Die Wege des Landhandels zwischen Rußland und China

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Textdaten
Autor: Friedrich Marthe
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Titel: Die Wege des Landhandels zwischen Rußland und China.
Untertitel: Aus dem Russischen von Dr. F. Marthe.
aus: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. S. 305–324
Herausgeber: Wilhelm David Koner
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Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Dietrich Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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[305]
XI.

Die Wege des Landhandels zwischen Rußland und China.

Aus dem Russischen von Dr. F. Marthe.


Vor einiger Zeit tauchte in Rußland die Frage auf, ob nicht für den Theehandel mit China eine kürzere Verbindungsstraße sich auffinden lasse, als die so weite Umwege beschreibende über Kiachta und Sibirien. Angeregt war diese Frage durch die im Sommer 1864 ausgeführte Reise des Kapitän Printz nach der unfern des Ike-Aral-Nor liegenden Stadt Kobdo, über welche der Reisende in der Sitzung der Russ. Geogr. Gesellschaft vom 7/19. October 1864 Bericht[1] erstattete. Printz glaubte in Kobdo den Punkt gefunden zu haben, der in Zukunft am besten und vortheilhaftesten die Vermittelung zwischen den Theebezirken Chinas und dem Haupt-Theemarkt Rußlands, Nischni-Nowgorod, werde übernehmen können. Seine Ansicht stieß sofort auf Wiederspruch und gab Veranlassung, daß einer der competentesten Kenner der hier einschlagenden Verhältnisse, der Wirkl. Geh. Staatsrath N. K. Krit, die aufgeworfene Frage in einem eingehenderen Aufsatze behandelte, der im 2. Heft der „Iswestija der R. G. G.“ 1865, S. 17–37 zu finden ist. Diese vielfach interessante Arbeit ist im Folgenden meistens wörtlich wiedergegeben.

Der Hauptartikel der russischen Einfuhr aus China und das einzige chinesische Product, welches bis zu den Plätzen des europäischen Rußlands vordringt, ist der Thee. Der Werth der übrigen, über die russischen Grenzen eingeführten chinesischen Waaren ist im Verhältniß zum Thee unbedeutend und beträgt höchstens 6% der ganzen Einfuhr. Diese Waaren gehen in den Consum der Grenzbevölkerung [306] über und bestehen hauptsächlich aus Zucker, Kandis, Vieh und verschiedenen chinesischen Manufacturerzeugnissen – in Kiachta, aus Vieh und Rauchwaaren – in Tschugutschak und Kuldscha. Darum handelt es sich bei der Frage des russischen Einfuhrhandels aus China vor allem um den Thee.

Dieser wichtigste Gegenstand des russisch-chinesischen Handels kommt auf dem Landwege auf folgenden drei Punkten über die russische Grenze: Kiachta, Tschugutschak und Kuldscha.

Ueber Kiachta wurden in den Jahren 1862 und 1863 durchschnittlich 17,400,000 Pfd. Thee[2] in das Innere des russischen Reiches expedirt. Außerdem verbraucht die Provinz Transbaikalien, die jetzt das Recht des zollfreien Handels besitzt, ungefähr 4,000,000 Pfund[3] jährlich, sodaß der Gesammtbetrag des über Kiachta eingeführten Thees sich auf 21–22 Millionen Pfund erhebt, und der Umsatz in Kiachta einen Werth von 17–19 Millionen Silberrubel repräsentirt.

In Tschugutschak wurden nach den Angaben für 1861 und 1862 jährlich im Durchschnitt 230,000 Pfd. Thee[4] ausgetauscht, bei einem mittleren Umsatz von etwas über 350,000 Rub.; in Kuldscha 25,000 Pfd. Thee[5], während der mittlere Umsatz dieses Marktes sich im Durchschnitt auf beinahe 125,000 R. belief. Dazu kommt eine nicht unbedeutende Quantität Thee, die über die Grenze des westlichen Sibiriens und des Orenburger Gebiets eingeführt und von den russischen Kaufleuten bei verschiedenen Steppenvölkern eingekauft wird, welche letzteren ihn von den Chinesen eintauschen. Auf diesem Wege wurden in den Jahren 1861 und 1862 durchschnittlich etwa 369,000 Pfd. eingeführt (Baichu- und Ziegelthee 1861: 254,566 Pfd., 1862: 484,555 Pfd.), so daß im Ganzen aus dem westlichen China an 500–700,000 Pfd. Thee nach Rußland kommen.

[307] Bevor wir nun zu einer Vergleichung der aus den Theedistricten Chinas über Kiachta, Tschugutschak, Kuldscha, Chobdo (in der östl. Mongolei Kobdo gespr.) nach Nischni-Nowgorod führenden Straßen schreiten, wird es nöthig sein, soweit unsre Quellen es erlauben, anzugeben, in welchen Gegenden China’s der Thee hauptsächlich gewonnen wird, besonders aber die Sorten des schwarzen und Blüthenthees zu bezeichnen, die von dort nach Rußland gehen und endlich welche Bedeutung für den russischen Handel die Haupt-Theemärkte Chinas haben.

Der Theestrauch gedeiht bekanntlich am besten zwischen dem 31. und 23° nördl. Br. in China, d. h. hauptsächlich in dem Gebiete, welches im Norden vom Jan-tse-kiang, im S. vom Lung-kiang begrenzt wird. Das rauhere Clima nördlich von jenem Flusse, die intensivere Hitze in den südlichen Theilen der Provinzen Kuangsi und Kanton machen die Cultur des Theestrauchs außerhalb der bezeichneten Grenzen weniger erfolgreich. Aber auch innerhalb des beschriebenen Gürtels fällt der Thee sehr verschieden aus. Der größte Theil schwarzen Thees wird auf den Pflanzungen der Provinzen Hupe und Hunan gewonnen und unter dem Namen oopak und oonam verkauft; in Europa ist dieser Thee unter der allgemeinen Benennung Kongu bekannt, und der weitaus bedeutendste Theil des aus China ausgeführten schwarzen Thees gehört zu dieser Sorte.

Zur Gattung Kongu gehört auch der Moning, eine der besten Sorten schwarzen Thees, die auf den Pflanzungen des nordöstlichen Theiles der Provinz Kiang-si, in dem Bezirk Uiuning gezogen wird. Der Kongu-Thee wird hauptsächlich auf den Märkten des Jantsekiang, namentlich in Hang-kao verkauft.

Auf die Provinzen Hupe und Hunan folgt nach der Quantität der Theeproduction zunächst die Provinz Fu-Kian, welche die unter der allgemeinen Benennung Souchong bekannten Sorten des schwarzen Thees und den Pekoe (Blüthenthee) liefert. Für die Unterarten dieser Theesorten sowohl wie des Kongo existiren eine Menge besonderer Benennungen. Der Hauptmarkt für den Souchong und Pekoe ist Fu-tscheu-fu, von wo auch eine beträchtliche Quantität Kongu verladen wird.

Der Oolung genannte Thee wird in dem District von Ning-jan in der Provinz Kiang-si producirt und über Amoy (Samyn) und Fu-tscheu-fu hauptsächlich nach Amerika exportirt.

Der schwarze Thee der Provinz Kanton gehört meistentheils zu den duftenden Sorten (scented orange pekoe, scented caper), die ihren Absatz in Kanton finden, wo übrigens auch bedeutende Partieen Kongu versandt werden.

