BLKÖ:Veit, Wenzel Heinrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Veith, A. M.
Band: 50 (1884), ab Seite: 95. (Quelle)
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Veit, Wenzel Heinrich (k. k. Kreisgerichtspräsident, Kammermusik-Componist, geb. zu Řepnic in Böhmen am 19. Jänner 1806, gest. zu Leitmeritz am 16. Februar 1864). Der Sohn eines Pachthofbesitzers zu Řepnic und wohl auch eines Musikfreundes, empfing er die ersten musikalischen Eindrücke, freilich aus den Zopfquartetten weiland Pleyel’s und Hoffmeister’s, im elterlichen Hause; das war aber auch Alles, von einem geregelten Unterricht keine Rede, und er mußte das Weitere durch eigene Kraft sich aneignen. Während seiner Studentenjahre zuerst in Leitmeritz und später in Prag studirte er von musikalisch-theoretischen Werken, was sich eben auftreiben ließ; insbesondere die Musikwerke der k. k. Universitätsbibliothek, an denen diese nicht arm war, förderten den musikbeflissenen Studiosus, der überdies mit besonderem Eifer dem Partiturlesen sich hingab. Dabei erwarb er sich nach dem Tode seiner Eltern, während er die Hochschule besuchte, durch Musikunterricht den Lebensunterhalt. Nach Beendigung der Rechtsstudien im Jahre 1828 trat er bei dem Magistrat der Stadt Prag als Accessist in den öffentlichen Dienst, bestand die praktischen Richteramtsprüfungen und wurde 1834 Auscultant. Auf der Stufenleiter der bureakratischen Hierarchie rückte er – eine Episode von wenigen Monaten im Jahre 1841 abgerechnet, in welcher er „auf Probe“ einem Rufe als Musikdirector nach Aachen folgte, diese Stelle jedoch, nachdem er ihre Süßigkeiten ausgekostet hatte, mit einem Gefühle der Erleichterung niederlegte – vom Actuar zum Rathsprotokollisten, Secretär und Magistratsrathe vor. 1850 wurde er bei der neuen Gerichtsorganisation k. k. Rath an dem böhmischen Oberlandesgerichte zu Prag und 1854 Präses des Kreisgerichtes in Eger. Als er im Jahre 1862, wegen des rauhen Klimas um Transferirung bittend, in gleicher Eigenschaft in das mildere Leitmeritz versetzt wurde, schrieb man aus Eger einem geachteten Prager Blatte, „daß zum tiefsten Bedauern aller Kunstfreunde ein Mann die Stadt Eger verlasse, der seit sieben Jahren eine ihrer größten Zierden war. Nur Wenige wußten oder ahnten, welche [96] Perle das ehemalige Junker’sche Haus – merkwürdiger Weise dasselbe, in welchem Friedrich von Schiller im Anfange des Jahrhunderts auf der Durchreise einmal übernachtet – einschloß; und doch wird der Fremde einst mit Pietät die Räume aufsuchen, in welchen Veit seine berühmte Messe, seine große Symphonie und andere Werke der letzten Periode schrieb“. In Leitmeritz blieb er bis zu seinem schon zwei Jahre später im Alter von erst 58 Jahren erfolgten Tode. Dies ist der einfache Rahmen, welchen Veit’s Beamtenlaufbahn umschließt. Obwohl wir es hier vornehmlich mit dem Musicus und Componisten Veit zu thun haben, so gedenken wir doch im Hinblick auf seine Beamtenlaufbahn noch eines Nekrologs, in welchem es wörtlich heißt: „Zur Vervollständigung seines Bildes ist noch zu erwähnen, daß er seine Acten mit ebenderselben Gewissenhaftigkeit, mit jenem pünktlichen Fleiße behandelte, wie seine musikalischen Arbeiten. Ich gestehe, daß ich bei seinen Vorträgen am Rathstische ganz unwillkürlich an seine Quartette dachte, dieselbe Klarheit, Vollendung, Genauigkeit bis ins kleinste Detail und selbst Eleganz – soweit ein richterliches Enunciat nebst Entscheidungsgründen überhaupt diese Eigenschaft zuläßt. Vor seiner rastlosen pflichttreuen Thätigkeit trat jetzt seine geliebte Tonkunst zurück. Als August Schmidt [Bd. XXX, S. 219], der Redacteur der „Wiener Musik-Zeitung“, unseren Veit in Prag aufsuchte, konnte er vor Erstaunen sich nicht fassen, als er bei seinem Besuche den vermeinten „Musiker“ hinter Actenstößen vergraben in eifriger Arbeit fand. „Es ist erstaunlich“, rief er, „der Mann ist nebenbei berühmter Künstler!