RE:Bergbau

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S IV (1924), Sp. [S_IV 108]–[S_IV 155]
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Bergbau. Auf der untersten Kulturstufe der Menschheit diente außer Holz, Knochen, Geweihstücken und Fischgeräten der unbearbeitete Stein dem Menschen als rohes Werkzeug. Die nächste Stufe, die Bearbeitung des Steins durch Schlagen, Schleifen und Bohren führt zu den Anfängen [109] des B. An Orten, wo zu Werkzeugen geeignete Gesteinsarten (Feuerstein, Beilstein-Nephrit, Jadeit u. a.) in größeren Mengen vorkommen, entwickelten sich Werkplätze, wo diese Steine gebrochen, bearbeitet und von hier aus im Tauschhandel über weite Gebiete verbreitet wurden. Stätten der Gewinnung von Feuerstein zur Massenherstellung steinerner Hämmer, Messer, Äxte und Pfeilspitzen sind in weit auseinanderliegenden Orten sowohl der alten, wie der neuen Welt nachgewiesen worden. Mit Steinwerkzeugen konnte der Mensch der Vorzeit einfachsten B. in weichem Gestein ausführen und das die Augen anlockende blinkende Erz aus ihm herausschlagen; lagen doch in vielen Fällen die erzführenden Gesteinsmassen nahe an der Oberfläche. Von solchen Werkzeugen sind Hämmer, sowohl stiellose als durchbohrte, Schrämspieße, Keile und Mahlsteine zum Zerkleinern der Erze neben spitzen Geweihenden, die als Spitzhacke gedient haben mochten, in den ältesten Kupfergruben aufgefunden worden. Als solche in der Steinzeit angelegten Kupfergruben sind die alten Baue auf der Mitterberg-Alpe bei Salzburg, auf der Kelchalpe bei Kitzbühel in Tirol, auf dem Höhenzuge El Aramo in Nordspanien, bei Rio Tinto in Nordspanien und einige Gruben in Irland und England festgestellt worden (Much Die Kupferzeit in Europa. Fundstücke der Freiberger Bergakademie aus El Aramo und Rio Tinto bei Treptow S. 7). Möglich ist, daß das Kupfer anfänglich nur im Naturzustande zu Beilen und anderen Werkzeugen gehämmert wurde. Doch auch das Ausschmelzen der Erze in einer in den Erdboden gemauerten oder festgestampften, mit Windzug versehenen Herdgrube war zahlreichen Stämmen des neolithischen Zeitalters bekannt. Reste ältester Schmelzstätten sind neuerdings vielfach aufgedeckt worden. Mit Hilfe steinerner oder irdener Gußformen wurden aus dem geschmolzenen Metall neben Waffen und Schmuckstücken nunmehr auch die metallischen Werkzeuge hergestellt, die den B. in hartem Gestein ermöglichen. Diese Werkzeuge, sowie das alte bergmännische Hilfsmittel, das Feuersetzen, welches eine Zerklüftung des Gesteins und damit die Möglichkeit, auch große Gesteinsmassen zu bewältigen, bewirkt, sind die Voraussetzung zu der Ausführung jener gewaltigen Steinbauten der alten Kulturvölker, die aus der Vorzeit zur geschichtlichen Zeit hinüberführen (Treptow).

Auf Grund der Beobachtung, daß gewisse metallurgische Kenntnisse sich bei den verschiedensten auf niederer Kulturstufe stehenden Völkerschaften verschiedener Erdteile gleichmäßig zeigen, vertritt die neuere Forschung die Ansicht, daß die einheimischen Stämme metallreicher Gegenden unabhängig voneinander den primitiven B. geübt und entwickelt hätten. Die Phoiniker hätten demnach, sowohl auf den griechischen Inseln, wie bei den Iberern, einen längst geübten Erwerbszweig nur verbessert und organisiert, nicht geschaffen. Auch die britischen Zinngruben wurden vor Ankunft der Phoiniker und Römer ausgenutzt, und die Kelten des Festlandes besaßen längst vor ihrer Berührung mit den Römern einen so entwickelten B., daß die altkeltische Bezeichnung des rohen Metalls méin, [110] mianach, kymr. mwyn im Sinne von Bergwerk in die romanischen Sprachen (frz. mine, ital. mina usw.) übergegangen ist (Schrader Reall.). Auch das Altertum nahm an, daß barbarische oder sagenhafte Völkerschaften, wie die Bewohner des Nordostens des Skythenlandes, die Massageten, die Kaukasier, die Inder ausgedehnten B. trieben, bei dem unermeßliche Schätze Edelmetalls zutage gefördert wurden.

Der B. in der geschichtlichen Zeit befaßte sich mit der Gewinnung der Metalle Gold, Silber, Kupfer (Erz), Eisen, Zinn und Blei. Die mineralischen Brennstoffe, welche heute im B. eine wichtige Stellung einnehmen, waren den Alten unbekannt. Als das goldreichste Land galt nach Indien Ägypten mit dem ihm zugehörenden, von Negerstämmen bewohnten Äthiopien (Herodot. III 114), welches das heutige Nubien und Abessynien umfaßte. Herodot (III 23) erzählt, Gold sei hier in solcher Fülle vorhanden, daß aus Mangel an Erz die Kriegsgefangenen mit goldenen Ketten belastet würden. Das Gebiet der Uaua und die Insel Meroë wurden als besonders goldreich genannt. Die reichsten Goldbergwerke lagen in einer glühend heißen, bereits dem Goldlande Nubien (nub = Gold) angehörenden Gegend östlich der Straße, welche heute von Assuan nach Abu Hammed führt. Die noch von den Arabern im Mittelalter ausgebeuteten, bis auf den heutigen Tag erhaltenen Goldgruben im Wâdi Eshuranib sind in den J. 1831 und 1832 von den Reisenden Linant und Bonomi aufgefunden und auf einer von Linant 1854 veröffentlichten Karte aufgezeichnet worden. Tiefe Schachte führen in den Berg. Zwei Zisternen dienten zur Aufnahme des kostbaren Winterregens. Schräge Steintische, auf denen der wertvolle Goldstaub verwaschen wurde, stehen heute noch da. In etwa 300 aus Bruchsteinen errichteten Hütten befinden sich Handmühlen, auf denen die Erze zermahlen wurden. – Weiterhin sind Reste alter Goldminen in dem zwischen dem Roten Meere und dem Nil gelegenen öden Gebirge, das als arabische Wüste bezeichnet wird, gefunden worden. So ist an der Wüstenstraße, die von dem Hafenplatze Leukos Limen (Kossêr) an den Steinbrüchen des Wâdi Hammâmât vorüberführt und bei Koptos (Kuft) am Nil endet, ein der Ptolemäerzeit angehörendes Bergwerk im Wâdi Foachir aufgedeckt worden, das nach den 1320 Steinhütten, die der Unterkunft der Arbeiter dienten, einen sehr beträchtlichen Umfang gehabt haben muß. Reste eines dritten Goldbergwerks finden sich in einem östlich von Edfu gelegenen Tale, das von einer Gebirgsstraße durchschnitten wird, die nördlich von Redesîen auf den Nil stößt. Um dem Wassermangel zu steuern, dem bei der Gluthitze des Sommers viele Bergarbeiter erlagen, ließen die Könige Seti I. (1320) und Ramses II. (1300–1230) dort Brunnen graben und einen kleinen Tempel in der Nähe der Gruben errichten. Auf die Goldbergwerke beziehen sich zwei in Turin befindliche Papyrusblätter, die als die ältesten Grubenrisse eine gewisse Bedeutung haben. Sie sind von Chabas in der Schrift: Les inscriptions des mines d’or, Chalons 1862, eingehend beschrieben worden. Der eine nur zum Teil erhaltene Papyrus stellt den Golddistrikt [111] des Gebirges des ‚Steines Bechen‘ östlich von Koptos dar. Zu welchem Bergwerk der andere Grubenriß gehört, steht nicht fest (Erman 619, wo der letztere Riß abgebildet ist). – Silber wurde in Ägypten wohl nur aus Elektron oder, wie die Ägypter sagten, Asem durch Ausschmelzung gewonnen. Dieses aus Gold und Silber bestehende Mischmetall wurde wegen seiner weißlichen Färbung auch als ‚weißes Gold‘ bezeichnet (Herodot. I 50. Strab. III 147). Als das seltnere Edelmetall haben die Ägypter der ältesten Zeit das Silber an die Spitze der Metalle gestellt. Erst als sie durch die Phoiniker und Syrer fremdes Silber aus anderen Ländern erhielten, ist auch in Ägypten (nach Erman wohl unter Dḥutmes III. 1480–1430) dem Golde die erste Stelle unter den Metallen eingeräumt worden. – Zur Herstellung der Bronze, die zur Anfertigung von Waffen und Geräten benötigt wurde, fehlte den Ägyptern Zinn, dagegen verfügten sie im eigenen Lande ausreichend über Kupfer, das in den Bergwerken der Sinaihalbinsel, im Wâdi Nasb, Wâdi Maghâra und Sârbût el Châdem gewonnen wurde. Von den beiden letztgedachten Minen, die im Altertum bereits erschöpft waren, sind noch Reste alter Schmelzarbeit auf Kupfer gefunden worden. Als die ältesten Kupferbergwerke gelten die des Tales Maghâra, die vom König Snefru (2830; Altes Reich von Memphis) angelegt waren. Zum Schutze gegen die räuberischen Sinaibeduinen war auf einem Hügel in der Mitte des Tales, von den Steinhütten der Arbeiter umgeben, ein festes Kastell und ein kleiner Tempel der Hathor, der Schutzgöttin der Sinaibergwerke, erbaut. Auch die Überreste des Kupferbergwerks von Sarbût el Châdem, die bis in die Zeit Dḥutmes III. ausgebeutet wurden, und die der Kupferminen im Wâdi Nash sind wieder aufgefunden worden. – Eisen muß den Ägyptern schon in ältester Zeit bekannt gewesen sein. Ohne Anwendung von Stahlwerkzeugen wäre die Bearbeitung des härtesten Steinmaterials (Syenit, Porphyr, Basalt) nicht denkbar. Nun bezeugen aber auch hieroglyphische Bezeichnungen für Eisen, Inschriften und Abbildungen in den Gräbern die Kenntnis dieses Metalles. Eisenerze haben sich in dem Kalkgebirge östlich des Nils gefunden, doch hat sich nicht nachweisen lassen, daß dort Eisen gewonnen wurde. Sollten hier Eisengruben vorhanden gewesen sein, so haben sie jedenfalls hinter denen der Sinaihalbinsel zurückgestanden. Hier haben sich bei Surabît-el Khadur, unweit des Kupferbergwerks des Wâdi Maghâra, Reste umfangreicher befestigter Eisenbergwerke gefunden. Besonders reich an Eisenerzen war das südliche Bergland Altägyptens: Nubien, Äthiopien und Meroë, wie Strabon (XVII p. 822) und Diodor (I 33) berichten. Reste alter Eisenbergwerke sollen an verschiedenen Stellen des weiten Tales zwischen Rotem Meere und Nil gefunden worden sein (von Burton i. J. 1822 bei Hammánei, nach Wilkinson Manners and customs of the ancient Egyptians III 246). Auch aus Kordofan, wo noch in der Jetztzeit Eisen in Menge gewonnen wird (Russegger Reise in Ägypten, Nubien und Ostsudan II 2, 286ff.), mochte schon von den alten Ägyptern Eisen eingeführt [112] worden sein. Auch archäologische Funde beweisen, daß in frühester Zeit die Ägypter Eisen gekannt und verwendet haben. Beim Lossprengen einiger Steinlagen von der Pyramide des Cheops im J. 1837 hat sich in einer inneren Steinfuge das Bruchstück eines größeren eisernen Werkzeugs gefunden, das wahrscheinlich während des Bauens der Pyramide (um 3000 v. Chr.) in die Fuge gefallen war. Eine Sichel, die unter den Füßen einer Sphinx gefunden ist, gehört einer späteren Zeit an (Beck 85f.). Die älteste Bezeichnung für Eisen men ist durch tehaset, das Wort für asiatisches Eisen, verdrängt worden, daneben kennt die ägyptische Sprache noch den Ausdruck baenepe (koptisch be-ni-pe) von ba-en-pe-t = Stein vom Himmel, Meteorstein, Meteoreisen im Gegensatze zu ba-en-ito = Eisen der Erde.

Die sagenhaften Erzählungen von dem Goldreichtum Indiens (Herodot. III 116. IV 27. Strab. p. 706. Plin. VI 67. XXX 60), die ihren Niederschlag in den Märchen von den goldgrabenden Ameisen und den das Gold hütenden Greifen im Lande der Arimaspuer bereits bei den Bewohnern des indischen Tieflandes fanden, sind zum Teil durch neuere Forschungsreisende bestätigt worden. Über die Art bergmännischer Gewinnung des Goldes und der anderen Erze Indiens vermögen die alten Schriftsteller nichts zu berichten. – Die Fülle der Schätze an Edelmetallen in den assyrisch-babylonischen Tempeln und Palästen, ebenso wie die Prägung ältester Gold- und Silbermünzen in den Reichen am Euphrat und Tigris, berechtigen zu der Annahme, daß die hierfür verwendeten Roherze nicht nur durch Handel und Kriegszüge, sondern auch durch bergmännische Tätigkeit im eigenen Herrschaftsgebiete gewonnen worden sind, wenn auch nur in ganz seltenen Fällen Spuren einstigen B. festgestellt werden konnten. Gold (sumerisch guhsgin) wurde, wie die Inschriften der Denkmäler des Usurpators Gudîas (um 3100 v. Chr., also zur Zeit der Pyramidenerbauer) bezeugen, aus dem an der Nordgrenze Babyloniens gelegenen Lande Miluch nach Sirgulla geführt. Silber (sumerisch gu-bab-bas, auch bloß gu) wird, ebenso wie Eisen und Blei, in den Inschriften nur selten erwähnt. Die Kenntnis des Ausschmelzens der Metalle aus den Erzen war den Assyrern frühzeitig bekannt, wie ein alter sumerischer Spruch an das Feuer bezeugt:

Des Kupfers (und) Zinnes Schmelzer bist Du,
Des Goldes (und) Silbers Läuterer bist Du.

Die Kenntnis der Bronzebereitung, auf die der erste Vers anspielt, soll nach neuerer Forschung (Lenormant, Hommel, Tomaschek, Hoernes bei Schrader) von den Akkadern, Assyrern und Cheta ausgegangen sein. Das für die Herstellung der Bronze (sumerisch zabar) erforderliche Zinn (sumerisch anna, anag) soll in der Nähe Babyloniens, vielleicht in den medisch-elamitischen Bergen gewonnen worden sein (Hommel Gesch. Babyl. u. Assyriens 192), das Kupfer (sumerisch urud) aus den kaukasischen und kuschitischen Gebirgen. Eisenfunde sind im assyrischen Gebiete häufig bis ins 3. Jahrtausend v. Chr. nachweisbar. Bei den Ausgrabungen von Khorsabad (1867 durch Laplace) wurde in den [113] Ruinen des einstigen Niniveh an einer Stelle ein Vorrat von Roheisen im Gesamtgewicht von 160 000 kg aufgefunden. – Über das Vorkommen der Erze in den vorderasiatischen Ländern geben die alten Schriftsteller öfter Aufschluß. Gold gab es nach ihnen am Westabhange des Altai, im Skythen- (Herodot. IV 21) und Massagetenlande (Herodot. I 215. IV 7. Strab. XI p. 513). Goldsand führte der Oxos in Baktrien (Ps.-Arist. mirab. ausc. 46 p. 833 B 13), der Hyktanis in Karmanien (Strab. XV 726. Plin. VI 98). Aus dem Kaukasus führten viele Quellen Goldsand, der in Fellen, die in die Strömung hineingelegt wurden, aufgefangen sein soll (Strab. I p. 45. XI p. 499. Appian. bell. Mithr. 103. Plin. XXXIII 52). Die Sage vom goldenen Vlies des Aietes wurde schon im Altertum mit diesem Verfahren der Goldgewinnung in Verbindung gebracht. Daß aus Persarmenien die Perserkönige Gold bezogen, berichtet Procop. bell. Pers. (I 15 p. 77. 78). In Kleinasien war Lydien wegen seines Goldreichtums bekannt, der den Gruben der Berge Tmolos und Sipylos (Strab. XIV p. 680) und den Flüssen Paktolos und Hermos (Herodot. I 93. V 101. Athen. V p. 203 C. Plin. XXXIII 66) entstammte. Wie die Goldgruben und die Goldsand führenden Flüsse Lydiens frühzeitig versiegten, so waren auch die Goldbergwerke in Mysien, bei Atarneus in Troas, bei Abydos, Kremaste, Astyra und Lampsakos im 1. Jhdt. unserer Zeitrechnung schon erschöpft (Strab. XIV p. 680. XIII p. 591). – Silber wurde gewonnen aus den Silberbergwerken des nördlichen Indiens (Ktes. bei Phot. bibl. cod. 72 p. 46 B 25, bei Blümner Term. 31), Karmaniens und Baktriens (Arrian. anab. V 35. Diod. II 36. Plin. VI 67). In Lydien erzielte man Silber durch Ausschmelzen aus den Golderzen. Homer nennt als Ursprungsland des Silbers Alybe, das von den einen nach Spanien, von anderen nach Armenien, in das Land der Chalyber, verlegt wird. Silbergruben sollen auch nach Strabon (XVI p. 784) in dem zu Arabien gehörenden Lande der Nabatäer gewesen sein. – Die Gewinnung des Kupfers (s. o. Bd. XI S. 2194) scheint in Kleinasien eine namhafte gewesen zu sein. Erzgruben werden erwähnt in Kilikien (Euseb. mart. Palaest. XI 6 bei Blümner IV 59), in Mysien (Strab. XIII p. 607), auf der in der Propontis gelegenen Insel Chalkitis bei Chalkedon (Theophr. de lapid. 25. Steph. Byz. s. Χαλκῖτις). Nach dem zweiten Namen der Insel Δημόννησος (Ps.-Arist. mir. ausc. 59 p. 834 B 18) hieß nach Pollux (V 39) das dort ausgebeutete Kupfer χαλκὸς Δημονήσιος (Hesych.: Δημονήσιος χαλκός). Das im Lande der Mossynoiken, die zwischen den Chalybern und Tibarenern an der Südküste des Schwarzen Meeres wohnten, gewonnene Kupfer wurde als besonders hell und leuchtend gerühmt (Ps.-Arist. mir. ausc. 62 p. 835 A 9). In den Tibarenern und Moschern will man die bei Ezechiel (27, 13) genannten erzreichen Thubal und Mesech sehen. In Chaldäa gab es im Gebiete von Kurdistan Kupfergruben, deren Überreste noch heute erkennbar sein sollen (Perrot et Chipiez Hist. de l’art II 124, bei Blümner IV 59). Kupfergruben gab es am Libanon (Euseb. mart. Palaest. XIII 1f. bei Blümner IV 58), in Syrien (Strab. 753. 756. [114] Plin. V 81 u. a. St.), sowie in Palästina. Den Reichtum Kanaans an Erzen, die jedenfalls schon vor der israelitischen Einwanderung gewonnen wurden, bezeugt die Stelle 5. Mos. VIII 9: ‚Jahve führt sein Volk in ein Land, dessen Steine eisenhaltig sind, aus dessen Bergen es Erz (d. i. Kupfer) graben kann.‘ Der Unterschied zwischen den zutage liegenden Eisensteinen und dem durch Grubenarbeit gewonnenen Kupfer ist in diesen Worten ausgesprochen. Wenn die altjüdische Überlieferung Thubalkain, den Sohn des Lamech und der Zilla, den Stammvater aller derer, die Erz (Kupfer) und Eisen bearbeiten, nennt, so ergibt sich daraus, daß der Beruf des Bergmanns in Altisrael ein bekannter und verbreiteter war. Eine genaue Kenntnis des B. verrät die schöne Schilderung bei Hiob XXVIII 1–11: ‚Wohl gibt es einen Fundort für das Silber, eine Stätte für das Gold, das man läutert. Eisen wird aus dem Erdreich geholt und Gestein schmilzt man zu Erz (Kupfer). Ein Ende hat man der Finsternis gemacht, und bis zur äußersten Grenze durchforscht man das im tiefsten Dunkel verborgene Gestein. Man bricht einen Schacht fern von den droben Wohnenden; vergessen von dem droben schreitenden Fuß, fern von den Menschen hangen, schweben sie. Aus der Erde geht Brotkorn hervor und ihre Tiefen werden wie mit Feuer umgewühlt … An den Kiesel legt man die Hand, wühlt von Grund aus die Berge um. Durch die Felsen schlägt man Gänge und allerlei Kostbares erschaut das Auge. Die Wasseradern verbindet man, daß sie nicht tränen, und bringt Verborgenes ans Licht‘ (nach Baethgen in Kautzsch’s Textbibel). Auch die immer wiederkehrenden Bilder von dem in Feuer geläuterten Golde in den Psalmen und in der Spruchdichtung lassen erkennen, daß den Israeliten die Goldgewinnung wohl vertraut war. Der Goldreichtum Salomos, der ihn instand setzte, seine Prachtbauten in verschwenderischer Weise mit diesem edlen Metalle auszuschmücken, war durch Tausch von befreundeten Fürsten (Hiram von Tyrus, Königin von Saba) und durch seine in regelmäßigen Zwischenräumen von drei Jahren nach Ophir entsandten Schiffe, sowie durch die Abgaben unterworfener Völker erworben worden (I. Kön. IX 11. X 10. 15. 22). Die Stelle I. Kön. X 14 könnte aber auch den Schluß zulassen, daß dem Könige Gold auch aus eigenen Minen zugeflossen sei. Der Name Eisengebirge, den nach Josephus (bell. Iud. IV 8, 2) die von der Grenze Moabs nach Norden zu das untere Jordanland begleitenden Berge führten, weist auf das Vorkommen von Eisenerzen an der Ostgrenze Palästinas hin. Auch im Libanon fand sich Eisenstein in Menge. Noch heute wird dort in der primitiven Art des Altertums Eisenerz abgebaut, doch ist die Ausbeutung infolge der Holzarmut jetzt recht gering (Beck I). In Kleinasien wurde Eisen in Kappadokien (Plin. XXXIV 142), bei Andeira in Troas (Strab. XIII 610) und am Ida gefördert. Das Eisen soll in diesem Waldgebirge nach der Sage dadurch gefunden worden sein, daß bei einem Waldbrande die Eisenadern des Berges in Fluß gerieten (Clem. Alex. strom. I 21, 136 p. 401 P.). Von der Göttermutter in der Bearbeitung des Eisens unterrichtet, hätten die idäischen Daktylen zuerst [115] Eisen bearbeitet (Diod. XVII 7). Nach anderen Überlieferungen sollen die Chalyber das Eisen zuerst bearbeitet haben (Arrian. bei Eustath. ad Dion. 768. Plin. VII 197. Ammian. Marc. XXII 8, 21). Durch die Menge der in ihren Bergen vorkommenden Eisenerze und deren Verhüttung und Bearbeitung genossen die Chalyber einen solchen Ruf, daß die griechischen Dichter für den Stahl den dichterischen Ausdruck χάλυψ wählten (Aisch. Prom. 133. Soph. Trach. 1260; χαλύβδικος Eur. Heracl. 161. Lykophr. 1109). Von den griechischen haben die römischen Dichter chalyps übernommen (Verg. Aen. VIII 446. Prop. I 16, 30. Lucan. VI 547; chalybeius Ovid. fast. IV 405 usw.). Reich an Erzen sollen noch heute die assyrischen Berge sein. Nach Layard (bei Beck 129) sollen Eisengruben drei bis vier Tagereisen von Mosul im Tiyarigebirge liegen.

