RE:Carthago nova

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band III,2 (1899), Sp. 16201626
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Carthago nova, in Hispania citerior. Wie die iberische Stadt hiess – eine alte phoinikische Niederlassung an der Stelle von irgendwelcher Bedeutung und Dauer ist trotz der ganz besonderen Gunst der Lage nicht nachweisbar –, die einst da gelegen hat, wo spät erst die Barkiden das neue C. gegründet haben, ist zwar nicht sicher zu entscheiden, aber mit höchster Wahrscheinlichkeit ist dafür die Stadt der Massiener, der späteren Bastetaner (s. d.) Massia zu halten (s. d.; Müllenhoff D. A. I 151. Meltzer Gesch. der Karthager I 341. II 407); das auf zahlreichen iberischen Münzen aus dieser Gegend genannte Sethisa (Mon. ling. Iber. nr. 101) mag in unmittelbarer Nähe zu suchen sein. Möglich wäre, dass Massia wie urbs Massiena nur adjectivische Bezeichnung der Stadt war, deren einheimischen Namen man nicht kannte, falls er nicht eben das Sethisa der Münzen war. Wenn Silius die Stadt wiederholt Teucro fundata vetusto nennt (III 368. XV 192), so folgt er einer wohl auf Asklepiades von Myrlea zurückgehenden Erfindung, wonach Teukros auf seiner Fahrt in den Westen hier gelandet sein soll (Iustin. XLIV 3, 3); vgl. Callaici o. S. 1357. Den ältesten Bericht über ihre Gründung – daher Poenorum opus bei Plinius (III 21 nach Varro) – giebt Diodor nach uns unbekannter Quelle (XXV 12, Timaios?). Danach rächte Hasdrubal unter anderem damit des Hamilkar [1621] Niederlage und Tod, dass er eine Stadt am Meere gründete, die er das neue C. (Νέαν Καρχηδόνα) nannte; der dürftige Auszug aus dem Bericht lässt nur ahnen, dass er sich damit einen Sitz grosser Macht schuf. Ausführlicher berichtet Polybios, wohl den Geschichtschreibern Hannibals und am Orte eingezogenen Erkundigungen folgend, wie Hasdrubal im J. 533 = 221 v. Chr. wohl überlegt an für Iberien wie für Libyen gleich günstiger Stelle ,Karchedon oder die Neustadt‘ angelegt habe und wie die so gewonnene Machtstellung der Karthager in Iberien sogleich ihren Einfluss Rom gegenüber zeigte (II 13, 1–7. Strab. III 158. Mela II 94; Appian. Hisp. 12 vermengt diesen Bericht aus gröbstem Missverständnis mit Hannibals Neugründung von Sagunt, das er für Neu-C. hält), und verweist dabei auf die später zu gebende genaue Beschreibung seiner Lage. Die Stadt ist seitdem das Hauptquartier der karthagischen Macht in Iberien und der Ausgangspunkt aller Feldzüge des Hannibal (Polyb. III 13, 7. 15, 3. 17, 1. 33, 5. Liv. XXI 5, 4), der auch von dort nach Italien aufbricht (Polyb. III 39, 6. 11. V 1, 5), und des Hasdrubal (Polyb. III 76, 11), dessen Flotte oft in der geschützten Bucht vor Anker lag (Polyb. III 95, 2). Von dem tollkühnen aber glücklich gelungenen Handstreich, durch den der junge P. Scipio den Untergang seines Vaters und Oheims rächend im J. 545 = 209 v. Chr. die Stadt eroberte, datiert der Umschwung im Erfolg der römischen Waffen gegen Karthago (Polyb. X 6, 8ff. Liv. XXVI 42, 7ff.; vgl. XXVII 7, 5. Flor. I 22, 39. 33, 7. Sil. XV 220ff. Zonar. IX 8 nebst den einzelnen Zügen aus der Geschichte der Einnahme bei Val. Max. IV 3, 1. XII 11 ext. 1; vgl. Polyaen. VIII 16. Frontin. strat. III 9, 1. Gell. VII 8, 3). Seitdem ist C. das Hauptquartier der römischen Feldherren und der Ausgangspunkt der Feldzüge des Scipio (Polyb. XI 31), nachdem Magos Versuch, die Stadt wiederzugewinnen, misslungen war (Liv. XXVIII 36, 4).