“. Veit starb im Wortverstande mit der Feder in der Hand, wie der Soldat auf dem Schlachtfelde mit dem Schwerte in der Hand fällt – pflichttreu bis zum letzten Athemzuge. Kehren wir nun zu Veit dem berühmten Componisten zurück, der Wenige seines Gleichen hat. Schon während seines ersten Aufenthaltes in Leitmeritz als Studiosus gab er seinem musikalischen Schaffenstriebe nach. Er componirte damals mehrere Kirchensachen, von denen eine Cantate zu Ehren des Bischofs Milde sich bis auf die neuere Zeit erhalten hat und noch dann und wann auf dem Lande als Offertorium aufgeführt zu werden pflegt. Als er später nach Prag kam, begann er seine Componistenlaufbahn mit Tanzmusik und machte sich insbesondere durch mehrere Ouverturen und Entreactmusikstücke, die er als Mitglied des St. Niclastheaters für dieses componirte, bemerkbar. Da nahm im Jahre 1835 seine bis dahin mit ebenso großer Aufopferung als Bescheidenheit verfolgte Componistenlaufbahn eine ganz unerwartete Wendung. Bei den Quartetten im Hause des Vicebürgermeisters Keller spielte er die Viola. Die damals von Allen geschätzten Compositionen Onslow’s, besonders dessen Quintette erregten Sensation und eiferten den bescheidenen Bratschisten an, sich einmal auf gleichem Felde zu versuchen. Er schrieb das „F-moll-Quintett“ für zwei Celli (Op. 1). Professor Joh. B. Hüttner [Bd. IX, S. 409, in den Quellen] der auch an diesen Quartetten mitzuwirken pflegte, setzte sich mit nur geringen Erwartungen für das neu auftauchende Talent zu seinem Pulte. Aber diese vorgefaßte Meinung wich mit jedem neuen Satze, erst einem Staunen, dann einem gerechten Wohlgefallen Platz machend, und nachdem das Quintett zu Ende gespielt war, packte er die Stimmen zusammen und ging damit sogleich zu [97] seinem Collegen Friedrich Wilhelm Pixis [Bd. XXII, S. 378], welcher die Trefflichkeit der Arbeit anerkannte und nun auch nicht säumte, dieselbe dem großen Publicum vorzuführen; ein Umstand, mit dem es Pixis nicht eben leicht nahm, da er nur Vorzügliches zur Aufführung zu bringen pflegte. Von der ersten öffentlichen Aufführung dieses Quintetts datirt Veit’s Ruf als Kammermusicus. Bald wurden auch auswärtige Künstler, vor Anderen Robert Schumann, auf den jungen Musiker aufmerksam. In Ambros prächtigem Essay über Veit finden wir eine getreue Schilderung der immer sich steigernden Entwickelung unseres Componisten und der seiner Zeit vorangehenden und ihn begleitenden Musikverhältnisse in Prag, insbesondere als mit Bernhard Gutt [Bd. VI, S. 48] ein neuer Geist der Kritik eingezogen war, der durch seine geistvollen und immer den Nagel auf den Kopf treffenden Beurtheilungen der Arbeiten Veit’s in nicht geringem Maße auf diesen eingewirkt haben mochte. Im Jahre 1841 componirte Veit die nachmals im Leipziger Gewandhause mit reichem Beifall aufgenommene „D-moll-Ouverture“ (Op. 17), welcher er später das Motto gab: „Durch Nacht zum Licht“. Ebenso erfreute sich sein „C-moll-Quintett“ (Op. 20), als es in Prag im April 1843 