RE:Perseus 5

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft
korrigiert  
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Band XIX,1 (1937), Sp. [1937 996]–[1937 1021]
Perseus (Makedonien) in der Wikipedia
GND: 118790463
Q207363 in Wikidata
Linkvorlage für WP   
* {{RE|XIX,1|996|1021|Perseus 5|[[REAutor]]|RE:Perseus 5}}        

5) König von Makedonien 181–168 v. Chr., Sohn Philippos’ V. (Polyb. I 3, 1). Er wurde um 212 v. Chr. geboren (Liv. XL 6, 4. Vgl. Liv. XXXI 28, 5), und zwar wohl nicht von der königlichen Gemahlin, sondern offenbar von einer Nebenfrau; gehässige Nachrede, in der romfreundlichen Überlieferung erhalten, machte dann seine Mutter zu einer Sklavin (ἀκέστρια) Gnathainion und ihn zu einem untergeschobenen Kinde: Liv. XXXIX 53, 3. XLI 23, 10. Plut. [997] Aemil. 8; Arat. 54. Ailian. var. hist. XII 43. Mit Recht weist Heiland Unters. z. Gesch. d. Königs Perseus, Diss. Jena 1913, 9, diesen Klatsch als durchaus unwahrscheinlich zurück (vgl. Niese Griech. u. mak. Staaten III 31, 2. A. Mamroth Ztschr. f. Numism. XL 277ff.), da Philippos P. immer als den ebenbürtigen Thronerben betrachtet habe, und die Behauptung (Liv. XXXIX 53), P. habe keine Ähnlichkeit mit dem Vater besessen, widerlegt er durch den Hinweis auf die Münzbilder beider Herrscher (doch vgl. Gaebler Antike Münzen Nordgriechenlands III 1, 32ff.). Obwohl P. sich der schweren Aufgabe, vor die ihn der Vater gestellt hatte, wenig gewachsen zeigte, wird man doch auch der Angabe, P. habe τῇ φύσει καὶ τῇ κατασκευῇ seinem Bruder Demetrios nachgestanden (Polyb. XXIII 7, 5), kaum vollen Glauben schenken können; Demetrios erfreute sich nun einmal der vollen Sympathie der Römer, und das färbte natürlich auf die uns allein vorliegende prorömische Geschichtsschreibung ab.

Zum ersten Male wurde er als Thronfolger nominell 200 v. Chr. an die Spitze einer Abteilung gestellt, die die nach Pelagonien führenden Pässe besetzen sollte: Liv. XXXI 28, 5, wurde jedoch bald wieder zurückgerufen: Liv. XXXI 34, 6. Über die Örtlichkeit vgl. Geyer o. Bd. XIV S. 652. Im J. 189 wurde P. gegen die Bundesgenossen Antiochos’ III. von Syrien geschickt, um zugleich im makedonischen Interesse die Doloper und Amphilocher zu bekämpfen. Es scheint ihm gelungen zu sein, die Doloper wieder zu unterwerfen (Niese II 766, 3); sodann bestürmte er eine amphilochische Stadt, wohl Argos, ohne Erfolg und zog sich beim Herannahen der Aitoler nach Verwüstung des Landes wieder zurück: Liv. XXXVII 5, 10. 7, 1. Mit der Sendung seines Bruders Demetrios nach Rom 184 begann für P. ein erbitterter Kampf um die Nachfolge, da die Römer sich bemühten, den aus königlicher Ehe stammenden Prinzen für ihre Politik der Schwächung der makedonischen Macht auszunutzen. Auf die Einzelheiten dieses mit der Vergiftung des Demetrios endenden Familiendramas brauche ich hier nicht einzugehen, da Kaerst o. Bd. IV S. 2794f. Nr. 37 den Bruderzwist dargestellt hat (vgl. noch Niese III 31ff.). Es kann sich nur darum handeln, die Schuld des P. an dem Tode seines Bruders festzustellen. Da unterliegt es keinem Zweifel, daß die bewußt auf eine Spaltung des Königshauses abzielende Politik des römischen Senats die Hauptschuld trägt. Ihre Absicht war erreicht, als durch die bevorzugte Behandlung des Demetrios zwischen ihm, seinem Vater und Bruder Mißtrauen gesät war, das die den Römern verdächtige Energie Philippos’ V. im Ausbau der makedonischen Machtstellung schwächte und den Thronfolger P. in der Sorge um die Nachfolge von seinen Aufgaben ablenkte und zum Brudermord trieb. Jedenfalls wird nichts davon berichtet, daß die Römer nach der Ermordung des Demetrios irgendwelche Schritte unternommen hätten, die auf ein wirkliches Interesse an dem unglücklichen Prinzen schließen ließen. Deshalb erwecken auch die Lobpreisungen, die die römische Überlieferung dem Prinzen zuteil werden läßt und die seinen Charakter neben [998] dem in dunklen Farben gemalten seines Bruders in helles Licht rücken, berechtigte Bedenken. Die Leichtigkeit, mit der Demetrios offenbar sich von den Römern umgarnen und durch die Vorspiegelung der Krone gewinnen ließ, sprechen ebenso gegen seine staatsmännische Begabung wie sein doch recht würdeloses Verhalten den Anschuldigungen gegenüber, nachdem er erst wie ein Herrscher aufgetreten war, gegen seinen Charakter. Andererseits war dem P. in der Bekämpfung des Bruders, in dem er seinen ärgsten Feind erkannt hatte, jedes Mittel recht; unausgesetzt hat er den Argwohn seines Vaters genährt und es verstanden, ihm den Sohn als Freund der Römer, als Verräter, der sein ganzes Lebenswerk mit Vernichtung bedrohe, hinzustellen. An und für sich braucht diese Handlungsweise gewiß nicht als Zeichen eines schlechten, zur Grausamkeit neigenden Charakters angesprochen zu werden, und so viele Fehler P. auch gehabt hat, wie wir im Laufe des Artikels noch sehen werden, despotischen Launen hat er sich weniger hingegeben als sein Vater. Sein Vorgehen gegen den Stiefbruder hält sich doch innerhalb der Grenzen dessen, was uns die Geschichte in dieser Hinsicht auch sonst überliefert, zumal wir über die ganze Angelegenheit durchaus parteiisch unterrichtet sind, und entsprach wohl dem Interesse Makedoniens (vgl. Heiland 11ff.).

Nach der Beseitigung des Demetrios scheint P. stärker hervorgetreten zu sein, als es unter dem mißtrauischen König angebracht erscheinen mochte, zumal dieser von Gewissensbissen wegen der Ermordung des Sohnes gequält wurde. Da Philippos alterte, wandten sich die Augen der Höflinge P. zu, dem die Zukunft gehörte. Nähere Nachforschungen ergaben, daß die Beschuldigungen gegen Demetrios zum Teil falsch waren, und Philippos dachte nun daran, einen Verwandten Antigonos, Neffen des Antigonos Doson, zum Nachfolger zu bestellen. Mir erscheint es allerdings recht zweifelhaft, ob der König wirklich diesen Plan verfolgte und in Abwesenheit des P. Makedonien bereiste, um Antigonos zu empfehlen, wie Livius berichtet. Philippos mußte sich doch darüber klar sein, daß der Versuch, P. der Thronfolge zu berauben, das Land in schwere Wirren stürzen würde; zu lange galt schon P., dem königliche Eigenschaften durchaus nicht fehlten, als Thronerbe, als daß seine Beseitigung ohne weiteres gelingen konnte, und außerdem stellte er damit sein ganzes Lebenswerk in Frage. Nur wenn jede Schwächung der makedonischen Macht vermieden wurde, konnte sein Nachfolger hoffen, die Vormundschaft Roms abzuschütteln, und von P. wußte er zudem, daß er ein erklärter Römerfeind war: Liv. XL 54ff. Diod. XXIX 25. Iustin. XXXII 3, 1ff. Plut. Aemil. 8. Zonar. IX 22, 1. Aus Liv. XL 56 geht hervor, daß P. auch während dieser angeblichen Umtriebe seines Vaters in Thrakien weilte, doch wohl in dessen Auftrage. Der König fiel in Amphipolis in eine schwere Krankheit, und da er infolge der schweren Sorgen und Aufregungen seelisch nicht mehr widerstandsfähig war, erlag er ihr. Im Einvernehmen mit P. hielt der Leibarzt Kalligenes den Tod so lange geheim, bis jener sich der Thronfolge versichert hatte. Antigonos wurde sofort beseitigt, [999] und auch einen seiner Helfershelfer bei der Beseitigung seines Bruders, Apelles, soll er aus dem Wege geschafft haben: Liv. XL 56, 8. 58, 9. XLII 5. Iustin. XXXII 3, 3f. Diod. XXIX 25. Herbst 179 v. Chr. (vgl. Niese III 34, 7). P., dessen Art energische Entschlüsse nicht lagen, sandte zunächst Gesandte nach Rom ad amicitiam paternam renovandam petendumque, ut rex ab senatu appellaretur: Liv. XL 58, 9. Vgl. Polyb. XXV 3, 1. Ihm kam es vor allem darauf an, die Vorbereitungen seines Vaters für den Entscheidungskampf weiterzuführen, und der Senat, der wohl seine Handlungen als König abwarten wollte, begrüßte ihn durch eine Gesandtschaft als König: Liv. XLI 24, 6. Diod. XXIX 30. Zonar. IX 29, 2. In der Politik galt eben damals schon die Regel, die wahre Gesinnung unter der Maske heuchlerischer Höflichkeit zu verbergen; wie Diodor sagt: τὸν ἐξαπατῶντα ὁμοίως ἐξαπατῶσα (sc. ἡ σύγκλητος). Nur lag in diesem Falle die Sache so, daß P. wohl auf dem von seinem Vater beschrittenen Wege der Rüstung zum Kampfe fortschritt, aber im Grunde genommen gar keine kriegerische Natur war, vielmehr im entscheidenden Augenblicke die Kraft zum Entschluß nicht fand. Seine Maßnahmen mußten das höchste Mißtrauen des Senats erregen, da dieser nicht ahnte, daß P. seinem Vater an zielbewußter Energie weit nachstand, und ihn deshalb als Feind zu hoch einschätzte. Dabei besaß P. für eine Versöhnungspolitik den Griechen gegenüber in seiner liebenswürdigeren Persönlichkeit entschieden größere Gaben als sein Vater, der mit zunehmendem Alter immer rücksichtsloser und herrischer aufgetreten war; nur fehlte ihm der feste Wille, die Griechen für den Entscheidungskampf um sich zu scharen. Sein freundliches Entgegenkommen, durch das er überall für sich Stimmung zu machen suchte, mußte alle Gegner Roms zu der Überzeugung bringen, daß er entschlossen war, die Unabhängigkeit Griechenlands wiederherzustellen, und Rom mußte seinerseits dasselbe annehmen. Da er nun als König Makedoniens über ein bedeutendes Heer und große Hilfsmittel verfügte, kann man es dem Senat nicht übel nehmen, wenn er in dem Zusammenschluß Makedoniens und Griechenlands eine Gefahr für die römische Machtstellung sah. Galt er den Griechen, die Roms Vormundschaft ungern ertrugen, als der gegebene Führer im Kampf um die Freiheit, so erschien er den Römern infolge seiner griechenfreundlichen Politik als der Feind der Zukunft, und man war entschlossen, ihn beizeiten niederzuwerfen. P. hat also von Beginn seiner Regierung an den Entscheidungskampf mit Rom vorbereitet, ohne ihn doch letzlich zu wollen; neben seinem schwankenden Charakter war allerdings auch seine Stellung als makedonischer König daran schuld, denn als solcher war er der natürliche Nebenbuhler Roms im Kampf um die Hegemonie der hellenistischen Welt (vgl. Geyer o. Bd. XIV S. 759).