[308] Der Gesammtertrag der jährlichen Theeproduction Chinas läßt sich mit Genauigkeit nicht angeben. Wenn europäische Kaufleute die ganze Menge des in China selbst consumirten und über die Grenzen exportirten Thees auf 10 Milliarden Pfund veranschlagen, so ist dies eben nur eine muthmaßliche, auf den allgemeinen Theeverbrauch in China und die Zahl seiner Bevölkerung gestützte Ziffer. Ebenso wenig lassen sich sichere Angaben über den gesammten Theeumsatz auf den großen Theemärkten machen, an welchen der europäische Handel betheiligt ist, man kann die Bedeutung dieser Plätze nur nach der Quantität des von ihnen exportirten Thees abmessen.

Von den 176 Mill. Pfd. Thee (genau 175,934,909 Pfd. im Werthe von 10,030,355 Lstr.), die im Jahre 1863 aus China exportirt wurden, fielen auf die drei am Jantsekiang liegenden Häfen etwas über 68½ Mill. Pfd., wovon 40½ Mill. allein in Hang-kao verhandelt waren[6].

Aus Fu-tscheu-fu wurden über 42 Millionen Pfd. verladen (genau 42,274,829 Pfd.) und aus Kanton nahe an 24½ Mill. Im Ganzen gingen aus den fünf bezeichneten Plätzen 135,289,117 Pfd.

Die übrigen 40½ Mill. Pfd. nahmen ihren Weg aus China über Amoy, Ning-po, Schanghai und Swa-tu (Tscho-tscho)[7].

Aus dieser Uebersicht ergiebt sich, daß die Häfen am Jantsekiang, vor allen Hang-kao, in hervorragender Weise am Theeexport betheiligt sind. Wenn die Ausfuhr des letzgenannten Platzes etwa um 1½ Mill. Pfd. hinter der von Fu-tscheu-fu im Jahre 1863 zurückstand, so ist dabei nicht zu vergessen, daß Hangkao erst seit dem Sommer 1861 dem europäischen Handel erschlossen ist, während Fu-tscheu-fu seit dem Vertrage von Nanking, also seit 1842, europäische Handelscomptoire in seinen Mauern, und festgewordene Handelsverbindungen mit dem Innern hat. Hang-kao hatte außerdem zwei Mal (in den J. 1853 und 1857) das Schicksal, den Taiping in die Hände zu fallen, was die dort ansässigen chinesischen Großhändler nicht gerade ermuthigte, große Vorräthe zu halten, überhaupt den Kapitalbesitz und den Handel der Stadt arg zerrüttete. Unter solchen Umständen erscheint die Ziffer der Ausfuhr von Hang-kao als eine höchst bedeutsame und erlaubt fast mit Sicherheit anzunehmen, daß dieser Platz bald sich zum ersten im Theeexport China’s aufschwingen wird.

[309] Der größte Theil des exportirten schwarzen und Blüthenthees geht nach dem westlichen Europa und Rußland; nur die Sorte (schwarzen Thees) Oolung und eine wenig beträchtliche Partie ebenfalls schwarzen Thees, onkoi Souchong, die in der Provinz Ngan-hoei gewonnen und über Amoy verführt wird, kommt nach Amerika. Der grüne Thee, der in Rußland nicht getrunken wird und darum für den russischen Handel nicht in Betracht kommt, findet seinen Absatz hauptsächlich nach Nordamerika und Australien. Am Ziegelthee ergötzen sich die Nomadenvölker von Mittelasien, der Mongolei, Bucharei, Turkestans, auch die Bewohner von Tibet; auf russischem Gebiet ist der Ziegelthee besonders bei den Buräten und Tataren beliebt. In China selbst wird theils schwarzer, theils grüner Thee getrunken.

Der größere Theil des nach Rußland gehenden Karawanenthees besteht aus Hun-tscha, rothem Thee (oonom und oopak) oder dem Kongu der Westeuropäer, ein geringerer aus Souchong, dem Thee der Provinz Fu-Kian. Den ersteren finden die chinesischen und russischen Händler hauptsächlich auf den Märkten des Jantse-kiang, den letztern in Fu-tscheu-fu und in dem Flecken Ssiu-ssun-kiai in der Provinz Fu-Kian, auf den Bohea-Hügeln. Der nach Rußland gebrachte Ziegelthee wird meistentheils in den Fabriken der Provinzen Hunan und Hupe zubereitet, ein Theil auch in der Provinz Sy-tschuan; gekauft wird er in der Regel ebenfalls auf den Märkten des Jantse-kiang, besonders in Hang-kao und Wutschang-fu.

Einen Theil seiner Theevorräthe bezieht Rußland auch auf dem Seewege über England. Es ist dies der sogenannte Kantonsche Handelsthee, der, wie der Karawanenthee, größtentheils zu der Gattung Kongu gehört, im Geschmack aber von dem letztern verschieden ist. Dies kommt theils daher, weil die Chinesen, die nach Kiachta handeln, mit den Gewohnheiten der russischen Verbraucher vertraut, zur Herstellung der Theefamilien die Gewächse verschiedener Pflanzungen in einem bestimmten Verhältniß mischen, während über See der Thee unvermischt ausgeführt wird, theils auch, weil der Thee zum Seetransport stärker gedörrt wird, als zum Landtransport und dadurch einen Theil seines ätherischen Oels, seines Aromas verliert.

Ueber die Handelsstraßen im innern China, besonders in seinen nördlichen und westlichen Theilen, sprechen chinesische und europäische Berichte sich wenig erbaulich aus. Gute Landwege scheinen fast nicht zu existiren; man sucht so viel als möglich Wasserstraßen, namentlich den Jantse-kiang und seine Zuflüsse zu benutzen. Dieser Strom, der die productivsten Provinzen Chinas durcheilt, trägt den großartigen Verkehr aus dem Südwesten nach dem Osten Chinas und umgekehrt. Russische und englische Kriegsschiffe konnten ihn 175 [310] Meilen (700 Seemeilen) hinauffahren, doch ist die Schiffahrt auf ihm nicht überall gefahrlos, in der Provinz Sy-tschuan setzen ihr Stromschnellen und Felsbänke bedeutende Hindernisse entgegen. Von den Zuflüssen des Jantse-kiang ist für den Handel besonders der Hang, an dessen Mündung Hang-kao liegt, von Bedeutung.

Der andre große Strom China’s, der Hoangho, ist wegen der Schnelligkeit seiner Strömung, der häufigen, in ihm auftretenden Sandbänke und der öfteren Veränderung seines Bettes ein wenig geeigneter Handelsweg und mehr durch seine Ueberschwemmungen und Verheerungen berühmt; er fließt in einem sehr erhöhten Bett, und auf seinem Unterlaufe können seine Gewässer nur durch hohe Dämme in ihrem Rinnsal erhalten werden. Bekanntlich durchbrach er vor mehreren Jahren einen Theil seiner Ketten, die nördlichen Dämme und ergießt sich jetzt, statt in das Gelbe Meer, in den Busen von Petscheli.

Aus den productiven Gebieten des südlichen und mittleren China führen in das nördliche zwei Straßensysteme: das Nankingsche oder östliche und das Huguangsche oder westliche. Zum Nankingsystem gehören drei Straßen: die Kantonsche, die Uferstraße und die Fu-Kian-Straße.

