RE:Cornelius 335

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Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band IV,1 (1900), Sp. 14391462
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335) F. Cornelius Scipio Aemilianus Africanus. Quellen: Von den Zeitgenossen hat namentlich Polybios das Leben Scipios eingehend dargestellt, indem er ihn in den letzten Teilen seines Geschichtswerkes durchaus in den Vordergrund stellte; bezeichnend ist, wie er sich XXXII 16, 1–3. XXXVI 8, 5 selbst deswegen entschuldigt. Von Polybios und seinem Fortsetzer Poseidonios, der durch ihn und durch Panaitios in demselben Sinne beeinflusst wurde, sind die uns vorliegenden Berichte wenigstens in letzter Linie und zum grossen Teil abhängig, auch Cicero, der in den Büchern de republica Scipio zur Hauptperson des Dialogs machte, ihn in der Schrift Cato maior gleichfalls am Gespräch teilnehmen und im Laelius die Unterhaltung an seinen kürzlich erfolgten Tod anknüpfen liess. Eine Biographie Scipios citiert Gell. III 4, 1: In libris, quos de vita P. Scipionis Africani compositos legimus, scriptum esse animadvertimus, vielleicht ist dies zu verbinden mit VI 1, 2 (vgl. 6): C. Oppius et Iulius Hyginus aliique, qui de vita et rebus Africani (scil. Maioris) scripserunt, so dass man an die Behandlung Scipios in den auch I 14, 1 angeführten libri de vita rebusque inlustrium virorum Hygins denken kann. Eine Biographie Scipios schrieb ferner Plutarch; er citirt sie Ti. Gracch. 21, 3; C. Gracch. 10, 4 und hat wohl einfach daraus die zahlreichen Apophthegmata Scipionis Minoris (Mor. p. 199) Fff.) wiederholt; er hatte Scipio mit Epaminondas zusammengestellt. Von Inschriften, die Scipios Laufbahn verzeichneten, ist die des Fornix Fabianus im 10. Jhdt. aufgefunden und copiert worden (CIL I² p. 198 el. XXV = VI 1304 c = Dessau 43), während die zu der Statue auf dem Augustusforum gehörige nur von Plin. n. h. XXII 13 angeführt wird.

Monographische Litteratur: E. Lincke P. Cornelius Scipio Aemilianus. Progr. Dresden 1898. Die dort S. 2 A. 17 verzeichneten älteren Monographien, sowie die (nach Jahresber. d. Geschichtswissensch. 1878 I 84, 1 wertlose) von Person (Diss. Paris 1877) sind mir durchweg nicht zugänglich.