Der Staat, dessen Regierung P. übernahm, befand sich infolge des langen Friedens und der unablässigen Arbeit seines Vaters in einem glänzenden Zustand: die Einnahmen des Landes hatten sich gehoben, die Bevölkerung, besonders die waffenfähige Jugend, vermehrt. Er suchte dem inneren Frieden, der durch die letzten Maßnahmen [1000] seines Vaters sehr gelitten hatte, dadurch zu dienen, daß er alle nach Makedonien (d. h. wohl ,in das makedonische Machtgebiet‘) zurückrief, die wegen Schulden, rechtskräftiger Verurteilung oder drohender Hochverratsanklagen aus dem Lande gewichen waren. In Delos, Delphi und im Tempel der Athene Itonia wurde dies öffentlich bekannt gemacht; zugleich sicherte er den Zurückkehrenden nicht nur persönliche Sicherheit, sondern auch Rückgabe ihres Vermögens zu. Außerdem erließ er in Makedonien selbst (ἐν αὐτῇ τῇ Μακεδονίᾳ) alle Steuerschulden (τῶν βασιλικῶν ὀφειλημάτων) und gab die wegen Majestätsverbrechen Eingekerkerten frei. Alle diese Handlungen mußten in Griechenland Aufsehen erregen und aller Augen erwartungsvoll oder voller Besorgnis auf ihn richten: Polyb. XXV 3. Liv. XLII 11; über die Umschmeichlung der Griechen vgl. noch Appian. Maced. 11, 1. Liv. XLII 12, 1. In diesen Zusammenhang gehört auch seine Beschickung der Pythien als Mitglied der delphischen Amphiktyonie im J. 178: Syll.³ 636; in Delphi hatte er nach Liv. XLII 15, 3 in der Gemahlin des Archonten Praxias, Praxo, eine Gastfreundin, bei der er 174 abstieg. Auch mit den Seleukiden knüpfte er Beziehungen an; seine Gemahlin war gestorben (nach Eumenes von Pergamon soll er sie mit eigener Hand umgebracht haben: Liv. XLII 5), und so vermählte er sich mit Laodike, der Tochter Seleukos’ IV. (vgl. Staehelin o. Bd. XI S. 707f.), die ihm die Rhodier feierlich zuführten (etwa 177): Polyb. XXV 4, 8. Liv. XLII 12, 3. Appian. Maced. 11, 2. Bei der Hochzeit sollen nach den Behauptungen des ihm mißgünstigen Eumenes unzählige (innumerabiles) mit Geschenken erschienen sein. Immerhin mögen die Sympathien der Griechen bei dieser Gelegenheit besonders in Erscheinung getreten sein, wie ja auch durch die Tatsache, daß Seleukos IV. (nach Liv. a. O.) ihm selbst die Tochter angeboten hat, die überragende Stellung des makedonischen Königs im Osten beleuchtet wird. Zur selben Zeit hat ihn Prusias II. von Bithynien um seine Schwester gebeten: Liv. XLII 12. Appian. Mithr. 2.

Gleich nach seiner Thronbesteigung mußte P. Unruhen in Thrakien niederschlagen. Der Fürst der Sapaier, Abrupolis, verwüstete die Gegend am Pangaion bis nach Amphipolis, wurde von P. besiegt und vertrieben: Liv. XLII 12. 6. 41, 11. Polyb. XXII 18, 2 B.-W. Appian. Maced. 11, 2. 6. Diod. XXIX 33. Paus. VII 10, 6. Interessant ist, daß die Quellen hervorheben, Abrupolis sei ein Bundesgenosse der Römer gewesen; da die Sapaier ohne Zweifel zu den unterworfenen Thrakern gehörten, haben die Römer also auf diese Weise den Makedonen Fesseln anlegen wollen. Für die Befestigung der makedonischen Herrschaft in Thrakien war es wichtig, daß P. in dem Könige der thrakischen Odrysen Kotys eine feste Stütze fand: Polyb. XXVII 12. Diod. XXX 3. Liv. XLII 29, 12. 51, 10. Unsicher bleibt, ob P. schon damals Beziehungen zu Illyrien angeknüpft hat; wenigstens weist die Aufnahme der Mörder des illyrischen Fürsten Arthetauros bei P. auf solche Beziehungen hin. Natürlich wurde auch diese Tat dem P. zur Last gelegt, wobei die Römer nicht verfehlten, den Ermordeten [1001] als einen ihrer treusten Bundesgenossen hinzustellen. P. sah sich deshalb veranlaßt, die Mörder aus Makedonien auszuweisen: Liv. XLII 13, 6. 40, 5. 41, 5. Appian. Maced. 11, 6. Auch Byzantion suchte er für sich zu gewinnen: Appian. Maced. 11, 1. Liv. XLII 13, 8. 40, 6. 42, 4 (nach Heiland 27ff. erst 174/73). Mußte schon diese Betriebsamkeit das Mißtrauen des Senats wecken, so war dies noch mehr der Fall, als die Bastarner, wohl ein germanischer Stamm (vgl. Heiland 14, 1. Ihm o. Bd. III S. 110ff.), um die schon Philippos V. geworben hatte, sich auf den Weg machten und dem makedonischen Könige ihren Anmarsch meldeten. Unterwegs hatten sie die Nachricht von dem Tode des Philippos erhalten, und die Thraker weigerten sich nun, die versprochenen Lebensmittel zu liefern, und es kam zu Kämpfen, in die P. aus Furcht vor den Römern nicht einzugreifen wagte. Die Folge war, daß ein Teil der Bastarner zurückkehrte, während 30 000 Mann sich nach Dardanien in Bewegung setzten, um sich hier neue Wohnsitze zu erkämpfen; dabei wurden sie von Thrakern und Skordiskern und wohl auch von P. unterstützt, der im Sinne seines Vaters den Illyriern einen verbündeten Volksstamm zur Seite setzen und dadurch zugleich Italien bedrohen wollte (Niese III 30f.). Die Dardaner wandten sich in ihrer Bedrängnis an Rom und beschuldigten P. der Urheberschaft dieses Angriffs. Der Senat schickte, da auch von griechischer Seite Beschwerden gegen den König einliefen, eine Gesandtschaft nach Makedonien, vor der sich P. rechtfertigen mußte; er gewann es sogar über sich, Gesandte nach Rom abzuordnen. Auch hier war wieder die Furcht vor dem Feinde im Westen größer als die Entschlossenheit zur Vorbereitung des Entscheidungskampfes, dem er doch nicht entgehen konnte. Die Kämpfe in Dardanien dauerten bis in den Winter 176/75 und endeten mit der Niederlage der Bastarner und ihrem Rückzuge über die Donau, wobei sie schwere Verluste erlitten: Polyb. XXV 6. Liv. XL 57ff. XLI 19. 23. Appian. Maced. 11, 1. Oros. IV 20, 34.

Neben diesen Bemühungen, seinen Einfluß im Norden zu befestigen, die chronologisch schwer zu bestimmen sind, ließ P. Griechenland nicht aus den Augen: Liv. XLI 24, 10. In Thessalien gerieten die herrschenden Aristokraten in solche Besorgnis, daß sie Gesandte nach Rom schickten, und der Senat beschloß, den nach Makedonien bestimmten A. Postumius auch Thessalien besuchen zu lassen: Polyb. XXV 6, 4 (176). Das Bündnis mit Boiotien gehört wohl in die Zeit kurz vor dem Kriege, aber mit den Aitolern kam P. in nähere Beziehungen. Bei den unerquicklichen Verhältnissen innerhalb des Aitolischen Bundes rissen Unruhen und innere Kämpfe nicht ab: Polyb. XXX 11. Diod. XXIX 33. So entstand eine makedonenfreundliche Partei, und viele der Verschuldeten erhofften von P. Erleichterungen. Man kann sich deshalb nicht wundern, daß der König in die Streitigkeiten eingriff: Polyb. XXVII 15, 14. XXVIII 4. XXX 13, 4. Liv. XLII 40, 7. Appian. Maced. 11, 7. Natürlich sorgten seine Feinde dafür, daß Rom darin einen feindlichen Akt sehen mußte. Vielleicht waren sie es auch, die die Doloper, makedonische Untertanen, zum [1002] Aufstand gegen P. anreizten. Sie töteten den Praefecten (Strategen?) Euphranor und wurden von P., ehe sie die Römer um Hilfe anrufen konnten, wieder unterworfen und bestraft (etwa Sommer 174: Heiland 17): Liv. XLI 22, 4. 23, 13. XLII 13, 8. 41, 13. Appian. Maced. 11, 6. Polyb. XXII 18, 4. In diese Zeit (nach Heiland 34: 174/73) gehört wohl auch der Abschluß des Bündnisses mit Boiotien; die Urkunde wurde in Delphi, Theben und Delos aufgestellt: Polyb. XXVII 1, 8f. 2, 7. Liv. XLII 12, 5. 38, 5. 40, 7. 43. Appian. Maced. 11, 1. 7. Sofort mischte sich wieder Rom ein, und P. mußte sein Vorgehen zu entschuldigen versuchen: Liv. XLII 42, zumal seine Gegner in Boiotien nicht untätig zusahen, sondern Gesandte nach Rom schickten; als diese (Euersa [nach Liv.] und Kallikritos) in einem Schiffbruch umkamen, legte man ihren Tod P. zur Last: Polyb. XXII 18, 5. Liv. XLII 13, 7. 40, 7. 41, 5.

Im Anschluß an die dolopische Strafexpedition zog P. über Larisa Kremaste, Pteleon und Antron nach Delphi, auf einem so merkwürdigen Wege, daß Niese III 103, 5 die Stelle Liv. XLII 42, 1 (vgl. XLII 13) für korrupt hielt und die Marschroute festzustellen suchte. Auf dem Rückwege besuchte er Achaia Phtiotis und Thessalien: Liv. XLII 13, 8. XLI 22. Da Eumenes (Liv. a. O.) wohl mit Recht vermutete, daß der ganze Zug die Absicht verfolgte, die Anhänger des P. an die Macht zu bringen, glaubte Heiland 18 den Herbst 174 als Zeit des Delphibesuchs bestimmen zu können. P. blieb drei Tage in Delphi, wo er anscheinend bei seiner Gastfreundin Praxo (s. o.) abstieg, und suchte überall auf seinem Wege die bestehenden Freundschaften zu pflegen und neue anzuknüpfen. Sein plötzliches Erscheinen im Mittelpunkt Griechenlands rief überall Aufsehen hervor und erregte bei vielen Befürchtungen, auch bei Eumenes: Liv. XLI 22. So fügt sich dieser überraschende Besuch planvoll in die griechische Politik des P. ein, und auch seine Bemühungen um einen Ausgleich mit dem Achaiischen Bunde lassen klar erkennen, daß er bestrebt war, die Antipathien gegen Makedonien zu überwinden und die Griechen seine Schutzherrschaft als natürlich gegeben empfinden zu lassen.