zur Aufführung gelangte, des entschiedensten Beifalls, besonders durch sein originell romantisches Scherzo und sein edles Adagio, eines Beifalls, der sich auch in Paris wiederholte und dort zuerst die Aufmerksamkeit auf den böhmischen, in der Seinestadt bisher unbekannten Symphoniker richtete. Neben den zahlreichen ernsten ganz von der Weihe erhabener Kunst erfüllten Compositionen schrieb Veit auch noch eine Anzahl köstlicher musikalischer Scherze – aber nur als Gelegenheitsstücke für seinen Freund Graff – wovon jedoch, so viel mir bekannt ist, nur ein Violinconcert im Druck erschien. Ueber Veit’s groteske Symphonie „Episode aus einem Schneiderleben“ vergleiche S. 101 die Quellen. Ein anderes, edelernstes Werk entstand aus Anlaß der Eröffnung der Wien-Prager Eisenbahn, nämlich eine Cantate: „Böhmens Bergsegen“, zu welcher Professor Wenzel Alois Swoboda den Text geschrieben. An den Ton des Oratoriums klingend, enthält es ungemein melodiöse und charakteristische Chöre der wohlthätigen Berggeister, Gnomen des Eisens und des Goldes, und eine, wie Ambros sie treffend bezeichnet, „eisenkräftige Baßarie“, das Lob des Eisens, von Strakaty gesungen, machte ganz besonders Sensation. Als er später in der Beamtenlaufbahn immer höhere Posten erstieg, trat vor seiner rastlosen pflichttreuen Thätigkeit seine geliebte Tonkunst zurück. Er schenkte dann der Welt nur noch wenige, aber sehr bedeutende Werke, neben etlichen interessanten Clavierstücken das „Quintett in A-dur“, die herrliche „Missa solennis“ (Op. 44), deren Aufführung am Jacobustage 1857 in der Prager Minoritenkirche stattfand, die „E-moll-Symphonie“ (Op. 49), das „Trio in D-moll“, welches namentlich Dreyschok, ein feiner Kenner, mit lauter Freude als ersten Schritt auf neuer Bahn begrüßte, und endlich sein letztes Werk „Te Deum“ zur Einweihung der Karolinenthaler Kirche. Ein schönes reich begabtes Leben schloß mit Veit. „Ihn krönt ein Nachruhm“, heißt es in einem Nekrologe, „der kein vergänglicher sein wird; so lange man zu erkennen im Stande sein wird, was in der Musik schön und edel ist, so lange werden seine Compositionen [98] unvergessen bleiben“. Aus seiner im Jahre 1844 mit Johanna, Tochter des großherzoglich toscanischen Architekten N. Wittek geschlossenen Ehe hinterließ er sechs Kinder: vier Söhne und zwei Töchter. Als er starb, war das jüngste erst zwei Jahre alt. Von Veit’s Werken sind 55, nicht, wie andere Angaben lauten, 53 oder gar nur 44, im Druck erschienen. Eine große Zahl derselben ist aus öffentlichen Aufführungen bekannt geworden. Zahlreiche Studien und Entwürfe enthielt sein Nachlaß. Er versuchte sich in allen Formen, und selbst zur Oper wollte er sich wenden. Als sich ihm die Aussicht eröffnete, daß eine Krönungsoper für das Jahr 1836 von seiner Composition zur Aufführung gelangen könnte, war er bereits mit einer solchen – „Die Schweden vor Prag“ – beschäftigt; doch wurde die Idee wieder fallen gelassen. Seine Compositionen umfassen zahlreiche Lieder, Balladen und Vocalquartette in deutscher und čechischer Sprache, vier Quartette, fünf Quintette, ein Trio für Violine, Cello und Piano, eine Symphonie, eine große Messe, mehrere Gradualen und Offertorien, eine Cantate: „Böhmens Bergsegen“, welche bei Eröffnung der Staatsbahn im Theater aufgeführt wurde, und das Leitmeritzer Kirchenbuch. Das obenerwähnte letzte Werk Veit’s, das „Te Deum“, schrieb er auf Ansuchen des Cardinals Friedrich Fürsten Schwarzenberg[WS 1].