Die Phoiniker verbreiteten ihre in der Heimat gewonnenen Kenntnisse des B. und der Metallurgie bei ihrer großartigen kolonisatorischen Tätigkeit auf den Inseln des Mittelmeeres und in seinen Küstenländern, wo sie übrigens meist schon B. der Eingeborenen vorfanden. Durch die Phoiniker ist der Kultus der zum B. in Verbindung stehenden Kabiren, Daktylen, Telchinen und Kureten zu den Griechen geführt. Zunächst haben sie auf der ihrem Lande gegenüberliegenden Insel Kypros, die früher Iatuan hieß, Kupfer- und Eisenbergwerke eröffnet. Dem Nationalheros von Kypros Kinyras wurde die Entdeckung des Kupfer- und Eisenerzes, sowie die Erfindung des Amboßes, des Hammers, des Hebels und der Zange zugeschrieben (Strab. III 163. XIV 684. Plin. VII 195. XXXIV 2). Die kupferreiche Insel führte den Beinamen aerosa, χαλκὸς κύπριος (aes cyprium) genoß Weltruf. Die ansehnlichsten Kupfergruben waren zu Tamasos (heute Poeliticon), Anathas, Soloi, Kurion, Krommyon. Die beiden letztgenannten Orte waren Stapelplätze für die Ausfuhr. Die Kupfer- und Eisenerze scheinen in der Nähe ihrer Fundstätten geschmolzen worden zu sein, wie aus den Schlackenansammlungen geschlossen wird. Mit Ausnahme des Eisenbergbaus von Soloi werden die alten Bergwerke nur Tagebaue gewesen sein. Die nach Europa gebrachten Proben von Schlacken haben nur Spuren von Kupfer gezeigt. Diese völlige Ausbringung des Metalls läßt eine gute empirische Kenntnis der Metallurgie annehmen. Das verbreitetste Kupfererz auf Kypern war Schwefelkupfer oder Kupferkies χαλκίτης (Arist. de lap. V 19), von dem noch jetzt in den Gebirgen hinter Paphos Erze gefunden werden. Schon die alten Inselbewohner verstanden aus Galmey καδμεία, das auf der Insel angetroffen wird, und aus Kupfer Messing ὀρείχαλκος aurichalcum, orichalcum herzustellen. Plinius (XXXIV 2 und 4) sieht darin nicht eine Legierung, sondern ein aes naturale (s. Blümner IV 193ff.). Auch Kupfervitriol χαλκάνθη wurde von den alten Bewohnern Kyperns bereits gewonnen. Die bei Paphos und Soloi gefundenen Eisenerze waren Rot- und Brauneisenstein, mit denen Eisenocker häufig vergesellschaftet ist. Die Silber- und Bleigewinnung war bedeutungslos. Die neuerdings wieder aufgenommenen antiken Kupferbergwerke gehören außer der phoinikischen Periode auch [116] der späteren römischen Zeit an (Unger und Kotschy Cypern). Nach Kypros haben die Phoiniker die auch noch zu Asien gehörende Insel Rhodos, die erste Etappe auf dem Wege nach Europa, besetzt. Daß vermutlich auch hier Eisen gewonnen wurde, dürfte aus der Verbreitung der Sage von den Telchinen hervorgehen, denen man, wie auf Kypros, so auch auf Rhodos die Erfindung des Eisens zuschrieb (Strab. XIV p. 654. Clem. Alex. strom. I 16, 75 p. 362. Euseb. praep. evang. X 6, 5 p. 475 bei Blümner IV 73).

Von den griechischen Inseln wurde Siphnos in alter Zeit schon wegen seiner Gold- und Silberbergwerke rühmend erwähnt (Herod. III 57. Paus. XI 2). Das später erfolgte Ersäufen der Grubenanlagen, die durch das Anschwellen des nahen Meeres, über dessen Spiegel sie sich nur wenig erhoben, verursacht war, sah man als ein Zeichen des beleidigten Gottes Apollon auf Delos an, dem die Siphnier den Zehnten zu schicken unterlassen hatten. In Rücksicht darauf, daß in der älteren Zeit das Gold in Griechenland selten anzutreffen war (Herod. I 69. Athen. VI 232 b), ist Neumann (Geogr. Griechenl. 223) geneigt, die Angaben Herodots von dem Goldreichtum der Insel Siphnos in Zweifel zu ziehen. Dem widerspricht Blümner (IV 19) wenigstens für die ältere Zeit mit dem Hinweis, daß Siphnos noch 100 Jahre nach Herodot einen im Verhältnis zu seiner Größe bedeutenden Tribut jährlich an Athen gezahlt habe (Böckh Staatshaush. II 618). Von dem früheren Reichtum der Syphnier berichten auch spätere Grammatiker (Eustath. ad Dionys. perieg. 525. Suid. s. Σίφνιοι. Dieser letztere gedenkt auch der Bergarbeiterwohnungen. Vgl. Blümner 18, 4). Versuchsstollen und -Schächte, die in späterer Zeit angelegt worden sind, haben augenscheinlich zu keinem Ergebnis geführt (Fiedler Reise durch Griechenl. II 136ff.). Ein ansehnliches Lager von Rot- und Spateisenstein hat die Alten nur da zum Abbau gereizt, wo sie zu Goldlagern zu gelangen hofften (Neumann 225). – Reichlicher als auf Siphnos waren die Erträge aus den schon von den Phoinikern betriebenen Goldbergwerken auf der Insel Thasos zwischen den Orten Ainyra und Koinyra, sowie an der Samothrake gegenüberliegenden Küste Thrakiens (Herod. VI 46 und 47). Den größten Gewinn erzielten die bei Skapte Hyle auf dem thrakischen Festlande gelegenen Goldgruben. In der ältesten Zeit von den Phoinikern abgebaut, gingen sie später in den Besitz der Thasier über, die ihrerseits die wertvollen Gruben im 5. Jhdt. an die Athener verloren. Diese sollen aus ihnen einen jährlichen Ertrag von 800 Talenten gehabt haben (Herod. VI 46). Das Gold wurde zur Herstellung der Kunstwerke des Perikleischen Zeitalters verwendet (Luki. Sacr. 11). Groß war der Goldreichtum der thasischen Kolonie Daton (Herod. IX 75. Strab. VII frg. 33 p. 331) und des an einer steilen Stelle des Pangaiosgebirges von den Thasiern angelegten Städtchens Krenides (Diod. XVI 3, 8. Appian. bell. civ. IV 105. Strab. VII p. 331. Steph. Byz. s. Φιλίπποι p. 698). An Stelle dieses kleinen Ortes legte Philipp von Makedonien die schöne und durch die nahen Goldbergwerke wichtige Stadt [117] Philippi an. Durch die von ihm verbesserte Methode soll der König jährlich tausend Talente Goldes gewonnen haben (Diod. XVI 3, 8. Ps.-Aristot. mirab. ausc. 42 p. 833 A 28. Plin. XXXVII 57). In der Nähe von Philippi, zwischen Strymon und Nestos, dehnte sich das rauhe Pangaiosgebirge aus, welches ergiebige Gold- und Silbergruben aufwies (Herod. VII 112. 113. Appian. bell. civ. IV 106. Strab. XIV p. 680. VII frg. 34 p. 331. Clem. Alex. strom. I 16, 75 p. 363 P.). Goldsand führte der Hebros (jetzt Maritza), Thrakiens Hauptfluß (Strab. VII frg. 34. Plin. XXXIII 66). In Makedonien wurde am Fuße des Bermiosgebirges und in Pierien in den Gebirgen auf beiden Seiten des unteren Strymon bis nach Paionien hin von den Königen B. auf Gold und Silber betrieben. Die starke Silberprägung in diesen Gegenden beweist, daß die dortigen Bergwerke schon seit der ersten Hälfte des 6. Jhdts. Ertrag gegeben haben. Nach Eroberung des Landes durch die Römer wurden die Gruben zunächst geschlossen, seit 158 v. Chr. aber wieder in Betrieb genommen (Liv. XLV 18. Diod. XXXI 18). – Von Silberbergwerken waren, abgesehen von denjenigen Iberiens, im Altertum keine so bekannt wie die attischen im Gebirge von Laurion (s. d.), nördlich vom Vorgebirge Sunion. Das Bergwerksgebiet erstreckte sich auf der Bodenanschwellung, die den Südosten Attikas bis zum Meere hin ausfüllt. Das metallhaltende Gebiet umfaßte einen Flächeninhalt von ungefähr 20 000 Hektaren. Das Silber wurde aus silberhaltigem Bleiglanz ἀργυρίτης γῆ, ἀργυρῖτις, ὀρυκτὸν μολύβδου, das den Glimmer in Adern durchzieht, gewonnen. Weiterhin tritt das Erz auch als Bleiglanz in Massen, genannt Butzen oder Nieren, auf, die in Lagen von Spateisenstein eingeschlossen sind. Schließlich tritt das Erz auch in dünnen Schnüren auf. Das Erz der Silbergruben von Laurion ist schon seit frühester Zeit abgebaut worden (Xen. v. d. Eink. IV 2). In dieser ältesten Zeit wurde das Edelmetall auch durch Tagbau aus zutage ausgehenden Erzlagern gewonnen. Noch findet man Spuren von Arbeiten an der Oberfläche, die ohne ein tieferes Eindringen in die Erde ausgeführt waren. Später erfolgte der Abbau der Lager wohl nur durch unterirdische Grubenanlagen. Die noch erhaltenen 2000 brunnenartigen Schächte gewähren trotz der Veränderungen, die viele von ihnen durch den modernen Bergbau erfahren haben, ein ziemlich genaues Bild von der Einrichtung des antiken Grubenbaus. – Kupferbergwerke besaß Griechenland auf Delos und bei Chalkis auf Eretria. Wie die Silberbergwerke Laurions zu Strabons Zeit (1. Jhdt. n. Chr.) bereits abgebaut waren (Strab. IX p. 399), so auch die genannten Kupfergruben (Strab. X p. 447. Plin. IV 64. Steph. Byz. s. Χαλκίς). Die Annahme, daß auf dem Festlande in den Bergen zwischen Argos und Korinth Kupfererze gewonnen worden seien (Müller Dorier 72. Curtius Peloponnesos II 338. 483), wird von Neumann (229, 3) als haltlos zurückgewiesen. – Den größten Reichtum besaß Griechenland an Eisenerzen, die indessen meist nicht gewonnen wurden, einmal weil man an denselben Stellen nur auf Edelmetalle mutete, oder weil es bereits damals [118] an dem zum Schmelzen erforderlichen Brennmatrial fehlte. Von größter Bedeutung waren für Sparta die Eisenerze der Lakonien umgebenden Gebirge. Auf Eisen wurde Grubenbau im Taygetos getrieben. Dort kamen bedeutende Erzlager vor. Daß an der lakonischen Küste schon von den Phoinikern Eisenerze gewonnen und verarbeitet wurden, wird aus dem Namen des Vorgebirges Tainaron geschlossen, der semitischer Herkunft sei: hebr. tannûr, am. tanúra = fornax, clibanus (Lewy Die sem. Fremdwörter im Griech. bei O. Schrader Reall.). Namhafte Eisenerzgruben gab es auf Euboia in der Nähe von Chalkis. Auch bei Aidepsos sollen Eisensteingruben betrieben worden sein (Strab. X p. 447. Steph. Byz. s. Αἴδηψος), deren Erze zur Zeit Strabons bereits erschöpft waren (die Angabe wird bezweifelt von Baumeister Topogr. Skizze der Insel Euboia 1864, 61, bei Blümner IV 991. Magneteisenstein fand sich in Boiotien (Plin. XXXVI 128). Sehr reich ist das Laurion-Gebiet an Eisenerzen, die vornehmlich aus Brauneisenstein bestehen, doch sind sie, wie es scheint, von den Alten nicht benutzt worden, deren Blicke nur auf den silberhaltigen Bleiglanz gerichtet waren. Von den Kykladen war Andros mit reichen Eisenerzlagern ausgestattet, die im Altertum abgebaut wurden. Syros besitzt außer Magneteisen Roteisenerz, Eisenspat und Eisenocker. Eine Schicht Roteisenerz nördlich der Stadt ist bereits von den Alten abgebaut. Auch auf Keos haben sie zur Gewinnung von Rot- und Brauneisenerz südöstlich von Kalamo nach allen Richtungen hin Stollen in das Gebirge eingetrieben. Noch ausgedehnter wurde Grubenbau auf Kythnos betrieben, wo man sich bei dem Reichtum der Erzlager auf den Abbau der leicht schmelzbaren Roteisenerze durch Tagbau beschränkte. Alle Inseln übertraf Seriphos (heute Serpho) durch seine ebenso wertvollen wie ausgedehnten Erzlager. Am Hafen von Megalo Livathi liegen die großartigsten Baue, welche die Alten auf Eisenerz betrieben haben. Mächtige Lagen Eisenspats wechseln oder durchkreuzen sich mit solchen von Roteisenerz. Dabei waren die Erze unschwer zu verarbeiten und zu schmelzen. Trotz der reichen Ausbeute der Alten sollen dort noch für Jahrtausende reichende Eisenerzlager vorhanden sein. Der Mangel an dem erforderlichen Brennstoff für die Verhüttung hat den Versuch, in der Neuzeit auf Seriphos eine blühende Eisenindustrie zu schaffen, zum Scheitern gebracht (Tournefort Voyage I 214. Fiedler Reise durch alle Teile des Königreichs Griechenland, 2 Bde., 1841. Ross Inselreisen bei Neumann-Partsch 229ff.). Die Eisenerze von Siphnos scheinen die Alten, denen es wohl nur auf das Gold ankam, nicht gewonnen zu haben (Fiedler II 137). Auf der Insel Melos (heute Milo), die im Altertum die eiserne Σιδεροιώννης hieß, hat Tournefort außer Schwefel- auch Eisengruben gefunden (Reitemeier 65. Dem widerspricht freilich Fiedler, der auf Melos kein Eisen gesehen hat und daher den Beinamen Σιδεροιώννης auf das harte Leben der Inselbewohner bezieht. S. Blümner IV 76, 6). Aus der Verbreitung der Telchinensage auf Kreta glaubt man schließen zu dürfen, daß im Altertum auf dieser Insel Eisen-B. betrieben [119] worden sei, der aus der phoinikischen Zeit stamme, neuere Forschungen haben indessen diese Angaben als grundlos zurückgewiesen. Danach ist Kreta arm an Erzen, vor allem besitzt es kein Eisen (Hoeck Kreta I 40). In Nordgriechenland ist Eisen-B. nachweisbar nur in Makedonien und Dalmatien (Liv. XLV 29. Tot. orb. descr. 51. 53 = GGM II 523f.). Dalmatiens Hauptstadt Salona wird auch wegen des in ihrer Nähe gewonnenen Goldes von Martial X 78, 5 gerühmt (vgl. Plin. XXX 4, 21). Neuere Reisende haben dort keine Spuren von Gold mehr zu entdecken vermocht.

Die italische Halbinsel ist nicht mit metallischen Schätzen ausgestattet. Der Apennin besitzt überhaupt keine Erze. Im Süden bargen die Berge Bruttiums im Altertums Silber und Kupfer. Die Schutthalden zeigen noch heute, daß die dortigen Gruben in alter Zeit eifrig ausgebeutet wurden, doch müssen die besten Gänge schon frühzeitig erschöpft gewesen sein. Von dem Silber, das dem heutigen Städtchen San Marco ehedem den Namen Argentanum gab, ist eine Spur nicht mehr zu finden, und die Kupfergruben, die das alte Temesa, jetzt Malvito, bereicherten, sind längst eingegangen. Im Gegensatze zu dem metallarmen Apennin zeigte das sich bis zum Mons Argentarius (Monte Argentorio) erstreckende Toskanische Erzgebirge, die catena metallifera, auch Antiapennin genannt, einen Metallreichtum, der in keinem anderen Teil des italischen Festlandes auch nur annähernd zu finden war. Vor allem scheint Eisen gewonnen worden zu sein, und zwar in einer solchen Fülle, daß die Ausfuhr eine bedeutende war. Spuren alter Eisensteingruben aus dem Altertum haben sich gefunden bei Caldana in der Maremma bei Massa, zwischen dem alten Populonia und Rusellae. Weit ergiebiger aber als die festländischen Eisengruben waren die der Insel Elba (Ilva [s. o. Bd. IX S. 1090], von den Griechen Αἰθαλία, auch Αἰθάλη [nach dem schwarzen Rauch und der Menge des Rußes αἴθαλος] benannt). Vergil (Aen. X 178) nennt die Insel die Erzeugerin unerschöpflichen Chalybermetalles (s. auch Rutil. Itin. I 351). Da auf dem nicht waldreichen Eiland die Erze nicht geschmolzen werden konnten – hier und da aufgefundene Schlackenhaufen zeigen freilich, daß sie zum Teil auch auf der Insel verhüttet wurden –, so wurden sie nach dem gegenüberliegenden Populonia (auch Populonium, Ποπλώνιον Varro bei Serv. Aen. 1174. Strab. V 223. Liv. XXVIII 45) zum Ausschmelzen befördert. Bei Populonia befindet sich ein Berg alter Eisenschlacken von mehr als 600 m Länge und etwa 2 m Höhe, der nur in einem sehr langen Zeitraum entstanden sein kann (Simonin De l’exploitation des mines et de la métallurgie en Toscane. Gurlt Die Eisen- und Stahlgewinnung bei den Römern, bei Beck I 476). Noch heute besitzt Elba Reichtum an Eisenerzen, die jetzt in Tagbau gewonnen werden, während die Alten sie aus Grubenbauen förderten. An mehreren Stellen der Ostküste der Insel treten mächtige Eisenerzgänge zutage. Am östlichen Abhange des Monte di Santa Catterina steigt ein ganzer Berg von Eisen nackt und schroff mehrere hundert Fuß hoch aus dem [120] Meere. An ihm haut und hammert der Mensch schon länger als drei Jahrtausende. Noch steht dieser Eisenberg so unerschöpflich wie zu Vergils Zeit. ‚Seine Reben, die den herrlichsten Wein, den berühmten Aleatico liefern, seine Feigenbäume und Opuntien wurzeln in Eisen, an seinem Fuße brechen sich mit schneeweißem Schaume auf schwarzem Eisensande die Wellen, und scheint die Sonne auf die blitzenden Eisenfelsen, vermag kein Auge den zurückstrahlenden Glanz des funkelnden Berges zu ertragen‘ (v. Martens Italien I 148). Die gegenwärtige Jahresförderung beläuft sich auf rund 3 Millionen Zentner. Die fast ausschließlich im Tagebau gewonnenen Erze werden längs der italienischen Küste und auf Korsika verhüttet. Sie haben einen schönen stahlblauen Eisenglanz, die besten heißen Ferrata (Eisen) und Lucciola (Glanz), sie geben 80 v. H. reines Eisen. – Nach der Überlieferung soll auf Elba in der ältesten Zeit nicht Eisen, sondern Kupfer gewonnen worden sein. Tatsächlich haben sich Spuren alter Kupferbergwerke gefunden. Auf dem gegenüberliegenden Festlande gab es Kupfergruben bei Volaterrae, Populonia, Vetulonia, Rusellae. Die reichste Ausbeute lieferten die Kupferbergwerke in der Nähe des heutigen Campiglia und Massa. Bei Campiglia Maritima, nahe dem alten Populonia, sind 1877 reiche Zinnlager entdeckt, die nach den gefundenen Spuren bereits im Altertum ausgebeutet wurden. Danach würden die Etrusker, deren Bronzearbeiten im Altertum einen hohen Ruf genossen, die beiden Metalle der Bronze im eigenen Lande gewonnen haben. Auch Silbergruben gab es auf der Landzunge von Populonia. Das dort gewonnene Edelmetall ermöglichte die Prägung von Silbermünzen bereits im 6. Jhdt. v. Chr. Zu Strabons Zeit waren die Bergwerke von Populonia bereits verlassen. Nachdem Rom in den Besitz der sardinischen und spanischen Gruben gelangt war, wurde der etruskische B., der nicht mehr die aufgewendeten Kosten lohnte, aufgegeben. Die metallreichsten Gebirge Italiens besaß Sardinien. Hier hatten die Etrusker vielleicht schon in früher Zeit Silber-B. betrieben (Solin. IV 3 p. 517. Sid. Apoll. V 49. Schol. Plat. Tim. p. 421). Spuren altrömischer Bergwerke sind an vielen Orten gefunden. Sie waren später verfallen und aufgegeben. Erst in neuerer Zeit hat man, begünstigt durch die großen Waldungen und guten Häfen der Insel, den B. wieder aufgenommen. An der Nordwestseite Sardiniens hat die Argentiera, ein Vorgebirge der Sturrakette, großartige Spuren alter Bergwerke auf im Talkschiefer streichende Gänge von silberhaltigem Bleiglanze aufgewiesen, in dem auch Spießglanz, Zink und Eisen vorkommen (v. Martens I 150). Der Name Porto Ferro weist auf Eisengewinnung hin.