Alle diese Straßen münden in Peking, und die bequemste war ehemals die Nankingsche Wasserstrasse auf dem Kaiserkanal, der den Jantsekiang mit dem Pei-ho verbindet. Vor der Versandung des Kanals gingen auf diesem Wege von Süden nach Norden die Gegenstände erster Nothwendigkeit, namentlich Getreide, darunter das als Naturalabgabe entrichtete, und Ziegelthee, der dann vom Nordende des Kanals in die Mongolei und Mandschurei weiterbefördert wurde.

Alle Straßen des Huguang-Systemes führen über die am Jantsekiang dicht bei einander liegenden Städte Wutschang-fu und Hangkao, in denen die Hauptwege aus allen Theilen Chinas zusammenlaufen.

Zu diesem System gehören die aus den südlichen und südöstlichen Provinzen: Jünnan, Kuangsi und Sy-tschuan auf Hangkao führenden Straßen. Von hier gehen sie nordwärts in zwei Richtungen auseinander, in der einen auf Peking, in der andern nordwestlich über Singan-fu (Provinz Schänsi) nach Hun-tschan-fu in der Provinz Kanfu. Aus den Magazinen des letztern versorgen sich einerseits Tibet[8] über den Kuku-Nor, andrerseits Turkestan und die Dsungarei über Liang-tscheu und Su-tscheu.

Der Uebergang von dem einen großen Wegesystem auf das [311] andere wird am bequemsten auf dem Jantsekiang bewerkstelligt, den ja alle vorhin bezeichnete Straßen durchschneiden.

Nach den Aussagen der Chinesen selbst sind alle diese innern Wege, besonders im nördlichen China, mit großen Unbequemlichkeiten verknüpft. Die Flüsse sind hier nur im Sommer und Herbst fahrbar, da sie im Winter zufrieren; wegen ihrer raschen Strömung ist die Schifffahrt aufwärts sehr beschwerlich; durch den sehr gewundenen Lauf der meisten wird sie in die Länge gezogen und hat dabei mit Wirbeln und Untiefen zu kämpfen. Besondere Schwierigkeiten macht die Ueberführung der Waaren von einem Fluß zum andern, wobei oft schwere Lasten auf kaum gangbaren Bergwegen mit unsäglicher Mühe auf menschlichen Schultern hinübergeschafft werden müssen. Ein andres Hemmniß der Waarenbewegung auf dem Landwege ist die Unzulänglichkeit der Transportmittel in China, da die Viehzucht wenig entwickelt ist, und überall ein bei der Größe der Bevölkerung und der Lebhaftigkeit des Waarenaustausches stark hervortretender Mangel an Zugvieh sich fühlbar macht.

Bei solchen Verhältnissen machte sich die Nothwendigkeit einiger centralen Niederlagsplätze, aus denen die Waaren zu der für den Transport günstigsten Zeit auf die ihren Verbrauchsstätten nahe gelegenen Märkte gebracht werden könnten, von selbst geltend. Als die bedeutendsten Stapelplätze nun im mittlern China, aus denen der Norden des Landes sich mit allen Erzeugnissen des Südens versorgt, namentlich mit Thee, erscheinen Hang-kao, Wutschang-fu und Hanjan. Diese drei Orte, von denen Hang-kao („das Thor des Handels“) und Wutschang-fu auf dem einen, Han-jan beiden gegenüber auf dem andern Ufer des Jantse-kiang liegen, bilden zusammen eine und jedenfalls die größte Stadt der Welt. Der französische Missionär Huc schätzte im Jahre 1846 ihre Einwohnerzahl auf 8 Millionen. Ein Mitglied der englischen Gesandtschaft in Peking, welches Hang-kao später, aber doch vor der Erschließung des Jantse-kiang für die Europäer, besuchte, vergleicht die rastlose Handelsbewegung dieses Marktes mit dem Treiben auf der Messe zu Nischni-Nowgorod, nur mit dem Unterschiede, daß sie in Hang-kao nicht, wie in Nischni, nur zwei Wochen, sondern das ganze Jahr hindurch anhält.

Die größten Stapelplätze des nordöstlichen China sind die Städte Wei-hai-fu (Prov. Honan) und Thai-juan-fu (in der Prov. Schansi). Aus den Niederlagen der letzteren beziehen namentlich Kalgan und Kiachta ihren Bedarf. Für das nordwestliche China und die westlichen Außenländer Chinas in Mittelasien haben die Städte Singan-fu und Hun-tschan-fu dieselbe Bedeutung.

Die Nachrichten über die Handelsverbindungen zwischen Thai-juan-fu [312] und Kiachta lassen annehmen, daß ein großer Theil der Theeladungen, die auf dem Landwege nach Kiachta befördert werden, auf dem Huguangschen Straßensystem dorthin gelangen. Aber es ist dies nicht der einzige Weg, auf welchem die nach Kiachta bestimmten Theesendungen Kalgan erreichen, ein Theil von ihnen geht selbst über See, nämlich von der Mündung des Jantse-kiang und von Fu-tscheu-fu aus nach Tien-tsin, von hier den Peiho aufwärts bis Tung-tscheu und sodann auf einer Strecke von etwa 36 Meilen zu Lande weiter bis Kalgan. Nach Ueberwältigung der Seeräuber im Gelben Meere und besonders seit dem Ende der fünfziger Jahre kommt ein höchst beträchtlicher Theil der nach Kiachta bestimmten Theesorten, ungefähr 2/3 alles von dort nach Rußland eingeführten Baichu-Thees auf diesem Wege nach Kalgan. Ob eine Theeladung den beschriebenen Wasserweg oder ausschließlich zu Lande gegangen ist, ist leicht an dem Zustande ihrer Verpackung zu entdecken; im ersteren Falle kommen die Rohrkörbe, welche die Theekistchen von außen umgeben, in der Regel ganz unbeschädigt an, beim Landtransport erleiden oft nicht nur die Körbe, sondern auch die hölzernen Kisten, in welche der Thee geschüttet ist, mehr oder weniger Schaden.

Bisher wurden nur die Schwierigkeiten erwähnt, welche der Waarenbewegung in China aus dem schlechten Zustande seiner Verkehrsstraßen entgegenstehen und theils der gebirgigen Natur des Landes, theils der Nachlässigkeit seiner Regierung zuzuschreiben sind. Es existiren aber noch Hindernisse andrer Art, die der vollen Entwickelung des Handels nicht weniger im Wege stehen und für die Kaufleute oft geradezu vernichtend werden können. Diese entspringen einzig und allein aus der Altersschwäche und Verkommenheit der chinesischen Regierung, insofern diese den Mißbräuchen ihrer Organe, der Beamten, nicht nur nicht einen Hemmschuh anlegt, sondern diese durch das hergebrachte System der Verwaltung geradezu hervorruft und veranlaßt.

Bekanntlich ist die Finanzverwaltung in China im höchsten Grade decentralisirt; jede Provinz hat ihr besonderes Finanzsystem, und der Generalgouverneur bestimmt nach seinem Ermessen die Höhe der Steuern, der directen wie indirecten, und verwendet sie nach Gutdünken zu den Ausgaben der ihm untergebenen Provinzen[9].

Den Haupt-Einnahmeposten bilden die Zollgebühren von den durch die Provinz gehenden Waaren, und darum sind die Wege, auf denen die letzteren passiren müssen, mit Schlagbäumen und Zollstätten reichlich gesegnet. Die Anlegung neuer Zollhäuser steht ganz in dem [313] Belieben der Generalgouverneure, wenn diesen eine Erhöhung der Einnahmen für die Provinz wünschenswerth scheint.

