Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 1

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B.


Ortsbeschreibung,


in alphabetischer Reihe der den Oberamtsbezirk bildenden 30 politischen Gemeinden oder Schultheißereien; jedoch unter Vorausstellung der Oberamtsstadt.

Die am Schluß beigefügten Tabellen gewähren übersichtliche Zusammenstellungen: I. der Bevölkerung, der Gebäude und des Viehstandes, II. des Flächenmaßes nach den verschiedenen Bestandtheilen, und III. des Steuerkatasters, des Gemeinde- und Stiftungs-Haushaltes.


Backnang,[1]

Gemeinde II. Kl. mit 4277 Einw., wor. 71 Kath und 2 eig. Konf. a. Backnang, Stadt, 3584 Einw., b. Germannsweiler, Weiler, 65 Einw., c. Mittel-Schönthal, Weiler, 105 Einw. d. Ober-Schönthal, Weiler, mit Neu-Schönthal, Haus, 102 Einw., e. Röthlenshof, Hof, 11 Einw., f. Seehof, Hof, 29 Einw., g. Staigacker, Weiler, 25 Einw., h. Stiftsgrundhof, Weiler, 101 Einw., i. Ungeheuerhof, Weiler, 77 Einw, k. Untere Mühle, Haus, 15 Einw., l. Unter-Schönthal, Weiler, 115 Einw., m. Walke, Haus, 48 Einw. – Ev. Pfarrei; die Kath. sind nach Oppenweiler eingepfarrt. Die ev. Einwohner in Staigacker sind nach Oppenweiler und die von Stiftsgrundhof nach Erbstetten, O.A. Marbach, eingepfarrt.[2]

Die Stadt Backnang liegt unterm 27° 5′ 41,58 östlicher Länge und 48° 56′ 47,17 nördlicher Breite (Stadtkirchthurm), 71/2 geom. Stunden nordöstlich von Stuttgart. Die Erhebung über das Mittelmeer beträgt an der Erdfläche des Stadtkirchthurms 926 württ. Fuß = 265,29 Meter, an der Erdfläche des Rathhauses 864 württ. Fuß = 247,53 Meter, das Niveau der Murr unter der hintern Brücke 831 württ. Fuß = 238,07 Meter. Als Oberamtsstadt ist sie der Sitz des Oberamtsgerichts mit dem Gerichtsnotariat, des Oberamts | mit dem Oberamtsphysikat, des Dekanatamts, des Kameralamts und eines Postamts. Überdieß wohnen in Backnang ein Umgelds-Kommissär, ein prakticirender Arzt, ein Rechtskonsulent, ein Oberamtswundarzt, ein Oberamtsthierarzt und ein Oberamtsgeometer; auch bestehen 2 Apotheken in der Stadt.
OABacknang125b.jpg

Das ursprüngliche Wappen der Stadt enthielt nach dem Bericht von 1535 seit den ältesten Zeiten drei schwarze Hirschhörner im goldenen Feld. Später erst wurde der Schild senkrecht getheilt, mit einem silbernen Felde rechts, einem schwarzen links. Durch beide Felder laufen die drei Hirschhörner, die rechts schwarz, links silbern sind. So erscheint das Wappen im deutschen Schild eines runden Siegels aus dem 17. Jahrhundert, mit der Umschrift: + SIGILLUM + STAT + BACKHNANNG + . Das noch jetzt gebräuchliche Siegel der Stadt aber enthält einen spanischen Schild, der ebenfalls senkrecht getheilt ist, im Felde rechts die Hirschhörner, in dem links einen Reichsapfel.

Wo das frischgrüne, tief und schroff sich einfurchende Murrthal einen starken, von Osten gegen Nordwesten und von da gerade nach Süden herabgehenden Bogen beschreibt, liegt auf dem steilen von Südosten her in die Thalbiegung hineintretenden Bergausläufer, dem sog. Schloßberge, so wie an dessen Abhängen, die Stadt, mit ihrer westlichen und ihren zwei nördlichen Vorstädten den Fluß überschreitend. Zwischen diesen Vorstädten rundet sich nun, dem Schloßberg gerade gegenüber, ein hoher zusammenhängender Bergabhang amphitheatralisch empor, während am Nordostende der Stadt das Eckertsbachthälchen, von Norden kommend, das rechte Murrthalgehänge durchbricht und hier zwei dem Schloßberg ähnliche, nur minder bedeutende Bergvorsprünge bildet.

Wann die erste Anlage von Backnang stattgefunden hat, ist unbekannt. Jedenfalls lud die Gliederung des Bodens hier sehr zu einer festen Niederlassung ein, denn jener Schloßberg erhebt sich fast ringshin steil, an der lang hingedehnten Nordostseite senkrecht und sehr hoch aus dem Murrthale und hängt nur gegen Südosten durch einen schmalen Rücken mit der hinteren Bergfläche zusammen; dazu konnte noch die ziemlich breite ganz ebene Thalsohle zu einem weiten See geschwellt werden. Schon zur Zeit des Markgrafen Hermann II. von Baden († 1130) war der Schloßberg besetzt mit zwei Kirchen, dem Stifthaus samt Nebenbauten, und ohne Zweifel mit einer markgräflichen Pfalz, alles mit Mauern, Thürmen, Thoren und breitem Graben wohl verwahrt. Um diese kleine Burgstadt her mochten sich schon sehr frühe die ältesten Theile der Stadt gelagert haben, denn schon im Jahre 1122 erlaubt Bischof Bruno von Speier, daß | die S. Pankratiuskirche zu Zwecken des Stiftes bestimmt und dafür die neuerbaute S. Michaelskirche dem städtischen Gottesdienst gewidmet werde (s. u. hist. Th.). Auch die jetzige Stadt wird noch immer vom Schloßberg beherrscht, auf dem in bedeutender Gruppe die große Pankratiuskirche, der hohe westlich frei davor stehende Stadtkirchthurm, das frühere Schloß, das Kameralamt und andere ansehnliche Gebäude aufsteigen, und zwar im Nordosten aus dem Murrthal empor auf sehr hohen senkrechten Felsen und Untermauern. Weiter gegen Nordwesten reiht sich unregelmäßig um den Bergabhang her die Stadt, deren Straßen meist uneben und enge sind und deren dicht gedrängt stehende Häuser oft alterthümlichen, zuweilen auch hübsch geschnitzten Holzbau zeigen.

Backnang zerfällt in die eigentliche ummauerte Altstadt und in vier Vorstädte: in die westlich gelegene Aspacher Vorstadt, in die nordöstlich gelegene Sulzbacher Vorstadt, in die nördliche, den sog. „Bügel“, und in die südöstlich gelegene, sog. obere Vorstadt, die mit der Altstadt auf der linken Seite der Murr liegt. Die noch ziemlich erhaltenen, früher mit einem Umlauf versehenen Stadtmauern gehen von dem mit eigenen Mauern umgebenen Stiftshofe hinab zum Sulzbacher Thor, von hier am Graben her bis zum Aspacher Thor und von hier an der Scheurengasse hinaus bis zum Oberamtsgefängniß, wo das obere Thor stand; hier schließen sie sich wieder an die Ringmauer des Stiftshofes an. Die drei Thore, über denen sich bewohnte Thürme erhoben, wurden im Anfang dieses Jahrhunderts abgebrochen.

Als Hauptstraßen können die steile vom Schloßberg herab in nördlicher Richtung bis an das Sulzbacher Thor führende sog. Spalt- oder Todtengasse, ferner die Korngasse und die Schmiedgasse genannt werden. Die bedeutendsten Plätze sind der Marktplatz am Rathhaus, der an der Südseite der Stadt gelegene Viehmarktplatz und der Stiftshofplatz bei der Pankratiuskirche.

Weite Fernsichten bieten sich keine von der Stadt aus, doch ist der Blick vom Schloßberge herab in das wiesenreiche, schön gewundene Murrthal, im Hintergrunde der Kranz der wohlgerundeten von herrlichen Wäldern bewachsenen Keuperberge, sehr ansprechend. Auch gewährt vom Thal oder von den gegenüberliegenden Höhen aus die Stadt selbst, wie sie am Berg sich hinanzieht und in den großartigen Gebäuden des Stifthofes sich gipfelt, einen malerischen und stattlichen Anblick.

Von öffentlichen, der Gemeinde gehörigen Gebäuden sind besonders zu nennen:

1) Die dem h. Pankratius geweihte Stiftskirche liegt hoch und beherrschend auf dem Schloßberg und macht, vom Thal aus gesehen, trotz ihrer theilweisen Verunstaltung und ihrer häßlichen Übertünchung, | immer noch einen bedeutenden Eindruck. Sie stammt aus drei verschiedenen Zeiten, war ursprünglich angelegt als eine dreischiffige flachgedeckte frühromanische Basilika mit zwei Thürmen gegen Osten, die den Schluß der Seitenschiffe bildeten. Diese Thürme stehen noch heute, sind im ersten Stockwerk kreuzgewölbt und enthalten hier in ihrer Ostwand, in der Mauerdicke ausgespart, je eine kleine halbrunde Abside (Chornische). Ihre obersten (vierten) Geschosse öffnen sich mit luftigen dreibogigen Säulenarkaden; die Säulen (jetzt leider beschädigt) tragen über einfach-schönen frühromanischen Blätterkapitellen hohe, weitausladende Aufsätze, die mit Akanthusblättern und volutenartigen Rollen geschmückt sind. Zwischen beiden Thürmen geht ein unschöner hölzerner Querbau herüber. Der südliche Thurm zeigt an den übrigen Stockwerken noch Wandstreifen und Rundbogenfriese; der nördliche Thurm ist eingebaut, und beide sind, wie leider die ganze Kirche, äußerst dick mit Tünche überzogen. Der alte halbrunde Chorschluß des Mittelschiffes ward in der ersten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts ersetzt durch einen langen und hohen gothischen Chor, mit schlichten schlanken Strebepfeilern und großen schöngefüllten Spitzbogenfenstern. Innen wird dieser Chor von einem prächtigen Sterngewölbe übersprengt, dessen Rippen von Engeln oder von Propheten-Brustbildern ausgehen; zum Unglück ist auch dieses Innere fingersdick zugetüncht. Auf den Schlußsteinen erscheinen das badische und das herzoglich württembergische Wappen und der h. Pankratius. Auf einem Schildchen sieht man ferner wohl das Zeichen des Baumeisters: OABacknang127b.jpg Zwischen beiden Thürmen ist ebenfalls ein gothisches Gewölbe eingespannt. Das flachgedeckte Langhaus der Kirche wurde nach seiner Verbrennung durch die Franzosen im Juli 1693 in höchst einfachen Formen wieder aufgebaut; an seiner Nordwestecke steht 1697.

Im Chor sind mehrere Mitglieder des markgräflich badischen Hauses beigesetzt. Ursprünglich in verschiedenen Kapellen der Kirche begraben wurden diese Gebeine den 8.–12. Okt. 1513 hieher versetzt und in vier Grabstätten niedergelegt. Die Stelle jeder derselben bezeichnet eine 2′ lange mit dem badischen Wappen geschmückte und mit der Jahreszahl 1515 versehene Erzplatte, an deren oberem Ende je noch eine weitere Erzplatte mit einer Inschrift sich befand. Nur die beiden folgenden Inschriftplatten sind noch erhalten.

Die erste Inschrift lautet:

Hac cubat Hermannus Badensis marchio tumba,
Qui claustri et templi conditor hujus erat.
Anno milleno moritur, centum quoque subdas
Terque decem a puero, quem pia virgo parit.
Huc dum transfertur cum posteritate, fluebant
Quindecies centum cum tribus adde decem.

| Es bezeichnet dies das Grab des Markgrafen Hermann II. † 1130, des Gründers des Stiftes. Die zweite Inschrift:

Filius Hermanni jacet hic, Hermannus et alter,
Dotem firmavit auxit et ille patris,
Illius et genitrix Judinta putatur adesse,
Bertha simul conjux, nomine quartus eget.

weist auf den Sohn des vorigen, den Markgrafen Hermann III. † 1160, dessen Mutter Judith und Gattin Bertha hin. Die dritte (bei Sachs, Einl. in die Gesch. der Markgr. v. Baden I, 287):

Filia fundantis jacet hac Judintha sub urna,
Virgo ferens nomen matris ut ante fuit.
E tumulo hoc quondam suaves exîstis odores,
Ut pia plebs sanctam praedicet atque putet.

bezeichnet das Grab der Tochter des Stifters: Judith. Aus der vierten, nur noch handschriftlich (so in Feßlers Wirt. Chronik und in Wollebs Wirt. Chorographie) erhaltenen Inschrift:

Hoc fratrum alterius, fuerit sive ille Rudolfus
Hermannusve, jacent ossa reposta loco.
Quando monasterium consumpserat hosticus ignis,
Hi reparatores instituere novum.

geht hervor, daß man schon im Jahre 1513 nicht mehr wußte, von wem die betreffenden Gebeine herrührten. Nach ihr und nach der Geschichte des Stiftes (s. unten) müßte zunächst an die Urenkel des Markgrafen Hermann III., die Markgrafen Hermann VI. † 1250 und Rudolf I. † 1258, gedacht werden, da diese die Feinde, welche das Stift zerstört hatten, besiegten und das Stift wiederherstellten, auch an dem Jahrestage ihres Sieges eine Feier im Stifte stattfand, allein von beiden ist sicher, daß sie anderswo, im Kloster Neuburg bei Wien, beziehungsweise im Kloster Lichtenthal bei Baden-Baden begraben sind.