I. Uebersicht der Compositionen von Wenzel Heinrich Veit. a) Der gedruckten mit Opuszahlen. „Premier Quintetto“, pour 2 Viol., Alto et 2 Vclls. In F-moll. Op. 1. – „Second Quintetto“, pour 2 Viol., Alto et 2 Vclls. In A. Op. 2. – „1ier Quatuor“. In D-moll. Op. 3. – „Troisième Quintetto“, pour 2 Viol., Alto et 2 Vclls. In G. Op. 4. – „2. Quatuor“. In E. Op. 5. – Notturno“. In Des. Op. 6. – „3ieme Quatuor“, pour Violon arrangée p. l’auteur. In Es. Op. 7. – „Sechs Lieder für eine Singstimme“. „Die kleine Anna“. – „Ein Maler möcht’ ich sein“. – „Reiterlied“. – „Punschlied“. – „Lied“. – „Lied“. Op. 8. – „Graduale“ („Ave maris Stella“). Für Sopran, Tenor und Baß. 2 Viol., Contrabaß und Orgel (2 Oboen, 2 Hörner, Vclle. ad lib.). Op. 9. – „Rhapsodie“. Op. 10. – „Introduction et Polonaise brillante“. In Des. Op. 11. – „Sechs vierstimmige Lieder für Männerchor“. 1) „Hoffnung“; 2) „Ich wollte meine Schmerzen“; 3) „Weinlied; 4) „Ständchen“; 5) „Grablied“; 6) „Weihe“. Op. 12. – „Die Waise“. Gedicht von Höhlfeldt. Für eine Singst. mit Piano. Op. 13. – „Der Todtentanz“. Von Goethe. Für eine Singst. mit Piano. Op. 14. – „Sechs Gesänge“. Für eine Singst. mit Piano Op. 15. – „Quatrième Quatuor“. Op. 16. – „Concert-Ouverture“. Für Orchester. In D. Op. 17. – „3 Nocturnes“. Op. 18. – „Abendgruß“. Phantasie in Es. Op. 19. – „Quatrième Quintetto“, pour 2 Viol., Alto et 2 Vclls. Op. 20. – „Sechs Gesänge“. Für eine Singst. mit Piano Op. 21. – „Phantasiestück“. In Es. Op. 22. – „Drei Lieder“. Für eine Singst. mit Piano. „Abschied“. „Bedenklichkeiten“. „Da liegt ein Musikant begraben“. Op. 23. – „Notturno“. Für 6 Hörner. Op. 24, als Manuscript bei Joh. Hoffmann in Prag geblieben, – „Cопcеrtino“. Musikalischer Scherz. (Für Quintett und Kinderinstrumente.) Für Viol. mit Pianobegleitung. Op. 25. – „Les Adieux“. Romance avec Pfte. Op. 26. – „Mauresque“. Op. 27. – „Le Gondolier“. Romance. Op. 28. – „5me Quintetto. Für zwei Violinen, 2 Alto und Mo. Op. 29. – „Sechs Clavierstücke“. „Marsch“. „Idylle“. „Elegie“. „Impromptu“. „Cavatine“. „Scherzo“. Op. 30. – „Waldlieder“. „Morgens“. „Mittags“. „Abends“. „Nachts“. Für eine Singst. mit Piano. Op. 31. – „Sechs Lieder“. Von Geibel. Für Alt oder Bariton. „Wenn sich zwei Herzen“. „Lieder eines fahrenden Schülers. I., II., III.“, „Spielmannslied“. „Des Müden Abendlied“. Op. 32. – „Sérénade“. Op. 33. – „Impromptu Scherzo“. Op. 34. – „Zwiegesang der Elfen“. Für Sopran und Alt mit Pianoforte. Op. 35. – „Deux Nouvellettes“. Op. 36. – „Sechs vierstimmige Gesänge“. [99] Für Männerstimmen. 1) „Sommernacht“. 2) „Gesellenlied“. 3) „Frühling und Liebe“. 4) „König in Thule“. 5) „Zu jeder Tageszeit“. 6) „Sonntage am Rhein“. Op. 37. – „Marche funebre“. Op. 38. – „Scherzo“. Op. 39. – „Drei vierstimmige Männerchöre“. 1) „Serenade“. 2) „Altes Lied“. 3) „Wanderlied“, Op. 40. – „Graduale“. („Ad te, Domine, levavi animam meam“). Für 4 Singst., 2 Viol., Viola, Vcllo., Baß, 2 Clar., 2 Hörner und Orgel. Op. 41. – „Offertorium“. Für 4 Singst. und Orchester. Op. 42. – „Graduale“. Für Sopran-Solo, Chor und Orchester. Op. 43. – „Fest-Messe“. Für 4 Solostimmen, Chor und Orchester (Wien, Spina, 1860). Op. 44. – „Ballade“. Op. 45. – „Drei vierstimmige Lieder“. Für Männerchor. 