Das System der Zollerhebung ist ferner in den innern chinesischen Provinzen ein ganz willkührliches. Der Zoll wird in der Regel nicht nach einem gleichmäßig ein für alle Mal festgesetzten Tarif erhoben, sondern das Verfahren ist einfach folgendes. Der Generalgouverneur bestimmt im Voraus, wieviel Ertrag jede Zollstätte liefern muß und überläßt die Art und Weise, diesen Ertrag herauszuschlagen, der Klugheit und Willkür der Zollbeamten; nur wenn diese die festgesetzte Summe nicht in die Provinzialkasse liefern, werden sie mit Absetzung und Confiscation ihres Vermögens bestraft.

Man kann sich vorstellen, welche schreienden Uebelstände eine solche Verwaltungsweise zur Folge hat, zumal da das Gehalt chinesischer Beamten so unbedeutend zu sein pflegt, daß es nicht einmal zur Deckung der einfachsten Lebensbedürfnisse ausreicht; in der Regel beschränkt es sich auf einige Säcke Reis, und trotzdem verstehen die chinesischen Beamten standesgemäß zu leben und – Kapital für das Alter zu sammeln.

Zwei Beispiele mögen das Gesagte beleuchten. Das Gehalt des Reichskanzlers, des Hun-sin-wan, beträgt die erstaunliche Summe von 600 Dollars jährlich! Ferner der Dsargutschei von Maimatschin ist salarirt mit einigen Säcken Reis jährlich, die er sich freilich nicht die Mühe nimmt abholen zu lassen, weil sein Jahreseinkommen 100,000 Rubel übersteigt und weil außerdem sein ganzer aus 20 Menschen bestehender Hausstand von der Kaufmannschaft unterhalten wird. Für die Erlangung dieses einträglichen Postens bezahlte der Vorgänger des jetzigen Inhabers dem höhern Beamten, von dem die Ernennung zu diesem Amte abhing, etwa 60,000 Silberrubel! Bei solchen Zuständen werden die Aufstände der jüngsten Zeiten begreiflicher. In China besteht der Grundsatz, daß das Volk für die Beamten da sei, nicht umgekehrt, in voller praktischer Anwendung.

Wenden wir uns zu den Reiseschicksalen chinesischer Waaren [314] und Händler zurück. Nicht nur in den Zollhäusern und an den unzähligen innern Schlagbäumen, sondern auch überall in den Handelsstädten drückt der chinesische Beamte nach Möglichkeit auf den Kaufmann; die Eintragung der Handelsscheine (einer Art Frachtzettel), die Beifügung der Stempel, welche bezeugen, daß die Waaren die oder die Straße passirt haben, alles dient dem Beamten als Gelegenheit, dem Kaufmann Mittel zum Leben abzuringen, deren Betrag er nach seinen Bedürfnissen oder Begierden bestimmt.

Hiernach läßt sich ermessen, wie theuer den Chinesen der Transport der Waaren vom Süden nach dem Norden im Innern des Landes zu stehen kommt, und warum die nach Kiachta liefernden Kaufleute den innern Straßen den bequemern, billigern und sicherern Weg von der Mündung des Jantse-kiang und von Fu-tscheu-fu nach Tien-tsin vorziehen. Von Kalgan gehen die Waaren nach Kiachta bekanntlich über Urga.

Die Karawanen, die nach Kuldscha und Tschugutschak bestimmt sind, nehmen ihren Weg von Su-tscheu nach Hami; von hier schreiten sie über das östliche Ende des Thian-Schan bei der Stadt Barakul (chines. Tschin-si-fu) und ziehen nun am Nordabhange des Gebirges weiter nach Hutschen, Urumtschi und Kurkara-ussu. Am letzteren Punkte scheiden sich die Wege; nach Kuldscha geht es in der früheren Richtung nach West weiter, die Straße nach Tschugutschak biegt nach Nordwest ab.

Von Hami führt noch ein andrer Weg am Südfuße des Thian-Schan nach Urumtschi über Turfan. Diese Straße geht über mehrere Ausläufer des Himmelsgebirges hinweg. Zuerst stößt sie zwischen den Bergen von Baurschin (72 Meilen von Urumtschi und 25 Meilen von Hami entfernt) und Schotai (21½ Ml. von Baurschin), die beide auf den Karten nicht angegeben sind, auf einen Bergrücken unbekannten Namens, durch welchen der Fluß Zagan Burgassu fließt; weiterhin führt die Straße zwischen den Bergen von Schotai und Turfan über das Waldgebirge Schotai; zwischen der Stadt Schotai und Chora-Burgassatu wird der Weg wieder durch ein hohes Waldgebirge unbekannten Namens gesperrt und geht endlich zwischen der oben bezeichneten Station (Chora-Burgassatu?) und Tutai über das Gebirge Burgassu[10]. Diese Straße gehört zu den Kronstraßen, auf welchen nur chinesische Beamte und Couriere reisen dürfen.

Nach Kobdo führt ein Weg von dem Centralmarkt Chinas, Hang-kao, auf der beschriebenen Karawanenstraße über Barakul bis Hutschen, [315] wo er nach dem Norden hin abbiegt. Die Straße von hier aber bis Kobdo wird nach Angabe der Mongolen nur von Beamten benutzt; die Beförderung geschieht hier zu Pferde, doch ist es nicht möglich, auf den Stationen mehr als 5 Pferde zu bekommen, Lastkameele existiren auf dieser Linie nicht. Zwischen zwei Stationen derselben, Dsabchun und Chara-Borgassu, heißt es jedoch, kommen wilde Pferde (mongol. Dserlik) und einhöckerige Kameele vor.

Eine andre Straße von Hang-kao nach Kobdo folgt bis Kalgan dem Huguangschen Tractus und wendet sich von hier nach Tochto-choto, Naryngol und Uliassu-tai. Ueber diese Straße liegen glaubwürdige Berichte nicht vor, doch scheint sie nach Aussage der Mongolen wenig besucht zu sein und zur unmittelbaren Verbindung Kobdos mit China nicht zu dienen.

Ein dritter Weg nach Kobdo, der nördlichste, geht über Kalgan, Urga und Uliassu-tai.

Die beiden letzgenannten Städte sind durch zwei Straßen verbunden: die der kleinen und die der großen Stationen. Von Uliassu-tai weiter nach Kobdo führt eine Straße, deren letzter Zweig mit dem nach Kuldscha und Tschugutschak gehenden Wege zusammentrifft. Diese Linie führt von Uliassu-tai über Bukai-Dschurke nach der Stadt Hutschen, aus welcher jährlich auf dieser Straße eine bedeutende Karawane, im Durchschnitt von 1200 Kameelen, nach Urga abgeht, um die Producte des Landes dorthin zu bringen, namentlich Fadennudeln aus Weizenmehl, Taback, getrocknete Früchte, weiße und rothe Filze. Fadennudeln, getrocknete Früchte und Taback werden zum größern Theil von Urga über Kalgan nach China weiter verkauft. Die Händler aus Hutschen tauschen in Urga meistens Ziegelthee ein, mit dem sie die westliche Mongolei, theilweise wahrscheinlich auch Kuldscha und Tschugutschak versorgen.

Ueber die so oft genannte Stadt Hutschen werden einige in Urga gesammelte Angaben nicht ohne Interesse sein.

