1863, Nr. 9 u. 10: „Schröder-Devrient“. – Breslauer Zeitung 1860, Nr. 63, im Feuilleton: „Wilhelmine Schröder-Devrient“, Erinnerungsskizzen von Fr. Tz. – Constitutionelle österreichische Zeitung (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 507, im Feuilleton: „Wilhelmine Schröder-Devrient als Fidelio“. – Europa. Herausg. von Gustav Kühne, 1863, Nr. 6: „Schröder-Devrient“. – Gartenlaube (Leipzig, Ernst Keil, 4°.) 1855, S. 193: „Wilhelmine Schröder-Devrient und Beethoven“; 1860, S. 112: Todesnachricht; S. 168, 185, 216, 270, 302, 342, 509, 665, 794; 1861, S. 297, 509, 717, 798; 1862, S. 549: „Wilhelmine Schröder-Devrient“, von Claire von Glümer. – Die Glocke. Illustr. Blatt (Leipzig, Payne) 1860, Nr. 59: „Wilhelmine Schröder-Devrient“. – Iris. Herausgegeben von Cajetan Cerri (Gratz, schm. 4°.) 1863, Bd. I, Lieferung 3: „Aus dem Leben der Schröder-Devrient“. – National-Zeitung (Berlin, kl. Fol.) 1860, Nr. 81 u. 83: „Erinnerung an Wilhelmine Schröder-Devrient“ [Bruchstück aus den „Lebenserinnerungen von Fanni Lewald]. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1836, Beck, 8°.) Bd. IV, S. 705: Biographie. – Olmützer Zwischen-Akt. Localblatt für Theater u. s. w. (4°.) V. Jahrg. (1870), Nr. 112: „Wilhelmine Schröder-Devrient und ihr erstes Auftreten in Wien“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1862, Nr. 329, in der „Kleinen Chronik“: „Eine Anekdote von der Schröder-Devrient“. – Theater-Zeitung, herausg. von Adolph Bäuerle (Wien, gr. 4°.) 1854, Nr. 144. S. 599: „Tischgespräch mit Frau Schröder-Devrient“. – Ueber Land und Meer. Allgemeine illustrirte Zeitung (Stuttgart, Hallberger, kl. Fo.) III. Bd. (1860), S. 216: „Wilhelmine Schröder-Devrient“. – Unterhaltungen am häuslichen Herd (Leipzig, Brockhaus, schm. 4°.) 1863, Nr. 20: „Wilhelmine Schröder-Devrient. Ein Künstlerleben“, von Ludwig Habicht. – Die Verfassung (Wiener polit. Blatt) 1864, Nr. 321, im Feuilleton [aus Genast’s Aufzeichnungen]. – Von Haus zu Haus (Prager illustrirtes Blatt, Kober, 4°.) 1860, Nr. 25, S. 323: „Erinnerung an Wilhelmine Schröder-Devrient“, von Kertbeny. – Wanderer (Wiener polit. Blatt) 1860, Nr. 40, im Feuilleton: „Wilhelmine Schröder-Devrient“. – Wiener Theater-Chronik 1860, Nr. 11, im Feuilleton: „Wilhelmine [341] Schröder-Devrient“; – ebenda, in den Personalien: „Das Begräbniß der Frau Schröder-Devrient“. – Wiener Zeitung (Abendblatt) 1872, Nr. 188, S. 752: „Karl Devrient“ [mit mehreren Rückblicken auf seine Gattin Wilhelmine, von der er sich nachmals schied. Eine Bemerkung daselbst lautet: „Karl und Wilhelmine wurden einander erst dann ähnlicher, als ihre Herzen einander flohen und die Liebe ihnen ihre Fackel für immer ausgelöscht hatte“. Der Aufsatz ist von H.(ermann) M.(einert)). – Zeitung für die elegante Welt (8°.) 1844, S. 460: „Aus Halle“ [über das Gastspiel der Sch.-D. in Halle].
