BLKÖ:Thurn-Valsassina, Georg Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 45 (1882), ab Seite: 119. (Quelle)
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Thurn-Valsassina, Georg Graf (Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Prag 3. Jänner 1788, gest. zu Wien 9. Februar 1866), ein Sohn des auf dem Felde der Ehre bei Giurgewo 1790 gebliebenen Generalmajors Grafen Franz Joseph aus [120] dessen Ehe mit Maria Anna geborenen Gräfin Sinzendorf, wiedervermälten Graf d’Elci. 20 Jahre alt, trat er in Klagenfurt am 1. August 1808 in die zu jener Zeit aufgestellte Landwehr als Hauptmann ein. Nachdem er den Feldzug 1809 mitgemacht hatte, schied er aus dem Dienste, den er Mitte October 1813 wieder aufnahm, und zwar in der Eigenschaft eines Oberlieutenants im 4. Jäger-Bataillon, aus welchem er bald als Hauptmann in das neu organisirte Jägercorps Fenner eingetheilt wurde. Bei seiner trefflichen Vorbildung sofort im Generalstabe verwendet, that er sich vom 1. bis 10. Februar 1814 während und nach der Schlacht bei Mincio so hervor, daß er mit dem Ritterkreuze des Leopoldordens decorirt wurde. Im Feldzuge des Jahres 1815 erkämpfte er sich durch seine Bravour bei dem Vorrücken über die Catolica am 30. April das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens. Mit seiner aus drei Zügen Huszaren bestehenden Abtheilung bis vor das befestigte Pesaro gedrungen, stürmte er muthig in die Stadt ein, wo über sein plötzliches Erscheinen die Feinde panischer Schreck ergriff. Ein Theil derselben wendete sich zur Flucht, der Rest von 400 Mann, welcher sich ergab, wurde gefangen genommen, und die unmittelbar vor der Stadt lagernde 10.000 Mann, starke feindliche Division Carascosa trat sofort und in ziemlicher Verwirrung den Rückzug an. Dadurch aber gewann unsere Armee große Vortheile, und Graf Thurn erhielt dafür im Capitel des Jahres 1816 das Kleinkreuz des Maria Theresien-Ordens. Nach dem Friedensschlusse kam er als Major zum Infanterie-Regimente König. Wilhelm der Niederlande, dann wurde er als erster Legationssecretär der k. k. Gesandtschaft zu St. Petersburg mit der Weisung beigegeben, über die militärischen Verhältnisse Rußlands Bericht zu erstatten. Später versah er während der Abwesenheit des Gesandten durch anderthalb Jahre die Stelle eines kaiserlichen Geschäftsträgers an diesem Hofe. Im Jahre 1820 ging er als außerordentlicher Gesandter an den königlich württembergischen Hof, 1825 wieder zur Truppe einberufen, wurde er im Generalquartiermeisterstabe vorerst bei der kriegsgeschichtlichen Abtheilung, im Juni 1828 aber als Director der Militär-Landesbeschreibung in Ungarn verwendet. Im October 1829 rückte er zum Oberstlieutenant im Corps, 1830 zum Obersten und Commandanten des Infanterie-Regiments Nr. 49, im Februar 1836 zum Generalmajor auf. und kam als Brigadier nach Tirol, 1838 als solcher nach Gratz, im Februar 1845, zum Feldmarschall-Lieutenant erhoben, als Divisionär nach Pesth. Im folgenden Jahre vom Kaiser zum zweiten Inhaber des Infanterie-Regiments Prinz von Preußen Nr. 34 ernannt, kam er 1847 als Divisionär nach Gratz. Im Jahre 1848 erhielt er das Commando einer Division bei der am Isonzo concentrirten 18.000 Mann starken Reservearmee[WS 1] unter dem Feldzeugmeister Nugent. Dieser hatte die Aufgabe, sich nach der Einnahme von Udine und Ueberschreitung des Tagliamento auf das schleunigste mit dem Feldmarschall Grafen Radetzky zu vereinigen. Indessen wurde er krank und übergab am 17. Mai das Commando an den Grafen Thurn, welcher ohne Verlust und ungeachtet aller Beschwerlichkeiten. eines höchst anstrengenden, durch den Ausbruch eines heftigen Gewitters