Nach einem im Staatsarchive befindlichen Kalender des Stifts Backnang aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts waren früher Markgraf Hermann II. und seine Gattin Judith bei des h. Kreuzes Altar, Hermann III. und seine Gattin Bertha bei S. Marien Magdalenen Altar, die genannte Tochter Hermanns II. Judith im Kreuzgang, ein weiterer Hermann von Baden in der l. Frauen Kapelle beigesetzt gewesen.

An der Ostwand des Chores steht ein Sandstein-Denkmal, ein steifer Ritter, lebensgroß; nach der Inschrift ist es das Grabmal des den 30. Dec. 1589 gestorbenen württ. Provisioners Georg von Schomberg zu Rabenstein (aus einem zur fränkischen Ritterschaft gehörigen Geschlechte). Auf dem Boden liegen einige alte, fast vergangene Grabplatten; nach Gabelkhover waren unter anderen hier | noch begraben ein Kraft von Hohenlohe, Friederich Sturmfeder und seine Gattin Agathe von Thalheim, Bernolt von Urbach, Albrecht von Bönnigheim.

In der Nähe an der Nordwand sieht man ein hübsches steinernes Sakramenthäuscben gothischen Stils; bemerkenswerth sind noch in der Kirche ein schönes altes Krucifix und die reiche gothische Stabwerkspforte, welche in die nördlich an den Chor gebaute Sakristei führt und deren Thüre mit trefflichem Schmiedeisenwerk beschlagen ist. Um die neu errichtete gothische Kanzel stehen die Bilder Christi, Johannis d. T. und der vier Evangelisten. Das Schiff der Kirche wird durch viele Emporen, der Chor durch die Orgel theilweise verdeckt. In der zweistockigen, unten von einem schönen Netzgewölb übersprengten gothischen Sakristei befindet sich ein sehr gut geschnittener gothischer Kasten. Auf dem Südthurme hängen zwei Glocken, beide 1695 gegossen von Georg Lehner von Stuttgart. Außen an der Nordwand des Schiffes steht ein schöner großer, ziemlich beschädigter Grabstein; er ist in gothischem Geschmack aus Sandstein gehauen und mit dem Bild eines Geistlichen in halberhabener Arbeit geziert. Am Rande liest man: Anno domini MCCCCCXV. undecima julij obijt venerabilis vir Jacobus Wygk de Winnden, huius ecclesiae collegiatae a conventuali in saecularem translatae primus praepositus, quo praesidente translatio facta est a. D. 1477. Cuius anima requiescat in pace.

Vermöge Vergleichs vom 24. Januar 1870 hat die Staatsfinanzverwaltung die Kirche mit den nächstliegenden Umgebungen der hiesigen Kirchengemeinde als volles Eigenthum abgetreten und hat für die Übernahme der Baulast an der Kirche und den Umfassungs- und Stützmauern eine in drei Jahreszielern fällige Abfindungssumme von 20.000 fl. an diese Gemeinde zu entrichten.

2. Die St. Michaelskirche oder Stadtkirche, westlich von der Pankratiuskirche am Abhang des Schloßbergs gelegen, von ihr steht nur noch der Chor, über dem sich seit 1614 der große Thurm erhebt; das Schiff der Kirche wurde 1807/8 vollends abgerissen; es war noch das Schiff der alten um’s Jahr 1122 erbauten Basilika, die, laut Urkunden am Ende des 16. Jahrhunderts als Kornkasten, seit 1614 wieder als Kirche benützt, im Jahre 1693 von den Franzosen verbrannt wurde und seitdem in Trümmern lag. Erhalten ist, wie gesagt, nur der hohe aus der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts stammende Chor, ein Prachtbau, leider fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt, denn darüber erhebt sich jetzt in einfachen Renaissance-Formen der 1614 erbaute Glockenthurm, und innen ist der Chorraum zu Holzställen eingerichtet und ganz dick übertüncht, so daß die schönen, aus tief unterschafftem Laub-, Thier- und Maskenwerk reich zusammengeschlungenen Kapitelle seiner schlanken Säulenbündel | zu rohen Klumpen geworden sind. Der Chor, 30′ lang, 24′ breit, schließt halbachteckig und wird von einem gegen 50′ hohen Sterngewölbe übersprengt, dessen neun Rippen außerordentlich kraftvoll, lebhaft und fein durchgebildet sind und in einem großen Schlußsteine, worauf der Erzengel Michael frei ausgehauen ist, zusammenstrahlen. Die hohen Wände dieser centralbauartigen Anlage werden von schlanken ungefüllten Spitzbogenfenstern durchbrochen und seine Ecken gestützt von schlichten aber mächtigen Strebepfeilern. Eine Herstellung oder auch nur eine Ausräumung und Reinigung dieses so sehr mißhandelten Raumes würde eines der edelsten Bauwerke unseres Landes ans Licht ziehen. Die Westwand, zugleich die Ostwand des alten Schiffes, enthält den großen, etwas flachgesprengten Triumphbogen, über dem erst die Rippen des Chorgewölbes ansetzen; man muß sich den Chor außen über das Langhaus weit emporragend und als einen starken achteckigen Thurm ausgebildet denken. An der Nordseite läuft an einem Strebepfeiler ein altes steinernes Wendeltreppenthürmchen hinauf. Der achteckige Glockenthurm hat große wohlprofilirte rundbogige Schallfenster, an deren inneren Leibungen sich noch Spuren des Brandes vom Jahr 1693 deutlich zeigen, ferner ein hübsches Konsolenkranzgesims und darauf einen Umgang mit reichem gußeisernein Geländer; von hier an wird er von Holz und endigt in ein großes Zwiebeldach mit Laterne. Dieser hölzerne Bau wurde nach dem Brande von 1693 errichtet, während der untere Theil des Thurmes im Jahr 1614 erbaut wurde, wie eine steinerne Tafel an seiner Nordseite beweist, worauf steht: 1614. Gott allein die Ehr. Es hängen auf dem Thurm vier schönverzierte Glocken, wovon eine sehr groß ist und, nach dem Brande von 1693, aus dem im Schutt vorgefundenen Erz neugegossen wurde; ihre Inschrift lautet:

Anno domini 1693 in ipsis feriis jacobi tota nostra bacnanga cum omnibus quae murus civicus claudebat, excepto unico horreo pluribusque ex superiori et inferiori suburbio aedificiis, una cum his quatuor campanis gallico [igne] periit; anno vero post 1695 mense febr. a pulvere et cinere, quibus, flamma hostica guttatim resolutae, sese miscebant ruentes, beneficio aquae separatae atque, addita insuper impensis communitatis quantum sat erat materia, ex iisdem revocatae sunt, gregem domini in posterum ut ante convocaturae. Eberhard Ludwig duce Würtembergense.

Die zweite auch große Glocke hat die Umschrift: Gegossen von C. G. Neubert in Ludwigsburg. Anna 1821. Auf der dritten Glocke steht: Aus dem feuer flos ich. Gottlieb Jakob Rechlen gos mich in Stuttgardt. Gloria in excelsis Deo. Anno 1739. Aus der vierten Glocke steht: Soli Deo gloria. 1706. An der nördlich in den Chor hereinführenden Treppe sieht man einen Stein mit ineinander | geschlungenen Drachen eingemauert, es ist ein Theil eines jener prächtigen Säulenkapitelle des Chorbaues.

Vom Thurm herab genießt man eine freundliche Aussicht über die tief unten gelegene Stadt hinweg und in das wiesenreiche Murrthal, mit den Löwensteiner Bergen und dem Mainhardter Wald im Hintergrund. Gegen Osten erscheint besonders schön die Burg Ebersberg.

3. Die Todtenkirche unten im Thal in der Sulzbacher Vorstadt; leider steht nur noch der Chor und auch dieser befindet sich in Privathänden und wird als Magazin benützt. Er ist in sehr tüchtigem gothischem Stile gehalten, belebt von Strebepfeilern und trefflich gefüllten Spitzbogenfenstern und errichtet laut Inschrift am südlichen Strebepfeiler: Anno domini 1452 die 22. mensis iulii fundata est hec basilica. Innen sprengen sich schöne Rippenkreuzgewölbe gegen zwei Schlußsteine, die eine Rosette und das württembergische Wappen enthalten, und an Wänden und Gewölben sind noch Spuren von Bemalung, deßgleichen im anstoßenden Hause, das aus dem Schiff des Kirchleins hergerichtet wurde. Die zwei Glocken, die sich auf dem Dachreiter befanden, hatten die Umschrift: Gottlieb Jacob Rechlen gos mich in Stuttgardt. Anno 1732.

Östlich von der Todtenkirche liegt der große mit hübschen Grabmälern geschmückte Friedhof; angelegt im Jahre 1840. Der frühere um die Pankratiuskirche gehende wurde in freundliche Anlagen verwandelt.

4. Das Rathhaus, ein großes dreistockiges Gebäude; sein erstes, aus Sandsteinen erbautes Geschoß stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts und trägt auf schönen mit Köpfen geschmückten Renaissancekonsolen die übrigen, hölzernen Stockwerke, die nach dem Brande von 1693, in den Jahren 1699–1718, mit reichem Eichenholzgebälk aufgeführt wurden. An seiner Vorderseite ist das Wappen der Stadt groß angebracht. Auf dem Firste sitzt ein achteckiges Glockenthürmchen. Das Gebäude enthält im ersten Stock die Fruchthalle und das Waghaus, im zweiten das Gerichtsnotariat und die städtischen Kanzleien, im dritten einen großen und einen kleinen Saal und die Wohnung für den Rathsdiener.

5. Die lateinische Schule am Marktplatz, in der Mitte der Kirchenstaffel gelegen; sie enthält drei Lehrzimmer und die Wohnung des Präceptors.

6. Die deutsche Knabenschule, 1816 an den Stadtkirchthurm angebaut, enthält fünf Lehrzimmer und die Wohnung des Knabenschulmeisters.

7. Die deutsche Mädchenschule, innerhalb des Kameralhofes, mit zwei Lehrzimmern und der Wohnung des Mädchenschulmeisters.

8. Das sog. Bandhaus, auch im Kameralhofe ganz bei der Kirche gelegen, vor etwa 20 Jahren zu seinem gegenwärtigen Zweck | eingerichtet; es enthält neben den Wohnungen für die Unterlehrer vier Lehrsäle, die Realschule, die unteren Klassen der deutschen Mädchen- und Knabenschule, einen Zeichnungssaal für die Fortbildungsschule und eine Kleinkinderschule.

9. Zwei Schafhäuser mit Wohnung, Stallung und Scheune.

10. Ein Meiereihaus in der oberen Vorstadt, ganz neu von Stein erbaut, mit einer Wohnung; zunächst liegt ein neues Stallgebäude und eine Scheune.

11. Das städtische Magazin, in welchem die Feuerlöschgeräthschaften etc. aufbewahrt werden, und endlich

12. Das Spitalgebäude in der oberen Vorstadt.

Der Kollaborator, der Reallehrer und zwei deutsche Schulmeister wohnen in Privathäusern gegen Hausmiethe-Entschädigung.

Dem Staat gehören folgende Gebäude:

1. Das gut erhaltene Oberamtsgerichtsgebäude, neben der lateinischen Schule gelegen.

2. Die dem Rathhaus gegenüber liegende Oberamtei, ein ziemlich ansehnliches zweistockiges Gebäude, vor dem zwei Lindenbäume stehen.