Die Eroberung der Stadt durch den älteren Scipio Africanus gab Polybios bekanntlich den Anlass zu der genauen Beschreibung der Lage, der θέσις τῆς πόλεως (X 10, 1–16), für die er sich ausdrücklich den Irrtümern vieler (des Fabius Pictor?) gegenüber auf seine Autopsie und sorgfältige Beobachtung beruft (X 11, 4 οὐ γὰρ ἐξ ἀκοῆς ἡμεῖς ἀλλ’ αὐτόπται γεγονότες μετ’ ἐπιστάσεως ἀποφαινόμεθα). Ihm folgt unzweifelhaft die in allem wesentlichen übereinstimmende Beschreibung des Livius (XXVI 42, 7–47, 10); nur enthält sie viele Einzelheiten, die bei Polybios fehlen, also aus einer römischen Quelle hinzugefügt sind (W. Soltau Philol. LIII 1894, 601ff., vielleicht C. Laelius von beiden benützt). Polybios hatte den jüngeren Scipio im J. 603 = 151 v. Chr. auf der Fahrt von Massalia nach Neu-C. begleitet (XXXV 4, 8), sah die Stadt also zuerst von der Seeseite; während Scipio sich an dem keltiberischen Feldzug des Lucullus beteiligte (Polyb. XXXV 5. Appian. Hisp. 33), blieb er in Neu-C. und lernte ihre Lage und ihre Umgebungen, besonders die Silbergruben kennen (XXXIV 9, 8–11 = Strab. III 147). Wenn sich in seinen Angaben wirklich ein Fehler gegen die Orientierung, Verwechslung von Nord und Ost. fände (H. Droysen Rh. Mus. XXX 1875, 62ff.; die neueste und letzte [1622] Karte der Stadt und des Hafens ist die nach den von Droysen benützten erschienene in dem grossen Atlas von F. Coello, Madrid 1876), so wäre es bei dem Mangel ihm zu Gebote stehender Karten nicht zu verwundern (Ed. Meyer Herm. XXX 1895, 269) und thäte der Zuverlässigkeit und Genauigkeit seines Berichtes im übrigen keinen Eintrag. Aber seine Beschreibung entspricht durchaus der Wirklichkeit. Der Meerbusen, wahrscheinlich der Namnatius portus (s. d.) des alten Periplus, in dessen innerster Tiefe die Stadt liegt, erstreckt sich von der Insel Scombraria (s. d.), der νῆσος στρογγύλη des alten Periplus (Avien. or. mar. 453), der gerundeten Insel, hinter der sich nach Westen das Traetegebirge erhebt (s. d.; Ptolemaios nennt das Vorgebirge Σκομβραρία ἄκρα, wohl irrtümlich, II 6, 14), bis zu der gegenüberliegenden Landspitze, auf der das Castell las Galeras liegt, also mit seiner weitesten Öffnung genau nach Westsüdwesten, wie Polybios angiebt (πρὸς ἄνεμον λίβα). Sie lässt für die von Osten, von Tarraco her, wie für die von Südwesten, von Italien oder Africa her Einfahrenden zu beiden Seiten eine Zufahrt offen und schützt mit den hohen Gebirgen, die den Busen im Norden und Osten umschliessen, was Polybios ausdrücklich hinzufügt, vor dem Seegang und den Winden bis auf die Süd- und die Südwestwinde. Auch die Masse (20 ✕ 10 Stadien nach Polybios, über 1000 ✕ gegen 2500 Millien nach Livius) stimmen ungefähr zu der Wirklichkeit; denn die Bucht von der Insel Escombrera östlich ist als zu dem Busen gehörig anzusehen. In der Tiefe des engeren Busens zwischen den Castellen San Julian und las Galeras, der für die Einfahrenden durch die Insel verdeckt wird, liegt die Stadt und westlich neben ihr der heutige Kriegshafen. Sie hatte deren im Altertum mehrere (Strab. III 159 nach Poseidonios). Die halbinselartige Höhe – das χερρονησίζον ὄρος –, auf dem die Stadt liegt, ist zwar jetzt nicht mehr im