nur noch mühevolleren Marsches in vier Tagen die Vereinigung bei Villanova [121] und San Bonifacio bewerkstelligte. Am 25. Mai übernahm Graf Thurn das Commando der Division Lichnowsky in Roveredo, welche durch ansehnliche Verstärkung das dritte Armeecorps bilden sollte. Daselbst traf er alle Anstalten, um die Bewegungen des Feldmarschalls, sobald dieser zur Offensive überginge, auf das kräftigste zu unterstützen. Als nun Radetzky zur Offensive schritt, erhielt Thurn am 19. Juli Befehl, die bei Rivoli stehenden feindlichen Kräfte anzugreifen. Am 22. Juli stand er dazu bereit, und ohne davon Kenntniß erhalten zu haben, daß der Feind inzwischen seine Bewegung ausgeführt hatte, durch welche die ganze Operationslinie eine Veränderung erfuhr, schritt er, wie es in seiner Absicht lag, zum Angriff auf Rivoli, welchem jedoch der Sturm auf die Stellung von Spiazzi oder Madonna della Corona vorangehen mußte. Er führte persönlich die 3884 Mann starke Hauptcolonne; Feldmarschall-Lieutenant Lichnowsky [Bd. XV, S. 76, Nr. 4] befehligte die aus 1338 Streitern bestehende Seitencolonne, welche durch das Etschthal vordrang. Eine Bravour ohne Gleichen entwickelte Thurn mit seiner Colonne, welche mit dem Bajonnete den Feind aus dessen sämmtlichen Stellungen warf und ihn zwang, sich in die Verschanzungen bei Rivoli zurückzuziehen. Dort stand dieser nur in der Anzahl von 3000 Mann mit 6 Geschützen. In einer Stellung, von welcher aus er die Stärke seines Gegners vollständig überblicken konnte, ergriff er nun selbst die Offensive, wurde aber zurückgeschlagen. Da Thurn indessen eine ziemlich bedeutende Umgehungscolonne des Feindes entdeckte, welche mit dessen in Rivoli stehender Truppe vereint einen Angriff auf seine ungleich schwächere Abtheilung versuchen konnte, unterließ er einen weiteren Angriff, zumal seine Mannschaft ganz erschöpft war und mit Mangel an Lebensmitteln zu kämpfen hatte. Der Feind aber, der am nächsten Tage einen neuen Angriff der Unseren besorgte, verließ während der Nacht seine feste Stellung in Rivoli und zog sich nach Peschiera. Nun besetzte Graf Thurn die aufgegebene Stadt, rückte aber auf erhaltenen Befehl am 25. Juli nach Cavalcaselle. und übernahm an Stelle der Brigade Edmund Schwarzenberg die Einschließung Peschieras. Am 29. Juli erhielt er das Commando des neu zusammengesetzten vierten Armeecorps, welches gegen Cremona vorzurücken hatte, und nach der Einnahme Mailands wurde er nach Piacenza entsendet. In den amtlichen Rapporten über diesen ersten Feldzug wird Feldmarschall-Lieutenant Graf Thurn unter jenen Ausgezeichneten genannt, welche sich um Kaiser und Vaterland besonders verdient gemacht, und Seine Majestät anerkannte diese Verdienste durch den Orden der eisernen Krone erster Classe. Im Feldzuge 1849 behielt Graf Thurn das Commando seines Corps. In der Schlacht bei Novara, am 23. März, hatte er seinen Ehrentag; auf das trefflichste unterstützte er die Absichten des Feldmarschalls nicht allein durch seine selbständig getroffenen Dispositionen in den Bewegungen seines Armeecorps, sondern auch durch sein Eintreten in den Kampf bei Casalino und Cameriano, wo er den Angriff des Feldzeugmeisters d’Aspre mit einer Demonstration auf das entschiedenste förderte, und dann trug er durch das plötzliche Erscheinen seines Armeecorps auf dem Schlachtfelde wesentlich bei zum Rückzuge des Gegners auf dessen Hauptlinie, womit aber auch bei der bald darauf eingetretenen Dunkelheit [122] und dem fallenden Regen die Fortsetzung des Kampfes unmöglich und die vollkommenste siegreiche Entscheidung für die Unseren herbeigeführt wurde. Noch ließ er am folgenden Tage die Stadt Novara mit