1) „Hoffnung“. 2) „Wanderlied“. 3) „Schön Rotraut“. Op. 46. – „Idylle“. Op. 47. – „Romanze“. Op. 48. – „Symphonie“. Arrangirt vom Componisten für das Piano zu 4 Händen. Op. 49. – „Idylle“. Op. 50.In dem von L. Fleischer herausgegebenen, von Schalek in Prag verlegten „Künstler-Album“. – „Impromptu“ sur un Air napolitain. Op. 51. – „Du fühlst es nicht“. Gedicht von Marsano. Lied für eine Singst. mit Pianobegl. Op. 52. – „Frühlingsklänge“. Impromptu. Op. 54. Im 1. Hefte der „Fouillets ďAlbum“ (Prag, Schalek). – „Ständchen“. Von Wilh. Marsano. Für eine Singst. Auch čechisch: „Zastaveníčko“. Op. 55. – b) Ohne Angabe der Opuszahl.Käfer und Blume“. Für 4 Männerstimmen. – „Gruß“. Für vierstimmigen Männerchor mit Pianoforte (oder Waldhorn). Classikerausgabe (Prag, Hoffmann). – „Festcantate: Böhmens Bergsegen, zur Eröffnung der Wien-Prager Eisenbahn“. Text von Wenzel Alois Swoboda. – „Te Deum zur Einweihung der Karolinenthaler Kirche“. Veit’s letztes Werk. – „Pode strání seděla“, d. i. Zur Seite sah sie. Von Chládek. Im 3. Hefte von Förster’s „Čtvero písní“ (Prag 1863, Kuhé). – „Píseň při víně“, d. i. Gesang beim Weine („Dejte víno dejte“). In der Sammlung: „Písně České“, d. i. Čechische Gesänge, von V. J. Picek, 2. Heft, mit čechischem und deutschem Texte (Prag, Rohliček). – „Láska nezměněná“, d. i. Unveränderte Liebe („Jako růže tvé jsou tváře“). Von Jos. K. Chmelenský. Im „Věnec“, d. i. Der Kranz. 4. Jahrg. (1838). – „Nevěsta předoucí“, d. i. Die spinnende Braut („Vrčí, vrčí kolovrátek“). In der Sammlung: „Písně České“, d. i. Čechische Gesänge, von J. V. Picek, 2. Heft, mit deutschem und čechischem Texte (Prag, Rohlíček). – „Příčina pláče“, d. i. Grund der Thränen („Páslo děvčátko páslo husičky“). Von Kamenický. Im „Věnec“, d. i. Der Kranz. Neue Folge (Prag, Berra und Hoffmann). – „Útecha“, d. i. Trost („Ticho, ticho srdce moje“). In der Sammlung[WS 2]: „Písně České“ von J. V. Picek, 1. Heft (Prag, Rohliček). – „Zastaveníčko“, d. i. Ständchen. Text von H. Marsano (Prag 1863, Schalek). – „Jezdec před bojem“, d. i. Der Reiter vor der Schlacht („Krátký jen byl můj blahokrásný sen“). Deutsch von Hauff, čechisch von Dr. Jos. Čejka. Im „Věnec“, neue Folge. – „Pozdravení pevcovo“, d. i. Sangesgruß („Komu Bůh dal k zpěvu sílu“). Von Smilovský. Im „Záboj“, 1. Heft (Christoph und Kuhé). Quartett. – „Na Prahu“, d. i. An Prag („Praho, Praho, mátil měst“). Von Picek. Im „Záboj“, 2. Heft. Quartett. – České národní písně pro čtvero hlasy mužských“, d. i. Čechische Volkslieder. Für vier Männerstimmen (1: „Dar na rozloučenou“. 2: „Stesk“. 3: „Bolení hlavy“. 4: „Ztráta“. 5: „Výstraha“. 6: „Šateček“) (Prag, bei Hoffmann). – „Zastaveníčko“, d. i. Ständchen („Spi má zlatá boubelatá“). Im „Věnec“, neue Folge. – „Zastaveníčko“, d. i. Ständchen („Blaženě putujíc života poutí“). Im 2. Hefte der von Ludwig Procházka herausgegebenen „Kytice“, d. i. Der Strauß, eine Sammlung vierstimmiger Männergesänge.
