BLKÖ:Splény von Miháldy, Gabriel Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Spitzer, Thomas
Band: 36 (1878), ab Seite: 199. (Quelle)
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Splény von Miháldy, Gabriel Freiherr (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Ternyn in Ober-Ungarn 2. October 1734, gest. zu Szilvas-Ujfalu 1. April 1818). Sein Vater Gabriel Anton war kaiserlicher General der Cavallerie und die Mutter Katharina eine geborene Gräfin Berényi. Der Sohn Gabriel erhielt seine erste Ausbildung auf dem Jesuiten- Gymnasium in Kaschau und später in der Theresianischen Ritter-Akademie. Nur war diese Erziehung vielmehr auf eine im Civil-Staatsdienste als in der Armee zu verfolgende Laufbahn gerichtet. Aber der soldatische Geist des Jünglings, ein Erbtheil seiner Ahnen, die so oft mit Ruhm in den Reihen der kaiserlichen Heere gefochten, ließ sich nicht in Schreibstube und an Actentisch bannen, und der Gedanke, ihn in die Rechtspraxis treten zu lassen, mußte aufgegeben werden. Der Vater stellte ihn der Kaiserin Maria Theresia vor, welche den jungen Gabriel sofort zum Fähnrich ernannte. So betrat S. im Jahre 1752, 18 Jahre alt, die militärische Laufbahn und fand in dem bald darauf ausgebrochenen siebenjährigen Kriege Gelegenheit, den Kriegergeist seiner Vorfahren zu bethätigen. Er kämpfte bei Lobositz, Liegnitz, Breslau und Leuthen, wohnte den Belagerungen von Olmütz, Neisse, Glatz und Schweidnitz überall mit solcher Auszeichnung bei, daß in den Armeeberichten seiner damaligen Generale Browne, Daun, Loudon sein Name immer mit Auszeichnung genannt und S. schon nach sieben Dienstjahren und in einem Alter von erst 27 Jahren zum Major befördert wurde. Neun Jahre später, 1768, ward er Oberst und Commandant des 39. Infanterie-Regiments, damals Jacob von Preysach, und fünf Jahre später, 1773, General-Major. Auf einer Reise, welche Kaiser Joseph unternahm, befand sich General-Major Splény in dessen Begleitung und hier wurde der Kaiser auf den jungen General, den nicht gewöhnliche gesellschaftliche, militärische und administrative Fähigkeiten auszeichneten, aufmerksam. Durch den zu Kutschuk Kainardschi am 5. Februar 1777 mit der Pforte abgeschlossenen Vertrag war die Bukowina, welche vordem einen Theil der Moldau [200] gebildet, an Oesterreich gelangt. Mit der Organisirung der neu erworbenen Provinz wurde von Kaiser Joseph General-Major Splény betraut. In dem unter der türkischen Herrschaft gänzlich verwahrlosten Lande hatte nun S. eine dankbare Aufgabe zu lösen. Er ordnete mit Umsicht alle Verwaltungszweige der Provinz, zog die in zerstreuten einzelnen Hütten lebenden Einwohner in wohnliche Dörfer zusammen. ließ die wüsten Strecken des Landes urbar machen, baute neue Dörfer, die er mit Colonisten aus österreichischen Provinzen und dem Auslande besetzte, führte eine wohlgeregelte und schleunige Rechtspflege ein, gewann bei den Unterhandlungen über die Grenzberichtigungen einen Zuwachs von mehr als 30 Dörfern, und konnte, nachdem er nach vierjähriger Verwaltung des Landes – bei Ausbruch des bayerischen Erbfolgekrieges – eine andere Bestimmung in der activen Armee erhielt, an Stelle eines verwilderten Landes eine wohlgeordnete Provinz in die Hände Ihrer Majestäten legen. Nun trat S. in die active Armee zurück und kam zu dem von dem Feldzeugmeister Ellrichshausen [Bd. IV, S. 25] befehligten Armee-Corps in Mähren und