Hutschen oder Hui-chue-tschen, mongolisch Zontschi genannt, liegt etwa 100 Werst (14–15 Ml.) östlich von der Stadt Urumtschi. Sie ist nach den Aussagen der in Urga eintreffenden Karawanenhändler ein sehr bedeutender Platz, der nicht nur durch seinen Handel, sondern auch durch eine gewisse industrielle Production einen höhern Rang einnimmt. Es werden hier z. B. fabricirt eine Art Lustrin (Seidenzeug, mongolisch Durdan Jan-tscheu), Dabe, Baumwollenzeuge, Teppiche und rother Filz. Die Bevölkerung um Hutschen ist eine sehr dichte, der Ackerbau steht in Blüthe, cultivirt werden Reis, Weizen, Hirse und Gerste, außerdem liefert die Gegend, wie bemerkt, Taback und getrocknete Früchte. Bei Hutschen liegen eine [316] große Zahl Staatsländereien, aus deren Erträgen die Truppen in Kobdo, Uliassu-tai und zum Theil auch im Ili-Gebiet verproviantirt werden. Obwohl nur ein Dsargutschei seinen Sitz in Hutschen hat und der Amban (Gouverneur), dem Hutschen, wie auch Hami untergeordnet sind, in Urumtschi residirt, so erklären die Eingeborenen doch Hutschen für bedeutender, als das letztere; sie behaupten, daß ersteres stärker bevölkert ist als dieses und rechnen auf Hutschen ungefähr 1000, auf Urumtschi 800, auf Hami 700 Häuser. Diese Zahlen haben an sich schwerlich irgend einen statistischen Werth, sie zeigen nur die relative Bedeutung an, welche die bezeichneten Städte in den Augen der Eingeborenen (von Hutschen?) haben. Die commercielle Bedeutung von Hutschen wird aber andrerseits dadurch bestätigt, daß die jährlich aus diesen Gegenden nach Urga gelangende Karawane nach Hutschen oder Zontschi benannt wird, nicht nach Urumtschi. Wenn letzteres in commercieller Beziehung höher als ersteres stände, so würde diese Karawane wahrscheinlich die Karawane von Urumtschi heißen, zumal da beide Orte nur 100 Werst von einander entfernt sind. Diese aus verschiedenen Quellen geschöpften Angaben (fügt der russische Autor hinzu) sind von Zyzin Chan, dem mongolischen Amban von Urga, der ehemals Amban von Kutscha und also den genannten Städten nahe genug war, bestätigt worden.

Allerdings lauten die in Tschugutschak gesammelten Nachrichten über die Bedeutung von Urumtschi anders, als die in Urga, und außerdem ist im Westen nichts bekannt von einem andern Centrum commercieller, industrieller und agricoler Thätigkeit – von Hutschen.

Diese Stadt (wahrscheinlich das Kutschun Ritters) erschien zum ersten Mal auf der Karte von Mittelasien, die im J. 1863 von dem russ. Militär-Topographischen Depot herausgegeben wurde; Urumtschi findet man auf den Special- wie Generalkarten von Asien.

Wenden wir uns nun zu dem Hauptzweck dieser Bemerkungen.

Der im Eingang derselben genannte Kapitän Printz hatte behauptet, daß die gerade Linie von den Theedistricten Chinas auf Nischni-Nowgorod ungefähr Kobdo berühren würde, und daß die jetzige Straße des Theehandels über Kalgan, Urga, Kiachta, Irkutsk, Tomsk, Tjumen, Perm und Kasan zu dieser Linie sich etwa wie die Katheten eines rechtwinkligen Dreiecks zur Hypotenuse verhalte. Die Sache hat, geometrisch betrachtet, ihre Richtigkeit, aber wenn wir auf der Hypotenuse unübersteigliche Hindernisse finden, zuerst in den Gebirgen des nordwestlichen Chinas, dann in den Sandsteppen der Hochebenen von Turkestan und der westlichen Mongolei, endlich in dem Berglande der Dsungarei, so stellt sich schließlich heraus, daß [317] die gerade Linie bedeutend verlängert wird und daß die Hypotenuse trotz aller Theorie hier größer ist als ihre beiden Katheten.

Die Entfernungen von Hangkao nach Nischni-Nowgorod sind folgende: über Kiachta etwa 7800 Werst = 1115 Meilen[11], über Tschugutschak 7900 Werst = 1130 Meilen[12], über Kuldscha (und Tschugutschak) etwa 8301 W. = 1186 Ml.[13], über Hutschen, Kobdo, Biisk und Tomsk mehr als 8650 W.[14] über Urga und Uliassutai auf der [318] großen Straße, ferner Kobdo, Biisk und Tomsk reichlich 9500 W. = 1359 Ml.[15], auf der kleinen Straße (von Urga nach Uliassutai) reichlich 9000 W. = 1286 Ml.[16] Folglich ist von den Straßen aus den chinesischen Theebezirken zu den russischen Theemärkten am kürzesten die über Kiachta, darauf folgt die über Tschugutschak, dann die über Kuldscha, endlich die über Kobdo.

Aber selbst wenn die Straßen über Kuldscha, Tschugutschak, Kobdo kürzer wären als die, welche über Kiachta geht, so würde der Handel schwerlich dieselben der letztern vorziehen. Bekanntlich wählt der Waarenverkehr nicht sowohl die kürzesten, als vielmehr die bequemsten und billigsten Wege, und in dieser Beziehung können sich die bezeichneten Straßen, die über die theils gebirgigen, theils sandigen und menschenleeren Steppen der westlichen Mongolei und Turkestans, ferner durch die Berglandschaften der Dsungarei hinführen, nicht messen mit dem Wege über Tien-tsin, Kiachta und durch Sibirien, in welchem der Sommer die Möglichkeit bietet, ein fast ununterbrochenes Netz von Flüssen zu benutzen, der Winter aber den schönsten Schlittenweg pflastert.

Die Schwierigkeiten, welche einer bedeutenderen Entwickelung des Handels in der westlichen Mongolei, in Turkestan und der Dsungarei entgegenstehen, sind theils in der Natur dieser Länder, theils in dem Mangel an Beförderungsmitteln zu suchen.

Wasser- und Futtermangel hemmen hier den Waarenverkehr außerordentlich. Von Brunnen zu Brunnen, von Bach zu Bach geht [319] die Bewegung, und der Weg wird dadurch sehr in die Länge gezogen, dazu kommen die Bergübersteigungen, die bei dem schlechten Zustande der Straßen und bei der Waarenbeförderung auf Kameelen nur schwer und langsam von Statten gehen.

In der Mongolei überhaupt, und in der westlichen besonders, werden alle Lasten auf Kameelsrücken fortgeschafft. Der Transport zu Wagen, die, wie in der südrussischen Steppe, mit Ochsen bespannt wären, ist unmöglich, weil Ochsen in Sandsteppen, wo sie mehrere Tage ohne Wasser aushalten müßten, nicht zu brauchen sind. Nur auf dem Striche von Kalgan nach Kiachta verkehren zuweilen im Sommer auch Wagentransporte mit Ochsenbespannung. Eine Verbesserung der Wege und die Anlage künstlicher Verbindungsstraßen ist unmöglich (?), und die Beförderung der Waaren wird auch künftig so, wie bisher, geschehen müssen – mittelst Kameele.