II. Porträte. 1) Facsimile des Namenszuges „W. H. Veit“. F. Taddeo Mayer 1847 (lith.). Druck bei Schier (Prag, bei Joh. Hoffmann, Fol.). – 2) Unterschrift: „Vácslav Jindřich Veit“. Holzschnitt nach einem von Fr. Richter gezeichneten Bildniß Veit’s aus dessen jungen Jahren in der „Rodinná kronika“, 1864, Nr. 100, und in der „Praha“, 1870, S. 161.
III. Zur künstlerischen Charakteristik Veit’s. Sein bedeutendes Compositionstalent wurde wohl zuerst in seinem Vaterlande Böhmen erkannt, wo Hüttner und Pixis die Ersten waren, welche ein in einem Privatmusikcirkel [100] gespieltes Quintett Veit’s in seiner ganzen Bedeutenheit würdigten und für seine Verbreitung im Publicum Sorge trugen. Aber auch das Ausland ließ nicht lange mit seiner Anerkennung warten. Schon 1838 nahm der geniale Robert Schumann von den Arbeiten Veits theilnehmend Notiz, nachdem er dessen zweites Quartett (Op. 5) kennen gelernt hatte, worüber er sich eingehend äußerte [man vergl. Schumann’s gesammelte Schriften Bd. II, S. 60]. Auch über Veit’s Liedercompositionen sprach er sich an anderer Stelle [ebd. Bd. III, S. 263] in ungemein warmer Weise aus. Wie Bernhard Gutt das seltene Talent Veit’s zu würdigen verstand, wurde schon in der Lebensskizze angedeutet. Ein Musikkritiker in der „Bohemia“ (es wird wohl der geistvolle Ambros sein) sagt das Treffendste über unseren Tonsetzer, indem er schreibt: „Veit gehörte als Componist bekanntlich der Mendelssohn’schen Richtung an, war aber einer der begabtesten und edelsten ihrer Vertreter. Wie rasch sich auch die Umschwungsphasen des modernen Kunstlebens gestalten – wir erinnern nur an den noch immer tosenden Widerstreit der binnen den letzten vier oder fünf Decennien aufgetauchten maßgebenden Factoren unserer Musik: Mendelssohn, Schumann, Wagner – ihre berechtigten Elemente des wahren Schönen behalten ihre Geltung, trotz des hochflatternden Banners sogenannten überwundenen Standpunktes, das gewisse rast- und planlos vorwärts schreitende Dränger so gern entfalten. Die keusche und edle Muse Veit’s wandte sich stets mehr der tief innerlichen Gefühlsseligkeit, der Grazie und Formschönheit tonlichen Ausdrucks, als der grübelnden Skepsis oder den Manifestationen wilder Energie, leidenschaftlicher Aufregungen zu. Obwohl ihm die Fähigkeit, Großartiges, Erhabenes und Bedeutendes mit glänzenden Tonfarben zu malen, nicht versagt war, wie mehrere Einzelheiten in seinen Werken beweisen, so bewegte sie sich doch zumeist in einem bestimmten Kreise, diesen beherrschte er aber mit einem Talente und mit einer Meisterschaft, die ihm die höchste Achtung und Sympathie nicht nur seiner Heimat, sondern der ganzen Musikwelt schon bei Lebzeiten eroberte. Was die letztere, die wärmende anziehende Sympathie betrifft, so kann man Veit nur mit Mendelssohn vergleichen, den man ja ob seiner Anziehungskraft den liebenswürdigen Tonpoeten par excellence nannte. Auch im socialen Leben bewahrte Veit