Auf dem Schloßberg liegen:

3. Der sog. Neue Bau, das von Herzog Friederich I. im Jahre 1605 begonnene Schloß, 1627 in seiner jetzigen Gestalt vollendet, ein schönes aus trefflichen Sandsteinquadern in gutem und feinem Renaissancestil aufgeführtes dreistockiges Steinhaus mit wohlprofilirten Sprossenfenstern und wirksamem Kranzgesimse. Von seinen hübschen rundbogigen Eingängen an der Südseite spielen einige noch in die Gothik hinüber; in der Nähe der Südostecke tritt ein stattliches Renaissanceportal hervor und sehr sehenswerth ist die an der Südwestecke hinaufführende prächtig gearbeitete Schneckentreppe, 72 Stufen hoch. Nach dem auf dem Staatsarchiv vorhandenen, von Baumeister Heinrich Schikardt entworfenen Plane (Backhnang Schloß zu einem firstlichen widom von grund auf new Erbaut 1605 durch Heinrich Schikhardt) sollte gegen Südosten ein mit zwei Portalen geschmückter Flügel in stumpfem Winkel anstoßen; die Ansätze dazu sind noch zu sehen. Der vollendete Flügel ist 120′, der andere sollte 140′ lang gegen den Hof heraus werden; die Breite beträgt 40′. Das Ganze hätte 10 rechteckige, aus dem Dach aufsteigende Thürmchen und einen Glockenthurm auf der Kehrung bekommen sollen; gegen Südosten wäre, den Bodenverhältnissen folgend, der Bau vierstockig geworden. Das jetzt als Speicher dienende Gebäude, mit seiner langen Nordseite auf der hoch aus dem grünen Murrthal heraufsteigenden Seitenmauer ruhend, steht ohne Zweifel an der Stelle der markgräflichen Pfalz. Aus dem auch noch vorhandenen Plan der Gebäulichkeiten, die vor dem Schloßbau hier standen, ersieht man, daß an der Ostselte, wo von | dem noch jetzt stehenden Thor aus die Ringmauer gegen das Murrthal hinlief, ein großer, 38′ langer, 34′ breiter viereckiger Thurm sich erhob; seine Mauern waren 6′ stark und seine drei untern Geschosse von Stein, das vierte von Holz. Gegen Westen, beim alten langen Kasten stand das Pfarrhaus. Vor der Südseite des Schlosses steht eine schattige Allee von Nußbäumen und an seiner Ostseite erhielt sich noch der breite gemauerte Graben, aus dem die ehemalige Stiftsküche, jetzt das Oberamtsgerichtsgefängniß und Wohnung des Oberamtsgerichtsdieners, herausragt. Über diesen Graben, welcher quer den schmalen Bergrücken durchschneidet, führt an seinem Südende eine zweibogige steinerne Brücke, und von da gelangt man durch den langen gewölbten Thorweg unter dem Kameralamte hindurch in den geräumigen Hof, der mit verschiedenen Gebäuden, hübschen Gärten und zwei prachtvollen Lindenbäumen besetzt ist. Vor der Brücke war einst das den Stiftshof abschließende äußere Thor.

4. Das Kameralamt, ein altes hohes dreistockiges, gegen die Straße heraus vierstockiges Gebäude; es war von jeher die herrschaftliche Kellerei, hat die höchste und schönste Lage der Stadt und wird fast rings von Gärten umgeben. Im Hofe steht ein besonderes Haus, worin der Kameralamtsdiener wohnt, ferner das Oberamtsgefängniß mit der Wohnung des Oberamtsdieners (dieß gehört der Amtskorporation). Dann in der Nähe der Kirche der sog. lange Bau, ein altes langes dreistockiges Gebäude, wohl einst die Wohnung der Chorherrn, jetzt ein Fruchtkasten.

5. Das hübsche Dekanathaus mit schönem Garten, gerade südlich von der Kirche, und nicht weit davon

6) Das ansehnliche dreistockige Helferathaus.

Der Amtskorporation gehört der Bezirksspital, ein schönes dreistockiges Gebäude, das frei und hoch im Jahr 1869 südlich der Stadt in der Nähe des Viehmarktplatzes erbaut wurde; in ihm werden Kranke von dem ganzen Bezirk aufgenommen, namentlich auch weibliche und männliche Dienstboten, die in eine besondere, ebenfalls 1869 errichtete Dienstbotenkasse einlegen (s. auch oben).

Von schönen Privatgebäuden sind die beiden Winter’schen Häuser hervorzuheben.

Noch haben wir die Badeanstalt, welche der resignirte Apotheker Fr. Esenwein im Jahr 1869 errichtete, zu erwähnen; sie hat eine freundliche sommerliche Lage nördlich der Stadt am Fuß des steilen, felsigen Thalabhanges gegen die ganz nahe vorbeifließende Murr. Das in angenehmem Stil erbaute Badgebäude enthält neben einigen Wohngelassen sechs gut und zweckmäßig eingerichtete Badkabinette und eine Doucheeinrichtung; an das Gebäude schließen sich sinnig angelegte Gartenanlagen und überdieß ist die anstoßende, mit üppigen Waldbäumen und Sträuchern bewachsene Steilhalde mit guten gangbaren | Wegen und Treppen versehen, was die Annehmlichkeit dieser dem Publikum zur Benützung überlassenen Anstalt noch mehr erhöht.

Gutes, frisches und klares Trinkwasser liefern hinlänglich 14 laufende und 47 Pumpbrunnen; unter den laufenden Brunnen sind ein vierröhriger und zwei zweiröhrige. Nur in ganz trockenen Jahren tritt etwas Mangel ein, jedoch nicht so, daß man die Murr benützen müßte. Das Wasser wird in eisernen, thönernen und hölzernen Deucheln vom sog. oberen Feld her in die Stadt geleitet. Besonders zu erwähnen ist der Marktbrunnen; an seiner im Renaissancegeschmack gehaltenen, mit Rebenlaubgewinden verzierten Brunnensäule sieht man das städtische und das herzoglich württembergische Wappen und die Inschrift: Als man zällte 1587 war diser Bronenkast gemacht. Der steinerne Kasten ist 16′ tief. Auf der Säule steht ein Löwe.

In der oberen Vorstadt ist ein Feuersee angelegt; früher lagen einige, mehrere Morgen große Seen im oberen und im unteren Feld (gegen Strümpfelbach hin); sie sind jetzt in Wiesengrund verwandelt. In dem ehemaligen See im oberen Feld entspringen die Quellen, welche die Brunnen in der Stadt speisen. Die Markung ist überhaupt reich an guten Quellen.

Hungerbrunnen (nur zuweilen fließende Quellen) finden sich mehrere.

Von Flüssen gehen über die Markung die Murr und die Weissach, von Bächen der Eckertsbach und der Krehenbach; alle treten zuweilen verheerend aus.

Stadt und Markung werden von zwei Staats- und fünf Vicinalstraßen berührt; und zwar durch die Staatsstraße von Stuttgart über Waiblingen nach Gaildorf und Hall, die sich hier mit der von Ludwigsburg und Marbach eben dahin gehenden vereinigt; Vicinalstraßen führen von hier nach Steinbach, Unter-Weissach, Maubach, Erbstetten und Oppenweiler.

Brücken sind vorhanden zwei steinerne über die Murr (beide in der Stadt), eine steinerne über die Weissach, eine über den Eckertsbach und zwei über den Krehenbach; ferner gehen zwei hölzerne Stege über die Murr. Die Gemeinde hat sie sämtlich zu unterhalten.

Die Haupterwerbsquelle der Einwohner besteht im Gewerbebetrieb; Feldbau geht nur nebenher, es sind wenige Bürger in der Stadt, welche ausschließlich von Ackerbau leben.

Die Vermögens- und Auskommens-Verhältnisse sind günstig; ziemlich viele Bürger besitzen ein namhaftes Kapitalvermögen; im Jahre 1867 betrug es zusammen etwa 11/2 Millionen Gulden. An Äckern, Baumgärten, Wiesen und Wald besitzt der Begütertste 70 Morgen, darunter 6–8 Morgen Wald, der Mittelmann ungefähr | 5 Morgen, die ärmere Klasse 1/2 Morgen Feld. Der Besitz hiesiger Bürger auf auswärtigen Markungen ist nur klein. Gemeindeunterstützung erhalten 40 Personen.

Von geborenen Backnangern haben sich folgende einen Namen erworben:

Johannes Magirus (Übersetzung des Familiennamens Koch), geb. 26. März 1537, gest. 25. Juni 1614. Sohn eines Fuhrmanns und frühe reif erregte er als Kind durch seine Geschicklichkeit in der Einweihung der Hostie und der Recitation lateinischer Gebete das Wohlgefallen der in Folge des schmalkaldischen Krieges in Backnang befindlichen Spanier, so daß diese ihn mit nach Spanien nehmen wollten, und wurde daher geflüchtet, kam später in das theologische Stift zu Tübingen, wurde Diakon in Stuttgart, Dekan in Vaihingen, Abt von Maulbronn, 1578 Probst zu Stuttgart, welches Amt er 36 Jahre lang bekleidete. Mehrere theologische Streitschriften, Gelegenheits- und Leichenreden sind von ihm gedruckt (Fischlin Mem. Theolog. Wirt. 1, 161 ff.)

Joh. Fried. Christoph (von) Weisser, geb. 10. Dec. 1752, gest. 9. April 1833, erlernte die Schreiberei, wurde durch seine Schriften, namentlich „das Recht der Handwerker“ 1779 und „Nachrichten von den Gesetzen des Herzogthums Wirtemberg“ 1781, dem Herzoge Carl Eugen bekannt, von ihm als Lehrer an der Akademie mit dem Rathstitel angestellt, später Kirchenraths-Expeditionsrath, nach Aufhebung des Kirchenraths Hof- und Finanzrath, Geheimer-Oberfinanzrath, Chef der Sektion der Staatsrechnungen und Mitglied des neuerrichteten Staatsraths; er war vielfach bei Kommissionen verwendet und Verfasser mehrerer Abhandlungen im Gebiete der Staatswissenschaften.

Wenigstens wegen zeitweiliger Anstellung in den Jahren 1560 bis 1570 als Stadtpfarrer allhier verdient Erwähnung Ambrosius Ziegler; derselbe wurde von den evangelischen Ständen Kärnthens nach Klagenfurt berufen, Hauptpastor und Oberaufseher der evangelischen ständischen Schule in Kärnthen, dann Pastor in Herrenals † 1578 (Bergmann, Medaillen des österr. Kaiserstaats 2, 49).

Unter den Gewerbetreibenden herrschen bei weitem die Gerber vor, es sind deren über 100 Meister, die jährlich eine Summe von über 2.000.000 fl. umsetzen; auf den beiden hiesigen Ledermärkten zusammen werden gegen 300.000 fl. umgesetzt, außerdem geht ein bedeutender Verkauf nach Frankfurt, Worms, Speier, Karlsruhe, in die Schweiz, nach Bayern und Österreich, und viel auch in das eigene Land. Es wird vorzugsweise ein sehr gutes Oberleder, zu dessen Bereitung sich das Murrwasser besonders eignet, erzielt. Nach den Gerbern sind die Tuchmacher die häufigsten, doch hat die Tuchmacherei in den letzten Jahren nachgelassen. Auch viele Schuhmacher wohnen | hier, und setzen ihre Ware auf Märkten des In- und Auslandes ab. An Fabriken bestehen: eine Wollspinnerei, eine Tuchwalke und Tuchappretur, drei Häutewalken, vier Lohmühlen, zwei Sägmühlen, zwei Ziegeleien, eine Ölmühle und drei Hanfreiben. Der Betrieb ist durchweg gut. Ferner sind 17 Kaufleute und 3 Krämer vorhanden. Mahlmühlen bestehen fünf, worunter eine Kunstmühle; sie haben zusammen 19 Mahlgänge, 5 Gerbgänge und 1 Ölgang. Schildwirthschaften bestehen 14, Bierbrauereien 7, letztere sämtlich mit Schildwirthschaften verbunden. Auch befindet sich hier eine Buchdruckerei, in welcher der Murrthal-Bote erscheint.

Ferner ist noch zu erwähnen die Fabrikation von Jacquard- und Schaftmaschinen von C. F. Stroh, der seine Fabrikate auch über die Grenzen des Zollvereins absetzt.

Im übrigen zählt die Stadt nach dem neuesten Stand folgende mechanische Künstler und Handwerker:

Meist. Geh. Meist. Geh.
Bäcker 29 23 Leineweber 12 21
Baumwollweber 11 22 Maurer u. Steinhauer 7 23
Barbiere 3 2 Metzger 27 14
Bierbrauereien 7 23 Nadler 2 2
Branntweinbrennereien 26 Pflästerer 2 1
Bürstenbinder 1 1 Posamentiere 1
Buchbinder 4 2 Rothgerber 102 553
Buchdruckereien 1 4 Seiler 5 4
Conditoren 4 4 Sattler 6 5
Dreher 3 5 Schreiner 19 35
Färber 9 11 Schuhmacher 37 53
Flaschner 4 1 Schneider 15 12
Frachtfahrer 7 4 Schlosser 18 20
Goldarbeiter 1 Seifensieder 5 3
Gärtner 4 1 Schmiede 4 9
Glaser 4 5 Tuchscheerer 1 2
Gürtler 1 Tuchmacher 13 39
Hafner 4 8 Uhrmacher 2 2
Hutmacher 2 1 Wagner 4 4
Handlungen 25 9 Wattmacher 1
Kammmacher 2 1 Weißgerber 6 1
Kaminfeger 1 1 Ziegeler 3 6
Kleemeister 1 Zinngießer 1
Kupferschmiede 2 1 Zimmermaler 3 9
Kürschner 3 2 Zimmerleute 8 5
Küfer 9 6 Wirthschaften 49 5
Korbmacher 1
| Aktivhandel findet außer mit Lederwerk hauptsächlich mit Wollentuch ins Inland statt. Eingeführt werden Kolonial-, Ellen- und Eisenwaren, Rohhäute, Gerberrinden, Thran, Farbwaren und Baumwollengarne; durchgeführt hauptsächlich Holzwaren, Getreide und Getränke. Frachtfuhrleute sind drei vorhanden, die nach Stuttgart, Ludwigsburg und Heilbronn fahren; dann kommen alle zwei Tage von Waiblingen her mit Waren beladene Güterwägen. Der Postwagen kommt viermal des Tages von Stuttgart und geht eben so oft wieder dahin zurück.