Die Schätze des Mineralreiches der iberischen Halbinsel (s. o. Bd. VIII S. 2004), welche frühzeitig die Phoiniker angelockt, später die Karthager und dann die Römer zur Besitznahme des Landes veranlaßt haben, sind von den Schriftstellern des Altertums zum Teil in überschwenglicher Weise geschildert worden. Poseidonios (bei Strab. III 147) berichtet, bei einem Waldbrande sei das Silber und Gold in der Erde geschmolzen [121] und durch Sieden an die Oberfläche gekommen, so daß jedes Gebirge und jeder Hügel Gold berge. Die Karthager, welche unter Hamilkar Barkas nach Spanien zogen, hätten bei den am Baetis (Guadalquivir) wohnenden Turdetanern silberne Krippen und Fässer im Gebrauch vorgefunden (Strab. III p. 151). Sie selbst hätten aus den spanischen Gruben so ungeheuere Mengen Silber gewonnen, daß sie die bleiernen Anker durch silberne ersetzen konnten (Ps.-Arist. mir. ausc. 135 p. 844 A 17. Diod. V 36). Sehr große Summen wurden in den J. 208–170 v. Chr. von den in Spanien wirkenden römischen Feldherren in den Staatsschatz niedergelegt (Liv. XXXIV 21 sagt von dem älteren Cato: magna vectigalia instituit ex ferrariis argentariisque). Die reichsten Erträge lieferten, wie bereits in phoinikischer Zeit, so auch später unter den Römern, die Bergwerke von Neukarthago in dem gegen Südwesten an die Küste tretenden Gebirge. Der tägliche Gewinn aus diesen Gruben, bei denen zur Zeit des Polybius 40 000 Arbeiter tätig waren, belief sich auf 25 000 Drachmen oder Denare (Strab. III p. 148. Diod. V 36). Die anfangs in staatlichem Betriebe stehenden Bergwerke wurden später gegen eine hohe Abgabe an reiche Privatleute abgegeben, die, wie Crassus, ihren Reichtum beträchtlich vergrößern konnten (Plut. Crass. 2). Silberreich waren auch die Gebirge von Asturien und Galläcien, die Umgebung der am Südfuße der Pyrenäen gelegenen Stadt Osca und die heutige Sierra Morena, wie aus den zahlreich erhaltenen Silbermünzen von Castulo geschlossen wird. Auch das zwischen Tagus (Tajo) und Anas (Guadiana) gelegene Gebirgsland im westlichen Spanien besaß Silbergruben (Strab. III p. 147 nach Poseidonios). Bei dem im J. 178 n. Chr. über die unterworfenen Keltiberer gefeierten Triumphe führte Tiberius Sempronius Gracchus, der Vater des gleichnamigen Tribunen, 40 000 Pf. Silber, L. Postumius Albinus 20 000 Pf. auf (Liv. XLI 7). An der Küste des Mittelländischen Meeres enthielten die Gruben von Carteia (das alte, wegen seines Silberreichtums gepriesene Tartessos, Liv. XXVIII 3) und der Küstenstrich von Calpe bis Neukarthago Silber (Strab. III 156). Über das Silber in Hispania Tarraconensis berichtet auch Plinius (IV 112). Noch fand sich Silber, sowie Weißgold (ἀργυρομιγής) und Zinn im Lande der Artabrer (Poseidonios bei Strab. III p. 147. 154), Silber und Blei bei den Cantabrern (Plin. XXXIV 158), Blei und Silber in Baetica bei Ilipa und Sisapo (Strab. III p. 142), am letzteren Orte auch Quecksilber (Cic. Phil. II 19. Plin. XXXIII 118), das in Rom zu Zinnober verarbeitet wurde (Vitruv. IX 4). Auch über den Goldreichtum der iberischen Halbinsel ergehen sich die Schriftsteller eingehend (Polyb. III 57, 3. Strab. III p. 154. Plin. XXXIII 66. Sil. Ital. XVI 251. Claud. I 51). Es wurde aus dem Goldsande der Flüsse, namentlich des Tagus und seiner Nebenflüsse (Catull. 29, 19. Ovid. am. I 15, 34; met. II 251. Plin. IV 115. XXXIII 66. Mart. X 16, 3. Mela III 1), sowie des Durius (Sil. Ital. I 234) gewonnen, und aus Golderzen in Asturien, Galläcien, dem Lande der Artabrer (Plin. XXXIII 78), Lusitanien (Iust. XLIV 3, 5), Turdetanien [122] (Strab. III p. 146), bei Corduba (Sil. Ital. III 401) und Cotinae (Strab. III p. 142). – Auch über Eisenerze geboten die Spanier (Plin. III 30. Mela II 6. Solin. 23, 2 p. 116 Momm. Iust. XLIV 3), die sich auf die Verarbeitung des Eisens, besonders eiserner Waffen, vortrefflich verstanden (Plin. XXXIV 144). Zinnlager fanden sich in Lusitanien und Galläcien (Strab. III 147. Diod. V 38. Plin. XXX 156. IV 112). Spanisches Blei erwähnt Plinius (III 30. XXXIV 164) und Mela (II 6). Als bleireich wird das Gebiet der Cantabrer genannt (Plin. IV 112. XXXIV 158), sowie Baetica (Plin. XXXIV 165). Spanisches Quecksilber (ἀργυρὸς χυτός, ὑδράργυρος, argentum vivum, auch hydroargyrum) wird öfter genannt (Aristot. de an. I 3 p. 406 B 19. Theophr. de lap. 60. Diosc. V 110. Gal. Vol. XIII p. 270 K. Plin. XXXIII 19. Vitruv. VII 8).

Die Kelten des Polandes waren wegen ihres Goldreichtums bekannt. Nach der Eroberung von Gallia cisalpina konnten die Römer vorübergehend Goldmünzen prägen. Goldsand führte der Po und seine den Alpen entströmenden Nebenflüsse (Strab. IV 208. Plin. XXXIII 66), besonders die Duria (Dora Baltea, Strab. IV 205). Goldbergwerke wurden betrieben bei Padua, Vercellae und Ictumolon, einem Dorfe bei Placentia (Strab. V 218. Plin. XXXIII 78). Der Goldreichtum des Tauriskerlandes veranlaßte die Römer im J. 115 v. Chr. zu einem Feldzug gegen dieses Alpenvolk. In der Nähe des heutigen Klagenfurt fand sich kaum 1 m unter der Erdoberfläche eine goldführende Schicht in der Mächtigkeit von 4 bis 5 m mit Körnern von Bohnengröße aus fast gediegenem Golde. Infolge dieses großen Gewinnes sank in ganz Italien der Preis des Goldes um ein Drittel. Goldreicher als die südlichen Alpenflüsse waren die nach Norden fließenden, besonders der Rhein. Erst diese Goldschätze ermöglichten zu Caesars Zeit eine umfangreichere Goldprägung. Zu den geschätzten Mineralien der Alpen gehörten vor allem auch die Eisenerze, die in den Hochtälern Steiermarks und Kärntens gewonnen wurden. Noricum, das heutige Kärnten, lieferte Rom das Kriegsmaterial. – Weit reicher als die Alpenländer war Gallien an Metallschätzen. Seifen = Waschgold und Berggold waren hier in solcher Fülle vorhanden, daß Goldschmuck bei Männern und Frauen nicht selten anzutreffen war (Diod. V 27. Plin. XXXIII 14). Strabon erwähnt die Goldgruben im Lande der Tektosagen (IV 187), der Tarbeller (IV 190), in den Cevennen und am Nordabhange der Pyrenäen (IV 146). Seltener als Gold fanden sich Silber und Kupfer in Gallien. Kupfergruben im Lande der Centronen (Westalpen) erwähnt Plinius (XXXIV 3), Kupfergruben im Besitze des mit Augustus befreundeten Sallustius und Kupferminen der Kaiserin Livia nennt Strabon (IV 191). Zinngruben aus alter Zeit sind im Departement Loire inférieure, in Morbihan und Limousin gefunden worden. Ohne Zweifel war doch die Gewinnung des Eisens in Gallien am bedeutendsten, wenn auch die Berichte der Schriftsteller hierüber nur spärlich fließen. Die Reste alter Schmelzöfen und Schmiedestätten in vielen Gegenden Frankreichs sind redende Zeugen von der metallurgischen Wirksamkeit der alten Gallier. [123] Von der Bedeutung des gallischen B., über dessen Alter freilich bestimmte Angaben fehlen, zeugt, daß die gemeinkeltische Bezeichnung des rohen Metalls (ir. méin, meinn, mianach, kymr. mwyn) in der Bedeutung von Schacht, Erzgrube, unterirdischer Gang (frz. mine, ital., prov., span., port. mina) in die romanischen Sprachen übergegangen ist. Von demselben Stamme ist auch das Verbum (ital. minare, prov. minar, frz. miner, span., port. minar), einen Schacht, Stollen graben, untergraben, abzuleiten, ebenso wie prov. mi-, meniera, frz. minière, altspan. minera, port. mineira, Bergwerk, und ital. minerale, prov. mineral, frz. minéral und minerai, span., port. mineral, Erz (Körting s. v.). Die Einrichtungen zur Gewinnung der Eisenerze bei den Biturigern an der Loire waren technisch so vollkommen, daß die Römer manches von diesen Kelten lernten (Caes. bell. Gall. VII 22. Diod. V 27. Strab. IV p. 191). Bei den Belagerungen der Städte fanden die Bergarbeiter, welche die unterirdischen Minen cuniculi anzulegen hatten, gute Verwendung. Das lat. cuniculus (cuniclus, conicula), das, und zwar in griechischer Form, zuerst bei Polybius auftritt, wurde schon von den Alten als iberisch erklärt (Schrader Reallex. unter Kaninchen). Außer den Biturigern haben auch die Petrocorii (Caes. bell. Gall. VII 75. Strab. IV p. 190. Ptolem. II 7, 12), im heutigen Périgord, ergiebige Eisengruben besessen. – Weitaus das meiste Zinn lieferte im Altertum der Südwesten Britanniens, das Gebiet der alten Dumnonii (Caes. bell. Gall. V 12), das heutige Cornwallis und Devonshire, wo noch heute großer Reichtum an Zinn vorhanden ist. Die Kassiteriden oder Zinninseln (Herod. III 115), aus denen die Phoiniker Zinn und Blei holten, wurden in römischer Zeit fälschlich mit den Scillyinseln identifiziert, die aber keine Erzgruben besitzen. Später sah man in ihnen die Insel Ictis (Wight), die aber nur der Ausfuhrplatz für das Zinn war, das nach Diodor (V 22) die Briten von der Küste auf ihren mit Fellen überzogenen Booten aus Weidengeflecht oder auf Karren über den durch die Ebbe trocken gelegten Meeresarm hinüberbrachten. Jetzt sieht man in den Kassiteriden überhaupt Britannien. Der Abbau der ergiebigen britischen Bleigruben, in denen auch Silber gewonnen wurde (Strab. IV p. 199. Tacit. Agric. 12), erfolgte seitens der Römer unmittelbar nach der Eroberung durch Claudius. In der Kaiserzeit gab es in Britannien auch Goldbergwerke, die sich in kaiserlichem Besitze befanden (Strab. und Tac. an eben erwähnter Stelle). Über in England gefundene Silberbarren mit Inschriften s. Hübner (CIL VII 220). Auch Eisen wurde in Britannien gewonnen (Caes. bell. Gall. V 12. Strab. IV 199). Spuren alter Eisengewinnung sind an zahlreichen Stellen gefunden worden.

Östlich des Rheins und nördlich der Donau scheinen sichere Spuren vorgeschichtlichen B. zu fehlen (Tac. Germ. 5). Nur im Osten des Erdteils, an den vorderen Abhängen der Karpathen, war den Römern ein keltisches Volk, die Cotini, bekannt, das Eisengruben besaß (Tac. Germ. 43). Im Lande der Mattiaker hatte im 1. Jhdt. n. Chr. ein gewisser Curtius Rufus auf Silber geschürft; bei dem geringen Ergebnis wurden aber die Arbeiten [124] bald wieder eingestellt (Tac. ann. XI 20). Spuren römischen Eisen-B. haben sich an der oberen Ruhr und Sieg, an der unteren Lahn und bei der Saalburg, in deren Nähe eine Schmelzstätte ausgegraben ist, gefunden (Beck I 514ff.). In den Gegenden an der unteren Donau, in Dacien und Mösien, waren den Römern Goldbergwerke bekannt, die noch heute im Betriebe sind. Später Eigentum des römischen Fiskus, unterstanden sie einem procurator aurariorum.

Technik des Bergbaus.

Tage- und Grubenbau. Der älteste B. hat sich naturgemäß zunächst nur auf die Gewinnung der zutage ausgehenden Erzlager im Tagebaue erstreckt. Erst nach dem Abbau der an der Oberfläche gefundenen Erze hat sich der Mensch der mühevollen unterirdischen Grubenarbeit zugewandt, um auch die in der Tiefe der Erde verborgenen Schätze in seinen Besitz zu bringen. Mit ganz unzureichenden Werkzeugen aus Holz, Horn und Stein sind bereits vor Jahrtausenden in vorgeschichtlicher Zeit Schächte und Stollen gebaut, die noch rauh und uneben, in Richtung, Höhe und Breite wechselnd waren. Zum Hereingewinnen des harten Gesteins geschah das Feuersetzen. Dieses Mittel, welches den Zweck hatte, die Gesteine mürbe zu brennen, ist noch bis in neuere Zeit gebraucht worden. Man trieb am Feuer völlig getrocknete Keile aus Hartholz dicht nebeneinander in Risse oder Spalten und goß dann Wasser darauf. Durch das Wasser quollen die Keile und sprengten dann Gesteinsteile ab. So ist auf dem Mitterberge (Salzburg) die einheimische germanische Bevölkerung über und unter Tage den Kupferadern nachgegangen, so sind am Rande der Gletscher der Gasteiner und Rauriser Berge schon vor Ankunft der Römer Goldschätze aus der Erde geholt. – Soweit es sich ermöglichen ließ, haben die Völker des Altertums es vorgezogen, durch Tagebau die Erze aus den Lagerstätten zu gewinnen. Der Landesfürst, der gewöhnlich der Bergherr war, konnte so große Mengen ungelernter Sklaven, die, soweit sie aus den Reihen der Kriegsgefangenen genommen waren, billige Arbeitskräfte waren, aufs beste verwenden. Solche Tagbaue waren einige Goldgewinnungsstätten der Ägypter, die Goldseifenbaue der Phoiniker und Griechen auf Thasos, die Kupfer- und Eisenbergwerke der Phoiniker und Römer auf Kypros, in ältester Zeit auch die Silberminen in Attika, die Silber-, Kupfer-, Blei- und Eisenbergwerke der Etrusker zu Campiglia und am Monte Catini, vornehmlich die großen Eisenbergwerke auf Ilva (Elba) und die goldhaltigen Lagerstätten des nordwestlichen Spanien. Ein anschauliches Bild von dem Tagebaue eines ägyptischen Goldbergwerkes geben zwei aus der Zeit Sethos I. und Ramses II. herrührende, jetzt in der Bibliothek zu Turin befindliche Grubenrisse (Erman Ägypten und ägyptisches Leben im Altertum II 619). Für den Abbau unterirdisch anstehender Erzlager wurden brunnenartige Förderschächte (φρέατα, putei) abgeteuft, bis man an die Lagerstätte gelangte, sodann ging man den erzführenden Gebirgsschichten oder Gängen so lange nach, als diese sich als abbaufähig erwiesen. War das Erzlager ausgebeutet, so wurde in Laurion in der Regel die Grube aufgelassen [125] und man nahm eine neue καινοτομία in Angriff. Hieraus erklärt sich die große Zahl (über 2000) der dort erhaltenen Schächte. Selten wurde mit dem Schachte das Nebengestein durchbrochen oder die Lagerstätte in verschiedene Sohlen geteilt. Der Querschnitt der Schächte war bei den Ägyptern und Griechen viereckig, bei den Etruskern und Römern meist rechteckig, selten rund oder elliptisch. Die Schächte der ägyptischen Bergwerke sind so wenig erhalten, daß es nicht möglich ist, sich ein genaues Bild von ihnen zu machen. Wohl aber kann man aus guterhaltenen Brunnenschächten, wie aus dem bei Kairo gelegenen Josefsbrunnen, dessen Anlage in die älteste Zeit ägyptischer Geschichte hinaufreicht, ersehen, wie die Ägypter die Technik des Schachtbaues frühzeitig beherrscht haben. Auf Kypern, wo Bergwerksanlagen aus phoinikischer und römischer Zeit freigelegt sind, finden sich Schächte mit ausgehauenen, bis an die Oberfläche führenden Stufen. Für die Ventilation war durch Luftschächte gesorgt. Die Stollen zeigen einen gewundenen, unregelmäßigen Verlauf. Die Gänge sind so hoch, daß ein mittelgroßer Mann sie in gebückter Stellung durchschreiten kann. – Ein verhältnismäßig gutes Bild aller Grubenanlagen gewähren die Überreste der Silberbergwerke in Laurion, obwohl durch den in neuerer Zeit wieder aufgenommenen Betrieb manche Schächte zerstört oder umgestaltet worden sind. Die in rechteckigem Querschnitt abgeteuften Schächte haben einen Durchschnitt von 1,25 : 1,4–1,5 : 1,9 qm. Sehr alte Schächte bei Kamáresa und einige tonnlägige Schächte sind halbkreisartig abgeteuft, ihr Durchmesser ist 1,9–2 m. Diese alten Schächte sind, wie noch andere, nicht saiger (lotrecht), sondern haben eine Achsenabweichung von 10°. Schachtmündung und Sohle decken sich also nicht völlig. Die späteren Schächte sind fast durchgängig lotrecht in den Boden getrieben. Die Teufe ist verschieden. Die tiefsten gehen bis 111 m, die im Tale Berséko auf 15–45, die in Kamáresa auf 25–55, die im östlichen Gebiete von Therikos und Ergastiria auf 10–35 m. Die Strecken beginnen in der Tiefe von 10–25 m. Die saigern Schächte scheinen meistens mit den tonnlägigen (schiefen) in Verbindung gestanden zu haben. Einige Schächte beginnen tonnlägig, gehen dann aber nach etwa 5 m Tiefe senkrecht hinab. Da, wo zwei Schächte eng nebeneinander abgeteuft sind, diente der kürzere, der an der Sohle mit dem längeren durchschlägig gemacht war, diesem als Wetterschacht (s. Taf. I bei Binder Abb. S. 16 bei Freise). Die tonnlägigen Förderschächte haben sorgfältig ausgehauene Trittstufen, sowie Rast- und Ausweichstellen für die Fördersklaven. Rinnen und muschelartige Vertiefungen auf der Sohle sollten das aus dem Gestein hervorsickernde Wasser aufnehmen. Bei den saigeren Schächten dienten Bühnlöcher in den Stößen (Seitenwänden) zur Lagerung von Bühneneinstrichen oder als Einsatzlöcher für die zur Förderung der Erze und für die Befahrung der Bergleute notwendigen Fahrten (Leitern). Die auf das sorgfältigste hergerichteten Anlagen setzen die Kenntnis gewisser geodätischer Hilfsmittel voraus, wie Visierlineal (διόπτρα), Richtscheit und Wasserwage, [126] von denen sich Andeutungen bei Heron von Alexandrien finden (3. Jhdt. n. Chr.) (Binder 17). – Die Grubenbaue auf der Insel Samos waren so niedrig, daß die Häuer nicht in ihnen stehen konnten, sondern auf dem Rücken oder zur Seite liegend die Gesteinsarbeiten verrichten mußten (Theophr. de lapid. p. 460). – Die rechteckigen Schächte der Römer, die bei lockerem Gestein am Schachtmunde ausgemauert waren, wurden paarweise mit geringem Abstande angelegt. Die Schachtweite beträgt 1,2–2,5 m. Elliptische Schächte sind in geringer Zahl in Lusitanien (Portugal), runde mit einem Durchmesser von 8–10 m in den Pyrenäen gefunden worden. Von den alten Etruskern schon abgeteufte Schächte in Toskana am Monte Calvi u. a. O. sind auffallend groß. Bei ‚La gran Cava‘ hat ein mehr denn 100 m tiefer elliptischer Schacht einen Durchmesser von 10 : 5 m gehabt. Die sogenannten ‚blinden Schächte‘, welche die Verbindung mehrerer umeinander liegender Schächte herstellen, haben oft nur eine Weite von 0,5 m. Es ist um so weniger zu verstehen, wie ein Bergmann in ihnen hinabsteigen konnte, zumal diese Schächte oft unregelmäßig verlaufen (Freise 16). Eng und unregelmäßig waren auch Strecken und Stollen getrieben. Die durchschnittliche Höhe beträgt 3–3,5 Fuß, die Weite 2–2,2 Fuß. Die Decke ist abgerundet oder spitzbogig. Da, wo die Gänge eine starke Steigung haben, sind Stufen eingelegt. Die Stöße (Wände) sind glatt ausgehauen. Auffallend hohe Baue sind in einzelnen römischen Bergwerken gefunden: 2 m hohe Stollen in den Pyrenäen, 8 Fuß hohe Strecken in Wales, 2,5 m breite Stollen in Bosnien (Freise 17).