Der Achaiische Bund hatte den Makedonen das Betreten seines Gebietes untersagt; die Folge davon war, daß entlaufene Sklaven sich mit Vorliebe nach Makedonien wandten, weil die Achaier ihrerseits auch makedonisches Gebiet mieden. P. ließ nun die Sklaven aufbringen und machte dem achaiischen Strategen Xenarchos, der sich gern dem Könige persönlich nähern wollte, Vorschläge, wie man den Zustrom der Sklaven nach Makedonien hindern könne. Der Brief wurde der Bundesversammlung vorgelegt und fand bei den meisten wegen seines versöhnlichen Tones Zustimmung, zumal viele wider Erwarten die Möglichkeit sahen, ihre Sklaven zurückzuerhalten. Nur Kallikrates widersprach jeder Annäherung, da die gespannte Lage zwischen P. und Rom jeden Augenblick zum Kriege führen könne. Demgegenüber scheint die Meinung des Strategen und seiner Anhänger, die für die Unabhängigkeit eintraten, durchgedrungen zu sein, aber man wagte [1003] wohl keinen klaren Beschluß zu fassen und verschanzte sich hinter förmlichen Bedenken: der König hätte statt des Briefes Gesandte schicken sollen. Als aber P. dann zur Tagsatzung in Megalopolis Gesandte abordnete, wurden sie auf Betreiben der Romfreunde nicht vorgelassen: Liv. XLI 23f. (174 v. Chr.). Doch bewies die Aufnahme der zum Frieden mit Makedonien ratenden Rede des Archon, Bruders des Xenarchos, der darauf hingewiesen hatte, daß Makedonien sich früher um den Bund Verdienste erworben habe, wie die Stimmung im Achaiischen Bunde bereits umgeschlagen war: entschieden ein Erfolg der Bemühungen des P. (vgl. Liv. XLII 12, 6). Es konnte unter diesen Umständen nur eine Frage der Zeit sein, bis auch die Leitung des Bundes zum Entgegenkommen bereit sein würde. Vorläufig war es noch nicht so weit, und als Briefe des Spartaners Leonidas, aus königlichem Geschlecht, an P. aufgefangen wurden, wurde er auf Beschluß der Bundesversammlung verbannt und ging nach Makedonien, wo er später an der Spitze einer Söldnerschar auftrat: Liv. XLII 51, 8.

Im Anschluß an den Schritt des P. beim Achaiischen Bunde (174) berichtet Livius von Zwistigkeiten und Kämpfen innerhalb des Aitolischen Bundes, die durch die scharfe Spannung zwischen den beiden Parteien der Romfreunde und Romgegner hervorgerufen wurden. Dabei kam es zu einer schweren Bluttat, der eine Anzahl angesehener Männer in Hypata zum Opfer fiel. Der Senat schickte darauf eine fünfköpfige Kommission zu Verhandlungen nach Delphi; diese kehrte mit der Meldung zurück, daß die Wut (rabies) der Aitoler nicht gebändigt werden könne: Liv. XLI 25. 27, 4. XLII 5, 7ff. Vgl. Diod. XXIX 33. Brandstäter Gesch. des Aetolischen Landes usw., Berl. 1844, 477ff. Da nun Liv. XLII 2 gesagt wird, daß Anfang 173 die nach Aitolien und Makedonien geschickten Gesandten in Rom berichtet hätten, P. habe sich unter nichtigen Gründen einer Zusammenkunft entzogen und in Aitolien wachse (gliscere) der Aufruhr von Tag zu Tag, und nach XLII 5, 7ff. auf die Beschwerden der Aitoler (c. 4, 5) Ap. Claudius Pulcher, der auch der ersten Gesandtschaft angehört haben soll, und Marcellus nach Aitolien und Thessalien abgeordnet worden sind, vermutete Niese III 105, 5, daß Livius aus einer Gesandtschaft zwei gemacht habe. Diese Annahme kann das Richtige treffen; ebenso möglich sind aber zwei kurz hintereinander folgende Gesandtschaften, weil die griechischen Verhältnisse dem Senat offenbar sehr viel Kopfschmerzen bereiteten. Er sah hinter allem Machenschaften des makedonischen Königs und glaubte deshalb überall eingreifen zu müssen, um die makedonenfreundliche Strömung in Griechenland nicht anwachsen zu lassen.

Die Unruhen in Aitolien griffen auf die Nachbarländer über, besonders auf Thessalien, und wir sahen schon, daß die römischen Gesandten auch dorthin bestimmt waren. In Thessalien und bei den Perrhaibern kam es zu Ausschreitungen der von Schulden gedrückten Menge, die auf eine Neuordnung durch P. hoffte, gegen die Aristokraten. Es gelang Ap. Claudius, einen Ausgleich zwischen den Gläubigern und Schuldnern zustande [1004] zu bringen, wobei auch die auf Roms Seite stehenden Vornehmen weit entgegenkommen mußten. Inzwischen war Marcellus bei den Aitolern tätig; die Verhandlungen mit den verfeindeten Parteien wurden in Delphi geführt und endeten mit dem Versprechen der Gegner, sich nicht mehr zu bekriegen und das Vergangene zu vergessen. Der Austausch von Geiseln bekräftigte das Abkommen: Liv. XLII 5, 8ff. 13, 9. Appian. Maced. 11, 1. Dann begab sich Marcellus nach der Peloponnesos, um auf der Bundesversammlung die Achaier dafür zu beloben, daß sie an dem Dekret der Aussperrung der Makedonen festgehalten hatten: Liv. XLII 6, 1ff. Schon Livius fügte dem hinzu: insigne adversus Persea odium Romanorum fecit. Und alle diese Bemühungen der Römer, die gegnerischen Parteien überall in Griechenland miteinander auszusöhnen, wo man früher geschürt hatte, um desto besser als Schiedsrichter herrschen zu können, zeigen in der Tat, daß die Sorge um die Ausbreitung der makedonischen Macht damals dem Senat sein Handeln vorschrieb. Man war sich in Rom klar geworden, daß man mit der Verewigung der politischen Zerrissenheit in den griechischen Staaten nur dem Könige in die Hände arbeitete, der scheinbar so zielbewußt an der Herstellung einer Einheitsfront gegen Rom arbeitete und dabei überall in der romfeindlichen Partei einen Bundesgenossen fand. Man war wohl schon damals in Rom zum Kriege entschlossen, weil man in P. den festen Willen zum Entscheidungskampf voraussetzte, den er in Wirklichkeit trotz aller dafür sprechenden Anzeichen nicht hatte.

Den Anstoß zu dem endgültigen Entschluß gab Eumenes II. von Pergamon, der schon lange die makedonischen Vorbereitungen mit größter Sorge beobachtet hatte. Denn die Festigung des Ansehens des P., der sich weithin die Sympathien der Griechen erworben hatte und als Vorkämpfer der hellenistischen Welt gelten konnte, mußte seine eigene Stellung im Kreis der hellenistischen Mächte schwächen. Da er als Günstling der Römer emporgekommen war, hätte ein Sieg Makedoniens für ihn Verlust seiner Vormachtstellung in Kleinasien, vielleicht seines ganzen Reiches bedeutet. Es war also kein Wunder, daß er die Römer auf die ihnen von P. drohende Gefahr hinzuweisen beschloß, zumal er deutlich merkte, wie sein Einfluß bei den Griechen sank: Liv. XLII 12, 5. Polyb. XXVII 18. XXVIII 7. Selbst in Asien soll P. damals in höherem Ansehen gestanden haben: Liv. XLII 12, 1. 13, 3. 14, 8; über die Beziehungen des P. zu den Rhodiern war oben die Rede. Auf seine Anklagerede in Rom bereitete er sich durch Aufzeichnung aller irgendwie verdächtigen Handlungen des P. vor, um diese Denkschrift (commentarius) zugleich dem Senate zu überreichen: Liv. XLII 6, 3. Wir wollen hier nur kurz auf das Auftreten des Eumenes in Rom eingehen und verweisen für alle Einzelheiten auf Willrich o. Bd. VI S. 1098f. und Heiland 29ff. Zunächst sei hervorgehoben, daß Eumenes 172 v. Chr. persönlich in Rom geweilt und nicht nur, wie Valerius Antias wissen wollte, seinen Bruder Attalos als Gesandten geschickt hat: Liv. XLII 11, 1. In Rom wurde Eumenes mit großen Ehren empfangen, und seine Rede, in der [1005] er eingehend die Absichten des P., sein wachsendes Ansehen und seine Rüstungen kennzeichnete und die Römer zum Einschreiten aufforderte, ehe er in Italien lande, machte tiefen Eindruck. Sie gab den Befürchtungen des Senates offenen Ausdruck und bestärkte dadurch die Senatoren in ihrer Überzeugung, daß nur ein baldiger Krieg mit P. die Wiederholung eines Angriffs auf Italien verhindern könne: Liv. XLII 11ff. 14, 1. Appian. Maced. 11, 1ff. Heiland hat wahrscheinlich gemacht, daß Eumenes 173 seine bevorstehende Reise durch Attalos in Rom anmelden ließ, und glaubt aus Liv. XLII 6, 4 erschließen zu können, daß die 173 nach Makedonien geschickte Kommission den Auftrag hatte, P. für 172 nach Rom einzuladen. Deshalb waren bei dem Auftreten des Eumenes im Senat makedonische Gesandte zugegen. Das Haupt dieser Kommission, C. Valerius, sei dann 172 zurückgekehrt und habe die Angaben des Eumenes bestätigt: Liv. XLII 17, 1. Der Zusammenklang der Anklagen des Eumenes mit den Erkundungen des Kommissars kann nicht verwundern, denn beide wollten den Krieg und sahen in ihrem Haß überall bewußte Friedensstörungen des P. Infolgedessen fanden auch die makedonischen Gesandten beim Senat kein willfähriges Gehör, wozu vielleicht auch die selbstbewußte Sprache des Sprechers Harpalos beitrug: Liv. XLII 14. Appian. Maced. 11, 3. Diod. XXIX 34. Daß die Rede des Eumenes, wie Liv. a. O. § 1 und Val. Max. II 2, 1 überliefern, geheim gehalten worden sei, halten Niese III 108, 3 und Heiland 30 mit Recht für unwahrscheinlich, da seine Behauptungen sofort bekannt wurden. Dafür spricht auch, daß P. nach dem Bericht des Harpalos und dem Überfall auf Eumenes eine zweite Gesandtschaft nach Rom geschickt habe, um sich nach den Gründen der römischen Einstellung zu erkundigen: Appian. Maced. 11, 5 (vgl. u.). Interessant ist die Feststellung, daß viele Senatoren der Meinung waren, Eumenes handle nur aus Neid: Appian. Maced. 11, 3; wie denn auch der alte M. Porcius Cato die überschwänglichen Ehrungen für Eumenes nicht mitmachte: Plut. Cato mai. 8.

Mit den Gesandten des P. hatten sich auch rhodische Gesandte eingefunden, da die Beziehungen zwischen Rhodos und Pergamon stark getrübt waren (vgl. van Gelder Gesch. d. alten Rhodier 145f.) und sie auf Anschuldigungen von Seiten des Königs gefaßt sein mußten. Dies traf denn auch zu (Appian. Maced. 11, 2), und die rhodischen Diplomaten, die eine Gegenüberstellung mit Eumenes nicht durchsetzen konnten, wehrten sich energisch gegen die Behauptungen des Königs: Liv. XLII 14. Appian. Maced. 11, 3. 5ff. Für P. war diese Haltung aber nicht günstig, denn der Senat schloß daraus nur auf Sympathien für P. und machte sich mit dem Gedanken vertraut, auch die Rhodier in dem zukünftigen Krieg auf der Seite der Feinde zu finden. Diese conspiratio adversus Eumenem erhöhte nur die Zuneigung für ihn, und er wurde mit allen Ehren und reichen Geschenken, wie der sella curulis und dem elfenbeinernen Szepter, entlassen: Liv. XLII 14. Appian. a. O. Diod. XXIX 34. Die Rhodier aber rächten sich dadurch, daß sie die [1006] Festgesandtschaft des Eumenes zum Fest des Helios zurückwiesen: Appian. Maced. 11, 3. Als Eumenes über Griechenland in sein Reich zurückkehrte, wurde er auf dem Wege von Kirrha nach Delphi von Mördern überfallen. Sie verwundeten ihn durch einen Steinwurf am Kopfe, so daß er betäubt den Abhang hinabrollte. Seine Begleiter entflohen bis auf den Aitoler Pantaleon. Da die Mörder ihn für tot hielten, flüchteten sie ins Gebirge. Er kam aber wieder zu sich und erholte sich in Aigina allmählich: Liv. XLII 15f. Diese Tat wurde natürlich sofort dem P. zur Last gelegt, der auf diese Weise seinen größten Feind habe aus der Welt schaffen wollen: Liv. XLII 15, 3. 59, 8. XLV 5. Polyb. XXII 18, 5. Appian. Maced. 11,4. Wenn ich auch Heiland 32f. nicht darin folgen kann, daß der ganze Vorfall auf eine Erfindung des Eumenes zurückgeführt werden könne, so möchte ich ihm doch soweit zustimmen, daß eine Schuld des P. aus sachlichen Gründen und allgemeinen Erwägungen recht unwahrscheinlich ist. Es verhält sich mit dieser ,Anstiftung zum Morde‘ wie mit der ganz lächerlichen Geschichte, die uns Liv. XLII 17 und Appian. Maced. 11, 7 auftischen, nach der ein L. Rammius (oder Herennius) aus Brundisium von P. angestiftet worden sei, die bei ihm einkehrenden römischen Würdenträger, ja den ganzen Senat zu vergiften. Beides sind gehässige Lügen, erfunden, um den Bruch zwischen Rom und P. unvermeidlich zu machen und zugleich den König moralisch zu vernichten. War man sich doch in dem zweiten Fall nicht einmal über den Namen des Attentäters und seinen Auftrag einig.