Von Bedeutung sind die Märkte, die alljährlich abgehalten werden, und zwar in den Monaten März, Mai, Juli, September und December Krämer-, Vieh- und Roßmärkte, März und Juli Ledermärkte, März und Oktober Schafmärkte. Ums Jahr 1600 hatte die Stadt zwei Jahrmärkte, am S. Pankratiustag und am Montag nach Bartholomäus.

Die große von Südwest nach Nordost in die Länge gedehnte Markung ist mit Ausnahme der Gehänge gegen das Murrthal und dessen Seitenthäler ziemlich eben, flachwellig, und hat im allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der meist aus einem etwas schweren tiefgründigen Lehm besteht; auch die klimatischen Verhältnisse sind günstig, indem die Gegend heftigen Winden nicht ausgesetzt ist, Frühlingsfröste weniger vorkommen und Hagelschlag zu den Seltenheiten gehört.

Die Landwirthschaft wird unter Anwendung verbesserter Ackergeräthe (flandrischer Pflug, eiserne Egge, Walze, Repssä- und Dreschmaschine) gut betrieben und außer den gewöhnlichen Düngungsmitteln und der in verbesserten Düngerstätten sorglich gesammelten Jauche werden Gips, Asche, Kompost und namentlich die Abfälle von den Gerbereien reichlich angewendet.

Von den Getreidearten gedeihen am besten Dinkel, dann Roggen, Haber und Gerste; von Brach- und Handelsgewächsen werden gebaut Kartoffeln, die sehr gut gerathen, dann in geringerem Umfange Reps, Mohn, Flachs und Hanf, und ziemlich viel Mais, in neuerer Zeit auch Hopfen; letzterer wird nach außen verkauft. Der Futterkräuterbau (rother Klee, Luzerne und Wicken) ist bedeutend. Die Brotfrüchte reichen zum eigenen Bedarfe nicht hin, und es muß von außen zugekauft werden. Der Wiesenbau ist sehr ausgedehnt und liefert ein gutes Futter, wovon viel nach außen verkauft wird. Die Wiesen sind dreimähdig, gewässert wird nicht mehr. Schöne Gärten und viele Gemüseländer liegen an der Stadt; in letzteren werden auch Gemüse zum Verkauf gezogen. Weinberge bestehen keine mehr, früher waren ziemlich viele an den gegen Süd und Südosten geneigten Halden des Murrthals. Dagegen ist die Obstzucht bedeutend und in steter Zunahme. Das Obst geräth gerne; Luiken, überhaupt Äpfelsorten, herrschen vor, von den Birnen werden meist | Palmisch- und Knausbirnen, von Steinobst eigentlich nur Zwetschgen gebaut. Die Stadt hat eine Baumschule, und einen besonderen Baumwart. Die Jungstämme werden meist von Händlern aus dem Oberamt Waiblingen bezogen. Von dem Obstertrag wird das Meiste vermostet, und nur wenig nach außen verkauft.

Die 408 Morgen betragenden Stadtwaldungen (Laubholz) liefern jährlich 87 Klafter und 8000 Stück Wellen. Außer den jährlichen Holzgaben, von denen jährlich 50, je zu 50 St. Wellen, an die Bürger verabreicht werden, wird das Holz, nach Abzug des städtischen Bedarfes, verkauft und der Ertrag mit etwa 2600 fl. fließt in die Gemeindekasse.

Eigentliche Weiden sind nicht vorhanden, aber gute Brach- und Stoppelweiden, die von fremden Schäfern befahren werden und jährlich 1580 fl. Pachtgeld der Gemeinde abwerfen. Überdieß trägt die Pferchnutzung jährlich 1200 fl. Die vorhandenen Allmanden sind mit Obstbäumen bepflanzt, sie ertragen jährlich etwa 1500 fl., welche in die Gemeindekasse fließen. Der Grasertrag wird dem Gemeindeschäfer überlassen. Außerdem besitzt die Stadt Gärten, Äcker und Wiesen, die zusammen jährlich 2800 fl. abwerfen.

Die Pferdezucht ist unbedeutend, dagegen die mit Simmenthaler- und Neckarschlag sich beschäftigende Rindviehzucht ist beträchtlich, zur Nachzucht sind vier Farren (vom Simmenthaler- und Neckarschlag) aufgestellt, welche die Gemeinde anzuschaffen und zu unterhalten hat. Der Handel mit Vieh ist bedeutend und geht meist ins Ausland; deßgleichen die Viehmastung und die Ausfuhr des Mastviehes. Auch findet Milchverkauf statt.

Die Schafzucht wird von Ortsschäfern und von Privaten betrieben; man hält vorzugsweise Bastarde, die auch im Ort Überwinterung finden. Im Sommer laufen 250, im Winter 1000 Stück auf der Weide; die Schafe werden theils im Ort geschlachtet, theils nach Frankreich ausgeführt. Die Wolle geht auf den Kirchheimer Markt.

Einige Schweinezucht (halbenglische Race) wird getrieben, indessen auch viele Ferkel (ungarische, böhmische und bayrische Race) eingeführt und aufgemästet; mit Mastschweinen wird ein ziemlich starker Handel getrieben, auch Ferkel werden theilweise nach außen abgesetzt.

Schweine werden zum eigenen Bedarf, wie zum Verkauf gemästet.

Die Fischerei, die dem Staate zusteht, ist ganz unbedeutend und wird durch Pächter gegen geringe Entschädigung ausgeübt. Weißfische herrschen vor; in den kleineren Bächen gibt es etwas Forellen, in der Murr ziemlich Aale; Steinkrebse fast in allen Bächen.

An Stiftungen sind vorhanden:

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1) von Kanonikus Haas eine Stiftung vom Jahre 1560 mit 1033 fl. 20 kr.
2) von Herzog Ludwig von Württemberg mit 29 fl. 30 kr.
3) von Freifrau von Gräveniz vom J. 1768 mit 500 fl.
4) von Friedrich Beck und Gottlieb Gerock vom J. 1830 mit 400 fl.
5) von Kaufmann Denzels Wittwe vom J. 1832 mit 200 fl.
G) von Acciser Lederer vom J. 1840 mit 300 fl.
7) von Schafhalter Pfitzenmaiers Ehefrau vom J. 1846 mit 200 fl.
8) von Stadtschultheiß Monns Wittwe vom J. 1863 mit 331 fl., einem Wohngebäude im Anschlag von 1000 fl. und einem Acker im Anschlag von 100 fl.

Die Zinsen von den Stiftungen 1, 2, 3, 4 werden unter den Ortsarmen vertheilt; die von den Stiftungen 5, 6, 7, 8 solange zum Kapital gelegt, bis die Absicht der Stifter erreicht werden kann. Das bei der Stiftung Nr. 8 angegebene Wohnhaus nebst Acker benützen arme Leute. Der Gemeindehaushalt ist geordnet (s. Tab. III.).

Was die Reste aus grauer Vorzeit betrifft, so ist beinahe außer Zweifel, daß schon die Römer auf der Stelle Backnangs eine Niederlassung oder Befestigung angelegt hatten, hiefür sprechen einerseits die günstigen Terrainverhältnisse, andererseits der nur eine halbe Stunde entfernt gelegene, erst in neuester Zeit entdeckte Wohnplatz bei Steinbach, der uns entschieden nachweist, daß die Römer sich wenigstens in der Nähe von Backnang festgesetzt halten. Überdieß geht von der 3/4 Stunden nördlich von Backnang hinziehenden Römerstraße ein alter Weg, der ohne Zweifel römischen Ursprungs ist, gerade gegen die zunächst der Stadt gelegenen Romwelwiesen. Ganz nahe (nördlich) der Stadt trägt ein Bergabhang die Namen „Schlößles-Gärten, Schlößles-Weinberge“ und die zunächst daran stoßende Flur wird „Hagenbach“ genannt; nach der Sage soll hier ein Schloß oder ein Wohnort gelegen sein. Früher ging allgemein die Sage, in den Christfeiertagen fahre der letzte Junker von Hagenbach mit Rappen unter Gejohl um den Hagenbachberg. Hinter dem ehemaligen Stift kommt die Benennung „Bürgberg“ vor, die sich ohne Zweifel auf die an der Stelle des späteren Schlosses gestandene ursprüngliche Burg bezieht.

Etwa 1/4 Stunde östlich von der Stadt soll auf dem sog. Käppelesgrund eine Kapelle gestanden sein.


Geschichte der Stadt.

Die früheste in einer Originalurkunde erhaltene Schreibweise des Namens ist Baggenanc (1134, 1232), ferner kommen vor: Bacnanch, (1182), Baggenang (1231, 1233), Baggenag, Baggenach, Baggenank u. s. w.

| Über die Anfänge der Stadt sind keine Nachrichten vorhanden, denn die Behauptung von Crusius (Annal. Suev. pars 2, 81), daß Freiherr Rudolf von Weissach sie um das Jahr 910 mit Mauern umgeben und zugleich, weil er der letzte seines Geschlechtes gewesen, dem Stift Backnang meistens seine Güter vermacht habe, beruht auf keiner sicheren Grundlage und widerspricht, wenigstens was das Stift betrifft, der urkundlich bezeugten Geschichte. Die Stadt wird zuerst [3], als villa bezeichnet, in den stiftbacknang’schen Urkunden von 1116, 1122, 1160 und 1189 genannt, im J. 1245 heißt sie oppidum. Diesen Urkunden zufolge war sie damals in markgräflich badischem Besitze, kam jedoch, wie oben (VII, 1) angegeben, um den Wendepunkt des 13. u. 14. Jahrhunderts an Graf Eberhard den Erlauchten von Württemberg.

Als Schultheißen werden in alten Zeiten aufgeführt: Hartmudu 1231 (Wirt. Urkb. 3, 276), Cuntz Schlecht 1373 (St.-A.).

Hinsichtlich der Rechte Württembergs an der Stadt ist zu bemerken, daß sie schon i. J. 1420 als der Herrschaft Württemberg Eigen aufgeführt wird (Stälin 3, 418) und daß sich das Lagerbuch von 1528 folgendermaßen ausspricht: Der .... Herr des Fürstenthums Württemberg ist rechter Herr zu Backnang in der Stadt, hat daselbst und sofern und weit ihre Zwinge, Zehenten und Bänne gehen und begriffen sind, allein den Stab auch das Gelait und alle Obrigkeit Herrlichkeit Gebot Verbot hohe und niedere Gericht Frevel Strafen und Bußen, doch hat der Stift zu Backnang auf etlichen ihren Gütern außerhalb der Stadt in derselben Zwingen und Bännen gelegen (wie die von Alters bei dem Stift gewest sind) Gebot Verbot Frevel und Strafen, aber die hohe Gericht und Malefizsachen gehören derort der Herrschaft Württemberg zu. (Reyscher a. a. O. 126.).

Als einzelne wichtige Begebenheiten aus der Geschichte der Stadt sind die folgenden zu nennen.

In dem Reichskriege K. Heinrichs VII. gegen den Grafen Eberhard den Erlauchten ergab sich auch Backnang den 28. August 1312 an das Reich und an die Stadt Eßlingen, die bisher württembergischen Nutzungen gingen an Eßlingen über, welches jedoch die Stadt in ihren alten Rechten belassen mußte. Allein schon im folgenden Jahr begann Graf Eberhard mit der Wiedereroberung der ihm entfremdeten Besitzungen, und als er den 20. Dec. 1316 mit Eßlingen einen wechselseitigen Schirmbund schloß und ihn durch je | 10 Bürger der 8 bedeutendsten Städte Württembergs mitbeschwören ließ, gehörte auch Backnang zu dieser Zahl (Sattler, Grafen 1. Forts. Beil. Nr. 48; ders., Herzoge 4. Vorrede).

Gegen das Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Stadt von Württemberg an Peter Nothaft mit allen Rechten und Zugehörden verpfändet und noch i. J. 1391 war sie im Pfandbesitz seiner Söhne Werner und Hans (Gabelk).

Als Graf Ulrich der Vielgeliebte i. J. 1462 in die Gefangenschaft des Pfalzgrafen Friederich gekommen und i. J. 1463 seine Gemahlin Margarethe von Savoyen auf ihr Widdum, das ihr mit 3000 fl. jährlicher Einkünfte auf Löwenstein und Möckmühl und den Zehenten zu Heilbronn angewiesen war, Verzicht leisten mußte, wurde sie dafür auf die Städte Backnang und Winnenden mit Zugehörungen bewidmet (Steinhofer 3, 103).