Osten und Norden, wie Polybios sagt, vom Meer umgeben, sondern nur noch im Osten. Aber der Kriegshafen hat sich früher auch nordwärts um den ältesten Kern der Stadt erstreckt, wie ältere Karten zeigen. Unmittelbar daran schliesst sich der grosse Sumpf im Westen, arabisch Almajar genannt, der sich auch nördlich hinzog – πρosεπιλαμβάνουσα καὶ τοῦ πρὸς ἄρκτον μέρους; er muss in der That einst mit dem jetzigen Hafen in Verbindung gestanden haben, so dass die Stadt halbinselartig, aber zeitweise wie eine wirkliche Insel lag, durch einen Damm von nur zwei Stadien oder 250 m. p. Breite mit dem Festland verbunden, je nach der wechselnden Tiefe des Aestuariums (wie Livius hinzufügt). Der alte, die Landenge bildende Damm im Norden der Stadt ist nicht mehr vorhanden. Er war künstlich hergestellt und an der Stelle des Durchstichs überbrückt, zur Vermittlung des Verkehrs von Wagen und Lasttieren mit dem Lande; wie noch jetzt am Thor nach Murcia. So ist die Stadt selbst in der Mitte hohl (μεσόκοιλος); d. h. sie liegt auf dem Hügel mit der ἄκρα, der das jetzt verfallene Castell de la Concepcion trägt mit römischen, im späteren Altertum vielfach aus römischen Grabsteinen geflickten Mauern und Türmen. Dies ist die altiberische Stadt, an die sich nördlich die [1623] Niederung zum Almajar anschliesst, deren Durchwatung bei niedrigem Wasserstand Scipio seinen Soldaten als die Hülfeleistung des Neptun bezeichnete. Sie liegt unmittelbar über dem Meer, so dass die Flotte des C. Laelius in der That an der Belagerung teilnehmen konnte. Die beiden hohen und steilen, schwer zugänglichen Berge sind im Osten der des Castells San Julian, auf dem einst ein Tempel des Asklepios-Eshmun stand, wie in Alt-C., ihm gegenüber der ähnliche im Westen mit dem Castell las Galeras. Auf diesem, also weit ausserhalb der Stadt, lag die Königsburg, die Hasdrubal erbaut hatte. Die drei kleineren Hügel innerhalb der modernen Festungsmauer sind der östliche, der des Hephaistos, der ihm nächste der des Aletes, des angeblichen Finders der Silbergruben (Aletus und Aletea sind nicht seltene iberische Namen), der dritte, südlich davon, der des Kronos-Saturn; auch ein Vorgebirge des Saturn wird genannt (Plin. III 19). Reste der 21 Tempel und Bauten würden durch Ausgrabungen sicher zu finden sein. Den ursprünglichen Umfang der iberisch-punischen Stadtmauer, deren Höhe und Schönheit hervorgehoben wird, giebt Polybios nach eigener Schätzung auf 20 Stadien an; zu seiner Zeit sei er etwas geringer gewesen; er stimmt, einschliesslich der Königsburg und des Asklepiosheiligtums, mit der Wirklichkeit. Polybios hat seinen Aufenthalt in Neu-C. offenbar dazu verwendet, sich ein Bild von der Belagerung und Einnahme durch den älteren Scipio und C. Laelius zu machen, während sein Bericht über diese selbst neben schriftlichen Quellen auch mündliche Mitteilungen aus dem Kreise des jüngeren Scipio benützt haben wird. Der nur bei Livius erwähnte Hügel des Mercur wird der ausserhalb im Osten der Stadt und der sumpfigen Niederung liegende sein, auf dem ein arabisches Castell steht. Des Silius Beschreibung der Lage und der Einnahme der Stadt (XV 191–285) bietet nichts Neues, hebt aber die bezeichnenden