Nachdem man in Rom den Krieg endgültig beschlossen hatte, ging man daran, den Krieg diplomatisch vorzubereiten. Doch wurde zugleich dem Praetor Cn. Sicinius befohlen, Truppen in Brundisium zusammenzuziehen, mit denen er nach Illyrien hinübergehen sollte: Liv. XLII 18; vgl. c. 27. Nissen Krit. Untersuchungen 246. Man wandte sich in erster Linie an die hellenistischen Herrscher, deren Anschluß an P. eine Einheitsfront im Osten herstellen konnte: an Ariarathes von Kappadokien, Eumenes, Antiochos IV., Massinissa und Ptolemaios VI. sowie an Prusias II. von Bithynien. Von diesen waren Eumenes, Ariarathes und Massinissa zur Hilfe bereit, Prusias blieb als Schwager des P. neutral, während Antiochos IV. durch den bevorstehenden Krieg mit Ägypten gebunden war und deshalb die Römer durch Zusicherungen zufrieden zu stellen suchte. Die Regenten Ägyptens versprachen natürlich für den unmündigen König alles, da ihnen an der wohlwollenden Haltung Roms sehr viel gelegen war (vgl. W. Otto Abh. Akad. Münch. N. F. Heft 11 [1934] 30ff.). Genthios von Illyrien galt zwar als unzuverlässig, doch ging auch zu ihm ein Gesandter (Liv. XLII 37); Kotys, König der Odrysen, stand auf Seiten des P.: Appian. Maced. 11, 4. Liv. XLII 29. An die Griechen, deren Haltung für die Durchführung des Krieges besonders wichtig war, wurden zwei Gesandtschaften abgeordnet, nach dem Festland und zu den Inseln: Appian. Maced. 11, 4. Wie wenig einheitlich die Stimmung in Griechenland war, hat Niese III 111f. anschaulich geschildert. Die unteren Schichten neigten zu P., die zur Herrschaft gelangten [1007] Begüterten waren auf Gedeih und Verderb an Rom gebunden, da ihre Herrschaft nur auf Roms Gunst beruhte. Dabei verhehlten sich die patriotischen Kreise nicht, daß nach Makedoniens Vernichtung Rom in der Behandlung Griechenlands alle Rücksicht beiseite setzen würde. Obwohl sie eine makedonische Hegemonie verabscheuten, waren sie sich doch klar darüber, daß Makedonien als Gegengewicht gegen Rom für die ihnen so wertvolle Autonomie unentbehrlich war. Aber die Furcht vor Roms Machtmitteln verhinderte jede energische Stellungnahme, und der gewandten römischen Diplomatie, die vor keinem Mittel zurückschreckte, gelang es, jeden Versuch griechischer Hilfeleistung für P. im Keim zu ersticken (über die ganz egoistische römische Staatskunst gerade bei den Verhandlungen vor dem 3. makedonischen Kriege vgl. Otto 38ff.). Die nach Griechenland bestimmte Kommission ging 171 mit einer Bedeckung von 1000 Mann nach Korkyra hinüber und verteilte dort die Landschaften unter sich. P. und Ser. Cornelius Lentulus gingen an die Westküste der Peloponnesos, Q. Marcius Philippus und A. Atilius wandten sich nach Aitolien und Thessalien, um von da über Boiotien und Euboia ebenfalls zur Peloponnesos zu gehen. Ein Brief des P., den sie noch in Korkyra erhielten, weshalb die Römer Soldaten nach Griechenland hinübersetzten, wurde nicht beantwortet; der Bote erhielt eine nichtssagende Auskunft (s. u.). In der Peloponnes besuchten die Lentuli, statt sich an den Achaiischen Bund zu wenden, die einzelnen Städte, und da sie die Eleier und Messenier, die noch im Syrischen Kriege gegen die Römer gefochten hatten, ebenso behandelten wie die alten Mitglieder des Bundes, entstand im Bunde eine berechtigte Aufregung: Liv. XLII 37.

Inzwischen besuchten Q. Marcius und A. Atilius Epeiros, dessen Tagsatzung ihnen williges Gehör schenkte und sogar 400 Jünglinge zum Schutz der befreiten Oresten zur Verfügung stellte. Von dort wandten sie sich nach Aitolien, wo in ihrer Anwesenheit an Stelle des verstorbenen Strategen der Römerfreund Lykiskos gewählt wurde. In Thessalien, wo die Gesandten längere Zeit verweilten und auch einer Versammlung in Larisa beiwohnten, trafen Verbannte aus Akarnanien und Boiotien ein. Den Akarnanen sagte man, sie sollten die Gelegenheit wahrnehmen, um ihre frühere Feindschaft gegen Rom vergessen zu machen. Da das Geschlecht des Q. Marcius Philippus, wie schon das Cognomen zeigt, seit alters zu dem makedonischen Königshause in gastfreundlichen Beziehungen stand, glaubte P. noch einen Versuch machen zu sollen, den Krieg zu verhindern. Im entscheidenden Augenblick fehlte ihm wieder der Mut zur frischen Tat. Wie wir oben schon sahen, hatte P. nach dem Attentat auf Eumenes und dem Abgang der Gesandten nach Griechenland sich beim Senat über die Gründe der feindlichen Gesinnung der Römer erkundigt: Appian. Maced. 11, 5. Diese Gesandtschaft wird auch von Liv. XLII 36, 1 erwähnt. Appian. a. O. deutet nun in einer kurzen Wendung (ὃ δ’ αὖθις ἔπεμπεν ἑτέρους) eine zweite Gesandtschaft an, und diese ist wohl bei Appian. Maced. 11, 9 und Polyb. XXVII 6 = Liv. XLII 43, 1 gemeint. Man [1008] wird mit Recht annehmen, daß diese zweite Gesandtschaft auf Grund der Unterhaltung mit Q. Marcius nach Rom gegangen ist, während die erste Gesandtschaft für P. so bezeichnend ist, daß man sie nicht gern streichen möchte. Danach ist es doch wahrscheinlich, daß zwei makedonische Gesandtschaften nach Rom geschickt wurden, gegen Kahrstedt Klio XI 415ff. Vgl. zu dieser Frage noch Niese III 111, 1 und Heiland 38f. In der Unterredung mit Q. Marcius, die am Peneios stattfand, wo die Straße von Homolion nach Dion den Fluß kreuzt, zählte der römische Gesandte noch einmal alle Anklagen und Beschwerden auf, die man gegen P. erheben zu können glaubte. Da seine Worte trotzdem mehr die eines besorgten Freundes als die eines Feindes zu sein schienen, schöpfte P. Hoffnung, und nachdem er die Anklagepunkte in langer Rede widerlegt hatte, kam man überein, daß P. noch einmal durch eine Gesandtschaft einen letzten Versuch zur Beilegung des Zwistes machen solle. Dazu erbat er sich einen Waffenstillstand, der ihm ungern als besonderes Entgegenkommen bewilligt wurde: Liv. XLII 38, 8–43, 3 (Heiland 45f.). Nicht mit Unrecht hat man die Haltung des Marcius als das Meisterstück einer verschlagenen, skrupellosen Diplomatie bezeichnet (Münzer o. Bd. XIV S. 1575. T. Frank Class. Philol. V 358ff. Otto 38). Der Krieg war in Rom beschlossen, Marcius selbst als Haupt einer Gesandtschaft, die überall gegen P. arbeiten sollte, unterwegs; er wußte genau, daß nichts den makedonischen König vor dem Kriege retten konnte, und trotzdem ließ er sich zu diesem Gaukelspiel herbei, weil ein Aufschub des Beginns der Feindseligkeiten für Rom von größter Bedeutung war. Makedonien arbeitete seit Jahren an der Vorbereitung des Kriegs, Rom dagegen hatte noch viel zu tun, wenn es P. möglichst isolieren wollte. Wäre P. ein Mann kühnen Entschlusses gewesen, so hätte er den Kampf sofort, als die römischen Gesandten griechischen Boden betraten, beginnen müssen, denn ihre Aufgabe bedeutete schon den Krieg. Bei den Sympathien, die er, wie wir sahen, aller Orten besaß, wäre es ihm nicht schwer geworden, einen großen Teil Griechenlands mit sich zu reißen. Durch sein zaghaftes Zaudern, seine Furcht vor der Entscheidung mußte er aber alle Freunde Makedoniens lähmen; jeder wurde sich darüber klar, daß dieser König kein zuverlässiger Schutz gegen Roms Rache war. Und da dieses kein Lockmittel, keine Drohung unversucht ließ, fand P. schließlich in Griechenland keinen entschlossenen Bundesgenossen.