Familie: Scipio war nach zahlreichen Zeugnissen, die nicht erst angeführt zu werden brauchen,, der jüngere (Polyb. XXXII 10, 3. Liv. XLIV 44. 1. Diod. XXX 22. Plut. Aem. Paull. 5, 4) Sohn des L. Aemilius Paullus (Bd. I S. 576-580) aus seiner ersten Ehe mit Papiria und wurde von ihm noch als Knabe dem Sohne des älteren Africanus. P. Cornelius Scipio Nr. 331, zur Adoption gegeben, dessen Namen er auch empfing, während er die Erinnerung an seinen leiblichen Vater in dem Cognomen Aemilianus bewahrte. Er heisst gelegentlich Bruder des Q. Fabius Maximus Aemilianus (Cic. Lael. 96), Oheim von dessen Sohn Q. Fabius Maximus Allobrogicus (Cic. Mur. 75. daraus Val. Max. VII 5, 1. VIII 15, 4), ferner Oheim der Söhne seiner leiblichen Schwestern (Bd. I S. 590 Nr. 151. 1521. des Q. Aelius Tubero (Cic. Brut. 117; de or. II 341; Mur. 75, daraus Val. Max. VII 5, 1) und des C. Porcius Cato (Cic. Brut. 108). [1440] Geburtsjahr: Zur Zeit der Schlacht bei Pydna 4. September 586 = 22. Juni Julian. 168 heisst Scipio admodum adulescentulus bei Cic. rep. I 23, septumum decumum annum agens bei Liv. XLIV 44, 3, νέος ὢν κομιδῇ bei Polyb. XXIX 18, κομιδῇ νέον, ὡς ἂν περὶ τὸ ἑπτακαιδέκατον γεγονὼς ἔτος bei Diod. XXX 22; demnach müsste er damals seinen ersten Kriegsdienst gethan haben (vgl. Marquardt Privatleben² 133, 4) und Ende 569 = 185 oder Anfang 570 = 184 geboren sein. Eine sichere Entscheidung zwischen diesen beiden Möglichkeiten lässt sich kaum treffen, da für jede von ihnen ein Teil der übrigen Zeugnisse zu sprechen scheint. Polybios sagt von seinem ersten Zusammentreffen mit Scipio in Rom, das nicht vor den Anfang 588 = 166 gesetzt werden kann (vgl. Nissen Rhein. Mus. XXVI 272): ξενισθεὶς τῇ τοῦ μειρακίου καταρχῇ τῶν λόγων – οὐ γὰρ εἶχε πλέον ἐτῶν ὀκτωκαίδεκα τότε (XXXII 10, 1; vgl. 11. 12: μειράκιον. Diod. XXXI 26, 5: γεγονὼς κατὰ τοῦτον τὸν ἐνιαθτὸν ὀκτωκαίδεκα ἐτῶν), was auf den späteren Termin führt. Der Tod Scipios fällt nach den Feriae Latinae (Zeit des Dialogs Cic. rep. I 14), d. h. nach April oder Mai (vgl. Marquardt Staatsverw. III 298) 625 = 129; die unmittelbar vorhergehende Zeit hat Cic. rep. VI 12 im Auge: cum aetas tua septenos octiens solis anfractus reditusque converterit, duoque ii numeri, quorum uterque plenus alter altera de causa habetur, circuitu naturali summam tibi fatalem, confecerint, in te unum atque in tuum nomen se tota convertet civitas, wozu Macrob. comm. in somn. Scip. I 6, 83 bemerkt: per septenos octies solis anfractus reditusque quinquaginta et sex significat annos. Man darf aus dieser Stelle schliessen, dass Scipio noch vor Vollendung seines 50. Lebensjahres starb, aber nicht lange vorher, und wird so eher auf das Geburtsjahr 569 = 185 geführt; daher sagt Schol. Bob. Milon. p. 283 Or.: Excessit sex et quinquaginta, annos natus. Vielleicht war man schon im Altertum über Scipios Alter im Zweifel, da Vell. II 4, 7 seine mehr für 570 = 184 sprechende Angabe beweisen zu müssen glaubt: Decessit anno ferme sexto et quinquagesimo: de quo si quis ambiget, recurrat ad priorem consulatum eius, in quem creatus est anno XXXVI: ita dubitare desinet; rechnet man von 570 = 184 nicht bis zu dem Consulat selbst, sondern bis zu der Wahl zum Consulat 606 = 148 und legt man auf ferme den Ton, so kann man allenfalls beide überlieferten Zahlen festhalten. Die Angaben der Griechen Plut. apophth. Scip. Min. 1: ἔτεσι πεντήκοντα καὶ τέσσαροι, οἷς ἐβίωσε, und Aelian. v. h. XI 9, 5: τέτταρα καὶ πεντήκοντα ἔτη βιώσας beruhen wahrscheinlich auf einer Flüchtigkeit, Verwechslung der lateinischen Zahlzeichen LVI mit LIV. Ohne Wert ist die allgemeine Bemerkung über Scipios Alter bei Gell. III 4, 2. 586 = 168. Scipio nahm an der Schlacht bei Pydna teil und liess sich bei der Verfolgung des fliehenden Feindes soweit hinreissen, dass er erst mitten in der Nacht zurückkehrte und seinen Vater, der schon in grosser Sorge um diesen seinen Lieblingssohn war, davon befreite (vgl. Cic. rep. I 23. Liv. XLIV 44, 1-3. Auct. de vir. ill. 58, 1. Polyb. XXIX 18. Diod. XXX 22. Plut. Aem. [1441] Paull. 22, 3–7). Solange das Heer in Makedonien blieb, widmete er sich mit Eifer der Jagd (Polyb. XXXII 15, 3–7); dann begleitete er im Herbst 587 = 167 den Vater auf dessen Rundreise durch Griechenland (Liv. XLV 27, 6) und nahm in Rom an dessen Triumph teil (ebd. 40, 4. Eutrop. IV 8, 1, s. o. Bd. I S. 578). Die folgenden Lebensjahre Scipios hat Polybios XXXII 9, 2-15, 12 (daraus Diod. XXXI 26, 3ff.) geschildert, indem er darlegte, wie sich der Jüngling jede Tugend zu eigen machte. Aemilius Paullus hatte seinen Söhnen die Bücher des Perseus geschenkt (Plut. Aem. Paull. 28, 9), wie er überhaupt für ihre Bildung bemüht war (vgl. Plin. n. h. XXXV 135), und Gespräche über Bücher gaben den Anlass zu der ersten Bekanntschaft zwischen den Söhnen und Polybios, der deshalb nicht wie die anderen gefangenen Achaeer in einem Municipium untergebracht wurde, sondern in Rom bei Paullus bleiben durfte (Polyb. XXXII 9, 4f.). Das Gespräch, in dem Scipio sich dem Polybios ganz eröffnete und ihn um seine Freundschaft bat, muss man bei Polybios selbst nachlesen (XXXII 9, 6–10, 12). Zuerst habe dann Scipio sich im Gegensatz zu seinen Alters- und Standesgenossen eines tugendhaften Lebenswandels befleissigt und in etwa fünf Jahren erreicht, dass seine εὐταξία καὶ σωφροσύνη allgemein gerühmt wurden (ebd. 11, 1-8. Diod. XXXI 27, 1); darauf habe er sich den Ruhm der Hochherzigkeit und der Uneigennützigkeit in Geldsachen erworben, was durch die Darstellung der einzelnen Fälle bewiesen wird (ebd. 11, 9): 592 = 162 starb seine Adoptivgrossmutter Aemilia, die Gemahlin des älteren Africanus; was sie an Schmuck, Hausrat, Sclaven hinterliess, schenkte Scipio seiner leiblichen Mutter Papiria (ebd. 12, 1–10. Diod. XXXI 27, 3f.) und einige Jahre später nach deren Tode seinen leiblichen Schwestern (ebd. 14, 7–9. Diod. 27, 7); ausserdem zahlte er den beiden Schwiegersöhnen der Aemilia, Tib. Sempronius Gracchus und P. Scipio Nasica Corculum (Nr. 353), den ihnen zukommenden Teil der Erbschaft bei dem ersten Termin sofort aus unter Verzicht auf die beträchtlichen Zinsen, die ihm noch zufliessen konnten (ebd. 13, 1–16. Diod. 27, 5). 594 = 160 starb sein Vater Aemilius Paullus; Scipio und sein leiblicher Bruder Fabius verkauften den Nachlass, um seiner zweiten Frau ihre Mitgift zurückzuerstatten (Polyb. XVIII 35, 6. Diod. XXXI 26, 1. Dio frg. 66, 1); Scipio verzichtete zu Gunsten seines Bruders auf den ihm zufallenden Teil der Erbschaft (Polyb. XXXII 14, 1–4. Cic. parad. 6, 48. Diod. XXXI 27, 5f. Plut. Aem. Paull. 29, 8) und trug ausserdem noch die Hälfte der Kosten bei den Leichenspielen, die jener veranstaltete (Polyb. XXXII 14, 5f. Diod. XXXI 27, 6; vgl. Tit. Terent. Adelph. und Hecyr.). So erlangte Scipio hohe sittliche Vorzüge und ausserdem eine kräftige Gesundheit, die er durch körperliche Übungen, namentlich durch Jagden, noch stärkte (Polyb. XXXII 14, 10–15, 12. Diod. XXXI 27, 7f.). Mit Polybios unternahm Scipio ausser den Jagdausflügen in der Nähe Roms auch grössere Reisen, namentlich eine nach Oberitalien und weiter nach Südgallien (Polyb. XXXIV 10, 6f. aus Strabon IV 190), deren Zeit strittig ist (vgl. Susemihl Litt. d. Alexandrinerzeit II 86, [1742] 24), die man aber jedenfalls später als die im Zusammenhang bei Polyb. XXXII 9, 2–15, 12 erzählten Ereignisse (Tod der Papiria etwa 595 = 159) ansetzen muss, und vielleicht vor 599 = 155, weil Scipio damals, als die athenische Philosophengesandtschaft nach Rom kam, daheim war (Cic. de or. II 155). Polybios begleitete dann auch den Scipio bei seinem ersten öffentlichen Auftreten, nämlich nach Spanien und Africa, und ist die Hauptquelle der Berichte darüber. 603 = 151. Die Lage in Spanien wird mit den düstersten Farben geschildert, damit sich die glänzende Gestalt Scipios von dem dunklen Hintergrunde gut abhebe. Bei der allgemeinen Furcht vor dem Kriege und der Aushebung sind Consuln und Senat ratlos, bis Scipio sich erbietet, als Kriegstribun oder Legat nach Spanien zu gehen; er verzichte auf seine von den Makedonen gewünschte und bereits beschlossene Entsendung nach Makedonien (ebenso Oros.; vgl. die Sendung des Nasica Corculum Nr. 353 an Scipios Stelle) und wähle den gefährlicheren Posten. Sein hochherziges Beispiel findet nicht nur Beifall, sondern auch Nachahmung bei allen: die Mannschaften drängen sich zur Aushebung, die jungen Adeligen zu den Officierstellen. Wie Polyb. XXXV 4, 1-14 erzählt dies auch Livius (ep. XLVIII. Oros. IV 21, 1; vgl. Val. Max. III 2, 6), fügt aber hinzu, die Strenge der Consuln bei der Aushebung habe einen ernsten Conflict mit den Tribunen herbeigeführt, und Appian Ib. 49 ergänzt diese Darstellung dahin, dass infolge der Beschwerden über die Consuln anstatt des namentlichen Aufrufs eine Auslosung der Soldaten verfügt worden sei (vgl. Marquardt 8t.-V. II 382). Mehr als Scipios Aufopferung (übertragen auf den älteren Africanus 544 = 210; vgl. Ihne R. G.² II 322, 2) dürften also gewisse Zugeständnisse die Missstimmung im Volke beschwichtigt haben. Der Consul L. Licinius Lucullus ging nunmehr auf den Kriegsschauplatz ab, mit ihm Scipio, und zwar nach Liv. ep. XLVIII als Tribunus militum, nach Auct. de vir. ill. 58, 2. Ampel. 22, 3 und Appian (Ib. 49: πρεσβευτής, dagegen Lib. 71 nur: ὑποστρατευόμενος) als Legatus, doch scheint es, als ob in dieser Zeit die Legatenstellen eben gewöhnlich den Kriegstribunen übertragen wurden (vgl. Mommsen St.-R. II 678, 3. 699f.). Während die Römer Intercatia im Gebiet der Vaccaeer belagerten, forderte ein feindlicher Reiter sie wiederholt zum Zweikampf heraus; nur Scipio nahm die Herausforderung an und besiegte den Gegner (Polyb. XXXV 5, 1f. Liv. ep. XLVIII. Oros. IV 21, 2. Flor. I 33, 11 [ungenau: rex und spolia opima]. Ampel. 22, 3. Vell. I 12, 4. Val. Max. III 2, 6. Plin. n. h. XXXVII 9. Auct. de vir. ill. 58, 2. Appian. Ib. 53), obwohl sein Pferd dabei stürzte (Polyb.), und der Gegner ihm an Grösse und Kräften weit überlegen war (Vell. Appian.; derselbe Zug bei den Zweikämpfen des T. Manlius Torquatos und M. Valeries Corvus). Bei der Erstürmung von Intercatia überstieg Scipio als erster die Mauer, in die man eine Bresche gelegt hatte (Liv. Val. Max. Auct. de vir. ill. 58, 3) und erhielt dafür eine Corona muralis (Vell.). Doch wurden die Römer wieder hinausgeschlagen, die Bresche geschlossen, und nur die beiderseitige Erschöpfung führte den [1443] Frieden herbei. Dessen Vermittlung übernahm Scipio als Sohn des in Spanien so beliebten (s. o. Bd. I S. 576f.) Aemilius Paullus und bestimmte den habgierigen Consul zu billigen Bedingungen (Appian. Ib. 54). Von Spanien aus sandte Lucullus den Scipio nach Africa, um für den keltiberischen Krieg Elefanten (ungenau Val. Max.: Hülfstruppen) zu holen. In Africa hatte Scipio Gelegenheit, Anfang 604 = 150 die grosse Schlacht zwischen Numidern und Karthagern von einem Berge herab mit anzusehen, gleichwie – so pflegte er selbst zu sagen (Appian. Lib. 71) – Zeus vom Ida und Poseidon von Samothrake die Kämpfe um Ilion (Hom. II. VIII 51f. XIII 10ff.). Von dem greisen Massinissa, dem Gastfreunde seines Grossvaters, wurde Scipio (mit Polybios, vgl. Polyb. IX 25, 4. XXXIV 16, 2. XXXVII 10, 12) mit grossen Ehren aufgenommen und von den in jener Schlacht unterlegenen Karthagern gebeten, den Frieden zu vermitteln. Dies gelang ihm nicht, und er kehrte mit den empfangenen Elefanten wieder nach Spanien zurück (Appian. Lib. 72. Val. Max. II 10, 4. V 2 ext. 4). Ob die Lebensrettung des Paeligners M. Allienius durch Scipio (Cic. Tusc. IV 50) in den spanischen Feldzug gehört (Lincke 12, 22), ist unbekannt. Noch im J. 604 = 150 (nach Nissen Rhein. Mus. XXVI 271f. Ende des Sommers) kehrte Scipio nach Rom zurück und verwandte sich erfolgreich bei Cato für die Rückkehr des Polybios und der anderen achaeischen Verbannten (Polyb. XXXV 6, 1 aus Plut. Cato 9, 2; apophth. Cat. 28). 605 = 149. Scipio als Kriegstribun in Africa. Die Abhängigkeit unserer Hauptquelle Appian von Polybios ist durch dessen Fragmente gesichert; Scipio steht durchaus im Mittelpunkt der Darstellung (vgl. die Entschuldigung des Polyb. XXXVI 8, 5), die in erster Linie zeigen will, wie sein Ruhm beständig wuchs, und er in Rat und That, den Freunden und Feinden gegenüber sich auszeichnete. Von Polybios hängt Diodor ganz ab, ebenso Livius in allen wesentlichen Punkten, doch seine und andere römische Berichte ergänzen jenen gelegentlich (vgl. z. B. die Corona obsidionalis). Bei Zonar. IX 26f. wird Scipio nicht hervorgehoben, doch hatte Dio selbst die Dinge vielleicht anders gruppiert. Vgl. über die Rolle Scipios in dem ganzen ersten Feldzug Ihne R. G. III 295, auch 299, 1. Von den beiden Consuln leitete M’. Manilius den Angriff vom Westen, vom Festlande her, L. Marcius Censorinus den vom Süden her, denn er hatte auf der Landzunge festen Fuss gefasst, die als südöstliche Verlängerung der karthagischen Halbinsel den Golf von Tunis vom Meere trennt. Hier gelang es zuerst, die Mauer zu durchbrechen; doch als die Römer durch die notdürftig wieder geschlossene Bresche am folgenden Tage eindrangen, hatten die Karthager einen dahinter liegenden Platz (vgl. darüber Meltzer Gesch. d. Karthager II 175. 540) und dessen Umgebung so stark besetzt, dass sie die Eingedrungenen von allen Seiten angreifen und wieder hinaustreiben konnten; nur Scipio hatte seine Cohorte ausserhalb der Mauer gehalten und verteilt und konnte nun den Römern einen geordneten Rückzug sichern. Der Bericht des Appian. Lib. 98 stimmt hier mit Liv. ep. [1444] XLIX und Oros. IV 22, 7 in der Hauptsache überein, verschärft aber den Gegensatz zwischen der Vorsicht Scipios und dem Leichtsinn des Consuls, während Livius nur von der Unbesonnenheit zweier Tribunen spricht. Etwas später, als Censorinus nach Rom abgereist war, wurde in einer Nacht das Lager des Manilius überfallen, das auf der Landenge zwischen dem Festland und der Stadt errichtet war; in der allgemeinen Verwirrung raffte Scipio einen Teil der Reiterei zusammen, verliess das Lager auf der der Stadt abgewandten Seite und führte seine Leute um dasselbe herum, so dass sie den Feinden den Rückweg abzuschneiden drohten und sie zur Umkehr nötigten (Appian. 99. Liv.). Manilius unternahm nun Streifzüge ins Binnenland, um zu fouragieren, und wurde dabei von dem jungen und energischen Himilko Phameas, dem Führer der karthagischen Reiterei (Charakteristik bei Polyb. XXXVI 8, 1), viel belästigt; nur wenn Scipio den Befehl über die Fouragierenden hatte, der zwischen den Tribunen wechselte, traf er seine Dispositionen mit solcher Umsicht, dass der Feind sich gar nicht hervorwagte (Appian. 100, vgl. Zonar. IX 27). Weil Phameas ihn nicht angriff, behaupteten die anderen Tribunen aus Neid, beide stünden von ihren Vorfahren her in einem Gastfreundschaftsverhältnis (Appian. 