II. Porträte. 1) Unterschrift: Mad. Schroeder-Devrient. Cramolini 1835 (gez. u. lith., kl. Fol.). Gedr. bei Höfelich (in Wien). – 2) Hanfstängl gez. u. lith. (München, Fol., Halbfig.). – 2) E. de Luqueyssie p., M. Knäbig lith. (Fol., Halbf.), – 4) Unterschrift: Schroeder-Devrient. Nach der Natur gemalt von J. K. Stahlstich von Carl Mayer Nbg. (4°.). – 5) L. Patzschke lith. 1843 (Fol., Halbfigur). – 6) Unterschrift: Schroeder-Devrient. Ch. A. Schuler sc. (Carlsruhe, im Kunst Verlag, 4°.), – 7) Leipzig, Pönicke (Fol., Lith.), ohne Angabe des Zeichners u. Lith. – 8) Unterschrift: Wilhelmine Schröder-Devrient. Holzschnitt. Oval, Am unteren Rande innerhalb der Einfassungslinie steht: GK. E. Hallberger X. A. Helm. – 9) Unterschrift: Wilhelmine Schröder-Devrient. Holzschnitt in der Illustr-Zeitung.
III. Zur künstlerischen Charakteristik. Berliner Figaro. Red. von L. W. Krause. IX, Jahrg. (1839), Nr. 81: „Deutsche Sängerinnen“ [eine künstlerische Charakteristik der Schröder-Devrient. Auguste von Faßmann, Sophie Löwe, Agnese Schebest, Jenni Lutzer und Wilhelmine v. Hasselt]. – Abweichend von dem üblichen blinden Kunstenthusiasmus und durch seine Begründung bemerkenswerth ist das Urtheil von Hector Berlioz, welches er im achten Abschnitte seiner „musikalischen Reise“ über die Schröder-Devrient fällt. Es geht darauf hinaus, daß auch die Künstlerin, die er vor Jahren als Fidelio in Beethoven’s gleichnamiger Oper in Paris bewunderungswürdig fand, mit der Zeit in eine Uebertreibung und Manier verfallen war, welche ihrer Kunst Abbruch that. Es ist interessant, wie der französische Kritiker sein Urtheil ausführlich begründet.
IV. Einzelnes. Geburtsdatum der Schröder-Devrient. Die Geburtsdaten der Künstlerin weichen stark von einander ab, nach der Theater-Zeitung 1860, Nr. 24, ist sie am 6. Jänner 1805 geboren; nach Hallberger’s „Ueber Land und Meer“ am 6. December d. J.; nach anderes Quellen, und die meisten stimmen in dieser Angabe überein, am 6. October 1805. – Sch.-D.’s Büste. Der Gotha’er Bildhauer Wolfgang hatte über Rauch’s Empfehlung das Medaillon der Schröder-Devrient angefertigt und es in Marmor ausgeführt. Der Künstler hatte damit ein wirklich vollendetes Kunstwerk geliefert und die Schröder-Devrient selbst nannte es das beste von allen, die bisher nach ihr geschaffen wurden. In wessen Besitz es sich befindet, ist mir nicht bekannt. – Ein Druckfehler. Die große Künstlerin wurde kaum ein Jahr vor ihrem Ableben das Opfer eines, wenn man so sagen darf, grotesken Druckfehlers. Die in Hamburg von Frau Christiany herausgegebene „Norddeutsche Theater Zeitung“ berichtete, als sie den Gesang einer Frau Boni in den siebenten Himmel erhob, wörtlich: „Frau Boni war wirklich großartig im Spiel u. s. w. und erinnerte uns an die schönste Brütezeit der unvergeßlichen Schröder-Devrient“. – Gedenktafel der Schröder-Devrient. In dem Hause in Coburg, in welchem die berühmte Sängerin starb, ließ Tichatschek eine Gedenktafel aus schwarzem Marmor anbringen, welche in vergoldeten Lettern die Inschrift trägt: „In diesem Hause starb Frau Wilhelmine Schröder-Devrient am 26. Jän. 1860“.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1840