BLKÖ:Vacek, Franz Jaroslav

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 49 (1884), ab Seite: 178. (Quelle)
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Vacek, Franz Jaroslav (čechischer Schriftsteller, geb. zu Kamenitz an der Linde im Taborer Kreise am 24. Jänner 1806, gest. am 23. März 1869). Er schrieb sich als Poet nach seinem Geburtsorte: Kamenický. Das Gymnasium besuchte er zu Neuhaus, hörte Philosophie zu Prag und kam 1827, 21 Jahre alt, in das bischöfliche Seminar zu Budweis, in welchem er nach Beendigung der theologischen Studien am 25. Juli 1831 die Priesterweihe empfing. Nun trat er sofort in die Seelsorge, und zwar als Schloßcaplan zu Breznic bei Johann Grafen Kolowrat, von dort ging er in gleicher Eigenschaft nach Teinitz bei Klattau. In der Folge daselbst zum Pfarrer gewählt, kam er bald danach auf die Pfarre zu Merklin und wurde 1846 Dechant zu Bělovice im Pilsener Kreise, wo er bis zu seinem Tode verblieb. Neben seinem priesterlichen Lebensgange, den wir im Vorstehenden kurz skizzirten, ist es vornehmlich die literarische Thätigkeit, welche ihm unter den Männern der Nation, die im zweiten Viertel des laufenden Jahrhunderts im Interesse und für die geistige Entwickelung derselben besonders wirkten, eine Ehrenstelle sichert. Mit den jungen Männern, welche zu jener Zeit den čechischen Parnass umstanden, mit Jungmann, Čelakowský, Slama, Kamaryt, [179] Chmelenský, Černý, Vinařický, Macháček und Anderen, verbanden ihn nicht nur freundschaftliche, sondern ebenso geistige Interessen, und neben diesen Schriftstellern erscheint in den čechischen schöngeistigen Blättern: „Čechoslav“ (1825), „Poutník“ (Der Wanderer), „Jindy a Nyní“ (Einst und Jetzt), „Květy“ (Blüten), „Včela“ (Biene), „Časopis katol. duch.“ (Zeitschrift der katholischen Geistlichkeit) und in anderen Sammelschriften jener Tage auch sein Name unter den schwärmerischen meist lyrischen Ergüssen seiner Muse. Diese Arbeiten aber erhoben sich über das Niveau des Gewöhnlichen und lenkten in ihrer Eigenart und Formschönheit bald die Aufmerksamkeit auf den jugendlichen Poeten, der es verstand, in so anmuthender, gefühlvoller und volksthümlicher Sprache zu seinem Volke zu reden. Alsbald veranstaltete er auch eine Sammlung seiner Lieder, und zur Zeit, da er noch Schloßcaplan des Grafen Kolowrat war, erschienen unter dem Pseudonym Kamenický seine „Písně w národním českém duchu“, d. i. Lieder im Geiste des čechischen Volkes (Prag 1833, 12°.), welche solchen Beifall fanden, daß sie zum großen Theile von verschiedenen Componisten in Musik gesetzt wurden und noch heute zu den Lieblingsliedern des böhmischen Volkes gehören. S. 180 folgt eine Uebersicht der in Musik gesetzten Lieder von Vacek. Kaum war diese erste Sammlung in die Oeffentlichkeit gelangt, so arbeitete der Dichter dieselbe um und fügte noch mehrere neue Lieder hinzu, deren einige auch der Jahrgang 1861 der Zeitschrift „Lumír“ brachte. Aber der leidende Zustand, in den er bald danach verfiel, hinderte ihn, eine zweite Ausgabe, wie er sie im Sinne hatte, zu veranstalten. Doch nicht blos in lyrischen, auch in epischen Gedichten versuchte er sich, und so entstand sein Epos „Sv. Václav. Dvanáctero znělek“, d. i. Der h. Wenzel. Zwölf Gedichte, welches zuerst in der Zeitschrift für die katholische Geistlichkeit (Časopis kat. duchov.), dann aber besonders gedruckt (Prag 1844) erschien; ferner „Lilie a ruze“, d. i. Lilien und Rosen (1846), ein Cyclus historischer Gedichte, welcher die älteste Zeit der čechischen Geschichte bis auf Brzetislav I. umfaßt und 90 Sonette enthält. Einzelne Gedichte, darunter Uebersetzungen der Sonette Petrarca’s, für welche Dichtungsart er solche Vorliebe gefaßt hatte, daß er sogar seine geschichtlichen Lieder in diese für dergleichen nichts weniger als geeignete Form kleidete, einige Balladen und andere lyrische Ergüsse kamen zerstreut in Zeitschriften, so im „Čechoslav“, im „Časopis česk. Muzeum“, im „Lumír“ u. a. heraus. In seinen jüngeren Jahren pflegte er auch das Gebiet der Uebersetzung und ließ in dem Sammelwerk „Zbírka povídek zábavných“, d. i. Sammlung unterhaltender Erzählungen, eine čechische Uebertragung des Romans von Van der Velde „Der böhmische Mädchenkrieg“ unter dem Titel „Dívčí boj“ (Prag 1832, Fetterle) erscheinen. Aber nicht blos als Schriftsteller, sondern auch nach anderen Richtungen war er auf das eifrigste bemüht, für die Hebung und Läuterung seines Volkes zu wirken, so als thätiges Mitglied verschiedener literarischer und humanistischer Vereine, durch Unterstützung junger Leute in den Schulen, durch Anleitung der Landbevölkerung zu nutzbringenden praktischen Arbeiten, wobei er derselben mit Rath und That, wenn es galt, mit eigenen Mitteln hilfreich zur Seite stand. Ihm, der vor Allem ein [180] Freund der Jugend, lag deren Unterricht und Ausbildung sehr am Herzen, und dies bethätigte er auch durch seine letztwillige Verfügung, indem er seine ansehnliche Bibliothek, welche čechische, deutsche, lateinische und französische Werke enthielt, ferner seine Sammlung čechischer Münzen dem bischöflichen Gymnasium in Budweis legirte. Außer einigen Beiträgen zu gelegenheitlichen Festschriften sind von ihm noch in Druck erschienen: „Pohřebni řeč nad rakví p. Antonie hraběnky Kolovratovy v Blovicich dne 25. ledna 1857 držána“, d. i. Grabrede, gehalten am Sarge des Fräuleins Antonie Comtesse Kolowrat in Blovic am 25. Jänner 1857 (Pilsen, 8°.), und „Besední čtení“, d. i. Unterhaltende Lectüre (1862, 4°.), Abdruck eines Vortrages, den er auf einer geselligen Versammlung zu Blovic im Jahre 1862 gehalten. Alfred Waldau, ein Kenner der čechischen, vornehmlich der neučechischen Literatur, widmet dem Dichter ein eindringendes Studium. „Kamenick-Vacek“, schreibt er, „hat mit einem Krystallbecher aus dem Kühlbronnen der Volkspoesie geschöpft und den vollen Becher seinem Volke gereicht. Die thatsächliche Volksthümlichkeit vieler seiner Lieder ist ihre beste Kritik. Mit anheimelnder Wahrheit schildert er die einfache ländliche Welt, in der er selbst seine Kindheit verlebt hat. Bald glauben wir den heiteren Triller der Lerche, bald einen verzweiflungsvollen Aufschrei, bald die düstere Klage der Nachtigall, bald ein muthwilliges Aufjubeln zu hören. Fast immer mischt er zwischen die Töne der Freude elegische Anklänge. Da ihm die irdische Welt mit all ihrer Schönheit nur als eine transparente Hülle erscheint, durch die eine andere Welt zauberisch durchschimmert: so führt er vielfach in seinen Liedern das Herz von den Rosenbüschen und Lindenbäumen des Hausgartens zu dem dunklen Immergrün des Friedhofes – von der Erde zum Himmel. Sein poetisches Gemüth langt nach dem kleinsten goldenen Sonnenstrahl, und wäre es auch nur, um das schillernde Kleid eines kleinen Käfers im Sande anzuleuchten“.