Die mongolischen Kameele sind zum Transport nur vom September bis Ende Mai zu verwenden, weil sie Ende Mai oder Anfang Juni die Wolle verlieren und dann bis etwa Mitte September zum Lasttragen unbrauchbar sind. Da nun aber die Reise von Liang-tscheu nach Kuldscha und Tschugutschak, und wahrscheinlich auch Kobdo, etwa 2 Monate Zeit erfordert, so können die ersten Theetransporte, die um die Mitte September nach den bezeichneten Plätzen expedirt werden, vor Mitte November nicht ankommen, und die letzten müssen spätestens Mitte oder Ende März von Liang-tscheu abgehen. Die Absendung von Theekarawanen aus Liang-tscheu kann also nur 6 Monate hindurch im Jahre stattfinden.

Zur Reise von Kalgan nach Kiachta gebrauchen die Karawanen etwa 30 Tage, folglich kann Kiachta durch Kameele sich 7 Monate im Jahre mit Thee versorgen, abgesehen davon, daß hier auch, wie bemerkt, der Thee zu Wagen geliefert werden kann.

Wenn man die Zeit bedenkt, die einerseits zum Karawanenmarsche nach Tschugutschak, Kuldscha, Kobdo, andrerseits nach Kiachta erforderlich ist, so ergiebt sich, daß dieselbe Zahl Kameele, welche den Weg zwischen Kalgan und Kiachta sieben Mal zurückzulegen im Stande ist, von Liang-tscheu nur drei Reisen an die Tauschplätze der westlichen Grenze China’s machen kann, folglich bedarf es zum Transport einer und derselben Waarenmenge einer mehr als doppelt so großen Zahl Beförderungsmittel auf dem zweiten Wege als auf dem ersten[17]. Wenn also der Handel von Kiachta nach Tschugutschak [320] oder Kobdo hinübergeleitet würde, so würde sich der Frachtpreis wenigstens doppelt so theuer stellen, als jetzt auf dem Wege von Kalgan nach Kiachta. Auch jetzt geht der Frachtpreis zwischen den letztgenannten beiden Punkten zuweilen beträchtlich in die Höhe, wenn die Menge der zu expedirenden Waaren in einem Mißverhältniß steht zu der Zahl der in Kiachta oder Kalgan gerade vorhandenen Kameele, ein Fall, der besonders dann eintritt, wenn Eilfrachten vorliegen.

Printz wollte die Waaren von Kobdo nach Nischni-Nowgorod auf der Tschuja und über die Städte Biisk und Tomsk befördert wissen. Aber er selbst gesteht, daß die Wege, welche Kobdo mit Biisk verbinden, sehr beschwerlich sind, und daß die Communicationen nur auf Bergpfaden hergestellt werden; solche Wege wird ein so bedeutender Handelsverkehr, wie der zwischen China und Rußland, schwerlich sich auswählen und vertragen können.

Ueberhaupt wenn man von den Handelsbeziehungen Rußlands mit China redet, so ist das eigentliche China von den ihm im Westen unterworfenen Ländern Mittelasiens wohl zu unterscheiden. Die östliche Mongolei versorgt sich mit russischen Waaren in Urga, wohin sie auf dem Wege über Kiachta[WS 2] gelangen; Tschugutschak und Kuldscha, namentlich der letztere Marktort, haben ihre Bedeutung für den russischen Handel mit der Dsungarei, kleinen Bucharei und Turkestan, nicht aber mit dem eigentlichen China. Man sieht dies daraus, daß die größere Hälfte der im westlichen China ausgetauschten Waaren zu den localen Producten dieser Gegenden gehört, während der Thee hier eine geringere Rolle spielt. In Bezug auf diese Art Handel kann allerdings auch Kobdo von einiger Bedeutung sein[18].

Bekanntlich läßt sich aus dem Preise einer und derselben Waare, die von demselben Productionsorte auf verschiedenen Wegen nach einem oder mehreren Plätzen geliefert wird, ein Schluß ziehen auf die Billigkeit oder Theuerung oder eigentlich auf die größere oder [321] geringere Bequemlichkeit, welche diese Wege für den Waarentransport darbieten. Darum kann schließlich, um die aufgestellten Behauptungen über die Schwierigkeiten der Straßen aus den Theedistrikten nach Tschugutschak und Kobdo zu bekräftigen, eine Vergleichung der Theepreise auf den genannten Märkten mit den in Kiachta gezahlten nicht umgangen werden. Kuldscha übergehen wir hierbei, weil dieser Tauschplatz von den russischen Theemärkten zu entfernt liegt, und der Theeumsatz hier überhaupt zu wenig in’s Gewicht fällt.

Der Vergleich muß auf die Preise des gewöhnlichen Ziegelthees um so mehr basirt werden, da der Kaufpreis desselben in Kobdo aus den Mittheilungen des Herrn Printz bekannt ist. Die Preise des Baichu-Thees können nicht zu Grunde gelegt werden, weil dieser Thee zu Kiachta in einer zahllosen Menge von Sorten erscheint, überdies der relative Werth der in Kiachta und Tschugutschak verhandelten Sorten zu wenig bekannt ist. Das Pfund gewöhnlichen Ziegelthees kostete:

in Tschugutschak Mittelpreis in Kiachta Mittelpreis
im J. 1862 33–44 Kopeken 38½ Kop. 16–20 Kop. 18 Kop.
im J. 1863 41–52 46½ 18–20 19

Nach den Angaben von Printz kostete in Kobdo ein Theeziegel von 4½ Pfund Gewicht 2 Rubel Silber, also 1 Pfund 44½ Kop.

Der Frachtpreis von Kiachta nach Nischni-Nowgorod stellt sich für 120 Pfund Nettogewicht gewöhnlichen Ziegelthees im Durchschnitt auf 12 Rub. Silber, folglich kostete ein Pfund dieses Thees in Nischni-Nowgorod nach dem Preise von 1862 etwa 28 Kop., im J. 1863 29 Kop. d. h. billiger als in Tschugutschak im J. 1862 um 10½ Kop., im J. 1863 um 17½ Kop., billiger als in Kobdo um 15½ Kopeken!

Unter den Ursachen, welche die Vertheuerung des Thees in Tschugutschak erklären, muß außer den bisher schon angeführten noch eine besonders erwähnt werden. Es ist die Seltenheit chinesischer Kapitalien dort an der Westgrenze des himmlischen Reiches und der damit zusammenhängende Mangel an baarem Gelde. Das chinesische Kapital ist hauptsächlich im südöstlichen Theile des Reiches aufgehäuft, wie sich herausstellt, wenn man den Courspreis des weißen Lan an verschiedenen Punkten vergleicht. In Schanghai geht er bis 2 Rub. 10 Kop.[19], in Kiachta bis auf 2 Rub. 28 Kop., in Tschugutschak bis 3 Rub., in Kobdo aber, dessen bezügliche Verhältnisse nicht bekannt sind, wird er schwerlich niedriger stehen als in Tschugutschak.