Granaten bewerfen, worauf zuerst Parlamentäre mit der Nachricht erschienen, daß ein Waffenstillstand abgeschlossen sei, und dann eine Deputation mit dem Bischof an der Spitze die Unterwerfung ankündigte. Von welcher Wichtigkeit das plötzliche Erscheinen des vierten Armeecorps unter Thurn auf dem Schlachtfelde gewesen, erhellt besonders aus dem Umstande, daß das zweite und dritte Corps trotz eines achtstündigen heldenmüthigen Kampfes nicht vermocht hatten, den um ein Dritttheil stärkeren Gegner zurückzuschlagen. Dieser glorreichen Waffenthat, für welche der wackere General in der 153. Promotion (am 29. Juli 1849) zugleich mit Erzherzog Albrecht, d’Aspre, Jellačić, Puchner und Haynau das Commandeurkreuz des Maria Theresien-Ordens erhielt, sollte als tragikomischer Epilog ein diplomatisches Nachspiel folgen. Schönhals, der beredte Berichterstatter der Ereignisse von 1848 und 1849 in Italien, erzählt nämlich, daß nach der Schlacht, als Thurn mit seinen Officieren kameradschaftlich beisammen war, ein piemontesischer Oberst gemeldet wurde, der Carlo Alberto’s Abdankung vorgebend, erklärte, sich nun, da Alles zu Ende, auf seine Güter begeben zu wollen, und um Passirung ersuchte. Thurn habe ihm eine Taffe Kaffee geboten und die gewünschte Legitimation ausgestellt, ohne sich zu verrathen, daß er in ihm sogleich den König Karl Albert erkannt habe. Aber er fand, es sei das Klügste, ihn laufen zu lassen, um jeder Verlegenheit aus dem Wege zu gehen. Und Radetzky, dem er sogleich darüber berichtete, habe das Verfahren mit den Worten gebilligt: „Ebenso fein als Diplomat, wie unternehmend als Soldat. Ganz einverstanden“. Im Mai 1849 erhielt der Graf das Commando des zweiten Reservecorps und traf am 16. d. Mts. im Hauptquartier Casa Papadopoli ein, um die Belagerung von Venedig bei Haynau’s Abgang zur Armee in Ungarn zu übernehmen. Er setzte nun die Belagerungsarbeiten mit verdoppelter Energie fort. Am 27. Mai fiel Fort Marghera in unsere Hände; in der Nacht vom 6. auf den 7. Juni drang Hauptmann Brüll mit beispielloser Bravour auf die Eisenbahnbrücke vor und stürmte mit seinen Leuten die dort aufgestellte feindliche Batterie, fand aber auch dabei den Heldentod. Der Graf machte Versuche, mit Hilfe von Luftballons, welche nach der Construction des Artillerieofficiers Uchatius, des nachmaligen berühmten Generals, hergestellt wurden, Bomben in die Stadt zu werfen, da aber der Erfolg nicht ganz den Erwartungen entsprach, stand er bald wieder davon ab. Dagegen erzielte eine von dem Feldzeugmeister Freiherrn von Augustin angeregte Beschießung mit eigenartigen Projectilen, welche unter einem Winkel von 42 bis 45 Grad auf weite Distanzen getrieben werden konnten, so vernichtende Wirkungen, daß die Bevölkerung Venedigs in die höchste Bestürzung gerieth. Zwar mußte Graf Thurn am 10. August das Commando des vierten Corps wieder übernehmen, aber die unter seiner Leitung der Belagerung erzielten Erfolge waren so mächtig gewesen, daß wenige Tage nach seinem Abgange die Stadt zu capituliren verlangte und am 24. August sich auch auf Gnade und Ungnade ergab. Zum Andenken dessen, was er vor der [123] Lagunenstadt geleistet, erhielt das Fort Riccardi auf allerhöchste Anordnung den Namen „Thurn“. Nach dem Rückzuge des Occupationscorps aus Piemont zur Uebernahme des Commandos des in den päpstlichen Legationen und in Toscana dislocirten achten Armeecorps abgesendet, wurde Feldmarschall-Lieutenant Graf Thurn am 16. November 1850 zum Feldzeugmeister befördert, nachdem er schon früher zum wirklichen geheimen Rathe und zum Landesmilitär- Commandanten von Innerösterreich ernannt worden war. Am 26. October 1852 