101 aus Polyb. XXXVI 8, 2). Noch mehr steigerte es Scipios Ruhm, dass er allein von allen Tribunen bei der Capitulation feindlicher Burgen den Besatzungen, wie bedungen war, freien Abzug gewährte, anstatt sie treulos zu überfallen (was übrigens von den Römern sonst dem Hannibal vorgeworfen wurde; vgl. Liv. XXIII 19, 16. Plin. n. h. VIII 18); sie wollten stets nur noch mit ihm verhandeln, und seine Ehrenhaftigkeit wurde nicht weniger gerühmt als seine Tapferkeit (Appian. 101, noch etwas ausführlicher Diod. XXXII 7; auch Dio frg. 69, 4 hat Ähnliches im Auge, obwohl nichts bei Zonar. IX 27). Nach der Rückkehr in das Lager vor Karthago rettete Scipio wiederum bei einem nächtlichen Überfall durch eine Kriegslist das Heer (Appian. Liv. topographisch nicht ganz klar); Appian hebt zum fünftenmale hervor, wie es in aller Munde war, dass Scipio seines Vaters Paullus und des Scipionenhauses würdig sei! Manilius unternahm nun einen Zug gegen den karthagischen Parteigänger Hasdrubal nach Nepheris bei Henschir Bu Beker im Süden des Meerbusens von Tunis (vgl. CIL VIII Suppl. 1275); der Feind hatte eine sehr günstige Stellung auf einer wohlverschanzten dominierenden Anhöhe inne, und Scipio widerriet den Angriff, wurde aber im Kriegsrat von den übrigen auf ihn neidischen Tribunen überstimmt. Seine Vorhersagung erfüllte sich; die Römer richteten gegen die Verschanzung Hasdrubals nichts aus, mussten sich unter schwierigen Verhältnissen zurückziehen und wurden nun beim Übergange über einen Fluss angegriffen. Nur Scipios Geschick gelang es, den Feind davon abzuziehen, so dass der Rückzug ohne allzu schweren Verlust bewerkstelligt werden konnte (Appian. 102f., übereinstimmend Liv. und auch Zonar., der hier die bei Dio frg. 69, 1–6 viel vollständiger erhaltene Charakteristik Scipios einflicht). Aber bei Beginn des Gefechts waren einige Cohorten abgeschnitten worden, nach Liv. zwei, nach dem Elog. [1445] und Varro bei Plin. n. h. XXII 13 drei, nach Appian vier, nach Auct. de vir. ill. 58, 4 acht, was sicher übertrieben ist. Scipio meinte, dass nun die Kühnheit ebenso am Platz sei, wie vorher die Bedachtsamkeit (Appian, vgl. Dio 69, 2) und wagte es mit wenigen Reitergeschwadern (drei Cohorten nach Plin.), sie zu befreien. Es gelang ihm, in den Rücken des Feindes zu kommen, der jene auf einem Hügel festhielt, und ihn zum Abzuge zu zwingen (Appian, dessen Quelle Polyb. XXXVI 8, 31 Liv., vgl. die verwandten Erzählungen von M. Calpurnius Flamma, o. Bd. III S. 1373 Nr. 42 und P. Decius Mus). Von dem ganzen Heere; das ihn jubelnd begrüsste und durch die Götter unterstützt wähnte (Appian. 104), erhielt Scipio eine corona obsidionalis graminea (Plin. n. h. XXII 7. 13); Vell. I 12, 4 spricht nur von der corona obsidionalis, Auct. de vir. ill. 58, 4 von der corona obsidionalis aurea, die die befreiten Cohorten verliehen hätten (vgl. Marquardt St.-V. II 576). Durch einen Brief Scipios wurde darauf Hasdrubal veranlasst, die gefallenen römischen Tribunen ehrenvoll zu bestatten (Appian. Diod. XXXII 8, trotz kleiner Abweichungen wohl aus gemeinsamer Quelle). Scipios Erfolge hatten den Neid verstummen lassen, und eine Senatsgesandtschaft, die damals ins Lager vor Karthago kam, erhielt über ihn von allen Seiten die glänzendsten Zeugnisse, die durch sie auch in Rom bekannt wurden (Appian. 105). Als dort der alte Cato davon hörte, gebrauchte er (im Senat Liv., als Antwort auf eine Frage Diod.) von Scipio den homerischen Vers (Od. X 495): οἶος πέπνυται, τοὶ δὲ σκιαὶ ἀίσσουσιν (Polyb. XXXVI 8, 6. Liv. Diod. XXXII 9 a. Plut. Cato 27, 6f.; apophth. Scip. Min. 3). Bald darauf starb Massinissa; dass sein Tod bereits ins J. 606 = 148 gehört, ergiebt sich aus der Bezeichnung des Manilius als Proconsul bei dieser Gelegenheit bei Val. Max. V 2 ext. 4; Appian. 106 verlegt ihn absichtlich in das vorhergehende Jahr (vgl. Schwartz o. Bd. II S. 220). Der König wollte dem Scipio seine letzten Wünsche anvertrauen und befahl seinen Söhnen, sich dessen Entscheidung zu unterwerfen; Scipio traf ihn nicht mehr am Leben und verteilte nun die Herrschaft Massinissas unter dessen legitime Söhne (Polyb. XXXVII 10, 10. Liv. ep. L. Val. Max. a. O. Eutrop. IV 11. Oros. IV 22, 8. Appian. 105f. Zonar. IX 27, vgl. zur Kritik Lincke 15, 25). Ein neues Verdienst erwarb sich Scipio angeblich dadurch, dass er zu dem Übertritt des Phameas auf die römische Seite beitrug; unsere Berichte stellen dies so dar, als ob nur seine persönliche Ehrenhaftigkeit, der sogar die Feinde unbedingt vertrauten, es herbeigeführt habe (Appian. 107f. Liv. ep. L. Diod. XXXII 17, 1. Zonar. IX 27; nach Appian geht Phameas mit 2200, nach Diod. mit 1200 Reitern, nach Zonar. μεθ’ ἱππέων τινῶν über). Auch auf dem Rückwege von Nepheris, wo sich Phameas zu den Römern geschlagen hatte, zeichnete sich Scipio bei einem Beutezuge aus und wurde nun mit dem Punier an den Senat gesandt, begleitet von den Wünschen des Heeres, er möge als Consul zur Überwindung Karthagos zurückkehren (Appian. 109). Die Rückkehr nach Rom wird von Appian vordatiert (vgl. Schwartz a. O.); infolgessen ist [1446] es nachher wieder möglich, die Situation auf dem Kriegsschauplatz weit ungünstiger darzustellen, als sie sich während einer kürzeren Zeit gestalten konnte; Scipio ging wohl erst zur Zeit der Wahlen für 607 = 147 nach der Heimat ab. Er wollte sich nämlich um die Aedilität bewerben, für die er übrigens seinem Alter nach schon einige Jahre früher befähigt gewesen wäre, aber das Volk wünschte ihn zum Consul zu wählen, wozu er noch nicht alt genug war. Nach längeren Verhandlungen wurde er schliesslich durch den Senat von den Gesetzen entbunden, so dass die Wahl Gültigkeit erhielt (Auct. ad Herenn. III 2. Cic. Phil. XI 17. Liv. ep. L. Vell. I 12, 3. Val. Max. VIII 15, 4. Flor. I 31, 12. Eutrop. IV 12, l. Auct. de vir. ill. 58, 5. Diod. XXXII. 9 a. Plut. apophth. Scip. Min. 4. Appian. Lib. 112; Ib. 84; b. c. I 19. III 88. IV 92. Zonar. IX 29; vgl. Mommsen St.-R. I 539, 1. 565, 2. 580, 2. III 367). Auch von der Losung um die Provinzen wurde Scipio entbunden und erhielt ganz ausserordentlicherweise das Commando in Africa (extra sortem Liv. LI, nach Val. Max. vom Senat, nach Appian durch Volksbeschluss; vgl. Mommsen a. O. I 58), ausserdem Truppen zum Ersatz der Verluste und das Recht, Freiwillige von den Bundesgenossen auszuheben, die ihm auch gestellt wurden (Appian). 607 = 147. Erstes Consulat Scipios (Fasti Cap. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Obseq. 20. Cassiod.). Er ging nach Sicilien und von da nach Utica hinüber (Appian. Lib. 113); in seiner Begleitung befand sich Polybios, der von nun an den Krieg als Augenzeuge darstellte (Belegstellen s. u.; vgl. auch Arrian. tact. 1, 1. Nissen Rhein. Mus. XXVI 273). Als Scipio eintraf, hatte eben der Legat L. Hostilius Mancinus versucht, Karthago durch einen Handstreich zu nehmen, indem er an den schroffen Klippen beim heutigen Kap Sidi bu Said gelandet und über die hier vernachlässigte Mauer in die Stadt eingedrungen war (Appian. Lib. 113. Zonar. IX 29, vgl. Meltzer a. O. II 191. 534). Jetzt war er aber in Gefahr, ohne Lebensmittel und ohne Verbindung mit dem Hauptheer vernichtet zu werden. Appian und Zonaras stimmen in der Hauptsache überein, dass die Karthager durch Scipios Eintreffen eingeschüchtert zurückwichen; doch nach Appian nahm Scipio den Mancinus sofort auf und schickte ihn sogleich nach Rom, nach Zonaras versorgte er ihn anscheinend zunächst nur mit Lebensmitteln und liess ihn in der Vorstadt Megara stehen, bis der von den Karthagern in die Stadt aufgenommene Hasdrubal den Mancinus in solche Bedrängnis brachte, dass Scipio wiederum eingreifen und die Position räumen musste. Römische Berichte heben hervor, dass sich Mancinus zuerst in einem Teil der Stadt festsetzte (Plin. n. h. XXXV 23 Liv. ep. LI). Nachdem Scipio und die Karthager unweit der Stadt einander gegenüber ihre Lager aufgeschlagen hatten (Appian. 114), stellte er mit grosser Energie die zerrüttete Disciplin im römischen Heere wieder her und verwies alle unnützen Elemente aus dem Lager, begann also seine Thätigkeit mit ebenso gründlichen Reformen bei der eigenen Truppen, wie später vor Numantia (Appian. 115ff.). Von zwei Seiten her unternahn er nun einen Angriff gegen den Stadtteil Megara [1447] und drang über die einfache nördliche Mauer hier ein, während ein Teil seines Heeres die dreifache westliche Mauer bestürmte; nach Zonaras gelang das Eindringen infolge der Führung durch feindliche Überläufer. Nach einigem Widerstande zogen sich die Karthager in die innere Stadt (Βύρσα, vgl. über diese Bedeutung des Namens Mommsen R. G. II 29 Anm. Lincke 17, 34) zurück, wohin auch Hasdrubal mit den Seinigen eilte. Das vielfach durchschnittene, mit Gartenhecken und Gräben bedeckte Terrain machte aber auch dem Scipio ein weiteres Vorgehen unmöglich; er wich schliesslich zurück (Appian. 117. Zonar. IX 29 mehrfach abweichend; vgl. Meltzer a. O. II 173. 188f. 192). In der Stadt wütete nun Hasdrubal gegen die römischen Gefangenen und gegen seine politischen Gegner und riss alle Gewalt an sich (Appian. 118. Zonar.), während sein bisheriges Lager in Brand gesteckt wurde. Scipio dagegen errichtete binnen zwanzig Tagen auf der Landenge westlich der Stadt eine grosse Befestigung, um den Feind von jeder Verbindung mit dem Lande abzuschneiden; er zog zwei parallele 25 Stadien lange Canäle, zwischen denen sich das Lager in Form eines langgestreckten Rechtecks erhob, nach der Stadtseite, doch ausser Schussweite der Verteidiger, geschützt durch eine hohe, mit Türmen versehene Mauer, auf den anderen Seiten durch Palissaden und Erdwälle (Appian. 117. Zonar.; vgl. Meltzer a. O. II 162). Die nächste Folge dieser Absperrung war Hungersnot bei den Belagerten; auf dem Landwege konnte ihnen kein Proviant mehr zugeführt werden, auf dem Seewege aber nur unregelmässig und mit Mühe, da es den Schiffen nur bei günstigem Winde gelang, die Blockade durch die römische Flotte zu brechen; die wirklich anlangenden Vorräte nahm aber Hasdrubal für die Kampffähigen in Anspruch (Appian. 120. Zonar.; vgl. über Hasdrubals Schwelgerei während der allgemeinen Not Polyb. XXXVIII 2, 11ff. Diod. XXXII 22). Um Karthago auch von der See vollständig abzuschneiden, beschloss Scipio, die Hafeneinfahrt zu sperren durch einen grossen von der Landzunge ausgehenden Steindamm; die Karthager beobachteten zwar den Beginn der Arbeit mit Sorglosigkeit und Spott, aber der unermüdlichen Energie des Feldherrn und des Heeres gelang ihre Vollendung (Appian. 121. Zonar.). Die in jüngster Zeit angestellten sorgfältigen Vermessungen und Untersuchungen im Gebiet der karthagischen Häfen haben bisher diesen Sperrdamm Scipios nicht festgestellt, sind aber noch nicht abgeschlossen (vgl. Oehler Archäol. Anzeiger 1898, 171ff. 1899, 7ff. Schulten ebd. 1898, 112. 1899, 66. Oehler Berl. philol. Wochenschrift XIX 1899, 1586). Um die Anstrengungen der Römer zunichte zu machen, gruben die Karthager ihrerseits einen Canal von dem Kriegshafen direct zum Meere, ohne dass die Römer etwas davon bemerkten, und bauten aus altem Holz eine neue Flotte. Mit dieser erschienen sie, sobald der Durchbruch des Canals vollendet war, plötzlich auf der hohen See (Appian. 121. Liv. ep. LI. Flor. I 31, 14; vgl. Meltzer a. O. II 214). Aber anstatt sich die erste Überraschung der Römer zu nutze zu machen, kehrten sie nach einer blossen Probefahrt wieder in den Hafen zurück [1448] und fanden nun, als sie am dritten Tage eine Seeschlacht anboten, den Feind in Schlachtordnung aufgestellt sich gegenüber. Die leichten punischen Fahrzeuge thaten den schwerfälligeren römischen viel Schaden, zogen sich aber am Abend in solchem eiligen Drängen zurück, dass die Hafeneinfahrt bald von ihnen verstopft wurde. Die grösseren Schiffe legten sich an dem trapezförmigen Aussenquai an der Südostecke der Häfen, der mit einer Brustwehr versehen war, vor Anker, die Vorderseite den Feinden zugekehrt (vgl. Meltzer a. O. II 201f.); so konnten sie sich nicht nur gut verteidigen, sondern auch die römischen Schiffe beim Wenden angreifen, bis fünf Schiffe aus Side in Pamphylien (αἳ φιλίᾳ Σκιπίωνος εἵποντο, d. h. als bundesgenössisches Contingent) und nach deren Muster die übrigen sich in einiger Entfernung verankerten, so dass sie sich an ihren Ankertauen zurückwinden konnten, ohne wenden zu müssen. Obwohl die Römer jetzt im Vorteil waren, gelang es doch nach Einbruch der Nacht dem Rest der feindlichen Flotte, sich in den Hafen zu retten (Appian. 122f. Liv.). Mit Tagesanbruch wandte sich Scipio gegen jenen Aussenquai, denn von dieser Operationsbasis schien ein Vorstoss gegen die an der Seeseite nur einfache Stadtmauer gute Aussichten zu bieten (vgl. Meltzer a. O. II 175); die Belagerungsmaschinen arbeiteten mit Erfolg. Nach Meltzer und Lincke 7. 18, 43 gehört in diesen Zusammenhang die Anekdote, dass Polybios dem Scipio Vorsichtsmassregeln gegen einen feindlichen Überfall empfohlen, Scipio aber diese voller Siegesgewissheit verschmäht habe (Polyb. XXXVIII 3 aus Plut. apophth. Scip. Min. 5; ohne Nennung des Polyb. und etwas abweichend Val. Max. III 7, 2). In der That unternahmen die Karthager in der nächsten Nacht einen sehr verwegenen Überfall, steckten die Maschinen in Brand und brachten das ganze römische Lager in Verwirrung (Appian. 124). Die zerstörte Mauer bauten sie wieder auf und verstärkten sie mit Türmen (Appian. 125. Flor. I 31, 15). Endlich gelang es den Römern, den Quai in ihre Gewalt zu bekommen; eine eigene Befestigung und eine Besatzung von 4000 Mann beherrschten ihn nun, aber der Sommer war darüber hingegangen (Appian). Im Anfang des Winters begann Scipio die Unternehmungen gegen die Bundesgenossen der Karthager im Binnenlande wieder aufzunehmen; er selbst bedrohte Nepheris von dem See, dem heutigen Golf von Tunis, her, C. Laelius von der Landseite; während der zeitweiligen Rückkehr Scipios in das Lager vor Karthago leitete Gulussa hier die Operationen und hatte bedeutenden Anteil an ihrem Ergebnis: erst wurde das Lager der hier noch stehenden karthagischen Truppen erstürmt und diese fast gänzlich aufgerieben, dann wurde nach längerer Belagerung mitten im Winter Nepheris genommen, so dass das ganze Land in Scipios Händen war (Appian. 126. Liv.. vgl. Polyb. XXXVIII 1, 9; wichtig ist hier Zonar. IX 30). In diesen Winter müssen auch die Verhandlungen zwischen Gulussa und Hasdrubal fallen, die ausführlich von Polyb. XXXVIII 1, 1–2, 15, übereinstimmend, doch kürzer von Diod. XXXII 22 geschildert werden; man sieht daran, wie stark der polybianische Bericht bei Appian verkürzt ist. [1449] Nach Zonaras IX 30 Anf. möchte man diese Verhandlungen noch vor den Zug nach Nepheris setzen. Scipio war seines Sieges so gewiss, dass er Verhandlungen über Karthago als lächerlich ablehnte (Polyb. XXXVIII 2, 1ff., vgl. die Siegeszuversicht XXXIX 3); nur dem Hasdrubal mit seinen Angehörigen sicherte er das Leben und eine Belohnung zu, worauf jener nicht einging (vgl. noch XXXIX 4, 3).