Der hohe Cours des chinesischen Lan verlockt zur Ausfuhr russischer [322] Münze nach dem westlichen China[20]. In der That finden wir, daß die Ausfuhr russischer Waaren nach Tschugutschak und Kuldscha der Münzausfuhr gegenüber nicht bedeutend ist. Als Beispiel mag das Jahr 1862 dienen, aus dem positive Angaben vorliegen. In diesem Jahre wurden nach Tschugutschak und Kuldscha für 129,719 Rubel russische Waaren und 111,862 Rubel in klingender Münze ausgeführt. Außerdem wird der ganze Thee, den die Steppenvölker hier für Rußland einhandeln, gegen baare Münze gekauft, und da nun der von den Letzteren im Jahre 1862 bei den russischen Zollämtern declarirte Thee nach den Preisen von Tschugutschak und Kuldscha einen Gesammtwerth von annähernd 364,700 Rub. repräsentirt, so steigt die Gesammtsumme des nach Westchina ausgeführten russischen baaren Geldes auf ungefähr 476,000 Rubel. Der Werth des ganzen von dort über die russische Grenze eingeführten Theequantums beträgt 515,000 Rubel, und der Gesammtwerth aller im westlichen China eingetauschten und gekauften Waaren beläuft sich auf 606,251 Rubel.

Sowohl die von Tschugutschak als die von Kiachta nach dem europäischen Rußland gelieferten Waaren gehen über Tjumen und verfolgen von dort aus weiter denselben Weg. Wenn man die Speditionskosten von Kiachta und Tschugutschak nach Tjumen mit einander vergleicht, so ergiebt sich, daß das Frachtgeld vom ersteren Orte relativ um 46% billiger steht als vom letzteren[21]. Wahrscheinlich kommt dies daher, weil auf dem Wege von Tjumen nach Kiachta, auf welchem auch die Waaren für den innern Consum Sibiriens passiren, mehr Beförderungsmittel im Verhältniß zu den zu befördernden Waaren zu Gebote stehen, als auf dem Wege von Tjumen nach Tschugutschak; wenn also der Waarenverkehr zwischen Tschugutschak und Tjumen noch zunehmen sollte, so wird nothwendig (?) der Frachtpreis noch steigen. Was den Weg von Kobdo nach Tomsk (1339 Werst) betrifft, so würden unstreitig bei einer bedeutenden Waarenversendung die Frachtkosten wegen des schlechten Zustandes der Wege [323] und der geringen Bevölkerung dieses Striches noch höher zu stehen kommen als zwischen Tschugutschak und Tjumen. Die Herstellung künstlicher Wasserverbindungen aber für die Handelswege nach Tschugutschak und Kobdo gehört für jetzt noch in das Reich unerfüllbarer Träume. Solche Anlagen existiren noch nicht einmal vollständig in Sibirien, obwohl es den Vorzug eines trefflich dazu geeigneten Flußnetzes genießt, und obwohl hier die Waarenbewegung, wenn man die für den innern Verbrauch bestimmten und die nach und von Kiachta gelieferten zusammen rechnet, auf etwa 2,000,000 Pud zu schätzen ist, eine solche Unternehmung also gewiß hier einen sicherern Gewinn abwerfen würde, als eine Wasserverbindung für den Specialhandel von Tschugutschak und Kobdo.

Fassen wir die Gründe, die den Vorzug der Straße über Kiachta vor denen über Tschugutschak und Kuldscha für den chinesisch-russischen Handel erklären, noch einmal zusammen.

Die größten chinesischen Märkte, auf denen der über die asiatische Grenze nach Rußland gebrachte Thee erstanden wird, liegen am Jantse-kiang (Hang-kao) und am Stillen Ocean (Fu-tscheu-fu). Hier auch ist die Hauptsumme des chinesischen Kapitals aufgehäuft; daher finden die chinesischen Kaufleute einen größeren Vortheil dabei, wenn sie zur Lieferung des Thees nach Rußland den billigen und jetzt gefahrloseren Seeweg von den großen Theemärkten nach Tien-tsin benutzen, als wenn sie die Transporte auf den schlechten Wegen im Innern China’s bewerkstelligen, wo sie überdies nicht nur der Zahlung der Innenzölle, sondern auch ruinirenden Ausgaben zur Befriedigung hungriger Beamten ausgesetzt sind. Wenn es nun aber im Vortheil des Handels liegt, die Theeladungen auf Tien-tsin zu spediren, so können sie eben von hier aus nur über Kiachta und Sibirien nach Rußland gelangen, auf einem Wege, der in der That zugleich der nächste und billigste von allen ist, die aus den Theeprovinzen China’s nach Rußland weisen.

Wenn der Thee von Kiachta an dem sogenannten Kantonthee, der über die westliche, europäische Grenze nach Rußland kommt, einen starken Concurrenten zu fürchten hat, so kann das Mittel des Widerstandes nur in einer Verminderung der Frachtkosten gefunden werden. Um diese herbeizuführen, wird es außer andern Maßregeln nöthig sein, zu dem früheren Wasserwege von Kiachta auf der Selenga, dem Baikalsee, der Angara, dem Ket, Obi, Irtysch, Tura bis Tjumen zurückzukehren. Auf einigen Strecken dieses Weges werden die Theelasten schon jetzt mit Dampfern befördert; von Tomsk bis Tjumen sind zehn Dampfer in Thätigkeit, auf dem Baikalsee bisher zwei, zu denen ein dritter jetzt hinzugetreten sein wird. An Vorschlägen [324] über die Ausnutzung der Selenga, Angara und des Ket und die noch erforderlichen künstlichen Verbindungen derselben fehlt es nicht. Vor allem muß die Untersuchung der Angara und des Ket von competenten Kräften ernstlich in Angriff genommen werden, da die Verhältnisse der Selenga schon genügend erforscht sind. Es handelt sich hier um eine Lebensfrage nicht nur für den Landhandel Rußlands mit China, sondern für das östliche Sibirien überhaupt.


  1. Abgedruckt in den „Iswestija der Kaiserl. Russ. geogr. Ges.“ 1865. p. 1–16.
  2. Sogenannter Handelsthee 10,603,360 Pfd.
     Grüner und gelber Blüthenthee 01,131,620
     Ziegelthee 05,643,540
    17,378,520 Pfd.
  3. Ziegelthee 3,500,000 Pfd.
    Baichu-Thee 00500,000
    4,000,000 Pfd.
  4. 1861      1862
    Baichu 211,080 Pfd. 203,813 Pfd.
    Ziegelthee und ähnlicher 036,594 010,539
    247,674 Pfd. 214,352 Pfd.
  5. Baichu 025,040 Pfd. 006640 Pfd.
    Ziegelthee und ähnlicher 011,920 006733
    036,960 Pfd. 013,373 Pfd.
  6. In Hangkao 40,684,133 Pfd.
    Kiu-Kiang 26,449,753
    Tschi-Kiang 01,316,667
    68,550,653 Pfd.
  7. Nach England gingen im Ganzen 126,068,220 Pfd.
    In die Vereinigten Staaten von Nordamerika 021,657,684
    Nach anderen Ländern 028,209,005
  8. Nach Tibet führen noch zwei andere Straßen, die eine aus der Provinz Sy-tschuan, die andere aus der Provinz Jünnan.
  9. Außer den Gouverneuren fungiren für die unten bezeichneten Provinzen [313] Generalgouverneure. Wo die Gouverneure einem Generalgouverneur[WS 1] nicht untergeordnet sind, besitzen sie die Gewalt der letzteren.
    Tschili.       Kuang-si, General-Gouverneur.
    Schansi. Kuang-tung,
    Schänsi General-Gouverneur. Fu-Kian General-Gouverneur.
    Kansu Tschi-kiang
    Sütschuan. Kiang-su General-Gouverneur.
    Jünnan. Ngan-Hoei
    Kuei-tscheu General-Gouverneur. Kiang-si.
    Hunan Honan General-Gouverneur.
    Hupe
  10. Die Beschreibung dieser wichtigen, bis jetzt nicht bekannten Straße ist leider im Original so kurz und dunkel wie möglich.
  11. Von Hangkao nach Peking 1319 Werst = circa 0189 Meilen.
    Von dort nach Kalgan 0215 = 0031
    Von dort nach Kiachta 1285 = 0184
    Von Kiachta nach Nischni-Nowgorod 5133 = 0733
    7952 Werst = circa 1137 Meilen.