erhielt er die Präsidentenstelle des obersten Militärgerichtshofes. Nach achtjähriger Thätigkeit auf diesem Posten trat er im Juni 1860 mit dem Großkreuz des Leopoldordens geschmückt in den Pensions-, aber noch immer nicht in den Ruhestand über, denn am 31. März 1861 erfolgte mit allerhöchster Entschließung die Berufung des 73jährigen Kriegsmanns zum Landeshauptmann für Kärnten und am 18. April d. J. zum Reichsrathe auf Lebensdauer. Wenn wir im Vorstehenden das thaten- und glorreiche Leben des Kriegers und Staatsmannes im flüchtigsten Umrisse gezeichnet haben, so bleibt uns noch Einiges über den Poeten, Politiker und militärischen Geschichtsschreiber zu sagen übrig. In den Tagen seiner diplomatischen Verwendung fand der Graf auch Ruße, sich den Künsten über Rußlands Militärwesen während seiner diplomatischen Stellung am St. Petersburger Hofe zu erfahren, blieb ohne Resultat. Dagegen erhielten wir Kenntniß von einem nie in den Buchhandel gekommenen und nur für Freunde des Grafen bestimmten, auch durch die künstlerische Ausstattung interessanten Büchlein, das den Titel führt: „Heimatsklänge. Poetisches Taschenbuch für das Jahr 1825 von G... Grafen von Thurn“ (Wien 1825, gedr. bei Anton Strauß, XIV und 146 S.). Es ist in keinem gedruckten Bücherkataloge, wohl aber in der Wiener Hofbibliothek (Sign. 72 D. d. 4) zu finden. Nebst den Dichtungen des Grafen enthält es fünf von Peter Fendi gestochene Kunstbeilagen, und zwar zwei nach des Letzteren eigener Composition, dann die Copie eines Johannes des Täufers von Raphael aus der Galerie in Florenz, des h. Chrysostomos von Hemling aus der Sammlung der Brüder Boisserée und eine Madonna, welche als untrennbarer Bestandtheil des Fideicommisses des Fürsten Prosper Sinzendorf mit der Herrschaft Gföhl an dessen Neffen und Erben, den Grafen Georg gelangte. Georgs Mutter Maria Anna war ja eben eine geborene Gräfin Sinzendorf. Zu diesem Bilde brachte unser Dichter eine Abhandlung, in welcher er dasselbe dem Meister Hemling zuschreibt. Ferner enthält das Buch lyrische Dichtungen, die sich in Form und Haltung an die damals in voller Blüthe aufschießende schwäbische Schule anlehnen, und das Fragment einer Tragödie mit Chören: „Eteokles und Polynikes“. Die Luft in Stuttgart, wo er bei einem Fürsten beglaubigt war, der sein Volk liebte und seine Zeit verstand, wo ein aufgeweckter Volksstamm sich an den Werken seiner Poeten erwärmte, hatte es dem jungen Diplomaten angethan, und dahinter kamen alsbald gewisse Kreise des unter Sedlnitzky’s Spionirsystem schmachtenden Wien. Die Eindrücke, welche der hochgeborene Diplomat am Stuttgarter Hofe empfing, ein Soldat nebenbei, der für frisches und freies Volksleben warme Sympathien hegte, das [124] war nicht nach damaligem hofkriegsräthlichen Geschmacke, und der junge Major und Diplomat wurde abberufen, ins Militärarchiv beordert, um bei kriegswissenschaftlicher Verwendung in Landesbeschreibung, Kriegsgeschichte u. s. w. die Eindrücke des schwäbischen Maitranks verduften zu lassen. Ganz gelang dem weisen Walten des Hofkriegsrathes und der Sedlnitzky’schen Spionage die Umwandlung Thurn’s nicht, nur ließ der Sänger der „Jubelhymne“ vom Jahre 1812: „Ja Deutschland, Deutschland, du wirst frei, nun will ich wieder freudig singen“ nichts mehr drucken, sondern verschloß seine poetischen Ergüsse im Pulte. Außer einigen Scenen aus einem Trauerspiele und einigen Liedern in der Theodor Hell’schen „Abendzeitung“ (1825) ist nach dieser Richtung von dem Grafen nichts in die Oeffentlichkeit gekommen. Später, nach Beendigung des Krieges 1849, als Graf Thurn Präsident des Obersten Militärgerichtshofes war, schrieb er die