Die Abbauarten des antiken B. waren Strossen- und Tagebau, Strossen- und Unterwerksbau, Strossen- und Weitungsbau (Firstenbau), schließlich, bei dem Goldvorkommen der iberischen Halbinsel, Bruchbau mit folgender Schwemmarbeit. Der Strossen- und Tagebau, bei dem große Massen unfreier Arbeiter auch ohne technische Kenntnisse zu gleicher Zeit verwendet werden konnten, war überall da zu finden, wo die zutage ausgehenden Erzgänge abgebaut wurden. Durch den Weitungs- und ebenfalls Strossenbau wurden die in größerer Tiefe ruhenden Erze gewonnen. Hierbei wurde zuerst ein saigerer (lotrechter) Schacht in das Gestein abgeteuft. War das zur Ausbeutung geeignete Lager erreicht, so fuhr man längs der Berührung mit dem Nebengestein die sogenannte Feldortstrecke (ὑπόνομος, διῶρυξ, διάδυσις, ὄρυγμα, Xen. ü. d. Eink. IV 26. Diod. III 12, 5. 6. Strab. V 2. 6. XIV 5, 28. Poll. VII 98) auf, von der aus die Weiten im Erzlager seitwärts und nach oben zur Gewinnung der Erze angelegt wurden. Befand sich die Lagerstätte nur wenig unter der Feldortstrecke, so entstand ein flacher Weitungsbau, aus dem die geförderten Gesteinsmassen unschwer von Hand zu Hand fortgeschafft werden konnten. Schwieriger gestaltete sich ihre Förderung, wenn bei größerer Tiefe der Lagerstätte, wie beim Strossen- und Unterwerksbau, Stufen oder spiralförmig ansteigende Pfade angelegt werden mußten. Befand sich die Lagerstätte oberhalb der Feldortstrecke, so mußte nach oben [127] abgebaut werden. Die so entstandenen Hohlräume wurden alsdann mit Bergen, d. i. erzfreiem Gestein ausgefüllt, um ein Nachstürzen der Gesteinsmassen zu verhindern. Erstreckte sich das Erzlager weiter, als eine Weite lang war, so ließ man zunächst einen Pfeiler stehen und legte alsdann die nächste Weite an. Die Pfeiler, die auch künstlich errichtet wurden, hießen ὅρμοι, auch μεσοκρινεῖς, weil sie zugleich als Grenzscheide der einzelnen Grubenräume oder Bauabteilungen dienten (Plut. vit. dec. orat. VI p. 256. Poll. III 11. 87. VII 98. Lex. Seg. 205. 280. 286. 315. Phot. 191). Bei reicherem Gestein wurden die Bergfesten aus Mauerwerk aufgeführt, bei armem ließ man Lagerstättenmasse stehen. Derjenige, welcher noch erzhaltige Bergfesten bergmännisch angriff, hatte in Athen die schwersten Strafen, sogar die Todesstrafe zu gewärtigen. Auf Kypros sollen oft Gruben infolge fehlender Stützen eingestürzt sein (Galen. de simpl. fac. VIII c. περὶ χαλκάνθου). Gallerien mit doppelter Pfeilerordnung finden sich in Laurion nur in ganz umfangreichen Lagern. Bruchbau mit darauf folgender Schwemmarbeit kam nach Plinius (XXXIII 70ff.) bei den Goldvorkommen der iberischen Halbinsel zur Anwendung. Diese Abbauart war sehr kostspielig, verlangte zahllose Arbeitskräfte und war dabei von recht zweifelhaftem Ergebnis. Der Berg, in dem man Gold vermutete, wurde mit Stollen und Strecken durchquert, bis er völlig unterminiert war. In monatelanger Arbeit bei Lampenlicht, nach welchem die Arbeitszeit berechnet wurde, wurde das Gestein durch Feuersetzen oder mit Schlegel und Eisen bezwungen. Arbeiter, von denen der eine dem anderen die Last zuteilte, hatten die Gebirgsmassen ans Tageslicht zu befördern. Daß bei dieser Art von Arbeiten, die spanisch arrugiae hießen, viele Unglücksfälle durch Einstürzen vorkamen, ist selbstverständlich. War die Aushöhlung des Berges in der gewünschten Weise erfolgt, so wurden die stehengebliebenen Bergfesten von innen nach außen entfernt. Ein auf der Höhe des Berges stehender Wachtposten hatte die Aufgabe, das beginnende Senken des Berges zu beobachten und durch Zuruf Häuer und Handlanger zu schleunigem Verlassen des Berges zu veranlassen. Kaum war der Berg verlassen, so stürzte er in sich zusammen. Noch war durch dieses Verfahren, gegen dessen Schilderung bei Plinius manche Einwendungen erhoben werden können, das Gold nicht gefördert. Dies konnte erst durch Überflutung der Bergtrümmer mit großen Wassermengen geschehen, die auf ebenso kostspielige wie umständliche Weise beschafft werden mußten.

Gesteins- auch Gewinnungsarbeiten genannt, weil das Trennen der Gesteinsmassen aus dem natürlichen Zusammenhange auch ‚gewinnen‘ heißt. Diese Arbeiten wurden im Altertum mit Werkzeugen (Gezähen) ausgeführt, deren Formen im wesentlichen den noch heute üblichen entsprechen. Von den verschiedenen Arten der Gesteinsarbeit: Keilhauenarbeit, Hereintreibearbeit und Arbeit mit Schlegel und Eisen dürfte die letztere auf die allerältesten und primitivsten Anfänge des B. zurückgehen. Die hierzu benötigten Werkzeuge sind in Exemplaren gefunden worden, die aus der Zeit ausschließlicher [128] Steinbenutzung stammen. Harte Knochen, Geweihenden, lange und scharfkantige Steine dienten als Keile, die vermittels eines in der Faust geführten festen Steines – der Urform des Hammers – eingeschlagen wurden. Solche noch ungestielten Steinhämmer, die Spuren vielfacher Benutzung zeigen, sind bis zum Gewicht von 9,5 kg gefunden worden. Als Material für diese Hammersteine diente namentlich Nephrit und Jadeit (Diorit, Gabbro, Serpentin), auch Süßwasserquarz, Kieselschiefer und dichte Lava. Zum besseren Werkzeug wurde der geeignete Stein zurechtgeschlagen bezw. gehämmert und geschliffen. An Steinbruchbetriebe zur Gewinnung solchen Materials schlossen sich ausgedehnte Werkstätten zur Herstellung von Steinwerkzeugen aller Art an, die im Tauschverkehr über weite Länderstrecken verbreitet wurden. Der Steinzeit angehörende Werkstättenplätze wurden nicht allein in den verschiedensten Gegenden Europas (Rügen, Mitterberg, Mons, Kent, Syrakus), sondern auch am Baikalsee, in Missouri und in Mexiko festgestellt. Später wurden die Hämmer behelmt, d. h. eine festzusammengebogene Rute, die in einer am Stein angebrachten Rinne lief, wurde vermittels Lederriemen daran befestigt. Fundstücke mit Rinnen aus El Aramo und Rio Tinto sind im Museum der Bergakademie von Freiberg, dort findet sich auch ein mit Behelmung erhaltenes Exemplar aus Chile (abgebildet bei Freise Fig. 30). Ein am Oberen See (Nordamerika) gefundenes Stück wog 18 kg. Zur Aufnahme eines Holzstiels durchbohrte Fäustel scheinen gegen Ende der Steinzeit aufgekommen zu sein. Diese Hämmer zeigen ein Schaftloch, das eine nur einseitige Benutzung des Gerätes ermöglicht. Die Durchbohrung muß mit Hilfe eines Hohlzylinders, etwa eines starken Röhrenknochens oder Horns, unter den scharfer, angefeuchteter Sand gestreut wurde, bewerkstelligt sein. (Der Altertumsforscher Graf Wurmbrand erbrachte auf Grund eines von ihm aus Hirschgeweih hergestellten Apparates den Beweis der Möglichkeit der Durchbohrung von Stein ohne Anwendung von Metall [bei Freise 35].) Fundstücke von Steinhämmern mit Kernbohrung bewahrt das Provinzialmuseum von Danzig. Die Römer betrachteten gelegentlich gefundene, aus der Steinzeit herrührende Werkzeuge als vom Himmel gefallen und benutzten sie nicht zur Arbeit, sondern bei Opfern und anderen feierlichen, mit Opfern verbundenen Handlungen. Vermutlich war der im Tempel des Iuppiter Feretrius aufbewahrte Iuppiter lapis, durch den bei Abschließung eines feierlichen Bündnisses der Opfereber getötet wurde, ein Steinwerkzeug der Vorzeit. – Als an Stelle der steinernen Werkzeuge solche aus gehärtetem Kupfer und aus Bronze traten, bedeutete dieses einen wesentlichen Fortschritt für den B.-Betrieb langer Zeiträume; den zu stellenden Anforderungen vermochten allerdings erst die eisernen und stählernen Werkzeuge zu genügen. Auch die aus jenen frühen Zeiten gefundenen Metallschlegel haben bei allen B. treibenden Völkern der alten und neuen Zeit die gleichen Formen. Entweder sind sie beiderseits flach und durchweg vierkantig, so daß sie auf beiden Seiten zum Eintreiben des Keils oder zum Zerschlagen benutzt [129] werden können, oder die eine Seite ist zur Spitze ausgezogen, so daß diese Schlägel auch zum Spalten benutzt werden können. Ein Berghammer aus Laurion ist genau wie die heutigen Hämmer geformt (Abb. bei Ardaillon Fig. 82). Zur Keilhauearbeit bedient sich der Bergmann der kleineren Spitzhaue und der größeren Keilhaue. Auch sie hatten in vorgeschichtlicher Zeit ihre Vorläufer in starken, in Knieäste gefaßten Hirschgeweihsprossen, mit denen aber naturgemäß nur in mäßig hartem Gestein gehauen werden konnte. Fundstücke von El Aramo bei Treptow (7). Zeichnungen von metallischen Spitz- und Keilhauen fanden sich in Gräbern der ältesten Dynastien Ägyptens, auch beweisen zahlreiche Funde aus vorgeschichtlichen, griechischen, römischen und germanischen Bauen, daß sich die Form der Hacken gleich geblieben ist: Spitzhauen aus dem Gebiete von Laurion entsprechen den heute in Wielizka gebrauchten, eine Keilhaue von einem römischen Bau am Mechernicher Bleiberg zeigt die Form, die dort jetzt noch üblich ist. Unter den in Dakien gefundenen, von Teglas beschriebenen römischen Gezähen sind wohlerhaltene eiserne Spitzhauen von etwa 11–12 cm Länge, Keilhauen von 18–25 cm Länge und 5–6 cm Breite, von denen die besterhaltene 2 kg wiegt. Diese Keilhauen haben zum Teil ein zugespitztes, zum Teil ein unten verbreitetes, nach innen gebogenes Blatt, das Stielloch hat einen Durchmesser von 2–3½ cm (Abb. bei Freise Fig. 11–20). – Zur Hereintreibearbeit wurden Brechstangen und Keile benutzt. Auch diese sind aus Stein und Holz in vorgeschichtlichen Bauen gefunden worden (z. B. am Mitterberg von Much). Die Römer benutzten eiserne Brechstangen, die bis zu 150 (röm.) Pfund wiegen konnten. Die Form der Keile entspricht auch den heute gebrauchten, die Spitze ist bei den etruskischen und römischen konisch oder pyramidal, bei den griechischen meißelförmig, bei den ägyptischen zweispitzig. Augenscheinlich wurden bei Steinbrucharbeiten zuerst rings um das zu lösende Gestein mit kleinen Werkzeugen zuerst Rinnen ausgearbeitet, und danach wurde es mit den Brechstangen abgehoben. Dieses Verfahren ist in den Brüchen von Syene, den römischen Mühlsteinbrüchen bei Cap Spartel in Marokko, den Marmorbrüchen von Bona und den Syenitbrüchen vom Feldberg (Odenwald) erkennbar. Oder es wurden Bohrungen angewandt. Daß die Steinzeit bereits die Bohrtechnik vermittels Röhrenknochen und scharfen Sandes kannte, ist durch die Funde durchlochter Steinhämmer, sowie unvollendet gebliebener Kernbohrungen erwiesen (s. o.). An Steinen der Burgmauer von Tiryns ist zu sehen, daß sie durch in regelmäßigen Abständen ausgeführte Bohrlöcher, in die man Holzpflöcke trieb, die durch Wasser aufgequollen wurden, einst von ihrem Bruche gelöst worden sind (Schuchardt bei Freise). Flinders Petrie hat den Beweis erbracht, daß den Ägyptern schon vor 6 Jahrtausenden der mit harten Steinen besetzte Kernbohrer, dessen Anwendung man als wichtige Erfindung der Neuzeit ansah, bekannt gewesen ist. Im Innern der großen Pyramide von Gizeh sind solche Bohrarbeiten in größtem Maßstabe festgestellt, in El Birscheh 18 Zoll tiefe [130] Bohrungen, mittels derer Kalksteinplatten abgehoben worden sind.

Die für die bergmännischen Arbeiten in Betracht kommenden Werkzeuge wurden zusammengefaßt unter dem Namen λιθουργὰ σιδήρια (Thuk. IV 14), σιδήρια λιθουργικά (Poll. VII 125), hiernach hießen die Arbeiter λιθουργικοί: οἱ λιθουργικοὶ οἳ ἐν τοῖς μετάλλοις ἐργάζονται Bekk. Anecd. 278. Einzelbezeichnungen sind: τύκος (τύχος) das Werkzeug, mit dem der Steinmetz die Steine behaut (οἰκοδόμου σκεῦος Poll. X 147), also Hammer, Schlägel, Steinaxt; σφῆν, σφηνός Keil, Meißel (Hesych.), μόχλος, μοχλίον Hebel, πέλεκυς Holz- und Eisenaxt, στάθμη Richtscheit, Richtschnur, δίοπτρον Visierlineal. – Von römischen Werkzeugen instrumenta, ferramenta, wie sie beim B. Verwendung fanden, seien erwähnt: acisculus, eine kleine Spitzhacke, die auch die Maurer und Steinmetzen brauchten. An dem einen Ende ist sie ziemlich dick, wie ein Hammer, an dem anderen hat sie eine gekrümmte Spitze. Der acisculus ist auf mehreren Münzen der gens Valeria dargestellt (Quintil. VI 3, 53. Abb. bei Rich Wörterb. 9); malleus (σφῦρα) und malleolus (σφυρίον) größerer und kleinerer Hammer mit Kopf von Eisen, Abb. bei Rich 377; ascia (τύκος, τύχος) Abb. bei Rich 58; rutrum die Kratze, Abb. bei Rich 528 (davon abgeleitet rutramina, das, was man mit der Kratze gewinnt, das Haufwerk). – Die im laurischen Gebiete aufgefundenen Gezähe sind heute in Ergastiria aufgestellt. Auch auf gefundenen griechischen Weihetäfelchen sind sie deutlich erkennbar.

Lockere Massen, Geröll und gesprengte Gebirgshaufen entfernte der Bergmann mit Zweizacken, Kratzen und Schaufeln. Widerstand allzu festes Gestein der Bewältigung durch das Gezähe, so half er sich durch das uralte Mittel des Feuersetzens, wodurch die gewünschte Zerklüftung herbeigeführt wurde (Diod. I 3, 6. Plin. I 33). Spuren solchen Feuersetzens fanden sich in dem vorgeschichtlichen Kupferbergwerk auf dem Mitterberge, im Altai, in altägyptischen Gruben und in alten Römerbauen. Daß es ein auch den Juden bekanntes Verfahren war, beweist Hiob XXVIII 5. Im laurischen Gebiete ist es wahrscheinlich nicht angewendet worden, vermutlich wegen Holzmangels, auch ist das dortige Gestein nicht allzu hart. Das durch den Brand glühend gewordene Gestein wurde durch aufgegossenes Wasser, an dessen Stelle die Römer aus unbekannten Gründen später vielfach Essig verwandten, erweicht (Galen. I 22, 16. Plin. XXIII 27). Sodann wurde es mit Brecheisen oder Keilen losgeschlagen. Beim Alpenübergang Hannibals soll durch Feuersetzung eine für Lasttiere und Elefanten gangbare Straße durch die den Weg versperrenden Felsen gebahnt worden sein (Liv. XXI 36 u. 37).

Grubenbau. Der Schacht pflegte in der Regel nicht ausgebaut zu werden. Um ein Nachrutschen der Schuttmassen, die neben dem Schachtmunde auf der Halde aufgetürmt waren, zu verhindern, wurde der Schacht vom Mundloche einige Meter abwärts ausgemauert. Die gewölbeartig ausgebauten Strecken und Stollen bedurften, da die Last des Hangenden sich auf die Stöße (Seiten) verteilte, in der Regel keiner besonderen Stütze. Zur Unterstützung der Firste (der Decke) weiter [131] Räume sah man sich indessen gezwungen, Pfeiler, Bergfesten, ὅρμοι, μεσοκρινεῖς, ὁμοερκεῖς, κίονες, fornices montibus sustinendis zu benutzen. Bei reicheren Erzen wurden diese Bergfesten aus trockenem Mauerwerk aufgeführt, bei ärmeren Erzen ließ man diese stehen. Wegen Beseitigung solcher erzhaltigen Pfeiler aus Gewinngier mußte in Athen ein gewisser Diphilos den Giftbecher trinken. Sein gesamtes Vermögen in der Höhe von 160 Talenten fiel der Staatskasse anheim (Prosop. Att. 4466). Zur Sicherung der Baue gebrauchte man Bergversatz. Die hohlen Räume wurden mit vorrätigem tauben Gestein oder Bergen ausgefüllt. Indem diese Berge sich ineinander setzen, werden sie fest wie Mauern. Wegen des bereits im Altertum in den Mittelmeerländern vorhandenen Holzmangels scheint man beim Grubenausbau meist von der Zimmerung Abstand genommen zu haben. Auch in Laurion wird dies der Fall gewesen sein. Die Bemerkung des Demosthenes (XXI 167 p. 568), daß man in den Silberbergwerken der auswärtigen Holzzufuhr benötigte, läßt die Annahme zu, daß in Laurion auch Zimmerung in Anwendung kam. Nach dem Zeugnisse des Plinius (XXXIII 70) waren beim spanischen Goldbergbau Stempel aus Holz im Gebrauche. Reste römischer Streckenzimmerung sind in der Katalin-Monulestigrube zu Verespatak und in den Gruben von Selvena bei Santa Fiora am Monte Amiata in Toskana gefunden worden (Freise 39).

Förderung. Die Förderung der gewonnenen Erze geschah in der einfachsten Art. In flachen Trögen oder Wannen aus Holz oder Flechtwerk, in ledernen Säcken und Ranzen trugen die Fördersklaven das Gut bis zum Schachtmund oder an einen erweiterten Raum, wo nach erstmaligem Scheiden oder Ausschlagen das Erz zur Weiterbeförderung in größere Gefäße oder Säcke θύλακοι geschüttet wurde. Da, wo die Enge der Strecke ὑπόνομος den Erwachsenen das Fortschaffen der abgeschlagenen Gesteinstücke nicht gestattete, wurden Knaben ἄνηβοι παῖδες, die auf allen Vieren kriechen mußten, zu der sehr beschwerlichen Arbeit herangezogen. Trotz dieser grausamen Ausnutzung der jugendlichen Kräfte konnten durch diese Förderart nur verhältnismäßig geringe Mengen gleichzeitig zutage gebracht werden. Die mit dem Erze gefüllten Behälter wurden nun anderen auf Spreizen sitzenden Arbeitern κοπεῖς zugereicht, die sie von Hand zu Hand bis zum Schachtende ἐκτὸς τῶν στομίων gaben, wofern nicht, wie bei flachen Schächten, ein einfaches Herausschaffen der Erze auf den Rücken möglich war. Daß die auch in den Silberbergwerken von Laurion zur Förderung gebrauchten Säcke – σάκκος, σακκίον (att. σάκιον), σακτήρ, θύλακος – aus Gründen der Zweckmäßigkeit vermittels eines Tragriemens über die Schulter getragen wurden, geht aus Hesychios hervor, nach dem die θυλακοφόροι auch πηροφόροι Ranzenträger genannt wurden. Zwei solcher Tragsäcke aus ungegerbter Rindshaut des Hallstätter Salzbergbaus befinden sich im Hofmuseum zu Wien (Abb. bei Treptow Mineralbenutzung, Freiberg 1901). Noch heute sollen die Förderleute in Sibirien wie in den Silbergruben von Gümüsh-Chane in Kleinasien das Erz in [132] Ziegenledersäcken wie in einer Jagdtasche herausbringen (Freise 41). Zur Fortschaffung größerer Erzmassen wurden hölzerne oder aus Weiden geflochtene Schlepptröge verwandt. Ein solcher Schlepptrog, bei dem noch der Ansatz des Ledergriffs zu erkennen ist, ist bei El Aramo gefunden (Abb. bei Treptow).