Im armen Conrad des Jahrs 1514 machte zu Backnang den Anfang der Empörung Michael Schuhmacher von Cottenweiler, welcher den Aufständischen im Remsthal viele Leute zuführte; am 25. Mai und den folgenden Tagen wurden vor der Stadt ohne Vorwissen der Obrigkeit besondere Zusammenkünfte und Gemeinden gehalten, man bemächtigte sich der Thore und Mauern und drang dem Vogt die Schlüssel ab. Dem Rathe wurden 14 von der Gemeinde zur Seite gesetzt und Backnang war eine der 14 Städte, welche zu Marbach 41 Artikel entwarfen, um sie dem Herzoge auf dem Landtage vorzulegen. Als jedoch der Tübinger Vertrag zu Stande gekommen, wurde er von den herzoglichen Gesandten Dr. Reuchlin und Heinrich von Liebenstein auf einem Acker vor der Stadt dem ganzen Amte verkündigt und es wurde nach kurzem Widerstand und erbetener Bedenkzeit Folge geleistet. (Steinhofer 4, 67. 103. Heyd, Ulrich 1, 250. 256. 330.)

Im J. 1519 war ein so heftiger Sturm allhier, daß ein Thurm niedergerissen wurde (Steinh. 1, 266).

Im Bauernkriege des Jahre 1525 rückte der limpurgische und der hallische Bauernhaufen unter ihrem obersten Anführer Philipp Fierler von Hall nach Backnang, das sich aber, um von ihm befreit zu bleiben, an den Wunnensteiner Haufen anschloß (Heyd, Ulrich 2, 237), von da am 17. April nach Lorch. Weil an der Beschädigung des Eigenthums Ludwigs von Nippenburg in Schwieberdingen durch den Wunnensteiner Haufen auch Leute aus dem Backnanger Amte Theil genommen hatten, so mußte dasselbe nach dem Vertrage vom 3. November 1525 ebenfalls Entschädigung zahlen (von Martens 223).

Im Dec. 1546 besetzten die Kaiserlichen Backnang und zogen erst am 2. Dec. 1549 wieder ab (Gabelk). – Als im Anfange des Jahres 1595 die Pest besonders zu Stuttgart und Tübingen | stark wüthete, suchte der Kirchenrath mit dem Konsistorium zu Backnang Sicherheit. In der Folge begann Herzog Friederich den oben beschriebenen sog. Neuen Bau.

Während des dreißigjährigen Krieges wurden um die Mitte des Jahres 1631 Theile der fürstenbergischen Truppen nach Backnang verlegt und nach der Schlacht bei Nördlingen bezog der kaiserliche Oberst Waibel Quartier im Amt. Im Jahre 1635 brannte die Stadt, vermuthlich durch die Schuld der darin liegenden Truppen, großentheils ab. Im April 1648 kamen schwedische Truppen hierher, die wie Feinde hausten.

Im Juli 1693 plünderten die Franzosen Backnang und steckten es am 25. d. M. in Brand, wobei 210 Gebäude und die Kirchen zu Grund gingen; von der Stadtkirche blieben nur der Chor und die Mauern des darauf stehenden Thurmes erhalten und von der Stiftskirche ebenfalls der Chor, und zwar ohne Bedachung, sowie die zwei davor stehenden Thürme, doch wurde die letztere in den nächsten Jahren wieder aufgebaut (vergl. oben). – Am 20. Juni 1707 kamen ungefähr 1000 französische Reiter unter dem General Broglio nach Backnang und am 30. folgte ihnen der Haupttheil des Heeres, doch zog dasselbe bald wieder ab. – Vom 22.–24. Juli 1796 lagerten sich beim Rückzuge des österreichischen Heeres die sächsischen Truppen zwischen Marbach und Backnang. Am 15. Juli 1800 besetzte eine französische Truppenabtheilung die letztere Stadt.

Als kulturhistorische Merkwürdigkeit ist der beinahe siebenjährige sog. Gänsekrieg zu Backnang zu erwähnen. Um’s Jahr 1607 verbot nämlich Gericht und Rath der Stadt sämtlichen Einwohnern das Gänsehalten, weil die Gänse auf den Feldern großen Schaden anrichteten. Dadurch beschwert baten die Weiber der Stadt i. J. 1610 den gerade anwesenden Herzog Johann Friederich um Aufhebung des Verbots, weil durch dasselbe „ihre habende Bett-gewand feindlich geschwächt werden, indem sie dieselben weder jährlich mit neuen Federn erfrischen, geschweige jemals neue Betten machen könnten“; sie erlangten zwar einen günstigen Bescheid, allein der Magistrat gab nicht sogleich nach und ließ von den durch das erhaltene Rescript kühner gewordenen Weibern die Rädelsführerinnen in Verhaft nehmen, bis zuletzt auf wiederholte Vorstellungen der Weiber beim Herzoge, Bedenken der Räthe und eingeleitete Verhandlungen mit der Stadtobrigkeit, die Weiber ihre Freiheit und die Stadt im Februar 1612 eine Gänseordnung bekamen (Reyscher a. a. O. 132).

Ortsadelige kommen vor vom Schlusse des 13. bis in den Anfang des 15. Jahrhunderts, sie erscheinen als Bürger zu Hall und später auch zu Eßlingen. Es sind als solche zu nennen: Ludwig, Bürger zu Hall 1268, seine Wittwe Adelheid 1277 und Töchter Adelheid und Ottilie; Friederich, Bürger in Halt, und seine Gattin | Elisabeth; Ludwig 1277, 1278; Frisemann und dessen Schwester Ottilie, wovon i. J. 1291 jener als verstorben, diese als lebend aufgeführt werden; Konrad und Kraft 1300; Sigfried von B. genannt von Hall, Bürger in Eßlingen, Wohlthäter des dortigen Spitals 1297–1326 und seine Schwester Luitgard 1297–1324; Adelheid, Tochter des Spitalmeisters Heinrich von B. zu Eßlingen 1353; Fritz von B. 1370; Konrad von B. 1421. Es erscheinen auch Marschälle von Backnang: die Kinder des Albert Marschalls von B. und seiner Gattin Herburg, Heinrich und Wernher, beide in geistlichen Stand getreten, jener Kirchherr zu Erbstetten, und eine Schwester derselben Adelheid 1301, 1304, 1317 (Wibel, Hohenloh. Kirchenhistorie II, 82, 87, 91, 115, Zeitschr. für Franken, Heft 4, S. 89; Archivalurkunden, besonders Eßlinger). Besitzungen zu Backnang hatte namentlich das dortige Stift (s. unten). Schon in der päbstlichen Schutzbulle vom 11. April 1245 werden als dem Stifte gehörig aufgeführt der Stiftsberg mit der Kirche, Hofstätten, Häuser, 2 Mühlen, das Hospital mit Zugehörungen, Einkünfte und sonstige Güter. Den 13. Febr. 1399 kaufte es von Fritz und Wolf von Nippenburg, Gebrüdern, und Anna, des ersteren Gattin, – auch i. J. 1370 werden Heinrich und Fritz von Nippenburg als zu Backnang gesessen aufgeführt – den See zu Mazenhard im Backnanger Zehenten um 90 Goldgulden; seine Lage ist unbekannt, vermuthlich ist er längst ausgetrocknet und befand sich vielleicht da, wo jetzt der Seehof liegt, nördlich von der Stadt. Am 26. April 1454 kaufte dasselbe von Wernher Nothaft einen Hof in der Vorstadt Backnang um 958 fl. minder 1 Ort. Dieser Hof war ursprünglich von dem Markgrafen Hermann VII. von Baden den 31. Aug. 1290 seinem Diener Friederich von Gomaringen um 40 Mark Silbers versetzt worden, damit er solchen bis zu seiner Wiedereinlösung als ein Burglehen innehaben solle, i. J. 1361 war er von den Rechtsnachfolgern der Markgrafen von Baden, den Grafen Eberhard und Ulrich von Württemberg, an den Schwiegersohn des obigen Besitzers, Friederich von Nippenburg, in derselben Weise verpfändet worden, den 6. Dec. 1403 hatte ihn Graf Ulrich von Württemberg dem Hans Nothaft geeignet, i. J. 1434 hatte ein gleichnamiger Nothaft seine Gattin darauf verwiesen, und als dessen Nachfolger erscheint den 28. Febr. 1445 obiger Wernher Nothaft. – Das Lagerbuch von 1568/69 führt als dem Stifte gehörig auf: den großen und kleinen Frucht-, den Wein- und Heu-Zehenten, mehrere Hubgüter, Weiher, Wälder, 2 zu Erblehen gemachte Badstuben, Hellerzinsen u. s. w.; das Landbuch von 1624: 2 Mahlmühlen, die eine in der Vorstadt, die andere, genannt Niedernaus, an der Murr, 2 Lohmühlen, die eine an der Murr, die andere am Bürgerwehr, die Hammer- und Feilen-Schmiede zu | Tauß, 3 Fischwasser, das eine ob Tauß bis zur Rinne, das andere am Burgrain und Taußwehr, das dritte die Welschscheuer genannt, ferner den Hof Siehdichfür, jetzt Stiftsgrundhof.

Der Eßlinger Spital besaß hier nach einem Lagerbuche von 1304 einige Gülten, ohne Zweifel Schenkungen der oben genannten Herren von Backnang.

Außer den schon oben als hier angesessen aufgeführten Familien Gomaringen, Nippenburg und Nothaft sind noch zu nennen die Sturmfeder: Heinrich von St. und seine Gemahlin Agathe statteten die von ihnen gestiftete St. Katharinenpfründe in der Pfarrkirche zu Groß-Ingersheim mit ihrem Hofe in der Pfarrei Backnang, genannt „zu Gesyrecke“ samt allen Zugehörden aus, was der Probst von S. Guido zu Speyer, Ulrich von Württemberg, den 30. Juni 1336 bestätigte (St.-A.). Auch noch später gab es zu Backnang ein der Familie Sturmfeder und ein der Familie Senft von Sulburg gehöriges Hans (Crusius Coll. 3, 104 ff.).

Die älteren kirchlichen Verhältnisse Backnangs finden unten bei der Geschichte des Stiftes eine Stelle, aus der Zeit der Reformation ist nur folgendes zu erwähnen. Ein evangelischer Stadtpfarrer übernahm die geistlichen Verrichtungen; er stand unter der Spezialsuperintendenz zu Marbach und erhielt nach dem Interim einen Diakon beigegeben, welcher bis 1839 zugleich Pfarrer von Allmersbach war. Im J. 1695 wurde mit der Stadtpfarrei die Würde und das Amt eines Spezialsuperintendenten verbunden (Binder, Kirchen- und Lehrämter 122).


Geschichte des Stifts.[4])
Markgraf Hermann II. von Baden († 1130) erweiterte mit seiner Gemahlin Judith die von seinen Vorfahren, von ihm selbst und von seiner Gattin reich begabte S. Pankratiuskirche zu einem Stifte regulirter Augustiner-Chorherren. Auf seine Bitte bestätigte im J. 1116 Pabst Paschalis II. dieses Stift mit seinen jetzigen und künftigen Besitzungen und nahm es in seinen und des apostolischen Stuhles Schutz, verlieh ihm auch die gewöhnlichen Privilegien (freie Probstwahl – vorbehalten natürlich die Bestätigung des Speirer Diöcesanbischofes – Verbot von Privateigenthum und von Wiederaustritt nach Ablegung des Gelübdes) und setzte einen Goldgulden als jährliche Steuer nach Rom fest (Wirt. Urkb. 1, 343). Auf die Bitte des Markgrafen, welcher eine neue Kirche, die St. Michaelskirche, erbaute, gestattete der Bischof Bruno von Speier den 17. Febr. 1122, daß die Pankratiuskirche für die Zwecke des Stifts bestimmt, die | neue Kirche dagegen als eigentliche Pfarrkirche dem städtischen Gottesdienste in vollem Umfange gewidmet werde. Er gab dieser Kirche zu ihrer Ausstattung den vierten Theil der Zehenten der ganzen Pfarrei, ausgenommen gewisse Besitzungen des Spitals, und bestimmte, daß die Pfarrer durch die Pröbste zu substituiren seien (Wirt. Urkb. 1, 348). Obige Bestätigung seines Vorgängers wiederholte Pabst Honorius II. (zwischen 1125 und 1130) und verordnete zugleich, daß Niemand ohne den Willen des Probsts und Konvents die Schirmvogtei über das Stift solle erlangen können (Wirt. Urkb. 1, 358).