Punkte der Lage treffend hervor. Ihre Ähnlichkeit mit der Alt-C.s springt in die Augen. Den Hauptreichtum der Stadt und ihres Gebietes bildeten die Silberbergwerke (Strab. III 159 nach Poseidonios), die wie der iberische Name ihres göttlich verehrten Finders Aletes (s. o.) zeigt, schon von den Iberern bearbeitet wurden und wohl lange vor der karthagischen Gründung den phoinikischen Kaufleuten bekannt waren. Dass der Silberreichtum für die Wahl des Ortes der neuen karthagischen Hauptstadt Iberiens den Ausschlag gab, beweist die stattliche Reihe der vielleicht schon von Hamilkar und dann von Hasdrubal geschlagenen Silberstücke, 6, 4, 3, 1½, 1 und ½ Drachme mit vortrefflichen griechischen Typen, Kopf des Herakles – dem die Insel Scombraria heilig war (Strab. III 159) – und einer weiblichen Gottheit, nebst dem karthagischen Wappenbild des Rosses mit der Palme und dem neuen und bezeichnenden des Elefanten, dem die Erfolge der karthagischen Waffen zumeist verdankt wurden, mit seinem Leiter; die Kupferstücke dazu zeigen einzelne phoinikische Buchstaben (Mon. ling. Iber. nr. 96 a). Sie bilden zugleich, obgleich Karthago auch hier die Goldprägung sich vorbehielt, die deutlichste Illustration für die königliche Stellung der Barkiden. Die Bergwerke, die Polybios besucht hat, lagen etwa [1624] 20 Stadien westlich von der Stadt entfernt, bei dem heutigen Almazarron, in einem Umkreis von 400 Stadien; 40 000 Menschen arbeiteten darin, und der Ertrag für den römischen Staat war zu seiner Zeit täglich 25 000 Drachmen (Polyb. XXXIV 9, 8–11 = Strab. III 147), also jährlich 2500 Talente oder etwa 9 Millionen Mark. Er beschrieb die Gewinnung genau, die erst nach der fünften Durchsiebung das reine Silber ergab und das Blei ausschied. In römischer Zeit scheint der Silberertrag zurückgegangen und hauptsächlich, wie noch jetzt, Blei gewonnen worden zu sein. Zahlreiche Bleibarren mit römischen Aufschriften aus republicanischer und früher Kaiserzeit zeugen dafür (CIL II 6247, 3. 4. 6); sie zeigen, dass diese Gruben damals in Privatbesitz waren. Gegenstand gewinnbringender Ausfuhr war ferner das Pfriemgras (spartum), das in der Nähe von C. in grosser Menge wild wächst (vgl. Campus spartarius), auch die Stadt selbst heisst darnach spartaria (Plin. XIX 26. XXXI 94 und das Itin. Ant. 401, 5). Berühmt war ferner das aus den Makrelen (scombri) bereitete garum, das in den zahlreichen Pökeleien in der Nähe (Strab. III 158) gewonnen wurde; das einer wohl ursprünglich phoinikischen, nachher römischen Handelsgesellschaft, das garum sociorum, war das gesuchteste (Strab. III 163. Plin. XXXI 94 nach Varro). Von diesen Fischen hatte die Insel Scombraria ihren Namen. Auch die vortreffliche Gerste (Plin. XVIII 80) aus dem vom Tader (s. d.) durchflossenen ager Carthaginiensis (Plin. III 9) und die auch im Winter blühenden Rosen von Neu-C. (Plin. XXI 19, alles nach Varro) werden gerühmt. Varro sah die unterirdischen putei (Silos), in denen man in agro Carthaginiensi das Getreide 50 Jahre lang aufbewahren konnte, wie in den Scheuem über dem Erdboden in Hispania citerior (r. r. I 57, 2. 