Von Thessalien begaben sich die römischen Gesandten nach Chalkis, um von hier aus die schwerste Aufgabe in Angriff zu nehmen: Boiotien, das mit P. im Bündnis stand, mußte für Rom zurückgewonnen werden. Dafür fanden die Römer genügend Ansatzpunkte, denn neben den Demokraten, die sich für Makedonien entschieden hatten, gab es auch hier eine oligarchische Partei, deren Ziele nur durch engsten Anschluß an Rom erreicht werden konnten. Der Abschluß des Bündnisses war daher für P. nur als augenblicklicher Erfolg zu buchen, und es bedurfte ständiger Aufmerksamkeit, um den Boiotischen Bund bei der [1009] Stange zu halten. Heiland 34ff. hat es wahrscheinlich gemacht, daß die Wahlen zum Strategen und zu Boiotarchen im Herbst 172 den Höhepunkt der inneren Kämpfe darstellten, nachdem das Haupt der Makedonenfreunde, Ismenias, zum Strategen gewählt war. Vergebens versuchte P. seinen Einfluß zu behaupten oder gar auszudehnen. Es sollte sich bald zeigen, daß der Waffenstillstand mit den Römern ein verhängsnisvoller Fehler gewesen war, da er diesen gestattete, in aller Ruhe ihre Stellung auszubauen. P. schickte nach der Zusammenkunft mit Q. Marcius Gesandte nach Byzantion und Rhodos, um sich ihrer freundlichen Gesinnung zu versichern. Die Rhodier waren wohl bereit, für die Erhaltung des Friedens einzutreten, bedeuteten aber, weitere Zusicherungen nicht machen zu können. Sie mußten schon den Verdacht einer gegen Rom eingestellten Politik vermeiden: Polyb. XXVII 4. Liv. XLII 46; nach Polyb. a. O. sind makedonische Gesandte auch an andere griechische Gemeinden abgegangen, ebenso wohl an die hellenistischen Könige, doch erfahren wir nichts Näheres darüber. Die aus Rhodos zurückkehrenden Gesandten haben nun (171) nach Liv. XLII 46 auf die Kunde von dem Umschwung in Boiotien den Versuch gemacht, die makedonischen Sympathien dort zu beleben, während Polyb. XXVII 5 von einem zu diesem Zweck abgeordneten Gesandten Antigonos gesprochen wird. Heiland 35ff. glaubt, beide Berichte miteinander vereinigen zu können, da Polybios uns nur gekürzt vorliegt (Nissen 252). Danach haben die Makedonen Thisbe, Haliartos und Koroneia besucht; ob sie, wie Heiland will, auch in Theben vorgesprochen haben, erscheint doch fraglich. Hier waren jedenfalls inzwischen die Römerfreunde ans Ruder gekommen. Der Abschluß des Waffenstillstandes mußte von den Anhängern des P. dahin aufgefaßt werden, daß der König seine Sache aufgegeben habe, und das gab seinen Gegnern natürlich neuen Mut. Die im Anschluß an die inneren Kämpfe Herbst 172 (s. o.) verbannten und dann zum Tode verurteilten Häupter der römischen Partei, die zunächst in dem Hauptsitz der Makedonenfeinde, Thespiai, Zuflucht gefunden hatten, waren nach Chalkis geflohen und hatten sich von dort nach Larisa zu den römischen Gesandten begeben, wo schon andere Boioter erschienen waren; auch Flüchtlinge aus Chaironeia, machten sich dorthin auf den Weg. Alle wurden nach Chalkis beschieden, und hier fand sich neben Abgeordneten aus Thespiai, Lebadeia und anderen Städten der Stratege Ismenias ebenfalls ein, dem man die Schuld an dem Bündnis mit P. wohl mit Recht zuschob. Während nun Ismenias bei seinem Versuch, den Boiotischen Bund zu retten, bei den Legaten auf kalte Ablehnung stieß, die seine Gegner sogar zu einem Mordversuch ermutigte, erfolgte in Theben, obwohl besonders Koroneia und Haliartos für das Festhalten am Bündnis eintraten, die Lossagung von der makedonenfreundlichen Politik: die bisherigen Führer, Neon, Diketas und Hippias, wurden beseitigt und gezwungen, sich zu Q. Marcius nach Chalkis zu begeben, um sich wegen des Bündnisses mit P. zu entschuldigen, Ehrenbeschlüsse für die Römer gefaßt und durch eine Gesandtschaft an die Römer die Stadt ihrem [1010] Schutze übergeben. Inzwischen waren in Chalkis die Makedonenfreunde in Lebensgefahr geraten und nur durch das Dazwischentreten der Gesandten gerettet worden. Ob es sich, wie Niese III 116 (Anm. 4) annimmt, um eine regelrechte Gerichtssitzung handelte, erscheint doch fraglich. Als dann die thebanische Gesandtschaft eintraf, wurde sie von Q. Marcius belobt und in ihrer Haltung bestärkt. Zugleich erhielten die Vertreter aller boiotischen Städte die Aufforderung, einzeln Gesandte an den Senat zu schicken und sich dem Schutze Roms zu empfehlen. Das Ziel der römischen Legaten war erreicht: der Boiotische Bund war gesprengt und jede Gefahr von hier aus beschworen. Nur die Städte Haliartos, Koroneia und Thisbe hielten an P. fest. Der von diesem in seiner vagen Friedenshoffnung übereilt abgeschlossene Waffenstillstand hatte sich verhängnisvoll ausgewirkt: er hatte den Römern die Möglichkeit geboten, dem Makedonenkönig seine wichtigste Stütze in Mittelgriechenland zu nehmen: Polyb. XXVII 1. 2. Liv. XLII 43f. Daß unter diesen Umständen die oben erwähnte Gesandtschaft des P. in Boiotien nur in den treu gebliebenen Städten Koroneia, Haliartos und Thisbe freundliche Aufnahme fand, ist erklärlich; aber auch, daß er diesen von Theben jetzt schwer bedrängten Gemeinden keine Hilfe versprechen konnte, da ihm ja die Hände gebunden waren. Er beschränkte sich daher darauf, sie zu tapferem Widerstand gegen die Thebaner zu ermahnen und vor feindseligen Handlungen gegen die Römer zu warnen: Polyb. XXVII 5. Liv. XLII 46, 7.

P. sollte bald erfahren, daß die von ihm erbetene Waffenruhe ihn dank der Rührigkeit und diplomatischen Geschicklichkeit des römischen Proconsuls beinahe völlig isolierte. Denn in Argos gelang Q. Marcius, was dem Legaten Serv. Cornelius (s. o.) nicht gelungen war: auf einer Tagsatzung des Achaiischen Bundes wurde tatkräftige Unterstützung der Römer versprochen und 1000 Mann als Besatzung nach Chalkis geschickt, μέχρι τῆς Ῥωμαίων διαβάσεως: Polyb. XXVII 8. 11f." Liv. XLII 44, 6. Also hielt es Marcius trotz der Hoffnungen auf Verständigung, die er P. gemacht hatte, nicht einmal in Griechenland für nötig, den Kriegsbeschluß der Römer zu bemänteln. Er konnte, befriedigt über den vollen Erfolg seiner Reise, nach Rom zurückkehren: Polyb. XXVII 2, 12.

Die Gesandtschaft, die in derselben Zeit in Kleinasien und auf den Inseln tätig gewesen waρ, hatte ähnliche Erfolge erzielt und ebensowenig wie Marcius ihre wahre Gesinnung gegen P. verhehlt. Besonders wichtig war hier die Haltung von Rhodos, gegen das der Senat nicht ohne Recht Mißtrauen hegte; denn ein Krieg, der den ganzen Osten in Mitleidenschaft zog, mußte der Handelsrepublik sehr unerwünscht sein und ein Sieg der Römer sie ganz dem Wohlwollen der Sieger ausliefern. Trotzdem hatten die Rhodier bereits eine Flotte für die Unterstützung Roms gerüstet, da ihnen der Römerfreund Hagesilochos den Zwang ihrer Lage klar gemacht hatte. Sie konnten also die römischen Gesandten auf diesen Beweis ihres guten Willens hinweisen: Polyb. XXVII 3. Liv. XLII 45; daß zur gleichen Zeit [1011] rhodische Gesandte in Rom weilten, um sich gegen den Verdacht feindlicher Gesinnung zu verteidigen, erscheint nicht recht glaublich: Liv. XLII 26, 8. Niese III 117, 3. (Vgl. o. die Antwort der Rhodier an P.) Während so die Vorbereitung des Krieges im griechischen Gebiet voll gelungen war, kehrte L. Decimius allein von seiner Sendung zu den Illyriern unverrichteter Dinge zurück: Liv. XLII 45 E. Vgl. noch De Sanctis Storia dei Romani IV 1, 275ff.

Während die Tätigkeit der römischen Legaten alle Griechen über den Ernst der Lage aufgeklärt hatte, wiegte sich P. immer noch in der Hoffnung, den Krieg zu vermeiden. Nichts beweist besser seine Entschlußlosigkeit und den Mangel an staatsmännischer Begabung; er glich einem Manne, der nach sorgfältiger Vorbereitung nicht den Mut findet, die schwere Aufgabe nun auch wirklich in Angriff zu nehmen. Als seine Gesandten vor dem Senate, der mit Befriedigung die Berichte der Legaten entgegengenommen hatte, erschienen und die Anklage gegen ihren König noch einmal zu entkräften versuchten, hörte man kaum hin und befahl ihnen, mit den übrigen Makedonen Rom sofort, Italien in 30 Tagen zu räumen: der Krieg war erklärt: Polyb. XXVII 6. Liv. XLII 48. Diod. XXX 1. Appian. Maced. 11, 9. Vgl. Liv. XLII 36, 1. 18, 1.

Der 3. Makedonische Krieg (171–168). Rom hatte bereits 172 den Krieg vorbereitet: der Praetor Cn. Sicinius war vor Ablauf seines Amtsjahres und vor Absendung der Gesandtschaften nach Illyrien hinübergegangen, hatte Apollonia besetzt und die illyrischen Kastelle durch Besatzungen gesichert: Liv. XLII 18, 2. 27. 36, 9. Diese Expedition hatte eigentlich den Krieg bereits eröffnet, und die Frage des P. an Q. Marcius: quae causa Romanis aut in Graeciam traiciendi copias aut urbes occupandi (Liv. XLII 37, 5) war vollkommen berechtigt (s. o.). Vgl. über die Zeit des Übergangs nach Illyrien, die Stärke des römischen Korps und die Anordnung der Ereignisse Heiland 40ff. Kromayer Antike Schlachtfelder II 233, 1. 346f. Die politische Lage war gewiß von vorneherein für P. ungünstig, da Rom ihm an militärischer Kraft und materiellen Mitteln weit überlegen war; aber sie war durch die unentschlossene Haltung des König und vor allem durch den Waffenstillstand mit Rom noch ungünstiger geworden. Wie wir schon sahen, hatte kein hellenistischer Fürst gewagt, sich offen für P. zu erklären. Vielmehr waren Massinissa und Eumenes bereit, Rom mit allen Kräften zu unterstützen (Liv. XLII 29. XLV 13. Iustin. XXXIII 1, 2. XXXVIII 6, 3ff.), und Ariarathes von Kappadokien schloß sich Eumenes an. Antiochos IV. schickte Elefanten (Polyain. IV 21), die griechischen Bundesgenossen erfüllten ihre Verpflichtungen und sandten Truppen oder Schiffe (Polyb. XXVII 7, 1. 16). Dazu kam als nicht zu unterschätzende Hilfe die allgemein verbreitete Furcht vor Roms Macht, wie sie schon die Arbeit der Legaten erleichtert hatte. P. dagegen stand ziemlich allein; an Bundesgenossen kennen wir nur den Odrysenkönig Kotys, die in Griechenland weit verbreiteten Sympathien für Makedonien wagten sich den Römern gegenüber nicht mehr hervor, da sich P. [1012] als zu unzuverlässiger Schutzherr gezeigt hatte. Nach der Rückkehr seiner Gesandten berief P. in Pella die Männer seines Vertrauens zu einer Beratung, in der natürlich die Meinungen auch geteilt waren. Einige glaubten immer noch, durch Zugeständnisse den Krieg verhindern zu können, während die Mehrheit zu der Erkenntnis gekommen war, daß Rom Makedoniens Vernichtung wolle; nach der Niederwerfung von Karthago und Antiochos sei Makedonien die einzige Macht, die ihm noch Furcht einflöße. Mit Nachgiebigkeit würde P. vielleicht ein Asyl in Samothrake erlangen; besser sei jedenfalls, mannhaft zu kämpfen und entweder die Welt von Roms Druck zu befreien oder in Ehren unterzugehen: Liv. XLII 50, P. beschloß darauf den Krieg: Liv. XLII 51, 1. Kromayer II 232ff. hebt mit Recht hervor, daß P. nur in der Defensive sich halten konnte, aber noch 172 die Möglichkeit gehabt hätte, die Grenzlandschaften zu überrennen und seine Verteidigungslinie möglichst weit nach Westen und Süden vorzuschieben. Doch gibt er zu, daß sachliche Grunde auch für die Beschränkung auf das eigentliche Makedonien angeführt werden könnten. Der 1. Makedonische Krieg hatte gezeigt, daß von der illyrischen Küste her ein Vordringen beinahe aussichtslos war, während das Tempetal mit dem Olympos einen Angriff im Südwesten wenigstens sehr erschwerte.