Auch des Stifters Sohn, Markgraf Hermann III., bewies sich gutthätig gegen diese Schöpfung seines Vaters, indem er derselben mit Einwilligung seiner Gattin Bertha sein Gut in Heiningen vergabte, – eine von dem Bischof Siegfried von Speier im J. 1134 bekräftigte Schenkung (Wirt. Urkb. 1, 382) –, und im Jahre 1145 (Schöpflin a. a. O. hat das Jahr 1135) die väterliche Stiftung auf Bitte der Chorherren in Gegenwart des genannten Bischofs für ewig bestätigte (Besold a. a. O. 9). Der Nachfolger Siegfrieds, Bischof Günther von Speier, vereinigte im J. 1160 die genannte St. Michaelskirche mit dem Stifte und der Kardinalerzbischof Konrad von Mainz bestätigte diese Einverleibung den 31. März 1189 (Wirt. Urkb. 2, 127. 262).

Aber es kamen auch schlimme Zeiten für das Stift durch das gottlose Unternehmen tempelschänderischer Tyrannen („a sacrilegis tyrannis nefandis ausibus misere invasum“ Schöpflin a. a. O.). So fügte ihm schon der Urenkel des Stifters, Markgraf Hermann V., in eigener Person und durch Andere vielen Schaden zu. Im Jahre 1231 schenkte er übrigens zur Sühne für das dem Stift angethane Böse demselben das Patronatrecht der Kirche zu Lendsiedel (O.A. Gerabronn) mit Zehenten und allen Rechten und Zugehörden, wies demselben für den Fall seines Todes die Mühle unter dem Schloß Reichenberg an, wogegen ihm das Stift obiges Schloß bis zum zweiten Walle und den See in Cottenweiler, den er selbst angelegt hatte, abtrat (Wirt. Urkb. 3, 276). Bald darauf – den 26. März 1235 nach einer alten Aufzeichnung im Staatsarchive; nach Schöpflin um 1236 – wurde das Stift aus Anlaß einer Fehde des Markgrafen durch Eingedrungene verwüstet und fast ganz zerstört, der Probst mit vielen Chorherren getödtet. Mit denselben Zwistigkeiten, welche auch nach dem im J. 1242 erfolgten Tode dieses Markgrafen noch fortdauerten, hängt wohl zusammen, daß Pabst Innocenz IV. den 15. März 1245 die Exkommunikationssentenz bestätigte, welche der Bischof von Speier gegen einige Grafen, Barone und Edle – darunter Heinrich von Neuffen (Sattler, Grafen 1. Forts. Beil. 31) – ausgesprochen, die das Stift verbrannt hatten (Besold a. a. O. 8 hat das Datum der Bulle fälschlich aufs Jahr 1244 gedeutet). | Allein es gelang den Markgrafen Hermann VI. und Rudolf I. „haud dubie intercessione S. Pancratii, cuius implorato suffragio proeliantes votum voverunt, diruptum et desolutum monasterium sese innovando reparaturos“ über ihre Feinde einen entscheidenden Sieg zu erfechten, worauf sie das Stift wiederherstellten und dieses den Jahrestag des Sieges alljährlich feierlich beging (Schöpflin a. a. O.[5]. – Den 5. Januar 1263 traf Pabst Urban IV. Anordnungen, um Streitigkeiten zwischen dem Stifte einerseits und den Grafen von Oettingen, von Württemberg, von Asperg und den Herrn von Heinrieth andererseits wegen dem Stifte zugefügten Schadens zu schlichten (Besold a. a. O., woselbst das Datum der Urkunde irrig auf das Jahr 1262 gedeutet).

Pabst Innocenz IV. nahm das Stift den 11. April 1245 in seinen unmittelbaren Schutz, bestätigte ihm seinen nicht unansehnlichen, an vielen Orten verbreiteten Besitz und ertheilte ihm verschiedene weitere Vergünstigungen. Dasselbe thaten die Päbste Gregor X. 1272 und Johannes XXII. 1318 (Besold. a. a. O. S. 3 ff.).

Von der Gründung des Stiftes an hatten die Markgrafen von Baden auch die Schirmvogtei desselben verwaltet; als aber die Stadt Backnang um den Wendepunkt des 13. und 14. Jahrhunderts an Württemberg kam (s. oben VII, 1.), ging wohl auch der Schutz des Stiftes auf diese Familie über. Um die Mitte des 14. Jahrhunderts gerieth es durch schlechte Verwaltung etwas in Zerfall und in innere Zwiestigkeiten. Nach dem Tode des Probstes Siegfried verfertigte der Konvent neue Statuten und machte seinerseits von der eidlichen Zusage ihrer Enthaltung den Gehorsam abhängig, allein der neue gleichnamige Probst, der auf diese Bedingung hin zu seiner Würde gelangt war, erhielt von Pabst Urban V. den 8. April 1365 die Lösung von seinem Eide (St. A.). Er wurde jedoch darauf mit seinen Chorherren auf Bitte der Parteien von dem Grafen Eberhard dem Greiner den 24. Februar 1366 durch eine „Ordnung Richtung und Gemächte“ in der Weise verglichen, daß, wenn Jemand den Streit erneuere, der Graf ihn strafen und ihm seine Pfründe nehmen dürfe. Der Probst sollte seine Würde behalten, wie zuvor Einkünfte und Ausgaben verwalten, die Pfründen vergeben; er durfte nach seinem und des Stifts Vermögen Gastungen halten, doch sollte er die Schuldner befriedigen und wie auch die Stiftsherren, weder Leib noch Gut in den Schuh fremder Herren und Städte geben, bei Strafe der Absetzung. Er und seine Nachfolger sollten künftig jedes Jahr in Gegenwart von 4 Chorherren den württembergischen Abgeordneten | Rechnung thun, durften auch ohne Württembergs Wissen und Willen keinen kostbaren Bau außerhalb des Stifts unternehmen und nichts veräußern. Verstöße seiner Untergebenen gegen die geistliche Ordnung hatte der Probst zu rügen „nach Rath seines Capitels, des mehreren Theils desselben oder der Pfaffheit,“ welche der Graf ihm hiezu bescheiden würde; lebte der Probst selbst unredlich oder unordentlich, so sollten die Stiftsherren es dem Grafen anzeigen, der ihn dann „nach Rath guter Pfaffheit durch seinen Bischof oder sonst“ werde strafen lassen. Dem Probst wurde der Genuß des ihm von seinem Vater erkauften Zehentens zu Maubach sowie der Kirche in Weiler zum Stein, und wenn er abdanke, ein hinreichendes Leibgeding zugesichert. Probst und Chorherren mußten diese Ordnung beschwören und auf alle schon erlangten oder künftig noch zu erlangenden Briefe Freiheiten und Privilegien, welche deren Inhalt widersprächen, verzichten (St.-A.). Zu einem dauernden Wohlstande aber kam das Stift nicht mehr, vielmehr bewirkten eigene Nachlässigkeit und Sorglosigkeit nicht nur, sondern auch (wie wenigstens in der alsbald zu nennenden päbstlichen Bulle behauptet wird) die demselben durch die Grafen von Württemberg zugemutheten Ausgaben und Gastrechtsverpflichtungen, daß es in seinem Vermögen ganz herabkam. Der Probst Jakob Wick gab sich zwar alle Mühe, dem Verfall zu steuern, allein vergeblich. Weil er daher fürchtete, sein Nachfolger möchte den Ruin der Anstalt vollenden, da in ihr sehr viele junge ungebildete und unerfahrene Chorherren waren, so wandte er sich in Verbindung mit dem Grafen Ulrich von Württemberg an den Pabst Sixtus IV. mit der Bitte, das Stift in ein weltliches Collegiatstift zu verwandeln.[6] Der Pabst beauftragte darauf den 17. Juli 1477 den Bischof Mathias von Speier und den Probst an der S. German- und S. Mauricius-Kirche daselbst, die Verwandlung nach dem Muster des Stifts S. Guido zu Speier vorzunehmen, dem Hause Württemberg, wenn der Graf auf jene Ansprüche an das Stift verzichte, das Patronats- und Präsentationsrecht vorzubehalten, und zwar in der Weise, daß ein Probst dem Pabste, die Chorherren, Pfründner und sonstige Beneficiaten dem Probste zu präsentiren wären, ferner dem Probste und Kapitel nach dem genannten Muster ein Jurisdiktionsrecht in peinlichen und bürgerlichen Sachen zu bestimmen, sowie dem Probste für die Seelsorge und den Gottesdienst zwei Weltgeistliche zuzuordnen. Der Auftrag wurde auch wirklich vollführt und den 30. Nov. 1477 | ein solennes Instrument darüber aufgenommen. Schon den 25. Okt. verschrieben sich Probst und Konvent gegenüber dem Grafen Ulrich und seinem Sohne Eberhard, sowie deren Nachkommen als Kastenvögten und Schirmern des Stiftes, obigem gemäß und an demselben Tage freiten die beiden Grafen dasselbe von Gastung, Herberge u. s. w. für sich selbst, ihre Amtleute, Forstmeister, Jäger, Falkner oder andere Knechte, bestätigten die Gerechtigkeit und Gewohnheit, wie sie zwischen dem Stift und der Stadt Backnang bisher bestanden, und versprachen es getreulich zu schirmen (Besold a. a. O. S. 11–22). Da hierdurch der Speirer Bischof sein altes Bestätigungsrecht des Probstes verlor, verpflichtete sich der Probst Jacob mit seinem Kapitel den 1. December, demselben jährlich 10 Gulden nach Udenheim zu senden, dem Probste zu S. Guido aber und seinen Nachfolgern als Archidiakonen wie herkömmlich Gehorsam zu geloben und bei Strafe des Bannes 8 Gulden zu entrichten, sowie jährlich gleich anderen weltlichen Stiftern und Kapiteln einen Chorherrn zu dem bischöflichen Send nach Speier zu schicken, um die daselbst ausgehenden Processe und divinos ordines zu hören und zu empfangen. Übrigens ließ den 18. Februar 1516 der Bischof Georg von Speier dem Stifte in dieser Hinsicht einige Erleichterungen zukommen, verzichtete auch auf das Recht der primae preces, und den 7. Februar 1545 vertauschte Bischof Philipp von Speier unter Anderem jene Gefälle gegen Einräumung einiger im Speirer Gebiet gelegenen württ. Kollaturen (Vrgl. Remling Gesch. der Bischöfe zu Speier 2, 172).

Auf Bitten des Probsts Jacobi trennte Herzog Eberhard I. den 6. August 1496 die Pfarrei zu Backnang von der Probstei und unirte sie mit einer Chorherrenpfründe, und gestattete Herzog Ulrich den 25. September 1503 dem Stifte, zu einer Vicarie einen Priester, der ein Organist sei, ihm und seinen Nachfolgern zu benennen, worauf sie denselben dem Stifte ohne Hinderung präsentiren werden (St.-A.).

Im Bauernkrieg wurde das Stift geplündert und wurden die Stiftsherren verjagt; der Feldherr des schwäbischen Bundes, der Truchseß Georg von Waldburg, nahm den 8. Mai 1525 das Stift in seinen Schutz und Schirm, und den 21. Juni befahlen Statthalter und Regenten des Fürstenthums Württemberg, alles dem Stift und dessen Verwandten abhanden Gekommene denselben zurückzugeben, beziehungsweise zu ersetzen.