Fahrung. Das Fahren in den antiken Bergwerken unterschied sich von dem heute noch üblichen nicht wesentlich. Bei mäßig abfallenden Strecken wurden zur Fahrung Stufen in das Gestein eingehauen, bei steil ansteigenden und in den Schächten bediente man sich der Fahrten oder auch der Steigbäume – Baumstämme mit eingekerbten Stufen. Abb. eines Rundholzsteigbaumes aus altjapanischem Bergwerk bei Freise Fig. 36 – Abb. von Fahrten und Stufen auf einer korinthischen tönernen Weihetafel der ‚Antiken Denkmäler‘, bei Binder Taf. III Fig. 3 und Freise Fig. 37.

Beleuchtung. Zur Beleuchtung der Gruben gebrauchte man Grubenlampen aus Ton oder Metall. In Laurion hat sich eine Gußform gefunden, deren Länge 1 dm, der lichte Durchmesser 7 cm beträgt. Die zahlreichen Lampen, die man dort gefunden hat, entsprechen in ihren Ausmaßen dieser Form. Sie wurden in gleichfalls entdeckten Nischen der Strecken und Querörter aufgestellt. Abb. altrömischer Grubenlampen bei Treptow Fig. 17–19 und Freise Fig. 38. 39. Die ägyptischen Bergleute haben kleine Grubenlampen, die vermutlich in beweglicher Achse ruhten, an der Stirn befestigt getragen (Diod. III 12, 6). Es ist wohl möglich, daß die bekannten Sagen von den einäugigen Kyklopen und Arimaspuern auf diese mit Stirnlampen versehenen Grubenarbeiter zurückzuführen sind. Größere Weiten oder Firstenbaue wurden durch von der Decke herabhängende Lampen erleuchtet. Abb. einer ziemlich großen Hängelampe auf der eben erwähnten korinthischen Tontafel.

Wetterwirtschaft. Um den notwendigen Wetterwechsel in den zum Teil recht tiefen Gruben zu erzielen, bediente man sich der Luftschächte ψυχαγώγια aestuaria, die auf verschiedene Art angelegt wurden. Bei den laurischen Bergwerken, in denen nach Xenophon (memor. III 6. 12) die Luft ungesund war, haben einzelne Schächte einen in sie einmündenden schmalen Luftschacht von 60–80 cm Durchmesser. Sodann finden sich zwei senkrechte Schächte von ungleicher Länge dicht nebeneinander. Der kürzere Schacht, der mit dem längeren durchschlägig gemacht ist, kann nur als Luftschacht gedient haben. Auch Zentralluftschächte, die mit den rechts und links von ihnen befindlichen Förderschächten in Verbindung stehen, sind vorhanden (Kordellas 84f.). Mit den Strecken wurden, wie noch heute, parallellaufende Begleitorte getrieben, die durch öftere Durchschläge mit der Strecke in Verbindung standen und daher einen Luftwechsel ermöglichten. Den beim Feuersetzen entstehenden Qualm suchte man nach Möglichkeit durch Schwingen von Tüchern zu vertreiben (Plin. XXXI 28), ein freilich sehr unzulängliches Hilfsmittel, das man auch in Gruben anwandte, denen giftige Gase entströmten. Daß der Erfolg [133] meist ein unzureichender war, zeigt die Bemerkung Strabons (XII p. 841), in den Arsenikgruben von Sandarakurgion bei Pompeiopolis in Kleinasien seien infolge der aus den Gruben aufsteigenden schlechten Wetter die Arbeiter wie die Fliegen gestorben. Um die das Leben gefährdenden Gase zu beseitigen, soll man nach Curtius auch Räuchermittel gebraucht haben. In einem zu Laurion gefundenen gleichmäßig durchlöcherten Doppelbecher hat er ein diesen Zwecken dienendes Räuchergefäß gesehen (S.-Ber. der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin 1877). Um das Vorhandensein giftiger Gase festzustellen, ließ man eine brennende Grubenlampe in den Schacht hinab. Verlöschte das Licht nicht, so konnte der Schacht ohne Gefahr befahren werden, andernfalls erwies sich zur Beseitigung der matten Wetter die Anlage eines Nebenschachtes als erforderlich (Plin. XXXI 28. Vitruv. VIII 7). Zur Erzielung der Bewetterung sollen nach Ardaillon (S. 50) in den laurischen Bergwerken Wetterscheider aus Brettern mit Lehmdichtung angebracht worden sein. Der etwa 1–1,5 m von der Schachtsohle entfernte Scheider wurde nach dem Abteufen des Schachtes entfernt. (In der Lüneburger Heide ist dies Verfahren auch jetzt noch im Gebrauch!).

Wasserhaltung. Das Grubenwasser wurde durch Anlegung von Seitenstollen abgeleitet (Diod. V 37). Bei den laurischen Gruben, die nirgends unter den Meeresspiegel hinabgehen (Kordellas 86, vgl. Strab. III 147), waren solche Anlagen nicht erforderlich. Die Niederschlagsmassen, welche bei der Beschaffenheit des Gesteins nicht tief eindringen konnten, wurden überdies sorgfältig aufgefangen und zu bergmännischen Zwecken gesammelt. Das wenige Wasser, welches bis zur Schachtsohle durchdringen konnte, versickerte leicht in den dort angebrachten Rinnen. Da, wo die Verhältnisse ungünstiger lagen und Stollen zur Ableitung des unterirdischen Wassers fehlten, erwies sich die Wasserhaltung ebenso umständlich wie kostspielig. Die einfachste, aber mühevollste Weise, bei der zahlreiche Hilfskräfte herangezogen werden mußten, war, das Grubenwasser mit allerlei Gefäßen, Eimern und Schläuchen herauszuschaffen. Um dieser Kräftevergeudung zu steuern, hat man zunächst Maschinen, die für die oberirdische Wasserhebung geschaffen waren, in den Dienst des B. gestellt. Hierzu gehört der unter dem Namen Kaduff, Schaduff, auch Picota bekannte Wasserheber, der der frühesten ägyptischen Zeit angehörend, noch heute in Afrika im Gebrauche ist. An dem auf einem hohen Gestelle befestigten Schwingbaum ist an dem einen Ende eine Stange oder ein Seil mit einem Wassereimer angebracht, an dem anderen Ende schreiten oben Männer über den Stützpunkt hin und her und bringen dadurch den Schwingbaum in Bewegung. Ein solcher Apparat konnte bei den Tagbauen der Ägypter wertvolle Dienste tun. Des Haspels haben sich außer den Ägyptern und Assyrern auch die Römer zur Hebung des Grubenwassers (nach Plin. XIX 4) bedient. Man ist geneigt, in ihm die hydraulische Maschine zu sehen, die der Tarentiner Archytas um das J. 400 v. Chr. nach dem Zeugnisse des Vitruv (IX 8) erfunden hat. [134] Zu den Hebewerkzeugen, die bereits eine höhere Entwicklung der Technik voraussetzen, gehört die Schneckenpumpe, ägyptische Schraube κοχλίας cochlea. Dieses in Ägypten bereits bekannte Hebewerk – bei Strabon (XVII 807) dient es der Nilentwässerung – soll von Archimedes, den Diodor (I 24) als seinen Erfinder bezeichnet, nach Europa gebracht worden sein. Vitruv, der über die verschiedenen Schöpfvorrichtungen des Altertums eingehend berichtet, gibt eine ausführliche Angabe der cochlea. Ein Balken, der ebenso viel Fuß lang, wie Zoll dick war, wurde walzenförmig zugerichtet. An den beiden Stirnflächen teilte man die Peripherie durch vier Durchmesser so in acht Teile, daß die Teilungspunkte bei der Stirnfläche einander genau entsprachen. Von diesen Teilungspunkten aus wurde dann die Mantelfläche in zahlreiche, in Quere und Höhe gleiche Abschnitte geteilt. Diese letzteren wurden mit in Pech getauchten Weidenruten spiralförmig umwickelt. Daher der Name (Vitruv. X 6). Wegen der geringen Hebefähigkeit mußten mehrere Schneckenpumpen übereinander aufgestellt werden. Zu ihrer Inbetriebnahme bedurfte es einer großen Anzahl von Arbeitern, da bei der Enge der Grube Zugtiere nicht verwendet werden konnten. Eine von Vitruv (X 9) außerdem beschriebene Kettenpumpe vermochte bereits das Wasser zu größerer Höhe zu heben. An einer von zwei Eisenketten umgebenen Holzwelle wurden eiserne Eimer in das Wasser herabgelassen und durch Drehung wieder herausbefördert. Das seit alters in der Landwirtschaft Ägyptens und Mesopotamiens gebrauchte Wasserrad τύμπανον ist auch in den B. übernommen worden. Reste von Wasserrädern verschiedener Größe – 3,66–4,87 m –, die den noch heute im Gebrauch befindlichen ähneln, sind in altrömischen Gruben Spaniens und der Donauländer gefunden worden. Es ist anzunehmen, daß die bereits den alten Ägyptern bekannte Saugpumpe antlia auch beim B. angewendet worden ist, wenn es sich um geringe Wassermenge und Höhe handelte. Für größere Wassermassen haben die Römer die von Ktesibios (um 150 v. Chr.) erfundene Druck- und Saugpumpe, die Vitruv (X 7) genau beschreibt, gebraucht. Aus Bronze hergestellt, besaß sie zwei vertikale Pumpenzylinder, die durch Abzweigungen in einen durch Ventile verschlossenen Windkessel einmündeten. Ihr unteres, gleichfalls durch Ventile verschlossenes Ende war auf Saugrohre aufgesetzt. An den Windkessel schloß sich ein Steigrohr an. Wurden nun die massiven gedrehten Kolben, die genau in den Pumpenzylinder paßten, von oben her mittels Kolbenstangen und Hebeln in Bewegung gesetzt, so saugen die Kolben beim Hochgehen im Zylinder das Wasser durch das Saugrohr an, indem sich das Saugventil öffnet und das Druckventil schließt. Wird der Kolben abwärts bewegt, so schließt sich das Saugventil und das Druckventil wird geöffnet. Durch letzteres wird alsdann das Wasser in den Windkessel und durch die von hier ausgehende Steigleitung in die Höhe gedrückt. Eine solche Pumpe ist in den Ruinen von Castrum novum (heut San Marinello) gefunden worden (Beck I 579. Abb. bei Freise Fig. 44).

Die Aufbereitung der Erze. Die [135] Aufbereitung umfaßt alle Arbeiten, die notwendig sind, um die in der Natur gefundenen Erze in einen solchen Zustand zu bringen, daß sich ihre Verhüttung verlohnt. Arme Erze, die heute mit Hilfe des Maschinenbetriebs noch nutzbar gemacht werden können, fanden daher im Altertum, das diese Hilfsmittel nicht kannte, bei der Förderung keine Beachtung. Man unterscheidet die trockene und die nasse Aufbereitung. – In Ägypten wurde in den Goldgruben das in der Grube bereits durch Handscheidung angereicherte Haufwerk bei der eigentlichen Aufbereitungsanlage über Tag Aufsehern übergeben, die es durch jüngere, kräftigere Männer in steinernen Mörsern mit eisernen Stößern bis zur Erbsengröße zerstampfen ließen (Diod. III 13). Das so zerkleinerte Erz wurde alsdann von Frauen und alten Männern auf Handmühlen gebracht, deren Schubstange Männer so lange drehten, bis die Erzkörner sich in feines Erzmehl verwandelt hatten. Aufgabe geschickter Arbeiter (σηλαγγεῖς) war es, die Goldteilchen des Erzstaubes vom tauben Gestein zu sondern. Es folgte nun die nasse Aufbereitung, die Wäsche πλύνειν, πλῦσμα, lavare. Auf schräg aufgestellten Stein- oder Holzplatten wurde das zerkleinerte Gut (Grubenklein) ausgebreitet und zunächst nur schwach, dann immer stärker mit Wasser übergossen und mit den Händen zerrieben. Die leichteren erdigen Teile flossen auf der geneigten Platte herab und nur die schweren Goldteilchen blieben zurück. Diese wurden durch Drücken mit Schwämmen, die nur die leichteren Teile in ihre Poren aufnahmen, völlig gereinigt. Die auf der Tafel hängen gebliebenen Metallkörnchen, die meist noch kein reines Gold darstellten, sondern Gold mit anderen Metallen, besonders Silber, wurden gewogen oder gemessen und schließlich den Goldschmelzern (ἑψηταί) übergeben (Diod. III 14).

Hatten die Anreicherungsarbeiten bei den Ägyptern zum erheblichen Teile in den Händen alter Männer und schwacher Frauen gelegen, so scheinen sie bei dem laurischen Bergbetrieb nur gelernten, tüchtigen Bergleuten τεχνίται, δημιουργοί (Plat. Staatsmann 303 E. Diod. III 12) anvertraut gewesen zu sein. In der Grube vollzog sich nur das Ausschlagen größerer Gesteinsstücke (Wände), alle übrigen Arbeiten bis zur Verhüttung vollzogen sich über Tag. Das Haufwerk gelangte zunächst zur Handsonderung, genannt Klauben, für die ein trogartiges Gefäß oder eine lange vertiefte Tischplatte aus starkem Kalkstein benutzt wurde. Auf diesem Klaubtisch wurden die reinen Erzstücke sofort herausgeschlagen und mit der Hand in Gruppen geschieden. Solche Klaubtische sind in Kamáresa und Megala Tevka zum Teil völlig unversehrt gefunden worden. Dem Klauben (Separation) folgte das Zerkleinern der Erze in Mörsern und Mühlen. Von Mörsern ἀγγεῖα λίθινα, ὅλμοι λίθινοι sind ziemlich viele bei den Aufbereitungsstätten Laurions gefunden worden. Die innere Tiefe beträgt 40–60 cm, die äußere Höhe, ebenso wie die obere äußere Breite 60–80 cm. Zu den Mörsern gehörende Deckel mit einer Öffnung in der Mitte, durch die der Stößel gesteckt wurde, haben sich gleichfalls dort gefunden. Das Material der Mörser und Deckel, ein harter Trachyt, stammte, [136] wie Kordellas (Hüttenindustrie von Laurion 31) nachgewiesen hat, von der Insel Melos (Milo). Die aus dem gleichen Material hergestellte Erzmühle glich in der Form der Kornmühle. Sie bestand aus einem Zentralkern in Form eines abgestumpften Kegels, der am Boden befestigt war. Um diesen unbeweglich bleibenden Mittelpunkt wurde ein äußerer Steinmantel gedreht, der, am unteren Ende an die Kegelbasis sich anschließend, seiner Innenform nach dem Kegel angepaßt war und sich oberhalb desselben zu einem Aufnahmegefäß erweiterte. An der oberen Kegelbasis war eine vertikale eiserne Achse und die zur Drehung notwendige Vorrichtung einer Hülse, von der aus der Kegelmantel vermittels eiserner Krampen festgehalten wurde, angebracht. An der äußeren Seite des Mantels waren vier Zapfenlöcher zur Anbringung eines Holzrahmens mit Querstangen vorgesehen, vermittels derer man die Mühle in Bewegung setzte. Das zu zerkleinernde Erz wurde in den Aufnahmetrichter geschüttet, von wo es, zwischen Kern und Mantelstein gleitend, durch die Drehung der Mühle zermahlen wurde. Es ist anzunehmen, daß man durch Stellen einer an der Achse befindlichen eisernen Zwinge ein mehr oder minder feines Mahlen erzielen konnte, oder daß Mühlen verschiedener Größe vorhanden waren. Die je nach Härte oder Menge des zu mahlenden Erzes mehr oder weniger schwierige Arbeit konnte von vier bis sechs Sklaven geleistet werden. Die durch das Stampfen und Zermahlen erreichte Zerkleinerung des Erzes bis zur Größe eines Hirsekorns κέγχρος hat sowohl dem Raum, wo die Mörser und Mühlen aufgestellt waren, wie der ganzen Werkstätte den Namen κεγχρεών gegeben.

Das so vorbereitete Erz kam nun in die Wäschereien πλῦσμα, πλύνειν, lavare. Die im laurischen Gebiete zahlreich erhaltenen, von Ardaillon u. a. aufgedeckten und beschriebenen Erzwäschereien καθαριστήρια haben in dem wasserarmen Griechenland ausgedehnte Zisternenanlagen zur Voraussetzung. Die im Tale von Botzaris, von Megala Tevka und bei Synterini aufgefundenen Zisternen geben Kunde von einer alle Schwierigkeiten des Geländes berücksichtigenden Überlegung und einer bewundernswerten technischen Geschicklichkeit. Den Abhängen der Talschluchten angegliedert, sind sie derartig verteilt, daß auch das kleinste Rinnsal des aus dem Gebirge während der Regenzeit abfließenden Wassers in sie einmünden mußte (Abb. bei Ardaillon Fig. 21). Die wenigsten sind in den natürlichen Fels eingehauen, einige sind unter Anlehnung an den Felsen und teilweiser Benutzung desselben, die meisten durch vollständige Mauerung entstanden. Eine der allerältesten Zisternen im Tale Botzaris, aus gewaltigen Kalksteinblöcken von 2–3 m Länge und Breite erbaut, faßt 160 cbm Wasser bei einer Seitenlänge von 7,65 und 9,10 m. Eine größere im Tal von Megala Tevka 579 cbm bei einer Seitenlänge von 10,90 und 8,30 m. Die Tiefe der Wasserbecken geht von 5,40 bis zu 6,50 m. Die Stärke der Mauerwände ist über 2 m. Bei den in Synterini aufgedeckten Zisternen in Rundform finden sich in den Felsen gehauene Treppenstufen. Alle Zisternen, [137] so verschieden sie an Form und Ausdehnung sein mögen, sind gleich in der außerordentlich sorgfältigen Zementierung der Wände: Eine dicke Mörtellage ist mit einer Schicht undurchlässigen Zements überzogen, die stark genug ist, dem Druck gewaltiger Wassermassen standzuhalten. Außerdem haben alle gleichmäßig ein über ihnen im Gelände gelegenes eigenes kleines Klärbecken, das etwa 2-5 cbm zu fassen vermag. Hier setzt das Regenwasser den mitgeführten Schlamm und Sand ab, und eine am oberen Rande des Beckens angebrachte Rinne führt das geklärte Wasser in die Zisterne. Die Anlagen waren, um die Verdunstung des Wassers zu verhindern, mit starken Bohlendächern gedeckt, die entweder von einer Mittelsäule getragen wurden, oder auf dem Mauerrande auflagen. – Außer diesen Zisternen fanden sich noch einfache Dämme zur Regelung des Wasserlaufes. In den der Hüttenindustrie dienenden Tälern sind ganze Bachbette durch parallel laufende Schutzmauern eingedämmt, die nach Gewitterstürmen den Sturz der überflutenden Wassermassen auf die Wäschereien verhindern sollten.