3). So war die Stadt noch zu Poseidonios Zeit der grösste Handelsplatz für das innere Land und die Küste im südöstlichen Iberien (Strab. III 158). Sie diente als einer der festen Punkte im dritten Parallelkreis (Plin. VI 215), wie Carteia (s. S. 1618), zur Messung der Entfernungen von den Säulen des Herakles an (2200 Stadien Strab. III 156) bis zum Sucro und Hiberus (Strab. III 158) und weiter, sowie für die Schiffahrt nach Kaisareia in Mauretanien (Plin. III 19), 197 Millien, und nach den Balearen (Plin. III 76). Von einem wunderbaren dort wachsenden Baum erzählte Poseidonios (Strab. III 175); die Botaniker haben ihn nicht zu identifizieren vermocht. Als Ort des Exils wird die Gegend ultra Karthaginem novam im J. 574 = 180 v. Chr. genannt (Liv. XL 41, 10). C. wird nachher wieder im sertorianischen Krieg erwähnt – Sertorius schifft sich dort nach Africa ein (Plut. Sert. 7) – und in dem der Söhne des Pompeius gegen Caesar, wo Gnaeus es belagert (Dio XLIII 30, 1), und seiner Nachfolger, wo Sextus den C. Asinius Pollio daraus vertreibt (Dio XLV 10, 3); auch Cicero gedenkt dieser Vorgänge (ad Att. XVI 4, 2). Vielleicht schon durch Caesar, der dort Gericht hielt, als der junge C. Octavius zu ihm nach Hispanien kam (Nicol. Damasc. vit. Aug. 12), wenn nicht erst durch Augustus, wurde C. zur Colonie erhoben, wie die grosse Zahl lateinischer Münzen (nur Kupferasse und Semis) zeigt, deren ältere Reihe verschiedene [1625] Typen, darunter den Legionsadler und andere militärische Fahnen und Zeichen, sowie die Aufschrift c(olonia) v(ictrix) I(ulia) n(ova) mit den Namen von quinquennales und duoviri quinquennales aufweist (Mon. ling. Iber. nr. 96 b a – i; es finden sich darunter ein paar iberische Magistratsnamen), während die jüngere mit den Köpfen des Augustus, Tiberius und des C. Caesar meist priesterliche, aber auch auf den Triumph des Augustus bezügliche Bilder enthält und ausser den Namen von Duovirn und Quinquennalen – zu denen auch die Könige von Mauretanien, Juba und Ptolemaios, und die Caesaren Nero und Drusus gehörten – auch von Pontifices und die von Praefecten des Agrippa und Tiberius, mit der Aufschrift – seit Tiberius – c(olonia) v(ictrix) K(arthago) n(ova) oder v(ictrix) I(ulia) n(ova) K(arthago) oder c(olonia) – auch q(uolonia) – v(ictrix) I(ulia) n(ova) C(arthago) führt (Mon. ling. Iber. 96 b m–x). Die Inschriften ergänzen diese Zeugnisse. In republicanischer Zeit heisst die Stadt noch opidum und steht unter Quattuorvirn (CIL II 3408 = I 1555); nachher erscheinen coloni und incolae libertini (II 3419) und ausser den Duovirn und Quinquennalen Aedilen, Augurn nebst Decurionen und seviri Augustales (CIL II Index p. 1142). Die Bürger gehörten zur Tribus Sergia; doch kommen auch die Galeria und verschiedene andere Tribus vor (Kubitschek Imp. Rom. trib. discr. 191). Unter den patroni erscheinen der König Juba, Tiberius und der Legat des Augustus P. Silius (CIL II 3417. 5930. 3414; zu Silius vgl. Velleius II 90). Die agri publici apud Karthaginem novam duorum Scipionum eximia virtute possessi erwähnt schon Cicero (de leg. agr. I 5. II 51). Sicherlich hatte die Stadt in republicanischer Zeit als Sitz des Proconsuls eine Besatzung; aber Soldateninschriften fehlen durchaus. Wenn noch zu Strabons oder wohl vielmehr Poseidonios Zeit der Legat der Citerior im Winter abwechselnd in C. und in Tarraco Recht sprach (Strab. III 167), so ist doch Tarraco seitdem unzweifelhaft die bedeutendere Stadt. Dass C.s höchste Blüte in die republicanische Zeit fällt, zeigt die grosse Zahl von Grabschriften aus dieser und der frühaugustischen Zeit (CIL II p. 462. 