608 = 146. Im Anfang des Frühlings griff Scipio die innere Stadt und den Hafen Kothon an. Hasdrubal sah ein, dass er den äusseren viereckigen Handelshafen nicht behaupten konnte, und steckte die umliegenden Magazine in Brand; von hier drang dann Laelius zuerst über die Mauer in das Gebiet des inneren kreisförmigen Kriegshafens ein und bemächtigte sich desselben (Appian. 127). Nach Zonar. IX 30 gaben die Karthager die ganze Hafenstadt, indem sie sie anzündeten, auf, so dass die Römer sie besetzen und weiter vorgehen konnten. Nach Oros. IV 23, 1 bemächtigte sich Scipio des Kothon und nach Ammian. XXIV 2, 16f. persönlich mit Polybios und nur dreissig Mann eines Thores (vgl. Lincke 19, 53). Jedenfalls waren die Mauern zwischen den Häfen und der innern Stadt im Besitze Scipios (vgl. Meltzer a. O. II 540); er rüstete sich jetzt zum Sturm gegen den westlich oder nordwestlich vom Kriegshafen liegenden Markt (vgl. über den Schauplatz der folgenden Kämpfe Meltzer a. O. II 214ff.), aber am nächsten Tage plünderten seine Soldaten erst ein nahegelegenes reiches Heiligtum (des Apollon? Appian). Vom Markt bis zum Burghügel hinauf führten drei enge, von sechsstöckigen Häusern eingefasste Strassen, die in entsetzlichem Ringen zu ebener Erde und auf den Dächern Schritt für Schritt den verzweifelten Karthagern entrissen und dann vollständig zerstört werden mussten, um ein nochmaliges Festsetzen der Feinde zu verhindern und den eigenen Soldaten Raum zum Sturmangriff zu geben. Die grauenvollen Scenen bei diesen Kämpfen und den Demolierungsarbeiten schildert Appian 128f. anscheinend meist wörtlich nach Polybios, kurz auch Zonaras. Sechs Tage und sechs Nächte währte diese Arbeit; die Truppen lösten sich ab, nur Scipio blieb unermüdlich thätig. Auch er musste sich schliesslich ermattet niedersetzen, um von einer Anhöhe alles zu übersehen. Am siebenten Tage boten die in der Byrsa Eingeschlossenen ihre Unterwerfung an und ergaben sich gegen die Zusicherung des nackten Lebens (nach Appian. 130: 50 000 Menschen, nach Flor. I 31, 16: 36 000 Männer, nach Oros. IV 23, 2f.: 30 000 Männer und 25 000 Frauen [traditum est]). Nur den etwa 900 römischen Überläufern war diese einzige Bedingung nicht bewilligt worden; sie zogen sich mit Hasdrubal und dessen Familie in das die Burg krönende Heiligtum des Eschmun (Asklepios) zurück, und als sie auch den heiligen Bezirk nicht mehr halten konnten, in und auf das Tempelgebäude selbst (Appian. Zonar.). Da ergab sich auch Hasdrubal dem Scipio; aber die anderen legten Feuer an den Tempel und fanden in den Flammen ihren Tod, vor allem Hasdrubals Gattin mit ihren Kindern, indem sie die Rache der Götter über den Verräter herabrief (der Bericht des Polyb. XXXIX 4, 1–12 im Original ist ausführlicher [1450] und etwas anders als der des Appian. 131, wo die Erzählung mit λέγουσιν eingeleitet und mit φασίν geschlossen wird, also wohl aus einer Mittelquelle stammt; vgl. sonst Diod. XXXII 23. Zonar. IX 30. Flor. I 31, 17. Oros. IV 23, 4). Berühmt ist die Episode, wie Scipio auf den Trümmern Karthagos in den homerischen Worten: Ἔσσεται ἧμαρ κτλ. (Il. IV 164f. VI 448f.) den traurigen Ahnungen über Roms einstiges Geschick Worte lieh (Polyb. XXXIX 5, 1–3 und etwas vollständiger 6, 1–3 aus Appian. 132. Diod. XXXII 24). Siebzehn Tage brannte die Stadt (Oros. IV 23, 5; rhetorisch ausgeschmückt Flor. I 31, 18); sie wurde vollständig zerstört und ihre Stätte verflucht (Cic. leg. agr. II 51. Appian. 135; bell. civ. I 24. Vell. I 12, 5. II 4, 2f. Eutrop. IV 12, 1. Oros. IV 23, 6. Ampel. 18, 1. Auct. de vir. ill. 58, 5 [chronologisch unrichtig]. Euseb. chron. II 128 a. 129 h Schöne). Die Einwohner wurden als Sclaven verkauft (Oros. IV 23, 7; anders Zonar. IX 30). Den Soldaten hatte Scipio gestattet, zu plündern; nur Gold, Silber und Weihgeschenke mussten sie abliefern (Appian. 133. Plut. apophth. Scip. Min. 7); alle ausser den Plünderern des sog. Apollontempels erhielten Belohnungen (Appian). Die sicilischen Städte wurden aufgefordert, die ihnen einst von den Karthagern entführten Anathemata zurückzuholen, und Scipio fügte noch neue Weihgeschenke hinzu (Cic. Verr. I 11 II 3. 85ff. Schol. Verr. p. 158. Schol. Gronov. p. 392 Or. z. d. St. Liv. ep. LI. Eutrop. IV 12, 2. Diod. XXXII 25. Appian. 133. Plut. apophth. Scip. Min. 6). So kam nach Akragas der sog. Stier des Phalaris zurück (Diod.), nach Himera eine Reihe von Bildwerken, die aus der älteren Stadt Himera geraubt worden waren, und die jetzt unter dem Namen der scipionischen zusammen aufgestellt wurden, wie die griechische Weihinschrift bezeugt (vgl. Kaibel und Mommsen Herm. XVIII 156f. IGI 315. Dittenberger Syll.² 311). Eine lateinische Inschrift aus Marruvium Marsorum: Cornelius Scipio Carthagine capta ist, wenn echt, so jedenfalls viel später und vielleicht mit Unrecht zu einem Weihgeschenk gesetzt worden (CIL IX 6348 = Dessau 67). Die unbrauchbare Beute, die nicht verkauft wurde, liess Scipio zu Ehren des Mars und der Minerva verbrennen (Appian. 133). Gemeinsam mit einer Senatscommission von zehn Männern verfügte Scipio die bereits erwähnte Zerstörung der Stadt und die Einrichtung der neuen Provinz Africa (Appian. 184. Cic. de leg. agr. II 51. Vell. II 38, 2, vgl. Mommsen St.-R. II 643, 2). Dann wurden Festspiele nach dem Vorbild des Aemilius Paullus gefeiert (Liv. ep. LI. Val. Max. II 7, 13. Appian). Auch die Aussendung des Polybios mit einigen Schiffen zu einer Entdeckungsfahrt an der africanischen Küste entlang (Polyb. XXXIV 15, 7 aus Plin. n. h. V 9) wird in diese Zeit gehören. Erst gegen das Ende des J. 608 = 146 scheint Scipio heimgekehrt zu sein und feierte einen glänzenden Triumph, bei dem Hasdrubal mit aufgeführt wurde (Elog. Cic. rep. VI 11. Liv. ep. LII. Val. Max. IV 3, 13. Plin. n. h. XXXIII 141. Gell. III 4, 1. XVI 8, 10. Eutrop. IV 14, 2. 19, 2. Appian. 135). Er erhielt denselben Ehrenbeinamen Africanus, den sein Grossvater geführt hatte, wegen seiner eigenen Verdienste [1451] (Cic. rep. VI 11. Val. Max. II 7, 1. Vell. I 13, 2. Eutrop. IV 12, 4. Zonar. IX 30); von der Beute hatte er nichts für sich genommen (Polyb. XVIII 35, 11. Cic. off. II 76).