Die in Laurion aufgefundenen Wäschereien sind so wohlerhalten, daß sich aus ihnen ein anschauliches Bild herstellen läßt. Verschieden an Größe – die kleinsten von etwa 4 m, die größten von 15 m Seitenlänge –, sind sie doch alle gleich in der Anlage. Sie bestehen aus einem erhöht gelegenen Wasserbehälter, der aus verschiedenen, konisch geformten Mündungslöchern das Wasser auf den eigentlichen Waschtisch, eine schwach gesenkte Fläche, strömen läßt. Von dieser fließt das Wasser durch einen Kanal wieder ab und umfließt, durch drei Becken gehend, eine größere Fläche, den Trockentisch. Nach geschehenem Umlauf wird das Wasser, das in den Becken alle schweren Körper und Unreinigkeiten abgesetzt hat, im letzten Becken wieder gesammelt, ausgeschöpft und zum wiederholten Gebrauch in den Wasserbehälter zurückgefüllt. Bei aller Einheit der Grundidee finden sich im einzelnen mannigfache Abweichungen. Diese betreffen die Größe und Höhe der Wasserbehälter, die Zahl der Öffnungen, Weite und Umlauf der Kanäle, Senkung der Waschfläche, Breite der Trockenfläche, Tiefe der Becken. Es finden sich auch Vorrichtungen, die Spülung des Wassers zu stärken bezw. zu dämpfen. Die Wäschereien sind selten aus dem Schiefer, noch seltener aus dem Kalksteine ausgehauen, meistens sind die Anlagen aus kleinen Kalk- oder Schieferplatten, die mit Mörtel verbunden sind, gemauert. In jedem Falle sind sie mit einer undurchlässigen, 2–10 cm dicken Mörtelschicht bekleidet, die gleichmäßig Becken, Flächen, Kanäle und Umfassungsmauern schützt. Dieser Mörtel, aus Kalk und feinem Kies bezw. Kalk und Glimmerschiefer oder Marmor und Quarz bestehend, wurde mit größter Sorgfalt, meistens in zwei Lagen auf die Mauerplatten aufgetragen. Zum Schluß wurde das Ganze mit einer dünnen Zementschicht von dunkelbrauner, rotgesprenkelten Farbe überzogen, die in unübertrefflicher Glätte ausgeführt, auf weiten Flächen nicht die geringste Unebenheit aufweist. Die außerordentliche Dauerhaftigkeit dieses Verputzes ist der Grund für die gute Erhaltung der laurischen [138] Wäschereien, die heute noch gebrauchsfähig sein würden (Abb. bei Ardaillon Fig. 20 und 23). Der Zweck der Wäscherei war, eine gewisse Menge zur gleichen Größe zerstampften Erzes unter Wasserspülung zu setzen, die, stark genug, die leichteren Teile von dem Edelmetall zu lösen, dieses selbst auf der geneigten Fläche nicht fortschwemmte. Um Körner gleicher Größe zu erzielen, genügten Mörser und Mühlen nicht völlig, das Erz wurde unmittelbar vor der Waschung nochmals gesiebt. Das zu diesem Zwecke gebrauchte Gerät σάλαξ bestand aus einer aus glatten Platten geformten, trogartigen Mulde, deren Boden einen schmalen Spalt hatte. Vermittels zweier an den Schmalseiten angebrachten Ringe wurde die Mulde aufgehängt und in schaukelnde Bewegung gesetzt. Die Erzbröckchen gleicher Größe fielen durch den Spalt und kamen in die Wäscherei, die übrigen wurden in die Mühle zurückgebracht. War das gesiebte Erz in mäßig dicker Schicht auf der Waschfläche ausgebreitet, so wurden die Mündungen des Wasserbehälters geöffnet. Während das Wasser langsam darüber hinspülte, bewegte ein mit kleinem Kratzer versehener Arbeiter die auf dem Tische ruhenden Bröckchen. Immer mehr sonderten sich alle leichteren Bestandteile ab, bis nur die schwersten Körner auf der Fläche liegen blieben. In den Kanälen und Becken setzte das weiterfließende Wasser die übrigen mineralischen Bestandteile je nach ihrem Gewicht ab, jedes Becken eine neue Kläranlage bildend. War das Wasser im letzten Becken angelangt, so mußte es von jeder Unreinheit befreit sein. Über dieses Becken war eine Planke gelegt, auf der ein Arbeiter stand, der das Wasser herausschöpfte und über eine mäßig gesenkte Fläche in den Wasserbehälter zurückgoß, damit es zu wiederholtem Gebrauche diente. War die Waschung beendet, so wurde zuerst das auf der Waschfläche befindliche reiche Material geborgen, sodann wurden alle Ablagerungen sorgfältig aus den Kanälen gesammelt und in kleinen Haufen auf die Trockenfläche gesetzt. Auch sie war etwas nach dem Kanal zu gesenkt, so daß selbst das jetzt noch abfließende Wasser nicht verloren ging. Nach dem Bericht Strabons (III 2, 10) wurde in den spanischen Silberminen fünfmal Siebung und Waschung wiederholt. Es ist anzunehmen, daß dies auch in Laurion geschah, und daß sich hieraus die Größe der Wäschereien erklärt. Je feiner das zu waschende Erz war, desto kleiner mußten die Anlage, desto schwächer der Wassersturz, desto zahlreicher die in den Kanälen angebrachten Stauvorrichtungen sein. Schließlich erzielte man ein sehr fein pulverisiertes Metall. Ardaillon hat festgestellt, daß in Laurion Anlagen für Grob-, Mittel- und Feinwäscherei häufig nebeneinander lagen. Zu jeder Gruppe gehörten eine oder mehrere Zisternen, denn nur ein reichlicher Vorrat an Wasser ermöglichte bei der oben angeführten Sparsamkeit und Ausnutzung neben der notwendigen Versorgung der zahlreichen Arbeiter die Durchführung des Betriebes auch in trockenen Jahren. In den Tälern von Botzaris und Agrileza erstrecken sich die Anlagen der mit Zisternen verbundenen Wäschereien auf viele Hunderte von Metern. In ersteren zählt man von Beginn bis zur Mündung [139] der Talschlucht 22 verschiedene Gruppen, Ardaillon deckte 28 im Tale Agrileza, 12 in Megala Tevka und die gleiche Zahl in Synterini auf. Die Anlagen sind vielfach durch Mauern voneinander getrennt gewesen. Daraus schließt Ardaillon, daß in Laurion kein Großbetrieb herrschte, sondern daß kleine Unternehmer im Kleinbetrieb die Verhüttung des Metalls besorgten (Abb. der Anlagen bei Ardaillon Plan III und Fig. 24).

Schmelzöfen. Von den zum Verhütten der Erze notwendigen Vorrichtungen, den Schmelzöfen, sind aus den klassischen Ländern verhältnismäßig wenige und schlecht erhaltene Reste auf die Gegenwart gekommen, da die durch die Schmelzhitze bedingte starke Inangriffnahme des verwendeten Materials dessen baldige Zerbröckelung und Verwitterung bewirkte. Man unterscheidet Schmelzherd und Schmelzofen, von denen der Herd als die primitivste Vorrichtung in den meisten Fällen der ältesten Zeit angehört, die sich in einigen uralten Hüttenstätten Kordofans und Persiens bis auf den heutigen Tag erhalten hat (Freise). Der Herd, in der Sohle der Hüttenstätte liegend, war eine konische oder halbkugelförmige Grube, deren Boden und Wände mit festem, widerstandsfähigem Material bekleidet wurden, und deren oberer Rand häufig durch eine Steinumfassung gestützt war. In diese Grube wurde Brennmaterial (Holz und Holzkohle) und Erz schichtweise gefüllt und in Brand gesetzt. War der Verbrennungsprozeß beendet, so wurden nach geschehener Abkühlung die Schlacken entfernt und das zuunterst auf den Boden des Ofens herabgesunkene Metall herausgenommen. Um den zur Verbrennung notwendigen Luftzug zu erzielen, legte man solche Herde vorzugsweise auf Bergen, an Bergabhängen oder am Meeresstrande an und grub seitlich in den gewachsenen Boden einen durch Steinmauerung gewölbten Windkanal, der an der Herdsohle mündete, so daß die Luft Zutritt zum Herde fand. Solche alten Bergschmelzstätten mit natürlichem Windbetriebe sollen noch im 17. Jhdt. in England zur Bleiausschmelzung benutzt worden sein. Wurde künstliches Gebläse benutzt, dessen uralten Gebrauch ägyptische Wandmalereien aus dem 2. Jahrtausend (nach Wilkinson bei Freise Fig. 73) und Homers Vertrautheit mit den Blasebälgen φύσας bezeugen (Hom. Il. XVIII 372. 412), so befanden sich die Herde meistens in den das Brennmaterial liefernden Wäldern in der Nähe der Förderstätten. Die Größe der Herdgruben beträgt gewöhnlich 1 m Tiefe und etwa 1–1½ m Breite, sie sind mit einer 10–20 cm dicken Schicht von feuerfestem Ton oder mit Schlacken vermischtem Lehm ausgestampft. Am Hüttenberger Erzberge, am Mitterberge bei Salzburg, im Kreise Reichenbach, sind zahlreiche derartige vorgeschichtliche Herde festgestellt. Am Mitterberge fand Much etwa 100 solche Schmelzstätten, die ihrer weit zerstreuten Lage nach ebenso vielen Besitzern gehört haben müssen. Im Berner Jura sind die vorrömischen Herde in etwas vollkommenerer Form aus Steinen in den Bergabhang eingemauert (Abb. der Herde bei Freise Fig. 59. 60. 63). Gleich primitive Herde nimmt Kordellas für den ältesten laurischen Betrieb an.

[140] Die Öfen waren oberhalb der Hüttensohle als Schachtöfen aus Mauerwerk hergestellt. Sie hatten dem Herd gegenüber den Vorzug, daß die Schmelzung länger fortgesetzt werden konnte und demnach eine größere Menge Metalle sich auf dem Boden ansammelte. War dieses flüssig, so konnte es durch das Stichloch, eine seitwärts angebrachte Öffnung, die ständig oder nach Belieben geöffnet war, in die bereit stehenden Formen ausfließen, war es zähe, wie dies bei Eisen oder Stahl der Fall ist, so wurde die Luppe mit Hilfe eines Brecheisens durch die vordere Öffnung (Brust) herausgenommen. Auch diese Öfen waren entweder als Windöfen an Bergabhängen eingebaut oder für künstliches Gebläse eingerichtet. Nach den zahlreichen im Jura aufgefundenen Überresten hatten die dortigen antiken Öfen eine Höhe von 2½–2¾ m, der etwas nach vorn geneigte Schacht war 30–40 cm, der Herd 15–20 cm dick mit Ton ausgefüttert, ein mit Steinen gedeckter Windkanal führte nach außen, das Ganze wurde von einem Gemäuer aus unbehauenen Steinen gehalten. Ein Windofen vom Kärntner Erzgebirge zeigt dieselbe Form, nur senkrechten 1 m weiten, 2 m hohen Schacht, ein in Northamptonshire mehrfach vorkommender römischer Bleiofen ist ganz aus Steinen gebaut, der gemauerte, konische Schacht hat 1 m Höhe zu 1 m oberer Weite. Ein in der Nähe des Saalburgkastells von Beck entdeckter römischer Schmelzofen zeigt eine vollkommenere Konstruktion: Der etwas über 1 m hohe Schacht, der am Herde 50 cm weit ist, erweitert sich nach oben trichterförmig, in der Rückwand befinden sich zwei Öffnungen zur Einführung des Gebläsewindes, an der Vorderwand ist eine verschließbare Öffnung zum Herausnehmen der Luppe (Abb. der Öfen bei Freise Fig. 65–68). Die im laurischen B. benutzten Öfen, von denen Kordellas noch einige Trümmer unter und über den Schlackenhalden sah, die aber jetzt völlig verschwunden sind, waren aus Glimmerschiefer und aus Trachytsteinen kleiner Form gemauert. Auch sie haben eine beträchtliche Höhe gehabt und waren vielleicht gleich den spanischen Silberschmelzöfen mit Essen versehen (Strab. III 146), um den schweren, sich entwickelnden Rauch, der die laurische Gegend in den Verruf, der Gesundheit schädlich zu sein, gebracht hatte, nach oben zu führen. Ardaillon vertritt die Ansicht, daß die Schmelzöfen Laurions derartig eingerichtet waren, daß sie für die beiden mit dem Silber vorzunehmenden Prozesse gleichzeitig verwandt werden konnten. Im oberen Teile wäre das Ausschmelzen des Erzes, im unteren Teile die Läuterung des Silbers (Kapellieren) im Schmelztiegel aus feuerfestem Ton tasconium (Plin. XXXIII 69) vorgenommen worden. Während die Abflußlöcher zum Ausfließen des Metalls geöffnet waren, konnte der obere Teil des Ofens von neuem mit Brennmaterial und Erz beschickt werden und die Verhüttung des bereit stehenden Erzes ohne Unterbrechung erfolgen. Auf 3–4 Tonnen Erz wurden 24 Stunden Arbeitszeit gerechnet. Als Zwischenform zwischen Herden und Öfen bezeichnet Freise die der vorgeschichtlichen Zeit angehörenden Eisenschmelzen, die als Tieföfen, am schrägen Abhang zylindrisch in [141] die Erde eingebaut und nach ihrer Füllung mit Holzkohlen und Eisenerz mit einem Tonmantel zugedeckt wurden, der durch ein oberes und ein unteres Luftloch dem Winde Durchzug gewährte. Solche Schmelzöfen fanden sich bei Epernay an der Marne, in Österreich und am Berner Jura, in ihrer Nähe meistens Spuren von Stätten, die den Schmelzern jener alten Zeit zur Aufbewahrung ihrer Eisenerzeugnisse gedient haben mögen.

Über den Verhüttungsprozeß s. die einzelnen Metalle.

Bergarbeiter.

a) Orient und Griechenland.

Überall da, wo der B. nicht von einer eingesessenen Bevölkerung als eine freiwillig übernommene, den eigenen Besitz fördernde Erwerbsquelle betrieben wird, wird die in der Grube zu verrichtende bergmännische Arbeit als eine besonders schwere empfunden werden. Dies muß um so mehr der Fall sein, wenn, wie in den orientalischen Ländern, in Griechenland und Rom, der B. in den Händen des unumschränkten Herrschers (Orient und römisches Kaisertum), des demokratischen Staates (Athen) oder einiger wenigen Mächtigen (Rom) liegt, die allein den Gewinn aus ihm ziehen. Kaum ein freier Mann des Altertums würde freiwillig den Beruf des Bergmanns auf sich genommen haben. In allen größeren Bergwerken wurden unfreie Leute zu einer ihnen widerstrebenden Arbeit gezwungen. Ein besonders hartes Los sollen die in den Goldminen Ägyptens tätigen Bergarbeiter gehabt haben. Agatharchides, der diese Bergwerke um 200 v. Chr. besuchte, gibt bei Diodor (III 13. V 38) ein erschütterndes Bild von dem Leben der zu den Bergwerksarbeiten bestimmten Sklaven und Verbrecher. Nackt oder nur ganz unzureichend bekleidet, mußten sie Tag und Nacht hindurch ununterbrochen in den Gruben und auf den Hütten arbeiten, ohne daß auf Alter und Geschlecht, auf Krankheit und Gebrechen Rücksicht genommen wurde. Die kräftigeren Leute hatten in den Gruben die Gesteinsarbeit zu verrichten, Kinder die Erze aus den engen Gängen herauszutragen, Personen über 30 Jahre die Erze in den Mörsern zu stampfen, Greise und Frauen die Handmühlen zu drehen. Diejenigen, welche sich diesen mühevollen Arbeiten durch die Flucht entziehen wollten, mußten in Fesseln und stets unterirdisch arbeiten. Gemeinsame Versuche zu Aufständen sollten dadurch erschwert werden, daß die den einzelnen Gruppen vorgesetzten, gleichfalls dem Stande der Unfreien entnommenen Aufseher einer anders redenden Nation als die ihnen unterstellte Arbeiterschaft angehörten. Da übrigens auch die Lage der Bergwerke inmitten der Wüste ein Entweichen fast unmöglich machte, so konnte nur der Tod dem Elende ein Ende machen. Agatharchides bemerkt, daß die Lage der Goldarbeiter bereits unter den Pharaonen Altägyptens keine bessere gewesen sei, als die von ihm aus der Zeit der griechischen Ptolemäer geschilderte. – Diese Schilderung bei Diodor ist nicht frei von Übertreibung. Gewiß nötigte die Enge der Strecken den Häuer auf den Knien oder auf dem Bauche liegend vor Ort zu arbeiten. Ohne Zweifel mußte in den Strecken und Örtern die Hitze, die noch durch die Wärme der Grubenlampe und die Körperwärme erhöht [142] wurde, oft unerträglich sein, die schlechte Luft das Atmen erschweren. In solchem Zustand aber entbehrt ein Bergmann nicht die Kleidung, vielmehr wird sie ihm oft nur lästig sein, zumal im heißen Klima Ägyptens. Selbst die Feldarbeiter Griechenlands und Roms haben zur Erntezeit nackt oder nur notdürftig bekleidet die Arbeit verrichtet, wie bereits Hesiod (W. u. T. 390) es verlangt. Ununterbrochene Arbeit in der Grube ließ sich nun gar nicht durchführen. Eine Arbeitsteilung nach Schichten wird man als notwendig voraussetzen dürfen. Daß bei weitem die meisten Bergleute nach erledigter Arbeit in ihre über Tag gelegenen Wohnstätten zu ihrer Familie zurückkehrten, darf man wohl aus den sehr zahlreichen Steinhütten schließen, deren Reste bis auf den heutigen Tag erhalten sind. Lag es doch auch gar nicht im Interesse des Bergherrn (Königs), durch Tod oder Arbeitsunfähigkeit die kostbaren Arbeitskräfte vorzeitig zu verlieren. Konnten doch in Ägypten, dessen ältere Geschichte kaum auswärtige Kriege aufzuweisen hatte und das auch später nicht zu den kriegführenden Mächten zu zählen ist, die Sklaven nicht aus den Reihen der Kriegsgefangenen ergänzt, sondern nur auf den Sklavenmärkten, bezw. von den Sklavenhändlern gekauft werden. Jeder Todesfall oder Unfall bedeutete daher einen Kapitalverlust. Nur die zu schwerer Bergarbeit verurteilten Verbrecher und Flüchtlinge wurden nicht geschont; allein schon aus dem Grunde wurden sie bei Tag und Nacht gefesselt in der Grube gehalten, weil man bei ihnen mit einem Fluchtversuche zu rechnen hatte. Übrigens zeigen auch Maßnahmen der Könige, wie Brunnenanlagen zur Erzielung gesunden Trinkwassers an den Wegen zu den Gruben und in ihrer Umgebung, ummauerte Arbeiterdörfer bei den Bergwerken, Errichtung von Tempeln daselbst, daß man sich auch in Ägypten die Lage der Bergarbeiter erträglicher zu denken hat, als sie Agatharchides schildert. Auch in den Reichen der Großkönige Asiens werden nur Unfreie in den Dienst des B. durch Zwang gestellt worden sein. Nicht anders kann es in Griechenland zu der Zeit gewesen sein, wo die Bergwerke Eigentum der Landesfürsten waren. Aber auch später im demokratischen Athen haben die Grubenbesitzer mit verschwindenden Ausnahmen durch eigene oder von Sklavenverleihern gemietete Sklaven die Berg- und Hüttenarbeiten ausführen lassen. Die Freien, Bürger oder Fremde, beschränkten sich auf die Leitung der Werke, die sie aber auch oft technisch gebildeten Unfreien anvertrauten. Daß ein freier Mann es nicht verschmäht hat, selbst in der von ihm gepachteten Grube zu arbeiten, erfahren wir aus Demosthenes (XLII 20). Ja Xenophon behauptet, daß es in Athen eine ganze Reihe von Leuten gäbe, die in der Bergarbeit alt geworden wären (Xen. v. d. Eink. IV 22). Freilich wird es sich in allen diesen Fällen nur um solche Freie gehandelt haben, die, nur wenig begütert, sich gezwungen sahen, in dem von ihnen gepachteten Grubenraum mit Schlägel und Eisen zu arbeiten oder auf eigener Hütte zu wirken. Sie waren also nur für sich, nicht für andere tätig. Im Dienste eines Herrn standen nur Sklaven. Der den Gruben- [143] und Hüttenarbeitern unterschiedslos zukommende Name war μεταλλεύς, daneben bezeichneten den Grubenarbeiter allein die Wörter μεταλλευτής und διορύττων, den Hüttenarbeiter κιβδωλός. Die Arbeiter eines Bergwerks unterstanden einem Bergwerksdirektor ἐπιστάτης, der die technischen Arbeiten zu überwachen hatte. Der Leiter einer Hütte ἐργαστήριον hieß ἡγεμὼν τοῦ ἐργαστηρίου (Aisch. I 37) oder ἀρχικαμινευτής (Ath. Mitt. 1894, 243 bei Ardaillon 92). Aufgabe der unter ihnen stehenden Aufseher φύλακες war, die in Rotten eingeteilten Arbeiter zu Fleiß und Sorgsamkeit anzuspornen. Auch in den attischen Bergwerken wurde bei Tag und Nacht gearbeitet. Dabei hat man natürlich nicht an ununterbrochene Arbeit des einzelnen Mannes zu denken. Die Ansicht Ardaillons, der einen zehnstündigen Schichtwechsel annimmt, hat, wenn man die normale Arbeitskraft eines Mannes in Betracht zieht, viel Wahrscheinlichkeit. Die Bemerkung des Plinius (XXXIII), daß bei den spanischen Bergwerken die Arbeitszeit nach der Brenndauer der Lampen berechnet sei, führt ihn zu dieser Annahme: die in den antiken Gruben gefundenen Grubenlampen haben eine Brenndauer von etwa 10 Stunden. Über die Behandlung der Bergwerkssklaven bei den Athenern sind die Angaben widersprechend. Plutarch (vgl. Leben des Nikias und Crassus) wirft dem Nikias vor, er habe in seinen Bergwerken nur Verbrecher und Barbaren beschäftigt, von denen die meisten in Ketten gefesselt in der stets schlechten Luft der unterirdischen Gruben arbeitend früher oder später ein trauriges Ende fanden. In der Tat haben sich in den laurischen Bergwerken eiserne Fesseln gefunden, mit denen die Unglücklichen belastet waren. Andererseits rühmt Ps. Xenophon (Res publ. Ath. I 10f.), daß das Los der athenischen Bergarbeiter ein besseres als in anderen Ländern sei. Auch empfiehlt er, sie gütig zu behandeln, um sie an ihren Herrn zu fesseln und ihre Arbeitsfreudigkeit zu erhöhen. Da der Unfreie keinen Lohn erhielt, fehlte der Ansporn zu fleißiger Arbeit. Die Beschäftigung von Frauen und Kindern setzt voraus, daß die Arbeiter zum größten Teil in Familien in den Hütten lebten, deren Grundmauern im Gebiete von Laurion noch erhalten sind. Die Neigung, sich von der aufgezwungenen harten Arbeit zu befreien, wurde durch strenge Überwachungsmaßregeln unterdrückt. So ist es selbst in den Perserkriegen nicht zu einem Bergarbeiteraufstande gekommen. Erst im Dekeleischen Kriege (413) sind 20 000 Sklaven, in der Hoffnung, durch den Anschluß an das feindliche Heer die Freiheit zu gewinnen, zu den Spartanern übergelaufen (Thuk. VII 27). Man darf wohl annehmen, daß sich unter diesen Überläufern sehr viele Bergwerkssklaven befanden. Infolge dieses Aufstandes scheint Sunion befestigt worden zu sein. Erst im J. 103 v. Chr. kam es zu einem erneuten Aufstande der Sklaven, der wahrscheinlich mit dem gleichzeitigen Sklavenkriege auf Sizilien in Verbindung stand. Die Befestigungen Sunions wurden genommen und zerstört, die Fluren Attikas verwüstet. Zu dem damals beginnenden Niedergang des laurischen B. hat indessen weniger diese Empörung, bei der wohl vornehmlich Bergarbeiter beteiligt waren – unfreie Arbeiter waren [144] auch fernerhin unschwer zu haben –, als vielmehr die allgemeine ungünstige wirtschaftliche Lage Athens mitgewirkt.