Als Sammelpunkt für das makedonische Heer wurde Kition (s. o. Bd. XIV S. 665) bestimmt. Die Stärke des Heeres war beträchtlich: nach Liv. XLII 51, 3–11 betrug sie 39 000 Mann und 4000 Reiter, darunter 29 000 Makedonen und 12 000 Söldner; an Bundesgenossen waren nur 2000 Thraker unter Kotys vorhanden: vgl. Kromayer II 335ff. Philippos und P. hatten gewaltige Mengen von Geld, Waffen und Getreide aufgehäuft, zahlreich war die herangewachsene junge Mannschaft, so daß man auch einen länger dauernden Krieg überstehen konnte: Liv. LXII 52, 1. Plut. Aemil. 8. 28. Und je länger er den Sieg der Römer hinauszuschieben verstand, desto größer wurden die Aussichten auf einen Abfall der Griechen von Rom. Wenn er schon jetzt Gesandte an Antiochos IV. und an Ägypten schickte, so handelte er vorschnell; denn noch wagte niemand, wider den Stachel zu löcken.

In Kition hielt P. im Beisein seiner Söhne eine Ansprache an das makedonische Aufgebot, in der er den Krieg als ihm von der Herrschsucht der Römer aufgezwungen bezeichnete. Er fand bei seinen Makedonen lebhaften Beifall: Liv. XLII 52. 53, 1, brach dann durch Eordaia am Begorritis (See von Ostrovo: o. Bd. XIV S. 653. 673) vorbei nach Elimeia (Elimiotis) auf und gelangte von dort nach Perrhaibien: Liv. XLII 53. Zum Feldzug des J. 171 Kromayer II 236ff. Inzwischen hatten sich auch die Römer von der illyrischen Küste her in Bewegung gesetzt (zu ihrer Heeresstärke Kromayer II 340ff.). Die Bedrohung der nördlichen und westlichen Grenze Makedoniens überließ der Consul P. Licinius Crassus den Dardanern und Illyriern, die aber über einen Grenzkrieg nicht hinauskamen, da im Norden das Tal des Axios (Wardar) leicht zu verteidigen und der illyrische Grenzbezirk in eine Einöde verwandelt war; im Westen schützten die [1013] Grenzgebirge an den dessaretischen Seen ausreichend das obere Makedonien (Lynkestis): Polyb. XXVIII 8, 3. Liv. XLIII 9, 6. Der Consul überschritt in mühseligem Marsche die epeirotischen und athamanischen Berge und gelangte, ohne Widerstand zu finden, nach Gomphoi in der Hestiaiotis. Von hier rückte er an den Peneios vor, um zunächst das Eintreffen der Bundesgenossen abzuwarten: Liv. XLII 55, 1ff. P. hatte nach dem Einmarsch die Tripolis zum Anschluß gebracht und Mylai in der Nähe des Europos nach kurzer Bestürmung genommen und zerstört. Da Gyrton (am Peneios unterhalb von Larisa) stark besetzt war – die Thessaler unter ihrem Strategen Hippias (vgl. über Thessalien Hermann -Swoboda Griech. Staatsaltert. III« 238ff.) waren römerfreundlich –, wandte er sich gegen Gonnos (und Elateia?) am Tempetal und befestigte sie stark. Damit beherrschte er auch den thessalischen Eingang zum Tempepaß und nahm nun bei Sykyrion am Fuße des Ossa in fruchtbarer und leicht zu übersehender Gegend Stellung, um die Römer zu erwarten: Liv. XLII 53, 5ff. 54.

Bei diesen war Eumenes mit seinem Bruder Attalos und 4000 Mann zu Fuß und 1000 Reitern eingetroffen, nachdem er Athenaios mit 2000 Mann in Chalkis zurückgelassen hatte. Außerdem hatten sich noch andere Kontingente eingefunden; allerdings waren es neben 1500 achaiischen Schützen (Cretico maxime armatu) nur kleine Abteilungen. Selbst die Aitoler hatten nur eine Schwadron und die Thessaler, in deren Land zunächst der Krieg sich abspielte, nur 300 Reiter geschickt. Infolgedessen wagte P., der an Reiterei und Leichtbewaffneten überlegen war, gegen die Römer vorzurücken und sie durch seine leichten Truppen zur Schlacht herauszulocken. Endlich kam es zu einem Gefechte, in dem die beiden Flügel von Kotys und P. selbst zersprengt und eine volle Niederlage nur durch das Eingreifen des Eumenes und der Thessaler verhindert wurde. Vielleicht wäre das ganze römische Heer in das Verderben hineingerissen worden, wenn P. die Phalanx hätte eingreifen lassen; dazu aber gab er den Befehl nicht, da der Rat des Kreters Euandros, nicht alles auf eine Karte zu setzen, ganz seinem unschlüssigen Wesen entsprach. Immerhin ging der Consul auf das nördliche Peneiosufer zurück, und die römischen Verluste waren beträchtlich (allein gegen 2200 gefallene und 600 gefangene Römer). Zudem herrschte im makedonischen Lager große Freude, während bei den Römern eine niedergeschlagene Stimmung um sich griff. P. verstand es, durch eine Ansprache den Mut seiner Truppen zu erhöhen und auch bei der Phalanx Ruhmbegierde zu wecken. Andererseits mußte er sich sagen, daß er aus Ängstlichkeit nicht gewagt hatte, eine Entscheidungsschlacht herbeizuführen; hatte er doch nicht einmal versucht, den nächtlichen Übergang der Römer über den Peneios durch energisches Einsetzen seiner Reiterei zu stören: Liv. XLII 56, 8–61. Plut. Aemil. 9. Iustin. XXXIII 1, 4. Appian. Maced. 12. Polyb. XXVII 15, 14. Er schlug bei Mopsion, zwischen Larisa und dem Tempepaß, ein Lager auf, während der Consul am Peneios stehen blieb. Hier stießen 2000 Numider [1017] mit 22 Elefanten unter Misagenes, dem Sohn des Massinissa, zu ihm: Liv. XLII 62, 1. Das Errungene wurde durch den Kleinmut des P. und seiner Ratgeber zunichte gemacht. Obwohl er den Vernichtungswillen der Römer kannte, ließ er sich zu neuen Anerbietungen herbei; die Antwort des Consuls verlangte unbedingte Unterwerfung, und auch der Versuch, den Frieden mit Geld zu erkaufen, führte zu keinem anderen Ergebnis. So zog sich P. entmutigt, wo er doch voll neuer Zuversicht hätte sein können, nach Sykyrion zurück: Liv. XLII 62, 3ff. Polyb. XXVII 8. Appian. Maced. 12. Plut. apophthegm. reg. et imp. 197 E. F. Er suchte die Römer im Kleinkrieg möglichst zu beunruhigen, verlegte auch sein Lager wieder nach Mopsion, erlitt aber bei einer seiner Unternehmungen eine empfindliche Schlappe, worauf er nach Makedonien zurückkehrte, nachdem er das Tempetal stark befestigt und besetzt hatte. In Pella entließ er das Aufgebot und schickte auch Kotys, der von thrakischen Feinden mit Unterstützung des Eumenes angegriffen wurde, in seine Heimat: Liv. XLII 64–67, 4. Zonar. IX 22, 5f. Vgl. Liv. XLIV 6, 8ff. Kromayer II 239ff. Heiland 51ff.

Das siegreiche Reitergefecht hatte die makedonischen Sympathien überall in Griechenland anschwellen lassen, da die Römer es wohl verstanden hatten, Furcht zu verbreiten, aber nicht, irgendwo Anhänglichkeit zu wecken. Besonders in Boiotien, wo kurz vor Ausbruch des Krieges die Anhänger der Römer hochgekommen waren (s. o.), wurde die Stimmung schwierig, zumal es noch Gemeinden gab, die an P. festhielten. Der Praetor C. Lucretius war zu Beginn des Krieges mit einer Flotte nach Kephallenia in See gegangen und hatte seinen Bruder M. Lucretius vorausgeschickt, um die Schiffe von den illyrischen Bundesgenossen zusammenzubringen und nach Kephallenia zu führen: Liv. XLII 48. Von hier ging M. Lucretius mit der Flotte nach Chalkis, während der Praetor langsam folgte. Von Chalkis aus begab sich Marcus nach Haliartos, das von dem römischen Legaten P. Cornelius Lentulus mit Boiotern von der römischen Partei belagert wurde. Er löste diesen mit starken römischen Streitkräften ab und schloß die Stadt ein. Die Schiffe der Bundesgenossen in der Ägäis, die sich in Chalkis sammelten, wurden vom Praetor nach Hause geschickt, da sich eine makedonische Flotte nirgends zeigte; er selbst übernahm den Befehl vor Haliartos. Erst nach sehr hartnäckiger Verteidigung wurde die Stadt eingenommen und zerstört. Dann besetzte er Thisbe und stellte durch rücksichtslose Vertreibung aller Verdächtigen die römische Herrschaft sicher: Liv. LXII 63. Vgl. Syll.³ 646. Niese III 127, 5. Der Praetor kehrte nun nach Chalkis zurück, aber der Consul sah sich nach dem Abzug des P. aus Thessalien genötigt, noch einmal in Boiotien einzugreifen. Er hatte sich nach dem unverständlichen Abbruch des Feldzugs durch P. mit Erfolg bemüht, die makedonischen Erwerbungen in Thessalien zu erobern. Mit der Tripolis und Perrhaibien gelang ihm dies mit leichter Mühe, zur Sicherung Thessaliens legte er einen Teil seiner Truppen in die Städte in Winterquartier. Dann schickte er 2000 Mann nach Ambrakia, durchzog Achaia Phthiotis, [1015] wo er Pteleon zerstörte und Larisa Kremaste, das schon vorher vergebens belagert war (Liv. XLII 56, 7), besetzte, scheute aber vor einem Angriff auf Demetrias zurück. Da traf ihn der Hilferuf der Thebaner, die mit Koroneia in Fehde lagen: Liv. XLII 67, 6ff. Koroneia scheint erobert und zerstört worden zu sein: Liv. XLIII 4, 11. Niese III 128, 3. Das Kriegsjahr 171 verlief unentschieden, da auch die Römer strategisch schwere Fehler machten und vor allem nicht daran dachten, ihre Flotte zur Unterstützung der Operationen heranzuziehen: Kromayer II 252ff.

Nicht anders war das Ergebnis des J. 170. Der Senat begnügte sich wieder mit einem consularischen Heere, während der Praetor die Flotte befehligen sollte. Der Consul A. Hostilius Mancinus wäre nun beinahe einem Anschlag einiger Molosser zum Opfer gefallen, die damit P. einen Beweis ihrer Treue geben wollten. Sie versuchten ihn bei seinem Aufenthalt in Phanote aufzuheben und riefen zugleich den König zu Hilfe. Der Consul entging jedoch der Gefahr, und P. wurde durch das Aufgebot der Molosser am Aoos aufgehalten. Die Molosser waren also in ihrer Treue zu Rom bereits wankend geworden: Polyb. XXVII 16. Diod. XXX 5 a. In Thessalien angelangt, versuchte Hostilius in Makedonien einzudringen. Während Kromayer II 255f. vermutet, daß der erste dieser Versuche κατὰ τῆς Ἐλιμίας über den Paß von Portaes in das Tal des Haliakmon (Wistritza) führte, denkt Heiland 59f. für den ersten Vorstoß an die Straße von Epeiros nach Elimeia und läßt den zweiten, dessen Richtung nicht überliefert ist, λάθρα διὰ Θεσσαλίας über den Paß von Portaes erfolgen: Plut. Aemil. 9. Liv. XLIV 2, 6 (per Cambunios montes, qua priore anno duxerat Hostilius consul). Zonar. IX 22, 7. Jedenfalls waren beide Vorstöße ergebnislos, die natürliche Umwallung Makedoniens im Westen wurde von P. behauptet. Da am Schluß des J. 170 berichtet wird: tot urbibus in potestatem regis redactis (Liv. XLIII 11, 9. Zonar. a. O.), kann in Verbindung mit Polyb. XXIX 19, 7: στρατοπεδεύων ἐν Θετταλίᾳ σχεδὸν ἐπὶ δύ’ ἐνιαυτός angenommen werden, daß P. die Rückeroberung Nordthessaliens gelungen ist. Die Römer bezogen in Larisa, später in Pharsalos Winterquartiere: Liv. XLIII 17, 9. XLIV 1, 5. Polyb. XXVIII 3, 1. Die Flotte, bei der Eumenes sich befand, eroberte durch List Abdera und hauste furchtbar in der Stadt, was später die Mißbilligung des Senats fand: Liv. XLIII 4. 8ff. Diod. XXX 6. Wenn Liv. XLIII 7, 10 von Emathia, Amphipolis, Maroneia, Ainos berichtet, sie hätten den Römern die Tore verschlossen, so ist die Stelle recht verdächtig (Niese III 130. 1: Emathia ist Name einer Landschaft: o. Bd. XIV S. 648). Erreicht wurde so gut wie nichts.