610 = 144. Die beiden Consuln Ser. Sulpicius Galba und L. Aurelius Cotta beanspruchten das Commando in Spanien, aber der Senat schloss sich der Meinung Scipios an: Neutrum mihi mitti placet, quia alter nihil habet, alteri nihil est satis (Val. Max. VI 4, 2 b). Dass infolgedessen Scipios Bruder Q. Fabius Maximus Aemilianus und sein Freund C. Laelius in ihren Commandostellen für das Jahr bestätigt wurden, muss zur Erläuterung seiner Haltung hinzugefügt werden.

612 = 142. Scipios Censur. Bei der Bewerbung hatte er als Rivalen Ap. Claudius Pulcher; seinen Sieg über diesen dankte er der Gunst des Volkes, obwohl er die eifrige Bemühung darum verschmähte (Plut. Aem. Paull. 38, 3f.; praec. reip. ger. 14, 10; apophth. Scip. Min. 9, vgl. Bd. III S. 2848 Nr. 295). Als Censor mit L. Mummius (Fasti Cap. Elog. Cic. div. in Caec. 69; Brut. 85; rep. VI 11; off. II 76. Gell. XVI 8, 10) vergab er den Ausbau des Pons Aemilius (Liv. XL 51, 4, vgl. Bd. I S. 593) und die weitere Ausschmückung des capitolinischen Tempels (Plin. n. h. XXXIII 57, vgl. VIII 37). Das Verhältnis zwischen den beiden Censoren wird so dargestellt, als ob Mummius die energischen Massregeln Scipios durch Nachsicht und Milde abgeschwächt, sogar hintertrieben hätte (Dio frg. 75,1; unsichere Ergänzung bei Fest. p. 286) und ihm damit das Recht zu bitterer Beschwerde gegeben (nach Val. Max. VI 4, 2 a pro rostris, nach Auct. de vir. ill. 58, 9 in senatu). Durch Fragmente der späteren Rede Scipios gegen Ti. Claudius Asellus ist erwiesen, dass dieser Mann allerdings von Mummius gegen die strenge von seinem Collegen verhängte Strafe in Schutz genommen wurde (Lucil. bei Gell. IV 17, 1. Cic. de or. II 258. 268. Gell. II 20, 5f. III 4, 1. VI 11, 9, vgl. Bd. III S. 2676 Nr. 63). Auch C. Licinius Sacerdos entging der ihm zugedachten Ausstossung aus dem Ritterstande wegen Meineid, weil sich ausser dem Censor Scipio selbst kein anderer Ankläger meldete (Cic. Cluent. 134, daraus Val. Max. IV 1, 10 b und Quintil. V 11, 13. Plut. apophth. Scip. Min. 12). Eine Rede an das Volk richtete sich gegen die überhandnehmende Sittenlosigkeit und Üppigkeit und ermahnte zur Beobachtung alter Zucht und Ehrbarkeit (Gell. IV 20, 10. V 19, 15. Fest. p. 151). In denselben Zusammenhang wird die auf P. Sulpicius Gallus bezügliche Schilderung unmännlicher Weichlichkeit (Gell. VI 12, 4f.) und die Bestrafung eines anderen jungen Ritters (Plut. apophth. Scip. Min. 11) gehören. Besonders charakteristisch für Scipio erschien früher die Erzählung Val. Max. IV 1, 10 a: Als bei dem feierlichen Schlussopfer nach Abhaltung des Census die Gebetsformel vorgelesen wurde, quo di immortales ut populi Romani res meliores amplioresque facerent rogabantur, habe der Censor den scriba unterbrochen: Satis bonae et magnae sunt; itaque precor ut eas perpetuo incolumes servent, und diese Formel sei später beibehalten worden. F. Marx (Rh. Mus. XXXIX 65–68) hat diese Anekdote als unhistorisch erwiesen; ausser inneren Gründen ist dafür namentlich entscheidend, dass [1452] nicht Scipio, sondern Mummius jenes Opfer darbrachte (vgl. Scipios eigene Antwort bei Cic. de or. II 268 auf den ihm von Asellus gemachten Vorwurf bei Gell. IV 17, 1); in dem von dem Censor wirklich gesprochenen Gebet mögen jene beiden Wendungen neben einander enthalten gewesen sein (vgl. die ähnlichen von Mommsen Ephem. epigr. VIII p. 264ff. zusammengestellten Formeln). In demselben Jahre 612 = 142 unterstützte Scipio die Bewerbungen des Laelius ums Consulat für das folgende; er sagte dem Q. Pompeius die Freundschaft auf, als dieser gegen sein Versprechen nicht die Wahl des Laelius förderte, sondern seine eigene durchsetzte (Cic. Lael. 77. Plut. apophth. Scip. Min. 8).

Nach 613 = 141. Scipios Gesandtschaftsreise in den Orient. Die Reise wird von Cic. acad. pr. II 5 ante censuram gesetzt, während einzelne Neuere sie auf Grund von Cic. rep. VI 11 (deligere iterum consul absens) bis dicht vor das zweite Consulat hinabrücken wollten. Beides ist unrichtig, wie Marx (Rh. Mus. XXXIX 68–71) und, ohne dessen Ausführungen zu kennen, Unger (Philologus LV 97–99) bewiesen haben; Unger selbst, sowie Willems (Le sénat II 502, 3) gehen jedoch auch noch etwas zu tief hinab. Nach [Lucian.] macrob. 12 besuchte Scipio in Pergamon Attalos II. Philadelphos; da dieser im J. 616 = 138 starb (vgl. Bd. II S. 2175), ist die Zeit nach unten begrenzt; die Censur Scipios als obere Zeitgrenze ergiebt sich aus den anderweitig bekannten Lebensverhältnissen der drei Gesandten. Wertlos ist die Ansetzung der Reise nach dem zweiten Consulat bei Val. Max. IV 3, 13. Scipio war das Haupt der Gesandtschaft, deren andere Mitglieder der Consular L. Metellus Calvus (vgl. Bd. III S. 1208 Nr. 83) und Sp. Mummius waren (Iustin. XXXVIII 8, 8; vgl. Plut. apophth. Scip. Min. 13f.: {{Polytonisch|ἐκπεμπφθένα δ’ αὐτὸν ἀπὸ τῆς βουλῆς τρίτον. Diod. XXXIII 28 a, 1: οἰ περὶ τὸν Σκιπίωνα τὸν Ἀφρικανὸν πρεσβευταί). Ihre Vollmachten müssen nach den Andeutungen bei Polyb. frg. inc. 166 und Posidon. frg. 12 (= Athen. VI p. 273 a). Iustin. Diod. Strab. XIV 669. Plut. a. O.; cum princ. philos. 1, 12 sehr ausgedehnt gewesen sein; die Schlichtung von Thronstreitigkeiten in einzelnen Vasallenstaaten und die Erzielung energischen Vorgehens gegen die Seeräuber standen unter ihren Aufgaben obenan. Über die Ausdehnung und Richtung der Reise hat Marx durch Heranziehung der Bruchstücke des XIV. Buches des Lucilius einiges ermittelt: die Gesandten gingen zuerst nach Ägypten; der Aufenthalt in Alexandreia, wo Scipio allgemeine Aufmerksamkeit erregte, wird mehrfach bezeugt (Posidon. frg. 11 = Athen. XII p. 549 d. e. Diod. Plut. Iustin.); sie reisten aber auch den Nil aufwärts bis Memphis (Diod.). Darauf wurde die Fahrt über das karpathische Meer nach Rhodos (Lucil. Cic. rep. III 48), Kypros, Syrien (Diod. Strab. Cic. rep. VI 11) fortgesetzt, weiter zu Lande bis Ekbatana und Babylon (Lucil.) und der Rückweg durch Kleinasien über Pergamon und Griechenland genommen (Cic. rep. VI 11). Marx nimmt eine etwa zweijährige Dauer der Reise an; wenn Scipio sie kurz nach seiner Censur antrat, traf er 615 = 139 oder im folgenden Jahre in Rom ein. Vielfach ist von seiner Begleitung die [1453] Rede. Auf einer Verwechslung beruht es natürlich, dass er den Poseidonios mitgenommen habe (Athen. XII 549 d. XIV 657f.), doch mit Unrecht glaubt noch Unger an eine Verwechslung mit Polybios; vielmehr ersuchte Scipio den Panaitios, an der Reise teilzunehmen (Plut. cum princ. philos. 1, 12), und machte sie in dessen Gesellschaft (Cic. acad. pr. II 5. Plut.; vgl. Philodem. Col. LVI p. 85 Comparetti mit Anm.). Die vielfach befremdende Thatsache, dass Panaitios und nicht Polybios ihn begleitete, erklärt sich dadurch, dass Polybios dieselben Landschaften nicht lange vorher besucht hatte (vgl. über die ganze Frage Schmekel Philosophie der mittleren Stoa [Berlin 1892] 4-7). Ausser Panaitios hatte Scipio nur fünf Sclaven bei sich (Polyb. Posidon. Plut.; ohne Wert Val. Max., der sieben Sclaven, und Auct. de vir. ill. 58, 7, der C. Laelius und zwei Sclaven nennt). Auf Panaitios gehen in letzter Linie die Einzelheiten, die über die Reise überliefert werden, zurück; namentlich ist Diodors Bericht sachlich wichtig.

617 = 137 soll Scipio die Einbringung der Lex Cassia tabellaria (vgl. Bd. III S. 1742 Nr. 72. Mommsen Strafe. 170. 173) veranlasst und den Tribunen M. Antius Briso zur Aufgabe seines Widerstandes dagegen bewogen haben, was ihm von den Optimaten verdacht wurde (Cic. leg. III 37; Brut. 97). Etwa in diese Zeit kann auch die von Ti. Claudius Asellus gegen ihn erhobene Anklage fallen (s. o. die Belegstellen beim J. 612).

618 = 136 trat Scipio gegen die Ratification des von C. Hostilius Mancinus mit den Kumantinern geschlossenen Vertrages auf, zugleich aber auch gegen die Auslieferung seines dafür mitverantwortlichen Schwagers Ti. Gracchus an die Feinde (Plut. Ti. Gracch. 7, 4); diese Unehrlichkeit dankte ihm Gracchus keineswegs, sondern von diesem Zeitpunkt an trennen sich die Wege Scipios und der Gracchen, wie nach Lange Röm. Altert. II³ 349 besonders Ed. Meyer Untersuch. zur Gesch. der Gracchen (Festschriften, Halle 1894) 20f. betont.