Die Preise für einen Bergarbeiter richteten sich nach seinen geistigen und körperlichen Fähigkeiten. Böckh (Laur. Silb. 124; Staatshaush. 86) nimmt im 4. Jhdt. als Durchschnittspreis 150 Drachmen an. Einfache Arbeiter, Träger, bei der Mühle, dem Mörser und Sieb tätige Arbeitskräfte wurden für die Hälfte oder gar ein Drittel abgegeben. Der niedrigste Preis ging bis unter ½ Mine (Xen. mem. II 5, 2). Je nach dem Gewinn, den man aus dem Manne erzielte, steigerte sich der Preis bis auf 6 Minen (Demosth. XXVII 9). Nikias zahlte sogar für einen technisch hervorragenden Sklaven, den er als Leiter in den Bergwerken ἐπιστάτης τῶν ἀργυρείων gebrauchte, 1 Talent (Xen. mem. II 5, 2). Da die ärmeren Grubenbesitzer nicht in der Lage waren, sämtliche für ihren Betrieb erforderlichen Sklaven zu kaufen, so wandten sie sich an reiche Bergwerksbesitzer, die unter bestimmten Bedingungen Bergarbeiter vermieteten. Eine solche Maßnahme hatte für beide Teile Vorzüge. War einem Bürger die Erlaubnis, nach Silber zu schürfen, erteilt, so bedurfte er zur Anlegung von einem oder mehreren Versuchsschächten nur wenige Arbeiter. Erwies sich das Unternehmen als verfehlt, so konnten die Hilfskräfte entlassen werden, und der Verlust durch Tagelohn war nicht erheblich. Stieß man auf ein reiches Erzlager, so konnte die Arbeiterzahl zu jeder Zeit nach Belieben vergrößert werden. Andererseits kam der Vermieter völlig auf seine Rechnung. Der Mietzins belief sich auf einen Obolos für die Person und den Tag (Plut. Lak. Einr. 41 II 188 B. Andok. ü. d. Myst. 38). Außer diesem Zins fiel dem Pächter die Verköstigung und Bekleidung der Sklaven zu, wofür Unkosten in der gleichen Höhe von 1 Obolos für den Kopf und Tag in Anschlag gebracht wurden. Diese Taxe nannte man ἀποφορά. Für die Flucht des Sklaven, seinen Verlust durch Tod oder Arbeitsunfähigkeit wurde der Pächter haftbar gemacht. Das Vermieten von Sklaven (auch in der Industrie und Landwirtschaft) erwies sich als so gewinnbringend, daß reiche Bergwerksbesitzer ihre Kapitalien in Sklaven anlegten, die sie in sog. Sklavenfamilien unter einem Aufseher φύλαξ auch an auswärtige Bergwerksbesitzer vermieteten. So hatte Nikias an den Thrakier Sosias für dessen Silberbergwerke 1000 Sklaven verdingt (Xen. v. d. Eink. IV 14. 15. Athen. VI p. 272 C. Plut. Nik. 4), die ihm täglich 166 Drachmen einbrachten. Hipponikos erhielt täglich 100 Drachmen für 600 Sklaven und Philomonides 50 Drachmen für 300 Sklaven. Die Höhe der ἀποφορά des 5. Jhdts. ist im 4. Jhdt. die gleiche geblieben. Hypereides (frg. 165) berichtet, daß ein gewisser Theomnestos Bergwerkssklaven für einen Obolos mietete. Die ἀποφορά für jeden Bergwerkssklaven brachte also einen jährlichen Gewinn von 60 Drachmen ein, während für einen tüchtigen Hüttenarbeiter 100 Drachmen jährlich gezahlt wurden (Aisch. I 97). Dieser auffallende Unterschied erklärt sich daraus, daß es sich beim B. nicht nur um gelernte Häuer handelte, für die gewiß ein höherer Preis erzielt wurde, sondern auch um ungelernte [145] Arbeiter, Frauen, noch nicht Erwachsene und alte Leute, für die weniger als 1 Obolos bezahlt wurde. Die Vorteile, die sich aus dem Verdingen von Sklaven ergaben – bei dem anfänglich niedrigen Kaufpreis brachte der tägliche Mietzins von einem Obolos einen Gewinn von 50 v. Hdt. – veranlaßte eine Anzahl von Kapitalisten durch künstliche Steigerung der Sklavenpreise, den gesamten Sklavenhandel in ihren Händen zu vereinigen. Um diesen Mißstand zu beseitigen und zugleich dem Staate eine neue Einnahmequelle zu erschließen, machte Xenophon (v. d. Eink. IV) der athenischen Regierung den Vorschlag, das Geschäft des Sklavenvermietens selbst zu übernehmen. Zunächst solle der Staat 1200 Bergwerkssklaven kaufen. Bei einem Mietzins von 1 Obolos täglich werde er aus diesen 1200 eine jährliche Einnahme von 432 000 Obolen erhalten. Würden aus diesen Einnahmen immer neue Sklavenmengen gekauft, so könnte sich nach 5–6 Jahren die Zahl der staatlichen Bergwerkssklaven auf 6000 erhöhen. Wenn jeder von diesen 6000 Sklaven durchschnittlich 1 Obolos als Reingewinn brächte, so würde die tägliche Einnahme 6000 Obolen = 1000 Drachmen = 10 Minen, die jährliche (bei einem Jahre von 360 Tagen) 3600 Minen = 60 Talente betragen. Ein solches Unternehmen erhöhe nicht nur die Staatseinnahmen, die Regierung sei alsdann auch in der Lage, minderbegüterte Grubenbesitzer, die infolge der gesteigerten Ausgaben für die Arbeitskräfte genötigt seien, den Grubenbetrieb einzustellen, durch Überlassung wohlfeiler Arbeiter die weitere Ausbeutung ihres Bergwerkanteils zu ermöglichen. Damit werde ihnen und dem Staate genützt. Xenophons Vorschlag, der, wenn er angenommen wäre, voraussichtlich in weiten Kreisen die Unternehmungslust von neuem anzuregen geeignet war, fand bei der athenischen Behörde kein Verständnis.

b) Rom.

Auch in Italien und den meisten römischen Provinzen wurden die Berg- und Hüttenarbeiten durch Unfreie ausgeführt. Das Schicksal der in den spanischen Bergwerken beschäftigten Sklaven war nach der Schilderung Diodors (V 38) um nichts besser als das der Goldminenarbeiter Ägyptens: ‚Diejenigen, welche in den Bergwerken arbeiten, sagt er, verschaffen zwar ihren Herren unglaubliche Reichtümer, sie selbst aber leiden Unsagbares, da sie bei Tag und Nacht unter der Erde arbeiten müssen. Erholung und Ruhe von der Arbeit kennen sie nicht, vielmehr werden sie unter Schlägen gezwungen, sich den mühseligen und beschwerlichen Arbeiten zu unterziehen. Von dem Übermaß der Arbeit bewältigt, sterben viele, viele nehmen sich selbst das Leben, da sie den Tod einem traurigen Dasein vorziehen. Nur wenige, die einen starken Körper und Geist besitzen, halten diese Drangsale des Lebens lange aus.‘ Die Sklaven erhielten ein Brandmal auf der Stirn (Suet. Calig. 22), seit Constantin d. Gr. an den Händen und Waden. Um ihre Flucht zu verhindern, wurden sie gefesselt, indem man die Füße durch eine Kette mit dem Gürtel verband. Mit ihrer Bewachung wurden Soldaten betraut, die auch die Ordnung in den bei den Bergwerken entstandenen Arbeitsdörfern aufrechtzuerhalten und den Schutz der Bergwerke gegen etwaige [146] aufrührige Arbeiter oder gegen Angriffe feindlicher Stämme zu übernehmen hatten. Die mangelhaften technischen Kenntnisse und die Unlust zu der mit grausamen Mitteln erzwungenen Arbeit der Sklaven konnte nur durch Heranziehung gewaltiger Sklavenmengen ersetzt werden. In den nach Polybius (bei Strab. III 148) größten spanischen Silberbergwerken, die etwa 20 Stadien (½ Meile) von Neukarthago gelegen waren und einen Umkreis von 400 Stadien (10 Meilen) umfaßten, waren 40 000 Sklaven beschäftigt. Diese gewaltige Vergeudung von Menschenkräften verursachte hohe Unkosten. Nimmt man mit Rodbertus (Jahrb. f. Nationalökonomie XV 185) an, daß das Sklavenmaterial einen Wert von 120 Millionen Sesterzen, Grubenbau, Schmelzöfen und Werkzeuge einen solchen von 60 Millionen Sesterzen darstellten, so gelangt man zu einem Anlagekapital von 180 Millionen Sesterzen. Der Ertrag der Arbeit der 40 000 Sklaven, die täglich 25 000 Denare gewannen, belief sich im Jahre auf 36½ Millionen Sesterzen. Von diesem Ertrage gehen nun aber bei Berechnung von 12 v. Hdt. für Abnutzung 21½ Millionen Sesterzen ab, zu denen 2½ Millionen Sesterzen für die Ernährung kommen – den Scheffel Weizen zu einem Sesterzen gerechnet –, insgesamt also 24 Millionen Sesterzen. Hiernach ergibt sich für das Anlagekapital von 180 Millionen nur ein Ertrag von 12½ Millionen oder 6,94 v. Hdt. Die teuere Sklavenarbeit, vor allem auch die abnehmende Zahl der Sklaven, die kaum noch aus Kriegsgefangenen ergänzt werden konnten, weil sich die Kaiser im allgemeinen auf die Führung kleiner Grenzkriege beschränkten, nötigte die Unternehmer, das Arbeitspersonal mehr als früher aus den Reihen der Verbrecher zu ergänzen. Die damnatio ad metalla Sträflingsarbeit in den Gruben oder in opus metalli Nebenarbeit über Tag stand auf Vergehen wie Diebstahl mit der Waffe in der Hand oder in kaiserlichen Gruben, Gewalttat an römischen Bürgern, Wegelagerei, Brandlegung, Grenzverletzung, Notzucht u. a. Gleich den Sklaven wurden die Verbrecher mit einem Brandmal versehen und gefesselt. Die unter Tag Beschäftigten blieben auch nach beendigter Arbeit in den Gruben. Größere Räume, die ab und zu hier gefunden sind, dienten wohl zu ihrem Aufenthaltsorte. Das bei den römischen Bergwerken seltene Vorkommen von Stollen (fossae) findet vielleicht seine Erklärung in der Besorgnis, sie könnten die Flucht der mißhandelten Bergleute unterstützen. Das überaus traurige Dasein dieser bedauernswerten Menschen, unter denen sich auch Juden und besonders auch Christen in Menge befanden, schildert Cyprian (ep. 77) in düstern Farben: ‚Die Füße liegen in Fesseln, die nicht mehr der Schmied, sondern Gott allein abnehmen wird. Dem Körper fehlt die Lagerstätte und die Pflege: er muß auf dem bloßen Boden liegen. Die Verurteilten erhalten kein Wasser, den dicken Staub abzuwaschen, von dem sie naturgemäß bedeckt sein müssen. Brot wird kärglich gereicht, gegen die Kälte schützt die Kleidung nicht. Der Kopf ist halb geschoren, und was von Haaren übrig bleibt, starrt von Schmutz‘ (bei Grupp Kulturgesch. d. r. R. II 215). Um dem in allen Provinzen zunehmenden [147] Arbeitermangel bei den Bergbaubetrieben abzuhelfen, wurden gegen ihren Willen auch Legionssoldaten wenigstens zu den Nebenarbeiten über Tag herangezogen. Legionäre erhoben bei Kaiser Claudius Beschwerde, daß sie sich Schürf- und Untersuchungsarbeiten bei den Bergwerken unterziehen müßten. Wertvoller als die erzwungene Arbeit nicht technisch gebildeter Leute waren die bergmännischen Leistungen der bereits vor der römischen Eroberung in Bergwerksdistrikten tätigen einheimischen Grubenarbeiter. Diese früher freien Bergleute wurden jetzt zu Hörigen herabgedrückt, die bei ihren eigenen Gruben und Hütten Frondienste zu leisten hatten. So sind z. B. in England nach dort gefundenen Bleibarren, die mit typischen Eingeborenennamen, wie de Clea(ngis), de Brig(antis) als Stempelinschriften versehen sind, die einheimischen Briten zur Grubenarbeit gezwungen worden (Hübner). Auch in Spanien sind seit Traian die Galläcier zu Frondiensten in den Minen angehalten worden. Ganze Völkerschaften, die den Ruf als besonders tüchtige Bergleute genossen, wurden zur Ausbeutung wertvoller Bergwerke aus ihrer Heimat in andere Gegenden des Reichs verpflanzt. So wurden die Bergleute aus Salona, der Hauptstadt Dalmatiens, deren Umgegend nach Martial (X 78, 5) reiche Goldschätze besaß, in die Goldminen Dakiens versetzt. Andererseits wurden wandernde Bergleute, die die Heimat verließen, um in reicheren Bergbezirken lohnendere Beschäftigung zu finden, genötigt, an den Ort ihrer Geburt wieder zurückzukehren, wenn infolge massenhafter Auswanderung der B. ihrer Heimat zurückzugehen oder gar vernichtet zu werden drohte. Wie sehr die kaiserliche Regierung und die Unternehmer bemüht waren, tüchtige Bergarbeiter dem B. dadurch zu erhalten, daß man den in der Nähe der Gruben in dörflichen Gemeinwesen vici, pagi, saltus angesiedelten Arbeitern ihre wirtschaftliche Existenz nach Möglichkeit zu erleichtern suchte, zeigt das Bergwerksreglement von Vipasca (s. u.). Um die Übervorteilung der Verbraucher durch die Lieferanten zu verhindern, war die Beschaffung und Herstellung aller für die Bergarbeiter nötigen Dinge, von der öffentlichen Badeanstalt bis zur Lieferung von Schuhen, an Unternehmer verpachtet oder der Pächtergesellschaft übertragen, die ihrerseits von der kaiserlichen Aufsichtsbehörde überwacht wurde. Ohne Nachteile war freilich diese Maßnahme nicht. Indem die römische Regierung bestimmte Preise für alles festsetzte, wahrte sie wenigstens den Schein, als ob sie die Ausbeutung durch Händler verhindern wollte, schränkte sie zugleich auch die Arbeiter in ihrer wirtschaftlichen Freiheit ein (vgl. das engl.-amerik. Trucksystem). In ihren Niederlassungen konnten die Bergleute Genossenschaften bilden. Wie es scheint, haben die Freien, deren gab es auch noch unter den mit Tagarbeiten betrauten Arbeitern, ihre eigenen Vereine gehabt, während die Hörigen sich zu Zünften, Innungen usw. vereinigten, die unmittelbar unter den kaiserlichen Verwaltern standen. Bemerkenswert ist, daß den Juden die römischen Bergwerke in Spanien einen besonderen Eindruck machten (I. Makk. 8, 3).

[148] Die Arbeiterfrage, die das Schicksal der römischen Landwirtschaft bestimmt hat, wurde auch für den einst blühenden B. Roms verhängnisvoll. Die bereits erwähnte Abnahme der Kriegsgefangenen, von denen viele als Bergarbeiter in die Gruben geschickt wurden, konnte für den Bergbetrieb nicht ohne Folgen bleiben. Wie sehr man auch geneigt sein mag, die erzwungene Sklavenarbeit nicht hoch einzuschätzen, es waren doch diese Arbeiter in der Mehrzahl Menschen mit kraftvollen Muskeln, die der schweren Gesteinsarbeit gewachsen waren. Die jetzt mehr denn früher zur Grubenarbeit verurteilten Verbrecher konnten, zumal wenn sie den verkommensten unteren Kreisen der Reichshauptstadt entnommen waren, kaum ein vollgültiger Ersatz für die aus den Reihen der Kriegsgefangenen stammenden Sklaven sein. So griff man denn zur Erhaltung des B. zu dem gleichen Mittel, mit dem man dem drohenden Niedergang der Landwirtschaft entgegenzutreten versuchte. Wie die Landleute an die Scholle gefesselt (glebae adscripti) wurden, um als Kolonen mit ihren Familien die Felder des Gutsherrn zu bestellen, so band man auch die Bergarbeiterbevölkerung eines Bergdistriktes an dessen Gruben (glebae et metallis adscripti). Auch diese Leute mußten mit ihren Familiengliedern Frondienste in den Bergwerken leisten, denen sie sich um so mehr durch die Flucht zu entziehen suchten, als sie auch durch Abgaben hart bedrückt wurden. So haben sich unter Kaiser Valens die Thraker den siegreichen Goten angeschlossen, um mit ihrer Hilfe die Freiheit wieder zu erlangen (Ammian. Marc. XXXI 6). Um einen Ersatz für die sich mindernde Zahl der den landwirtschaftlichen Kolonen ähnlichen erblichen metallarii zu erhalten, wurde gesetzlich bestimmt, daß nicht mehr, wie früher, die Hälfte der Kinder der an die Grube gefesselten Bergleute dem Stande des Vaters zu folgen hätte, sondern alle Kinder gehalten seien, in den Bergmannsberuf einzutreten. Hatten die Bergarbeiter ihre persönliche Freiheit völlig eingebüßt, so blieben sie hingegen in uneingeschränktem Besitz ihres Grundeigentums, das sie auch an andere veräußern konnten. Freilich war der Käufer genötigt, mit dem Grundstücke die dem früheren Besitzer obliegenden Frondienste bei dem Bergwerke zu übernehmen (Cod. Theod. de metallariis 1. 6 und 9). Hiernach wurden diese Dienste nicht in Rücksicht auf die Person, sondern auf die Besitzungen der Berggegenden gefordert. Die Einfälle der germanischen Volksstämme haben, wie der römischen Landwirtschaft, so auch dem römischen B. ein Ende gemacht. Überdrüssig der unerträglichen Bedrückungen sind Berg- und Feldarbeiter massenhaft zu den Siegern übergetreten. Auch da, wo die Gruben erschöpft waren, mußte der Umtrieb der Bergwerke aufhören. In vielen Teilen des römischen Reichs, in Ägypten, Griechenland, Makedonien, Spanien, Oberitalien hatte ja die einheimische Bevölkerung die reichsten Erze bereits gewonnen, auch die Phoiniker hatten an den Gestaden des Mittelmeeres eifrigst und mit großem Erfolg nach Erzen geschürft, den Römern blieb die Nachlese. So lohnte es sich nicht mehr, in unrentable Anlagen Kapital hineinzustecken.

[149]

Besitz und Verwaltung der Bergwerke.