diese Aehnlichkeit eines jetzt so seltenen Künstlercharakters. Gewissen, seinem innersten Künstlernaturell widerstrebenden oder unfaßbaren Bestrebungen und Thaten gegenüber verhielt er sich stets mit jener wahrhaft künstlerisch bescheidenen Reserve, welche der vollsten Achtung vor fremdem Talent und Genie auch nicht das Geringste zu entziehen wagt. Veit war im edelsten Sinne, was Goethe irgendwo Anempfinden nennt, eine zartempfängliche Natur, die sich vom Schönen, das sie kennen lernt, durchdringen und bestimmen läßt, wie eine Blume von Sonnenlicht und Sonnenwärme durchdrungen wird, um selbst desto schöner aufzublühen. Spohr’s elegische Schwärmerei, Onslov’s sprühende Brillantfeuerwerke konnten nicht verfehlen, den jungen Kunstnovizen im Innersten anzuregen. Seine ersten Arbeiten im Quartette zeigen deutlich die Spuren jener Anregung, aber er ist dennoch kein Spohrianer oder Onslovianer, er schreibt nicht ab, er copirt und imitirt nicht einmal, er redet aber nur die Sprache, die ihn seine Vorbilder gelehrt, und in dieser Sprache sagt er Eigenes und Bedeutendes“. – Auch das Bernsdorff-Schladebach’sche „Neue Universal-Lexikon der Tonkunst“ gibt ein kurzes, aber zutreffendes Urtheil über Veit – eine in diesem Werke nicht eben zu häufige Erscheinung –. „Veit’s Talent und Streben“, heißt es da, „sind der Art, daß man bei ihm den Begriff „„Dilettant““ nur im höchsten Sinne zu fassen hat: er treibt die Musik zwar nicht aus Profession, aber er ist so weit mit ihr verwachsen, daß sie den Haupttheil seiner geistigen Existenz ausmacht, und bringt ihr ein so ernstes Wesen und Wollen entgegen, daß er in die Kategorie der blos dilettirenden „„Vergnüglinge““ nicht zu rechnen ist. Sein Talent selbst ist ein glückliches und wird von sorgfältiger Ausbildung getragen; er erfindet mit Leichtigkeit, Anmuth und Noblesse, beherrscht die Form nach allen Seiten hin und handhabt die inneren und äußeren Kunstmittel mit Sinn und Gewandtheit“.
IV. Veit’s Grabdenkmal. Zwei Jahre nach dem Tode unseres Tondichters fand die Enthüllung des Denkmals statt, welches ihm seine Freunde und Verehrer auf seinem Grabe im Leitmeritzer Friedhofe hatten errichten lassen. Das Denkmal stellt eine granitene Pyramide vor mit einem 1 Fuß 10 Zoll hohen, 1 Fuß [101] 8 Zoll breiten Medaillon aus Bronze, welches das Bildniß Veit’s enthält. Letzteres, an welchem die außerordentliche geistige Aehnlichkeit des trefflich modellirten Kopfes hervorgehoben wird, ist ein Werk des böhmischen Künstlers J. Seidan. Gegossen wurde das Medaillon in Fernkorn’s Atelier zu Wien. Die feierliche Einsegnung fand am 28. October 1866 durch den Domdechanten Ackermann und den Leitmeritzer Stadtdechanten Seiffert statt. Der Männergesangverein trug einen von dem Prager Domcapellmeister Škroup componirten Männerchor vor, und Domdechant Ackermann würdigte in einer schwungvollen Rede die Verdienste Veit’s als Beamter, Künstler, als Mensch und Familienvater, in welchen Eigenschaften allen der Verewigte voll und rein wie echtes Gold erscheint.