952), unter denen sich mehrere poetische, wie CIL II 3453. 3475. 3479. 5298. 3501. 3504. Ephem. epigr. VIII p. 442, und solche mit altertümlichen Formeln finden (CIL II 3495). Neben verschiedenen Genossenschaften von Freigelassenen und Sclaven mit magistri (CIL II 3433. 3434 = 5927) blühte noch damals die der piscatores et propolae (CIL II 5292). Ausser dem genius opidi (CIL II 3408) wurden der gaditanische Hercules (II 3409) und Victoria (3410) verehrt. Von einem Tempel des Augustus erfahren wir nur aus Münzen (Mon. ling. Iber. nr. 96 b t); auch die Lares Augustales hatten Altäre (CIL II 5292). Mauern, Thore und Türme wurden von den republicanischen Magistraten erbaut (CIL II 3425–3427), ebenso andere öffentliche Gebäude (II 3430). Unweit der Stadt, an der römischen Strasse nach Ilici, ist der Kern eines grossen römischen Grabmals aus republicanischer Zeit erhalten, einem T. Didius T. f. Cor(nelia) gesetzt, der sein Bürgerrecht vielleicht von dem Proconsul der Citerior im J. 660 = 94 v. Chr. T. Didius [1626] T. f. hatte (Wilsdorf Fasti Hisp. prov. 111). In den Listen des Agrippa und Augustus erscheint C. als Hauptstadt des grössten Gerichtsbezirks der Citerior (Plin. III 18. 25) mit 65 Gemeinden ausser den ebenfalls dazu gehörigen balearischen Inseln (s. d.). Plinius berichtet von einem iuridicus der Citerior, der in C. einen Pilz ass, in dem sich ein Denar fand (XIX 35). Galba hielt hier Gericht, als Nero starb (Suet. Galba 9). Auch in später Zeit blieb die Stadt als Station der römischen Küstenstrasse (Itin. Ant. 401, 5. Geogr. Rav. 305, 1. 343, 8) und Haupthafen der Ostküste von Bedeutung (Ptol. II 6, 14. Cosmogr. Aethici p. 98, 10 R. Polem. Silv. p. 131, 10 R. Nomina prov. p. 128, 13 R.). Noch unter Kaiser Mauricius im J. 589 wurde das Thor nach der Landseite durch den Patricius Comenciolus, und wohl auch die Befestigungen überhaupt, gegen die Einfälle ,barbarischer Feinde‘, wahrscheinlich Mauren aus Africa, wiederhergestellt (CIL II 3420 = Inscr. Hisp. christ. nr. 176); einige christliche Grabschriften in griechischer Sprache (Inscr. Hisp. Christ, nr. 177. 178) zeigen, dass die Stadt einer der letzten Stützpunkte des byzantinischen Reiches blieb; und im Mittelalter ging sie nicht ganz unter. Noch jetzt ist sie einer der grossen Kriegshäfen der spanischen Marine.

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Band III,2 (1899), Sp. 2905
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Zu S. 1622, 3 Carthago nova) bemerkt der Herr Verfasser:

Die Berufung auf die Karte von F. Coello, Madrid 1876, beruht, wie ich erst jetzt feststellen kann, auf einer Verwechslung. Coellos Karte des Königreichs Murcia mit dem Plane von Cartagena ist noch nicht erschienen; meine Angabe behzieht sich auf eine Karte der Stadt und iher Umgebungen vom J. 1876, die ich im J. 1881 in Cartagena selbst einsah.