Das Recht, nach Erzen zu schürfen, stand in ältester Zeit einem jeden zu, der sich der mühevollen Arbeit unterziehen wollte. Nachdem der Boden aufgeteilt war, gehörte dem Besitzer der Oberfläche auch das, was das Innere des Bodens barg. Diese dem ursprünglichen Volksempfinden Rechnung tragende Auffassung hat sich in Rom bis zu Beginn der Kaiserzeit erhalten. In welcher frühen Zeit sich in despotisch regierten Staaten der Herrscher das Besitzrecht über die Bodenschätze angemaßt hat, entzieht sich der Kenntnis. In Ägypten mag die abgelegene Lage der Goldbergwerke, ebenso wie ihre Ausdehnung, die die Ausbeutung nur durch ein Aufgebot großer Arbeitermassen ermöglichte, zur Inbesitznahme der Bergwerke durch den König geführt haben. Ähnlich können die Dinge vielfach in Asien gelegen haben. Anders in Attika. Hier konnten die von der Land- und Seeseite leicht erreichbaren Erzlager von Privatleuten unschwer ausgebeutet werden. Das ist Jahrhunderte lang gewiß in primitiver Weise geschehen (Xen. v. d. Eink. IV 2). Wann diese laurischen Bergwerke Eigentum des Staates geworden sind, ist nicht festzustellen. Im 5. Jhdt. v. Chr. befanden sich die Silberbergwerke im Besitze des athenischen Staates, der sie freilich nicht selbst betrieb, sondern an Bürger zum Abbau verpachtete. Das Kollegium der zehn Poleten (πωληταί), denen unter Aufsicht des Rates die Verpachtung sämtlicher Staatsgüter oblag, hatte auch die Bergwerksanteile zu vergeben (CIG II 2266. CIA II 167. Demosth. XLII 3). Urkunden der Poleten über die Verpachtung der Bergwerke, die auf der Akropolis aufbewahrt wurden, sind am Abhange der Burg unter Schutthaufen aufgefunden worden. Sie enthalten außer dem Namen des Unternehmers (Käufers ὠνήτης) die Bezeichnung des Grubenfeldes (meist nach einer lokalen Gottheit, seltener nach dem früheren Inhaber oder nach der geographischen Lage benannt), seine Grenzen (διαγραφή) und die Bezeichnung, ob es eine neue Grube καινὸν μέταλλον, καινοτομία oder eine alte aufgegebene παλαιὸν μέταλλον, ἀνασάξιμον war (CIA II 780ff. 783. IV 2 nr. 780 b). Über die Pachtzeit gehen die Ansichten auseinander. Nach Böckh (S. 111f.) gelangte der Käufer in den dauernden Besitz der Grube, die er seinerseits durch Erbgang oder gesetzliche Abtretung an einen Dritten abgeben konnte. Dagegen nimmt Ardaillon, der das alleinige Eigentumsrecht des Staates scharf betont, eine dreijährige Pachtzeit für die ἀνασάξιμα, eine zehnjährige für die καινοτομίαι an (Aristot. Athen. Staatsv. 47). Nach Ablauf dieser Zeiten fiel das Verfügungsrecht über den Grubenanteil an den Staat zurück, der ihn an einen neuen Pächter vergeben, bezw. auf Antrag dem bisherigen Inhaber noch weiter belassen konnte. Ardaillon ist der Ansicht, daß die dreijährige Pachtzeit für eine schon in Angriff genommene Grube, bei der es sich in den meisten Fällen nur noch um eine Nachlese handelte, eine völlig ausreichende gewesen sei. Dagegen genügte, so meint er, eine zehnjährige Abbauperiode für eine neuanzulegende Schachtanlage, wenn man erwägt, mit welchen geringen technischen Hilfsmitteln [150] das Altertum im Gegensatze zur Neuzeit im B. auskam. Der Befund Laurions hat klar ergeben, daß die Bergwerke auf großen und kleinen Grubenfeldern von großen und kleinen Unternehmern betrieben worden sind. Ein öfterer Wechsel lag im Interesse der athenischen Bevölkerung, die in ihren weitesten Kreisen an dem Gewinn der Silberminen teilzunehmen den Wunsch hatte. Alle zum Grundbesitz berechtigten Bürger konnten Grubenfelder erwerben, ein Recht, das auch den Isotelen zuerkannt wurde (Xen. v. d. Eink. IV 12). Die Meldungen mußten bis zu einem gewissen Zeitpunkt, wahrscheinlich während der zweiten Prytanie, abgeschlossen sein. Der Zuschlag erfolgte an den Meistbietenden, der eine oder mehrere Gruben für seine Person oder für eine Gesellschaft, die aber von einem einzelnen vor Gericht vertreten wurde, erwerben konnte (Demosth. XXXVII 38. XLII 3. Hyperid. f. Euxenipp. 37. Xen. v. Eink. IV 32. Andok. ü. d. Myst. 133. CIA II 781, 1f.). Böckh (S. 112f.) nimmt an, daß der Käufer als Erbpächter das Grubenfeld mittels Erlegung einer verhältnismäßigen Summe ein für allemal als Kaufpreis oder ‚Einstandsgeld‘ erworben habe. Außer diesem Kaufgelde zahlte der Inhaber jährlich den vierundzwanzigsten Teil der Ausbeute des rohen, nicht des reinen Ertrags. Diesen Bergzins zog nicht der Staat, sondern der Steuerpächter ein (Harpocratio und Suidas zu ἀπονομή … ἀπεγράψατο τοῦ τελείου ἕνεκα τῷ δήμῳ εἰκοστὸν τέταρτον τοῦ καινοῦ μετάλλου. Aristoph. vesp. 657). Ardaillon bestreitet die Richtigkeit dieser letzteren Angabe. Wäre diese jährliche prozentuale Abgabe Vorschrift gewesen, so hätte der Staat, um sich vor Täuschungen zu schützen, ständig eine größere Anzahl Kontrollbeamte in die Bergwerke entsenden müssen, wie dies später in Rom geschehen sei. In dem Staatshaushalte der Athener seien aber solche Beamte nicht aufgeführt (Aristot. Staatsverf. d. Ath. 42). Aber auch das von Böckh angenommene einmalige Einstandsgeld läßt Ardaillon nicht gelten. Nach ihm hat der Zeitpächter eine nach der Größe und dem Wert der Grube festgesetzte, für die Zeit des Pachtkontraktes unveränderliche Pachtsumme jährlich zu zahlen. War hierbei die Möglichkeit gegeben, daß der Staat bei zu niedriger Ansetzung dieser Pachtsumme durch unverhofften reichen Gewinn des Ausbeutenden benachteiligt wurde, so konnte er doch bei der verhältnismäßig kurzen Pachtzeit einen etwaigen Verlust durch Erhöhung des Pachtzinses bei Steuerverpachtung wieder wettmachen. Freilich konnte andererseits auch der Unternehmer für die aufgewandten Mühen und Kosten nicht immer den erhofften Gewinn erhalten. Ob in solchem Falle eine Herabsetzung der Pachtsumme erfolgte, ist nicht bekannt. Säumigen Pächtern, die bis zur 9. Prytanie, d. h. 9 Monate nach dem Fälligkeitstermin das Pachtgeld nicht entrichtet hatten, verdoppelte der Rat die Schuldsumme, wie dies auch anderen Staatsschuldnern gegenüber zu geschehen pflegte. Auch durch Beschlagnahme des Bergwerkanteiles konnte sich die Regierung schadlos halten. Führte auch diese Maßnahme nicht zum Ziele, so wurde die Atimie über den Schuldner verhängt. Außerdem konnte, bis [151] zur völligen Tilgung der Schuldsumme, nicht nur das Privatvermögen des Schuldners, sondern auch das seiner Kinder, ja sogar das seiner Enkel mit Beschlag belegt werden (Demosth. XLII 12. Böckh 129). Das in den Bergwerksbetrieb gesteckte Betriebskapital blieb steuerfrei.

Solange noch reiche Erze in ansehnlicher Menge vorhanden waren, lohnte sich der Ausbau der laurischen Werke sehr. Der reiche Kallias, Kimons Schwager, soll sein großes Vermögen aus den Bergwerken gewonnen haben (Corn. Nep. Kimon I). Diphilos, der auf Betreiben des Redners Lykurgos zum Tode verurteilt wurde, weil er, gegen die gesetzlichen Bestimmungen, Bergfesten aus Gewinnsucht in den Gruben entfernt hatte, wodurch der Arbeiter gefährdet wurde, hatte sich aus den Bergwerken ein Vermögen von 160 Talenten erworben, das beschlagnahmt wurde (Leben der zehn Redner S. 843 d). Auch Nikias scheint seinen Reichtum dem Gewinn der Gruben im wesentlichen verdankt zu haben. Bei der jährlichen Verteilung der Staatseinkünfte aus den laurischen Bergwerken kamen auf den einzelnen Bürger im 5. Jhdt. zehn Drachmen. Bei einer durchschnittlichen Einwohnerzahl von 20 000 Vollbürgern (Böckh) würde dies eine Jahreseinnahme von 33 Talenten bedeutet haben. Da sich nach Xenophon (v. d. Eink. IV 3f.) der silberhaltige Bezirk in Laurion in der Folge noch mehr ausdehnte, so wird sich die Ausbeute später noch beträchtlich vergrößert haben. Ein Wendepunkt zum Schlechtern trat im Dekeleischen Krieg (413 v. Chr.) ein (Xen. mem. III 6. 12). Dem weiteren Rückgang während des Bundesgenossenkriegs (357–355 v. Chr.) suchte Xenophon (v. d. Eink. IV 1) durch gute Ratschläge zu steuern. Ob seine Mahnungen befolgt wurden, ist nicht bekannt. Noch kamen Pächter von Gruben auf ihre Rechnung (Xen. v. d. Eink. IV 4, 28). Zur Zeit des Demosthenes beteiligten sich sogar arme Bürger an den Bergwerksarbeiten. Freilich gestaltete sich ihre wirtschaftliche Lage im März des J. 347 v. Chr. (Hansen 7) so ungünstig, daß die Regierung gezwungen war, ihnen eine Beihilfe zu gewähren (Demosth. g. Phaen. 31). Selbst in dieser ungünstigen Zeit konnte sich ein tüchtiger, arbeitsamer Mann durch Grubenwirtschaft emporarbeiten. Der Gegner des Phainippos, der über ein so geringes Privatvermögen verfügte, daß er zur Erwerbung seines Lebensunterhaltes persönlich in der Grube arbeiten mußte, gelangte zu solcher Wohlhabenheit, daß er zu den Dreihundert, d. h. reichsten Bürgern der Stadt zählte. Indessen wurde er durch Teuerung und Bergstrafen in der Höhe eines Talentes für jedes seiner Grubenfelder so hart betroffen, daß er schließlich wieder völlig verarmte. Xenophon hatte einst geraten, es möchten die Phylen den Betrieb der Gruben übernehmen, da die Reichen Bedenken trugen, ihre Kapitalien für eine so zweifelhafte Sache, wie der B.-Betrieb geworden war, einzusetzen. Die Befolgung dieses Rates erwies sich nicht als notwendig. Unter dem Schatzmeisteramte des Lykurgos (337–325 v. Chr.) drängten sich die Kapitalisten, ihr Geld wieder in den Gruben anzulegen. In der Tat wuchs ihr Reichtum, damit freilich auch der Neid ihrer Gegner (Hyperid. § 12 col. XLVIII. [152] vgl. Hansen 8), die wegen wirklicher oder angeblicher bergrechtlicher Vergehen die Grubenbesitzer zu vernichten trachteten. Als man diesen Denunziationen ein Ende machte, wurden zum Vorteile des Staates die Arbeiten von neuem aufgenommen (Hyperid. f. Euxenipp. 38 col. XLV). Unglücksfälle und der Wettbewerb unentdeckter makedonischer Erzlager, vor allem die reichen Silberschätze Spaniens trugen zum Niedergange der laurischen Bergwerke bei; der zweite Bergarbeiteraufstand im 2. Jhdt. v. Chr. scheint die völlige Einstellung des B.-Betriebes zur Folge gehabt zu haben. Zur Zeit Strabons (1. Jhdt. n. Chr.) waren die einst so berühmten Silberminen Laurions verlassen. Das Erzklein (ἐκβολάδες) und die Schlacken (σκώρια) wurden noch durchsucht und verhüttet (Strab. IX 399; vgl. Binder 48ff.).

Rom. Nach römischem Rechte gehörte das, was unter dem Boden liegt, dem Grundeigentümer (Plin. XXXIII 21; vgl. I 263. 372. 377). So blieben denn auch in den eroberten Gebieten die Bergwerke, welche auf dem Grund und Boden römischer Bürger oder Eingeborener lagen, Eigentum der Grundbesitzer, die an die Staatskasse eine Abgabe zu entrichten hatten. Noch in der Kaiserzeit, als die bedeutendsten Anlagen durch Konfiskation, Erbschaft oder Kauf in den Besitz der Herrscher übergegangen waren, befanden sich ansehnliche Silberbergwerke in den Händen von Privatleuten wie Crassus (Plut. Crass. 2. Diod. V 36 § 3–4) und Sext. Marius (Tac. ann. IV 19). Auch die Bleigruben Britanniens gehörten einheimischen Privatbesitzern, wie die Namenstempel auf den gefundenen Bleimassen bezeugen (Hübner Über die Bleigruben in Britannien. Rh. Mus. N. F. XII 364ff.). Der Bergwerksbesitz der Römer erstreckte sich über Italien und fast alle Provinzen des Reichs. Die italischen Bergwerke, obwohl sie nach Angabe des Plinius (III 138. XXXIII 78) nicht unbedeutend waren, wurden allerdings durch Senatsbeschluß frühzeitig aufgegeben, vermutlich weil die Erträge den aufgewandten Kosten nicht entsprachen. Dagegen bildeten die Einnahmen aus den Gruben der Provinzen, von denen zwar einige, wie Laurion, bereits erschöpft waren, eine wertvolle Bereicherung des römischen Staatsschatzes. Diese im Besitze des Staates befindlichen Bergwerke wurden aber nicht von der Regierung verwaltet, sondern, wie alles Staatsgut, von den Censoren Privatgesellschaften gegen Erlegung eines Pachtzinses zur Bewirtschaftung überlassen (Polyb. VI 17. Liv. XLV 18). Da die Pacht nur auf fünf Jahre lief, so bemühten sich die Pächter, möglichst schnell einen großen Gewinn aus den Gruben zu ziehen. Auf Kosten der Gesundheit und Sicherheit der Bergarbeiter wurden Schächte, Strecken und Stollen gegraben und, wenn die erhoffte Menge an Metallen nicht gefunden wurde, wieder aufgegeben. Nur reiche Erze wurden gefördert, geringere blieben unbeachtet. Zwar waren die Pächter publicani durch gewisse Bestimmungen, wie z. B. Festsetzung der Höchstzahl der Arbeiter, in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt (Plin. XXXIII 78), doch fehlte es an einer strengen Aufsicht seitens der Censoren. Wie machtlos sich die Regierung den Pächtern [153] gegenüber erwies, zeigen die makedonischen Bergwerke (Liv. XLV 18). Ein Jahrhunderte lang betriebener Raubbau und die Einsicht, daß bei dem bisher befolgten Pachtsystem die finanziellen Interessen des Staates stark geschädigt wurden, veranlaßte die Kaiser aus dem Flavischen Hause, den Privatleuten und Städten den Besitz der Bergwerke zu entziehen und ihre Verwaltung kaiserlichen Beamten zu übertragen. Dabei wurde im allgemeinen kein Unterschied gemacht, ob die Bergwerke in kaiserlichen oder senatorischen Provinzen lagen. Als Vertreter des Kaisers, des eigentlichen Besitzers der Gruben, wurde ein von ihm bestellter Prokurator aus dem Ritterstande, seltener aus der Zahl der kaiserlichen Freigelassenen, mit der Verwaltung der gleichartigen Bergwerke einer Provinz, zuweilen auch zweier Provinzen betraut. Dem Prokurator stand ein Büro von mittleren Beamten zur Seite. Inschriftlich sind bezeugt: commentarienses, tabularii, γραμματεῖς Buchhalter, Schreiber, dispensatores Kontrollbeamte, arcarii Kassenbeamte, probatores Sachverständige, welche den Betrieb der Bergwerke zu beaufsichtigen hatten. Auch Offiziere wurden dem Prokurator zuweilen zur Dienstleistung überwiesen, doch geschah dies nur, wenn dieser oberste Bergbeamte dem Ritterstande angehörte und nicht kaiserlicher Freigelassener war. Bei dieser Neuordnung der Bergwerksverwaltung hatte man indessen mit dem alten Verfahren der Verpachtung nicht völlig gebrochen. Der Prokurator, der selbst kein Fachmann war, konnte den Betrieb nicht leiten, vielmehr überließ er auf dem Wege der Versteigerung oder des freihändigen Verkaufs die einzelnen Gruben zur Ausbeutung unmittelbar an Kleinpächter oder im Ganzen an eine Gesellschaft von Großpächtern, die ihrerseits die Gruben im einzelnen an Konduktoren und Redemptoren zur Bearbeitung überließen. Außer dem kaiserlichen Prokurator stand nur diesen Pächtern das Recht zu, Mutungen und bergmännische Arbeiten ausführen zu lassen. Private, die solche Arbeiten Sklaven oder freien Lohnarbeitern übertrugen, hatten ihnen eine Bodennutzungsgebühr zu entrichten. Wertvolle Einblicke in die Bergverhältnisse der römischen Kaiserzeit gibt das der flavischen Zeit (Ende des 1. Jhdts. n. Chr.) angehörende Berggesetz des metallum Vipascense, das, in Erz gegraben, im Frühjahr 1876 in der Nähe des in einem B.-Gebiete der portugiesischen Provinz Alemtejo gelegenen kleinen Kastells Aljustrel aufgefunden worden ist. Das zunächst nur für das Bergwerk von Vipasca und den dazu gehörenden Bezirk erlassene Gesetz, von dem nur ein Bruchstück erhalten ist, gewinnt dadurch eine besondere Bedeutung, weil seine Bestimmungen wahrscheinlich auch in den Verfassungen anderer Bergwerke und Bergbezirke wiederkehren. Nach diesem Gesetze hatte der, welcher auf Erze schürfen wollte, zwar das Recht, sich den Platz auszuwählen und sein Anrecht auf diesen durch eine an Ort und Stelle aufgestellte Tafel kenntlich zu machen, doch war er verpflichtet, den Pächter innerhalb zweier Tage hiervon in Kenntnis zu setzen. Sollte ein bereits aufgegebenes Werk oder eine noch im Betriebe befindliche Grube von neuem bergmännisch bearbeitet [154] werden, so war dem Pächter binnen drei Tagen die Zahl der zu verwendenden Arbeiter anzuzeigen. Für jeden dieser Arbeiter war monatlich eine bestimmte Summe, deren Höhe nicht bekannt ist, zu entrichten. Die Pächtergesellschaft konnte auch selbst mit eigenen Arbeitern das Grubenfeld abbauen, doch geschah dies wohl nur in seltenen Fällen. Für die Einführung von kupfer- oder silberhaltigem Erzklein aus anderen an Erzen reichen Gegenden in das Gebiet von Vipasca, um die hier vorhandenen technischen Einrichtungen für das Schmelzen und Verwaschen zu benutzen, mußte dem Pächter eine Gebühr von einem Denar für je hundert Zentner bezahlt werden. Dieser niedrige Satz erklärt sich wohl aus dem geringen Metallgehalte des zur Bearbeitung übergebenen Erzkleins. Wurde das Geld nicht noch am selben Tage hinterlegt, so erhöhte sich der Preis um das Doppelte. Wer die Gebühren überhaupt nicht zahlte, mußte ebenso wie der, welcher den Schürfungsort oder die Arbeiterzahl nicht rechtzeitig meldete, dem Pächter angezeigt werden. Diesem stand alsdann das Recht der Pfändung zu, doch durfte er nicht Bergarbeiter, freie oder unfreie, als Pfandobjekt nehmen (Hübner Röm. Bergwerksverw. Deutsche Rundsch. XII 212).

Trotz der schlechten Erfahrungen, die in den Zeiten der Republik gemacht waren, hat man auch späterhin mit diesem Systeme nicht völlig gebrochen (Ulp. Dig. L 16, 17 § 1 bei Hirschfeld Untersuch. auf dem Gebiete der röm. Verwaltungsgesch. 75). Bezeugt sind Pächter der Eisenwerke ferrariae in Noricum (CIL III 4788. 5036. V 810 vgl. III 4809) und Gallien (Wilmanns Exempla 219 [Narbonne]), der Bleigruben plumbaria in der Schweiz (Mommsen I. H. 343, 10) und Britannien (CIL VII 1200), der Goldbergwerke in Dakien (CIL III 941) und der senatorischen Gruben in Baetica (Plin. XXXIII 18. XXXIV 163). Vielleicht waren die Pächter verpflichtet, Gold, Silber und Kupfer an die kaiserlichen Münzstätten gegen Entgelt abzuliefern, auch scheint es, als ob die Gold-, Silber- und Kupferbergwerke seit dem 2. Jhdt. n. Chr. sämtlich in den kaiserlichen Besitz übergegangen sind (Hirschfeld 77), während man die Eisenwerke auch weiterhin Privatpächtern überließ. Die procuratores ferrariarum waren aber, im Gegensatze zu den kaiserlichen Bergwerksprokuratoren, nur Beamte der Pächter, die unter Aufsicht der Provinzialprokuratoren standen (Mommsen CIL III index p. 1134: Eisenbergwerke Sardiniens). Zur Verhütung des Raubbaues, zur Abschließung von Pachtverträgen, Einziehung der Pachtgelder scheinen auch bei dieser Gattung von Bergwerken kaiserliche Beamte eingesetzt worden zu sein (CIL III 3935 [Siscia]).

Von höheren Bergwerksbeamten des ausgehenden römischen Kaisertums findet sich in der Notitia dignitatum nur der Comes metallorum per Illyricum unter Comes sacrarum dignitatum (Not. dign. c. 12). Seine Einsetzung geht wahrscheinlich auf die Diokletianische Reform zurück (er wird genannt Cod. Theod. X 19, 3 = Cod. Iust. XI 6, 1 im J. 365 [Hirschfeld 90]). Die hier genannten procuratores metallorum sind nicht kaiserliche Bergwerksbeamte, sondern Kurialen,[155] die auch zur Übernahme dieser Lasten gezwungen wurden (Cod. Theod. I 32, 5 = Cod. Iust. XI 6, 4) im. J. 386. In der letzten Zeit des römischen B. scheinen kaiserliche Bergwerksbeamte überhaupt nicht mehr eingesetzt worden zu sein, ein Beweis dafür, daß der B., der im 1. und 2. Jhdt. n. Chr. im römischen Reiche in hoher Blüte stand, im 3. und 4. Jhdt. n. Chr. mit dem Rückgang des politischen und wirtschaftlichen Lebens von seiner Höhe herabgesunken war, wie das Reich selbst ein Ende gefunden hat.

Literatur.

Caryophilus De antiquis auri, argenti, stanni, aeris, ferri plumbique fodinis, Viennae 1757. Reitemeyer Gesch. d. Bergb. u. Hüttenwes. bei den alten Völkern, Göttingen 1785. Böckh Über die laurischen Silberbergwerke in Attika, Abh. d. Kgl. Akad. d. Wissensch., Berlin 1818. Rösinger Über den Gold- und Silberreichtum d. alten Spaniens, Schweidnitz 1858. Kordellas Le Laurium, Marseille 1871. Hansen De metallis atticis, Hamburg 1885. Blümner Technologie, B. IV Die Metallarbeit 1887. Beck Gesch. d. Eisens, erste Abt. II 1890. Binder Laurium, die attisch. Bergw. im Altert., Laibach 1895. Ardaillon Les mines du Laurion dans l’antiquité, Paris 1897. Treptow Bergbau 1900. Freise Gesch. der Bergbau- u. Hüttentechnik, I. Das Altertum, Berlin 1908.

[Orth.]