Als Herzog Ulrich nach der Wiedergewinnung seines Landes i. J. 1534 die Reformation einführte, ließ er mit dem Probst Jacob Schreiber und Kapitel in Stuttgart verhandeln und kam mit denselben über ein jährliches Leibgeding überein, wogegen sie alle Dokumente, Ornate, Monstranzen, Kelche, Silbergeschirr und alles sonstige Vermögen des Stifts in demselben belassen sollten. Da machte | sich aber der Custos des Stifts Hans Aschmann flüchtig, und sofort erließ Herzog Ulrich aus Argwohn, er möchte mit Wissen der anderen Stiftsangehörigen etwas bei Seite geschafft haben oder sonst Schlimmes im Sinne führen, den Probst und einige andere Stiftsverwandte, den Chorherrn Thomas Haas, den Pfarrer Joh. Sigloch und den Diener des Probsts gefangen setzen, von dem Stifte, in welchem Michel Angelberger zum letzten Male die Messe hielt, und von dessen Vermögen Besitz nehmen, setzte übrigens einen Chorherrn, Albrecht Schultheiß, zum Verwalter und Rechner. Jene Gefangenschaft dauerte jedoch nicht sehr lange, denn den 16. Juni 1537 wurde der Probst vom Herzoge in der Weise verleibdingt, daß er von des Stifts Einkommen jährlich 84 Gulden, 39 Malter Roggen, 105 M. Dinkel, 60 M. Haber, 4 Fuder Wein, eine Anzahl Fische, dazu seine Behausung, Wiesen und Garten, wie er es bisher genossen, eine ziemliche Beholzung, seinen Antheil am kleinen Zehenten, 1 Malter Gerste und 2 Fuder Stroh erhielt, während die Chorherren im Allgemeinen die Hälfte, die Vicarien ein Viertel seines Leibgedings bekamen. Dafür aber mußten der Probst und die anderen Gefangenen dem Herzoge Urpheden und Verschreibungen ausstellen, wonach sie insbesondere ohne sein Wissen das Land nicht verlassen wollten, und sich hiefür mit ihrem Leib und aller ihrer Habe unter Stellung von Bürgen verbindlich machen. Übrigens befanden sich i. J. 1549 nur noch der Probst und drei Chorherren am Leben, die Vicarien waren sämtlich gestorben. Nach der Anordnung des Interims durch K. Karl V. wurden schon mit Herzog Ulrich, welcher durch einige kaiserliche Schreiben noch besonders gemahnt worden war, Verhandlungen über die Wiederherstellung des Stifts geführt, allein erst nach seinem Tode setzte Herzog Christoph den Probst und die Stiftsherren wieder in die geistliche und weltliche Verwaltung des Stiftes und in ihre Pfründen ein, nachdem er den 5. December 1550 sich mit ihnen in der Weise verglichen hatte, daß sie dem Interim gemäß sich halten, ihn als Lehensherrn, Patron, Kastenvogt und Landesfürsten anerkennen und wegen der in der Zwischenzeit vom Stifte veräußerten Güter keine Ansprüche erheben wollen. Am Christtag hielt der genannte Angelberger wieder die Messe. Die wenigen übrig gebliebenen Stiftsherren glaubten übrigens die verschiedenen dem Stifte obliegenden Amtsverrichtungen nicht versehen zu können, weßhalb der Probst sich selbst nach Stuttgart begab, um über die Wiederbesetzung der offenen Stellen zu verhandeln, allein im Mai 1551 daselbst starb. Darauf setzte H. Christoph den Grafen Johann Christoph von Zimmern, Domdechanten zu Straßburg, Chorherrn zu Speier und Köln, welcher bei ihm großes Vertrauen genoß, zum Probst und bestellte ihn als herzoglichen Rath, wofür derselbe sein Kanonikat zu Köln aufgab. | Er mußte sich übrigens mancherlei Bedingungen etwas beschwerlicher Art gefallen lassen, „auch etliche Deputate auf Studia der jungen Edelleute verwenden“, so daß ihm wohl die Hälfte des Ertrags seiner Pfründe entzogen worden sein soll (Besold a. a. O. Zimmersche Chronik in der Bibl. des lit. Vereins 93, 467. 94, 171). Nach seinem i. J. 1557 erfolgten Tode bewarb sich zwar ein Herr von Rappoltstein für seinen Schwager, Graf Heinrich von Sayn, um die Probstei, allein sein Gesuch wurde abgeschlagen, die Stelle nicht mehr besetzt und mit der definitiven Säkularisirung des Stifts vorgeschritten. Den sonstigen Grundsätzen über die Säkularisirung entsprechend wurde aber aus den Gütern des ehemaligen Stifts eine eigene Stiftsverwaltung gebildet, welche erst mit der Aufhebung des Kirchengutes im Beginne dieses Jahrhunderts ihr Ende erreichte.

Während des dreißigjährigen Krieges setzten sich die Jesuiten i. J. 1635 in den Besitz des Stiftes und arbeiteten für die Gegenreformation, allein den 3. Aug. 1638 erließ K. Ferdinand III. an Statthalter und Räthe zu Württemberg den Befehl, daß in Stuttgart und Backnang der evangelischen Bürgerschaft die Ausübung ihrer Confession wieder gestattet werde. Den 7. Mai 1639 erhielt das Stift gleichwie einige andere Stifte einen Schutzbrief vom Kaiser, welcher am oberen Thore der Stiftskirche öffentlich angeschlagen wurde. Nach Abschluß des westphälischen Friedens erbot sich der jesuitische Stiftsinhaber Mich. Weidenhiller gegenüber dem Kirchenkastensadvokaten Faber in 3 Tagen das Stift abzutreten, bat jedoch, ihm noch 3 Wochen zum Dreschen seiner Zehentfrüchte zu vergönnen, suchte zugleich um den fürstlichen Schutz an und übergab die Schlüssel zur Kirche und zum Stiftsgebäude. Seinem Wunsche wurde entsprochen. (Sattler, Herzoge 7, 195. 9, 14. und 16).

Die Reihe der Pröbste des Stiftes nach älteren Aufzeichnungen, so aus dem 17. Jahrhunderte, welche allerdings nicht durchaus mit gleichzeitigen Quellen belegt werden kann, ist folgende. Berthold † 18. Febr. 1124 (alte Aufzeichnung im St.-Archive) Stephan 1165. Albero 1182 (Wirt. Urkb. 2, 222), † 1189. Konrad 1214 – 1230. Diether 1231 – 1233 (eb. 3, 276. 320.). Heinrich 1244 –1260 (St.-A.). Konrad † 1271. Eberhard † 1278. Konrad 1290 (St.-A.) † 1308. Beringer 1319 † 1339. Siegfried von Welzheim 1350 † 1354. Siegfried von Baumgarten 1365 † 1377. Siegfried von Leonberg 1377 † 1399. Ulrich Fetzer 1399 – 1413. Ulrich von Winkenthal 1413 – 1420. Wilhelm von Lichtenstern 1420 – 1450 (1437 u. 1442 St.-A.). Johannes Hagen 1453 – 1466 (St.-A.). Jakob Wick 1476 – 1492. Peter Jacobi von Arlun (im Großherzogthum Luxemburg) unter der Regierung der Herzoge Eberhard I. und II. und Ulrich in deren Diensten, kaiserlicher Rath, Begleiter des erstgenannten Herzogs auf seiner Reise | nach Rom, zugleich Chorherr zu Stuttgart und Kirchherr zu Waiblingen, † 13. Mai 1509. (Vergl. über ihn: „Dr. Peter Jacobi Probst zu Backnang, von Stadtpfarrer Heyd zu Markgröningen“ in „Klaiber Studien der ev. Geistlichkeit Wirtembergs“ Bd. 3. H. 1. S. 180 ff.). Ihm folgte Jakob Schreiber gen. Lorcher † 1551. Dessen Nachfolger, der letzte Probst, war Graf Joh. Christoph von Zimmern.

Das Stift war nicht unbemittelt; hatte es doch nach einer Aufzählung aus der Zeit der katholischen Stiftsinhaber während des 30jährigen Krieges an 61 Orten den großen Zehenten. Im Einzelnen sind folgende Besitzungen desselben hervorzuheben:

1. Im Oberamt Backnang. Zu Backnang, Germansweiler, Ober-, Mittel-, Unter-Schönthal, Stiftsgrundhof, Ungeheuerhof; Allmersbach; Althütte, Kallenberg, Lutzenberg, Schöllhütte; Bruch; Cottenweiler; Ebersberg; Fürstenhof; Heiningen; Heutensbach; Jux; Lippoldsweiler; Maubach; Heslachhof, Mittelbrüden, Rottmannsberg; Murrhardt, Vorder- und Hinter-Westermurr; Ober-Weissach; Reichenberg, Aichelbach, Reichenbach, Reutenhof, Zell; Sechselberg, Fautspach, Hörschhof, Schlichenweiler, Waldenweiler; Steinbach; Strümpfelbach; Unterbrüden; Unter-Weissach, Dresselhof, Sachsenweiler; Waldrems. S. hierüber die einzelnen Orte.

2. Im Oberamt Marbach. Zu Marbach 1245[7]. Siegelhausen: das Stift erhielt 1230 vom Grafen Berthold von Beilstein ein Gut und das Patronatrecht, 1243 von Friederich von Bonfeld all dessen hiesiges Erbgut, 1245 bestätigte Pabst Innocenz IV. seinen Besitz, zu dem in der Folge auch der große und der Weinzehente kam, während der Heu- und der kleine Zehente der Pfarrei Bittenfeld zustand; der Ort selbst wurde stiftischer Weiler. Affalterbach: 1453 verkaufte das Stift Güter an Gr. Ulrich von Württemberg. Wolfsölden: großer Fruchtzehente. Auenstein und Beilstein 1245. Burgstall: 1453 verkaufte das Stift Güter an Gr. Ulrich von Württemberg. Erbstetten: 1245, 1453, das Stift hatte den Kirchensatz, die Kastvogtei, das Patronatrecht, den meisten grossen und Weinzehenten. Erdmannshausen: Zinsen und Gülten. Groß-Bottwar 1245. Höpfigheim: 1245, um 1440 verkaufte Mathys von Mönsheim einen Hof ans Stift. Kirchberg: 1245, im Mai 1453 überließ Gr. Ulrich von Württemberg dem Stift die Kirche und den Kirchensatz, 23. Febr. 1591 verkaufte Herzog Ludwig des Stifts Widdumgut an Private; in der Folge besaß es den Kirchensatz, im Allgemeinen wenigstens 2/3 des großen und kleinen Frucht-, Wein- und Heuzehentens. Zwingelhausen: 1245; das Stift besaß 2/3 sämtlicher Zehenten und der Ort wurde stiftischer Weiler. Einöde 1245. Klein-Bottwar: 1245, um 1440 verkaufte Mathys von Mönsheün 1/2 Kelter und einen Weingarten ans Stift, 1453 verkaufte es Güter an Württemberg, 1568 hatte es noch Hellerzinsen. Mundelsheim 1245. Murr 1245, Hellerzinsen noch 1568. Ottmarsheim und Pleidelsheim 1245. Rielingshausen: 1358 erhielt das Stift Güter durch die steinheimschen Klosterfrauen Elisabeth und Agnes von Weissach, im Mai 1453 die Kirche mit dem Kirchensatz durch Gr. Ulrich von Württemberg, in der Folge hatte es Theil am großen, den kleinen, Heu- und Weinzehenten, ein Widdumgut, Güter und Zinsen. Steinheim: 1453 verkaufte das Stift Güter an Württemberg. Weiler zum Stein: 1245, das Stift verkaufte das Gericht allhier samt Zinsen und Gülten in den umliegenden Orten, wie | Imsenweiler oder Gollenhof, 1453 an Württemberg; es besaß die 1359 von Albrecht Hummel von Lichtenberg an den Schultheißen von Backnang veräußerte und von dessen Sohn ihm verkaufte Kirche mit Kirchensatz, Kastvogtei, Patronat, aller Jurisdiktion, gewisse große Frucht- den Weinzehenten, ein Widdumgut, Zinsen und Gülten, ferner zu Imsenweiler (auch 1245) den großen Fruchtzehenten. Holzweiler: 1. Febr. 1411 vergabte Anna von Klingenberg Rudolf Kammerers Wittwe ihre Güter zu H. ans Stift, das 1571 auch gewisse Heuzehenten und einen Erblehnhof inne hatte.

3. Im Oberamt Ludwigsburg. Zu Benningen: im Mai 1453 übergab Gr. Ulrich von Württemberg dem Stift die Kirche und den Kirchensatz, 23. Februar 1459 überließ er ihm tauschweise den halben Kornzehenten zu der schon früher von demselben besessenen Hälfte; das Stift hatte in der Folge den großen Zehenten, im allgemeinen die Hälfte des Weinzehenten, mit der geistlichen Verwaltung Marbach zusammen den Heu- und kleinen Zehenten, ein Widdumgut, Zinsen und Gülten. Hoheneck: Antheil am Weinzehenten. Neckarweihingen: 19. Juni 1366 überließen die Gr. Eberhard und Ulrich von Württemberg dem Stift den Kirchensatz und die Kirche nebst Widdumhof, Kirchenzehenten und Gütern gegen die Kirche zu Lendsiedel; in der Folge hatte dasselbe die geistliche Lehenschaft, im Allgemeinen die Hälfte des großen, Antheil am Weinzehenten, einen Widdumhof, den Heuzehenten, den kleinen als Kollator der Kirche. Poppenweiler: gewisse Weinzehenten und eigene Güter. Zuffenhausen: 1233 verkaufte das Stift ein Gütchen ans Kl. Bebenhausen, erscheint 1290 noch als begütert. (Mone, Zeitschr. 3, 116 u. 14, 95.)

4. Im Oberamt Waiblingen. Zu Bittenfeld: 1237 besaß das Stift den großen Zehenten, den ihm 1245 P. Innocenz IV. bestätigte, 29. Juni 1282 erwarb es von Albrecht von Ebersberg den kleinen Zehenten, 1453 verkaufte es Güter und Rechte an Gr. Ulrich von Württemberg, besaß später noch den Kirchensatz mit Kastvogtei, Patronat, ein Widdumgut, erbliche Höfe und Lehengüter, sämtliche Zehenten. Schwaikheim: 1245 besaß das Stift eine Mühle, 1453 veräußerte es Güter an Württemberg, in den J. 1449, 1465, 1484 erwarb es Zehentrechte, hatte den Kirchensatz, Kastvogtei, Patronatrecht, Widdumgut, großen Frucht- und Weinzehenten, Hellerzinsen. Nellmersbach: 1245, im J. 1453 verkaufte das Stift Güter an Württemberg. Kirschenhardthof 1245. Remshofen (abgegangener Ort bei Bittenfeld) 1245. Beinstein: 1465 erließ Gr. Ulrich von Württemberg dem Stift eine Jahresgült aus Gütern, 1568 hatte es den Fronhof, 5 Lehen, Zinsen und Gülten. Korb: Gülten, Zinsen, Theilwein. Groß-Heppach, Winnenden und Ödernhard: Zinsen.