    Die directe Entfernung von Thai-juan-fu nach Kalgan beträgt ungefähr 150–200 Werst (22–29 Meilen) weniger als über Peking, die ganze Entfernung von Hang-kao bis Nischni-Nowgorod stellt sich also etwa auf 7752–7800 Werst = 1108 bis 1115 Meilen.

  12. Von Hang-kao nach Su-tscheu 2190 Werst = circa 0313 Meilen.
    Von Su-tscheu nach Hami 0792 = 0113
    Von Hami nach Urumtschi 0769 = 0110
    Von Urumtschi nach Kur-kara-ussu 0282 = 0040
    Von Kur-kara-ussu nach Tschugutschak 0370 = 0053
    Von Hang-kao bis Tschugutschak 4403 Werst = circa 0629 Meilen.
    Von Tschugutschak bis Ssergiopol 0260 = 0037
    Von dort bis Ssemipalatinsk 0272 = 0039
    Von dort bis Tjumen 1327 = 0190
    Von dort bis Nischni-Nowgorod 1638 = 0234
    Von Hang-kao bis Nischni-Nowgorod 7900 Werst = circa 1129 Meilen.
  13. Von Hang-kao bis Su-tscheu 2190 Werst = circa 313 Meilen.
    Von dort bis Kur-kara-ussu 1843 = 0263
    Von dort bis Kuldscha 0408 = 0058
    Von Hang-kao bis Kuldscha 4441 Werst = circa 0634 Meilen.
    Von Kuldscha bis zum Kanal 0260 = 0037
    Von dort bis Ssemipalatinsk 0635 = 0091
    Von dort bis Nischni-Nowgorod 2965 = 0424
    Von Hang-kao bis Nischni-Nowgorod 8301 Werst = circa 1186 Meilen.
  14. Von Hang-kao bis Hutschen 3651 Werst = circa 522 Meilen.
    Von dort bis Kobdo 0513 = 073
    Von Hang-kao bis Kobdo 4164 Werst = circa 595 Meilen.

    Bei dieser Berechnung ist aber, weil wir die Entfernungen des Karawanenweges von Hutschen über Bukai-Dschurke nach Kobdo nicht kennen, die Kronstraße von Hutschen nach Kobdo zu Grunde gelegt, diese ist jedoch, wie die Karte zeigt einige hundert Werst kürzer als jene, und außerdem, wie früher bemerkt, für Karawanen nicht brauchbar. Die Entfernung von der Stadt Biisk bis zu dem von Printz besuchten Tauschplatze beträgt nach seiner Angabe etwa 600 Werst; von hier bis Kobdo ist die Distanz nicht bekannt, kann aber nach den Karten in gerader Linie nicht unter 200 Werst sein [in der That giebt die Marschroute des Cap. Printz, [318] abgedruckt: Iswestija, 1865, p. 15, sogar 250 Werst von der Grenze bis Kobdo].

    Im Ganzen wären also:

    Von Hang-kao bis Kobdo 4164 Werst = circa 0595 Meilen.
    Von Kobdo bis Biisk 0800 = 0114
    Von dort bis Tomsk 0539 = 0077
    Von dort bis Nischni-Nowgorod 3148 = 0450
    Von Hang-kao bis Nischni-Nowgorod 8651 Werst = circa 1236 Meilen.
  15. Von Hang-kao bis Kalgan 1534 Werst = circa 0219 Meilen.
    Von dort bis Urga 0960 = 0137
    Von dort bis Uliassu-tai auf der großen Straße 1834 = 0262
    Von dort bis Kobdo 0720 = 0103
    Von Hang-kao bis Kobdo 5048 Werst = circa 0721 Meilen.
    Von dort bis Nischni-Nowgorod 4487 = 0641
    Von Hang-kao bis Nischni-Nowgorod 9535 Werst = circa 1362 Meilen.
  16. Von Hang-kao bis Urga 2494 Werst = circa 0356 Meilen.
    Von dort bis Uliassu-tai auf der kleinen Straße 1320 = 0189
    Von dort bis Kobdo 0720 = 0103
    Von dort bis Nischni-Nowgorod 4487 = 0641
    Von Hang-kao bis Nischni-Nowgorod 9021 Werst = circa 1289 Meilen.
  17. Das Gewicht der russischen und chinesischen Waaren, die jährlich über Kiachta gehen, beträgt ungefähr 700,000 Pud, ein Kameel trägt im Durchschnitt etwa 70 Pud, folglich sind, wenn die Expeditionen ununterbrochen fortgehen, zur [320] Beförderung dieser Waaren 10,000 Kameele nöthig. Die Versendung derselben Last über Tschugutschak, Kuldscha oder Kobdo würde dagegen mindestens etwa 23,000 Kameele in Anspruch nehmen.
  18. Ueber Tschugutschak und Kuldscha wurden im Jahre 1862, über Kobdo (nach Printz) im Jahre 1863 überhaupt chinesische Waaren eingeführt:
    über Tschugutschak Kuldscha Kobdo
    für 180,403 Rubel 61,148 Rubel 100,000 Rubel.
    Davon Thee ungefähr für 143,000 006922 004000
    Localproducte 037,403 54,226 096,000

    Im Ganzen also wurden an diesen Punkten chinesische Waaren und Localproducte umgesetzt für 341,551 Rubel, davon Thee ungefähr für 153,922 R., Localproducte für 187,629 R. In Kiachta dagegen betrug der Werth der eingeführten mongolischen Producte (228,000 R.) im Jahre 1862 kaum 2½ pCt. vom Werth des Thees und der übrigen chinesischen Waaren (9,300,000 R.).

  19. Der Cours des Lan oder Tael wechselt hier von 6 Schilling bis 6 Schilling 8 Pence, d. h. auf Rubel reducirt, von 1 Rub. 89 Kop. bis 2 Rub. 10 Kop.
  20. Der Rubel enthält etwa 4¼ Solotnik reines Silber, mit den Transportkosten stellt sich sein Handelswerth in Tschugutschak und Kuldscha ungefähr auf 1 Rub. 20 Kop., d. h. 1 Solotnik auf 28¼ Kop. Im Lan sind 8¾ Solotnik Silber nebst einer unbedeutenden Legirung; wenn nun der Lan zum Werthe von 3 Rub. berechnet wird, so gilt 1 Solotnik Silber 34½ Kop., folglich wirft der Austausch von Silberrubeln ungefähr 20½ pCt. Gewinn ab.
  21. Von Kiachta bis Tjumen sind 3495 Werst, das Frachtgeld vom Pud betrug von 1860–1863 durchschnittlich 3 R. 30 K. Von Tschugutschak nach Tjumen sind es 1859 Werst; die Spesen vom Pud variiren auf der Strecke von Tschugutschak bis Ssemipalatinsk zwischen 70 Kop. bis 1 Rub., von hier bis Tjumen betragen sie 1 Rub. 50 Kop. – Durchschnittlich von Tschugutschak bis Tjumen 2 Rub. 35 Kop.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Generalgouvereur
  2. Vorlage: Kiachte