Oberschlesien, wo er sich während des Winterfeldzuges 1778/79 in den Kämpfen bei Troppau, Jaktar, Pfaffenberg, Mösningh und Jägerndorf durch Umsicht und Tapferkeit auszeichnete. Die Preußen, welche mit überlegenen Kräften Oppeln und Jägerndorf in Besitz genommen, warf er, nachdem sie wiederholte Versuche, in Mähren einzufallen, gemacht, immer wieder mit Entschiedenheit zurück. Noch tüchtigere Proben gab S. im Türkenkriege der Jahre 1788 und 1789. Chotim war eingeschlossen, und der neue Hospodar der Moldau Manole-Roszot nebst dem Khan der Tataren, letzterer allein mit einer Heeresmacht von 20.000 Tataren, eilte zum Entsatze herbei. Der commandirende General Josias Prinz Coburg-Saalfeld beorderte Splény nach Strojestie, wo er sich mit dem die russischen Hilfstruppen heranführenden General Elmpt vereinigen, dann gegen Jassy vorrücken und Chotim entsetzen sollte. Splény commandirte nur über 3 Bataillone und 16 Schwadronen Reiter, aber muthig schritt er vor. Da wurde ein Theil seiner Truppen von Pascha Ibrahim Nazir am 31. August 1788 bei Belwesty angegriffen. Gegen 7000 Tataren hielt sich unsere Abtheilung durch sieben Stunden, worauf erst eine kleine Verstärkung anrückte, die nun den Feind, nachdem er einen ansehnlichen Verlust erlitten, vollends in die Flucht trieb. Durch diesen Sieg ward Jassy, die Hauptstadt der Moldau, genommen, der Tataren-Khan, der sie besetzt gehalten, war aus ihr und bis nach Galatz geflohen und unsere Truppen waren am 3. September in Jassy eingerückt. Nun galt es, zum Schutze der siebenbürgischen Grenze das Szereth-Thal zu besetzen. Am 22. September brach S. von Jassy auf und rückte unter beständigen Kämpfen mit den Tataren nur langsam vor, so, daß er am 13. October erst bis Adgjud (lies: Adschud) kam. Am folgenden Tage wurde S. angegriffen. Sein kleines Corps hatte er unweit des genannten Ortes in drei Vierecken (Quarré’s) aufgestellt und vor ihnen eine Kette leichter Truppen mit sechs Kanonen postirt. Bis dahin hatte man nur aus ganzen Fuß-Regimentern und Brigaden große und schwerbewegliche Vierecke gebildet. Dergleichen aus kleineren Abtheilungen zu formiren und sie der feindlichen Reiterei entgegenzustellen, hatte [201] S. hier zum ersten Male und mit glänzendem Erfolge versucht, indem alle Angriffe der Türken zurückgewiesen wurden, wobei der Verlust der Unseren, die zwei Halbmonde erbeutet hatten, nicht mehr als sechs Mann und vierzehn Pferde betrug. S. wurde für sein muthiges und umsichtiges Verhalten zum Inhaber des siebenbürgischen Infanterie-Regiments Nr. 51, heut Erzherzog Karl Ferdinand, ernannt. Im Feldzuge des nächsten Jahres, 1789, sammelte der Feind seine Schaaren bei Fokschan. S. erhielt Befehl, gegen diese Stadt vorzurücken. Sein Corps bestand im Ganzen aus drei Brigaden: Jordis, Karaczai und Horváth in einer Gesammtstärke von 6000 Mann Fußvolk, 2300 Reitern und 25 Geschützen. Am 6. Juni begann die bereits seit Wochen geplante und nur durch die Bewegungen der russischen Hilfstruppen immer wieder verschobene Vorrückung. Nun ging es vorwärts, und gab es immer nur leichte Gefechte, indessen sich der Feind bei Fokschan ansehnlich verstärkte. Endlich kam es am 1. August, Morgens 4 Uhr, zum Beginne der Schlacht bei Fokschan, in welcher Splény die dritte, den äußersten rechten Flügel des verbündeten Heeres bildende Colonne führte. Hier verrichtete Splény Wunder der Tapferkeit, vor Allem mit einer