V. Veits Symphonie: „Episode aus einem Schneiderleben“. So streng ernst durchwegs Veit in seinen Tonstücken ist, so barg doch der edle milde Künstler eine reiche Ader von Humor, ja ihm saß der satyrische Schalk auch zuweilen im Nacken. Eines seiner köstlichsten Werke in dieser Richtung ist nun die obgenannte, für kleines Orchester geschriebene Symphonie. Einem Künstler von Veit’s Richtung mußten Berlioz’ excentrische Compositionen ein Greuel sein. Er äußerte sich darüber indessen stets mit bescheidener Mäßigung. Die „Episode“ aber, durch die sich das alte Lied: „Ich bin der Schneider Meck, meck, meck“ als idee fixe zieht, ist in der Anlage wie in der Durchführung die schalkhafteste geistvollste Parodie. Ein ehrsamer Schneidergeselle träumt im Blaumontagsrausche, er sei Prinz Hamlet. Da ist nun ein großes Fest bei König Claudius als erster Satz, dann ruft der Geist in gewaltigen Contrabaß-Recitativen zur Rache auf – immer aber klingt mahnend die Schneidermelodie durch. Zuletzt soll Hamlet mit Laertes duelliren – wo ihn, wie billig, die Courage verläßt. Glücklicherweise wirft er im unruhigen Schlummer das Biegeleisen vom Tische – der gewaltige Schlag weckt ihn – und allen guten Geistern dankend, daß er nicht Hamlet, stimmt er im Jubeltone an: Ich bin der Schneider Meck, meck, meck. Die Beziehungen auf die Episode aus einem Künstlerleben, auf die Lear-Ouverture, auf die Symphonie: „Romeo und Juliette“ sind höchst glücklich gruppirt, die Nachahmung der Arten und Unarten Berlioz’ ist von höchster Komik. Leider verweigerte Veit hartnäckig die Publication.
VI. Quellen zur Biographie. Bohemia (Prager polit. und belletr. Blatt, 4°.) 1862, Nr. 189, S. 351; 1864, Nr. 42, S. 470 und Nr. 45, S. 512. – Gaßner (F. S. Dr.). Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, schm. 4°.) S. 859 [eine Notiz von vierthalb Zeilen]. – Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Für Künstler, Kunstfreunde und alle Gebildeten. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Offenbach 1861, Joh. André, gr. 8°.) Bd. III, S. 791. – Oesterreichische Wochenschrift für Wissenschaft, Kunst und öffentliches Leben. Beilage der kaiserlichen „Wiener Zeitung“ (Wien, gr. 8°.) 1864, Bd. III, S. 282. – Prager Morgenpost, 1858, Nr. 187. – Prager Zeitung, 1864, Nr. 48, 49 und 50, im Feuilleton: „Wenzel Heinrich Veith“. Von A. W. Ambros [weitaus das Beste, was über Veith geschrieben worden“. – Recensionen und Mittheilungen über Theater, Musik und bildende Kunst [herausgegeben von den Fürsten Czartoryski] (Wien, Klemm, 4°.) X. Jahrg. (1864), S. 143 und 165. – Volks- und Wirthschafts-Kalender (Wien, gr. 8°.) 1866, S. 35. – Dalibor, hudební časopis u. s. w., d. i. Dalibor. Musikzeitschrift (Prag, 4°.) III. Jahrg., 1. December 1860, Nr. 34, S. 269. – Praha, d. i. Prag, 1870, S. 172. – Pražské Noviny, d. i. Prager Zeitung, 1864, Nr. 43, im Feuilleton. – Slavoj (Prag, Lex.-8°.) 1864, Nr. 8, S. 127.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Felix Fürsten Schwarzenberg.
  2. Vorlage: Samlung.