620 = 134. Scipios zweites Consulat. Die Iteration des Consulats war 603 = 151 gesetzlich untersagt worden, und es bedurfte einer ausserordentlichen Dispensation von diesem Gesetz, um Scipios Wiederwahl zu ermöglichen (Liv. ep. LVI, vgl. Cic. imp. Cn. Pomp. 61. Mommsen St.-R. I 521, 1). Diese Dispensation ist von Appian. Ib. 84 (vgl bell. civ. I 19) und Plut. Mar. 12, 1 mit der von den Altersgesetzen bei der ersten Bewerbung ums Consulat 607 = 147 verwechselt worden. Die Wahl erfolgte ohne Zuthun Scipios, nach Cic. rep. VI 11 in dessen Abwesenheit, nach Cassiod. chron.: cum candidatus non esset (vgl. Cic. Lael. 11), nach Val. Max. VIII 15, 4: cum quaestoriis comitiis suffragator Q. Fabii Maximi fratris filii in campum descendisset. Diese letzte Angabe liesse sich zwar in der von Mommsen St.-R. I 580f., 2 gegebenen Auslegung festhalten, steht aber im Widerspruch mit der ciceronischen, und diese dürfte den Vorzug verdienen. Der Grund der aussergewöhnlichen Wahl Scipios war die allgemein gehegte Hoffnung, er werde den spanischen Krieg beendigen; daher wurde ihm wie früher Africa, so jetzt Spanien durch einen besonderen Senatsbeschluss übertragen (Val. Max.). [1454] Das zweite Consulat oder die zweimalige Bekleidung des Consulats bezeugen u. a. Elog. Chronogr. Idat. Chron. Pasch. Cassiod. Cic. div. in Caec. 69; Lael. 11; Mur. 58. Vell. II 4, 2. Val. Max. IV 3, 13. Gell. XVI 8, 10. Eutrop. IV 17, 2. Oros. V 7, 1. Obseq. 27, vielleicht das SC. aus Delphi II 5. 11, Bull. hell. XXIII 1899, 14, vgl. 40 = Dittenberger Syll.² 930. Über den von Scipio geführten Krieg gegen die Numantiner stimmen die Berichte nicht in allen Punkten überein. Der ausführlichste ist der Appians Ib. 84–98; er beruht, wie wohl auch die übrigen griechischen, wesentlich auf Poseidonios und stellt Scipio ähnlich in den Vordergrund, wie Polybios in der Geschichte des dritten punischen Krieges es thut. Die auf Livius zurückgehenden römischen Darstellungen bieten manche bei Appian fehlenden Nachrichten und zeigen ein gewisses Interesse für die heldenmütigen Gegner. Neue Aushebungen für den Feldzug wurden Scipio nicht gestattet, auch Geldmittel nicht gewährt (Plut. apophth. Scip. Min. 15); nur 4000 Freiwillige stellten sich ihm zur Verfügung, darunter 500 Clienten und Freunde, die er zu einer besonderen Elitetruppe (φίλων ἴλη) vereinigte, einer Vorläuferin der späteren Gardetruppen (Appian. Ib. 84. Fest. p. 223, vgl. Wölfflin Philologus XXXIV 413. Mommsen Herm. XIV 26). Eine ganze Reihe von bedeutenden Männern haben unter seiner Führung damals gedient, sein Bruder Q. Fabius Maximus Aemilianus (Appian. Ib. 90), sein Neffe Fabius Buteo (ebd. 84), sein Schwager C. Sempronius Gracchus (Plut. Ti. Gracch. 13, 1), ferner Sempronius Asellio (Gell. II 13, 3) und P. Rutilius Rufus (Cic. rep. I 17. Appian. Ib. 88), die damals beide Militärtribunen waren und später in ihren Geschichtswerken den Krieg darstellten, der Dichter C. Lucilius (Vell. II 9, 4), Marius 14C. Marius, dem Scipio seine künftige Grösse vorhergesagt haben soll (Vell. II 9, 4. Val. Max. VIII 15, 7. Plut. Mar. 3, 2–4. 13, 2), und als Führer des numidischen Contingents Iugurtha, der gleichfalls die Aufmerksamkeit des Feldherrn in hohem Masse auf sich zog (Sall. Iug. 7, 4–9, 3. Vell. II 9, 4. Appian. Ib. 89). Die an sich wahrscheinliche Ansicht, dass auch Polybios ihn wieder ins Feld begleitet habe, stützt sich, besonders auf die Nachricht von einer Monographie des Polybios über den numantinischen Krieg (Cic. ad fam. V 12, 2). Ausser von Numidien empfing Scipio auch von anderen verbündeten Städten und Königen Unterstützung (Appian. Ib. 84), solche in Geld nach Cic. Deiot. 19. Schol. Ambros. z. d. St. p. 372f. Or. von Attalos III. von Pergamon, nach Liv. ep. LVII von Antiochos VII. von Syrien, was beides richtig sein kann. Den Zustand, den er beim Eintreffen vor Numantia vorfand, charakterisiert Flor. I 34, 9: acrius in castris quam in campo, nostro cum milite quam cum Numantino proeliandum fuit. Die kleine Bergstadt Numantia (bei Garray nördlich von Soria am obern Duero, vgl. über ihre Lage besonders Oros. V 7, 2. 10; neuere Litteratur CIL II p. 388; Suppl. p. 929f.) mit ihrer schwachen Besatzung (10 000 Mann nach Vell. II 1, 3; 8000 nach Appian. Ib. 97; 4000 nach Oros. V 7, 3) hätte nicht seit vielen Jahren den römischen Heeren so erfolgreich Trotz geboten, wenn diese nicht vollständig [1455] verwildert und zerrüttet gewesen wären. Scipio begann seine Reform mit der Ausweisung der Dirnen, Wahrsager, Handelsleute, Marketender aus dem Lager, liess darauf alles entbehrliche, der Bequemlichkeit und dem Luxus dienende Gerät abschaffen und gewöhnte nun die Soldaten wieder an strenge Manneszucht und an die Strapazen des Krieges durch Schanzarbeiten, Übungsmärsche, Entbehrungen und Strafen. Verschiedene Anekdoten schildern, wie er gegen die Missstände einschritt und durch sein eigenes Vorbild zu wirken suchte (Liv. ep. LVII. Flor. I 34, 9–11. Eutrop. IV 17, 2. Oros. V 7, 4. Val. Max. II 7, 1. Frontin. strat. IV 1, 1. 5. 3, 9. 7, 27. Veget. I 15. III 10. Hist. Aug. Hadr. 10, 2. Auct. de vir. ill. 58, 6. Appian. Ib. 85f. Plut. apophth. Scip. Min. 16-19. Polyaen. VIII 16, 2ff. Aelian. v. h. XI 9, 5; unsicher Rutil, frg. 13 Peter). Gegen Numantia ging er langsam und methodisch vor; zunächst isolierte er die Stadt durch Unterwerfung der umliegenden Landschaft und Abschneidung aller Zufuhr (Appian. Ib. 87f.), und dann schloss er sie mit gewaltigen, weit ausgedehnten Befestigungen vollständig ein (Appian. 90ff. Oros. V 7, 8ff.). Mit den vorbereitenden Massregeln war das J. 620 = 134 und der Winter vergangen (Oros. V 7, 5; vgl. Appian. 89), der übrigens dort so rauh ist, dass er notwendigerweise einen Stillstand der Operationen zur Folge haben musste (vgl. Th. Fischer in Kirchhoffs Länderkunde von Europa II 2, 660). An Kämpfen fehlte es keineswegs, doch bewährten sich die römischen Soldaten noch immer so wenig, dass Scipio jede offene Schlacht nach Möglichkeit vermied (Oros. V 7, 6f., vgl. Liv. ep. LVII. Frontin. II 8, 7. Appian. 89. 93 u. a.). Der sichere Weg zum Siege war für ihn die Aushungerung der Belagerten, aber freilich auch der langwierigere; es werden verschiedene Äusserungen Scipios berichtet, die sein Verhalten rechtfertigen sollten (Sempron. Asell. frg. 5 Peter bei Gell. XIII 3, 6. Hist. Aug. Antonin. Pius 9, 10. Appian. 87. Plut. apophth. Scip. Min. 20. Liv. ep. LVII. Frontin. strat. IV 7, 16. Veget. III 21), vielleicht Antworten auf Vorwürfe, die ihm wegen des langsamen Fortschritts der Operationen gemacht wurden (vgl. auch Sen. de ira I 11, 7). Als die Numantiner einen letzten Versuch gemacht hatten, Hülfe von auswärts zu erlangen, und die erste Regung zu ihren Gunsten von Scipio mit barbarischer Härte unterdrückt worden war (Appian. 94). boten sie ihre Unterwerfung an. Doch die Hoffnung, dass der Gegner ihren Mut ehren würde, trog sie; er forderte bedingungslose Ergebung (Appian. Ib. 95. Flor. I 34, 12) und bestand auch auf der Verweigerung einer Schlacht. Die Hungersnot war bei den Eingeschlossenen aufs äusserste gestiegen; grauenvolle Einzelheiten werden davon erzählt, und alle Berichte stimmen darin überein, dass nur dieser Umstand schliesslich die Capitulation erzwang (Liv. ep. LVII. LIX. Flor. 1 34, 12ff. Eutrop. IV 17, 2. Oros. V 7, 12ff. Val. Max. VIII 6 ext. 2. Vell. II 4, 2. Auct. de vir. ill. 58, 6. Appian. 96f.); dass bei einem letzten verzweifelten Ausfall (Flor. Oros.) und durch eigene Hand (Liv. ep. LIX. Flor. Oros. Appian.) noch viele Numantiner den Tod fanden, ist gewiss richtig, wenn auch ein Spanier, wie Orosius, im einzelnen ihren Heldenmut zu grell ausmalen [1456] mag. Nach Vell. II 4, 2 war von dem Eintreffen Scipios vor Numantia bis zur Übergabe der Stadt ein Jahr und drei Monate vergangen, so dass man die Übergabe Anfang Herbst 621 = 133 setzen kann. Ohne einen Befehl von Rom abzuwarten, liess Scipio die Stadt von Grund aus zerstören, ihr Gebiet unter die Nachbarn verteilen und die überlebenden Einwohner mit Ausnahme weniger, die für den Triumph aufgespart wurden, in die

Sclaverei verkaufen (Liv. ep. LIX. Vell. Val. Max. II 7, 1. Ampel. 18, 1. 24. Euseb. chron. II 128 h. 1291 Schoene. Appian. 98). Nach der Neuordnung der Provinz (Eutrop. IV 17, 2. App. 98f.) kehrte er nach Rom zurück und feierte im J. 622 = 132 (vgl. über die Zeit Cic. Phil. XI 18. Liv. ep. LIX. Eutrop. IV 19, 2) seinen zweiten Triumph (Elog. Cic. rep. VI 11. Liv. ep. LIX. Vell. II 4, 5. Val. Max. II 7, 1. IV 3, 13. Flor. I 34, 17. Oros. V 7, 18. Gell. XVI 8, 10. Appian. 98. Plut. apophth. Scip. Min. 22). Der geringen Beute (Flor. Oros.) entsprach der geringe Betrag des an die Soldaten bei dem Triumphe verteilten Geldgeschenks (Plin. n. h. XXXIII 141). Scipio empfing den neuen Siegesbeinamen Numantinus (Appian. Ib. 98. Plin. ep. VIII 6, 2. Auct. de vir. ill. 58, 6. Ampel. 18, 1. 24 u. a.), der jedoch in dem Elogium und, soviel wir sehen, in den Fasten keine Aufnahme gefunden hat und auch bei Cicero nie vorkommt.

Letzte Lebensjahre und Tod. Noch während der Belagerung Numantias hatte sich in Rom das Schicksal des Tib. Gracchus entschieden. Als die Kunde davon ins Lager gelangte, sprach Scipio die homerischen Worte (Od. I 47): ὡς ἀπόλοιτο καὶ ἄλλος, ὅτις τοιαῦτα γε ῥέζοι (Diod. XXXIV 7, 3. Plut. Tib. Gr. 21, 3). Seine Stellung zu der gracchischen Bewegung ist hierin mit aller Schärfe und Deutlichkeit ausgesprochen, und er hat sie bis zu seinem Ende behauptet (vgl. zur