5. Im Oberamt Welzheim: im J. 1245 hatte das Stift Besitzungen zu Rudersberg und Oberndorf (Rudolfesberg inferius et superius cum capella S. Johannis ibidem), Klaffenbach, (Ober-, Unter-) Schlechtbach und in dem abgegangenen Rodmannsweiler. 23. Februar 1459 traf Gr. Ulrich von Württemberg einen Tausch mit dem Stift und erhielt von ihm gegen andere Güter alle Höfe, Weiler, Leute, Güter und Gülten des Stifts zu Rudersberg, Oberndorf, Rodmannsweiler, Königsbronnhof, Ober-, Unter-Schlechtbach, mit Vogtei und Gericht, dem Walde und der neuerbauten Kelter zu Rudersberg, dagegen behielt sich das Stift noch bevor: die Kirche zu Rudersberg, den Zehenten daselbst und zu Oberndorf, Klaffenbach, Mannenberg, Rodmannsweiler, Königsbronnhof, des Konzen Hof zu Königsbronnhof und die Zinse des Konvents zu Schlechtbach, sowie 2 Widdumhöfe zu Rudersberg. 1568 besaß das Stift zu Rudersberg Kirche und Kirchensatz, alle Zehenten, 2 Widdumgüter, Zinsen und Gülten, zu Oberndorf alle Zehenten, zu Mannenberg den großen, kleinen, Weinzehenten, während für den Heuzehenten die Pfarrei Rudersberg ein Bestimmtes an Geld bezog, zu Michelau den von Georg von Gaisberg 1520 erworbenen Hof, zu Klaffenbach und Rodmannsweiler | den großen und kleinen Frucht- und Weinzehenten, zu Königsbronnhof den großen und kleinen Zehenten. Cunweiler in der Urkunde von 1245 dürfte der abgegangene Ort Cunenweiler auf der Markung von Eberhardsweiler sein; 14. Juli 1373 verschrieben Fritz von Nippenburg und seine Gattin Engeltrud von Gomaringen ihren Hof C. dem Stift. Breitenfürst: 21. Mai 1453 vertauschte das Stift seinen Hof, der jährlich 350 Pfd. Heller trägt, an Württemberg.

6. Im Oberamt Schorndorf: Zu Grunbach, (Ober-, Unter-) Bercken 1245.

7. Im Oberamt Hall: Zu Hall (eine Salzpfanne) und zu Kupfer 1245.

8. Im Oberamt Öhringen: Zu Beltersroth 1245.

9. Im Oberamt Gerabronn: Zu Lendsiedel: 1231 erhielt das Stift das Patronat der Kirche u. s. w. von Baden (s. oben S. 145), trat aber 19. Juni 1366 diese Kirche an Württemberg ab. Sigisweiler 1245.

10. Im Oberamt Heilbronn: Zu Gruppenbach 1245.

11. Im Oberamt Besigheim: Zu Besigheim und Erligheim 1245. Gemmrigheim: 1231 wurde die Kirche von Ritter Rugger von Stockheim dem Stifte übergeben, welches sie sofort inkorporirte, 1245 werden als Besitz des Stifts genannt Hof, Mühle und Kirche mit Zugehörden, später besaß es noch alle Zehenten, einen frei eigenen Hof, Fischwasser, eine Mühle, Hub- und Lehengüter, Zinsen und Gülten. Ingersheim und Kaltenwesten 1245.

12. Im Oberamt Brackenheim: Zu Botenheim und Frauenzimmern: Hellerzinsen aus Wiesen 1571. Güglingen: eine Wiese 1456.

13. Im Oberamt Canstatt: Zu Fellbach: Hof, Weinberge und Hofstätten 1245.

Das Stift hatte zu Maubach und auf seinen frei eigenen Höfen und Lehengütern von Alters her – aber nur für Sachen der niederen Gerichtsbarkeit (s. oben S. 140) – ein eigenes Gericht, das Hubgericht genannt, welches aus des Stifts Keller als Vorstand und 12 Hubern oder Stiftslehenleuten (6 Bewohnern der Stadt und 6 anderen) bestand, die von der Gesamtheit der Huber gewählt wurden. Dieses Gericht wurde viermal jährlich gehalten und alle Leibeigene und Lehensleute des Stifts waren vor demselben zu erscheinen verpflichtet und wurden von ihm gerügt. Durch Dekret vom 4. März 1569 hob Herzog Ludwig von Württemberg dasselbe auf und wies die bisher dahin gehörigen Sachen an die gewöhnlichen Gerichte (Reyscher a. a. O. 122 ff.).


Parzellen:

b) Germannsweiler, zuweilen auch Weigleshof genannt, liegt 1/2 Stunde südwestlich von Backnang auf der Anhöhe zwischen der Murr und dem Maubach. Den 11. April 1245 bestätigte Pabst Innocenz IV. dem Stifte Backnang Besitzungen und den 23. Febr. 1459 erließ Graf Ulrich von Württemberg demselben Hellerzinsen allda.

c. Mittel-Schönthal, hat 1/2 Stunde westlich von der Oberamtsstadt eine freundliche Lage über den rechten Gehängen des Klöpferbachs; der Ort ist mit Obstbäumen, zwischen denen sich einzelne Pappeln und Tannen erheben, umgeben. Die schulpflichtigen Kinder besuchen die Schule in Unter-Schönthal. Wenn Pabst Innocenz IV. | den 11. Dec. 1247 dem Stift Oberstenfeld seine Besitzungen zu Schönthal bestätigte (Burgermeister Cod. dipl. equestr. 1, 1142), so ist in Ermangelung späterer genauerer Angaben über solchen Besitz des Stiftes nicht mehr zu bestimmen, welches der verschiedenen Schönthal hier gemeint sei. Dagegen ist entschieden auf Mittel-Schönthal zu beziehen, wenn Graf Albrecht von Löwenstein i. J. 1302 an das Kloster Lichtenstern Zehenten zu Schönthal in die Pfarrei Erbstetten gehörig schenkt (Gabelk.) und Graf Ulrich von Württemberg den 26. April 1463 Schönthal als Zugehör des Amtes Marbach der Pfalz als Lehen aufträgt (Sattler, Grafen 3. Beil. 77). Das Stift Backnang hatte nach dem Lagerbuch von 1568/9 hier den großen und kleinen Fruchtzehenten, welch’ letzteren in der Folge vom alten Feld die Pfarrei Erbstetten bezog, im Allgemeinen auch

den Heuzehenten.

d. Ober-Schönthal mit Neu-Schönthal, 1/2 St. westlich von Backnang auf der Hochebene zwischen dem Klöpferbach und Krehenbach frei gelegen. Die Einwohner, deren schulpflichtige Kinder die Schule in Backnang besuchen, sind meist vermögliche Bauern. In der Nähe des Orts kommt die Flurbenennung „Bürgle“ vor, was auf eine abgegangene Burg hindeutet. Zu Ober-Schönthal besaßen die Sturmfeder früher einen Hof, traten ihn jedoch im Vergleiche vom 20. April 1747 an Württemberg ab. Übrigens blieb die Steuer aus demselben dem Kanton Kocher und wurde i. J. 1759 von 13 fl. 48 kr. auf 15 fl. 20 kr. erhöht. Dem Stift Backnang gehörten sämtliche Zehenten. Im J. 1476 verkauften Aberlin Knorr und seine Gattin Gülten aus einem Hof zu Ober-Schönthal an die Heiligenpflege zu Backnang.

Neu Schönthal verdankt seine Entstehung dem Umstande, daß den 23. Dec. 1823 dem Kaufmann Joh. Knapp von Ludwigsburg gestattet wurde, seine auf der Markung von Ober-Schönthal gelegene Fabrik und Ökonomie-Gebäude Neu-Schönthal zu nennen. Die Fabrik ist jetzt eine Kunstmühle mit Säg- und Ölmühle.

e) Röthlenshof, liegt 1/2 Stunde nordwestlich von Backnang auf dem Flachrücken zwischen den Thälern des Krehenbachs und des Klöpferbachs.

f. Seehof, 1/2 Stunde nördlich von der Oberamtsstadt gelegen (s. oben S. 143).

g. Staigacker (früher Chausseehaus), 7/8 Stunden nördlich von der Oberamtsstadt an der ehemaligen Landstraße von Backnang nach Oppenweiler gelegen.

h. Stiftsgrundhof, liegt zerstreut 1 Stunde südlich von Backnang an der alten Landstraße von Backnang nach Winnenden. Nach dem Stiftslagerbuche von 1568/9 gehörten die beiden Stiftsgrundhöfe, der obere und der untere, von Alters her dem Stifte | Backnang mit aller Ober- und Herrlichkeit, Eigenschaft und Gericht; es bezog den großen Frucht- und den Weinzehenten, die Pfarrei Erbstetten den kleinen und den Heuzehenten.

i. Ungeheuerhof, zuweilen auch Unkenweiherhof genannt, hat 3/4 Stunden südöstlich von der Oberamtsstadt an der Vicinalstraße nach Unter-Weissach eine schöne freie Lage. Bei der Theilung des Landes im J. 1442 kam dieser Hof zu dem Neuffener Theil des Grafen Ulrich (Steinhofer 2, 828), in der Folge erscheint er als Kammerort (Landb. v. 1736/44). Der große, kleine und Heu-Zehente stund nach dem Lagerbuch von 1568/9 dem Stifte Backnang zu.

k. Untere Mühle mit 2 Mahlgängen, einem Gerbgang und einer Hautwalke, liegt an der Murr 1/8 Stunde unterhalb der Stadt. Zunächst dabei besteht eine Lohmühle.

l. Unter-Schönthal, liegt zunächst (nördlich) bei Mittel-Schönthal und hat die gleiche schöne Lage wie dieses. Der freundliche Ort hat eine Schule, an der ein Schulmeister unterrichtet. Am östlichen Ortsende stand eine Kapelle. In dem 1/4 Stunde südwestlich vom Ort gelegenen Wald Stumphau befindet sich das sogen. Katzenloch, eine tiefe Spalte im Muschelkalk; in der Nähe desselben sieht man noch Reste eines Grabens, nach der Sage soll hier ein Schloß gestanden sein, von dem indessen nicht die geringsten Spuren wahrgenommen werden können. Der Weiler erscheint im Landbuch von 1736/44 als Kammerort. Das Stift Backnang hatte hier 2/3, das Stift Oberstenfeld 1/3 des Zehentens; ersteres hatte auch einen frei eigenen Hof, den es im J. 1516 um eine Jahresgült von 3 Pfd. 7 Schill. 8 Heller an Trautwein Vaihinger, Amtmann zu Bottwar, verkaufte. – In der Umgegend der 3 Weiler Ober-, Mittel- und Unter-Schönthal kommen mehrere große Erdfälle vor.

m. Walke, 1/4 Stunde oberhalb der Stadt an der Murr gelegen. Die natürlichen und landwirthschaftlichen Verhältnisse sämtlicher Parzellen sind ziemlich gleich mit denen der Oberamtsstadt.



  1. Literatur: A. Riecker, Geschichte der Oberamtsstadt Backnang nebst Umgebung. Canstatt 1861. 8. – Reyscher, Sammlung altwürtt. Statutar-Rechte S. 120 ff.
  2. Die Zahlen der Einwohner beziehen sich auf die ortsanwesende Bevölkerung.
  3. Ob die in der bischöfl. augsburgischen Urkunde vom 29. Juni 1067 genannten Zeugen Hesso et filius Hesso de Baccane – in dem Abdr. der Urk. bei Stetten, adel. Geschlechter der Stadt Augsburg, S. 364 steht Baccananc – in Mon. Boic. 33, 6 mit Recht auf unser Backnang bezogen werden, ist deßhalb zweifelhaft, weil sich aus der Urkunde sonst gar keine Beziehungen zu dieser Gegend ergeben.
  4. S. besonders Besold Documenta eccles. colleg. in Backhenang. Tubing. 1636, und Chronicon monast. B. bei Schöpflin Hist. Zaringo-Badens. 5, 67
  5. Crusius Annal. Suev. pars 3, 167 sagt zum Jahr 1290, daß Markgraf Rudolf (II.) von Baden das Stift wiederhergestellt habe, das Thatsächliche in dieser Hinsicht ist sonst nicht bekannt, vielleicht liegt auch eine Verwechselung mit dem oben Erzählten vor.
  6. Der eigentliche Grund war aber wohl der, daß es den Mönchen um eine freiere Lebensart zu thun war, daher auch Trithemius de observ. Bursfeld. den vom Stifte angegebenen Grund für einen ganz nichtigen Vorwand erklärt. S. Cleß Versuch 2, b, 210.
  7. d. h. hiesiger Besitz wurde dem Stifte vom Pabst Innocenz IV. in der schon oben genannten Urkunde vom 11. April 1245 bestätigt.


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