Dagegen richtete P. nach Beendigung des Feldzugs durch die Römer eine Strafexpedition gegen die Dardaner, bei der er ihnen schwere Verluste beibrachte und reiche Beute machte: Plut. Aemil. 9. Liv. per. 43; vgl. XLIII 18. 2. XLV 4, 3. Polyb. XXVIII 8, 2. Ob man in dem Chalestron bei Diod. XXX 4, das P. eroberte, ein illyrisches Kastell in dieser Gegend sehen darf, bleibt fraglich: Geyer o. Bd. XIV S. 761. Mitten im Winter (sub tempus brumae) brach P. dann gegen [1016] die illyrischen Gebiete im Westen auf, um sie heimzusuchen und die römischen Truppen, die hier lagen, zu beunruhigen. Vielleicht hat dabei die Absicht mitgespielt, mit Genthios in Verbindung zu treten, der von den Römern abfallen wollte. Von Stybera im Lande der Deurioper (o. Bd. XIV S. 669) gelangte er nach Hyskana (Uscana) im Lande der Penesten, wo eine römische Besatzung lag (dem widerspricht Liv. XLIII 10), und zwang nach längerer Bestürmung die Stadt zur Übergabe. Die Gefangenen schickte er nach Stybera, eroberte eine zweite Bergfeste (Oaeneum?) am Artatus und brachte dann noch andere Kastelle zur Ergebung, in denen zahlreiche römische Soldaten lagen: Liv. XLIII 18. 19. Polyb. XXVIII 8, 11. Von dieser Expedition schickte P. zwei Gesandte an Genthios, der nicht abgeneigt war, mit ihm gemeinsame Sache zu machen, wenn er Geld bekomme: Liv. XLIII 19, 13. 20. Polyb. XXVIII 8. Diod. XXX 9. Eine zweite Gesandtschaft, die an Genthios abging, während der König noch einmal in das Land der Penesten zog, sollte über den Geldpunkt nichts aussagen, konnte also auch nicht zum Ziele führen. Der Versuch des römischen Befehlshabers in Lychnidos, L. Caelius, Hyskana wiederzunehmen, scheiterte: Liv. XLIII 21.

Über die Stimmung in Griechenland und die Bemühungen der Römer, ihren Einfluß zu festigen, verweise ich auf Niese III 130ff. und möchte hier nur erwähnen, daß sich im Laufe des Sommers 170 die Molosser an P. anschlossen: Liv. XLIII 18, 2. 24, 4. Polyb. XXVIII 8, 2. Ein Handstreich des Ap. Claudius Centho auf Phanote in Epeiros wurde von der makedonischen Besatzung abgeschlagen, und zu gleicher Zeit rückte P. von Elimeia aus, um auf die Einladung seiner aitolischen Freunde, die sich vor den Römern nicht mehr sicher fühlten, und der Epeiroten sich der Festung Stratos am Acheloos zu bemächtigen. Er hatte 10 000 Mann und 300 Reiter bei sich und erreichte nach mühseligem Marsche über das schneebedeckte Gebirge den Arachthos. Als er aber vor Stratos eintraf, hatte die Gegenpartei schon die Römer eingelassen, und der Hipparch der Aitoler, Deinarchos, schloß sich mit seinen Reitern statt dem P. den Römern an. P. wagte wieder keinen Angriff, der doch leicht hätte zum Erfolge führen können, und ging zu den Aperanten, bei denen er 800 Mann zurückließ: Liv. XLIII 21, 5–23, 1. Ap. Claudius aber wurde auf seinem Rückzug von Phanote von dem Makedonen Klenas hart zugesetzt, so daß er seine Truppen auflöste und in die Winterquartiere schickte: Liv. XLIII 23. – Damals kehrten die Gesandten von Genthios zu P. zurück, aber noch immer nicht konnte sich dieser zu Geldbewilligungen entschließen, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre: Polyb. XXVIII 9. Liv. XLIII 23, 8. Diod. XXX 9, 2.

Für 169 erhielt der Consul Q. Marcius Philippus, der erfolgreiche Diplomat, den Oberbefehl; der Senat war entschlossen, endlich ein Ende zu machen, da die Lage Roms im Osten immer bedenklicher wurde. Der Praetor C. Marcius Figulus sollte die Flotte führen. Der Consul übernahm von A. Hostilius das Heer, suchte es durch eine zündende Ansprache mit neuem Mute zu erfüllen [1017] und hielt dann einen Kriegsrat ab, der beschloß, sofort mit den Operationen zu beginnen. Das Heer setzte sich in Bewegung, und als P. davon hörte, ließ er alle in Betracht kommenden Pässe besetzen. Der kühne Gebirgsmarsch, der den Consul am See Askuris (Nezero) vorbei auf unwegsamen Pfaden an die makedonische Küste führte, ist von Polybios, der ihn mitmachte, beschrieben worden: XXVIII 13. Liv. XLIV 4f. Die Römer erreichten zwischen Leibethron und Herakleion (o. Bd. XIV S. 664f.) die Küstenebene; für alle Einzelheiten des kühnen Zuges verweise ich auf Kromayer II 267ff. Hier sei nur auf die makedonische Gegenwehr eingegangen. Der Paß war von 12 000 Mann unter Hippias besetzt, die bei dem Kastell Lapathus am Askuris standen (Kromayer II 272, 5): Liv. XLIV 2, 11; ebenso wurde der Paß von Volustana von 10000 Mann bewacht, und die Pässe durch das Tempetal und von Petra müssen als die begangensten ebenfalls stark gesichert gewesen sein. Im ganzen mögen gegen 30000 Mann im Gebirge gestanden haben. Sein Hauptheer betrug dann neben der Reiterei nur noch etwa 10 000 Mann, konnte aber in 5 Tagen an jedem bedrohten Punkte eingesetzt werden. Solange mußte der angegriffene Paß verteidigt werden, und nach Kromayer war die Besatzung z. B. von Nezero stark genug, um selbst, wenn keine Unterstützung kam, dem Feinde die Stirn bieten zu können. Nun war die Gefahr, die von der römischen Flotte drohte, so groß, daß man es verstehen kann, wenn P. mit seiner Reiterei und dem Rest des Fußvolkes die Küstenebene nicht verlassen wollte. Dazu kam, daß die Schilderung des Polybios (Liv. XLIV 2, 12: adeo ut obturpuisse inops consilii videretur) von der Kopflosigkeit des Königs, der ruhelos mit der Reiterei an der Küste hin und her gestreift sei, zu einem guten Teil das Richtige treffen wird. Denn sein Verhalten nach dem Eintreffen der Nachricht, daß die Römer in der Küstenebene angelangt seien, zeigt ihn von derselben Seite. Kromayer II 281ff. weist nun darauf hin, daß es den Römern offenbar gelungen sei, durch einen Umgehungsmarsch die Besatzung des Passes zu täuschen, so daß P. tatsächlich vollkommen überrascht war. Einige seiner Maßnahmen, so die Befehle, den Schatz in den See bei Pella (vgl. dazu o. Bd. XIV S. 649. 673) zu werfen, die Werften von Thessalonike anzuzünden, sind doch wohl wirklich auf einen panischen Schrecken zurückzuführen, wie er einen Feldherrn nicht befallen dürfte. Dagegen hat Kromayer II 287ff. P. von dem Vorwurf zu reinigen versucht, der ihm wegen der Aufgabe von Dion und der Räumung des Tempetals gemacht worden ist (vgl. Mommsen RG I⁵ 776. Niese III 147). Er hat nachgewiesen, daß Dion nicht zu halten war und daß die Verteidigung des Tempepasses mit dem Erscheinen der Römer zwecklos geworden war; wichtiger war entschieden für P., die Besatzungen der Pässe an sich zu ziehen und durch den Rückzug auf Pydna die Möglichkeit zur Konzentrierung seines ganzen Heers zu erhalten: Liv. XLIV 6. Appian. Maced. 16. Diod XXX 10. 11.

Der Consul seinerseits kam in eine schwierige läge, da die Proviantflotte ausblieb und das Heer [1018] in Verpflegungsschwierigkeiten geriet. Er ging wohl bis zum Haliakmon vor, mußte dann aber nach Dion zurück und schließlich nach Phila am Tempe, und nur die Räumung dieses Passes durch P. hatte ihn aus einer unangenehmen Lage befreit, was P. natürlich nicht voraussehen konnte: Liv. XLIV 7. Diese Bewegung zeigt, daß der Entschluß des P., im Norden der Küstenebene eine Verteidigungsstellung zu beziehen, richtig war. Doch bleibt die kühne Tat des Consuls eine Glanzleistung der Kriegsgeschichte (Kromayer II 291f.).

Auf die Meldung von dem Rückzug der Römer nach dem Tempe führte P. sein Heer wieder nach Süden, befestigte Dion und schuf sich am Elpeios eine stark befestigte Stellung: Liv. XLIV 8. Auch soll P. die beiden Männer, die den Schatz versenken und die Werften in Brand stecken sollten, aus Scham über seine Kopflosigkeit beiseite geschafft haben; die Schuld an dem Vordringen der Römer schob er seinen Feldherren zu, womit er zu einem guten Teil Recht hatte: Liv. XLIV 7, 8. 10, 1ff. Appian. Maced. 16. Polyb. XXVIII 10. Nachdem Q. Marcius noch die Feste Herakleion (vgl. o. Bd. XIV S. 664) erobert hatte, ging er bei Phila in die Winterquartiere. Entscheidendes hatte er nicht erreicht, aber er stand auf makedonischem Boden: Liv. XLIV 8. 20. Polyb. XXVIII 11. 17, 1. XXIX 23, 11.

Wieder hatte, wie 170, die Flotte nichts zur Erreichung des Endziels beigetragen. Sie machte Landungen bei Thessalonike, Aineia und Antigoneia, ohne viel auszurichten. Darauf belagerte man nach Eintreffen der pergamenischen Schiffe Kassandreia, mußte jedoch hier ebenso abziehen, wie eine Überrumpelung von Demetrias mißlang. Eine Belagerung wagte man gar nicht, nachdem ein Versuch gegen das benachbarte Meliboia gescheitert war; dann fuhr man zur Überwinterung nach Skiathos und Oreos auf Euboia: Liv. XLIV 10–13. Polyb. XXIX 6, 1. Im Winter wirkte der Consul diplomatisch bei den Achaiern: Niese III 150.