Charakteristik u. a. Neumann Gesch. Roms währ. d. Verfalls d. Rep. I 135ff. 213ff.). In einem gewissen Zusammenhang damit stand es, dass er nicht lange nach seiner 622 = 132 erfolgten Rückkehr den L. Aurelius Cotta wegen Erpressungen anklagte, und dass dieser freigesprochen wurde, nicht weil die Richter ihre Unparteilichkeit gegenüber der mächtigen Autorität des Klägers documentieren wollten, sondern weil sie bestochen waren (Cic. Brut. 81; Mur. 58; div. in Caec. 69. Ps.-Ascon z. d. St. p. 124 Or. Val. Max. VIII 1 abs. 11. Tac. ann. III 66; besonders wichtig Appian. bell. civ. I 22, vgl. Klebs o. Bd. II S. 2485 Nr. 98). 623 = 131, als es sich um die Entsendung eines Feldherrn nach Asien handelte und die beiden Consuln durch ihre Priestertümer an Rom gefesselt schienen, gaben zwei Tribus Scipio ihre Stimme (Cic. Phil. XI 18). Zum offenen Auftreten gegen die Demokraten entschloss er sich in diesem Jahre gelegentlich der Gesetzanträge des Tribunen C. Papirius Carbo, speciell desjenigen, der die Iteration und Continuation des Tribunals ermöglichen sollte. In einer Rede, deren gravitas besonders gerühmt wird, und die auch später noch gelesen wurde, empfahl er die unbedingte Verwerfung der Rogation (Cic. Lael. 96. Liv. ep. LIX). Carbo suchte die Wirkung dieser Rede zu zerstören, indem er dem Scipio die Frage vorlegte, wie er über die Ermordung [] des Tib. Gracchus denke, und die Antwort war die von ihm erwartete; sie lautete nach Vell. II 4, 4: Si is occupandae rei publicae animum habuisset, iure caesum, wovon die übrigen Berichte nur den Hauptsatz: iure caesum videri wiedergeben (Cic. de or. II 106; Mil. 8. Liv. ep. LIX [von dem Epitomator ungeschickt verkürzt und der Rede zugewiesen]. Val. Max. VI 2, 3 [rhetorisch ausgeschmückt]. Auct. de vir. ill. 58, 8. Plut. Tib. Gr. 21, 3 [in andern Zusammenhang gebracht]). Die Entrüstung der Menge machte sich in lautem Toben Luft, worauf ihr Scipio zurief, er fürchte die nicht, denen Italien nur eine Stiefmutter sei, und die er selbst in Ketten herbeigebracht habe (im Wortlaut nicht genau übereinstimmend Val. Max. Vell. Auct. de vir. ill. Polyaen. VIII 16, 5. Plut. apophth. Scip. Min. 22, wieder in anderm Zusammenhang). Da C. Gracchus für das Gesetz und gegen Scipio auftrat (Liv., vgl. Plut.), so wird er darauf wohl dem Scipio zugerufen haben, er sei der Tyrann, der den Tod verdiene, was Scipio mit dem stolzen Wort erwiderte, wohl müsse man ihn töten, wenn man das Vaterland verderben wolle (Plut. apophth. Scip. Min. 23, hierher gezogen von Ed. Meyer Untersuch. zur Gesch. d. Gracchen 24, 2). Die Rogation Carbos wurde durch Scipio zu Falle gebracht (Liv.), doch auch weiterhin suchte er die verderblichen Folgen der gracchischen Gesetzgebung zu verhüten. Dadurch, dass den Triumvirn für die Ackerassignationen die Entscheidung der Besitzfragen auch bei den Bundesgenossen überlassen wurde, war ein schwerer Eingriff in deren Rechte geschehen; Scipio setzte einen neuen Volksbeschluss durch, der den Triumvirn die Gerichtsbarkeit entzog; damals hielt er seine Rede contra legem iudiciariam Ti. Gracchi (Appian. bell. civ. I 19. Macrob. III 14, 6f.; vgl. Schol. Bob. Milon. p. 283 Or. Mommsen R. G. II 99. Ed. Meyer Untersuch. zur Gesch. der Gracchen*; 14; Handwörterbuch der Staatswissensch. Suppl. H [Jena 1897] 447). Da die Jurisdiction von den Triumvirn auf C. Sempronius Tuditanus, den einen Consul von 625 = 129, übertragen wurde, muss die Verhandlung kurz vor oder nach dessen Amtsantritt stattgefunden haben. Doch Scipio plante noch weitere Schritte gegen das Ackergesetz des Tib. Gracchus, und zwar in seiner doppelten Eigenschaft als Vertreter der Interessen der Bundesgenossen und als Haupt der Senatspartei. Die Schilderung der Lage zur Zeit der Feriae Latinae, also im April oder Mai 625 = 129, bei Cic. rep. I 14. 31. VI 12 lässt über diese Absicht keinen Zweifel; es war demnach sogar der Gedanke aufgetaucht, Scipio zum Dictator zu ernennen. Nach Appian. I 19 waren auch die Gegner von den Plänen Scipios unterrichtet und benutzten dies, um das Volk gegen ihn aufzuhetzen. In einer Volksversammlung führte Scipio öffentlich Klage über die Anfeindungen und Nachstellungen, denen er ausgesetzt sei (Oros. V 10, 9); nach Plut. C. Gr. 10, 4 erwiderte ihm damals M. Fulvius Flaccus mit Schmähungen, und man hat deshalb auch in diesen Zusammenhang den bei Plut. apophth. Scip. Min. 23 (s. o. erwähnten Wortwechsel bringen wollen. Von demselben Tage berichtet ferner Cic. Lael. 12 über Scipio: Senatu dimisso domum reductus [1458] ad vesperum est a patribus conscriptis, populo Romano, sociis et Latinis. Mit der Schreibtafel in der Hand, um sich für eine am folgenden Tage in der Volksversammlung zu haltende Rede vorzubereiten, zog er sich in sein Schlafgemach zurück (Appian. I 20; μετὰ δεῖπνον Plut. Rom. 27, 8); hier wurde er am nächsten Tag als Leiche aufgefunden. ,Die Angaben über Scipios Tod erschöpfen alle Möglichkeiten‘ (Ed. Meyer Untersuch. zur Gesch. d. Gracchen 28, 3); obwohl eine Entscheidung nicht möglich ist, sollen wenigstens die Zeugnisse hier zusammengestellt werden. Als das wichtigste gilt der Schluss der von Laelius verfassten Leichenrede, den Schol. Bob. Milon. p. 283 erhalten hat, aber leider sind hier gerade die entscheidenden Worte schlecht überliefert: Cum eo morborum te movit et in eodem tempore petiit, was gewöhnlich mit Orelli in eo morbo mortem obiit et... periit geändert wird, während z. B. Vollmer (Jahrb. f. Phil. Suppl. XVIII 481f.) vorschlägt: quod nec morbo mortem obiit et .... oppetiit. Cicero, der Mur. 75 die vorhergehenden Worte der Laudatio citiert, lässt den Laelius in den einleitenden Abschnitten der nach ihm benannten Schrift (Lael. 5. 10–12. 14) nichts sagen, was gegen die Annahme eines natürlichen Todes Scipios spräche, und lässt ihn sogar auf den Argwohn der Menge, d. h. offenbar das Gerücht von der Ermordung, als etwas Unbegründetes hinweisen (12). Allerdings sagt er später Lael. 41: Hunc (scil. Tib. Gracchum) etiam post mortem secuti amici et propinqui quid in P. Scipione effecerint, sine lacrimis non queo dicere, und dies geht zusammen mit den Worten, die Scipio selbst im Traume von seinem Ahnherrn gehört haben will, rep. VI 12: Dictator rem publicam constituas oportet, si impias propinquorum manus effugeris (vgl. 14: perterritus non tam mortis metu, quam insidiarum a meis), lässt also mindestens darauf schliessen, dass Laelius, wie Scipio selbst (vgl. Oros. V 10, 9), überzeugt war, dass ihm Nachstellungen bereitet wurden. Die Ansicht, dass er ermordet worden sei, ist nach Val. Max. IV 1, 12 sofort von Q. Metellus Macedonicus ausgesprochen worden: Scipioni Africano intra suos penates quiescenti nefaria vis allata est; ein Jahrzehnt später nannte L. Licinius Crassus den C. Carbo öffentlich P. Africani necis socius (Cic. de or. II 170), und später erscheint die Ermordung durch Carbo bei Pompeius (bei Cic. ad Q. fr. II 3, 3) und Cicero (Mil. 16; de fato 18; ad fam. IX 21, 3) als die von den Optimaten allgemein angenommene Version. Vell. II 4, 6 constatiert zwar, dass die meisten Berichte einen natürlichen und nur einige einen gewaltsamen Tod annehmen, neigt aber selbst der letzteren Ansicht zu: mane in lectulo repertus est mortuus, ita ut quaedam elisarum faucium in cervice reperirentur notae. de tanti viri morte nulla habita est quaestio eiusque corpus velato capite elatum est. Mit dem Schluss stimmt überein Auct. de vir. ill. 58, 10: obvoluto capite elatus, ne livor in ore appareret, vgl. Schol. Bob. a. O.: in eiusque faucibus vestigia livoris inventa sunt, und dass keine Untersuchung über die Todesursache stattfand, bestätigen Cic. Mil. 16. Liv. ep. LIX. Plin. n. h. X 123. In beiden Punkten widerspricht Plutarch den römischen Berichten insofern, als er Rom. 27, 9 sagt, [1459] der Leichnam habe offen zur Schau gestanden, und C. Gr. 10, 4, eine Untersuchung sei eingeleitet worden. Aber da er gleichzeitig berichtet, die Anzeichen des gewaltsamen Todes seien vorhanden gewesen und die Durchführung der Untersuchung sei von der gracchischen Partei hintertrieben worden, so stimmt er in der Hauptsache mit jenen überein. Plutarch und Appian registrieren sonst nur die verschiedenen Versionen, die im Umlauf waren, ohne sich für eine zu entscheiden: 1. οἱ μὲν αὐτομάτως ὄντα φύσει νοσώδη καμεῖν λέγουσιν (Plut. Rom., vgl. dagegen Liv.: fortisque ac validus pridie); 2. ὡς ἔνιοι δοκοῦσιν, ἑκὼν ἀπέθανε (Appian. I 20), οἱ δ’ αὐτὸν ὑφ’ ἑαυτοῦ φαρμάκοις ἀποθανεῖν (Plut. Rom.); 3. gewaltsamer Tod, und zwar Erdrosselung durch Feinde, die ihn nachts überfallen liessen (Plut. Rom., etwas ausführlicher Appian, übereinstimmend mit Vell., vgl. Val. Max. VIII 15, 3: mors clandestinis inlata insidiis, auch Cic. Mil. 16), oder Vergiftung (Liv.) durch die Frauen seiner Familie, seine Schwiegermutter Cornelia, die Mutter der Gracchen (Nr. 407), und seine Gemahlin Sempronia, deren Schwester (Appian. Liv. ep. LIX. Oros. V 10, 10. Schol. Bob.), oder gewaltsamer Tod ohne nähere Bezeichnung der Todesart durch die Führer der Gegner, die ausser Carbo gegen Scipio aufgetreten waren, M. Fulvius Flaccus (Plut. C. Gr. 10, 4) oder C. Gracchus selbst (Plut. ebd. Schol. Bob.). Diese letzteren Angaben sind zum grössten Teil völlig wertlos, so der Selbstmord und die Beschuldigung der Verwandten; solche Gerüchte sind sogar wahrscheinlich nur künstliche Combinationen später Historiker (vgl. die freilich nicht durchweg überzeugenden Ausführungen von Ed. Schwartz Gött. gel. Anz. 1896, 794f.). Doch wenn man sich auf die Frage beschränkt, ob ein natürlicher oder ein gewaltsamer Tod das Wahrscheinlichere ist, so dürfte die unbedingte Verwerfung der zweiten Möglichkeit, zu der z. B. Ihne R. G. 4 V 456–460 (Excurs über den Tod des Scipio Aemilianus) und Lincke Scipio Aemilianus 32f. gelangen, leicht zu weit gehen. Das Zeugnis des Laelius könnte, selbst wenn sein Wortlaut feststände, nicht absolut beweiskräftig sein, weil im Falle der Ermordung ein absichtliches Verschleiern der Wahrheit sowohl der Persönlichkeit des Verfassers wie der Gelegenheit der Rede angemessen gewesen wäre; der Verdacht des Mordes ist bei den Parteigenossen Scipios sofort aufgetreten und allgemein verbreitet gewesen; obwohl keine Wunde sichtbar war (Appian), hat es doch an gewissen verdächtigen Anzeichen nicht gefehlt (gehört hierher das Frg. einer Rede beim Auct. ad Herenn. II 44?); dagegen fehlen uns sichere Beweise für den natürlichen Tod, deren Herbeischaffung den Demokraten ebenso erwünscht gewesen sein müsste, wie den Gegnern die von Beweisen für die Ermordung. Mit allgemeinen Betrachtungen lässt sich die eine wie die andere Ansicht stützen; doch da wir selbst in Zeiten, die uns viel näher liegen, das den Tod mancher bedeutenden geschichtlichen Persönlichkeit umhüllende Geheimnis nicht durchdringen können, ist es am richtigsten, sich mit einem Non liquet zu begnügen. Ein funus publicum wurde Scipio nicht zu teil (Appian. I 20), doch wurde er unter allgemeiner Trauer zu Grabe getragen (Cic. Lael. 11); namentlich wird die Teilnahme [1460] des Q. Metellus Macedonicus, seines politischen Gegners, hervorgehoben (Val. Max. IV 1. 12. Plin. n. h. VII 144. Plut. apophth. Met. 3, vgl. Dio frg. 83, 1). Die Besorgung der Leichenfeierlichkeiten hatten die beiden Neffen des Toten Q. Fabius Maximus und Q. Aelius Tubero übernommen; die übertriebene Einfachheit des Leichenschmauses wurde dem Tubero als Geiz ausgelegt und verübelt (Cic. Mur. 75f., daraus Val. Max. VII 5, 1, vgl. Sen. ep. 95, 72f. 98, 13; o. Bd. I S. 536). Die Leichenrede hielt nach Cic. Mur. 75 und Schol. Bob. Milon. p. 283 Or., die beide den Schluss überliefern (s. o.), Fabius, und zwar hatte sie nach Schol. Bob. Laelius verfasst; wenn Cic. de or. II 341 sagt: Q. Tuberoni Africanum avunculum laudanti scripsit C. Laelius, so wird man dies mit Vollmer (Jahrb. f. Phil. Suppl. XVIII 460, 2) für einen Gedächtnisfehler Ciceros halten dürfen. Scipios letzte Buhestätte ist unbekannt; in dem Erbbegräbnis der Familie hat er sie so wenig gefunden wie der ältere Africanus.