Reiter-Attaque von zwölf Schwadronen, in welcher er die überlegenen Spahis über den Haufen ritt, dann in einem Sturmangriffe, in welchem er sich persönlich an die Spitze des 7. Infanterie-Regimentes Karl Schröder, nachmals Latterman, stellte und einen Theil der feindlichen Verschanzungen bei Fokschan und das Kloster Sarnal nahm. Nun schlug der Rückzug der Türken in allgemeine Flucht um. Prinz Josias von Sachsen-Coburg sprach im Armeebericht es ausdrücklich aus: „daß vorzüglich Splény das Glück dieses Tages zu danken sei.“ In der neunzehnten Promotion (vom 21. December 1789) wurde S. für sein tapferes Verhalten bei Adgjud mit dem Ritte-Kreuze, für seine Leistungen bei Fokschan aber in der dreiundzwanzigsten Promotion (vom 19. December 1790) mit dem Commandeurkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1790 wurde S. zu verschiedenen militärisch-diplomatischen Sendungen, unter anderen zu einer an den Fürsten Potemkin nach Cherson, wo er mit Ehrenbezeugungen überhäuft wurde, verwendet. In den nächstfolgenden Friedensjahren wirkte S. als Obergespan des Zabolcser Comitates, wozu ihn Kaiser Leopold im Jahre 1791 ernannt hatte. Bei Ausbruch des französischen Revolutionskrieges rückte auch S. wieder ins Feld und befehligte im Anbeginn seine Division am Rhein, bei Heidelberg, Brummt, Lindau u. s. w., später, als Wurmser am Oberrhein abwesend war, die Armee am Unterrhein. Im Jahre 1795 ernannte ihn Kaiser Franz zum wirklichen geheimen Rathe und im Jahre 1796 zum Festungs-Commandanten von Olmütz. Im Jahre 1799 erfolgte seine Ernennung zum Befehlshaber des adeligen Aufgebotes jenseits der Theiß. So hatte Splény nicht weniger als 66 Jahre unter vier Monarchen als Krieger im Felde und als Staatsmann im Rathe mit glänzenden, stets ungetrübten Erfolgen gedient. Dreißig Jahre war er Inhaber seines Regiments gewesen, das voll Liebe und Vertrauen an seinem väterlichen Chef hing. Feldmarschall-Lieutenant Splény erreichte das hohe Greisenalter von 84 Jahren. Aus zwei Ehen, zuerst mit Susanne Baronin Orczy, dann mit Julianne Baronin Ghillányi, [202] hatte er 17 Kinder und zwei seiner Söhne waren noch bei Lebzeiten als Feldmarschall-Lieutenants Collegen des Vaters. Von seinen 17 Kindern überlebten ihn zehn mit 37 Enkeln und Urenkeln. Von seinen Enkeln endete einer, Ludwig, als tanzender Derwisch [siehe die besondere Biographie S. 207[WS 1]], und eine Enkelin Maria ist die Gattin Richards Grafen Guyon [Bd. VI, S. 50], denkwürdig aus der ungarischen Revolution 1848/49 und mit dem Namen Kurschid Pascha als Generalstabs-Chef der Kaukasus-Armee im Jahre 1850. Freiherr Gabriel ist der Stifter der nach seinem Namen benannten Gabrielischen Linie, während sein Bruder Joseph jener der Josephinischen Linie ist.

Ritter von Rittersberg (J.), Biographien der ausgezeichnetesten verstorbenen und lebenden Feldherren der k. k. österreichischen Armee aus der Epoche der Feldzüge 1788–1821 u s. w. (Prag 1828, C. W. Enders, 8°.) Bd. I, S. 46 u. f. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.), S. 265, 291, 1733 und 1734. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr.- Institut, gr. 8°.). Zweite Abtheilung, Bd. IX, S. 1142.
Porträt. Unterschrift: „Gabr. Freih. Splény | v. Nagy-Miháldy | k. k. Feldmarschall-Lieutenant“. Schier lithogr. A. Machek[WS 2] gedr. (8°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: S. 208.
  2. Vorlage: A. Machak.