Das Vordringen der Römer brachte P. endlich dazu, das Bündnis mit Genthios gegen Zahlung von 300 Talenten abzuschließen; es wurde von beiden Seiten feierlich beschworen, worauf Genthios sofort eine römische Gesandtschaft festsetzte und gegen das römische Illyrien vorging: 168 v. Chr. Polyb. XXIX 3, 4. Liv. XLIV 23. Appian. Maced. 18, 1; Illyr. 9. Plut. Aemil. 13. P. sandte nun Gesandtschaften an Eumenes, Antiochos IV. und nach Rhodos, wohin auch Gesandte des Genthios gingen: Polyb. XXIX 4, 7ff. Liv. XLIV 23, 9ff. 28, 1.

Die Römer beschlossen demgegenüber, das Heer in Makedonien ansehnlich zu verstärken und einen ihrer besten Männer, L. Aemilius Paulus, als Consul für 168 an die Spitze zu stellen. Seine Aufgabe, die er energisch angriff, wurde ihm durch den Geiz und die Entschlußlosigkeit des P. erleichtert. Er schickte Werber über die Donau zu den Bastarnern, mit denen ja die makedonischen Könige seit langem in Verbindung standen, und gegen 20 000 Mann folgten seinem Rufe und kamen an die makedonische Grenze; P. ging ihnen entgegen und bestimmte sie für die [1019] Grenzwacht im Norden, suchte sie dann aber um den Sold zu prellen. Als diese ohne Geld keinen Schritt tun wollten, erklärte er, 5000 Reiter seien genug, aber auch für diese schickte er den Sold nicht, so daß die Bastarner wieder umkehrten. Und doch hätte er sie dringend gebraucht, da ihm jetzt etwa 100 000 Mann gegenüberstanden: Liv. XLIV 26f. Plut. Aemil. 12. Diod. XXX 19. 21, 3. Appian. Maced. 18. Auch Genthios betrog er um den größten Teil der ihm versprochenen Summe, nachdem er festgestellt hatte, daß der Illyrier endgültig mit den Römern gegebrochen hatte: Liv. XLIV 27, 7ff. Appian. Maced. 18; Illyr. 9. Plut. Aemil. 13. Er sparte seinen Schatz für die Römer auf: vgl. Liv. XLIV 46, 8.

Das Kriegsjahr 168 eröffnete die makedonische Flotte. Sie befreite Transportschiffe bei Tenedos, überfiel 35 pergamenische Schiffe mit Ersatz für das Heer bei Chios, landete Truppen auf der Insel und vernichtete die dorthin geflüchteten Pergamener. Dann verlegte der Admiral Antenor sein Hauptquartier nach Delos und tat von hier aus den Feinden Abbruch. Erst als Cn. Octavius mit der römischen Flotte nahte, zog sich Antenor nach Phanai zurück: Liv. XLIV 28. 29. XLV 10. Polyb. XXIX 11, 3. Das Auftreten der makedonischen Flotte machte in Griechenland ebenso großes Aufsehen wie das Bündnis mit Genthios. Namentlich in Rhodos, wo es eine starke makedonenfreundliche Partei gab, hatten sich seit jeher die Anhänger des P. geregt, und 169 hatten die Rhodier Gesandtschaften nach Rom und an den Consul Q. Marcius geschickt, um sich zu rechtfertigen und ihre Treue zu versichern: Polyb. XXVIII 2. 16. Besonders vom Consul wurden die Gesandten freundlich empfangen; er regte an, den Frieden zu vermitteln. Polybios sieht darin (XXVIII 17) den arglistigen Versuch, die Rhodier zu einem unklugen Schritt zu veranlassen. Diese Nachrichten erregten in Rhodos große Befriedigung, und es wurde die Friedensvermittlung beschlossen, da nun die makedonische Partei die Oberhand bekam: Polyb. XXIX 10. Als dann die Gesandtschaft des P. und Genthios eintraf, traten die Führer der Makedonenfreunde, auch durch die Erfolge der Flotte angeregt, offen für P. ein, und es wurde ihnen der Beschluß, Gesandte nach Rom, an den Consul und an P. abzuschicken, mitgeteilt: Polyb. XXIX 11.

Im Frühjahr 168 war auch Genthios zu einem Feldzug aufgebrochen. Aber er wurde von dem Nachfolger des Ap. Claudius, L. Anicius, mit Verlust zurückgeschlagen, bis Skodra verfolgt und hier noch einmal besiegt. Darauf unterwarf er sich auf Gnade und Ungnade: Liv. XLIV 30, 6. 32, 4. Appian. Illyr. 9. Plut. Aemil. 13.

L. Aemilius Paulus begann den Feldzug sofort. P. hatte sich gerüstet, die Küstenstädte gesichert, den Paß von Petra besetzt, die Verschanzungen am Elpeios ausgebaut: Liv. XLIV 32, 5ff. Plut. Aemil. 13. So versuchte Paulus vergeblich, die makedonische Stellung[WS 1] zu nehmen, obwohl es ihm gelungen war, das römische Heer mit neuem Mut zu erfüllen und die Disziplin zu bessern. Als um diese Zeit die rhodischen Gesandten eintrafen, erkannte der Consul, daß dem Krieg so bald wie möglich ein Ende gemacht [1020] werden mußte, und beschloß deshalb, auf dem Paß von Petra P. zu umgehen. Um die ausgesandten Truppen, 5000 Mann, zu unterstützen, begann er einen heftigen Angriff auf die Vorstellungen der Makedonen. So merkte P., der auf eine Schlacht gefaßt war, nichts von dem Manöver; den Römern gelang die Überrumpelung der Paßwache, und sie erschienen im Rücken des Königs. Dieser räumte seine Stellung und zog sich eilends nach Pydna zurück, wo er auf den Rat seiner Umgebung sich zur Entscheidungsschlacht zu stellen entschloß: Liv. XLIV 35. Plut. Aemil. 157. Zonar. IX 23. Aemilius Paulus rückte nach und schlug vor dem Feinde ein Lager auf. Am nächsten Tage kam es zur Schlacht: Der Römer wartete auf den Angriff der Feinde, und ihn selbst erschreckte der Anprall der Phalanx. Aber beim weiteren Vorrücken geriet der Gewalthaufe in Unordnung und wurde von den beweglicheren Cohorten zerrissen. Damit war die Schlacht entschieden, und es begann ein furchtbares Morden, an dem auch die römische Flotte teilnahm; nur die Reiterei rettete sich: Liv. XLIV 40ff. Polyb. XXIX 17. Plut. Aemil. 18ff. Iustin. XXXIII 2. Vgl. zur Schlacht Kromayer II 310ff. Ed. Meyer Kl. Schr. II 463ff. Niese III 162f. P. floh mit der Reiterei, die anscheinend gar nicht an der Schlacht teilnahm, nach Pydna und von hier mit den Odrysen nach Pella. Die Verluste waren auf der makedonischen Seite außerordentlich groß, und man wird den Verdacht nicht los, daß die Kopflosigkeit des Königs, der mit der berühmten Hetairenreiterei den Tag vielleicht hätte retten können, vor allem an dem furchtbaren Ergebnis (20 000 Tote, 11 000 Gefangene) Schuld war. Auf dem Wege nach Pella kam es zu einem Handgemenge zwischen der Reiterei und flüchtendem Fußvolk; der König verließ die Straße und gelangte auf Umwegen in die königliche Burg; schon auf dem Wege wurde er von seinen Getreuen verlassen. Nur mit drei Begleitern und den Kretern flüchtete er weiter nach Amphipolis, nachdem er noch in Pella zwei Vertraute, die ihm Vorwürfe machten, niedergestochen hatte. Selbst jetzt verließ ihn sein Geiz nicht, und er versuchte den Kretern die Kostbarkeiten, die er ihnen überlassen, hatte, wieder auf betrügerische Weise abzunehmen. Da sich die Bewohner von Amphipolis weigerten, die Stadt gegen die Römer zu verteidigen, begab sich P. nach Galepsos und von dort nach Samothrake, wohin er einen beträchtlichen Teil seines Schatzes mitnahm: Liv. XLIV 43ff. Plut. Aemil. 23. Diod. XXX 21. Iustin. XXXIII 2, 5. Die würdelose Art ihres Königs und die Schwere der Niederlage führte zu einer schnellen Unterwerfung des Kerns der Monarchie. Trotzdem hoffte P. immer noch auf Gnade in irgendeiner Form. Er wandte sich in zwei Schreiben an Paulus und bat um Sendung von Vertrauensleuten; auch dies führte zu nichts, da der Consul unbedingte Unterwerfung verlangte. Als dann der Praetor Cn. Octavius auf Samothrake landete, lieferte sich P. selbst den Römern aus, indem er die Heiligkeit des Tempels der Kabiren durch den Mord an seinem Freunde Euandros entweihte. Vergebens versuchte er zu entfliehen, und als auch die Edelknaben ihn verließen, ergab [1021] er sich endlich dem Praetor. Dieser brachte ihn zu Paulus, der ihn in seinem Feldherrnzelt würdig empfing und ihm keinen Kniefall gestattete. Nach der Unterredung wurden dem P. alle Ehren erwiesen: Liv. XLV 4ff. Plut. Aemil. 26ff. Polyb. XXIX 20. Diod. XXX 22.

Es blieb P. nicht erspart, im Triumph den Römern gezeigt zu werden: mit seinen Kindern, den Söhnen Philippos und Alexandros und einer Tochter, ging er vor dem Triumphator. Er hatte dieses Schicksal vergeblich von sich abzuwenden gesucht; Paulus hatte ihn nur auf die Möglichkeit des Selbstmords hingewiesen: Liv. XLV 40. Plut. Aemil. 33ff.; reg. et imp. apophth. 198 B. (Über die Kriegsbeute s. Niese III 188. C. C. Brooke Numism. Chron. nr. 50, 88ff. [1933].) Nach dem Triumph wurde P. nach Alba gebracht und mit seinen Kindern in den Kerker geworfen. Nur mit Mühe erreichte Paulus für ihn eine menschlichere Unterbringung. Hier soll er nach den einen sich selbst durch Hunger das Leben genommen haben, nach anderen hätten ihn die Soldaten, die er beleidigt hatte, am Schlafe gehindert, so daß er an Entkräftung gestorben sei. Auch Philippos und die Tochter sind während der Gefangenschaft gestorben, während Alexandros später als Schreiber im öffentlichen Dienst ein brauchbarer Beamter gewesen sein soll: Plut. Aemil 37. Liv. XLV 42. Polyb. XXXVIII 2, 3. Diod. XXXI 9. Zonar. IX 24, 6. P. hatte 10 Jahre 8 Monate regiert (vgl. Beloch GG IV 2, 113ff.) und starb zwei Jahre nach dem Triumph des Aemilius Paulus, also etwa 165 v. Chr.

Auf seinen Charakter ist im Lauf der Darstellung so oft eingegangen worden, daß es genügen dürfte, noch einmal folgendes festzustellen: P. war ein hochgewachsener, sportlich gestählter Mann von liebenswürdigen Umgangsformen (Polyb. XXV 3. Athen. X 445 d), aber unberechenbar und jähzornig. Vor allem fehlten ihm die wahrhaft königlichen Eigenschaften: Entschlußkraft, Selbstbewußtsein und Stolz auch im Unglück, Treue seinen Untergebenen gegenüber und fürstliche Freigebigkeit. Der Sturz Makedoniens ist zu einem guten Teil auf seinen Mangel an zielbewußter Energie, seine Kopflosigkeit bei unglücklichen Zufällen, seinen schmutzigen Geiz zurückzuführen. Vgl. Mommsen I⁵ 765ff. Benecke Cambr. Anc. Hist. VIII 267ff. – Für die Münzen des P. genügt es, auf die abschließende Darstellung Gaeblers Antike Münzen Nordgriechenlands III 1, 26ff. 2, 1ff. hinzuweisen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage:Sellung