Scipio war, wie schon erwähnt, vermählt mit Sempronia, der Schwester der Gracchen, und zwar bereits vor der Einnahme Karthagos nach Plut. Tib. Gracch. 4, 2 (vgl. ebd. 1, 3. 8, 4. Val. Max. III 8, 6. VI 2, 3. Oros. V 10, 10. Schol. Bob. Milon. p. 283 Or.); er hinterliess keine Kinder (Hist. Aug. Sever. 21, 1). Über seinen Freundeskreis spricht Cicero vielfach. In jüngeren Jahren hat sich Scipio eng an den alten Cato angeschlossen (Cic. Cato 3ff.; rep. II 1; inv. I 5); durch sein ganzes Leben hindurch war er in unzertrennlicher Freundschaft mit C. Laelius verbunden, so dass sie als Freundespaar sprichwörtlich wurden, und dass Cicero ihr Verhältnis zu dem Ausgangspunkt seiner Schrift Laelius de amicitia wählte (vgl. bes. Lael. 15 u. ö.; de or. II 22; rep. I 18. Val. Max. VIII 8, 1f.); wie der Spott der Gegner beweist, war Scipio übrigens keineswegs dabei nur der Gebende (Plut. praec. reip. ger. 11, 5; an seni sit ger. resp. 27, 7. Iulian. or. VIII 244 C). Vgl. über andere Freunde Scipios Lincke 8f. Zu den Gegnern Scipios gehörten Q. Caecilius Metellus Macedonicus (Cic. rep. I 31. Hor. sat. II 1, 67, s. o. Bd. III S. 1215f.), L. Lentulus Lupus (Hor. a. O., vgl. Nr. 224), P. Sulpicius Gallus (Gell. VI 12, 4f., s. o.). In freundschaftlichem Verhältnis hatte Scipio auch zu Terenz gestanden, so dass man ihm wie dem Laelius sogar einen Anteil an dessen Komoedien zuschreiben wollte (vgl. die Erörterungen der antiken Gelehrten darüber bei Suet. vita Terent.); später gehörte namentlich Lucilius zu seinem Kreise (Hor. sat. II 1, 65–74 mit Schol.), doch kann hier die Einwirkung Scipios auf die Litteratur nicht weiter erörtert werden. Schriftstellerische Thätigkeit hat er selbst nicht entfaltet, aber als Redner war er sehr bedeutend. Seine Reden wurden noch später gelesen; die meisten Fragmente daraus sind bereits angeführt worden, vollständige Sammlung bei Meyer Orat. Rom. frg.² (Zürich 1842) 176–193. Antike Urteile über Scipios Beredsamkeit besonders bei Cic. Brut. 82ff. Vell. II 9, 1. Gell. II 20, 5; von Neueren vgl. Teuffel-Schwabe I 207 § 131, 1. Norden Antike Kunstprosa I 170. 186. Berühmt sind die Beziehungen Scipios zu den hervorragenden [1461] Vertretern griechischer Bildung, Polybios und Panaitios. Wie allgemein bekannt die Freundschaft mit Polybios war, bezeugt dieser selbst XXXII 9,3; die meisten darauf bezüglichen Stellen sind bereits oben angeführt. Über die Beziehungen zu beiden Griechen vgl. besonders noch Cic. rep. I 34. Vell. I 13, 3, über die zu Panaitios namentlich Cic. rep. I 15; off. I 90. II 76; fin. IV 23; Tusc. I 81; Mur. 66; ad Att. IX 12, 2 u. a., von Neueren Schmekel Philosophie der mittleren Stoa 6f. 378. 442, wo der Einfluss, den Scipio und sein römischer Kreis auf Panaitios, besonders auf dessen Staatslehre ausübten, dargelegt und die ganze Stellung Scipios zur Philosophie charakterisiert wird. An der römischen Staatsreligion hielt er bei aller Geistesfreiheit fest; ausser seinen weltlichen Ämtern hatte er auch die Würde eines Augurs (Elog., vgl. Cic. rep. I 63: in nostris libris = Sen. ep. mor. 108, 31: in auguralibus libris, auch Lael. 77: a collega nostro); unsicher ist die Notiz, er habe einen Tempel der Virtus erbaut (Plut. fort. Rom. 5), da diese Gottheit meist mit Honos zusammen verehrt wurde. Im Privatleben war er von einer harmlosen Liebenswürdigkeit (Cic. de or. II 22, daraus Val. Max. VIII 8, 1f. Hor. sat. II 1, 71ff.), die ihm so viele Freunde erwarb, wenngleich er in der Unterhaltung sokratische εἰρωνεία zu zeigen wusste (C. Fannius frg. 7 Peter), gastfrei (Cic. de fato frg. 5 aus Macrob. sat. III 16, 4), sorglos (Gell. III 4, 1, vgl. Plin. n. h. VII 211) und von grösster Einfachheit der Lebensweise (vgl. die Schilderungen seiner Lebensweise auf der Gesandtschaftsreise und vor Numantia, auch Frontin. strat. IV 3, 9). Seine Uneigennützigkeit und Mässigkeit gehören zu den Tugenden, die Polybios (XVIII 35, 9ff. [daraus Aelian. v. h. XI 9, 5]. XXXII 11, 9ff., s. o.) und Panaitios (bei Cic. off. II 76) am meisten rühmten; infolgedessen war seine Hinterlassenschaft sehr gering (Plin. n. h. XXXIII 141. Auct. de vir. ill. 58, 14. Plut. apophth. Scip. Min. 1; über sein Landgut Lavernium bei Formiae vgl. Cic. de fato frg. 5 mit ad Att. VII 8, 4). Stets war er thätig und beschäftigt und wusste seine Mussestunden aufs beste zu nützen (Cic. rep. I 14. Vell. I 13, 3). Als Feldherr zeigte er nach dem Vorbild seines Vaters die grösste Bedachtsamkeit und Besonnenheit (Sempron. Asellio frg. 5 Peter aus Gell. XIII 3, 6. Dio frg. 69, 1ff., vgl. sein systematisches Vorgehen bei beiden grossen Belagerungen), er war imperator, non bellator (Frontin. strat. IV 7, 4) und ist wohl auch der Scipio, der den Ausspruch that, malle se unum civem servare, quam mille hostes occidere (Hist. Aug. Anton. Pius 9, 10); von seiner persönlichen Tapferkeit hatte er aber in jüngeren Jahren genug Proben abgelegt (Cic. Tusc. IV 50 u. a.). In der innern Politik hatte er trotz seiner conservativen Grundanschauungen für fortschrittliche Bestrebungen richtiges Verständnis, so dass auch revolutionäre Parteien sich gern auf ihn beriefen (Cic. acad. pr. II 13); seine Popularität war allgemein (Appian. bell. civ. I 19. Dio frg. 69, 6). Solche einzelne Züge lassen sich noch zahlreich aus den Quellen belegen (vgl. besonders noch Dio frg. 69, 1–5) oder aus der oben dargestellten Geschichte seines Lebens, bei der ich absichtlich nur die Thatsachen, nicht [1462] die Motive zu geben versucht habe, entnehmen; Griechen und Römer haben gewetteifert, ihn zu verherrlichen, und die Summe aus ihren Berichten ziehen etwa die Worte des Vell. I 12, 3: omnibus belli ac togae dotibus ingeniique ac studiorum eminentissimus saeculi sui, qui nihil in vita nisi laudandum aut fecit aut dixit ac sensit. Auch uns erscheint Scipio als der grösste Mann seines Volkes in seiner Zeit, weil sein Volk und seine Zeit in ihm ihre vollendetste Verkörperung fanden. Mehr als irgend eine andere einzelne Persönlichkeit dieser Periode hat er zum Entstehen des römisch-hellenistischen Weltreichs und seiner Cultur beigetragen und zwar mit bewusster Absicht; er sah die Fehler, die sich daraus ergeben mussten, aber er hielt sich persönlich von ihnen frei. In ihm erscheint die harmonische Verbindung der Vorzüge des römischen Nationalcharakters mit denen der hellenischen Geistesanlage wirklich erreicht.

Nachträge und Berichtigungen

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S I (1903), Sp. 330331
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335) (Zu S. 1443, 23) Wahrscheinlich ungenau verlegt Cic. rep. VI 9 die erste Begegnung Scipios mit Massinissa ins J. 605 = 149.

[331] (Zu S. 1447, 57) Über die Fortschritte der Untersuchung der karthagischen Häfen vgl. R. Oehler Archäol. Anzeiger 1901, 145-147.

(Zu S. 1450, 56ff.) Die von Polybios im Auftrage Scipios unternommene Entdeckungsfahrt fällt nach Cuntz (Polybius und sein Werk [Lpz. 1902] 52ff.) vielmehr in den Sommer 606 = 148.

(Zu S. 1451, 56) Ein weiteres Beispiel für die Strenge Scipios als Censor giebt Cic. de or. II 272.

(Zu S. 1454, 38) Eine Satire aus B. XXVI des Lucilius, die den numantinischen Krieg und Scipios Thaten darin behandelte, hat Birt (Zwei politische Satiren des alten Rom [Marburg 1888] 89–112) zu reconstruieren versucht; ich bedaure, dies nicht für die Darstellung benutzt zu haben.

(Zu S. 1456, 14) Auf der Rückreise aus Spanien scheint sich Scipio in Massilia aufgehalten zu haben (Polyb. XXXIV 10, 6f. = Strab. IV 190).

(Zu S. 1456, 53) Auf die Consulwahlen für 622 = 132 hatte Scipio noch einen entscheidenden Einfluss ausgeübt; später schwächte sich dieser ab (Cic. Lael. 73).

(Zu S. 1461, 15) Über Scipio und die stoische Rhetorik handelt Reitzenstein Festschr. zur Philologenversammlung (Strassbg. 1901) 143-162.

Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
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Band S III (1918), Sp. 260
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335) Statt verschiedener kleiner Nachträge, wie die Suppl.-Heft I S. 330f. gegebenen, sei nur im allgemeinen darauf hingewiesen, daß wertvolle Nachrichten für das Leben des Scipio Aemilianus besonders aus Liv. ep. Oxyr. XLIX—LV hinzugekommen sind (vgl. Kornemann Klio Beih. 2, 128 s. v., auch ebd. V 135f.). Wahrscheinlich ihm und nicht dem älteren Africanus ist die delische Ehreninschrift von L. Babullius gesetzt (Bull. hell. XXXVI 198f.).