durch Lithographie vervielfältigte Denkschrift „Ueber die militärische Wichtigkeit der Kärnthner Bahn“, welche mit präciser Klarheit und reichen geschichtlichen Belegen den Bau der Bahn von Marburg nach Brixen befürwortete. Als endlich des Kaisers Huld den Grafen auf Lebenszeit in das Herrenhaus berief, da betheiligte sich der hochbetagte Greis wohl nicht mehr an der Debatte, aber gleich seinem edlen Waffengefährten Heß erwies er sich bei den Abstimmungen als treuer Freund des constitutionellen Lebens. Sein engeres Vaterland, dessen Lob er in seinen von einem Fräulein von Zumsteg zum Theil in Musik gesetzten Liedern gesungen und dem er als Muster eines rationellen Güter- und Werksbesitzers, sowie als unermüdlicher Verfechter der Landesinteressen vorleuchtete, war lange gewohnt, keine Bitte, keinen Gruß an den Thron gelangen zu lassen, ohne den Grafen Thurn der Deputation beizugeben, denn derselbe besaß das Vertrauen seiner Landsleute wie das seiner Soldaten und des Monarchen, da er kein roher Kriegsknecht, kein pedantischer Federfuchser war, sondern ein überzeugungstreuer Vertheidiger des Vaterlandes, der Fürst und Volk nicht als Gegensätze, in deren Kampfe man für den ersteren gegen das letztere Partei ergreifen müsse, sondern als natürliche Einheit betrachtete. In einem der zahlreichen ihm gewidmeten Nachrufe heißt es wörtlich: „Wer ihm so ins Auge blickte, ins klare, milde und doch so feste, ernste, wer den gütigen Mund zu Worten voll Feinheit und doch tiefer Gründlichkeit sich öffnen sah, wer den bis zum Ende festen Schritt des mittelgroßen zartgebauten, aber ausdauernden Körpers und seine in den schwersten Stunden unerschütterliche Geistesruhe beobachtete, der sagte sich mit Lust: das ist ein Mann, und fand den Schlüssel zu dem Glücke, das im Ganzen alle Unternehmungen desselben begleitete“. Wie das Schwert, so führte er die Feder mit Meisterschaft; er war ein tapferer Soldat, ein feiner Diplomat, ein Gegner alles Rohen, der echte Repräsentant der durchgeistigten menschlichen Kraft, die immer weiß, was sie will, und die Mittel kennt, wie das Gewollte zu erlangen sei. Graf Georg hatte sich am 28. Mai 1833 mit Emilie geborenen Gräfin Chorinsky (geb. 14. Jänner 1814) vermält. Aus dieser Ehe stammen außer einer Tochter Anna Maria, welche bereits gestorben, vier Söhne: Georg [S. 103, Nr. 19], Johann Douglas, Rittmeister a. D., Friedrich, k. k. Hauptmann a. D. und [125] Joseph Rudolph, Rittmeister a. D., deren Familienstand aus der Stammtafel ersichtlich ist. Des Grafen Georg Leiche, welche unter feierlichem Conducte in der Wiener Augustinerkirche eingesegnet wurde, ruht in der Familiengruft zu Bleiburg in Kärnthen.

Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1866, S. 841–842: „Feldzeugmeister Georg Graf Thurn-Vallesassina“. – Wiener Zeitung (gr. 4°.) 1866, Nr. 38, S. 487: „Feldzeugmeister Graf Thurn“. – Der Kamerad (Wiener Soldatenblatt) 1866, Nr. 13: „Sterbefall“. – Neue Freie Presse (Wien) 1866, Nr. 522 und 523, in der „Kleinen Chronik“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1866, Nr. 51. – Presse (Wien) 1866, Beiläge Nr. 42. – Thürheim (Andreas Graf). Licht- und Schattenbilder aus dem Soldatenleben und der Gesellschaft. Tagebuch-Fragmente und Rückblicke eines ehemaligen Militärs (Prag und Teplitz 1876, Dominicus, 8°.) S. 212 und 352, Anmerkung 34. – Strack (Joseph). Die Generale der österreichischen Armee. Nach k. k. Feldacten und anderen gedruckten Quellen (Wien 1850, Jos. Keck und Sohn, 16°.) S. 396–416.
Porträt. Lithographie von Kriehuber (Wien, Fol., Neumann, dasselbe auch in 4°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Rerservearmee.