Uebersicht der Lieder von Franz Jaroslav Vacek (Kamenický), welche in Musik gesetzt wurden. „Češka“, d. i. Die Böhmin („V Čechách tam já jsem rozena“); in Musik gesetzt von F. Skroup, dessen Opus 32 (Prag, bei Joh. Hoffmann); auch von Wenzel J. Rosenkranc componirt und im musikalischen Sammelwerke „Věnec“, d. i. Der Kranz, 2. Jahrg. (1836) abgedruckt. – „Na vlast“, d. i. An das Vaterland („Vlast jaké to sladké jméno“); in Musik gesetzt von F. J. Kittl und im „Věnec“, 2. Jahrg. (1836) abgedruckt. – „Píseň Čecha“, d. i. Der Gesang des Čechen („Kde můj je kraj“); componirt von J. W. Rosenkranc, im „Věnec“, 5. Jahrg. (1839). – „Za vodou, za vodou“, d. i. Ueberm Wasser, überm Wasser; componirt von Jos. Vašák, im „Věnec“, 4. Jahrg. (1838). – „Můj hrob“, d. i. Mein Grab („Vůkol klid a ticho vládne“); componirt von Jos. Dolenský und abgedruckt im „Věnec“, 5. Jahrg. (1839). – „Piseň slepého“, d. i. Lied des Blinden („Je zlý osud“); componirt von W. J. Rosenkranc, gedruckt im „Věnec“, 5. Jahrg. (1839). – „Pláč lásky“, d. i. Thränen der Liebe („Což ta asi bude“); componirt von J. Vašák (Prag, bei Hoffmann). – „Příčina pláče“, d. i. Grund der Thränen („Páslo děvčátko páslo husičky“); componirt von V. H. Veit (Prag, Berra und Hofmann); dieses Lied fand weite Verbreitung, der berühmte Pischek sang es sogar zu London in einem Concerte. – „Koleda“, d. i. Das Koledafest („Přijd můj milý o vánocích“); componirt von Hermann Skřivan, im „Věnec“, 2. Jahrg. (1836). – „Vesnické děvče“, d. i. Das Dorfmädchen („Má dobrá matičko; proč vy to děláte“); componirt von Ant. Trnka, im „Věnec“, 1. Jahrg. (1833). – „Výpověd“, d. i. Die Aufsage („U panského dvora“) componirt von J. Vašák (Prag, bei Hoffmann). [181]„Jonák z Miletíná“, d. i. Jonak von Miletin („Já jsem Jonák z Miletína“); componirt von J. Vašák (Prag, bei Hoffmann). – „Výmluva“, d. i. Die Ausrede („Za vodou, za vodou“); componirt von J. Vašák (Prag, ebd.). – „Divné věci“, d. i. Wunderbare Dinge („Když mě má matička chovávala“); componirt von Jos. Vorel und erschienen in dessen „VI písní pro jeden hlas s průvodem piana“, d. i. Sechs Gesänge für eine Stimme (Mezzosopran) mit Begleitung des Piano (Prag, Bohmann, 1. Heft); wurde auch von J. Vašák in Musik gesetzt und erschien bei Hoffmann in Prag. – „Děvče jako lusk“, d. i. Ein Mädchen wie eine Puppe („Já jsem děvče jako lusk“); componirt von J. Vorel und erschienen wie oben im 3. Hefte. – „Mladičká nevěsta“, d. i. Die junge Braut („Vdejte mě matičko“); componirt von J. Vorel wie oben im 2. Heft. – „Černé oči“, d. i. Schwarze Augen („Není žádné devče věrné“); componirt von J. Vorel wie oben im 4. Hefte. – „Zamilovaný dědoušek“, d. i. Das verliebte Großväterchen („Dědoušku, což vy již bílou hlavu máte“); componirt von J. Vorel, wie oben im 5. Hefte. – „Nestejné vyznání“, d. i. Ungleiches Bekenntniß (Jakž bych tě devčino nemiloval“); componirt von J. Vašák (Prag, bei Hoffmann).
Quellen. Šembera (Alois Vojtěch). Dějiny řeči a literatury československé. Vek novější, d. i. Geschichte der čechoslavischen Sprache und Literatur. Neuere Zeit (Wien 1868, gr. 8°.) S. 301. – Květy, d. i. Blüten, 1871, Nr. 12, S. 95. – Jungmann (Jos.), Historie literatury české. Druhé vydání, d. i. Geschichte der čechischen Literatur. Zweite, von W. W. Tomek besorgte Ausgabe (Prag 1849, Řiwnáč, schm. 4°.) S. 646 [nach diesem geb. am 24. Juni 1806; die obige Angabe ist die richtige]. – Světozor (Prager illustr. Zeitschrift, kl. Fol.) Bd. III (1860), S. 100. – Slavische Blätter. Illustrirte Zeitschrift für Literatur, Kunst und Wissenschaften... Herausgegeben und redigirt von Abel Lukšic (Wien, 4°.) I. Jahrg., 12. Heft (30. September 1865), S. 504–509: „Jaroslav Kamenický. Literarhistorische Skizze von Alfred Waldau; S. 511–514: „Gedichte von Jar. Kamenický. Aus dem Böhmischen übersetzt von Alfred Waldau“ [es sind folgende Gedichte: „Die Verzweifelnde“, „Das Geschenk des Liebsten“, „Die Lerche“, „Das Koledafest“ und „Zeit der Liebe“].